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Full text of "Akademische Monatsschrift"

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mmm umiiFT. 



Gentralorgan 



für 



die Gesammtinteressen deutscher llDiversitäten. 



Heransgegeb«!! 

flmfer der Mümirkung der Herren Drofestoren Dr. Blukme «• J^omi, 

Dr. Bülauy Dr. Erdmann m Leipügy Dr. Hoffmann m Wilr»burgy 

Hofrath Dr. OppoUer in Wien^ Geheimer Roth Dr. v. Vangerow 

tn Heiddberg und anderer akademischer Lehrer 



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Dr. J. 


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Laos, Dr.fl.Th.ScUdtter, 


Ktai^ Bajrw. HoArath «nd FrofeMor der BMkte rffmwr dm Rechte m der UatronltSt 
Ml der Uairereitlt su Wflnbnrg. s« I.eipmig. 




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Ton Herrmknn Bethmanii. 

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AMDiMn mmoiiFT. 

(Dentscbe Universitats- Zeitung.) 



nr. JFalMvaiiS« flSft9* Jränuarhef». 



An inisere liemer. 

Die akademisdie Monatsschrift steht am Anfang ihres vierten Jahrgangs. 
D«r Mwngel mad UnvollkomftienheHefl, an welcher dieselbe leidet, ist sich 
die Redaction sehr wofai- bewusst. Gleichwohl darf sie sich das Zeugniss 
geben, redlich nach Minderung jener Begleiter wissenschaftlicher Untemeh- 
HMiiigen aller Art zu streben und auch in dem jungst vollendeten dritten Jahr- 
gang ihr redliches Streben mit einigem Erfolg gekrönt zu sehen. Die MH- 
arbeiter haben sich gemehrt, die Mannigfaltigkeit des Inhalts konnte dadurch 
nur gewinnen. Die Universitäten kommen dem Unternehmen mit Vertrauen 
entgegen und unterstützen es nach allen Richtungen. Immer mehr wird es 
erkannt, dass wir keinen Tuirtmelplatz streitender Persönlichkeiten, kein Kühl- 
schiff für akademische Leidenschaft, keine Anstalt für offene und verdeckte. 
Angriffe auf Celebritäten begründen wollten. Immer seltener sind wir im Fall, 
Correspondenzen beseitigen zu müssen, deren Verfasser die Aufgabe unserer 
Zeitschrift in dieser Richtung verkennen. In andern Richtungen sind bis 
jetzt bei Manchen, welche die akademische Monatsschrift mit Beiträgen 
bedenken, nicht alle Missverständnisse über deren Aufgabe beseitigt, und sq 
9ehen wir uns genöthigt, um durch Jfichtannahme vop Zusendungen nicht m 
kränken, folgende Punkte speciell hervorzuheben: 

1. Die akademische Monatsschrift ist keine politische Zeitschrift; sie 
schliesst alle Politik aus und muss sie ausschliessen, wenn sie fortbestehen 
soll. Diess muss von Jedem, der in derselben das Wort nehmen will, beachtet 
werden. Wir mussten an sich sehr schätzbare Arbeiten zur Seite legen, 
weil Jn die Besprechung von Universilätsangelegenheiten die Politik einge- 
mischt war. 

2. Die akademische Monatsschrift hat keine confessionelle Tendenz; sie 
schliesst Alles aus, was der confessionellen Polemik angehört.* 

Freilieb wird man uns vielleicht entgegtien, dass die D4irchführung jkqr 
beiden unter 1 und 2 erwähnten Punkte als unmöglich' erscheine , wenn di$ 
akademische Monatsschrift ein Centralorgan für die Gesammtinteressen deut- 
scher Universitäten sein solle. Wir antworten hierauf damit, dass 

Akadem. MoDatoschrIft. Januar 1858. 1 



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3. nach uimern frühem Programmen die akademische Monatsschrift keine 
Tendenzzeitschrift sein und sich desshalb keiner Richtung und keiner nicht 
an sich verwerflichen Ansicht verschliessen soll, sobald dieselbe rein uni- 
versitalische Verhältnisse betrifft. Sie öffnet Jedem ihren Raum, sei seine 
politische oder religiöse Ansicht sonst, welche sie wolle. Aber auch der 
ausgedehnteste Plan muss seine Granzen haben. Die akademische Monats- 
schrift soll nicht erbittern und nicht zurückschrecken, sie soll den Freunden 
der Wissenschaft Gelegenheit zur Untersuchung des Wesens der Universi- 
täten und seiner Consequenzen geben, sie soll ein statistisches Cenlralorgan 
für das Universitätsleben sein, sie soll die Bedürfnisse der Universitäten im 
Allgemeinen und einzelner im Besondern klar darlegen. Politische wie con- 
fessionelle Discussionen würden nur Antipathieen erregen und der guten 
Sache der deutschen Universitäten schaden. Die Universität als Staatsanstalt 
ist den politischen und religiösen Controversen fremd. Zur Ausfechtung 
dieser dienen so viele Organe der Presse, dass eine rein der Wissenschaft 
und ihren Trägern gewidmete Zeitschrift davon unberührt bleiben kann, und 
sie muss davon unberührt bleiben, wenn wir nicht die sehr wünschens- 
werthen Beiträge ausgezeichneter Mitarbeiter entbehren sollen. Endlich 

4. müssen wir wiederholt bitten,' uns mit anonymen oder gar Pseudo- 
nymen Zusendungen zu verschonen. Erstere bleiben unbedingt unberücksichtigt 
und gegen letztere werden wir uns zu schützen wissen. Solche Verhüllung 
einer wohlwollenden Redaction gegenüber, die mit der strengsten Gewissen- 
haftigkeit, wo es verlangt wird, die Namen der Mitarbeiter geheim hält, dient 
nur unlautern Nebenzwecken, die wir zu begünstigen in keiner Weise geson- 
nen sind. 

Plan und Einrichtung bleiben, da uns dafür von allen Seiten Zustimmung 
wurde, '^ auch für den vierten Jahrgang unverändert. Die Zusendungen 
bitten wir „an die Redaction der akademischen Monatsschrift 
in Würzburg" zu richten. 

Indem wir Allen, die uns bei unserm Unternehmen förderlich waren, 
den wärmsten Dank aussprechen, ersuchen wir sämmtliche Universitäten und 
das ganze akademische Publicum um allseitige Unterstützung unserer aka- 
demischen Monatsschrift, indem wir nur durch diese den gerechten An- 
sprüchen an dieselbe genügen können. Wir bitten unsere regelmässigen 
HH. Correspondenten , im fleissigen Correspondiren nicht nachzulassen, und 
erneuern das Gesuch an unsere HH. Collegen an allen Universitäten um Ein- 
sendung geeigneter Beiträge für den vierten Jahrgang. Insbesondere machen 
wir darauf aufmerksam, wie wtinschenswerth Beiträge zur Geschichte einzel- 
ner Universitäten- sind. 

Würzburg im Januar 1852. Die Redaction. 

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Indem auch dieVerlagsbandlung allen Gönnern der akademischen HonalS" 
Schrift für ihre so wesentliche Förderung im Jahrgange 1851 den aufrichtig- 
sten Dank sagt, wiederholt sie die Versicherung, ihrerseits Allem aufbieten 
zu wollen^ was dies^ Zeitschrift ihrem Ziele näher bringt Nach einer zwi- 
schen der Redaction und uns getroffenen Verabredung wird den HH. Mit- 
arbeitern unmittelbar nach der Versendung jedes Monatsheftes von der Re- 
daction der Retrag ihres Honorars für die in demselben enthaltenen Reiträge 
zugestellt. Jenen HH. Mitarbeitern, welche in das Abonnement bei uns ein- 
treten, und diesen Eintritt durch die Redaction bei uns anmelden, stellen wir 
den Jahrgang fortwahrend zu einem ermässigten Preise in Rechnung. Wir 
erneuern unsere Ritte an sammlliche Universitäten, sich des' Universitäts- 
Anzeigers als Organs officieller Rekanntmachungen aller Art, insbesondere 
der Vorlesungsverzeichnisse, zu bedienen und dadurch ebensowohl zur voll- 
ständigen Übersicht der an allen Universitäten angezeigten Vorlesungen als zu 
unserer Unterstützung bei dem bedeutenden Aufwand, den uns die akade- 
mische Monatsschrift verursacht, beizutragen. 

Der bibliographische Anzeiger wird auch ferner, getrennt von 
der Zeitschrift selbst, eine nothwendigc und zweckentsprechende Zugabe 
bilden. 

Der Abonnementspreis ist für den completten Jahrgang in 
zwölf Monatsheften (incl. Titel und Inhallsverzeichniss) 4 Thlr. 
preuss. cour. oder 7 fl. rhn. Einzelne Seraester oder Ottartale (zu 
entsprechend höherra Preise) abzulassen, kann sich die Verlags- 
handlung indess nur bei vorheriger Bestellung verpflichten. 

M^T Abonnements zu vorstehendem Preise werden durch 
alle Buchhandlungen und Postanstalten Deutschlands 
und des gesammtenAuslandes prompt ausgeführt. Das Januar- 
heft ist durch jede Buchhandlung zur Einsicht zu erlangen. 

l^ir bitten iint baltliffe Aufgrabe der Bestelluns^en. 

Leipzig im Januar 1852. Die Verlag^slianillaiiff. 



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Die beiden erstell Jahrhunderte der UniverBitfit Wflrsbnrg. 



Abriss einer GescMeiite der beiden ersten Jahrtainderte derUniversttftt 
V^flrzbnrg, mit besonderer Hinsiebt anf die Entviciilung der medicl- 

niscben FacnHät. 

Ansiug ans der Rectoratsrede des Professors Scherer am 2. Januar 1852, als dem 270. Jahres* 
tage der Stiftung derselben durch Förstbischof Julius. 

Die Nachrichten über öffentliche Unterrichtsanstalten in der Stadt Wärz* 
bürg gehen bis zum ersten Bischof von Würzburg, Burkard, zurück. Der- 
selbe gründete an der Domkirche zu Würzburg eine öffentliche Schule, die 
insbesondere den Zweck hatte, Missionäre für die benachbarten heidnischen 
Völker zu bilden. Bald dehnte sich jedoch der Zweck dieser Schulen so 
weit aus, dass sie auch zum Unterrichte anderer junger Leute, insbesondere 
das adeligen Standes, zum Unterrichte in der Religion, dem Lesen und 
Schreiben und der lateinischen Sprache dienten, und es erwarb sich die 
Würzbürger Domschule bald den Ruhm einer der ausgezeichnetsten dieser 
Art in Deutschland. Von Berthold von Sternberg *), Bischof von Würzburg 
im Jahre 1284, wird namentlich erzählt, dass derselbe I^hrer aus allen 
Facultäten (?) berufen und mit hinreichenden Besoldungen angestellt habe. 

Doch waren die vielen innerlichen Unruhen, die Deutschland und ins- 
besondere auch Franken damals heimsuchten, nicht geeignet, derartigen 
Anstalten die nothwendige Entwicklung und Erweiterung zu gestatten; sie 
gingen nach einiger Zeit wieder ein. 

Als später Kaiser Karl IV. in Prag die erste deutsche Universität nach 
dem Muster deren von Paris und Bologna im Jahre 1348 gestiftet, und sie 
mit allen Rechten und Freiheiten jener versehen hatte, als im Jahre 1365 
die Herzoge von Österreich mit der Errichtung der Universität zu Wien 
und der Churfürst der Pfalz mit der Errichtung der Heidelberger Hochschule 
anno 1386 diesem Beispiele gefolgt waren , nachdem Köln und Erfurt unter 
den deutschen Städten die ersten gewesen waren, die die Herstellung von 
Hochschulen sich angelegen sein Hessen, scheint auch der Bischof Gerhard 
von Schwarzburg, der 54. Nachfolger St. Burkards, den Plan gefasst zu 
haben, durch Errichtung einer Universität in seiner Residenzstadt Würzburg 
einerseits die Wissenschaften, andererseits aber auch die Nahrungsquellen 
seiner Unterthanen zu fördern. 

Was Gerhard von Schwarzburg wegen seines bereits im Jahre 1400 
erfolgten Todes nicht auszuführen vermochte, unternahm muthig und eifrig 
sein Nachfolger im Bisthum, Johann von Egloffstein. 

♦) Gropp, Script rer. Wirceb. T. L pag. 53. 

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Die beiden ersten Jahrhunderte der UniveriÜfit W&rzhorf; i 

Er verschaffte sich vor Allem die hiezu nöthige Eriaubaijis de5 Pabstes. 
In einer vom 10. December 1402 datirten Bulle des Pabstes Bonifaz IX. wird 
dem Bischof diese zu Tbeil, und darin gesagt: in Anbetracht, dass Würzburg 
vor allen Städten zur Ausbreitung der Wissenschaft und gesunden Lehre 
bequem ist , in Anbetracht , dass es reine Luft und Übcrfluss an Nafarungs- 
initteln hat, wird zum Vortheil dieser Stadt und der angränzenden Lander 
die Errichtqng eines Generalstudiums nach dem Huster der Universität von 
Bononien erlaubt, auch dieser Würzburger Universität alle jene Freiheit 
verliehen, welche die von Bononien besitzt. Allen Gewohnheiten und Ver* 
Ordnungen, die dieser Erlaubniss entgegenstehen, sie mögen sich auf pabst* 
liehe oder weltliche Autorität gründen, wird ihre Kraft benommen. Gelehrt 
sollten hauptsächlich werden: Jus canonicum, civile und Theologie. 

Mit diesen Freiheiten ausgerüstet, mag diese erste Wurzburger Univer- 
sität etwa ums Jahr 1403 ins Leben getreten sein. Da aber, wie es scheint, 
trotz der päbstlichen Bulle manche EingrifTe in die Gerechtsame der Lehrer, 
Yorenthaltung von Einkünften u. s. w. stattfanden, so wandten sich dieselben 
um Schutz bittend an den damaligen Päbst Innocenz VII. Dieser ernannte 
durch ein Oreve vom Jahre 1406 den Bischof von Augsburg, den Domdechant 
von Mainz und den Dechant des Stiftes Haug in Würzburg zu Schirmherren 
der Universität, mit der Weisung, dafür zu sorgen, dass den Angehörigen 
der Universität das ihnen widerrechtlicii Entzogene wieder zurückerstattet 
werde, dass die Freiheiten der Hochschule ungeschmälert bleiben, und dass 
gegen Widerstrebende mitCensur oder sogar mit Aufbietung von weltlicher 
Hülfe eingeschritten werde. Die uns. zugekommenen Überlieferungen besa- 
gen nichts darüber, ob auch Bischof Johann selbst mit an den Eingriffen 
gegen seine Stiftung sich betbeiligt habe; dass er zum mindesten dieselbe 
nicht kräftig genug zu schützen im Stande war, möchte sich daraus schlies-^ 
sen lassen, dass sich die Lehrer direct an den Pabst gewendet haben. Genug, 
im Jahre 1410 verlieh der Bischof der Universität die nöthige Urkunde, 
worin wahrscheinlich unter Mitwirkung und Gutheissung der päbstlichen 
Curatoren, die Privilegien der Universität näher bestimmt, der Fond für die 
Lehrer nachgewiesen, und überhaupt das ganze Verhältniss geregelt wurde. 

In Aam Hofe „zum grossen Löwen" (gegenüber der jetzigen Domini- 
kanerkirche) und im „Katzenwicker" *) Hess er viele Säle, Stuben und Kam- 
mern herrichten, in denen die Lehrer und Studenten wohnen, und ihren 
Studien obliegen könnten. 

Ob diese erste Würzburger Universität bereits liegende Güter besessen 
habe, ist nicht bekannt, wohl aber wurden zum Unterhalte dar Schule die 
Collectae episcopales und die Archidiaconalia (Einkünfte, welche die Dom- 
herren als Erzdiakonen aus der Diöcese zu beziehen hatten), die dann dem 
Namen Cathedralica erhielten, bestimm!. 

*) In diesem aTtehrw&rdigen GebSude war der Sage nach Kaiser Friedrich der Erste im 
Jahre 1156 mit <l«r MnxiaMfi Bmirix von Hargind vennfiliil lir^fden. 



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6 Die beiden ersten Jahrhunderte der UniversitSt Wfirzburg. 

Bischof Jobann ' crtheilte ferner der Universität einen besondern Frei-r 
ungsbrief, über welchen die Bürgermeister, Schultheissen , der Ralh und die 
Gemeinde der Sladl Würzbarg einen Revers ausstellen musslen ♦). Es wird 
in diesem Revers versprochen: 

„Die Meisler, Lehrer nnd Studenten als die allerscheinbarlichsten Lich- 
ter^ unter andern scheinbarlichen Sternen des christlichen Firmaments mit 
etlichen Freiheiten und Wirdigkeiten zu ehren, und ihnen mit etlichem Nutzen 
zu Hülfe zu kommen; dass dieselben vor keinen geistlichen oder weltlichen 
Richter, sondern nur vor dem Reclor der genannten Schule zu Recht stehen 
und antworten sollen, es wäre denn, dass etliche Meister, Lehrer oder Stu- 
denten geistliche Lehen oder Gottesgabe in der Stadt Würzburg hätten, oder 
da ihre Lebtage Haus halten wollten; dass keiner ihrer Schultheysen oder 
Amtleute einen Studenten fangen oder behalten dürfe, ohne dass derRector 
es erlaube, oder derselbe in grosser Missethat befunden würde; im letzteren 
Falle aber soll derselbe ohne Verzug und ohne Beschädigung dem Rector 
überliefert werden, der ihn dan umb solche Bossheit zu strafen 
hat. Es soll ferner der Schultheys und andere weltliche Richter nach allem 
ihrem Vermögen alle Meister, Lehrer und Studenten vor allen ihren Wider- 
sagern getreulich beschirmen und ihnen beholfen seyn. Weiter soll der je- 
weilige Stadtschultheys auf Verlangen des Rector oder seines Stalthalters 
vor diesem und ettlichen ehrsamen Personen gedachter Schule zu den Hei- 
ligen schwören und sich verbinden, alle obgenannten Artikel und Punkte zu 
halten^' u. s. w. 

Das Rectoratsiegel der Universität zeigte einen Lehrer der Schule im 
Amtshabit, mit Baret und aufgeschlagenem Buche, umgeben von den Insig- 
nien der Gewalt und mit der Umschrift: Sigillum rectoratus studii Herbipo- 
lensis. 

Erster Rector der Hochschule war Johann Zantfurt, Dr. juris canon., 
baccal. juris civilis und Capitular im Stifte Neumünster. Von den Lehrern 
dieser Hochschule ist uns leider kein Name überliefert; es wurden aber 
deren mehrere von auswärts berufen und nebst Theologie und Jus canoni- 
cum noch Jus civile, schöne Wissenschaften und Künste gelehrt. 

Es sollen sich in kurzer Zeit viele Studenten an der neuen Hochschule 
eingefunden haben; allein als im Jahre 1411 Johann von EglofTstein starb, 
und unter seinem Nachfolger Johann von Brunn der alte Streit zwischen 
Bürgerschaft und Geistlichkeit aufs Neue ausbrach, die Professoren, wie es 
scheint, hiebei Partei nahmen, und in Folge dessen die Studien unterbrochen 
und die Einkünfte und Besoldungen der Lehrer geschmälert wurden , die 
Studenten ein wüstes Leben führten, der Rector Zantfurt von seinem eigenen 
Famulus im Hofe zum grossen Löwen ermordet wurde, als noch fiberdiess 
die Streifereien derHussiten bis nach Franken sich er/streckten, — da konn- 



*;) Fries frink. Chronik, neue Aasgabe. Wftrzburg 1848. Bd. I. pig. 585. 

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Die beiden ersten Jahrhunderte der Univergitfit WArzborg« 7 

ten die Studien nicht mehr gedeihen und Lehrer und Studenten verliessen 
die Stadt Wurzburg und zogen nach Erfurt. 

So endete die erste Wurzburger Hochschule nach kaum dreizehnjährigem 
Bestände. Trithemius hat über das Leben der Studenten in seiner Chro- 
nik Hirsaug. II, 296 nachstehende Gedächlnissverse überliefert: 

Balnea, census, amor, lis, alea, crapala, clainor 

Irapediunt niultum Herbipolense Studium. 

Zwistigkeiten und' selbst offener Kampf zwischen dem Bischof und Dom- 
capitel, bedeutende Überschuldung des Hochsliftes, in Folge dessen die 
Domherren selbst mit dem Gedanken umgingen, das Hochstift dem deutschen 
Orden zu übergeben, ein Vorhaben, von dem sie nur durch die kräftigen 
und eindringlichen Vorstellungen des Dr. Gregor Heimburg abgebracht wur- 
den, Hussiten-, Bauern- und Brandenburgischer Krieg, Pest, die Grum- 
bachischen Streithändel und Anderes mehr liessen ein^n Zeitraum von über 
anderthalb hundert Jahren vergehen, bis man dazu gelangen konnte, die 
Pflege der Wissenschaften in W^ürzburg wieder ernstlich in Angriff zu nehmen. 
Die meisten Studirenden der fränkischen Lande besuchten in dieser Zeit die 
Universität zu Erfurt. Friedrich von Wirsberg, der 65. Bischof von Würz- 
burg, war es, der zuerst im Jahre 1561 ein Gymnasium in dehn St. Agnes- 
Kloster errichtete, auf dasselbe Lehrer der Philosophie, hebräischen und 
griechischen Sprache und der Dichtkunst berief und damit wieder einen 
geregeitern Betrieb der Wissenschaften in Würzburg anbahnte. Der Jesuiten- 
general Lainez wurde von dem Bischof ersucht, einige Priester seines 
Ordens zu Lehrern dieses Institutes zu senden, konnte aber anfänglich diesem 
Ansinnen aus Mangel an solchen nicht entsprechen. Fr. v. Wirsberg berief 
daher andere, und von zweien derselben, dem Kaspar Stiblin und Konrad 
Dinner von Freiburg, sind uns noch die Namen erhalten. 

Erst im Jahre 1564 kamen die Jesuiten nach Würzburg und übernahmen 
sowohl das. von dem Bischof inzwischen „im Hofe zum grossen Fresser'^ 
gestiftete Seminar für Weltpriester als auch im Jahre 1567 das 200 Schüler 
zahlende Gymnasium im St. Agnes-Kloster. Wirsberg wollte schon damals 
dieses Gymnasium durch Errichtung der vier Facultäten in eine Hochschule 
umwandeln, unterliess dieses aber noch auf den Rath des Jesuiten-Provinzial 
Peter Canisius, bis die nöthigen Fonds ermittelt wären. Der im Jahre 1573 
erfolgte Tod des Bischofs Wirsberg brachte Julius Echter von Mespel- 
brunn, der noch nicht 30 Jahre alt war und noch nicht, alle geistlichen 
Weihen erhalten hatte, auf den Bischofsstuhl. Julius, geboren im Jahre 1544 
zu Mespelbrunn im Spessart, der seine Bildung grösstentheils auf den Uni- 
versitäten zu -Mainz, Köln, Löwen, Paris und Pavia erlangt hatte, Hess sich 
alsbald die Realisirung* des von seinem Vorfahrer begonnenen Werkes ange- 
legen sein, und schickte den Dr. Krepser nach Rom, um voA dem Pabste 
Gregor XIII. die nöthigen Vollmachten und Privilegien zu. erhalten. Diese 
wurden auch wirklich im März 1585 vom Pabste und am 1. Mai desselben 



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8 Die beiden enteo Jahrbanderte der Unlveraitfit WQrzbarg. 

Jahres aach vom Kaiser Maximilian ertheilt, und der neuen Würzburger 
Hochschule damit alle Freiheiten der Universität zu Bologna und der deutschen 
Universitäten verliehen. 

Nach so erlangten päbstlichen und kaiserlichen Licenzen war es Bischof 
Julius fernere Sorge, den nölhigen Fond für seine Hochschule zu beschaffen. 
Hiezu dienten, neben. den in Folge vorausgegangener Kriege verödeten und 
verlassenen Klostern Harienburghausen bei Hassfurt und Frauenhausen bei 
Kissingen, mit ihren liegenden Gutern und Gefällen, noch Sammlungen bei 
den Prälaten des Hoehstiftes, einmalige oder ständige Beiträge der Klöster 
und Stifte des Bisthums, Überlassung von Präbenden an Professoren, so 
namentlich Seitens des Ritterstiftes St. Burkard und des Stiftes zu Hang. 
Auch das St. Ulrich-Kloster in Würzburg, das nur 100 fl. jährlicher Ein- 
künfte hatte, baufäUig und von den Bewohnerinnen verlassen war, kam mit 
Erlaubniss des Pabstoß Gregor im Jahre 1583 noch hinzu. Das Juliushospital 
leistete laut einer noch hn Archiv des üniversitäts - Verwaltungs - Aus- 
schusses vorhandenen 'Urkunde vom 22. Febr. 1596 einen Beitrag von 
2300 fl. Noch bevor alle diese Beiträge beisammen waren, wurde die 
Eröffnung der Universität am 2. Januar 1582 feierlich vorgenommen. Nach 
einem in der Kirche der Franziskaner gehaltenen Hochamte, welchem Fürst- 
bischof Julius mit seinem ganzen Domcapitel, die Prälaten, der Adel der 
Nachbarschaft, die fürstlichen Räthe, die Stadtvorstände und viele Doctoren 
beiwohnten, hielt der Pater Halenius , Prof. der Theologie, eine lateinische 
Rede über die Vorfheile der Akademieen, und nach ihm verlas derRector der 
Jesuiten, Rapedius, die päbstlichen und kaiserlichen Privilegien. Das Tedeum 
machte den Schluss der kirchlichen Feierlichkeiten. Hittags war grosse 
Tafel !m Rathhaussaale, nach welcher Julius in einer eindringlichen Rede die 
anwesenden Prälaten ermahnte, bei den betrübten Zeiten die Liebe zu den 
Wissenschaften unter ihren Untergebenen zu wecken und zu fördern, und 
die anwesenden Stadtvorstände aufforderte, das Beste der Universität, als 
einer Zierde der Stadt und einer reichen' Quelle des Einkommens der Bfir- 
gerschaft, nach Kräften zu fördern. 

Am 4. Januar ernannte Julius die Facultätsdeeane und zwar: den 
Suffragan-Bischof und Dr. Theol. Anton Rees zum Decan der theologischen, 
den Dr. utriusq. juris Veit Krepser, Decfaant im Neumünster, für die 
juridische, den Dr. med. Jonas Adelwerth für die medicinische und den 
Generalvicar Dr. philos. Michel Suppan für die philos. Facultät. Ein- 
stimmig wurde hierauf von den vier constituirten Facultäten Julius zum R e c t o r 
magnificenlissimus gewählt, welche Wahl derselbe nach einigem Wider- 
streben auch annahm, und; sich, in der Persoft- des Dr. Suppan einen. Vice-, 
rector gab. \ - ' ' \ ' ' 

Den Unterricht in* der theologischen und philosophischen Facultät über- 
gab Julius den Jesuiten und vermehrte hiefür ihre Einkünfte um jährlich 
1500 II. aus der Universitäts-Receptoratskasse. (Die Abschrift dieser Urkunde 



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Die Md«ii CMeii labrbMideHe 4er UeiverMtt Wftnburg. 9 

m daplo ist » den Acten des UaiverisitatS'-Verwaltangs-AiBssehiisses nöek 
in lat«inisehe^ Sprache yorhande» und datirt vom Jahre 15S8.} 

Die Lehrer dei* Jaristenfacultät, theils einheimische , theils berufene, 
theHs geistHchen, theiliS weltlichen Standes erhielten den Rang der färst-^ 
liehen Räthe. 

Die medidnische Facultät, auf die er nach Gropp Bd. III. pag. 340 ,,ehi 
Besonderes gewidmet", halte Ibut Inhalt des ersten in der Universitäts- 
Bibfiothelf noch vorhandenen' Hatrikelbuches zu Professoren: den Dr. Jonas 
Adelwerth als Decan; W. Upilio od. Schäferlein; Joh. ErasinnsFlose^ 
und Joh. Posthitis. Letzterer^ geki'önter Dichter des Kaisers Rudolph 11», 
ging jedoch bereits 1585 von Wärzburg Aach Heidelberg ab. 

Als Lo(MiIe für seine Hochschule beabsichtigte B. Julius anfänglich defi 
^Katzonwicker" zu benutzen; da er jedoch dabei auf grossen Widerspruch 
Seitens des Domoapitels^ welches diesen Hof an sich gebogen hatte, stiesSi 
so unternahm er einen ganz neuen Bau. Ohne auf weitern Widerspruch 
zu achten, *und bevor noch die päbstliche Erlaubniss angelangt war, Hess er 
das Kloster SL. Ulrich einreissen, kaufte hiezu aus der von ihm angelegten. 
Baukasse, in welche alle Einkünfte geworfen wurden und über deren Ver* 
Wendung zum Bau die von Julius eigenhändig approbirten Rechnungen noch 
vorhanden sind, noch einige' nahestehende Häuser hinzu, Hess auch diese 
vollständig einlegen, und begann nun den Neubau. Den Grundstein legte, 
er am dritten Pfingsttage (8. Juni) des Jahres 1582 in der Ecke zwischen 
Mittag und Abend. Der Platz, an dem das St. Ulrich- Kloster gestanden, wurde 
der neuen Universitätskirche zu den zwölf Aposteln bestimmt, def durch 
Einlegün^ der Häuser und Höfe, dann der vom Stift Neumünster um 320 8. 
gek^tifteA St. Lorenz-Kapelle gewonnene Raum diente zur Rerrichtung der 
Kollegien und des Seminarium KHianeUm. 

Nach neun Jahren (und „mit Unkosten, mehr denn B. JuHus selbst gerne 
nönnen und andere bissen lassen wollte") (Gropp) waf der ganze Bau nebst 
Kirche zu denzwölf Aposteln fertig, und wurde letztere in Beisein des Herzogs 
Wilhelm von Bayern am 8. September 1591 feierlich eingeweiht. Diesfe 
kirchö gerieth jedoch bereits einige Jahre nach Fürstbischofs JuUus Tod 
1617 wegen 2u schwacher Fundamente durch Weichen der Hauptmauei^n 
ufid Einfallen * der Schlusssteine des Gewölbes in Verfall, und wurde eri^t 
von Joh. ClOttfried von Guttenberg 1696 wieder ileü aufgebaut und unter 
des Letztern Ndchfolgei^ Joh. Phil. V. Greifenklau im Jahre 1703 in iht*er 
heutigen Gestalt voUendet. 

Wo in der Zeit von 1582 bis 1591 der Unterricht der einzelnen FaCöl-^ 
täten ertheilt wurdej darüber habe- ich nirgend - Nachrichten gefunden, ' \ 

' Neben der ^Universität stiftete ' JuKus im »Jahre j589' noch 3 CoJIegi^/ 
mA versah dieselben init den hptHigen^tipendien. Das. eine War für 40 
Gandidateh dbs Seelsorgerstandes bestimmt,' „welche bei ih^em Studio mit 
genügsamer ehriicher Unterhaltung versehen werden, füi*nehmlich aber Theo- 

Akadem. Monatssehrift Januar 1858. 8 

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10 Die beiden ersten Juhrliunderte der Universität Würzburi^t 

lögie Studiren sollen, damit sie zu geistlichem Stande, und der Seelsorge bei 
den Pfarren zu ziehen und zu gebrauchen seyen/' Diese Stiftung wurde 
unter dem Namen Kilianeum nach Vollendung des Univer$itätsbaues in 
diesen selbst verlegt, und als ^^praecipmim tniiversitaUs membrttm'' von 
Julius bezeichnet. Sie ist als das Fundament des heutigen Clericalseminars 
ad bonum Pastorem, welcher Name erst unter Franz Ludwig von Erthal für 
dasselbe angenommen wurde, anzusehen. Das Locale desselben-, welches 
ihm von Julius selbst angewiesen wurde, war der heutzutage sogenannte 
Receptorätsbau. Später befand es sich mit dem Seminarium Nobilium einige 
Zeit in der Nahe der Peterskirche, in der sogenannten „alten Hünze^S ^^1* 
ches Gebäude unter Johann Gottfried von Guttenberg für diese beiden 
Collegien im Jahre 1693 erbaut wurde. Erst im Jahre 1789 bezog es,* 
nachdem es vorher abermals einige Zeit im Universitätsbau gewesen war, 
das inzwischen aufgehobene Jesuiten -Gebäude, worin es sich noch jetzt 
befindet. 

Das zweite Collegium, gleichfalls für 40 Zöglinge, hatte zwar auch das 
theologische Studium zum Ziele; docÜ konnten die in demselben erzogenen 
Jünglinge, „dieweil nicht ein Jeder dazu beschaffen ist und Neigung hat^% 
auch an andere Facultäten oder zur Philosophie übergehen. Dieses Collegium 
erhielt den Namen Marianum, hatte seinen Sitz im Pfauenhofe, und ging 
in Folge des Schwedenkrieges ganz ein. 

Das dritte Collegium, abermals zu 40, war für ,, armer guter doch 
unvermöglicher Leute Kinder, so zum Studiren tauglich, aber noch keine 
Principia haben , oder da sie solche gleich in gemeinen Schulen erlangt 
von ihrer Armuth wegen, weiter nicht fortschreiten, noch dem Vaterland 
zu Nutz und Dienst erspriessen mögen." Es war demnach ein Seminarium 
puerorum, im Anfange mit dem Prieslerseminar im Hofe zum Fresser ver- 
einigt, später aber nach der Verlegung des letztern in das neue Universi- 
tätsgebäude allein im Fresserhofe verbleibend, welcher dann den Namen 
Domus pauperum erhielt. Auch diese Stiftung ging im Schwedenkriege 
unter. Das Collegium Nobilium endlich, im Jahre 1607 gestiftet, war 
zur Erziehung katholischer Jünglinge des adeligen ' Standes bestimmt , und 
befand sich im südlichen Flügel des Universitätsbaues. Es wurde am 7.^ 
November 1803 durch die churbayerische Regierung aufgehoben. .Während 
diese Collegien, gleichwie die theologische und philosophische Facultät, ganz 
der Obhut der Jesuiten übergeben waren, verblieben die beiden übrigen 
Facultäten, die juristischev und die medicinische, selbstständig. Die Juristen- 
facultät erhielt sogar einen eigenen. Fond von 20,000 fl. , die medicinische 
Facultät „gewisse Stipendien und Alimente^^ 

Für die Universitätsbibliothek sorgte Julius durch Anschaffung von 
Handschriften, Büchern, Gemälden, Münzen und Alterthümern. Leider wurde 
letztere eine Beute ider Schweden, die mehrere Schiffe, wovon einige unter- 

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B£e beiden 6ntea Jakrkmderto iet Üoiv^rtilil Wärsboff^ 11 

wegs untergegangen sein sollen » damit befrachteten und den Raub nack 
Upsala schalten. 

Im October 1587 verlieh Julius seiner Universität Statuten : Constitu-* 
tiones sive leges statutariae Almae Acad. Wiroebarg., die mit 
dem grossen fürstl. bischöfl. Wachssiegel in einer Holzkapsel versehen, noch 
vorhanden sind. Dieselben bestanden in 18 Titeln und handeln von der 
Universität im Allgemeinen, von dem Senat, dem Rector, den Satzungen 
der Studenten, von der Immatriculation, von den Kanzlern, dem Pedellen, den 
4 Decanen, von den Congregationen, dem Notar, den Privilegien der Uni- 
versität u. s. w. Es geht daraus hervor, dass, wie an den österreichischen 
Universitäten noch jetzt, zu den Facultäten auch andere viri nobiles extra 
facultatem admittirt wurden, dass alle Universitäts- Angehörige nach gelei- 
stetem Schwüre sich in das Matrikelbuch einschreiben mussten, und dass die 
weitern Facultätsmitglieder dadurch der Jurisdiction ihrer Vorgesetzten 
nicht entzogen wurden (in eos Rector jus non habeat nisi fralerne). Alle 
übrigen waren , wie auch früher bei der Egloffstein'schen Ünivers^ität , in 
caosis mere civilibus, et quae bassae Jurisdictionis vocantur, dem Rector 
unterworfen und mussten bei Verhaftungen selbst wegen crimineller Ver-^ 
gehen alsbald an denselben abgeliefert werden. 

Der Senat bestand aus den Decanen und Professoren, dann den Doci- 
teren und Licentiaten der theologischen, juridischen und medicinischen Facullat, 
ferner aus dem Decan und drei Magistern der philos. Facultat unter Versitz 
des Rectors. Die Senatsmitglieder mussten gleich dem Rector einen wört- 
lich vorgeschriebenen Schwur leisten, und waren, z. B. wegen Nichterschei- 
nens, wegen Einfallens in die Rede eines Andern, gewissen Geldstrafen 
unterworfen. Der Rector sollte der Reihe nach aus den vier Facultäten 
genommen werden. Seine Wahl fand am 30. September statt und zwar in 
der Franziskaner-Kirche. Die Abstimmung geschah nach Facultäten. Seine 
Confirmation für das zweite Semester erfolgte am 12. März. 

Der Rector soll sein: Vir catholicus, caelebs, nuUo crimine, potissimum 
haereseos, adulterii aut incontinentiae notatus, denique aetate matura et 
legitimis natalibus procreatus. 

Bönnike lässt in seiner Geschichte der Würzburger Universität den 
Rector jährlich auch zwei Messen lesen, die eine für den Stifter, die andere 
für die verstorbenen Universitätsmitglicder. Diess ist aber unrichtig, indem 
in den vorhandenen Statuten nur angegeben ist, der Rector solle sie lesen 
lassen. — Der Rector soll ferner nicht zu oftSeifat halten, und bei öffent- 
lichen Feierlichkeiten mit der goldenen Epomis und unter Vortragung des 
Scepterä erscheinen. Bei geringern Anlässen soll er die rothe Epomis 
(Mantel) tragen. — Bei Processionen u. dgl. soll er unmittelbar nach dem 
Fürstbischof kommen, und falls dieser verhindert sei, dessen Stelle vertreten. 
Die Einkünfte des Rectors sollen bestehen in einem Drittel der Immatricu- 
lationsgebtthren , die bei 6inem Adeligen 1 fl., bei einem Reichen 10 und 



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ftei einem Wohlhabenden 5 Bateen betrngea Ferner gek&m fli 
Einkünnen die den Studenten abgenommenen Waffen. — Auch der Reclor 
niusste sich durch einen Schwur verbinden, die Rechte und Freiheiten der 
Universität zu schützen, und Alles, was sum Glanz nnd zur Zierde dei Akar 
demie gereiche, zu veranlassen. 

In den Vorschriften für die Studenten werden dens;elben ebseftM ind 
magische Bücher, das Auffuhren von Comödten u^ dgl., Veraummungen selbst 
zur Fastnacht, Geschrei und Tumult in Häusern und auf der Straas», 
Donnerschlage, dann das Erscheinen mit Waffen in den Auditorien, Pasqum«^ 
Duelle, das Baden im Flusse, das Rutschen auf dem Eise, auffallende Kleidung 
u. s. w. verboten. Ferner darf kein Student nach 9 Uhr im Sommer und 
nach 8 Uhr im Winter ohne Laterne auf der Strasse sein. Bei Feuer, 
Aufruhr oder feindlichem Angriff sollen sie in der Universität erscheinen 
und die Befehle des Rectors befolgen. — Universitätskanzler wtr der jewei- 
Uge Domprobst. Er konnte sich aber aus der Reihe der Professoren einen 
Vicekanzler wählen und durfte nur bei nachgewiesenem Error oder DoIiks 
die Ertheilung der Grade verweigern. — Den UniVersitatsmit^Uedern wat 
Freiheit von allen Steuern und Abgaben bewilligt. Nur die mit Gütern in 
der Stadt Angesessenen mussten sie entrichten. Der Stadtschulthess mus»»to 
ohne Entgelt auf Aufforderung des Rectors die nothige Hülfe leisten* 

Durch Berufung tüchtiger Lehrer, unter denen wir als der medicinischen 
Facultdt angehörig insbesondere den Jatromathematiker Adrianus Roma-r 
AUS zu nennen haben, der im Jahre 1593 von Löwen nach Würzburg kam, 
suchte Julius seine Hochschule in den gehörigen Flor zu bringen. Der 
Einfluss des Adrianus ßomanus auf die Würzburger Universität mag nioki 
unbedeutend gewesen sein, indem wohl ihm insbesondere der starke Resuch 
von Seiten junger Polen, deren sich in einem Jahro mehr alis 100 in Vfiktz^ 
bürg befunden haben sollen, zuzuschreiben sein möchte. Bemerkenswerib 
dürfte insbesondere noeh sein, dass unter den Rectoren der Universität 
auch ehi junger polnischer Graf Nip. von Mniseck aufgezeichnet ist. In 
mehrem zur damalig-en Zeit erschienenen und in der hiesigen Universil8t8-^ 
bibliothek noch vorhandenen Dissertationen und Disputationen anatosMSchen 
und physiologischen Inhaltes liegt gleichfalls mit ein Beweäs. von; den Fort- 
schritten der medicinischen Wissenschaft an der neu gegründeten. Universität, 
und von dem belebenden Einflüsse, den Adrianus äusserte. ^ Adrianna 
Romanos verlies«, nachdem er in Würzburg nach dem Tod» sein^r FrM wk 
den clericalea Stand getreten war, jedoch in Erfüllung setner gei^ilichen 
Obliegenheiten keinen besondern Eifer bewiesen haben soll, k^ Jahre IMQ 
Würzburg, um die Stelle eines königl. Mathematikers z« Zaaiosk in iokm 
anzunebm<en. Er starb später in Mainz im Jahre 1615^ 

Die Julius -Universität erfreute sich schon jetzl eineis «iemlifik ansi^n-^ 
liehen Besuches von Seiten auswärtiger Studirenden, nndiwenn «nehlAonikfl» 
die Zahl derselben von 158% bis 1617, also binnen 3$ Jabr^ wf a$^OOQ 

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soUteeiiA, etms zu hoeh g#gviffM babcA ««ag, so geVil doob «ip^ d4Q^ Ibh- 
irikelb^olie hervor, dass SehoUland, Ebass, .Böhmen, Lotliringen, Niederlaado^ 
Österreiidi, Boyern u. s. w. mU atur Fr^quoqz/ der «euea HocHachuIo; beiiru-r 
«m>, sa dasjs Marianit» ta seinem christUeh ^ frlnkiscben Ehre«pi?ei|w sur 
Feier dw ScUoss- und KtrehweUiuag a«f i^» FmHienberge später finget 

konnte: 

Dea kai WOixburg «inen ((ro^fn |liihn\ 
Und riechet wie ein köstlichi Blum, 
Die grünet jetzt je Ifinger mehr 
Damni man ihr zulaufet sehr. 
Von allea Nationen und Spraehen 
Waneh edle JOngliqg aich att&nacba« 
Der hohen Schul Warzburg zu Ebrei^ 
Dass sie alldo viel Weissheit lehrend 
Freu dich Würzburg du werthe Stadt 
Vor Jaren man ein Sprichwort hatt, 
« das von deinen Studenten sagt 

Und das« 819 wi% gerathen ktagl 
Das Blifittlein. bat sieb umgekehrt, 
Dann dein Studenten sind jetzt werth 
Zu Doctorat und grossen Ehren u. s. w. 

Was nun insbesondere die medicinische Facullät betrilR, so mächte für 
deren allmählige. Entwicklung und zur Kenntniss der damaligen Verhaltnisse 
ein kurzer Auszug aus den im Jahre 1610 von den Professoren Stengel*) 
und Leiherer**) entworfenen und durch Serenissimum Julium sanctionirlen 
Statuten nicht ohne Interesise sein. Es heisst darin am Anfange: Julius yo- 
luit, ut medicinae facultatis, sicuti aliarum etiam leges et statuta*^*) con- 
stiluerentur, in morem aliarum optime constitutarum academidrum. — Sie 
beginnen mit dem Senat des Collegium medicum, Vorstand desselben war 
der Decan; Mitglieder die Doctoren und Licentiaten^ omnes religionis catho- 
licae et üniversitati collegioque inscripti ac jjuramento consueto obstricti. 
Dieses Collegium besass eine eigene Cista für Bewahrung des Siegels, der 
Statuten, Privilegien, Matrikel, des Geldes u. s. w. Die Facultat hatte am 
Tage Lucas Evangel. einen eigenen Gottesdienst pro fellci decani electione 
in der Universitätskirche. Diesem Gottesdiervste mussten alle Studirenden 
der Facultat und ihre Doctoren und Licentiaten Epomidibus induti 
beiwohnen. Der Decan hatte in omnes medic. facuUatis doctores, licentiatos 
ac studiosjos Jurisdictionem concurrentem mit dem Rector in allen die medi- 
cinische Facultat berührenden Fragen. Er hatte nach seiner Wahl zu scbwö- 
xen^ die Arcam facultatis gut zu bewahren^ genaue Rechnung ab^ulegei\, und 

; ■ . ■ » y » » T ' 

*y Stj^ngel wujide 1594 Professor an der IJniversiUil und 4?at am JiilinsspitM; er exbijell 
150 fl. Besoldung und im Spital freien Tisch. 

**") Leiherer wurde 1595 Professor und Syndicus des Spitals zu den 14 rfotbhelfern. Er 
erftielt alv Profeeeor iW i» BesoMtang und freien Tisdi ab Spitalarzt. 

Vf> Um%> StoHrffei^ hflio^n akb in dar JNi>liolh»k ^ef.biesig»a. VstooflBhan VnreiMt* 

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i4 Die beiden ertten Jahrhunderte der Univertilll Wftrzbttr|^. 

das Anvertrante citra fraudem et dolnm zu restUuiren. •— Es folgten nuii 
einige Vorschriften ober die Obliegenheiten des Decans, unter denen sieft 
auch angegeben findet, dass ^derselbe während der dies caniculares, die als 
Ferien galten, damit die Wissenschaft nicht ganz darniederliege, täglich ein-* 
mal über Botanik, Frauenkrankheiten oder irgend etwas anderes Natzliches 
Vortrag halten solle. 

Zur Aufnahme in die Facultät war ein sicherer Nachweis über erstan* 
denes Examen und erlangten Grad durch Zeugen, Zeugnisse und Eidschwur 
nöthig. Dann musste der Aufzunehmende über ein gegebenes Thema und 
unter Opposition der Professoren und Dootoren einen öffentlichen Vortrag 
halten. Ward er hiernach für qualifieirt befunden , so musste er den Eid 
auf das Tridentinische Giaubensbekenntniss ablegen, welchen ihm der Pedell 
vorlas. Hiemit war er in die Facultät aufprenommen und genoss gleichmäs- 
sig mit den Übrigen die Privilegien. Die Zahl der Facultätsprofessoren war 
auf vier festgesetzt; starb einer derselben, oder ging er im andere Functionen 
über, so sollten die übrigen sorgsame Umschau halten, einen tüchtigen und 
der Facultät zur Zierde gereichenden Mann zu finden. War er nach dem 
einstimmigen Urtheil aller Lehrer idoneus ad docendum judicatus (caveant, 
favore quodam humano ne juventutem fallant, et conscientias laedant suas), 
dann mussten sie ihn Serenissimo zur Einsetzung in die Stelle vorschlagen. 

Die vier Professoren, bezeichnet als Theoricus primus et secundus) 
Practicus et Chirurgiae professor hatten folgende Vorlesungen in einem drei- 
jährigen Turnus zu halten: 

Der Tlieorleiis primus las im ersten Jahre: AphoHsmos Hippo^ 
cratis; im zweiten Jahre: ejusdem Itbros qiiatuor de victiis ratioiie in 
morhU acutis; im dritten Jahre: libros tres prognosticoimm Hippocratis ; 
und falls es die Zeit erlaubte: Argumentum de pulsilms^ Der Tbeorleas 
seeundus las: im ersten Jahre: Aviceuuae primam; im zweiten Jahre: 
Artem parvam Galeni; im dritten Jahre: Compositionem medicamento^ 
inim. Der Praetleus las: im ersten Jahre: materiam de febribus see. 
Aviceimae ordiiiem; im zweiten Jahre: Morbos particulares a capite 
ad ventriculum\ im dritten Jahre: IHorbös reliquos. Der ClilrarKlae 
Prof essor las : im ersten Jahre: Tumor es praeter naturam\ im zwei- 
ten Jahre: Vutue^a et ulcera; im dritten Jahre: Fracturas et luxatia^ 
ne$. — War noch Zeit übrig, so sollte im Sommer Vis et natura herbarum 
und im Winter Auatomia gelehrt werden, und falls es an Henschenleichen 
fehlte, Corpora belluina verwendet werden. 

Jede Vorlesung musste eine Stunde dauern und ad calamum dictirt 
werden. In den Vorlesungen mussten die Professoren die Toga, bei öffent- 
lichen und feierlichen Acten die Epomides et bireta coerulei coloris 
tragen. 

Es finden sich ferner noch Vorschriften über die Disputationen , * den 
hortum academioum, über die Vacanzen, über Tentationes, puncta et examen 

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Die beiden ersten Jahrlianderte der Onivenittt WftrsboJY. 15 

rigidum lioentiandorum, über die Zeit, wana die Grade empfangen werden 
können, ober Urlaubsbewilligungen für die Professoren und aber die Art und 
Weise, wie um Examen und Promotion zu petitioniren sei. — In dieser 
letztern Beziehung war die zu beobachtende Form folgende: Wer sich um 
Baccalaureat, Licentiat oder Doctorat bewerben wollte, musste vor versam- 
meltem medicinischem Senat sein Gesuch vorbringen. Wurde hier kein Hinr 
derniss gefunden, so wurde er ad periculum examinis admittirt, und waren 
ihm über die Kosten und die Gebräuche die nöthigen Aufschlüsse gegeben, 
so musste er dem Decan und den Doctoren des Senats einen Eid schwören, 
dem Decan und Senat ehrerbietig zu sein, die Statuten zu beobachten, Art 
und Form des Examens geheim zu halten, und falls er nicht bestehe, weder 
direct noch indirect sich an irgend Jemand rächen zu wollen. Die Schlüsse 
formel dieses und sämmtlicher Eide der medicinischen Facultat war: Sicut 
me Dens adjuvet et omnes ejus sancti. (Die Schlussformel der allgemeinen 
Universitätseide war: Sicut me Deus adjuvet et sanctum ejus Evangelium.) — 
Der Decan bestimmte nunmehr dem Candidaten die Zeit für Erlangung des 
Baccalaureat s. Hiebei wurde derselbe, 2 Stunden lang über Theorie und 
Praxis der Medicin interrogando und disputando ausgeholt und es stand den 
Facultatsdoctoren frei, denselben bei sich zu Haus noch drei Tage lang über 
genügende Fortschritte in arte medica auszuforschen. — Darauf kamen die 
Professoren wieder zusammen, gaben ihre Vota al^, und nun wurde der Can- 
didat dem Kanzler pro licentia ad examinandum präsentirt. Am folgenden 
Tage nach Anhörung einer hl. Hesse wurden dem Candidaten zwei Punkte 
bezeichnet, welche er am andern Tage in der Frühe zu recitiren hatte. Da- 
rauf wurde er rigide et exquisite, sowohl in jenen Punkten, als auch in 
andern Fällen der medicinischen Praxis examinirt, und falls er nach dem 
Urtheile der Majorität der anwesenden Doctoren und Examinatoren für wür- 
dig erkannt wurde, "^zum Licentiat zugelassen. Dieses wurde ihm sodann 
durch einen öffentlichen Act von dem Universitätskanzler, nach abgeleistetem 
Schwüre, ertheilt. 

Beim Übergang vom Licentiaten zum Doctor musste der Doctorand aber- 
mals einen vom Pedellen ihm vorgelesenen Schwur ableisten, und hatte er 
nach demselben den Scepter mit den Fingern berührt, dann wurde er für 
approbirt erklärt. So zum Doctorenkatheder zugelassen, durfte er aber nicht 
eher zu lesen beginnen, bevor er ificbt mit einem neuen Doctorenhabit und 
den übrigen Doctorinsignien geschmückt war. 

Es wurde ihm Epitogium und Biretum, Annulus und Liber fibergeben. 
Darauf folgte der Kuss-und dann ward mit der üblichen Benediction der 
Act geschlossen. 

Diese Statuten enthalten endlich noch Bestimmungen über dasRangver- 
hältttiss der medicinischen Doctoren und Licentiaten, dann über die Taxen und 
endlich die Befugniss für die medicinische Facultär, die Statuten mit Wissen 
de9 Fürsten je nach Zeit und Bedürfniss abzuändern. 



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«S Wm bcid«n «MM JdbfMD4M4 «Mr ITiiiw^itit Wflfsb«^ 

Am 13. S^tember 1617 starb Julius, det sich durch Stifltnig des back 
ifaitt benannten Julinsspitales im Jahre 1576, durch Hersteliung de^UaiTersi^ 
tdt, durch Errichten; einer Menge von Pfarreien and Kirdien und diiroh 
eine grosse Menge nüixiicber und heilsamer Verordnungen ein Denkmal in 
den Harzen der Bewohner Frankens gesetzt hat, dauerhafter ali SteiA und 
Erz, und welches seinen Namen nodi mit Liebe und Ehrfurcht ki die späte- 
Uten Zeitalter übertragen wird. 

Auch unter seinen nächsten Nachfolgern Gottfried v. Aschhaus«^ 
1617—1623, Phil. Ad. r. Bhrenberg 1623—1631 erfreute sich die Uni^ 
tersitfit eines fortdauernden Glanzes und zahlreichen Besuchet. 

Ober die Lehrer der medicinischen Facultdt und deren Wfarken besitceii 
wir jedoch gar keine Nachrichten | über den Zustand der Wissenschaft im 
Allgemeinen gibt uns eine im Cod. dhir. p. 132 der Universilals--Qiblioth^ 
enthaltene Nolia keine sehr erfreuliche Kunde. Es heisst nfimUch dariHt Im 
inquisitionC) (|Ude nunc teiiq>oris vigebat circa maleficos, notatum eli^m hob 
matum inter Academicos irrepsisse, et jam duo sindiosi juris Mir et Sdi#end«- 
iet hoc nefando scelere i.nfecti oombusti fuerant. 

tHit der Oocnpation Wttrfeborg!» dnreh die Schwede iaa Jahre 1631 und 
in Folge des fintlfehens von Lehrern und Lernenden scheint ^in Slillidana 
Mid Anfhören der Hochschule bis snm Jahre 1687 eingetreten td sein; dmui 
f^enn wir au<ih angegeben finden^ duss Bernhard r. Weimar ats 4äm9t* 
ligef Usurpator der fränkischen Lande die Fortsetzung der JBtudien und diii 
Besetzung der Lehrstellen halb wit katholischen, halb mit protestimtischaA 
Lehrern anordnete, so konnte doch bei den fortwährenden Durchzögen von 
Truppen und in dem Kriegsgetämmel diese Anordnung keinen Erfolg haben. 
Brtrabnenswietth möchte jedoch, sein, dass um das Jahr 1640 deiT berthmte 
Chemiker Glaub er in der Nähe Wfir^urgs, nfimlich in Kitzingen, wo er 
dihe Apotheke besass, sich aufhielt /und vielfach mit der Untersuchung der 
Gesteine auf ihren Gehalt an Metallen sich beschäftigte. 

Erst nach dem westphälischen Frieden 1648 konnte auch die Universität 
fillmählig wieder ilich erholen; doch scheint sie wenigstens in der ersten 
Zdit nicht mehr ganz ihrOn frühem Glanz und Umfang erreicht au haben, 
und auch an dei^ Wahrung ihrer Privilegien Manches ^ingebisst zu haben. 
Wir finden näinlich, dass im Jahro 1661 der Professor der Chemie und Ana-» 
fotirie Becher von den Burgern aas der Stadt gejagt wird, weil er nixb er** 
haltener obrigkeitlicher Erlaubniss es gewagt hatte, den Körper einer hin-* 
gerichteten Frauensperson zu seciren; wir finden, dass die medicinische 
Facultät nur zwei Professoren zählt, deren Lehrvortrag sich auf die äassern 
• Krankheiten des Hauptes nach Aetius und auf die Lehre von den. Fiebern 
beschränkt, -rr- ' Erst in deii 1670er Jahren scheint sich die Fadultät wieder 
etwas erholt ^a haben, da sie zu dieser Zeit drei Professoren, denDr. Stoer 
als Prof. prax. med., den Wolfgang Upilio als Prof. der Chirurgie und den 
Jac. Amiin g als Prof. der Institut, med. sählt. Als CoUegium medicaal 

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wwenidmm.Ap^.idpr FäcjuU*! actju^girt die üospii^lirzU L^^w. Bcriager 
nndPeißr.Zdnkf i^erPoü^lerFerd. ü.pilio und die .praktischenÄrzteW.3.e-er 
uml Mich. W(e,^rlein. — D^sStiidjl^im der MLediqin dauerte noc|i wie früher 
dr^i Jahre. 

Im Jahre 16^2 «nteir dem VixrsIhmboS Peter von Dernberg^ diem 
RectQr Reinhard v«ori pitjer wnfl dem Kanzler Fraptz von Sla,dlpjt 
feierte die Universität ihr erstes hundertjähriges Jubiläupi, in ide« 
T^geQ va» 19. bis .29, iu]\. ~ Ich -übeiige^e die Beschreibung der Fesl- 
licbkeit^ny d» fest^cht^n iufeögp d,Qr Studenle«, die verschiedenen Schiiipu*r 
^ereien^ die feierUc)ien Disputationen «nd Promotioneo» und bemerke mr, 
daas iiß, ipe4ici9i«i^e Fj^onlt^t neb^n dem Itereits oben erwähnten Jüc. 
AmUM'g,.8|ls Sd^pr nocl? .av/s den Pi:afu»so;riBu f'ranz Klein und Wilbe.lio 
y.irdwng .^k HarAun,g von Mar^o^^rg b4j«Uiid. Von dem Vorgänge dier 
qj»npßn iFctier^ichkeit /sind in 4e^ 4cten des Verwaltungs- Ausschusses «lotcb 
g^sw^Wb^ne Naohricblqo vnd .§in gc^druaktes Prograwro vorhanden. 

Dber idteÄeit vpp J^— 1689, w^lirend welcher der französische Krieg 
«iHMTheil v,a,n DeulscVdiMd «u hart.ibeiinsuchte, dann über die beiden ei^teqi 
PecieiHuein sdes i8. J^h^hm^dar^ ih«b^ >vir npr wenig Nachrichten. Mf 
lande/sherrlichen Befehl erfchipi^ >w/B|gqn der i^u jener Zeit^ herrschenden ait- 
sieqkendep Krankheit, geaaMAt gQUUM)as,ucbt (Morbiis castrensis) eine gedr^ifot^te 
Bielebriing M^Pns di^r mediciiM^cken J'acultöt. — Dass unter G^ttfr. Vop 
(Si4it,t>eA<berg der j(üaa ^r ^niverisitj^ujifjrchie wieder an^ef^ngen und unter 
Pfhil nr.on Gr,eifen)kla«u im Jahre 17Ö3 vollendet wird^ habe ich pb^en 
spbofi ^rw^9l. Vipn PWl. VAU (keiifeBklaii ist noch zu beoierkji^n, da^s er die 
SMItAtQii (d^ 9>edi6inifiicbiea FaouMt emeiierie, und derselben das Recht ,ver* 
M», lai^wteA^ pramovipten Ärzten nach vorhergj^ang;ener eig/eixer Priifui^g 
Ito Auaübling d^r medioinisohen Priixte im Hodh^ifte zu gestatten. 

Jgieia Kafbtolger .Frän)« von Seh^nborn £1719<-r-l724) richtete den 
botiiiii(s;oh«MB <iarten im JttltQ99pit«le «in., (fing den Bau einer Anatomie, diß 
IIMXM) fl. .ko^tat^, all, i>erief den berühmten Chirurgen Louis Sivert, um 
an l^eichen AnMtonne izu demonstriren, mit 400 fiei«haihalern Besoldung nach 
Wuitshnrf ^), gab des medictotscheA Preffossori^n den Rang vpn für&llicHen 
ildtben/und suobte /m jeder aaihurn fiexiehung die Uaivensitäl zu heben. 
Mß 'IbitaJbaii&Bten der medicinischen Faoultat jener. Zeit finden wir den Alba-* 
nas. .&rt^b, Dahiiair .und Lonenz Derc«im und £arth; Ad. Berinig^ejr. 
fiüe let^em beiden gab«« Jm Jahre 1721 «in 6000 Ifumem enÜtaUend^ 



*) Ijri ParnAssqs l)olcus, MuqcHvn 1725 pag. 310 heisst es von Wurzburg: ^,Zur Auff- 
nahrnb dess Stu^ii Anatotnici und Chirurgici spahrct man keine Kosten, und ist- ein berühmter 
Cbirurgus auss Paris Mens. Sivert uater einer starken Besoldung dahin berufen ivorden, iinib 
die diir. €riff ^esdikskt zu Mi^n, iiiid 4ie Anatomie, oder Zergliederung des meDaehi Kdr- 
pwsixu ItAktmy iwarxn.vibm »qs^em präebljgep 8piikfiU»die Köitper «ages«bafft werden: \m er 
diM'4¥|l^M HD «iiier jn r{laser«i vArsiorbenen Franenpersohn ein Probstuck abgeleg^t»'^ 
Akadem. Monatsgchrift. Januar 1852. 3 



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18 Die beiden ersten Jehrhunderte der UniversitSt Wfirzbnrg. 

gedrucktes Verzeichniss der vorhandenen Pflanzen des botanischen fGartens 
heraas. Beringer ist noch uberdiess durch seine jetzt zu den Seltenheiten 
gehörende Lithographia Wirceburg. Specim. prim. mit 21 Kupfertafeln in der 
Wissenschaft berüchtigt geworden. Nicht mit Unrecht bezichtigte man die 
beiden Collagen desselben, den berühmten, J, 6. von Eckhardt und J. J. 
Roderique, in Verbindung mit den Studirenden den Beringer faintergangen 
und zum Narren gehabt zu haben. 

Einen vorzuglichen Gönner der Universität finden wir von den Jahren 
1729 — 1746 in dem Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn. 
Schon gleich im Anfange seiner Regierung setzte er eine Commission 
zusammen, zu welcher die Decane der vier Facultäten gezogen wurden, um 
äb^r einen neuen Plan zur Organisation der Studien Berathungen zu pflegen. 
Diese Reform erstreckte sich ebensowohl auf die niedern Schulen als auf 
die Universität. Für das Studium der philosophischen Wissenschaften wurde 
darin ein dreijähriger Cursus angeordnet, und von den Professoren verlangt, 
dass, anstatt die Zeit mit unnützen Zankfragen und leeren Disputen zuzu- 
bringen, nützliche und reelle Gegenstände gelehrt werden sollen. Als solche 
sind namentlich bezeichnet Logik, Mathematik, Hydrographie, Geographie, 
Res diplomatica, nummaria und Ars heraldica. In der Physica sollen die 
Curiositates eruditae, die Materia de mundo et coelo, de Elementis u. s. w. 
in meiste Sicht genommen werden. — Unter den medicinischen Wissen- 
schaften soll insbesondere die Anatomie, dann die Verbände und Operationen, 
die Laborationes chymicae, die Botanik und in den Collegiis practicis nicht 
sowohl Therapia generalis als Casus particulares berücksichtiget werden. 
Diejenigen Professoren, welche Spitäler haben, sollen ihre Scholaren dahin 
mitnehmen, ferner sie dahin absenden und sich von selben referiren lassen. 
Bei Anstellung von Compositionen sollen die Apotheker der Stadt jedesmal 
die Anzeige davon machen, damit der betreffende Professor mit den Studen- 
ten beiwohne und die Ingredienzien genau prüfe. — Damit keine CoHision 
eintrete, wurde eine Stundenordnung vorgeschrieben, wonach jedes einzelne 
Collegium IV2 Stunden zu dauern hatte. — Damit aber die Professoren 
der Hedicin „wegen habender Bemühung eine grössere Ergötzlichkeit zu 
gemessen haben'S wurden denselben Gehaltszulagen bewilliget. Bezüglich der 
Promotionen wird auch Nichtkatholiken die Erlangung des Doctorgrades 
gestattet, wenn sie dasjenige, „was denen Statutis general. Univ. et particu-» 
laribus facult. gemäss ist, ohne Abbruch in der That zu erfüllen sich 
bequemen^^ 

Die allgemeinen Privilegien der Universität, wie sie schon früher 
unter Julius verliehen waren, wurden aufs Neue bestätigt und denselben 
noch die Jurisdiclio criminalis hinzugefügt. Dieselbe wurde von dem 
Fiscal der Universität geübt, als welcher der jeweilige Decan der Juristen- 
facultät zu functioniren hatte. Den Studirenden ward nach erfolgter Imma- 
triculation eine Scheda immatHculationis gegeben, „damit nicht etwa lieder- 

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Die bei4^ eisten JahrbundMrte der UoiversiUit Wünbiirg. 19 

„liebe Parsch unter dem Schein von Studenten sich in der fürstlichen Re- 
„srdenzstadt herumtreiben'^ 

Die Universität erhält zwei Conservatoren in den geheimen Rathen 
Conrad Langen und Fr. Lud^. v. Fichte. Unter den Lehrern der medi- 
cinischen Facultät sind zu nennen: *Hueb er für Anatomie und Chirurgie; 
Joh. Val. Scheidler^ der als Programm seiner Vorlesungen über Chemie 
und Materia med. im Jahre 1736 eine Idea studii medici herausgab; Stang, 
welcher 1739 mit dem Unterrichte der Hebammen beauftragt wird; Simon, 
zugleich Spiialarzt; Ettleber von 1739— 42 Professor Institutionum medic; 
er schrieb de circHlatione nafigfdnU^ de motu generice et specif. vitalt^ 
fing eine Obersetzung und Erläuterung des Hippokrates an, welche von dem 
berühmten 6a üb sehr belobi, leider aber noch als Manuscript durch un- 
wissende Hände vernichtet wurde. Der Fürstbischof kaufte nach seinem 
frühen Tode 1742 dessen Bibliothek für die Universität an. Ettlebers Nach- 
folger und Schüler, Fran^ Joseph ,v. Oberkamp, von 1742 bis 1748 in 
Wurzburg als Lehrer, wurde nach Heidelberg berufen. Auch Jos. Onymus, 
der auf Kosten der Universität Wiirzburg in Paris und Leyden sich weiter 
ausbilden sollte, ging derselben verloren, indem er auf Gaubs Empfehlung 
an die Stelle des nach Wien abgcgang;enen de Haen Leibarzt des Erbstatt- 
halters der Niedorlande wurde. Der Nachfolger Oberkamps wurde 1748 
Rugamcr. Bemerkenswerth ist noch, dass im Jahre 1740 der berühmte 
Anatom Heister unter Anbietung von 1000 Reichsthalern Geld und bedeuten-* 
dem Naturalien* Gehalt, sowie mit Zusicherung freier Religionsübung (Heister 
war Protestant) von dem Fürstbischof selbst nach Würzburg berufen 
wurde. Heister nahm jedoch den Ruf nicht an. ' 

Im Jahre 1739. den 30. Januar erging, eine «och im Manuscript vor- 
handene Veroirdnung an die medicinische Facultät, dass die Collegien nicht 
dictirt werden sollen, das? kein Professor in seinem Hause lesen dürfe, dass 
die Anatomie vollständig gelehrt,« über den botanischen Garten ein genaues 
Zu- und Abgangs- Verzeichniss gefuhrt und für den Unterricht der Hebammen 
Sorge getragen werden solle. "- 

Von dem wissenschaftlichen 2iu{{tande der medicinischen Facultät im 
Jahre 1749 gibt uns aber ein von derselben gen^einscbaftlich mit der theo- 
logiaehen Facultät in dem Processp der als Hexe hingerichteten M. Renata 
abgefasstes Gutachten keinen rühmlichen Beweis. Beide Facultäten bestätigen 
darin die Existenz von Zauberern und Zauberkünsten. — In demselben Jahre 
erschienen unter dem Fürstbischof Carl Philipp v. Greifenklau, der 
selbst früher 11 Jahre lang Rector der Universität zu Mainz gewesen war, 
neue Verordnungen über das akademische Studium*). Sie sind im Ganzen 
eine Bestätigung und Erweiterung jener von 1743. Den Decanen wird zur 



*) Diese Slatuten sind mit der eigßnhdndigen Namen santerschrift des F&rstbischofs noch 
im Ar«biv des Univonitilts^VeiwaKungs-Ansscbusses vorhanden. 



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Aufgabe- gemacht, den fremden Öludirenden' Qtiartifere zu besorgetf. För Ae 
inedicinische Facultät werden jetzt fun&Ordinarii besfhnml, Wältt«eAd< sid bii?heff 
nur vier gezahlt hatte, und zwar für Institalionen , Anatotrtle und ChfWirgie, 
Cbymie, Botanik, und Praxis medica. Nebstdem wtrd Rl¥ di« AfNitbmier ein 
Operator (Prosectar) aufgestellt, dar unter Aufelcltt des Profess^d'rs 4ie Zer- 
gliederung lehren und dert Unterricht in der HebammertkwnSl efth^ll^ SK)lt 
Der Anatomie werden die Leichen der Hrngeri^hlettefi uhd det hl dltt»^ ^^ 
tdlern Verstorbenen überwiesen. Der Professor der Chemie ssolf in dem che^^ 
nrischen Laboratorium des Juliusspitals Versuche ahstellen und- die StMIreri-^ 
den wöchentlich einmal in die Apotheken fähren. Nicht ohne Interesse Av 
das Stadium der Zoochemie möchte folgender Passus dieser Vei^fdnungett 
sein: „Experimenta eticmi atque laberationes cbymicas fruetuose inf^litbfrt, 
et hac ratione firmarum et iluidarum corporis Humani pirrtfum etemefrtil holte 
eroentuT." 

Professor der Chemie wurde im Jahre 4750 Vögelm^nii; ^e*n a^äicK 
zur medicimschen Facultäl nicht gehörig, möchte dbch hier nodi eri^öhnens* 
werth' erscheinen, dass in der Person des Pater B Jas. He »nei* irr dfesel" Z^ 
der erste Professor fer Experimental-Physik creirt und eine jiähriteh« SnaMii« 
für das physikalische Cabinel ausget^rorfen wurde. Als- ProtessoT der Prfeijtifl 
medica wird im Jahre i732 Ehlen ernannt und ati$ Professorr def BotaMik 
1758 El. Ad. ?apius, bekannt als Herausgeber der Werke von Mu^elien^ 
broek. — Neben Vogelmann, Ehlen und Papius waren nfoch an der ineAi^ 
efnisohen Fäcuftät: And. Jos. Rilgamer, Or.th und Georg Ludw. Htfeb'6if, 
»0 dass die Zahl der Lehrer im Ganzen & betrug. 

Den kräftigsten Aufschwung nimmt; nachdem &w ebengemAmten 6 Letirer 
bis zum Jahre 1767 die medictnische Facultät gebildet hatlen, diese selbst 
und das Studium der Mediein in Würz^burg äberbafupf, vom Jlakfte 196lF an 
durch die Ernennung des Franz Heinr. Menolph WH bell« und dureh' die 
dlrei Jahre später erfolgte Anstellung von Carl Caspar Sieböld. Eifsiereir, 
nach dem Tode Vegelmann« undOrths zum Professorr der CbeiMfie* urfd Prajieis 
medica ernannt, verdient hier insbesondere desshalb beNorgc^bodii^ft m W0r<^ 
den, weil er neben vielfacher literarischer thätigkeit Äderst die Pocken»- 
hiipfung in Würzburg einfführte, im Jahre 1778 die erstte Phdrmdc&poeu 
Wircek berafusgab und 1784 die medicinische Klinik im JfeRoss^pltrfl errich«- 
t^te. Carl Caspar Siebold, später in den Adelsstafnd t^hobm^ dessen 
Büdniss in Kupfer gestochen mit der Umschrift .^CMrWfjm ffite^' Cfefimhtm 
priiic^s^' noch jetzt in vielen Familien Würtsburgs 3iu ^eBert isty war ier 
Sohn eines geschickten Chirurgen zu Neideek in) JtiKicftsefae^n. Geboren im 
Jahre 1736 den 4. September, machte er seine ersten 9WMm M Devttm 
w\d Köln, ging dann zwei Jahre latig zu seinem Vat^r, befittcirte biemttf 
1757 unter 16 berühmten Chirurgen die französischen Lazarethe und kam 
im Jahre 1760 mit La Genie nach Würzburg, Er wurde hier ber dem 
juliusspitälischen Arzte Stang Obergehülfe, horte HK^dtttiniaebö Vfhrles^unj^m 

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Qiid wuird«t ilfeS auf KobIm €l0r Unfveniit&t niicK Paris , Rbo^, Londo» und 
iMfien gesoMcbt HSer mii^hle ev die Bekantitsehaft der bevüfaowtesten Lehret 
111' den Pdeb0]fA der Anatomie, (Sbii^urgie und G^burtshülfq, und kehrte veicH 
an Keitntnisaen: ond Erflihrbng'ct» in> Jnhre 1766 nach Wuraburg* zurück £i^ 
wurde daselbst im< Jlahre 1770 als ordentiidiev Professor der Anfttomie^ Chi- 
rurgie und Geburtshülfe angestellt , und erwarb sich bald durch seine aas- 
gtseiidiiieten Kamrtaisse: und seine- Itderaviaeheir Arbeiten einen, grossen Ruf, 
so dasd $ich smw Praxis bin in die entfeirntesten Tfaeile voa Suddeuts^^land 
aUsbt&lMe. By stttrb 1807 luid hinterüess der Universität in seinen Sehnen 
G(»'#v|f,. Saft bei ond Blias r. Siebeid drei ausgezeichnete Lehrer, von 
defteü der UiiMtBi erst 181^6^ eiiiei» Rufe nach Bei^n folgend , die Wira« 
burger Hochschule verliess; der erstere aber, GeoTg Qirisiiofl, bereits' 1798 
in einem Alter von 31 Jahren starb. 

Neben Siebold und Wilhelm verdienen noch erwähnt zu werden der 
im Jahi^e 1769 als Professor der Physiologie ernannte Andr. Senft, bekannt 
durch seine EiemeiUa Physiologiae pathdlogicae und mehrere andere 
Schriften, und Casp. Gutberiet, als Professor der Materia med. und gericht- 
lichen Medicin im Jahre 1779 angestellt. 

* Unter diesen^ für die medieinfeebe Faciiltat so günstigen Besetzungen 
ihrer Lehrstellen, unter dem um die Förderung der Wissenscbaflen und um 
das Wohl seiner Unterthanen jibörhaupt so verdienten Fürstbischof Franz 
Ludwig von Erthal, der iqn. Jahre 1779 den fürslbischöflichen Stuhl 
hmHeg^ trat die^ dJw^ite Sä«nl»rrei0r der Wü^zburg^y VirnevOtiSA ein. Schon 
kor» vor 4eiß^ Serauinabeni ivkrm m den* W* Heilnisittin l&r Botanik und 
I^i^rkel fitt' €beffiie der awedicinwehen Facv^tdt a^ei neoe tüchtige KnMfe 
g^g^^kt» ivot^den^'^e daur» dieselbe murfnehr im Gf$im»w 8 Lehrer »äblte. Sie 
moptn: Casf^ t^ Sieb>e)d!, Bhlen, Wilhelm!, Senft, Slia)ng, Gut-« 
b-arvlet und die beiden eben» Brwä^MeVK 

lut Verfaerrtdbuiig dieser Feier Mnerden Ritüa&angm an alle dautscken 
Bnif^erfeMit^nf nnd» ausi»erde»i n»dh Pari» imd Bologna' erlasseii. Es erschienen 
Abgeordnete von Bamberg, Erlangen, Fulda, Mainzi, Marbairg, Rvrlteln, Salz- 
borg tttid Vidier« Die äbrfgen Unf.versimen sehiekten Grutuletiens^- Schreiben; 
Dte it'eslUdbkeiten selbst begannen am 29. Juli! mit feierlioiien Aufzügen der 
Hffiversitit, det» ßdr£»tien mit seinetn gerammten Nofsiaat, mit Parade der 
BdrgersdbafI fmd GarnisdNH , mit- KancfnensalVen v. s. tv. Auf einem vor der 
Cbiiveri^taiakirehe etbaulea^ Gerüste beg^^üssfen dre FaeuUäten und Namens 
d&raelbeii der Deean der JurfstenfacutVät Jac. Raus mit einer lateinischen 
Anredb den^ Ftrste^i, woraaf dieser in einer l^teintsct^eti Gegenrede a«yt^ 
i0ertete, worin er sieb vetfd der Universität tn dieser Feier Glück wünschte 
und ^elne li^ohen Betfnul^fen f&r die Foredatfer and das allmdhlige noch 
betf^dre firbMIh^n derselben untei» dem Sehuhse des AHmä^hti^en ffusspraeh«^ 
Hierauf teigfe die lärehlicbe Feter mft Te Deura» und Mittags grosse Taft! 
itt^ dttf ResMeAz, wo«u das Domcapltel, die einheimiisrclieft und fremden Pro- 

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22 Literatur; Karl Lachmann, eint hlogmfkm tob berti. 

fessoren und Andere geladen waren. — ' An. den folgenden 'l^agen^ fanden 
feierliche Disputationen and Promotionen, femer physikalische und chemische * 
Experimente von Seiten der Professoren Egel und. Pickel statt, worauf. am 
8. August mit einem feierlichen Hochamte nebst T» Deum und darauf folgen- 
der Rede des Decans der medicinischen Facultdt Siebold die Jubelfeier 
geschlossen wurde. 

Auch auf diese Jubelfeier gleichwie auf die erste wurden goldene und 
silberne Gedächtnissmünzen * geschlagen , von' denen die erstem 20 bis 5 
Ducaten, die letztern 6 bis 2 Loth Silber wogen. Als Beweis ihrer Dank«* 
barkeit gegen den Fürsten wählte die Universität den Fürsten Franz Ludwig 
zum Rector, worauf sich derselbe in dem. abgehenden Rector Daniel Anton 
V. Gebsattel einen Prorector setzte. 



IL % 

, ♦ * • 

l I t e r A t .D r. 

Karl Lachmail&i eine Biographie voa. Martin. Hertz. Berlin 1851. 
Verlag von Wilh. Hertz (Bessersche Buchhandlung).. VIII und 
255 S. 8. Beilagen XLIII S. , * 

Die akademische Monatsschrift hat im Deqemberheft des vorigen Jahr- 
gangs S. 572 ff. einen kurzen Nekrolog Lachmanns mitgetlieiU, an desai^n 
Schluss es von der hier anzuzeigenden nur wenige Tage nach dem Abdruck 
des Nekrologs erschienenen Schrift heisst:. ,,Sie wird den gani^n Reichthum 
dieses Lebens erschliessen, der hier nur angedeutet wärden konnte/^ Dies« 
Voraussage ist bestätigt. Am Schlüsse unserer Leetüre dieser ausgezeichne'- 
ten Biographie müssen wir unwillkürlich [ausrufen: Wohl dem Biogra- 
phen, der ein solches Leben beschreibt; wohl aber auch dem 
Manne, 4eT einen solchen Biographen findeti Der Verf. hat dem 
grossen Philologen ein Denkmal gesetzt, das Beiden, dem Geschilderten wie 
dem Schildernden, in gleichem Masse zur Ehi*e gereicht, ein Denkmal der 
Liebe und Pietät, das zugleich eine philologische Durchbildung des Verfas-* 
«ers beweist, die in ihm einen würdigeh Schüler Lachmann^ erkennen lassl; 
Da unsere Leser im vorigen Jahrgang einen' Umriss von Lachmanns Lel^n 
erhalten haben, so haben wir uns nur mit dem Kunstwerke zu beschäftigen, 
das Hr. Hertz in dieser Biographie geliefert hat. Wir nennen sie ein Kunst^ 
werk, so prunklos auch die von höchst^c Wahrhaftigkeit beherrschte Dar«*- 
Stellung ist. Und hierin hat der Verf., der sein Vorwort damit beginnt: 
„Über edle Dahingeschiedene würdig reden* wird i^r, wer in ihrem eigenen 
Sinne über sie redet, ^' vollkommen deiil eiAfacb-edeln Wesen Lachmanns 
entsprochen. Die Berechtigung, sich zum. Darsteller dieses Lebens aufzu*» 

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Literäliir:'Kfirl Lavliniavn, eine Biofrapiiie von Herta. 83 

w^fen, schöpft der Verf. aus treuer Liebe und Dankbarkeit allein. Seine 
Quellen bat er im Vorwort bezeichnet; sie wilfen auch einem Andern geflos- 
sen, ob sie aber irgend Jemand ausser dem Verf. so würdig und liebevoll 
ausgebeutet, ob irgend Jemand sich so in das innerste Wesen Lachmanns 
versenkt hätte, ist eine nicht leicht zu bejahende Frage. 

Die ersten sieben Abschnitte geben uns bis S. 100 die äussere Lebens- 
geschichte Lachmanns , die mit Erlangung des Ordinariats an der Universität 
Berlin ihren Abschluss hat. So interessant die Jugendzeit und Bildungs- 
gescbichte des vortrefflichen Mannes vom Verf. erzählt wird, so tiefe Ein- 
blicke in das Wesen des Mannes diese schmucklose Erzählung gewährt, so 
dankbar jeder Leser besonders auch für die Mittheiiung 4er st^hönen Gedichte 
Lachmanns aus dem Feldzuge von 1815 (S. 24 ff.) und der in Königsberg 
gedichteten Sonette (S. 41 ff.) sein wird, die erste Lebenshälfte bietet immer- 
hin nur die Wanderjahre, die Anfänge der literarisdben Leistungen und der 
Lehrerlaufbahn dar. „Mit seiner Anstellung als Professor an der Universität 
zu Berlin ist Lachmann äusserlich wie innerlich zu einem Abschlüsse seiner 
Entwickhing gekommen.^^ Von hier an verwandelt sich auch die Lebens- 
beschreibung in Charakterinterpretation, Reflexion über das innerste Leben, 
Reprodudion seiner Leistungen, und' Arbeiten. Wie schon die Darstellung 
des Verf. ist, mögen einige Proben aus dem siebenten Abschnitt beweisen. 
„Hit seinem scharfen, klaren Blicke hatte er richtig - erkannt, dass Berlin ihm 
Alles bieten würde, was er in Königsberg schmerzlich vermisste; die Erfül- 
lung* seiner Wünsche in dieser* Bi^ziehung, schrieb er dem Minister schon in 
seiner ersten Eingabe , würde auf seine künftige Thätigkeit und Zufrieden- 
heit von bedeutendstem Einflüsse sein. Diese Voraussetzung hat sich im 
vollsten SinAe des Wortes bewahrheitet: L. gewann Spielraum für eine seinen 
Kräften und Wünschen entsprechende Lehrthätigkeit, und im Genüsse reicher 
Hülfsmittel \inä durch den Verkehr mit gleichstehenden und gleichgesinnten 
Freunden getragen, fand er Math und Freudigkeit, die reichen Schätze, die 
er aufgespeichert hatte und fortwährend zu mehren bemüht war, in einer 
Reihe mit bedädbtiger Auswahl unternommener, dann aber mit kuhner Sicher- 
heit zu Ende geführter kritischer Werke auf den mannigfaltigen von ihm 
beherrsphten Gebieten des Wissens auszugeben und für die Wissenschaft 
nutzbar zu machen. Zugleich musste bei dem reichen und strömenden Leben 
der Residenz, durch die mannigfaltigen amtlichen, literarischen und geselligen 
Berührifngen , in welche er duirch seine Stellung^ an der Universität und in 
der Wissenschaft verflochten wurde, auch seine Existenz sich äusserlich 
bewegter gestahen als in den kleinen Universitätsstädten, in denen er bis 
'dahin vorwiegend gelebt hatte. Dieser bunte und mannigfach anregende 
Inhalt *auch des täglichen Lebens in, der Hauptstadt bot nun auch für äussere 
AuffHschung einen Ersatz fgfegen . dön früheren öfteren Wechsel des Aufent- 
haHforts. Dam eigentlichen Strudel dieses Treibens fern, Hess L. so viel an 
sich herankommen, als ihm dienlfch schien und behagte: in seiner eigenen 

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st Litertlitir.; /Karl tLAotonttn » im» M^gr^i/kiA: tpr itiNte 

Tkialigkeit ieonnedliHiftö er üdk 4ii^am starken fluaa^ iet betg^fe^ :«ii4 
Slifnmnnfen gegenüber Dur inm so leatei?. ßnd so »iirat er appb dn dicMV 
Bweiteii Periode seines Leii«ns nioht heraus aus delii ibm .dURcb nalärUi^hen 
B^«f und eigene Wahl angewiesenen zweifaohen Kneiae der T\t^iUgk^ mU 
Universitätslehrer und als SdirifisJbeUer;^ NadhdiM dfr Vfrf.di«» von 1^. ßm 
3. AttgasI 1844 gehcfltene Rectoratsneile ihnam laliAU ita^. mitgf^thi^ift hat, 
Mg<t «r V4>n Jhr -^ und iiir fähren .diesen Attaspnuc^ ««k friQbe 4^ 4cMii 
¥erC eig^nthämlichen ®eiirtheilung an — : ,^as ist <da«^ fieripj^je fi^^MrSMßt 
die «itäiehe Hoheit, die markige Kraft d«raeBlett kana ^in Iroeknar .Anazqf 
nicht , darstellen. Aber auch die ILesosg der imBUdken Warte veffmagt (^ 
liidht, den Einilrack zu arrekhc», den Ae -gesparocben faervorbraolMn ; Klig^'^ 
üundet, klangvoll, wohlbetont «rar der Vartraf , in jeAem iliugeaWck ensurfuki 
tler Redner fon der BeKkut^ng lies Tages für Ate UaivensUit -me vnn den 
Pfticblevi, die ihm mme Siedlung an donrelben auferiiagte, Aurabdi!««g()«: 
tiiühls war getna^ht und gesueht, .alle«* Alles etrschkli wähl tttoräacfct :iAd 
woblgeseiijt^, Adel der Gesinnitiig , vScharfe des JkdsdrnokSi». Wfirdi^ «kf» for^ 
trag« im Verein führten ilrä Gestalt eines römisofaen Aediter^ e^s fdalc haalea 
Zeit vor die Seele das Höver«. Jtess L. sdbat mit ^dieser ;Bede Mkie4m 
war, t>e2(angV1hren Werth; disr Darstellung 'seiafes LebMa beot.aia oüfieidl 
{[esei:!^ tthd Votbild, in dieser Seziehunf Ist ihrer als ^einas ,Aiu.iHrn Vier'* 
«ndcbtnisses im Vorworte gedacht wonden.'^^ Ebeaamvahl um UAs««e L^aer 
mit der DarstellQng des Verf. bekannt sa taachen lab des iSAdiUcban.litanes^ 
ses wegen wollen wir >auoh der Worksanikeit Ladhiaanns w v^hiMogjscihM 
^minar, wie sie Hr. Hertz beschreidbü^ gedenken. ^ Diesen Eirrolg efaifiita 
er durch strenge meth<<»disehe Zucht. Zwar henabhisaend war 0r ,im Sanoitiftr 
und fremi=dlioh, ja wo er wirkliGh .ein atthbes Sirdben tej^faoilte, .anch.mieb^ 
siehtig, aber im Allgemeinen aog ^er die Zägel knBff miA ^staaiff, :blieb ntm^ 
bitf4ieh bei der Stange und hielt 'darauf, dass aüah die StudiDemdan dAbai 
blieben. In frdheperZeit zawailen mit Dispuliräbungan (Ober ^im^lne wbaw^ 
i4ge Stellen römischer SekriflsteHer iabwechaisinid, Hess ler .spat0r imuiaeMtoss^ 
lieh in den awei arllwochenllich (aar diese Obaüg^n «bestmntton Standen rdie. 
€den des 'Horaz interpretiven. Nach dktr fiinriohiang «des Bertof^ Sismiaari 
ftFössf^n die einzelnen Mitglieder der Beibfe <naök abweehaelnd je leiae StoAde 
erklären. L. forderte Tom dem jedesmaligen InfterprQten die* atraag9l^ Mßd 
sorgfältigste Vorbereitung: die Sohalien, die altea Gommentaffe, dfte£rraianMH 
lik und dasLexicon mussten gleichmässig ansgenützt, Alles musste nidtf tuir 
ofoerfiaohlich verstanden, sondern wirklich begriffen am ; "WO rniehit, soUte ilw 
Interpreft heraus sagiki, dass ihm esinie Schwierigkeit zu loae« ttol^ gelunfw. 
Denn Klarheit «vor Allem forderte L., sidieres Bownsstsein y^E den Grimm ^ 
des eigenen Wissens. Jedes Bathen, Tasten,. Rsiiaannifen über halbgewusata 
Facta war im verhasst. Die fast jedesmal varkoa^ande Fvag0: ,^WißseH Sie 
4as so gewiss ?^^ brachte immer einen heilsamen Scthreoken hervor, 4'^nß 
¥egebnäs6ig stand es jimm sehr sweifelhaß mit idum Wissfin. Sab«" ibsMi&g 

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W9J? 4^» Q/^u)^ flef Verhiin^iingfen ßeia Ausf^pruch: »Das \yi$fien wir als^ 
napli njphl.'^ Yf^r iüm^^i damit sehr unzufriedea , dass er für alle Hübe 
nw dio fiinsipkt seloe« NichiwiasQBS habe, so wvrde ihm nacbdrueklijch aus- 
ei|iand0F gesetzt, yelcber Gewifin es sjei, nun klar zu erkennen, waa man 
219 unt^suclien iia^ci» unv mm Wi^s^ii zu gelangen. Da er meistens s^e 
eigeme Keantpis« n\ch\ miMbaiUe, so entschuldigten manche Verdriesslicbe sich 
dAroh die^ V(|ra4|a$4>tsung, eir wisse es wohl selbst nicht. Er aber meinte, 
daf» 3^i di9 wafire DisciplMiif da^s man nun auch selbst das untersuche, ypp 
dem foa«t geleri^t ha^e , d^^s es zu erforschen sei. Wenn daher ein Semi- 
qari^ ejl^QP so angeregten Gegeti^tan^l fär sich untersuchte und später mit- 
theilte, was er gefunden zu haben glaubte, ging er thcilnehmend undbelqb- 
r^efid dili^auf ^ii^. Nicht selten wav es aipch die Frage: „Kann man denn das 
ipri^lip^?^, liie iipitzfiridigei^ und unfrunh^baren Hin- und Herreden über Mög- 
l^cj^epli«!! rasdi c^in Ende machte.^ ^f^k dp Schulmeistern mit der Sprache, 
wi^ e^r ^g nannte, vsar ihm Uf^lei4ii(di. Yfenn Einer die von der Schule mit- 
gi^9Pll|ea^i^lrtiiq«Uat^r$phßidung0ni, Synonyyp«! u. dgl. auskramte, so brachte 
i.l|^ wal^l d|e jfrag«: ,aßQ? wird dafi j^tzt so gelehrt ?^^ aujs dem Cqncept 
Abftr q^ gi^brapichtp h^ a^ine peraanlichß Autorität, sondern er liess mr 
d^ Sß>ci^ redeq, dipsci aber mit i$q)iowpgslQ$er Klarheit. Diis war $o Vielen^ 
i\ß^ itt^a QeciSifres wuiH^c^en, a|^ |n vecl^a magistri jyrare und in der Ver* 
e^rmg ßiM^ -tfei^^is ^elbsi ^xisie^UF zu gewinnen,, das Unimgenehfnste. 
Viie^liiel^r npr ein fMl^lir'Up]^ ^^\^ übiiirlegenpr Ifitforsober war er unter For* 
8»b#nd«li> ^ P^Hg. 4^k^^ ^uch kein Qedei^ke;i, gelegentlich sein Nichtwifssea 
mi#flipspn^)|ft9, e^ieta {rrtjmm. anauerkjennen, voii einem Seminaristen Beleh-* 
Tpwg fu^uriQ)inj|€^. A))er Faselei ur^d vorlauten upd naseweisen Dun|cel wi^^ 
ep fnit eben der Unb#fmh<^r%igk.eiit surupk, als uaihertappendes Halbwissen: 
„gpjfche Bursche» meii^te er,, muss maj^ kappen.'^ Die Ausdrucke wog pr 
dpliei ^ifihi ^iz^ sorgfältig ab , , und Mancher lless sieb zu seinenii Schadet^ 
duprcdk^Vs acharffoe^pntjes „flas ist ja abfsurd!'^ oder „das ist j|^ albern !^^ ver-r 
JW^n; wer ab^r irgend slo viel Einsicht in Kern und Wesea de^ Mannes 
besass, um in sich zu* g.eben^. statt davon zu laufen, der erlangte vor Allem 
aiipb 4i^se S^^sfi^ni^oiss , dißßG strenge wissenschaftliche Wabrheitsliebe, 
di«i Ii. i^p spl^r fiuszejct^ne(e , dqr gewöhnte sich an eine genaiie und stripte 
ljl^ifffff(ßt^^pT^ dio aa nichts vorübergeht, weil si^ es nicht versteht^ an eine 
K^|i|^, die nirgend rälh und zutappt., sondern die überall nach fest^ep PriAT 
c^ipifi ufi^ ^iql^erer, featuiffirj^seper Methode zn Werke geht, ß.ei der Inter- 
BTieAat^ if^ufi^!^ dc^l^sch gespriochen, theils um auf die Scharfe und Parbeif 
dpr l^thQ4^ Wgf^bpiljte Anfme;[^kaamkeit richten zu könn^Pt ti)ieUs weil auch 
def il^utach^ Aj93ctruc]f^ geüf)t sein wolle, was bei den mpisten auch fiür ihre 
WirbiW^eit alfs Lehrer dringendstes Bedürfnis^ sei; wenn Einer sich gar 2;u 
upirfhoK^ ^flA npgpsqt^icilit apsdrückte, fehlte es nicht an Spot(. Was man 
ini$/fi9)imur, Ipr^en fi;olltp, war Methode; nicht Kenntnisse sammeln, am wenig- 
atffif 4rF^^ ^ dir^cte |l)[jt^efji,uag des Lehrers, dazu war hier nicht d^r 

Akadem. Monatuehrift Janaar 1852. 4 

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26 Literatur: Karl La^hmann, eine Biographie von Herts.- 

Ort; nur selten hielt er selbst kürzere Vorträge über einen im Seminar 
besprochenen Gegenstand; dann war er sehr gut gelaunt, wollte etwa einen 
Fleissigen belehren, der sich viel vergebliche Mühe gegeben hatte, oder auch 
einmal an einem Beispiel zeigen, wie man in rechter Weise wisse und wie 
man dazu gelange. Man sollte im Seminar selbst arbeiten lernen, die Auf- 
gabe klar erkennen und dann der Mittel sich bewusst werden, durch welche 
man sie lösen könne; unablässig ging seine ganze Arbeit darauf hin. Daher 
verlangte er an jedem einzelnen Punkte, dass man untersucht habe, wovon 
man spreche, und sich bewusst sei, wie und warum man zu diesem Resultate 
gekommen sei, bei der billigsten Berücksichtigung der Kräfte und Mittel 
eines Studirenden." 

Eben so interessant ist das Verhällniss L.'s zu den einzelnen Seminaristen 
beschrieben. Wer in dieser Weise aus eigenfer Erfahrung die Wirksamkeit 
des Seminarlehrers charakterisiren kann, raüsste selbst ein vortrefflicher 
Seminardirector sein. Gleich grundlich lernt man L.'s Vortragsweise durch 
den Verf. kennen , und zum Schluss zeigt er, wie der vortreffliche Gelehrte 
nicht nur im Seminar und in der Vorlesung selbstständig und anregend war, 
sondern auch die Würde seines Amtes und das Interesse der Universität dem 
Ministerium gegenüber zu vertreten verstand , wobei man indessen auch der 
eben so achtungsvollen als verständigen Weise, in weldier der Ministei^ mit 
dem Gelehrten, dem er seine Anerkennung nicht versagen kann, verkehrt, 
alle Gerechtigkeit widerfahren lassen muss. „So erkennt man, sagt der Verf., 
wie L. im Bewusstsein seines sittlichen und wissenschaftlichen Werthes und 
der gewissenhaften Pflichterfüllung, ohne Hochmuth und Prätension, auch 
der vorgesetzten Behörde gegenüber in allen Stücken die Unabhängigkeit und 
Selbstständigkeit seiner Stellung wahrte und auch von dieser Seite her 
die Achtung und Rücksicht in Anspruch nahm, die ihm gebührte. Dass man 
ihn dort zu würdigen wusste, zeigt die geschickte und feine Art, mit der 
man dem Ausdrucke seiner gereizten Empiincilichkeit begütigend gegenüber- 
trat. Mit Gunstbezeugungen ist man freilich nie verschwenderisch gegen ibii 
gewesen; aber er suchte und begehrte sie auch nicht." 

Vom achten bis eilften Abschnitt beschäftigt sich der Verf. mit der 
literarischen Wirksamkeit Lachmanns, zuerst mit seinen der deutschen Philo- 
logie angehörigen Leistungen, sodann mit jenen, welche zur elassischen 
Philologie ressortiren, hierauf mit den juristischen und theologischen Arbeiten, 
endlich mit den Arbeiten in der neuhochdeutschen Literatur. Was der Verf. 
über die Kritik und Exegese Lachmanns sagt, ist so tief durchdacht und 
enthält die Grundlagen einer gesunden Kritik und Exegese in so ausgezeicli- 
neter Weise, dass wer immer als Theolog, Jurist oder Philölog mit diesen 
Disciplinen sich theoretisch oder praktisch zu beschäftigen hat, diese ein 
ganzes Syste.m aufwiegenden Erörterungen nimmermehr ignoriren darf. Wie 
interessant ist die Vergleichung von Lachmanns Kritik mit der Rermannschen! 
„Diese ist divinatorisch , künstlerisch, jene strenghistorisch, wissenschaftlich; 

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yi«mta> lart Laobmann» «ine Biocri^ie tob Herta. 27 

Heimaan ist wes^nUich prodactiv, Lachmann reproductiv/^ Der Verf. zeigt 
Bun, inwiefern . sich L. an Bentley anscbloss, den L. selbst den grössten 
Kritiker der neuern Zeit nennt. Hieran knüpft der Verf., überall auf L- 
zurückweisend und aus ihm arguinentirend , wahrhaft ein System der Kritik 
an: ,,Was bei Bentley mehr aus genialem Scharfsinn hervorging, das hat L. 
zu Regel und Gesetz, zur Methode entwickelt. Das Geschäft des Kritikers 
erscheint ihm als ein dreifach abgestuftes. Es umfasst die Recension des 
Textes, die Emendation, die Entdeckung des Ursprungs. Zur richtigen Er- 
kenntniss dessen, was geschrieben war, führen uns zwei Wege: Prüfung .der 
Zeugen, und, wo sie als falsch sich erweisen, Zurückführung der falschen 
Zeugnisse auf die Wahrheit: so muss man allmahlig Ton dem Geschriebenen 
auf den Schriftsteller übergehen. Darnach ergibt sich also auch eine drei- 
fache Aufgabe: vor Allem ist die Überlieferung der zuverlässigsten Quellen 
zu untersuchen, dann zu prüfen, was von der Hand des Schriftstellers her- 
rühren kann, zuletzt bleibt die Person des Schriftstellers, seine Zeit, seine 
Verhältnisse, seine Hülfsquellen bei Abfassung der vorliegenden Schrift zu 
ermitteln. Das Erste — die Befragung der Zeugen, die Recension des 
Textes — können und müssen wir ohne Hinzuziehung der Interpretation 
vornehmen; unmöglich ist diese dagegen ohne Einsicht in die Zeugnisse« 
unvollständig ohne Sicherheit über die Person des Schriftstellers; anderer- 
seits aber dient die Interpretation der Emendation und der Untersuchung 
über die Entstehungsweise der Schrift zur Grundlage, weil sie zur Erkennt- 
niss der Eigenthümlichkeit des Schriftstellers führt. Alle diese verschiede- 
nen Theile der Arbeit sind daher mit einander zu verbinden: von ihnen 
getrennt aber und vor Allem ist das Geschäft' der Recension vorzunehmen, 
die die Zeugen verhört, ihre Glaubwürdigkeit erforscht und das Bestbezeugte 
zur Darstellung bringt.^' So kann denn der Verf. mit voller Wahrheit von L.'s 
Kritik im Lucrez sagen: „Im Bewusstsein der Sicherheit tritt sie auf, diese 
Kritik; das Haupt emportragend, festen Schrittes, gepanzert und gewappnet, 
schlägt sie unebenbürtige Gegner rechts und links zu Boden, unverrückt ihr 
Ziel im Auge haltend; in bescheidener Treue begnügt sie sich, die älteste 
Gestalt des Textes, die gewonnen werden kann, reiu darzustellen, wo die 
Oberlieferung sie bietet; Willkür und Unges^^hick, die sie zu übertünchen 
versucht, weil sie das eigene Licht leuchten lassen wollten oder weil ihnen 
das Verständniss nicht aufging, werden scharf und derb gezüchtigt zum 
warnenden Beispiel für alle Pfuscherei.'^ So darf mit Beziehung auf Lucrez 
der Verfl von L. sagen: „Vor Allem aber erscheint der als ein kritischer 
Künstler ersten Ranges, der aus rohem Gestein den Text in echter, fast 
makelloser Gestalt herausgemeiselt hat, ein Denkmal seiner Kunst für alle 
Zeiten.^' Wie sein ganzer Entwicklungsgang L. zu dem gemacht hat, was 
er war^ zeigt der Verf. in eben so tiefgehender als ansprechender Dar- 
stälung. Er verfolgt L.'s Entwicklung von der Schule an durch seine Stu- 
dien und Lebensstellungen hindurch. Er lässt den Leser mit L. studiren 

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Hai fortsthl-eiten, fBlirt ihn ein in ^i« WerkMfittid 4i«s>es CMMet uinI «rfiftlk 
so den schönen Beruf des Biographen im ToHsteA Siline des Wortes. ^So 
irind, sagt er von L., die Keime zu seinei* gaheän ThdiigkeH sehm in eein^h 
iSbhul- und Universita tsjahren gelegt, nichts daran ist unentwickelter AnsfflB 
geblieben, niclils Störendes und Fremdartiges hinzugetreten, Alles bis sü einer 
geiVissen Vollendung durchgerührt/^ Zum Schlüsse nur noch, was der* Verf. 
über die wissenschaftliche Einheit in L. so schön als wahr sagt: ^^LaolMliamis 
Wissenschaftliches Leben ist ein vollendetes Kunstwerk. Die einzelnen Tbolc 
fD^en sich mit fhtierer Nothwendigkeit z.u einander und z«ih Oansen^ das 
Gahzie selbst ist ein Bedeutendes, Ferlifi[es, ßeschloBsenes. In das letate 
Jahk* seines Lebens fillt auch die Vollendung seiner grdssartigslen Lebens«- 
aurgahen, des N. T., des Lucfez; auch an die Nibelungen blit er n<ich öin«- 
bal mbhfend und bessernd die Hand gelegt: die schönsten und kräftigsten 
Z>veige haben volle, prangende Kronen getrieben. Aber innäriieber noch 
ihid tiefer als durch die stoffliche Verbindung wird diese könstleriscke Ab- 
rundtthg z« harmonischet* Einheit erzeugt und bedingt darch den einen lei^ 
tehdbn Grundgedanken, der sich durch alle die einzelnen Tkeilc kkidttreh 
äsiebt. Nn^ dadurch ei'Süheint die weite Ausdehnurig der Studien und der 
Hierarischen Wirksamkeit möglich, dass sie innerlich concenlrirt last dsrcir- 
gfiiigig auf einen bestimmten Zweck mit scharfer, sicherer, gleicher Methode 
^ch richten. Eine gute Fugung des Geschickes ist es, dass L. seinä Werke 
zum Abschlüsse führen konnte, die ZusammenfAgung der einzelnen Stodiim 
^ü einem wohlgebildelen Ganzen ist wenigstens theilweise den aiisserti Ver^ 
Mlmissen zu danken: die selbststfindige Richtung fast aller auf einen bestimm*- 
len £weck in einer bestimünten Art ist Lachmanns eigenes Verdienst/^ 

In den folgenden Abschbitten XII — XVI. behandelt der Verf. mit gleicher 
Vil*tuos!tdt L/s amtltche IHiätigkeit, setee Mitgliedschaft in der Prufun^com- 
mtssion) wobei er ihn so schön als überzeugend gegen die ibin zuweilen 
MilM gegebene HUrte vertheidigt, er bespricht die ihm verliehenen Orden 
Cnach Gebähr sehk* kurz), die Doctorwördc in der Theologie Und Jurtsprudeni, 
seine Mitgliedschaft in der Akademie und in andern gelehrten Geselisdiafteli, 
!Seinie Theilnahme «n geselligen Vereinen und seine Geselligkeit abe^kan^t, 
-W^bei besonders die griechische und die gesetzliche Gesellschaft ei^wafait 
^W%lrden, Abschnitte, die kein dt<iser geselligen Verhaltnisise Kundiger ohne 
'glnosses Interesse lesen wird^ seine häuslichen Verhältnisse) iiisbesendete 
düä ZuMmmenleben mit der Familie Klenze, sein Änsseres^ sdne Besuobe, 
Sein Gespräch, seine Bibliothek, sein Interesse Kr Typ#graphie, seine Haml^ 
«^rift) seine Frevnde n. s. f. Den Schlnss macht sein religifoer StandpMhl, 
sMne "Stelluifkg zur Politik^ sein Verhalten im Jahre 1848, endiiöh aeine letafee 
Krankheit und sein Tod. 

Ga'nz freronders dankhiar hat man dem Verf. auch lioeh fär die BeUagien 
iri sein; site etathaiten: A. L.'s Gedichte in rteutseher, lat'einiscfafer, «IthMh- 
deutscher^ Ifriechischer Sprimfai^; B. &Ae Selb^tanmg« smet AupgtJbe dte 

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LefiJKSiiig, die L. Ott 4ie itter«li»ofr() Z«iittttig litti Sdito«lM im Mtte^ t840 
geschrieben halle, die aber Jetzt erst vom Verf. bekäfntit gemacht yfxti; 
C* eiae Obersioht der literarischen Tbötigkeit L/s; D. ein Scherzblatt ans 
dem Jahre 1839 {Gelasand^r}^ ,,des(^n Veranlassung und Ausführung eben 
so sehr Lachmahn als den Ton ohsrakterisirt, 4tr Kwische« ihm und den 
Freunden herrschte^; e$ ist ein Artikel im Slll des J&cher aber Ladimanns 
Leben, den Freunde zur grössten Belustigung L.*s geschrieben haben; E. eine 
ebenfalls von einem Freunde verfasste^ Lessing zugeschriebene Kritik des 
Gelasaader; endlich F. die Trauerrede Buttmanns, des Sohnes, «beim Begrab- 
Itifs Lachmanns. 

Nachdem ^vlf im Vorstehenden unserer Pflicht als Referenten nachge- 
kommen sind, übrigt uns nur, dem VerL für den hohen Genuss zu danken, 
den uns diese ausgezeichnete Biographie bereitet hat, und der Wunsch, dass 
Alle, denen daran liegt, das Spiegelbild eines ächten Gelehrtenlebens zu 
erblicfceti, dab Buch lesen und geniessen mögen, besonders abef Studirende, 
welchen Lachmarin, wie ihn sein Biograph vor sie Mitstelit, ein Vorbild der 
Tugend und des ehrlichen, wahrhaften wissensehaWidhen Strebens Sein möge. 



IIL 

€orrespM(lenz. 

k, Tübingen, Ende November*)« Cfirsat» 4er Pers^anHerlufM« de» IteiireteitilO 

Die Verluste, welche unsere Universität im Lauf« dieses Jahres erlitten hat, 
Bind theilvröise wieder ersetzt An Hepps Stelie trat Geib, bisher Profes^ 
sor hl ZäHch, dier zunickst ßr Crimimilredit bernfeit wurde, aber auch 
Civilproeesiualist ist und in diesem Semester Crjminal«- und CivHproonis liest. 
Er hielt am 23. Ootober die übliche Antrittsrede über den Begriff des gemel^ 
nen Rechts und sein Verhaltniss zu licm Particularreohten, und sprach sich 
polemisch gegen Diejenigien aus, welche die Quellen des gemeinen Rechts 
nur im Goi|)us juris und den Rtichsgesetzen flnden wollen. Ebenso verwarf 
er die Ansidit Jener, wehrte das Vorhandensein eines gemeinen Rechts 
laugnen und nur die Masse deutscher Particularrechte als deutsches Recht 
4eT Gegenwart anerkennen wollen. Im Gegensatz zu beiden Richtungen 
machte er das Recht der Wissenschaft zu selbststaluliger Fortbildung eines 
allgemeinen deutschen Rechts geltend, welches sich zu den deutschen Parti- 
oularrecbten, wie die deutsche Schriftsprache zu den verschiedenen deutschen 
Dialdcten verlnlten müsse. — Professor Köstlin, bisher »usserordentiieher 
Professor des Criminalrechts, welcher nächst Wächter seit einigen Jahren 
uufter den Juristen die grösste Zuhörerzahl la seinem Hörsaal vereinigte, 



*) Die Minlieilunf; obiger Correspondens bat sich gegen nnsern Wunscb etwas veraögert. 
Das darin entbalteue Tbatsfichliche ist unsern Lesern «um Tbeil scbon bekannt; wir glaubten 
jttodh 4eU Brief ^unverklbrst miAiebnieii «u sollen , und ersochen nur den Hrai. Cerresponden- 
ten, fOf «lüs #'ebrnarbeft alsbald uns neuere Mittheilungen suhoauDMi SQ lu«n D. Red. 

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30 Gorr^fpoodeiii. 

r&ckte ZQin Ordinarius vor und hat am 13. November seine Antrittsrede Aber 
das deutsche Faust* und Fehderecht gehalten. Er suchte die von Eichhorn 
und Wächter aufgestellten Ansichten theilweise zu erganzen und zu berich- 
tigen v und es gelang ihm durch Eingehen auf die mittelalterlichen Staats- 
und Rechtszustände im Allgemeinen eine richtigere und erschöpfendere Auf- 
fassung des Faust- und Fehderechts zu gewinnen. •— Zum Ersatz für Rey- 
scher wurde auf den Lehrstuhl des deutschen Rechts Professor Gerber 
in Erlangen berufen, und ihm, da er den ersten Ruf wegen einer kurz zuvor 
angenommenen Yocation nach Giessen abgelehnt hatte, auch noch die Stelle 
eines Yicekanzlers der Universität Tübingen angeboten, worauf er annahm. 
Sein Lehramt hat er noch nicht angetreten, da er als Kanzler die Universität 
auf dem Landtag zu vertreten hat. Die Antrittsrede hat er übrigens bereits 
gehalten bei Gelegenheit der am 6. Nov. stattfindenden jahrlichen Preisver- 
theilung. Sie ist bereits im Druck erschienen, unter dem Titel: „Zur Cha- 
rakteristik der deutschen Rechtswissenschaft." Er zeigte, wie 
das deutsche Rechlsstudium erst unter dem Einfluss einer tiefern Auffassung 
der Geschichte zu einer Wissenschaft geworden und im Stande gewesen 
sei, das unverarbeitete Material des römischen Rechts mit dem deutschen 
organisch zu verbinden. Dazu sei aber eine neue schöpferische Kraft noth- 
wendig gewesen, welche es vermochte, die in geschichtlichem Verbände 
schlummernden Ideen des römischen Rechts von Neuem zu wecken und 
befruchtet mit den Ergebnissen deutscher Bildung und Sitte abermals zu 
erzeugen. Das Verdienst, dieses wirklich geleistet zu haben, erkannte er 
Savigny, besonders aber Puchta zu. — Dass für Wächter durch Berufung 
eines ausgezeichneten Pandektisten einiger Ersatz gesucht werden müsse, 
wurde, ohnerachtet eigentlich kein etalsmässiger ordentlicher Lehrstuhl des 
römischen Rechts erledigt war, am Ende doch allgemein anerkannt, und es 
sind bereits drei auswärtige Romanisten zur Berufung vorgeschlagen: Fein 
in Jena, Bruns in Halle und Leist in Rostock^). Der Ausfall an Studi- 
renden der Rechte ist übrigens gegen voriges Semester bei Weitem nicht 
so gross, als man geförchtet hatte und das Gerficht gegangen. Die Zahl der 
Studirenden juridischer Facultät beträgt in diesem Semester 177. Im vorigen 
Semester waren es 187; die Abnahme beträgt also nur 10. Dagegen ist 
die Gesammtzahl der Frequenz sogar um 2 gestiegen. — Nörrenbergs 
Stelle ist theilweise wieder besetzt durch Ed. Reusch, bisher Professor an 
der polytechnischen Schule in Stuttgart, dem der Ruf eines ausgezeichneten 
Lehrers vorangeht. Es ist ihm das Lehrbch der Physik übertragen. Die 
bisher damit verbundene Professur der Astronomie wurde davon getrennt 
und ist noch unbesetzt. 

y. Leipzig, Anfang November. (BeHcht abe. dl« akademischen PreUanfgaben.") VOU 

den sechs alljährlich ausgesetzten Preisaufgaben (von denen drei auf die 
drei obern, drei auf die philosophische Facultät kommen) sind die theo-, 
logische von Zweien, die juristische und ebenso die der 3. Classe der philo- 
sophischen Facultät von Einem zu lösen versucht worden. Nur die letztere 
wurde des Preises und die eine der beiden theologischen Bewerbungsschriften 
der öffentlichen Belobung und einer theilweisen Prämiirung würdig befunden. 
Der Verfasser der letztern war der Stud. der Theologie A. Raum, der der 
erstem der Stud. der Mathematik A. G. Weiske, beide aus Sachsen. Für 

^) Vergl. die untenfol^^ende Gorrespon()eni; aus Jena, wonach Fein den Ruf nach Tü«- 
biogea erhalten und angeBommen hat, D. Red. 

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Correspondenz. Bi 

das nächste Jahr sind die Preisaurgabeh folgende: 1) theologische: „num 
quid discriminis in loco de niarei Paulum inter apostolum et auctorem epi- 
stolae ad Hebraeos intercedat, et si aliquid, quäle illud sit'^; 2) juristische 
(wiederholt): „de notione exceptionis peremtoriae quomodo dilTerant jus 
romanum et germanicum, quale constitutum est in legibus imperii'^; 3)inedi* 
cinische: „ observationibus medicorum coilectis et inter se comparatis ex- 
perimentisque in bestiis factis quaenam suturae forma ad claudenda vulnera 
intestinorum prae peteris commendanda sil"; 4) erste philosophische: „de 
annalinm saec. VII. usque ad IX., qui Monumentis Germdniae a Pertzio 
editis continentur, ratione ita disserator, ut et qua cognatione et familia inter 
se cobaereant et in quas diversorum auctorum partes singuli sint distinguendi 
facta accurata eorum comparatione ostendatur'^ ; 5) zweite philosophische: 
„explicatur nexus, qui intercedit inter J. G. Fichtii et I. Kantii placita,. ita 
ut inquiratur non solum,' quas mutationes Kantii philosophia per Pichtium 
subierit, sed etiam quibus de causis et quo jure Fichtius eam, quam Kantius 
secatns erat, philosophandi rationem immutandam esse censuerit*^; 6) dritte 
philosophische: „quae ratio intercedat inter physicas corporum qualitates 
•eonimque chemicam naturam exponatur^S 

y. Leipzig, im November. CFieqneiu. Lehreipeisonal und iiitendirte B^rnfniigen. 
Lr Ctoren. Die neue UiiiversitäUverfaHsuiig. Wahlen.) Obgleich die Speciello StatistlSCfae 

Übersicht über die Frequenz unserer Universität erst im nächsten Monat zn 
erwarten steht, kann ich Ihnen gleichwohl schon auf Grund der bisherigen 
Erhebungen berichten, dass die Zahl der Studirenden sich sehr ansehnlich — 
gegen Ostern um ungefähr den achten Theil — vermehrt hat. Die Rectorats- 
rede, deren ich gleich erwähnen werde, gab 922 an; es steht jedoch noch 
eine höhere Ziffer für die Frequenz dieses Semesters in Aussicht, da die 
Inscriptionen damals noch nicht abgeschlossen waren*). Ich stelle diese 
Mittheilung an die Spitze dessen, was ich Ihnen zu berichten habe, weil sie 
die erfreulichste ist, welche sich zur Zeit von hier aus machen lässt, und 
behalte mir vor, weitere Betrachtungen dann, wenn die speoielle Statistik 
der Universität veröffentlicht ist, daran zu knöpfen. In gewissem Gegensatze 
zu jener Steigerung steht die Verminderung der akademischen Lehrerzahl, 
zwar vielleicht nicht die der Gesammtzahl (was ich im Augenblicke nicht 
genau zu überschlagen vermag, da sich mehrere Privatdocenten neuerlich habili-' 
tirt haben , aber doch in der Zahl der ordentlichen Professoren. Von den 
drei gleich zu Anfang vorigen Semesters Iheils durch den Tod theils durch* 
Absetzung der Universität entzogenen ordentlichen Professoren der Botanik 
(Kunze), der deutschen Sprache und Literatur (Haupt) und der classi- 
schen Alterthumskunde (Jahn) hat noch keiner wieder einen Nachfolger 
gefunden. Wegen der erstgenannten Professur ist mit Griesebach in Göt- 
tingen und Göppert in Breslau verhandelt worden, aber vergeblich; behufs 
der Besetzung von Haupts Stelle ist die Facultät noch nicht zur Denomina- 
tion aufgefordert; für die drittgenannte Professur endlich sind Hermann 
und Wies ner in Göttingen undAmbrosch in Breslau vorgeschlagen, wo- 
bei es jedoch noch sehr fraglich ist, ob eine etwaige Berufung noch im 
laufenden Semester realidirt werden könne. Kann es nicht fehlen, dass 



*) Wir verweisen auf die ailgemeine Correspondenz, in welcher die Angaben des officiel- 
len Verzeichnisses sich finden, wonach die Frequenz sich bedeutend geringer herausstellte. 
Übrigens hat sich die Mittheilung obiger Correspondenz, wie die der Tübinger, bedeutend 
verspfitet Ö. Red. 



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3f» C9fKf|ß|fo^^^^. 

Ivier^urch 4i9 phUp«i<»ph^chj^ Fac9ltat' einon wegentUol^eii Eintri^ cirliUep hiUt 
sa wir4 anderert^eit;; bei ißt mediciaiscl^en Facultat der Abgang Oppolz^rs 
immer noch gefühlt. £|n so tüchtiger Klipiker Wiind^^rl^b sein mag» ao 
Iiiatte dach Qppolzer nach a^ssen eine ganz besondere Aq^iehaogskraft. lo 
dieser FacuUat st^ht Weber als deren erste Grösse da, während ia dctpi 
yerwündteii Felde der Chemie Er d mann Mnd Lehmann eineii weitver- 
breiteten Rnf geniessen. Clarus, der frühere hochverdiente Director dex 
Klinik, ist bei vorgerücktem Alti^r dßr akademischen Wirksamkeit fast gan^; 
QptzQgen; bei seinem unlängst gefeierten Doctorjubiläum warden ihm reicbß 
Ai|S9jeicbi>iuigeq Mnd das Cqmthurkreuz \, Cl des k. säpbs. Verdienstordens au 
Tbeilp Ober die Schwächen der^^ übrigens mehrere hocbachtbarq Nam^n 
zählenden juristischen Faoultät i^t i^chon früber in der Ar M. S. gesproch^p 
worden. Ver theologischen FacuUät ka^pn man eine vorzügliche Vollständig- 
keit und vielseitige Tüchtigkeit der l<^hrkräfte nachrühmen, welche auc)) 
ihre nachhaltige Wirkung bezügUicl» der Frequenz zu äussern nicht verfehlt, 

Um naph dieser genereHen Übersiebt nQpb einige der neqeaten Pei^Anlr 
aadaruQgen an c^iwähnen, so aipd kurz vpr Anfang dieses Semesters %w9i 
talentvolle junge Lehrer, der aus^eror^entUcbe Pcofi^ssor der Theoliipigi» 
Dr. Fricke und der Privatdocent Dr. Wago^j». jener nach Kiel a)s Ordi- 
nariuaf dieser nach Nürnberg ak; Pi^ofessor berufen worden. Obwohl beide 
in ihren Fäpbqrn^ pan^^tHch dqr ef&tere sehr vielseitig (als Kircheor- 
hisjtoriker, |>Agma<tiH?r und Philosoph) wirksam waren, sp i^t doch eixie 
eigefitlifibe tuek^ durch ih^en Abgang ni^bt eiagetretßn, In 4ep juriatisqhfiiii 
FafluUdt bat aich i^in junger gescbM*ter Advoca^, Dr, Kun^e, als Privat- 
d^i^t bfibilitifl; der sqhpu s^it mehrern Jabrep als Privatdocent besonders 
im Gebiete der gerichtlichen Medicin thätige Qezirksarzt Dr. Sonne^ikalb» 
sowie der lang^hrige privatdocent der Botaoi^ Dr. Petermann sind zu 
auaserordentUchen Profe^spreu ernajant wordeur Endlich sei erwäbnti dms 
mit de» Lektor der italienischen, spanisphen uud portugjesischett SpracbOi 
Eiaihgeberi. vpr Kurzem der leizte der l^ectpres. pnblipi an hiesiger Uni- 
versität verstorben ist, — eines Instituts« das, an sich sx^hon dem ffi^e^r 
wärtigeu Standpwikte der Wissensphafi der neuem Sprachjen u;Qd ihrer Ver- 
tretung an ein^r UniversiJ»9s literarum wenig entsprechend, am alterwenig^ten 
diurcb die letzten Träger dieser Vertretung sich |[eeign,et und lebensfähig 
orwjea, Dem VeruieMen nacb wird SiChnarerlicti eine neue ^rnenuung von 
I^ppAorep erfolgem; erwüwipht wäre es dagegen, dai? Studium der b/^deutendr^ 
sten. weuern Sprachen ip wissenschaftlicher Weipe aufgenommpu a^u sehe*r 
und wpnn wir recht unterriphtet sind:, dürfte m^n. sein Abseben biefür auf 
einen bereita längere Zeit iu Leipzig privtatisirenden Gelehrten ric^ten^ dessen 
Wahl bi^s^u al^ repht geeignet gelten konnte. 

Die ftoue Universitätsvorfaasung acjlhe^nt sich, soweit man bis j^lzt Gelegen^* 
heil; halte, Erfahrungen zu. sammela, zu bewahren^ JiedenfaUs dürfen die Wabr 
lea, welche von der Gesammtbeit aller Proressoren (ordeatlicber wie ausserrT 
ordentlicher) ausgegaogen sind, als sehr glücklich bezeichnet werden» Der 
zum Beetor (viom 31. October an) gewählte Domherr Dr. Schilling (Pro?* 
flesAar des römischen Reekts) hat dieaes Amt schon fruh^ |n erfolgrei^er 
Weise bekleidet und ist ein eben so humaner als fester Charakter. Sah man 
auch mit Bedauern den Prof. Dr. Bülau, der zwei schwierige Jahre hindurch 
bis dahin das Rectorat mit seltener Umsicht verwaltet hatte, am gedachten 
Tage nun — wo er bei der üblichen akademischen Feierlicbkeit eine über 
die (Jeachichte der Universität während dieses Bienniums ^ich verbreiteipde 

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Cocrifpoiideiis. 93 

Wehst ansprfchende und nin^ den verschiedensten Seiten hin wohlthaende 
Rede hielt — abtreten, so musste doch jeder Wunsch, denselben noch länger 
an der Spitze der Universität zu sehen, abgesehen von der billigen Rücksicht 
auf seine Befreiung von den nicht geringen Lasten dieses Amtes, vor dem 
Hinblick auf die ihm vom 1. October d. J. an übertragene Oberredaction des 
pubficistischen Hauptorgans der Sächsischen Regierung, der „Leipziger Zei- 
tung^^ *) zurückweichen und es war nachstdem nicht minder erfreulich, seine 
Verdienste als Rector durch die Verleihung des Ritterkreuzes des k.S. Ver- 
dienstordens auch höhern Orts gewürdigt zu sehen. Die zweite, erst in den 
letzten Tagen erfolgte Wahl, die von der „Universitätsversammlung^^ ausgeht, 
war die dreier Candidaten, aus welchen der engere Senat einen Abgeordne- 
ten der Universität für den zum 1. December einberufenen Landtag zu wäh- 
len hat. Sie fiel auf die Professoren Bülau, Tuch (den Vertreter der 
Universität auf dem letzten Landtage) und Hanel; die Wahl selbst ist noch 
nicht erfolgt**). 

jr. Jena, 9. December. (PenonaUea. Frequenx. nie MlitwocfasvoiiesuDgen. Akademisch« 

coiicfttte.) Unsere Universität hat in dem kurzen Zeiträume von einem Jahre 
so viele und so bedentende Verluste erlitten, ,wie wohl keine andere Deutsch- 
lands und noch immer laborirt sie an vollständiger Besetzung der vacanten 
Professuren. Wir wollen zur leichtern Cbersicht die Verluste noch einmal 
angeben: sie verlor durch den Tod: CHR. Voigt, dessen Hauptfunctipuen 
Prof. Schieiden übernahm; Hand, dessen Stelle. noch unbesetzt ist; Danz, 
der schon früher emeritirt war; Wolff, dessen Platz, wie es scheint, durch 
Hettner ausgefüllt werden soll. Durch Berufung an andere Universitäten 
verlor sie Prof. Schaumann, der nach Hannover ging; den Lehrstuhl der 
Geschichte nahm Prof. Droysen aus Kiel ein und liest schon seit Anfang 
dieses Halbjahrs vor einem zahlreichen Zuhörerpublicum (unter dem sich 
auch altere Professoren, Bürger u. A. befanden). Dass Droysen sofort Aller 
Beifall erhielt, die ihn kennen lernten und hörten, zeigte sich am eclatan- 
testen, dass ihm seine Zuhörer, denen sich noch viele andere Studir^nde 
anschlössen, in den ersten Wochen eine Abendmusik als Beweis ihrer Aner- 
kennung brachten ; demCurator, Staatsrath Seebeck, ward auf gleiche Weise 
für die Berufung Droysens gedankt. Ferner verliess die Universität der 
a. 0. Prof. Otto, welcher einen Ruf als Professor der evangelischen Theo^ 
logie nach Wien annahm und dort seit Anfang dieses Halbjahrs docirt. Bis 
zu Ostern k. J. werden wir verlieren den HR. Fein, der Institutionen und 
Pandekten vorträgt; er folgt einem Rufe nach Tübingen an v. Wächters 
Stelle. Endlich verlässt uns noch der Privatdocent in der medicinischen 
Facultät, Dr. Förster, einer Vocation als Professor der pathologischen 
Anatomie nach Göttingen folgend. Ausserdem hat uns verlassen der Lector 
der neuem Sprachen, Dr. Voigtmann, welcher Gymnasiallehrer in Coburg 
wurde. Sie sehen, dass die Verluste nicht unbedeutend sind; doch wir wol- 
len auch den Gewinn nicht verschweigen: wir eroberten Droysen und 



*) Td gewissem Zusammenhange mit diesem Bedackions Wechsel (der bisherige Redacteur 
war der a. o. Prof. in der philosophischen Facaltfik Dr. Marbach, ein sehr talentvoller und 
vielseitiger Gelehrter, der bei Gelegenheit seines Rucktritts von der Redaction cum k. sScbs. 
Hofratb ernannt ward) steht die gleichzeitig erfolgte Berufung des a. o. Prof. der Rechte 
Dr. Schletter cur provisorischen Leitung des j&ngern ministeriellen Organs der sächsischen 
politischen Presse, des „Dresdner Journals^*; der genannte ist flir dieses Semester an der 
Universität benrlaabt. 

***) Vgl. Deeemberfaeft S. 588. Bfilau ist gewählt. Anm. d. Red. 

Akadem. Monattsehrift. Januar 1858. & 

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34 Correspondenz. 

flellner; in der theologischen Facullät habilitirte sich LSc. Dr. Vog#l. Hof- 
fen wir, dass der so «msichllge Curator auch bald die erledigte Professur 
der Philologie, durch seine Hülfe und Thätigkeit sind wir dessen gewiss, 
besetze und dem so sehr gefühlten Mangel eines Lectors def neuem Spra- 
chen abhelfe. 

Das eben ausgegebene Verzeichniss der Behörden und Stüdirendcn der Uni- 
versität weist 385 Studirende nach, die sich so vertheileu: 78 Theologen 
(20 Ausl., 58 Inl), 104 Juristen (43 Ausl, 61 InIO, 75 Mediciner (29 AusL, 
46 Inl), 128 Philosophen (82 Ausl, 46 Inl); im Ganzen 174 Ausländer, 
211 Inländer; dazu kommen 10, welche besondere Erlaubniss zum Besuch 
der Vorlesungen haben, so dass die Gesammtzahl 395 beträgt; im vorigen 
Halbjahr betrug die Anzahl 421 (176 Ausl, 245 Inl) und 13 Nichlimmatri- 
culirte; der Abgang betrug 134; die Zahl der in diesem Halbjahr Neulnscri« 
birten ist 85 und zwar Theologen 6 (3 Ausl, 3 Inl), Juristen 14 (8 Ausl, 
6 Inl), Mediciner 19 (12 Aus)^ 7 Inl), Philosophen 46 (34 Ausl, 12 Inl), 
im Ganzen 85 (57 Ausl, 28 Inl). Man sieht, dass die Anzahl sich mehr 
und mehr h«bt; wenn auch scheinbar jetzt dieselbe geringer ist, so ist zu 
bemerken, dass zu Michaelis knin Abgang von den Schulen stattfindet, und 
dass die Zahl der Ausländer, die immatriculirt wurden, die der Inländer um 
31 übersteigt. Die Anzahl gegen das Wintersemester 18*75t g^hflU^n \$\ 
um einige zwanzig bedeutender. Und so hoffen wir, dass unsere Hochschute 
mehr und mehr blähe und ihre reichen Früchte trage. 

Noch will ich auf zwei Einrichtungen' hinweisen, die mit grosser Liebe 
und Sorgfalt gepflegt werden und für Jena von unermesslichem Gewinn sind. 
Die erste sind die Mittwpchsvorlesungen für ein gebildetes Publicum, die 
schon seit Jahren von dem unermüdlichen GHR. Göttling zum Besten des 
archäologischen Museums ins Leben gerufen wurden. Es betheiligen sich in 
diesem Halbjahr wiederum sehr viele Personen daran und wurden die ersten 
Vorlesungen gehalten von GHR. Göttling über die Sprüche des Pytbagoras, 
von Staatsrath Seebeck über Plutarch, von Prof. Hettner über Gothe's 
Wilhelm Meister. Es wäre sehr indiscret, sich in eine Kritik über diese 
Vortrage einlassen zu wollen; aber auch wenn wir es tbäten, würden wir 
nur unsere vollste Befriedigung aussprechen müssen. Möge die Bemühungen 
des GHR. Göttling ein reicher Erfolg kröuen, — Die zweite Einrichtung 
sind die akademischen Concerte. In einer so kleinen Stadt, wie unser Jena, 
ist es zu bewundern, wie man überhaupt solche Concerte zu Stande bringen 
kann, die allen nur möglichen Anforderungen hierorts genügen; aber man 
begreift es, wenn man einestheils den Kunstsinn Jena's kennt, so dass der 
Dilettantismus fast eine künstlerische Reife erlangt hat, und dass diese Di-« 
lettanten mit grosser Liebe die Sache unterstützen, wenn man femer erwigt, 
nfiit weicher Tbätigkeit die Concertcommission (GKR. Hoffmann undDr. Gilto) 
das Institut wahrt und pflegt, und wenn man vor Allem Kenntniss hat von 
dem Vermögen des Musikdirectors Stade, die zerstreuten Blumen 2U einem^ 
harmonischen Kranze zu vereinigen und die versteckten Früchte ans Tages- 
licht zu. fördern. Die beiden bis jetzt stattgehabten Concerte zeugen sowohl 
von dem Geschmack in der Auswahl in den Piecen, als auch von dem regen 
Antheil des gesammten Publicums, und so wollen wir auch hier mit dem 
besten Wunsche für das fernere Gedeihen dieses uns unentbehrlich gewor- 
denen Instituts schliessen. 

Q. Berlin, imDeceniber. (Hnber. Rraian. Franz.). Die Zahl der ordentlichen 
Professoren in der philosophischen Facultöt der Universität zu Berlin soll 

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sieb iiarnwl nuf aeht^ßhii belfttfj9n« Die AnstelluogeQ uiiter d^m Eichhorn* 
scbea Miiusteriuia in imjorem Dei gloriam haben diese . Zahl bei weitem 
uberf cbritten y $ie fast zu doppelter Höhe hinaufgebracht. Die Kaminern 
verlaAg^n Zuruckfohrui^ auf den Etat und, während sie sonst im Ganzen 
ziemUch Lsolirt stehen, finden sie hier einen machtigen Bundesgenossen — den 
Tod, la diesem Augenblick ist jene Summe nur noch um die Hälfte über- 
^chritteii; die Zahl von neunundzwanzig Ordinarien, die der Katalog des 
WiQter^emesterj^ noch aufwies, ist jetzt, in der ersten Hälfte desselben, 
bereits wieder um zwßi gemindert, um den altehrwürdigen Physiker Er man 
und um den Philologen Johannes Franz. Kurz vorher war ein dritter, 
H«ber» freiwillig von seinem Amte, zurückgetreten. Der Verlast, den die 
Universität durch diese Minderung ihrer Lehrkräfte erlitten hat, ist im Ganzen 
nicht sehr hoch finzuschlageji. Hub er hat hier als Docent nie Boden 
gewinnen können und es i$t, so viel man isonst gegen ihn einzuwenden 
haben inag, von jedeiyi Standpunkt a.us, als achttingswerlh anzuerkennen, 
dass er sich freiwillig seiner, sehr anständig honbrirten Stellung begeben 
hat, weil sie ihm eine unverhältnissmässig geringe Wirksamkeit bot; dass 
er die Hälfte jenes Gehalts als Pension bezieht, ist eine Last, die man , sich 
der Erbsünde getröstend, geduldig hinnehmen muss. Der alte Erman, 
seiner Zieit und noch bis in sein hohes Alter in wunderbarer Frische und 
Lebendigkeit thätig und eine Zierde der Universität, hatte sich schon seit 
einiger Zeit in den wohlverdienten Ruhestand begeben uild sein Tod raubt 
uns wieder den Glanz eines grossen Mannes, nicht eine rüstige Lehrkraft. 
Dove und Magnus lassen ihn nicht vermissen. Verhällnissmässig am 
meisten war für die Universität der am 1. Dec. auf der Rückreise vom 
Bade L^ngowie&e (wo er Herstellung seiner zerrütteten Gesundheit gesucht 
hatte) verstorbene Professor Franz thätig. Namentlich hattß er eine, wenn 
auch geringere Anzahl von Schülern sich näher zu verbinden gewusst, die 
er durch praktische Übungen zur Fertigkeit in der Handhabung des AU-* 
und Neugriechischen auch für den mundlichen Ausdruck anlt^itete. Man 
begegnete ihm wohl mit seinen Jungern auf einsamen Gängen des Thier- 
gartens und die fremden Lante erregten die Bewunderung unphilologischer 
Spaziergänger. Sonst hielt er seit 1840, von wo an er der hiesigen Uni- 
versität ei-st als ausserordentlicher, dann seit 1846 als ordentlicher Professor 
angehörte, Vorlesungen über alt- und neugriechische Grammatik, über griechische 
Paläographie und Epigrapbik, über hellenisches Leben, so wie er in seinen 
exegetischen Vorträgen einen ausgedehnten Kreis griechischer Dichter wie 
Prosaiker umfassb. Namentlich für diese letztern Vorlesungen trat er in 
unmittelbare Concürrenz mit Böckh, die es erschwerte, eine grössere Anzahl 
von Zuhörern zu gewinnen; seine aeschyliscben Vorlesungen collidirtcn mit 
denen Lachmanns, dem er aber auch durch Ankündigung der seinigen als 
Publicum zur selben Stunde die Zuhörer nicht zu entziehen vermochte. Sein 
uncollegialisches Verfahren aber war durch einen Streit mit Lachmann im 
Sommer 1848 hervorgerufen , in dem jener zwar mit verletzender Schärfe 
aufgetreten war, aber mit einer Schärfe, die ihren Ursprung in sittlichen 
Votiven halte, während Franz sich nicht immer ehrlicher Waffen gegen 
den Gegner bediente und dadurch auch Böckhs Wohlwollen verscherzte. Diess 
masste sich ihm um so schmerzlicher fühlbar machen, als es gerade Böckhs 
grossem Werk des griechischen Corpus inscjriptionum war^ dessen Vollendung 
ihm zunächst nach vielfach wechselndem Gesohioke im Jahre 1849 Berlin 
als Heimath angewiesen hatte. Denn- 1804, am dritten Juli, in Nürnberg 



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g«f)6ren , hatte er £war sundchst im engern Yaterlande sfch ^ine St^Uttiig 
zu erringen gesucht und einige Jahre (1830 — ^1832) Verlesungen an der 
Universität zu München gehalten; dann aber \irar er als Dolmetscher mit 
König Otto und dem Grafen Armannsperg nach Griechenland gegangen 
(1832—1833), endlich hatte er fünf Jahre (1834— 1838) in Rom als Privat^ 
gelehrter zugebracht, ehe ihm das Schicksal eine bleibende Stfttte in Berlin 
vergönnte. Vom Corpus inscriptionum, dessen zwei ersten Bände der Meister 
selbst zu Ende gefuhrt hat, wird ihm der dritte Band verdankt, mit dem 
das grossartige Unternehmen immer noch nicht abgeschlossen ist. Ausser- 
dem ist er seit 1828 unausgesetzt literarisch thatig gewesen. Seine erste 
Arbeit war eine griechisch geschriebene Dissertation über Lysias. Die dabei 
angenommene hellenisirte Form seines Namens, Phrasikles, hat er auch in 
seinen neugriechisch geschriebenen Grammatiken der deutschen und der alt-^ 
hellenischen ISprache (1835) beibehalten. In die Zwischenzeit fällt tiament-* 
lieh seine Ausgabe des Lysias (Mönchen 1831), so wie seine praktische 
Anweisung zur Erlernung des Neugriechischen (Mönchen 1832). In Rom 
beschäftigte ihn ausser einer lateinischen Bearbeitung der neugriechischen 
Grammatik (1837) und der Ausgabe der kleinem Chronik des Georgius 
Phrantzes (in Mais class. auctor. e Vatic. codd. ed.'t.' IX. 1837*) der Plan 
eines Corpus der griechischen Musiker; die Frucht dieser Thitigkeit aber 
ist äusserlich nur in einem akademischen Programm aus dem Jahre 1840 
ans Licht getreten; zwei Jahre vorher, 1838, war bereits ein zweibändiges 
deutsch-griechisches Wörterbuch erschienen; 1840 aber, im Zusammenhange 
mit den Arbeiten für das Corpus, gab Franz seine Elementa epigraphices 
graecae heraus, die eine schätzbare und sorgfältige Einleitung in das Stu- 
dium enthalten, in welchen er mit Geschick und Glöck in die Fusstapfen des 
Meisters trat, dessen Werk ihm anvertraut war. ' Die Bestrebungen des 
Königs von Preussen, der deutschen Buhne die Darstellung des hellenischen 
Dramas zuzuföhren, trugen ihm später die Aufforderung zur Übers.elzun'g 
der aeschylischen Oresten und die Vergünstigung einer Reise nach Florenz 
ein, ,um behufs dieser Uebersetzung die beste, dort auf der Laurentiana 
befindliche Handschrift des Urtextes zu benutzen. In Folge davon erschien 
(Leipzig 1846) seine Ausgabe und Obersetzung jener aeschylischen Trilogie, 
später (Berlin, 1848. 4.) die Veröffentlichung der interessanten Entdeckung 
der Didaskalia der Sieben gegen Theben in jener Handschrift. Diese kleine 
Abhandlung ist es, in der der Verfasser sich Lachmann gegenüber nicht 
ganz redlich benommen hat (vgl. Hertz Biographie Lachmanns S. 251 fg.). 
Der unerquicklichen Veranlassung jenes genugsam bekannten Streites zu 
gedenken, darf man wohl billig unterlassen. — Ob man nun ernstlich daran 
denken wird, wenigstens Lachmanns verwaisten Lehrstuhl zu besetzen? Ob 
man nicht endlich die kleinlichen Bedenken gegen Haupt aufgeben wird, dessen 
Berufung die Facultät mit Recht standhaft verlangt? 

£. Mönchen, Ende November 1851. (Hacker. Anfang de« Semesters. SiteDng der 

Akademie der ww. Dr. Höfler.) Am 18. Novcmbcr 1. J. Starb der k. Ministerialrath 
und ordentliche Professor der Rechte Dr. Franz Hacker im 74. Jahre 
seines Alters. Sein Nominalfach waren Criminalia; er hatte aber schon 



*) FraDB* H&lfe habe er in Aofprach genommen, sagt Mai daselbst (S. 594) non tarn 
quia Fhranlaam patrono homonyme Franfio commendabam, qaam quia barbariorem Chronici 
sermonem, qualem tom Graecia cornipla iam .usurpabat, peritissimo dialecU ^eius magistro 
exhibebam, qni grammatioo bis tractatu eaodem docuit et enucleavit 



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mtbrere Seaiegier wefm Kf inUiehkeil Mne Vorlesungen mdir gebalten. Er 
wird sowohl von seinen College«, als von den Stnd^nten, denen er besonders 
wegen seines lentseligen Benehmens bei deti theoretischen Prüfungen der 
Juristen w<^th war, allgemein sehr betrauert. — Nominell hat hier das 
Semester mit dem- 15. October begonnen. Die meisten Vorlesungen wurden 
aber erst mit dem Monat November eröffnet und die Juristen konnten wegen 
des tbeorelfscben Examens erst mit dem 24. November anfangen. — Am 
27. d. M. hielt die Akademie der Wissenschaften zur Vorfeier des könig- 
liefaen fieburtsfestes öfTentliehe Sitzung. Da der Vorstand der Akademie^ 
Hofrath v. Thiersch, durch Unwohlsein zu erscheinen verhindert war, so 
eröffnete dieselbe der Secreldr der Akademie, Prof. Ritter D^. v. Hartius, 
mit einem auf die Feier des Tages bezuglichen Vortrag, ^oran er die Ver- 
kdndigung der neuen von der Akademie vollzogenen und vom Könige bestä- 
tigten Wahlen und eifle kurze Biographie zweier im Laufe dieses Jahres verstor-* 
benen Akademiker, des russischen Staatsraths v. Ledebur und des berühmten 
Naturforschers Oken anreihte. Hierauf hielt Dr. Wittmann, ein neu auf- 
genommenes ordentliches Mitglied der historischen Classe, einen Vortrag 
„über die Germanen und die Römer in ihrem Wechselverhältnisse vor dem 
Falle des Westreiches.'^ Ausser vielen andern ausgezeichneten Personen 
wohnten auch die HH. von der Pfordten und v. Ringel mann derFeier 
bei. — Dr. Höfler erhielt vor seinem Abgange nach Prag noch ein 
schmeichelhaftes Schreiben von dem Präsidium der Regierung von Ober- 
franken, in welchem ihm die Anerkennung der Regierung wegen seiner 
Verdienste, die er sich durch sein Wirken in administrativer Beziehung in 
Bamberg erworben habe, ausgesprochen war. 

I. Hünchen, den 15. DeC. (SleUrs JubUäum. StudentengeaelUchafteo. Piibllcation in 
Betrfif der Juristischen Prüfungen. Wirksnmkeit des Vereins znr Unterstiitxnng dürftiger Studirender.) 

Mit dem Schlüsse des verflossenen Studienjahres 1851 feierte ein verehrter 
Professor unserer Universität sein fünfzigjähriges Dienstjubilüum. Dr. Thad- 
däus Sieb er, geistlicher Rath und ordentlicher Professor der Physik, ist 
geboren am 9. September 1774 zu Schrobenhausen , wo sein Vater Stadt- 
schreiber war. Er besuchte die Klosterschule zu Scheyern und später das 
katholische Gymnasium zu Augsburg, das damals unter der Leitung von 
gelehrten Exjesuiten stand, und trat nach vollendeten Gymnasial-Studien mit 
18 Jahren in das Benedictinerstift Scheyern ein. Am 10. .luni 1797 ward 
er zum Priester geweiht. Sodann bezog er auf Kosten des Klosters die 
Universitäten Ingolstadt und Landshut, und widmete sich dort dem Studium 
der Philosophie und Naturwissenschaften, in welchen Fächern er sich auch 
Bald so sehr auszeichnete, dass er schon 1801 als Professor am Lyceum in 
Freising angestellt wurde. Im Jahre 1804 kam er als Lycealprofessor der 
Physik und Gymnasialrector nach P((ssau, von wo er 1826, als eben die 
Universität von Landshut nach Mönchen verlegt worden war, als ordentlicher 
Professor der Physik hieher berufen wurde. Zu gleicher Zeit wurde er 
Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Hier wirkt er nun seit 25 Jah- 
ren stili und anspruchlos mit unverdrossenem Eifer. Während dieser Zeit 
bekleidete er einmal die Würde eines Rectors der Universität, öfter die des 
Decans der philosophischen Facultät, und ist seit vielen Jahren Hitglied des 
akademischen Senats. Er war auch Lehrer des Königs Otto von Griechen- 
land, und* sein dankbarer königlicher Zögling beehrte ihn mit dem Ritter- 
kreuz des griechischen Erlöserordens. Die bayerische Regierung verlieh ihm 
den Michaelsorden und erst vor Kurzem zur Belohnung seiner fünfzigjährigen 
dem Staate und der Kirche geleisteten Dienste den Ludwigsorden. Von 

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itinm Gtehriften nenne feh hier nnr ab Üe bekanntesten an* nwrbreileteleB 
ein Lehrbuch der Physik, ein Lehrbach der Mathematik und Biograpbiee« 
und AuazQgre aus den Werken der Physiker des Mittelalters, welche letztem 
er gemeinschaWich mit dem hier verstorbenen Prefessor Rixner tierattsgei^e'» 
ben hat. Der ehrwürdige Jubilar erfreut sich der besten Gesmidheit und 
liest auch heuer wieder bei überfttittem Hörsaal. Den Studirenden war und 
ist er noch immer ein väterlicher Freund und HebevoHer Rathgeber, und bei 
seinen tinzfihfigen Zuhörern wird er stets in dankbarem Andeiriten sieben. 
Möge er noch viele Jahre unserer Universität als eine ihrer Zierden enge«» 
hören! 

Der Rector der Universität, sowie der Polizeidireclor, forileni, jeder. in 
einem besondem Anschlage, jener unter Hinweisnng auf %, 67 d^ Univerw 
sitälsstatuten , dieser auf Art. 12 und Art. 20 des Yereinsgesetzes vom 8& 
Februar 1850 die hiesigen Studentengesellschafken zur Vorlage ihrer Stato^ 
ten und Angabe von Ort und Zeit ihrer Zusammenkönfte und der Namen 
Ihrer neugewählten Vorstande auf. ^ Meines Wissens bestehen derzeit 15 
Verbindungen unter den Studirenden unserer Universität, wovon die folgen« 
den fünf: Bavaria, Franconia, Tharia, Palatia und Suovia schon vor den 
März 1849 bestanden, die übrigen aber, Algovia, Arminia, Cheruscia, Dann«* 
bia, Euthymia, Helvetia, Nassovia, Marcomannia, Macaria und Tafelrviide 
erst dem freien Vereinsrechte der Neuzeit ihre Entstehung verdanken. 

Der Decan der juristischen Facultät hat folgende Bekanntmachung erlas* 
sen: „Unterzeichneter hat in Folge allerhöchsten Befehls den Studirenden 
der juristischen Facultät zur Darnachachtung von einem allerhöchsten an die 
theoretischen Endprufungscommissionen der Landesuniversitäten erlassenen 
Rescripte Kenntniss zu geben, welches durch eine Anfrage bezüglich solcher 
Recbtscandidaten veranlasst worden ist, deren dem Prufungsadmissionsaus- 
scbuss zur theoretischen Prüfung vorgelegten Zeugnisse nur einen unvoll- 
ständigen Besuch der juristischen Vorlesungen nachgewiesen haben. Durch 
allerhöchstes Rescript sind die Prufungscommissionen angewiesen, in solchen 
Fällen, wo es sich aus den Zeugnissen ergeben sollte, dass der Candidat 
von der eingeräumten Lernfreiheit einen ungeeigneten Gebrauch gemacht 
habe^ die wissenschaftliche Reife eines solchen Candidaten mit besonderer 
Geoau^keit zu prufen.^^ Dadurch scheint mir die durch die noch geltenden 
Universitäts - Statuten vom Jahre 1849 gewährte Studienfreiheit illusorisch' 
gem^obt. Nach $. 26 dieser Statuten sind die einzigen Bedingungen der 
Admission zur theoretischen Prüfung vierjähriges Studium an einer deutschen 
Universität und der Nachweis, dass man während der zwei ersten Jahre des 
akademischen Studiums acht philosophische Vorlesungen . gehört habe. Von 
einem Erfordernisse des Nachweises einer bestimmten Anzahl Fachcollegien, 
welches der Prüfungsadmissions - Ausschuss angenommen zu halben scheint/ 
da er den Nachweis eines vollständigen Besuches der juristischen Vor-- 
leanngen verlangte, ist überall nicht die Rede; im Gegentheil steht es nach 
S< 29 denselben Statuten den Studirenden ausdrucklich frei, welche und wie 
viele Vorieavngen sie hören wollen^). 

*) 0«r Hear Corretpo«daBt scheint oat bi«r m eiiMm Irrdraroe befaiif en j|a ««io. Bin 
fMiMlIar HadiweU des YolUtäadiatn Besuches 4er jorisUfchen Vorlesungen wird' nicht gffor-* 
deri; sondeni es soll sich nur aas den Zeugnissen nichl verkehrtes Studium ergeben. Ist diesf 
aber euch äer Fall, so wird der Candidat nicht von der FrAfung suruckgewiesen, sondern 
die EMRiJaataren soNen bei der Prafnag^ au öer der Candidat ja adaiittirl wird, aaiae Reili 
mä besondarat Cleaaaigleit arforschaa! P« fi/td. 



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Der Aiwclmss ^ Vereins vu UntersUUziiiig dürftiger StadiFe»der biil 
kürzlich eiaen Bericht über den Bestand und die Wirksamkeit des Vereins 
im Studienjahre IS^Vst Teröffeatlicht. Wir entnehmen daraus, da>ss die Ein-^ 
nahmen im Gansea die Summe von 1218 fl. 39 kr« betrugen; dazu kam ein 
Activrest. aus dem Vorjahre IS^Vso ^^^ 340 fl. 15 kr., so dass im Ganze» 
die Summe von 1567 fl. 54 kr. verwendbar war. Die Ausgaben des Vereins 
zur Unterstützung dürftiger Studirender beliefen ^ch auf 1403 fl. Diese 
Unterstützungen wurden zum grössten Theil in monatlichen Gaben von 
3 — 5 fl. an 65 dürftige Sludirende vertheilt, von denen 18 Theologie, 25 
Jurisprudenz, 1 Cameralia, 11 Medicin und 10 Philosophie studiren. 

z Wien, im December 1831. (Die k, k. evangeiiscbtheoiogische Facuität.) Einige 
Notizen über die hiesige evangelische und theologische Faeultat werden den 
Lesern der akademischen Monatsschrift nicht uninteressant sein. Diese Facultät 
oder ^ehranslalt^^ wurde von Kaiser Franz L im Jahre 1819 gegründe^ 
um den Studirenden der evangelischen Theologie Gelegenheit bu verschaffen^ 
sich auch im Inlande eine höhere wissenschaftliche Bildung aneignen zu 
können. Am 2- April 1821 wurde sie eröffnet und ihre Leitung Anfangs 
einem Director übertragen. Sieben ordentliche Professoren, im Bange der 
Universitatsprofessoren , sind für sie systemisirt mit 1500 bis 1800 und 
2000 Gulden (C.*M.) Gehalt. Die Anzahl der Studirenden war bisher sehr 
verschieden, zwischen. 40 und 80. Für dreissig bestehen kaiserliche Stipen«^ 
dien, von 50 bisf 80 und 100 Gulden. Die Pacultätsbibliothek enthält bereits 
mehrere tausend Bände und bezieht alljährlich aus Staatsmitteln einen dankens- 
werthen Zuschuss. Seit October 1850 ist die Faeultat in ein neues Stadium der 
Entwicklung getreten; sie ist jener freiem Gestaltung theilhaftig geworden^ 
welche den Facultatsstudien an den österreichischen Universitöten mit aller-* 
höchster Entschliessung Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph L (vom 
1. Oct. 1849) gewahrt worden ist. Demnach steht sie jetzt unmittelbitr 
unter dem Ministerium des Cultus und Unterrichts und wird von ihreik) Lehr- 
körper geleitet. Letzterer schliesst in sich sämmtliche Professoren ^ sie 
mögen als ordentliche oder ausserordentliche angestellt sein, und wählt 
jährlich aus den ordentlichen Professoren einen Decan als Vorstand. MH 
ihrer neuen Organisation ward der Faeultat zugleich das Recht und die 
Befugniss ertheilt zur Verleihung der evangelisch-theologischen Doclorwürde« 
Den Studirenden ist. der Besuch der Vorlesungen an der Wiener Universität 
unter denselben Bedingungen gestattet, wie den an einer Facultät Inscribirten ' 
der Besuch der Vorlesungen an einer der andern Facultäien. Nach der 
Sitte aller österreichischen Universitäten beginnt das Wintersemester mit 
dem 1. October und das Sommersemester mit dem Donnerstage nach de«» 
Osterfeste, dergestalt, dass die Herbstferien zwei Monate und die Osterferien 
vierzehn Tage betragen. Die derzeitigen öffentl. ordentl. Professoren der 
Facultäjt, weiche zum Theil in Jena, Halle und Berlin studirt haben, sind: 
Laitner (für Moral und prakt. TheoL), Schimko (Eirchengescbichte), 
Consistorialrath Dr. Stählin (Dogm. augsb. Conf., Symbol., Encykl.)^ Euz- 
many (prakt. TheolJ, Roskoff (bibl. Exeg.), Szeremlei (Dogm. helv. 
Conf), Dr. Otto (Kirchengesch.). Die beiden ersten wirken. seit ungefähr 
zwei Decennien, der dritte seit sieben Jahren, die übrigen seit kürzerer 
Zeit an der Facultät; der letztgenannte ist erst unlängst als Professor der 
Kirchengeschichte hierher berufen. Nach ßedürfniss werden ausser den 
angedeuteten Lehrgegenständen auch andere Zweige der Theologie in ausser- 
ordentlichen Vorlesungen berücksjicbtigt, sQwie homiletisch« undltatachetische 

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46 C«mif>mMteBil 

Obuiigen mit den StacKrenden vorgeiioniiii^ii. So i«t denn der Facnltit unter 
dem trefiPlichen Dnterrichtsminister Leo Grafen von Tl^un Alles zugewendet, 
dessen sie bedarf, um die Aufgabe, welche ihr bei ihrer Stiftung gesetst 
war, in vollem Masse zu erfüllen ; es ist ihr Alles gewährt, um ein kräftiges 
wissenschaftliches. Leben zu entwickeln*). 

r. Innsbruck, Anfang December 1851. (NaehtrttsUch« Steigenmg der Preqncn«. 
Dl« Siidtlroler. Phllm. Facnhttl. Rekrvtinmg d«t Stadirenden. BoctoratsprafuBgeii. Adttinittratlve StMite- 

Prüfung.) Im letzten Schreiben vom October meldete ich die bedeutende Ab- 
nahme der Frequenz an unserer Lehranstalt. Ich muss nun nachträglich das 
Gesagte dahin berichtigen, dass mit Ende October und Anfang November, 
mithin nach der legitimen Einstandsfrist, eine Vermehrung der Studenten- 
schaft statt gefunden hat. Als Grund dieses späten Zuwachses wird ange« 
führt, dass erst Ende October die Maturitätsprüfungen, namentlich in Säd- 
tirol (in Roveredo drc.) abgehalten wurden, wesswegen den Candidaten die 
Erlaubniss zur spätem Inscription ertheilt wurde. Hiebei ist zu bemerken, 
dass fast die Hälfte der akademischen Bürger im heurigen Studienjahre aus 
Italienern besteht, und es dürfte mit der Zeit wünschenswerth werden, dass — 
bei dem verhältnissmässig starken Zudrange der Studirenden aus den „wäl- 
schen*^ Kreisen, besonders im ersten juristischen Jahrgange, weil sie häufig 
die deutsche Sprache erst erlernen müssen — auch Collegicn in italienischer 
Sprache abgehalten würden, da in dieser Sprache ja auch Pruhingen bestan- 
den werden. Denn begreiflich ist der Nutzen des Collegienbesuches ohne 
richtiges Verständniss der Sprache, in welcher gelesen wird, ein sehr zweifel- 
hafter! Dass jedoch der Besuch der Italiener (Südtiroler) an unserer Uni- 
versität wieder zunimmt, erklärt sich zum Theil daher, dass denselben der 
Besuch der italienischen Hochschulen vor der Hand nicht gestattet ist. — 
Die philosophische Pacultät hat in diesem Lehrjahre 17 inscribirte Zuhörer. 
Wie ich höre, soll die Lehranstalt auf eine Anfrage wegen Aufhebung der 
philosophischen Facultät von der h. Studienbehörde eine beruhigende Ant- 
wort erhalten haben. — Endlich ist auch die definitive Bestimmung über das 
Rekrutirungswesen, insoweit es die Studirenden berührt, für das heurige 
Schuljahr vom Ministerium herabgelangt und bereits publicirt worden. In 
Folge der neuen Studieneinrichtung sind nämlich die Bestimmungen über die 
Mititärfrage der Studirenden in Tirol mehrfach geändert worden. Früher 
bestand flr die in Tirol stiidirende Jugend die Anordnung, dass „gute Zeug- 
.nisse'^ im Allgemeinen von der Loosung befreiten. Seit 1848 verfuhr man 
nach besondern provisorischen Anordnungen. Nunmehr hat das Ministerium 
unterm 6. Nov. d. J. nähere Vorschriften über die Nachweisung erlassen, 
welche die Studirenden zur Erlangung der Befreiung von der Abstellungs- 
pfiicht zum Militär bei der Rekrutirung beizubringen haben. Der neue 
Ministerialerlass lautet nämlich dahin, dass Studirende an Lehranstalten und 
Studienabtheilungen, z. B. der theologischen Facultät, an chirurgischen und 
pharmaceutischen Lehrschulen und Akademieen, für welche die frühern 
Semestralprüfungen noch in Wirksamkeit sind, sich mit den letzten Studien- 
zeugnissen über ihr vollkommen sittliches Betragen und durchgehends gute 
Fortgangsclassen auszuweisen haben. Studirende der übrigen Facultäten, 
die im 1. Jahre ihrer akademischen Laufbahn sich befinden, haben Meldungs- 
bficher oder Matrikel vorzulegen; Studirende der Philosophie (resp. Ober- 

*) Dio A. M. S. wird in einem der nicbsten Hefte den Ministerial-Erlass vom 8. Oct. 1850, 
die Organisation der k. k. evangelisch-theologischen Lehranstalt in Wien, das Stndienwesen 
an derselben aad die DJadplinarordnaiig b^reffend, mitUieilen. 



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Allgemeine Correspondens. 41 

gymnaskisUn) ihr^t Z(3ugiiisse über gut bestandeiiq Maturitdisprafimg.iiad 
^udir^nde (1er., hp.herj^jCurae, , wenn si^ nicjit disciplinwisch lM$ansta^det 
sind, blo^ ihr^ Meldungsbogen y^rz^weisen. Für Rechtsharer, welohe in.der 
Staatsprüfung befähigt erachtet wurden, gilt auch ein solches Zctt^nias. Dk^e 
billige,,Bed^ch,tna^me für Sluden^^en ohne unterschied der Facultäten stimmt 
mit d(?m iieijejn Lebrsystera vollkommen überein. 

. £in frbmiper Wunsch in Bezug auf die Docloratsprjäfung.en m^e 
in Ihrer. Z<?ilschrift. angeregt werden. Die frühere Studieneinrichtuug ge^t- 
tete die Ablegiirjg.der ersten Doctoratsprüfung erst zwei Monate nach Beeindiguaff 
des lefzten ^(achtem) an der betreffenden Facultät zugebrachten Semesters. 
Mit der /neuen Organisation fielen die Semestralprüfungen weg, und es. ist 
das letzte Hajbjahr. der Studienzeit zur Vorbereitung für die Staatsprüfungep 
oder Rigoro^jßn freigegeben, pennoch halten die Professoren-CoUegien an dqr 
,^lten Ani9Mn|jng fest, dass Candidal^^ der Rechte nicht vor.zwei MonaiejH 
.nach Beendi,gung^ des. letzten Semes^ters, also sieben Monate nach Ablunf 
iifer üiMversität^zeit zum erstep Rigorosum zugelassen werden. Der y,tV>ap- 
derer", meint, dass doch an den, yprzuglicjisten deutschen Unjiver^titep 
^^JjEj iip Eifer fijr .Pflege . der Wissenschaft den österreichischen kaum nacbr-' 
^tejben^ eine einmalige Prüfung zur Erlangung der Doctorwürde hinreicbf^nd 
,\yäre, wälirend \^ei uns. die nöthigen Formalitäten ohnebin vierzehn ^on^e 
ia Anspruch nehmen! jedenfalls drängt sich die. Befürchtung auf, ps mochte 
durch diese Erschwerung der Doctorats-Erlangung die eigentlich wis^epr 
schaftlicbe Richtung der Rechtsslpdien, gegenüber der blos praktischen, 
dürqh die Staatsprüfungen repräsentirten, verdrängt werden. .— Im Zqsaiij- 
inenhange mit dieser Angelegenheit, steht auch die Frage, ob künftig wieder 
wie vor dem Jahre 1848, die langen, zeitraubenden Formalitäten, der Disr 
jserlalioii und Promotion, welche wenigstens bei uns aufgehört halten ein- 
geführt werden? Jedenfalls wäre diess im bejahenden Falle im.Nicbtein- 
klange mit einer zweckmässigem, wie verlautet, in naher Aussicht stehen- 
den Reform der künftigen Rigorosen. 

Unter die vielen Gerüchte, welche über die neue Studienordnunfl un4 
auf dieselbe bezüglichen Modificationen auftauchen, gehört auch, dass, die 
».administrative Staatsprüfung" den. Rigorosen vorangehen werde; ferive.r^ 
dass die cameralistischen Wissenschaften bei den theoretischen s'taatsprfrr 
fungen im Allgemeinen vvegfallen und einer eigenen Section zugereiht werden 
für diejenigen, welche siph der, Finanz-Praxis widmep.. In dieser Beziehung 
hat aiich das Finanz -Ministerium die Vorschrift erlassen, dass Cand.idatep 
bevor sie In ,die Priaxis eintreten, aus den einschlägigen Fächern ein Examen 
bestanden haben müssen. 



IV. 

illieiiieine ComsjioiidenJ:. 

.. ifie Üniv(?rsitäl F,reihurg zahlt im laufenden Wintersemester 26 ord^nl-i 
liehe und 2 ausserordentliche ^Professoren, 9 Privatdocenten und 4 5präcb- 
und Exercitienmeister. Es studiren an derselben 189. (katholische) Tbeo^ 
logeii (darunter 57 Ausländer), 56 Juristen und Notariat?candidaten (darunter 
1 ^usl.),, 5^2 Biediciner, Pharmaceuten und höhere Chirurgen (darunter 1^ 
Aiisl.j, 29 Cameralisten, Philosophen und Philologen (darunter 7 Ausl). 

Akadem. MonaUschrift. Januar 1858. 6 

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42 Allgemeine Correspondenz. 

Die Gesammtzahl der iminatriculirten Inländer ist daher 267, der Auslander 76. 
Hospitanten zählt die Universität 31, niedere Chirurgen 14. Es nehmen folg- 
lich an den Vorlesungen Theil im Ganzen 391. Die Gesammtzahl der Im- 
matriculirten betrug im Sommersemester 355, also 9 mehr als im gegen- 
wartigen Wintersemester. 

Nach einer Verfügung der vvürttembergischen Ministerien der Justiz, 
des Innern und der Finanzen, betreffend die Untersuchungen gegen Stu- 
dirende an der Universität Tab in gen, wurden, da die schon durch Ministerial- 
verfögung vom 16. Juni 1837 eingeschärfte Vorschrift des §• 20 des orga- 
nischen Statuts für die Universität Tubingen vom 18. Januar 1829 wegen 
Benachrichtigung der akademischen Behörde von den gegen Studirende ver- 
fügten Strafen, eingekommener Anzeige zu Folge, noch immer häufig nicht 
befolgt wird; da es ferner für die mit Ausübung der akademischen Disciplin 
beauftragten Behörden von Interesse ist, schon bei der Eröffnung einer 
strafrechtlichen Untersuchung gegen einen Studirenden hievon und von den 
nähern Umständen des Straffalles Kenntniss zu erhalten, die den genannten 
Ministerien untergebenen Strafbehörden zu pünktlicher Befolgung jener Vor- 
schrift wiederholt aufgefordert und noch weiter angewiesen, nicht nur dem 
akademischen Senat von jeder gegen einen Studirenden verhängten Unter- 
suchung unter Bezeichnung des Vergehens sogleich Mittheilung zu machen, 
sondern auch bei der Benachrichtigung von einer gegen einen Studirenden 
erkannten Strafe wo möglich zugleich die Untersuchungsacten zur Einsicht 
mitzutheilen. 

Aus Tübingen lesen wir, dass Ephoi'us Hoffmann, der neuerlich 
öfters und mit grossem Beifall predige, um Ostern auf seine neue Stelle in 
Berlin (als Domprediger und Seminardirector) abgeben werde. Dass an 
Nägelsbach in Erlangen eine Berufung auf Hoffmanns Stelle ergangen 
sei, dass er aber abgelehnt habe, berichten die Zeitungen. Freilich ist auch 
die Philologie in Tübingen sehr reichlich vertreten, durch den in jeder Be- 
ziehung ausgezeichneten Ordinarius Dr. Walz (z. Z. Decan der philosophi- 
schen Facultät) und zwei ausserordentliche Professoren, die DD. Schwegler 
und Teuf fei. Auch steht die Habilitirung eines neuen Privatdocenten der 
Philologie, Dr. Westphal aus Kurhessen, in naher Aussicht und ausserdem 
hält Repetent Dr. Baur seit mehrern Semestern philologische Vorlesungen. 
Wer nun zum Ephorat des evangel. -theologischen Seminars in Aussicht 
steht, ist uns dermalen noch nicht bekannt. — Der ehemalige Professor 
Dr. Reyscher, jetzt Rechtsconsulent und Abgeordneter zur zweiten Kammer 
in Stuttgart, erhielt in Anerkennung seiner ausgezeichneten wissen- 
schaftlichen Tüchtigkeit kürzlich einen Ruf an die Universität Kiel als Pro- 
fessor in der juristischen Facultät , hat jedoch diese Berufung nicht ange- 
nommen. 

Aus Heidelberg wird uns geschrieben/ dass die Berufung eines 
Physiologen und die Besetzung des Lehrstuhls der Chemie in der medici- 
nischen Facultät in Aussicht stehe, dass dagegen Hofrath Pfeufer einen 
Ruf nach München erhalten habe. Wie wir in öffentlichen Blättern lesen, 
ist es die von dem verstorbenen Geheimerath und Professor v. Walther 
bekleidete Stelle, die Pfeufer übernehmen soll. Eine Deputation der städti- 
schen Behörde war bei ihm, um den Verlust für die Universität und die 
Stadt abzuwenden. Die Wünsche, die der Berufene an sein Verbleiben 
geknüpft habe, sollen sich nicht sowohl auf seine persönlichen Verhältnisse 
beziehen, als vielmehr auf das medicinische Klinikum, dem er als Director 



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AlIgemeiDe Correfpondens. 43 

vorsteht. — In der juristischen. Facuität eröffnete Renaud diesen Winter 
seine Vorträge des französischen Rechts und des gemeinen deutschen Civil- 
processes. Er spricht, so schreibt man uns, sehr an, und man sieht durch 
ihn die Lucken in den juristischen Lehrfächern als ausgefüllt an. Im Decem- 
ber babilitirten sich in der Juristenfacultat Dr. Dernburg und Dr. Mar* 
quardsen, beide bereits in der juristischen Welt als Schriftsteller bekannt. — 
Nach öffentlichen Blättern hat der ausserordentliche Professor der Rechte 
Dr. Röder, der im laufenden Semester Rechtsphilosophie, Völkerrecht und 
Criminalrecht liest, einen Ruf nach Giessen erhalten; auch ein Privatdocent 
der Rechte soll Aussicht haben, dahin berufen zu werden. — Der berühmte 
Schlossgarten ist von der Universität an die grossherzogl. Domainenkammer 
abgetreten worden, jedoch unter der Bedingung, dass der Universität die 
Benutzung desselben, soweit diese wissenschaftliche Zwecke betrifft, erhalten 
bleibt. T- Die Errichtung der landwirthschaftlichen Lehranstalt in 
Carlsruhe, welche mit der dortigen polytechnischen Schule in Verbindung 
steht und sehr gut und zweckmässig einj[erichtet ist und durch den grossen 
Mustergarten vielfache Vortheile für den Unterricht gewährt, hat theilweise 
die Furcht hervorgerufen, als würden dadurch die landwirthschaftlichen Lehr- 
stühle auf den beiden Landesuniversitäten, Freiburg und Heidelberg, über*- 
flüssig und desshalb wohl aufgehoben werden. Dem ist aber nicht so. 
Cameralisten und Juristen, welche zu Staatsbeamten in den landwirthschaft- 
lichen Fächern sich ausbilden wollen, haben andere Bedürfnisse als solche, 
die in der landwirthschaftlichen Anstalt befriedigt werden können, wenn auch 
nicht in Abrede gestellt wird, dass es für die Genannten am Schlüsse ihrer 
akademischen Laufbahn nicht ungeeignet ist, dass sie, um sich eine praktische 
Anschauung zu erwerben, einen Curs in der Carlsruher Anstalt zubringen. 

Die Universität Giessen zählt in diesem Semester 32 ordentliche, 
2 ordentliche Honorar- und 16 aus&erordentliche Professoren, 10 Privatdd- 
eenten und einen Lehrer der freien Künsite. Die Gesammtzahl der Studenten 
ist 379, von welchen sich der evangelischen Theologie 5& (dar. 3 Ausl), 
der Rechtswissenschaft 94 (dar. 6 Ausl.) , der Medicin 82 (dar. 14 Ausl), 
der Chirurgie 3 (dar. 1 Ausl.), der Thierarzneikunde 12 (dar. 3 AttsL), der 
Cameralwissenschaft 19 (dar. 1 Ausl.), der Arcbitectur 5 (dar. 1 Ausl.), 
der Forstwissenschaft 19 (dar. 7 Aus!.), der Philosophie und Philologie 30 
(dar. 6 Ausl.)) der Pharmacie und Chemie 59 (dar. 40 Ausl.) widmen. Dass 
katholische Theologen nicht genannt werden können, rührt von der Errich- 
tung der theologischen Schule in Mainz her. Im Sommersemester betrug 
die Gesammtzahl 409, es zeigt sich demnach eine Minderung von 30, was 
an und für sich eine unbedeutende, bei der Brachlegung der katholisch- 
theologischen Facuität aber sehr erklärliche Differenz ausmacht. Was aber 
besonders hervorgehoben zu werden verdient, ist die verhältnissmäsaig grosse 
Anzahl von Ausländern, deren es bei einer Gesammtzahl von 379 nicht 
weniger als 82 sind, ein Beweis, dass diese Universität Anziehungskraft 
genug hat, was bei den bedeutenden Männern, die an ihr wirken, und den 
vorzüglich ausgestatteten Attributen auch gar nicht zu verwundern ist. Die 
Feinde der kleinern Universitäten pflegen sich an die vorübergehende 
Abnahme der Frequenz anzuklammern , um ihr „praeterea censeo^^ zu rufen. . 
Ein Theil derselben aber weiss nicht, was er thut, der andere ist bewusster 
Gegner der Wissenschaft. 

Die Universität Marburg zählt 28 Ordinarien, 14 Extraordinarien, 
15 Privatdocenten, 6 Lehrer der Künste und Leibesübungen. Die Frequenz 

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44 Allgemeine Correftpondenc. 

hat im gegenwärtigen Semester um 5 zugenommen, die Gesammtzahl der 
Sttfdirend^if beträgt 8T7^, wovon sfch 70» (dar. ^ Ausl.) der TheoIögifeV 
7& (dar; 3 Ausl.) der Jurisprudenz und CamerdlwiSsenschaft, 56 (dar. 11 
AliÄl.)'der Me^dicin utid Chirurgie, 50 (dar.H Ausl.) derPhitosophie, Miilo- 
logiö und den Naturwissenschaften, 5 ihrefc Ausbildung, 5 (dar. 1 'Atisl.) äör 
Pi^maciö widmen; 14 sind nicht immalHtfulirt , ober zum Besuch von Vor-- 
lesungen herechtigt. Dass die Universität, selbst in der Zahl der Ausländer, 
d&teti es jetzt im Ganzen' 28 sind, gestiegen ist, beweist gewissVdas^ die in; 
einzelnen öffentlichen Blattern auftauchenden Stimmen über fh^en „Verfall^ 



(«^ 



urtberechtijgt sind. Erst vor einigen Jahren ist viel für die tJnivefsität 
geschehen, mehrern akademfischen Instituten wurden Verbesserungen "auf 
StaalfiTkosten zu Theil, und namentlich wurden die Fonds der ühiVersitäts^ 
bibiiothek sehr bedeutiend vergrössert. Geht man das Namens verzeichhiss der 
Lirtyrer durchs so stösst man in jeder Facultät auf Celebritaten. $in bedeu- 
tender Vertagt droht der Universität, wenn v. Sybel eihen in Aussicht 
stebMden Ruf nach Kiel an die Stelle Droysehs anzunehmen siöh'entschTfesIst. 

Kiel leidet unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Doch beweist* das 
Gouvernement eine fortgesetzte Sorgfalt für die Hebung der Universität; 
werin ihrt auch dfe intendlrten Berufung'eh (z. B. die Reyschef-s) nicht alle 
gdWgen. An Frickö hat die theologische Facultät' eine rüstige Lehrkraft 
geWbnfnen; v. Sybel, so verlautet von Marburg aus, wird sich, wenn ein 
Ruf an 'ihn ergeht, wahrschelnlic^h entschliessen, demselben Folge zu leisten. 
Dagegen fet die Lehrstelle des römischen Rechts noch unbesetzt und Pr^richs, 
der zuerst tiach Göttingen berufen war, soll jetzt einem glänzenden Rufe 
alä Kliniker nach Breslau folgen. Übdr die Frequenz der Universität fehlen 
uns noch die Nachfiichten; Wir ersuchen unserh Herrn Cori-esponderi- 
teit' darum. * . 

Göttingen zählt im laufenden Semester 47 Ordinarien, 19 Extraordi- 
narien^ 26 Privatdocenten, 10 Sprach- und Exercillenmeister. Die Gesammt- 
zahl der Studireriden* ist 697; sie hat sich g^gen das Sommers^mestbr^um" 
6 vörmehrt. Es stüdiren: Theologie 125 (dar. 38 Ausl.), Jnrisprtid6na5 223' 
(dar. lil Aiisl), M€fdfcin201 (dar. 82 Ausl.), Philosophie 148 (drfi». TÖ Aösl.)/ 
Die Gesämilitzahl der Ausländer beträgt sonach '310 — etwas unter der 
Hälfte.' Wie «ehr sic4i aubU «der regierende König um deii -Fför derÜni-' 
vel^Sität interessirt, beweist die Danksagung an den' DeputiHeh der Stadt. 
Gdtiifi^on, Viceprdstdenten EMissen, der einen Antrag ätiiP VerWlligun^ 
grosserer Mittel SQf die Universitätsbibliothek gestellt hatte. ^ Die' Univer- 
sität virar von einem doppeltdn schweren Verluste befdroht, ind6m ^dcr äuisr-^ 
ge«efchnfete Professor der Philologie, K. Fr. Hermanii einen Ruf nach 
Lefjilzfg^ ari Jahns Steile erhalten; und Waitz eine I^r<yfessur der ' GescbicHie 
in'MMmcheil angetragen war.' Beide haben indessen ab^eldhh't. • ' '' ' 

Leipzig iählt im laufenden Semester 41 ordentliche, 28 ''ausserordent- 
liche, 2 'Honorarprofessoren, 23 Privaldöcenten , 4 Spi^achlehrer untf'ExeV- 
citielrmieister. Was diePretJuenz betriff; so übersteigt sie die des Sommer-' 
seftieSlers uni 2. Die Gesammtzahl beträgt 84Ö. ' Uftser Correspondönt hat 
sich'' in Betreff der Frequenz an die Rede beim Rectoratswechsel' gehalten^' 
(oben Ä 31) und schreibt uns später, <Iass diese Rede^ eihe jetWiis stärkerie 
Verrriehrdng in Aussicht gestellt, habe, beruhe auf einem Irrthum'iri der der- 
selben sin Grunde gelegten Berechnuilg der abgegangenen 'Stiidirenden^ Es 
Studiren von jener Zahl: Theologie 164 (dar. 39 Ausl. ttnd 07 Theologen" 
und fhilosopfa^), Jurisprudenz 867 (dar. 85 Atisl. und '^7 Juristen und 

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^M^^f^^.^ii^n^iimh *%» 



peralisten), Medicin 165 .(d^.. 5? ^s^Ut Chirurgie 5p (flar. 23 Auisl.)», 
ifmacie 21 (darl'4 Ausl), l^aturwissenscna^ft^^^^ i\ Xusl), Philo- 



Ca^e 

Phäfmacie 

Sophie 11 (dan 6; Aus!.), Pädagogik 4', Philologip 13. (dar. 8 Ausl.), Malhe- 
malik 17 (dar. 2 Ausl.), Cameralia 1.2 (dar. 4' Aus!.). Die Gesammtzahl der, 
Ausländer beträgt 238. ~ An Mommsens Stelle kommt de^ ausserordent- 
liche Prof. Dr. Müller in Greifswald für römisches Recht. Dass K, F. 
Hermann die Berufung an Jahns Stelle ausgeschlagen, ist schon erwähnt. 
Selbst dasS die Dotation der von Haupt innegehabten Professur der. deutschen 
Sprache ihm mit als Gehaltserhöhung zugewiesen werden soll^, bewirkte 
die Annahme des Ruifes nipht. Ausser Hermann hat die philosppllische Fa- 
cultät noch Wie'selei- in Göllingen und Arabrosch in Breslau vorgeschlar 
gen. Das Weitere steht zu erwarten.. 

Die Universität Berlin zählt im laufenden Semester im G^ns^n 165 
Lehrer. Davon sind 53 ordentliche Professoren, unter welchen 23 zugleich 
Mitgtieiier der Akademie der Wissensch£|ften sind, während . vier. Mitgliedex 
der Akademie zugleich Vorlesungen an der Universität hatten; aussetrordeot«^ 
liehe Professoren sind e^ 42, von welchen ^uglei(?h 7 M^gli^fier der Aka- 
demie sidd; Priyatdöeenten sind es 58, wovon 1 zugleich Mitglied der Aka- 
deinje ist; Sprach- iind £xercitleiimei«ster sin4 es 8, darunter eifiLector der 
Stenographie. Üüe Gesammtzahl der ünniatricuUrten Studirend(e.n betrug im 
Sommerseraester 1328, jetzt 1574, ist al§o um 246 gestj^egen. Die Gesammt- 
zahl der NiChtimmatriculirten war im Sommersemesl^r 871 , jetzt 809, ist 
also uni 62 gefallen. Die Immatriculirtea vertheilen sich nach FacuUäten so^ 
dass die theologische^ 190 (dar. 51 Ausl.) , die jurisjische 710 (dar. 147 
Ausl.), die medicinische 286 (dar. 75 Ausl), die philosophische 3§8 (dar., 
123 Ausl.) zählt! Die Gesammtzahl der Auslander beträgt 396. Die Kichtr-, 
immatriculirtert sind : Chirurge}^ 16, Pharmaceuten 127, Eleven dejj .Friedriph- 
Wilhelms -Instituts 72, Eleven der medl^pinjsctir chirijrgisc|ien, Akadenjje für. 
das MilitÄir und bei, derselben ailachirle Unterärzte von der Armee. 118, 
Elißven der Bauakademie 432, Berg-Eleven 32, remunerirle .Schüler der Alfa-r. 
denije der Künste 6, Zöglinge der Gärtner-Lehranstalt 6. Die *Ge&a^nmt«abl 
Aller, die an'den Vorlesurigen Theil nehjpen, betrat. 2383.. — . An) ,8. Dpc* 
beging Friedrich V, Raum er in einem islillen . Kreiise älleri^r ..Freunde diß 
fünfzigjährige Erirfnerung an^ seinen Eintritt in den Staatsdienst,, fris,cli au 
Gel^t und Körper. Eine iS'eier dieses , Tages von Seite der.,üaiviQrsität durch 
ein iPestmahl hsitte er sich verbeten. J)er Rector überbrachte ihm Jm. Namen 
derselben iftrer^ Glückwunsch.. Eine andere Anerkeonpg wurcje ihm. au die*-, 
sem Tage niöht zu Theil I — Nach dem Bericht des k, Oherbil)liQthek?irs. ia 
Berlin, Geh. Reg. -RatÜs Pertz, beliefen sieb die Anschaffungen gedruckter 
Werke für die k. Bibliothek in Berlin w|[href|id. der Jahre. 1846,-50 
auf 13,948 Numern, wofür/33,833 Thaler bezahlt wi|rden., Die, Zahl der 
von preussischen Buchhandlungen eingesendeten Pflichtexemi)lare belief sich 
auf ^324 Werke. Vier ganze, wichtige ßüqhersammlungen wurden ihr in 
dem genannten Zeitraum einverleibt: die des Oberlehrers Bledow.. (404,, 
Schriften über das Schachspiel), die des Grafen Mejan (14,170 B^'nde), die 
des'eheniäligen k. Bibliothekarin v, LIano (921 Werke") und endlich die,, weltr 
bekanr^te'des Herrn V. Meusebach (25,000 Werkj3 m 36,000 Bänden!, die 
reichi^te Fundgrube für deutsche Literatur seif, dem. Ende des. fuufzehntqo^ 
Jahrliuhderts. Beispielsweise zählt darin Luther 3272^ Fischart 235 Nur 
mern. -^ Die Zahl der Candidaten des evangelischen Predigtanjts 
hat- iiii Preus$eA.^eil 12 Jahren erheblich abgenommen: 1839-^40 ,studirte^. 

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46^ ' Allgemeiii« Correspondenz. 

auf preussischen Universitäten 962 Theologen, 1846—47 : 658, 1850—51 : 576. 
In den genannten 11 Jahren erhielten durchschnittlich jährlich 197 das Zeug- 
niss der WahlfShigkeit, und 185 wurden jährlich ordinirt. Gegenwärtig sind 
noch über 1100 nicht ordinirte Candidaten vorhanden. — Wie aus einer 
den preussischen Kammern vorliegenden Zusammenstellung hervorgeht, 
beziehen die sieben Hochschulen der preussischen Monarchie aus Staatsfonds 
beinahe eine halbe Million Thaler. Berlin ist am reichsten dotirt, nämlich 
mit 150,000 Thl, Bonn erhält über 100,000, Breslau 80,000, Königs- 
berg circa 70,000, Halle 50,000, Greifswald 1,200 Thl. Die letztere 
Universität bezieht dagegen an Zinsen eigenen Vermögens über 60,000, 
Halle circa 30,000 Thl. 

In Breslau zählt die Universität in diesem Semester 40 Ordinarien, 
10 Extraordinarien, 21 Privatdocenten, 13 Sprach- und Kunstlehrer, zusam- 
men 84. Die Frequenz hat sich an immatriculirten Studirenden gegen das 
vorige Sommersemester um 33 gehoben. Es sind deren jetzt 844, wozu 
noch 25 nichtimmatriculirte Zuhörer kommen, so dass im Ganzen an den 
Vorlesungen 869 Theil nahmen. Die evangelisch -theologische Facultäl zählt 
52 (dar. 1 Ausl.), die katholisch -theologische 251 (dar. 2 Ausl.), die juri- 
stische 293 (dar. 3 Ausl.), die medicinische 86 (dar. 6 Ausl.), die philoso- 
phische 162 (dar. 6 Ausl.). Die Gesammtzahl der Ausländer ist 18. * 

Die k. bayerische Regierung wendet ihren Landes-Universitäten eine 
ganz besondere Fürsorge zu. Wir entnehmen zur Bestätigung der A. Z. 
eine Correspondenz vom 20. Jan.: Da die Einnahmen unserer drei Landes- 
Universitäten mit ihren Ausgaben in einem bedeutenden Missverhältnisse 
stehen, so wurde schon im Landtagsabschied vom 25. Juli 1850 der Zuschuss 
aus Staatsfonds für die beiden ersten Jahre der sechsten Finanzperiode um 
29,000 fl. jährlich erhöht. Doch ist dadurch^ das Missverhältniss keineswegs 
gehoben, und da das Ministerium des Cultus und Unterrichts — wie es in einer 
Mittheilung an die Kammer heisst — entschlossen ist, auf den drei Landes- 
Universitäten „den oft überraschenden und unerm'esslichen Fortschritten der 
Wissenschaft in allen ihren Verzweigungen volle und gebührende Rechnung zu 
tragen^^, und diese Anstalten durch das Ablösungsgesetz und die Universität Würz- 
burg ausserdem durch die unerlässlich gewordene Aus- und Durchführung eines 
neuen Waldwirthschaftsplanes in ihrem Einkommen geschmälert wurden, so 
hat das genannte Staatsministerium einen Nachtrag zum Budget an die Kam- 
mer gebracht. Es ruhen nämlich auf den Gassen unserer Hochschulen Pen- 
sionen und Alimentationen im Betrag von 23,043 fl., welche mit Zustimmung 
des Landtags vom 1. Oct. 1851 an auf die Pensions-Amortisationscasse über- 
nommen werden sollen. Für die Münchner Universität sollen alsdann für 
einzelne Facultäten, insbesondere für die medicinische und philosophische, in 
Erlangen für die theologische und juristische, in Würzburg für die medici- 
nische und juristische Facultät neue Lehrkräfte gewonnen werden. Ausser- 
dem beabsichtigt man in Erlangen ein zweckmässigeres Entbindungshaus ein- 
zurichten. Eine solche Berücksichtigung unserer Hochschulen von Seite der 
Regierung verdient gewiss alle Anerkennung. — Die Zuschüsse an die drei 
Landesuniversitäten sind im Budget mit 132,760 fl. eingesetzt. — Auf den 
von Dr. Bayer in der zweiten Kammer gestellten Antrag, dass in der ober- 
sten Classe der Gymnasien ein philosophischer Vorbereitungscursus errichtet 
werdje, ist die Kammer in ihrer Sitzung vom 21. Jan. nicht eingegangen. 

in München sind in diesem Semester 1906 Studirende inscribirt, 89 
mehr als im verflossenen Sommersemester. Hievon studiren 323 Theologie, 

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Allgemeine Correspondeoi. 47 

784 Jurisprudenz, 15 Cameralwissenschaften , 237 Medicin, 3.69 Philosophie, 
20 Mathematik, 76 Philologie, 54 Pharmacie, 11 Forst-, 11 Bergwerks- und 
4 technische Wissenschaften. Nach öffentlichen Blättern sollen Jene, welche 
daselbst ihre Universitätsstudien beginnen wollen, ehe sie zur Immatricula- 
tion zugelassen werden, sich. bei der Polizei erst darüber auszuweisen haben, 
ob sie die hiezu nöthigen Mittel besitzen. ~ Am 10. Jan. hielt der nunmehr 
zum drittenmale nacheinander gewählte Rector, Geh. Rath v. Bai er, seine 
Antrittsrede, worin er sich in längerm Vortrage über die Bestimmung der 
Universitäten als Träger der Wissenschaften ausbreitete. — Öffentliche Blät- 
ter sprechen von mehrern „Berufungen" an die Universität München, Wie 
es sich mit diesen Berufungen verhalte, ergibt sich aus einem Artikel vom 
20. Jan. in der A. Z.: „Es ist in jüngster Zeit sehr viel von Berufungen 
ausgezeichneter Männer der Wissenschaft nach Bayern in den Zeitungen die 
Rede gewesen und Wahres und Falsches ist dabei vielfältig gemischt worden. 
Das Wahre an der Sache ist Folgendes. Se. Maj. der König Mdx hat 
beschlossen, eine sehr bedeutende Summe alljährlich aus der CivilKste zur 
Hebung der Wissenschaft in Bayern zu verwenden, und zwar in der Art, 
dass sowohl Berufungen berühmter oder ausgezeichneter Gelehrten da ermög- 
licht werden sollen, wo Staatsmittel nicht zur Erfüllung des Zweckes aus- 
reichen , als auch jungen Talenten Unterstützungen gewährt und bedeutende 
wissenschaftliche Werke hervorgerufen oder gefördert werden sollen. Se. 
Majestät hat dabei ganz besonders für jetzt die Förderung der Naturwissen- 
schaften und der historischen Wissenschaften im Auge. Die Leitung und 
der Antrag im Einzelnen bei Sr. Maj. ist in die Hände des geh. Legations- 
raths Qönniges gelegt. Da in Bayern kein förmliches Cabinet existirt, so 
geht daraus hervor, dass es sich nicht von unmittelbaren Berufungen jener 
Männer, von denen die Rede gewesen ist, an Staatsanstalten handeln konnte, 
sondern vorläufig nur um Anfragen bei ihnen, ob sie einen Ruf nach Bayern 
und unter welchen Bedingungen sie ihn annehme;i wollten. Es waren vor- 
läufige vertrauliche Anfragen, nach denen es sich noch immer darum handelt, 
ob die gestellten Forderungen und Bedingungen definitiv hier erfüllt wer-' 
den können oder nicht. Die Publicatioii solcher vertraulichen Anfrage in 
der Art eines Rufs kann also sehr vorzeitig und indiscret, jedenfalls aber 
der Sache selbst schädlich sein. An mehrere jener Namen, die in den Zei- 
tungen genannt sind, ist übrigens gar nicht gedacht worden. Andere haben 
abgelehnt, wie Waitz und Wackernagel. Dieser Kelch geht also an der 
Partei, die sie bekämpfen zu müssen glaubte, vorüber. Jüngere Gelehrte, 
Historiker und Naturforscher, haben indess bereits sehr erkleckliche lau- 
fende Unterstützungen, ohne Rücksicht, ob sie protestantisch oder katho^ 
lisch sind, von Sr. Majestät erhalten. Es wird, wie wir glauben, auch 
ferner so gehalten werden. Emanuel Geibel ist so gut wie gewonnen für 
Mänchen.^^ 

Die Gesammtzahl der Studirenden in Würzburg hat eine Höhe erreicht 
wie in diesem Jahrhundert und wohl auch den vorangehenden noch nie. 
Es sind 727 Studirende immatriculirt, wozu noch 4 nichtinunatriculirte kom- 
men. Fünfmal in diesem Jahrhundert hat die Gesammtzahl 700 erreicht, im 
Wintersemester I8OV5 (716)5 im Wintersemester IS^Vg, (700), im Winter- 
semester IS'^Va« (718)» im Winterseraester 18^728 ('^l^)» i™ Wintersemester 
18^^24 C^^^)* Theologie studiren 84,' Jurisprudenz und Cameralia 199 (dar. 
4 AusL), Medicin, Chirurgie und Pharmacie 300 (dar. 194 Ausl), Philosophie 
und Philologie 144 (dar. 5 AusL). 



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' 48 * ^Ärigemeui'e ' (jorrespondenz. 

In Wibn'hieit am 17. NöV^beJr Dr. Carl Ollo ih derAnia der ev«n- 
g^lisch-iheoiogis'chen Föcülläl seine feierliche AntriUsrede'aly Professor, der 
Theologie. Derselbe wirkte bisher hiil vielein Erf^olge an , der 'üniversiial 
zu Jena, nnd hat sich audh durch seine schriflstellerisctie f hätigkeit einen 
Namen in der gelehrten Welt erworben. Er ward für den Lehrstuhl der 
Kirchengejschichte bei*ufen, welche auch von Professor ScKimko vertreten 
Wird. Ötto*s Rede „über das recl^te Studium der Kircherigeschichte gerade 
in der jetzigen Zeit" war mit wissenschaftlichcjr Schärfe und zugleidh grosser 
Wärme durchgeführt; sie erhielt den Öeifall der Hörer. 

Über die Sjächsische R^chtsakademie zu .Heripaonstadt in 
Siebenbürgen , geij^en neuerliche Erörterungen in der Wiener, Presse eiai^e 
.interessante Aju^chlüsse. Schon im Laufe des; November brachte dj^ „Q$l- 
deutliche Post^' folgende Correspondenzen : „Hermannstadt 15, November, 
pie Lehrkräfte der hiesigen Rechtsakademie sind im Laufe die/sßr. Wodie 
vermehrt worden. Es wurden nämlich statt, dß^ Prpfes/sors Zimmqrioann, 
welcher schon seit einem Jahre beim.. Unterfichtsminister |p Verwendurig 
jsteht, vom Goqvernement . zwei Suppleanten ernannt, vQn. denen der Eipe, 
SchuUer, die Recbtsgeschichte, der. Andere^ der ungarische Translator beifn 
Gu|)ernium , Keil , das sächsische Privatrecht vQrtragen wird. Beide haben 
insofern eine schwierige Aufgabe, als Professor Zimmermann , nicht nur eini^r 
..^er yorzüglichslten Recbtsgelehrten Siebenbürgens ist, sondern aiichjsUi d^n 
tüchtigsten. Professoren gehört.. Leider gestalten sich die äusiseiin .YerhäU- 
.jQJsse dieser ersten und einzigen Rechtslehr-Anstait in Si,ehpnbürg9n. noch 
immer nicht besser. Dieselbe istjn einem höchst ungeeigneten Lopal^ iint^r- 
•gcbracht, welches safnn\t den anstossenden Häusern aus $apitätsruckßi^ht und 
wegen Baufälligkeit ni^dergeriss.en werden muss. Schon haben die flei^^igen 
^italienischen Arbeiter die angrenzenden Gebäude deroojirt; da jedoch für. die 
.Rechtsakfidemie noch immer kein anderes Haus, ausgen^ittelt werden kom^e» 
ßo.,,zögei;t man n,och mit d^m Nied^erreissen dieses Hauses.. Aber in dep 
ietztern Tag^n scheint die Gefahr, des Einsturzes bedeutend , g^stieg^n jz^ 
$ein, da, wie man hört, selbst während der Vorlesungen der Mörtel ypn 
den Wänden und vom Plafond sich loset. . Es dürft^e sonach wahrsi^hein- 
licher Weise eine wenn auch kurze . Ui\terbreqhung der Vorträge ler.folgen, 
was um so bedauerlicher w^re, als gerade heuer die Frequenz; , der . Ci^lr- 
iegiei? viel grösser ist als früher. Seitdem. , nämlich diese LeJhransti^t, ai|^ 
den Händen der sächsischen Nation ge^ommien und zur Staatsanstalt erhp))0|i 
wurde, wai; im ^ugust d. J. geschah, besuchen auch die Ronp^i^en zahlreich 
iiie juridischen Collegi^n. Sie kämpfißn ^yvsLf mit den Sehwierig^keiten der 
ihnen noch nicht ganz geläufige^ deutschen Sprache, ersetzen jedoch, durch 
unenni^deten Eifer und .Fleiss diesen Mangel, Es lässt sich Jnlph^ verkennen, 
idass diese weise Massregel der Regierung, die Übernahme der .R^phtSr 
akademie auf Staatskosten, einen sehr wohlthätiffen Einfluss auf die Beseiti- 
gung der Spannung zwischen deh eirizelnen Nationalitäten ausüben wird ; 
dehn die Gemeinschaft des Unterrichts verschmitzt die Gemüther ynd die 
voti der Schulzeit herrührenden Freundschaften sind im Leb^n gewöhnlich 
Sie diiuerhäftesteri und edelsten." — Irl einem zweiten Artikel desselben 
Blatts vom 2. Dieö. wurde aus Hermanristadt die Unterbrechung der Vor- 
lesungen äh der Rechtsakademie in Hermannsladt wegeri drohenden Ein- 
s/türzes des bezüglichen Gebäudes berichtet. Dieser Artikel enthält . folgende 
Stelle: „Der Grund, wai^itm diese Lehranstalt in ihrem Bestajide mit so gros- 
sen Hindernissen zu kämpfen hat, liegt in ihi'er beiSondern Stellung. Bekanhi- 

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All^emeiDO Correfpondeq^. 49 

lieh war sie von der sächsischen Nation gegründet und aus dem Nations- 
fonde dotirt worden. Da aber in dei* neuesten Zeit das Unterrichtsministerium 
den Grundsatz ausgesprochen, alle höhern Lehranstalten auf Staatskosten zu 
übernehmen, und diesen Grundsatz durch die Berufung zweier Qrofessoren 
an die Akademie bethäti^t hatte, so verlor die letztere den Charakter der 
exciusiv sächsischen Nationalität; sie wurde allen Confessionen und Natio- 
nalitäten in Siebenbürgen zugänglich', blieb jedoch , wiewohl sie schon iifk 
August d. J. zur förmlichen Staatsanstalt erhoben wurde, vorläufig noch unter 
der Leitung des protestantischen Oberconsistoriums, bis die vollständige 
Organisirung derselben erfolgt.'' — Dieser Auffassung der Lage der Sächsi- 
schen Rechtsakademie tritt nun eine, wie es scheint, halbamtliche Erörterung 
in der lithographirten „Oesterr. Correspondenz" aus Wien vom 10. Dec. 
entgegen. In dieser heisst es: 1) Das Unterrichtsministerium hat nie den 
Grundsatz ausgesprochen, dass alle höhern Lehranstalten auf Staatskosten 
zu übernehmen seien. Im Gegentheile kömmt in der Kundmachung des k. k. 
Civil- und Militärgouverneurs von Siebenbürgen vom 19. April 1850, betref- 
fend die vom Hrn. Minister des Cultus und Unterrichts mitgetheilten Grund- 
sätze für die Organisirung des ünlerrichtswesens in Siebenbürgen (Landes- 
g^selzblatt für Siebenbürgen Jahrgang 1850 Seite 67) im 3. Absätze die 
Stelle vor: „Insbesondere wird das Fortbestehen höherer Lehranstalten, 
welche die den Universitäten angehörigen Facultätsgegenstände lehren, von 
denjenigen Bedingungen der Beaufsichtigung und Einflussnahme des Staates 
abhängig, welche im Interesse der öffentlichen Ordnung und der Volksbildung 
als nothwendig erscheinen werden.'' Diese Bedingungen enthält das mit der 
kaiserlichen EntSchliessung vom 27. Junius 1850 für alle Kronländer der 
Monarchie gegebene provisorische Gesetz über den Privatunterricht (im 
S. 17 Reichsgesetzblatt 1850 Seite 1273). 2) Der sächsische Charakter 
der Rechtsakademie in Hermannsladt besteht seit seiner Gründung darin, 
dass sie aus dem sächsischen Nationalvermögen dotirt und von der grün- 
denden Nationsuniversität (d. i. Versammlung der sächsischen Nationsabge- 
ordneten} dem evangelisch - augsburgischen Oberconsistorium , welchem die 
Siebenbürger Sachsen beinahe ausnahmslos in religiöser Beziehung unter- 
stehen, zur Leitung übergeben wurde. Der sächsische Charakter hat aber 
nie darin bestanden, dass sie nur den gleichen Religions- und Nationsver- 
wandten zugänglich war. Sie war, so lange sie besteht, Jünglingen jeder 
Nation und Confession zugänglich und thatsächlicb haben sie auch vor 1848 
mehrere Studirende romanischen Stammes besucht. 3) Durch die kaiser- 
lichen Entschliessungen vom 29. Jänner und vom 23. September 1850, womit 
die sachsische Rechtsakademie in Hermannstadt auf Staatskosten um die 
Lehrkanzeln des österreichischen bürgerlichen Rechts und der österreichischen 
Finanzgesetzkunde vermehrt wurde, ist in dem Verhältnisse der Regierung 
zur Rechtsakademie im Ganzen keine Änderung eingetreten. 4} Die 
sächsische Rechtsakademie in Hermannstadt ist weder im August d. J. noch 
zu einer andern Zeit zur förmlichen Staatsanstalt erhoben worden. Hingegen 
haben das evangelisch-augsburgische Oberconsistorium in seinem Schreiben 
vom 13. Julius 1850 an den damaligen Ministerialcommissär zur Organisirung 
des Unterrichtswesens in Siebenbürgen und die siebenbürgisch- sächsische 
Nationsuniversität «in ihrem Schreiben vom 22. August 1850 an den nämlichen 
Ministerialcommissär den dringenden Wunsch um Obernahme der Sorge für 
die Pacultätsstudien durch den Staat ausgesprochen. In Folge der darüber 
gepflogenen Verhandlungen entstand die kaiserliche EntSchliessung vom 

Akad^m. Monatoschrift. Januar 1«58. 7 



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50 Allgemeine Correspondenz. 

16. August 1851, welche folgenden hieher gehörigen Absatz enthält: „Über 
die Errichtung von paritätischen Rechtsakademien zu Hermannstadt und 
Klausenburg auf Staatskosten sind die Verhandlungen einzuleiten und durch 
die baldmöglichst zu bildende oberste Schulbehörde von Siebenbürgen die 
Anträge vorzulegen. Bis zur Ausführung dieser Verordnung in Beziehung 
auf die zu errichtende k. k. Rechtsakademie in Hermannstadt hat die sächsische 
Rechtsakademie fortzubestehen, sind jedoch die Kosten derselben mit Ablauf 
des Studienjahres iS^Vsi auf den Staatsschatz zu übernehmen." Aus dieser 
kaiserlichen EntSchliessung geht hervor, dass die sächsische 'Rechtsakademie 
noch heutzutage und zwar wie früher unter Leitung des Oberconsistoriums 
der evangelisch-augsburgischen Confessionsverwandten steht, indem lediglich 
in Rücksicht der Casse, aus welcher die Kosten gedeckt werden, eine Ände- 
rung eingetreten ist. Die zu errichtende k. k. Rechtsakademie wird 
eine neue noch nicht bestehende sein, mit welcher die seinerzeitige Aufhe- 
bung der sächsischen Rechtsakademie in nothwendiger Verbindung 
steht. Bis diese Aufhebung geschieht, ist das evangelisch - augsburgiscbe 
Oberconsistorium für den regelmässigen Gang dieser Anstalt verantwortlich, 
und die obige Darstellung wird gezeigt haben, dass, wenn die gegenwärtigen 
Zustände dieser Anstalt nicht erfreulich sind^ die Schuld nicht an der Regie- 
rung ist, und dass es nur an der competenten Behörde liegt, denselben 
durch energisches Auftreten ein schnelles Ende zu machen. 

Das Project einer schweizerischen Gesammtuniversitat scheint voll- 
ständig beseitigt zu sein. Der grosse Ratfa in Bern hat für das gesammte 
Erziehungswesen 616,000 Fr. bewilligt, wovon 98,000 Fr. auf die Berner 
Universität kommen. Indessen wurde der Erziehun^srath beauftragt, einen 
Gesetzentwurf über Reorganisation der Hochschule vorzulegen, da maQ nicht 
geneigt ist, das höhere Bildungswesen sich au$ der Hand nehmen zy lassen. 
Besonders die eonservative Mehrheit zeigte entschiedene Abneigung gegen 
eine eidgenössische Universität, die auch auf der Linken nur wenige Ver- 
theidiger fand. Die Regierung und die Staatswirthschaftscommission wollten 
den Beschluss der Bundesversammlung üb.er die eidgenössische Hochschule 
abwarten, vertheidigten diesen Antrag aber nicht im Geringsten. 

In Zürich sind im laufenden Semester 150 Studenten immatriculirt, 
von welchen 22 Theologie, 36 Philosophie, 16 Staats Wissenschaft, 76 Medicin 
Studiren. Es werden 10 theologische, 8 staatswissenschaftliche , 20 medi- 
cinische und 33 philosophische Vorlesungen gehalten. 

Die beiden Universitäten Sien a und Pisa wurden durch Dekret voin 
28. Oct. V. J. zu einer einzigen verschmolzen. Die theologische und juristisdie 
Facultät »oll in Siena, die philologische und philosophische, die medieiiiische, 
chirurgische, mathematische, naturwissenschaftliche soU in Pisa sein. Gegen 
diese Zerklüftung erheben sich Stimmen von a41en Seiten im Interesse der 
Wissenschaft, der Kirche, der Stadt Pisa, der Fiomizen. In der ersten 
Beziehung sagt man: so seien Universitäten nicht zu behandeln, man könne 
sie nicht zertheilen, wie einen Kuchen; wenn sie uberhaiipt Leben haben 
sollen, dürfe ihr innerer Zusammenhang nicht gelöst nooh geWidtsam zer- 
rissen werden. Theologie und Jurisprudenz seien schon vor vielen Jahr- 
hunderten die Glorie von Pisa gewesen. Ausserdem seien die Lehrstuhle 
der Rechtsphilosophie, Geschichte und Archäologie, der koptisi^en, Sanskrit- 
und chinesischen Sprachen, der Pädagogik, der Ges^ohichte, der PhtlesopUie, 
der Landwirthschaft, der Veterinärkunde aulgeheben. Griechische, lateinische 
und italienische Literatur bildeten eine „Cattedra^^ orientalische Sprachen 

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Allgemeine Conrespondenz« 5i 

„mit Einschluss der grfechischen^' eine andere. In der zweiten Beziehung; 
hat der Erzbischof von Pisa, Monslgnor Paretti, auf seinem Sterbebette 
ausdrückliche Protestation gegen die Entfernung der theologischen Facultät 
aus Pisa eingelegt. In der dritten Beziehung ist die Massregel für Pisa 
eine Lebensfrage, da diese Stadt lediglich auf die Universität angewiesen ist. 
Durch den Abgang so vieler Professoren und Studenten (man schätzt deren 
Zahl auf beiläufig 4 — 500) wird den Pisanern ihr Einkommen fühlbar 
geschmälert. In der letzten Beziehung wird jedenfalls nichts gewonnen. 
Die bisherige Einrichtung kostete 323,398 Liren, die neue 207,543, so dass 
115,855 L. Cetwa 39,100 fl. C.-M.) erspart werden. Die Sieneser Professoren 
sind aber meistens pensionirt, so dass die Ersparniss im Moment positiv sehr 
gering ausfüllt. Der Gemeinderath von Pisa hat sich an den Landesherm 
gewendet, um den Schlag von seiner Stadt abzuhalten. 

Bekanntlich ist in Rom seit einiger Zeit eine Commission zur Reform 
des Unterrichtswesens niedergesetzt, Cardinal Fornari ist Vorsitzender. 
Schon vor mehr als einem Jahr wurden die Immatriculationsgebühren , die 
Promotionskosten und andere Sportein für Ertheilung akademischer Würden 
und Tilel abgeschafft. Ein Decret vom 13. Dec. bestätigt diese Abschaffung 
und regelt die Ansprüche der akademischen Lehrer auf Collegiengelder. 
Ein Viertel derselben fliesst in den Universitätsfond. Die übrigen drei 
Viertel sollen vom Rector an die einzelnen Professoren der verschiedenen 
Facultäten nach seinem besten Dafürhalten vertheilt werden. 

Die Universität in Turin hat seit ihrer Verlegung von Madavi sich 
eines bedeutenden Rufes erfreut; fetzt dürfte sie die bedeutendste in Italien 
nicht bloss in Hinsicht ihrer Frequenz, sondern auch des literarischen Lebens 
sein, in welcher Beziehung nur erwähnt werden darf, dass täglich in den 
Lesezimmer» der Universitäts-Bibliothek wenigstens 400 Leser sich einfinden. 
Eine solche Zahl von lernbegierigen Lesern dürfte keine deutsche Universität 
aufzuweisen haben (?). Die Statistik der hiesigen Universität für das Stu- 
dienjahr 1850 weist eine Anzahl von 1926 Studenten nach, die noch nicht 
erschienene für das Studienjahr 1850 und 1851 wird jedenfalls nicht dahinter 
bleiben. Von wissenschaftlichen Celebritäten lehren in der theologischen 
FacuItat: Parato Moraltheolögie , Scrafino srpeculative Theologie, Tosa über 
das Sacraiaeat der Ehe, Ghiringhello Exegese, Banandi dessgleichen , Savio 
Einlettuiig in diß Theologie, Barone Kirohengeschichte und Homiletik; in der 
Jaristeft-Facultät: Vackino Handelsrecht, Tonello römisches Recht, Saracco 
börgerlidies Heoht, Nuytz kanonisches Recht, Osano über Schenkungen und 
Verjiihrua^, Fateri Einleüung^ in das römische und Kirchenrecht, Albini Phi- 
losophie des Privatrechts, Genina Strafrecht, Pescatore Process, Melegari 
über die Theorie des constitutionellen Rechts, Buniva Rechts -Encyklopädie 
und Geschichte, Ferrosa Staatswirthschafl, Lione Verwallungsrecht und Man- 
cini Völkerrecht; in der medicinischen Facultät: Gallo Chirurgie, Biberi 
Operationslehre, de Michelis Anatomie, Posero Hautkrankheiten und chirur- 
gische Klinik, Berretti Physiologie, Girola theoretische Medicin und Klinik, 
Allipradi Geburtshülfe mit Klinik, Vigletti medicinische Polizei, Carmagnola 
Hateria medica, Fiorito Einleitung in die Heilkunde, Bonacossa Geisteskrank- 
heiten, Demaria gerichtliche Arzneikunde, Malinverno Anatomie; in der 
philosophischen Facultät : Paravia italienische Literatur, Corte Logik, Barucchi 
alte Geschichte, Poieri griechische Literatur, Valauri lateinische Literatur, 
Bona allgemeine und griechische Grammatik, Raineri Methodologie, Ricotti 
neue Geschichte, Berbini Geschichte der Philosophie, Ghringhello orientalische 



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52 Perfonal- Notizen. 

Sprachen, Berti Moralplnlosophie , Bertinoria Metaphysik und Psychologie, 
aach Archäologie; in der mathematisch - physikalischen Facultat: Plana Dif- 
ferential- und Integral-Rechnung, Botta Experimental-Physik, Moris Botanik, 
Giulio Mechanik, Sismonda Mineralogie, Pallone Algebra, Analysis, Geometrie 
und Trigonometrie, Cantu Chemie, Promis Baukunst , Menabrea praktische 
Baukunst, Defilippi Zoologie, Oliveri praktische Feldmesskunst, Abbene Phar- 
maceutik, Richelmi Hydraulik, Delpohte Botanik, Sismonda II, Mineralogie, 
Sobbero Chemie, Erba Mathematik; diese vier letztern sind Substituten in 
dieser Facultat; in der medicinischen ist Majoli Substitut und iii der juri- 
dischen Mavondo und Precerutti. (A. Z.) 

In Frankreich ist vor dem Schlüsse des vorigen Jahrs durch eine 
Verfügung des Unterrichtsministers Giraud der philosophische Unter- 
richt in den Lyceen abgeschafft worden. Diejenigen Zöglinge der 
Normalschule, die sich denselben zum Beruf gewählt hatten, sind angewiesen 
worden, sich entweder für den Unterricht in den alten Sprachen oder für 
den in der Geschichte und Literatur vorzubereiten. 

Auf der Universität in Dublin ist die durch den Tod des Königs von 
Hannover erledigte Kanzlerschaft durch Wahl der acht altern Fellows auf 
den Primas von Irland, Lord John George Beresford, gefallen, der seit 
vielen Jahren Vicekanzler war. Im Publicum hatte ^ man die Wahl des berühm- 
ten Astronomen Lord Rosse erwartet. 

Aus Kopenhagen erfährt man, dass der frühere Cultusminister Had- 
wig wieder in seine frühere Wirksamkeit' als Professor bei der Universität 
und Inspector bei den Prüfungen der gelehrten Schulen zurücktritt. 

In St. Petersburg verschied am 30. Nov. a. St. plötzlich an einem 
Lungenschlage einer der geachtetsten Veteranen unter den europäischen 
Philologen* Dr. Christian Friedrich Gräfe, Mitglied der Akademie der Wis- 
senschaften und Professor emeritus an der dortigen Universität und dam 
pädagogischen Hauptinstitut, Ehrendirector der ersten Abtheilung der kaiser- 
lichen Eremitage, wirklicher Staatsrath. Geboren zu Chemnitz in Sachsen 
den 20. Juni (1. Juli) 1780, gehörte Gräfe seit 1810, wo er den Lehrstuhl 
der griechischen Sprache an der geistlichen Akademie zu St. Petersburg 
erhielt, Russland an, dem er auch 41 Jahre lang die besten Kräfte seines 
Lebens widmete. Noch an seinem Todestage hielt der rüstige Greis seine 
Vorlesung im pädagogischen Institut und arbeitete darauf mehrere Stunden 
lang in der kaiserlichen Eremitage, aus welcher er sich in das Verwaltungs- 
eomite der Akademie verfügte. Hier, im Vorzimmer, ereilte ihn der Tod. 



V. 

Personal -Notizen. 



In Berttn erhielt Prof. Dr. Schubarth den Charakter als Geh. Regie- 
rungsrath. — In Carhrvhe wurde der bisherige Privatdocent an der Uni- 
versität Giessen, Dr. Christian Wiener zum Lehrer der praktischen und 
darstellenden Geometrie an der polytechnischen Schule ernannt. — In Grätz 
wurden der Cons.-Rath und ord. Prof. der Kirchengeschichte M. Robitsch, 
sowie der Cons.-Rath und ord. Prof. der Pastoraltheologie J.Riedl zu Ehren- 

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Aiibdrignieii eines, emeritlrteii Pröfewon. 53 

d#mh6rreB an der Domklrche zu Seckau ernannt — In Heldetberg hat der 
ord. Prof. der Geburtohfilfe Dr. Lang« den ' Titel iind Rangeines groashens. 
Hofraths erhalten. ^— In Imkfärndc ist der Kreismedicinalrath Dr. I. Läse hau 
zum Director der medicinisch -.chirurgischen Studien daselbst ernannt, dem 
Prof* der theoretischen und praktischen Chirurgie Dr. I. Mauermann der 
Titel eines kaiserlRaths ertheilt, and der bisherige Assistent der Lehrkanzel 
der Chemie in Prag Dr. H. Hlasiv^etzo zum ausserord. Prof. der Chemie 
an der Universität ernannt worden. ^ In Leipzig wurden der Bezirksarzt 
Dr. Sonnenkalb und der Privatdocent Dr. Peter mann zu ausserord. 
Proff. ernannt;, auch erhielt der ord. Prof. der Klinik und Director des kli- 
niscben Instituts Dr. K. A. Wunderlich den Charakter als Geb. Med.**Riith 
in der 3. Cl. der Hofrangordnung. — In Lemberg wurde Prof. I. Hlock 
zum ausserord. Prof. der deutschen Sprache und Literatur an der Universi- 
tät ernannt. — In München wurde der homöopathische Arzt Dr. J. Bu eb- 
ner zum Honorarprofessor an der med^ Facultät ernannt. — In Prag wurde 
der bisherige Prof. am Lyceum in Salzburg Dr. L H. Lowe zum ausserord. 
Prof. der Philosophie an der Universität ernannt. -- In Wien erhielt der 
Domcustos zu St. Stephan Dr. J. Salzbacher das Diplom als Mitglied der 
asiatischen Gesellschaft in Paris. 

In Pesth wurde der Domherr zu Grosswardein und Prof. der Kirchen- 
gescbichte an der Universität E. Körmöczi des von ihm bekleideten Lehr- 
amts enthoben. 

Orden erhielten in Berlin die Proff. Hengstenberg und Keller den 
rothen Adlerorden IlL Cl. mit der Schleife, Prof. Huber den Adler der 
Ritter des hohenzoll. Hausordens; in Bonn Prof. Ritschi den rothen Adler-« 
orden IV. CIj; in Breslau Prof. Ambrosch den rothen Adlerorden IV. Cl.; 
in Eirlangen Prof. Leupoldt das Ritterkreuz des Michaelsordens; in Mün^ 
chen die Proff. Arndts, Buchinger und Fraas, in Würzhurg die Proff. 
Herberger und Kölliker das Ritterkreuz des Michaelsordens. 

Gestorben sind in IMpsOg der Lector der italienischen, spanischen 
und portugiesischen Sprache Rathgeber, in Rom der Prof. an der med. 
Facultät und Director des botanischen Gartens Dr. Carlo Donareili. 



VI. 

iphorismen eines emerttirten Professors. 

Es ist nothwendig, dass man es einmal mit dürren Worten sage, was 
hinter der erheuchelten „allgemeinen Bildung'^ sei, welche das Ziel eines sg. 
philosophischen oder propädeutischen Cursus sein soll. Schon Göthe hat 
es mit Bezug auf den Künstler gesagt: „Wer allgemein sein will, wird 
Nichts; die Einschränkung ist dem Künstler so nothwendig, als Jedem, der 
aus sich etwas Bedeutendes bilden will/' 



Studien nach, einem solchen von Oben herab vorgeschriebenen Zwangs« 
plan sind Widern aus der Albrecht Dürer'schen Zeit zu vergleichen. Es 
fehlt ^m* individuellen Ebenmaass, wahrend die Glieder volkähllg sind. 



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5i AphoraineQ eUtes emeritirten ftok8$at$i 

Die Wissenschaft ist ein gjrosses Reich, in , welchem als Grundg^eto' 
gilt, dass, . wer Reichsburger sein soll, vorerst einer Provinz angehören, und 
wier den Provincialstand erlangen will, vorerst das Ortsburgerreoht «Erworben 
haben raüss. - ' ' 

Wie der Mensch aus der Familie und durch ihre Vermittlung In das 
Gemeinde-,. Provincial- und Staatsleben tritt, so müss. der Studirende seine 
eigentliche Heimath haben in dem engen Kreise einer Besonderwissenschaft, 
um aus dieser in immer weitern Sphären sich auszudehnen. „Bedenke^ 
sagi der Altmeister, den man darum nicht zum .Verächter des AilgemeinenT 
grtempeln wollen wird, „dass jeder Menschenkraft ihre Gränzen gegeben sind. 
Wie viele Gegenstände bist du im Stande so zu fassen, dass sie aus dir wied,er 
neu hervorgeschaffen werden mögen? Das frage dich, geh* vom Hä^slichen 
aus und verbreite dich, so du kann&t, über alle Welt/^ 



Die einen Cursus des allgemeinen Studiums verlangen, das jedem Son- 
derstudium vorausgegangen sein müsse, verkehren den natürlichen * Gang 
der menschlichen Bildung : anstatt vom Concreten zum Allgemeineir zu 
schreiten, wollen sie vom Allgemeinen aus zum Besondern gelangen. 



Wie der Schriftstenet wieder die Einleitung zu seinem Werke, noch die 
Vorrede zuerst schreibt, so muss im wissenschaftlichen Studium, dem Besonr 

dern das Allgemeine folgen. 

■■ ■ . — 

Was man allgemeine Bildu'ng zu nennen beliebt, ist etwas sehr Relati- 
ves. Man verlange Vom Theologen, Juristen, Mediciner, dass er ^en ein 
wissenschaftlicher (gebildeter) Theolog, Jurist, Mediciner sei. W^s hierüber 
hinausgeht, ist Sache der individuellen Neigung. Und wenn nian sich mit 
einem wahrhaft wissenschaftlich gebildeten Fachmann nicht befriedigen w|ll, 
so ist nicht abzusehen, warum man den jungen Mann nicht auch im Tanzen, 
Fechten, Reiten, in der Musik und Malerei examinirt. Auch diese' Dinge 
gehören zur allgemeinen Bildung. 

Die Forderung aber, dass die sg. allgemeinen Wissenschaften vor den 
speciöllen studirt werden mussten, beruht.auf einer Verwechslung der Vor- 
kenntnisse mit den Hfilfsi Wissenschaften. So wenig man erstere entbehren 
kann, um specielle Studien zu machen, so unabhängig ist der Eintritt in die 
besondere Wissenschaft von dem Vorstudium der Hülfswissenschaft. 



Die Vorkenntnisse gehören auf die Schule, die Hülfswissenschaften auf 
die Universität. Vereinigt man nun einen Tlieil der Vori^tudien ' und einen 
Theil der Hälfsstudien in einen ÜniversitäUcurstts, heisse er propädeutischer 
Cursus oder L^cealcursus oder wie er immer wolle, so vermeng;!, tikan, was 



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Aphoritmen eipet emeritirten Profeiiori. S5 

wesentlich geschieden bleiben soll, Schule und Universität. Man fehlt eben 
so sehr, indem man die Schule in die Universität einzwangt, als man fehlen 
würde, wenn man dem Gymnasium den Charakter der Universität geben 
wollte. Solche Zwitteranstalten taugen nichts. 



Als Beitrag zum Universitatslatein gebe ich die Ankündigung einer theo- 
logischen Vorlesung, wie ich sie gelbst irgendwo gelesen habe : „Delnfluxu 
christlanae rellglonis in irltam socialem!*^ Ein Privatdocent 
kündigt eine Vorlesung über Exegese als Publicum damit an, dass er sie 
„frustra^^ zu halten verspricht. 

CSlespipäch «wischen «inem Studenten nnd einem Pm^ 
fiessop: St: Ich habe eine dringende Bitte, wage sie aber nur, wenn der* 
Herr Professor mir versprechen, sie mir auf den Fall, dass ich damit belä- 
stige, abzuschlagen. Pr.: Sprechen Sie ungescheut. 8t: Leihen Sie mir 
eine Caroline! Pr.: Es ist gegen meine Grundsätze, an Studenten Geld zu 
leihen. 8t.: Verzeihen Sie, Herr Professor, iqh will ja kein G^ld, ieb 
bedarf zu einer wissenschaftUohen Arbeit der, peinlichen Halsgerichtsordnung 
Carls V. 

Wie die an manchen Vorträgen vielgerähmte Klarheit häufig nur stiil- 

schiveigendes Beseitigen des Schwierigen ist, so ist nicht selten der Vorwurf 

'der Dunkelheit ungerecht, insofern die Hörenden^ was ihrer Schwäche zu 

stark ist, für dunkel ausgeben. „In der Dämmerung, sagt Göthe, wird eine 

sehr deutliche Schrift unlesbar.*^ 



Viele Studenten ziehen jene Lehrer vor, bei deren Besuch die Trägheit 
sich nicht selbst bestraft. Die Lehrer, bei welchen das Gegentheil der Fall 
ist, haben dafür den Lohn, das Interesse ernsthafter junger Häiuier zu 
erregen, ^^^_^ 

Nichts ist einem jungen Gelehrten förderlicher, als rückhaltsloses Urtheil 
strengrechtlicher Freunde. Es belehrt, treibt an und bewirkt eine Entwick- 
lung der Gedanken. Nur wenn Stahl und Stein sich reiben, gibt es Funken. 



Man gebe den lieben CoUegen, die sich immer auf ihre grosse Erfah- 
rung berufen und damit das ,Junge Collegium^' zu widerlegen glauben, ein- 
fach zu bedenken, dass, wie Göthe sagt, die Erfahrung nur die Hälfte der 
Erfahrung ist. •' 



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üiilversltäts - Anzeiger. 

M 1. 



Im Universitäts- Anzeiger werden Anzeigen aller Art, welche die Universitäten betreffen, 
insbesondere alle amtlichen Erlasse, Verkündigungen, Yorlesungsverseichnisse etc. als 
Imerate (die durcbianfende Zeile IV« Ngr.) aufgenommmi, ohne dais dftdurdi der Inhalt 
des Monatsheftes verkürzt werden darf. Die Verlagshand laag. 



Verzeichniss 

der Vorlesungen an der k. k. evangefisch - theologischen Facultät zu Wien 

im Wintersemester IS^Vsg. 

Cons.-R. Prof. Laitner: Moral l.Th., Homiletik, homilet. Obnngen. — Prof. Schimko: 
Kirchengeichidile 1) vor der Reformation, 2) nach derselheo. — Cons.-R. Prof. Sffihlin: 
Dogmatik augsb. Coof, th. £n<^klopfidie. — Prof. Kuzmany: Homiletik, Katechetik, homü^t. 
Übungen in slav. Spr. — Prof. Rosskoff: Einleit. ins A. T., Psalmen, hehr. Spr., compar. 
Rel.-Lebre. — Prof. Szeremlei: Dogmatik helv. Conf. — Prof. Otto: Dogmengeschichte. 



Bitte an die HH. Hitarbeiter. 

Da nunmehr die Hefte der Akademischen Monatsschrift rasch auf einander 
folgen werden, so ersucht 'die Redaction die HH. Mitarbeiter, die Einsendung 
ihrer Beitrage zu beschleunigen. Insbesondere fehlen uns noch für die sta- 
tistische Zusammenstellung der Frequenzverhältnisse des Wintersemesters die 
Notizen von allen österreichischen Universitäten, von Königsberg, Rostock 
und kiel, sowie von den schweizerischen Universitäten. Wir bitten um 
möglichste Beschleunigung. Die Kedactlon» 



Drnek von F. E. The in in Wänbnrg. 

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Miin mmiirr, 

(Qentsche Qnmniitäts- Zeitung.) 

Hill I Ji i imn.ijL i i III I IHM ■ II f xBs^^s^^ I Ull i III , I I I i luuJi uj iii 



I. 

Me BoetereiieoltesieD ao den österreldiiselieo Universtt&ten. 

ErAter ArtUkel. 

Die Yerwundevung d^r im SeptMober 1848 zu Jena versanmeUeA deitt-i- 

sohen UodischuUehrer war gro«a, als es sich ergab, dass unter den eredue^. 

aenea aekl Abgesandten der Wiener Universität nicht weniger als vier 

fiepuUrte ven Cporporationen waren, die weder aus Lehrern noch aus Slwr 

dif enden bestanden« Das Letztere wurde bei dem Geiste, der damals 

einen Theil der Versammluiig beseelte, uad der kurz zuvor auf den Frank* 

furter OQngresse zisr Gründung eiper freien jakademischen Univeri^lit seiiien 

beiedtfin extremen AusdniQk gelunden ¥atte, viel weniger befremdet haben, 

fi}^ 4iß SiTff^^^Wg vpq Npppern, die zwar einen akademischen Grad heeas^ 

seo, Qber wedei: vf\&\^ studirt^n, noch eine l4ebFlbätigkeit an der Universitit 

aM«|kbl«n, mA doqb au 4?r Versamofünng der deutschen Hochschulen mitvev* 

tre(ei| (»ein w^ten. Viele ehemalige Mitglieder derselben werden sich der 

iq Wiep ziemtich bekauuten PersQiüicbkeit erinnern^ die von ihren Collegea 

dftzii i^serseheu wQrden war» ihre Interessen auf dem Jenenser Tage in 

ein^r Wei^e zur Spreche zu bringen, welche nahe daran war, der ktuäi 

beganuenen Eintracht der in- und aneseröslerreichischen deutsdien HaoIh- 

^cbulen eine frühe Grenze zu set;ien. Dein richtigen Tact der Vertreter dar 

ubrigeu Doctorenf^oUegien der Wiener Universität ist es zuzuschreiben, dass 

däes«elbe erbalteJA, so wie der ganzUcbe^ Uofähigkeil der meislen GUeder der 

Yeraammlu^g, sich in das abnorme VerHaltnisa, das ihnen hier entgegentral, 

biueinzuversetzen, dasus für die öi^terreichischen Universitäten eine besondere 

ClaiUfel eflFen gehalten wurde, Jeneß Verhaltniss ist seitdem ausser Öster- 

r^iQh (pft^ Gegenstand der Verwunderung, in Österreich insbesondere seit 

der ^ipf^hrvng des prov. Gesetzes über die Organisation der akademischen 

Reh^rden Gegei^tand des Streites gewesen, ohne bei der voa bjeiden Seiten 

stAttludenden Parteilichkeit gen&gend aufgeklart worden zu sein. Bei der 

besoadern Tendieiiz der A. M. S«, der gluckliehsten (leider! einzigen) Frucht 

des Jetepser Cpngres^es, durften einige erläuternde Worte hier nicht am 

unreebtea Orte «ein. 

Des Wor^ Fgeultat hatte bis zum Erscheinen des prov. Geselzes im Uecbst 
1849 in öskerrcdeh eine gcina andere Bedeutung als im übrigen Deutsohlandt 

Akadem. Monataachrift. Febraar 1852. 8 

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58 Die bocfcorebcaliegieb «n den ißsterreicliücfaeii Önh^niftxteii. 

Während daranter an den dentsciren Hochschulen die wirklichen Professoren 
und zwar in der Regel sogar nur die ordentlichen verstanden wurden, der 
Ausdruck Ordinarius und Facultätsmitglied sonach gleichbedeutend war, von 
einer juridischen FacuUät ^u Leipzig u. s. w., als von dem Inbegriff der dor- 
tigen juridischen ordentlichen Lehrer gesprochen wurde, welche zugleich 
als Spruchcollegium fungirten, gab es in Prag und Wien Facultätsmitglieder, 
Decane, Rectoren, die keine (auch nicht gewesene) Professoren, und gab es 
Professoren, die keine Facultätsmitglieder waren. Die Facultätsmitglieder 
waren allesammt Doctoren, d. h. sie waren an der Universität, zu deren 
FacuUät sie geborten, gfaduirt, und in eine der daselbst bestehenden vier 
Corporationen, deren Gesammtheit den Universitätskörper ausmachte, aufge- 
nommen; ohne diese Aufnahme gab der bloss daselbst erlangte Grad noch 
nicht die Faaiitätsmitgliedschaft; sie zahlten eine gewisse Aufnahmstaxe und 
•fifihmett von dem Augenblick an dem Vermögen, den Rechten und Würden 
dieser Corporationen Theii, konnten Decane und Rectoren werden, waren 
«ber daneben Seelsorger, Advocaten, Ärzte, Privatgelehrte, Staatsbeamte, 
lind mitunter wohl auch Professoren; aber diess war für den Umstand, dass 
sie Facultätsmitglieder waren, ganz gleichgültig. War- nun der Professor 
mcht zugleich Mitglied der Corporation, so war er ganz ausserhalb der 
FacuUät und konnte keinerlei Universitätswfirde erlangen. Aber auch selbst 
wenn er Mitglied jener Corporation war, so befand er sich daselbst in der 
Minderheit einer grossen Hehrzahl der Wissenschaft grösstentheils seit den 
Schulbänken entfremdeter, in das ausschliesslich praktische Leben überge- 
gangener Doctoren gegenüber, so dass die eigentlichen Lehrer der Hoch- 
schule an dieser selbst, wie man zu sagen pflegt, das fünfte Rad am Wagen 
waren. Es kam so weU, dass es zu den Ausnahmen gehörte, wenn die 
Decane und Rectoren der Universitäten Professoren waren , und es geschah 
diess meist nur in der philosophisclien FacuUät, die ausser den Professoren 
nur wenige Doctoren zählte. Dagegen waren die Decane der theologischen 
und juridischen FacuUät meist hohe Kirchen- oder Staatsbeamte, die mit der 
eigentlichen Wissenschaft seit Jahren sich nichts mehr zu thun gemacht 
hatten. Und in der medicinischen FacuUät waren es meist ausgezeichnete 
praktische Ärzte, und da die medicinischen Professoren häufig zugleich auch 
dieses waren, nicht selten Professoren« Diess hatte einerseits sein Gutes, 
weil die Universität dadurch in Verbindung mit den hohen und äussern 
Kreisen des Lebens blieb, welchen jene Personen angehörten; aber der Cha- 
rakter derselben als hohe Schule war dadurch verwischt. Sie sank zu einer 
Association herab, die von einer Schule nichts an sich trug, als dass ihre 
Mitglieder sämmtlich Doctoren waren, und deren Vorstände Decane und 
Rectoren hiessen. Die Sitzungen, welche jene Facultäten hielten, betrafen 
alles Andere eher, als Gegenstände der Universität, und hatten nur dadurch 
einen gewissen Werth, dass sie in einer Zeit, wo jedes weitere Vereinsleben 
stockte, GelegenheU zu gegenseitiger Annäherung boten, und dadurch^ was 

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Die Doctoreocollegieii an den öslerreichüchon UpiTenHIten. 59 

oamentlich von der medicinischen Doctorenfacultat gilt, die Schule einer Art 
parlamenUrischer Formen wurden. 

Die Professoren, wenn sie nicht zugleich Doctoren und Facultatsmitglie- 
der waren, hatten zu jener Zeit ausser dem Hörsaal, wo ihre Tbatigkei^ 
durch das Yorgeschriebene Lehrbuch vorgezeichnet, aber wie damals Alles 
in Altösterreich stillschweigend freigegeben war, gar keinen Wirkungskreis. 
An ihrer Spitze stand in jeder der vier Facultäten ein Regierungsbeamteri 
Director genannt, der nie ein Professor sein durfte und meist höherer Geiste 
lieber oder ein Hof- oder Regierungsrath war und alle laufenden Geschäfte 
besorgte, zu Besetzungen von Lehrkanzeln vorschlug, zuweilen zwar den 
Professoren Gutachten abverlangte, diese aber, obgleich er kein Professor, 
geschweige denn Mann vom Fache war, wieder begutachtete, kurz Alles 
dasjenige besorgte, was an den deutschen Universitäten Geschäft der Pro- 
fessoren oder wenigstens des Senats ist. Was hiernach vom Universitäts- 
wesen dem aus den Doctoren gewählten Rector oder Decan blieb, beschränkte 
sich auf Repräsentation und gewisse administrative das Vermögen der Uni- 
versitätscorporationen betreffende Veriügpngen. Mit dem Studienwesen, also 
mit der eigentlichen Hochschule, hatte weder Rector noch Decan etwas zu 
schaffen. 

So stand die Sache bis zum Jahr 1849, und es ist nicht zu wundern, 
wenn unter diesen Umständen die Universität ihren Charakter als Hochschule 
einbusste und zu einer mit der Hochschul,e nur äusserlich zusammenhängenden 
Corporation wurde. Professoren und Doctoren, die in den ältesten Zeiten 
der Universitäten Eins waren, fielen gänzlich auseinander. Jene sanken zu 
besoldeten Lehrern herab, diese behielten dem Namen nach die alten Uni- 
versitätswurden und Formen bei, hörten aber auf, Docentes zu sein, was die 
Doctoren ursprunglich waren, und bildeten Gremien, die dem Leben der 
Schule ganz fremd blieben. 

Als in Folge der veränderten Staatsform im J. 1849 die administrative 
Bevormundung der Hochschulen aufhören und die Leitung derselben der 
Corporation selbst in die Hände gelegt werden sollte, konnte es wohl keinem 
Zweifel unterliegen, dass die bis dahin von Directoren überwachten und aller 
Selbstständigkeit beraubten Professoren die eigentlichen Träger der Hoch- 
schule und deren Leitung nur ihnen anzuvertrauen, die Vorstände durch 
freie Wahl nur aus ihrer Mitte zu wählen seien. Waren, ja doch sie es 
allein, deren Wirksamkeit den Charakter der Schule behalten hatte, während 
die übrigen graduirten Mitglieder der Facultäten ganz andern Lebensberufen 
als Beamte, Ärzte, Geistliche und Rechtsgelehrte nachgezogen waren, die 
nicht ferner vom Wesen der Schule abliegen konnten. Waren ja doch sie 
es, welche den stolzen Namen einer Uoiversitas literarum allein repräsentir- 
ten, und welche den Beruf auf sich genommen hatten, die empfangene Wissen- 
schaft von Geschlecht zu Geschlecht durch Tradition fortzupflanzen, di^ 
ererbte zu erweitern und zu vermehren, von welcher die meisten der Facul- 

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tltsmftgflieder iiur einen ihre persöfllidheh oder diö Interessen d«» Tiiffe§ 
fördernden Gebrauch za machen gewusst hatteA. Wem äte ihileu, dei'M 
Beruf die Schule war, konnte es zukommen, Aber riefen Atlgel^genhüHen zu 
entscheiden, sich nach Bedfirfniss mit dän erfordärlicben Lebritraft^ü^ üb^t^ 
deren Befähigung sie allein urtheilen konnten, zu verstärken, und wie es an 
allen fibrigen Hochschulen Deutschlands längst üblich war, Decanö Und Ited- 
toren aus ihrer Mitte altein zu bestimmen, ^eil sie allein die eig:6btiidhe 
Universität ausmachten? 

Die Hitglieder jener Doctorenfacultäten waren anderer Meinung; SItfl 
die ihrem eigentlichen Begriff entfremdeten UniVersUätswürden als rechtrtjää-^ 
sigen Besitz der endlich emancipirten Hochschule anzuerkennen, ärkläHed 
sie sidi für die wahren Erben der ^Iten Universitäten, deren Aütonöntiä 
Wieder aufleben sollte. Dass sie Jahrhunderte lang dem Universitätsleben fretnd 
geblieben, dass Sie sich Statt mit der Wissenschaft und der Schule itiit deni 
ätissem Leben beschäftigt hatten, während die Professoren der ursprüng- 
lichen Bestimmung der Universität getreu geblieben, somit die (einzigen ächten 
Nachfolger der alten Doctoren, die isugleich Docentes gewesen, seien, hatte 
tAr sie keine Überzeugungskraft, da sie ja doch, obwohl nicht lehrend, 
eben so gut Doctoren hiessen, wie jene „Lehrenden" so geheissen haften, 
fn der Thät, es war schwer, ein anderes Argument zu finden, tirtd wenn ja 
däS alte Sprichwort : „Duo, dum idem^i^nt, non sunt idem'^, seine Anwendung 
&nd^ so war es hier bei den Doctoren vpn 1365 und denen von 1849. 

hn Sinne der Mitglieder der Doctorenfacultäten war die aufi^ Neue erstan- 
dene österreidhische Hochschule von 1^49 wieder die nach dem Muster der 
Universitäten zu Paris und tu Bologna errichtete ursprüngliche Univer^tät 
von i^rag und Wien. Sie beriefen sieh, nm zu beweisen, dasS did DocföreA 
und nicht die Professoren die Universität. ausmachten, auf' den älien Grtind-^ 
satz, dass man Doctor sein musste, um Universitäti^professor zu sein. Ihnen 
gemäss sollte die Gesammtheit der an einer Rochschule gradüirten Doctoreu 
die Universitas literatdrum, nicht scientiarum, welchen später entstandenen 
Begriff dai$ Mittelälter (!) nicht gekannt habe, ti^ai^ insofern begreiflich i^t^ als 
es sehr viele Wissenschaften nicht depi Namen natfh gekannt hat, änsrtiit^hen, 
vieictier Gesainnitheit sodann das Berufungsrecht, das Ernennurtgi^rechf, kürz 
äHe alten Rechte der Corporation ankommen sollten. Ah dieser 6dl7)örätidn 
hätten södann die Professoren nicht als solche, sondern nui-' als I^dctdfren 
Theii; ja slie würden, insofern sie Professoren wären, sogar in 6ihef Art 
Abhängigkeit von jener Gesammtco rporation stehen. 

Tn diesem Sinne Hessen die Wiener alten ^äcültätenf auf dem Jenenä^r 
Congrei^se sieh Vertreten, indem sie zugleieh ätif die Rechte hiüWie^to, Mi 
den' Doctoren der Wiener Facultäten ehemals eingeräumt worden, undldieVof^ 
zflge, deren ^ie genossen. Es ist begreiflich , das^s ü^ä^ WfeddrerweckM^ 
^er alten Vortü unter ganz veränderten Umständen Vei^iVtindferun^ erregdfi 
n^u^ste. W^h mäü dtwä die engtiiiö&en Universitäten äuMiniät, an AüAth 

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iU ftbXe^Mfen «l^eiütlicb die dtdittng iön Akad^tnik^ir und die itogeAMfi- 
leti F^iidürs dl^ toh Pfründnert haben, tind sUtt dffehtHclie VöHi'ä^d itf 
bält^tfl, dich mit schriftställeHschän und gfel^rten Privatai'bdtefi besdÜäflfgett, 
dfä ÜHitefsilateß äbo ^igentlifch Akadettilöen [$ind, so hat im gattzen gebilde- 
ten Europa, ja selbst in Russland das Wort „ünitersrtfit" keine ahdere Bediu- 
iong als di^e einei^ höhen Schule. Zu eihei' sdfldren gehöl-en nhät nur Lehret^ 
iind Lcffnende vLttd was nicht fOr einert oder den Andern dieser l)eiden Zttrecke 
tbfltig igt, gehöH auch nicht zu*' Universität. Döctot*en tflsö, die Wicht \tirk- 
lldb U5hr6n, J^irid'kefiAdUniirehsitätsnrttglieder. Dass dieser GrUild^ati bei dei* 
Stlhun^ der (Jnivei^sitatciH gegolten habe, daton liegt der Beweib, W^nri e» 
nbeli dhes ibm^H bedut^ne, in der Wahl des WoHds „Doctor^S das So Vidi 
^1^ DocdiKs' bedetitet, selbst. Es li^t keiA fidweis fdr di^Behaüpturtg, dass die 
Doctofeii in jtitzi^ei' Bedfeütiltig als PäicnUfit^ntit^liedet* üftd nicht Äi6 Pfö- 
fe^^oreti die UniVei'sltät änsmdbhert, tretin toah aiifahrt, Im litittelliMr ^bihh 
änch SttidenÜetl tledtoren gdweseti; dettti ^d^äde diess Beweist, dtfiis die Uäi-* 
vei^^itaf titis d^r 6e^ähn(m)heit det Lehretiden und d^ Lehietidert bestanden 
habe tiiid äüä söhst Nietfidndf Die lehrend^ Eldctordfl aber »irtd heutzQ'^ 
tage die Pfofe§sot*en nhd die Privatdödenten, tiitd iä der DOctoi' ntrr qna 
doceti^ Mitglied d^r PactiKät geweseiT. so wdfe es dffenbttr terkehrt, ]^tti 
den JDOdehs tiuf qnä t>öcictt zntti Ünivefsitätstoitglied zuzulassen. 

biesei- i^ctieltlbar SO leiöht zu ertedigende Stf^it, der ^ich eintil^ dftilitH 
dr^fit, ob itiad die Ütiiversitdt als Hochschule, oder als CorpordtiOil graduii*^ 
ter Pek^fiofjeh äüfifksst, die wMer iehreil hofdh lernen, setzte .dem proV. Gä^di 
übet did Öfgäh. der äkad. 6tlhdi*den grosso Schwierigkeiten entgegen. tHä 
Regierung sah sich in die unangenehme Lage Vehset^t, entweder d)4»jeni^eh 
Üöijiei'atibridh , die Iti Wien arid Präg bisher dem Namen der Üiiitersitat 
^effihri hätten, vöti dieser ganz dtiszusdhjie^seh, adet sie War in Aet Oefdtl^ 
^eM sie deinen Wän^cheil gertögfte, die tJtliVei*sitätsleiiung iah eitler sehr 
zMt^chM Cörpärätiäri (die Wierief medic. Pactfitfit allein zählte über 450 
ttttgliedeO behefrscht iA seh^n, detefr grÖSstdt- Tbeil inr ^ät Mtibv Bezieh- 
dhg ttttn UMetfichte stand. Die Sogenannten Pät^tiltäte'h tiatteil den Naftieri 
titid Sdhäch dM buchstäbliche ftecht ffir' sich, da^ in den tifspfi-'unglicheri Uni-' 
Versitfits^cteü die UnlVei^^ltät ausdi^ckfich ati; die Cöl*porafiori der Doctofh^A 
bdtdcbAete. FQi- die gänzliche Üeberwefsfun^ d^t Hochschule in die P^ofes- 
^et'en iind ub^t'hküiit hur äh die lehrefideA Ddetoren sprach die Mint dei" 
iäihd, der Betriff der UHivdi'i^ität als höhe dchul6, det- klfltf*e Sini»^ daü;^ eifte 
solche tittr tAi dine Oesühfimthelt von Lehretideh tttid LerneiideA atifgöfotet 
^ei^dett, dttd li^er mehf lehrt, i\Var bdClor, ab^r nirfit ühlve«iWfemilgBed 
^m k6nti&. . 

Did Rd^iefütig WaUte äihen Mitteltireg , auf dem ^ih Mbh EWedk, die 
ffööbj!(6hale selBifstätidfg zti mächen, ^d ei-rel^heri Hoffte, dhrie dc^ IHtel*^stferi 
BH sCfgfefiaMhtdh PacuKtted, die seit eiher längen Reihe ifbti iäfardh siöh äit 
den. Gedanken« gewöhnt hatten, ittf VvAfeMM tu gehören, allzu nahe M 

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69^ Die Doctorencollegien an den Asterreichiscben Univeniläleii. 

treten. Da die Vertheidig^er der Universität 9IS reiner Hochschule dieselbe 
als Uoiversitas literarum, die Vertheidiger derselben als Doctorencorporation 
sie als Universilas literatorum (d. h. aller Graduirten) auffassten, so ergriff 
die Regierung den Ausweg, beide Bedeutungen mit einander zu verbindenr 
Demzufolge beschloss sie, die Universität zwar zunächst als Hochschule nach 
den vier Facultäten eingetheilt aufzufassen, deren jede bloss aus den ihr 
incorporirten Lehrern und immatricuUrten Studirenden besteht; zugleich aber 
jeder dieser Facultäten ein Gremium aller zu ihr gehörigen graduirten Doc- 
toren als Doctorencollegium zu aggregiren. Diese vier Doctorencollegien 
gehören daher zwar zur Universität, aber 'nicht, zur Hochschule. Die 
Regierung Hess ihren Vorständen den Titel „Decan^S jedoch mit dem Bjßi- 
satz „des DoctorencoUegiums^S um anzudeuten, dass.sie nicht Decane der 
ganzen Facultät, sondern nur des einen der die Facultät ausmachenden Col- 
legien, des CoUegiums der Nichtlehrenden seien. Statt vierDecanen der vier 
Facultäten sollte es derselben von nun an acht geben, zwei für jede Facultät 
und zwar Einen des Doctoren-, den Andern des Professorencollegiums. (Ges. 
über d. Org. d. akftd. Beh. S 29. u. ff.) Die Wahl des Rectors Hess die 
Regierung offen, nicht ohne den Wunsch auszusprechen, es möchten zu 
diesem Amte Professoren gewählt werden. Sie hat damit offenbar gezeigt, 
sie theile die Ansicht, dass di^ Universität vor Allem als Hochschule zu 
betrachten sei, aber sie achte das Herkommen zu sehr, um aUe Diejenigen, 
die es sich bisher zur Ehre rechneten, der Universität dem Namen nach 
zuzugehören, davon plötzUch auszuschHessen. An den kleinen Universitäten, 
ausser Prag und Wien, wo gar keine derartigen Facultäten bestanden hatten, 
fanden jene Schwierigkeiten nicht Statt. 

Man hat es der Regierung zum Vorwurf gemacht, dass sie die Doctoren* 
collegien nicht mit Einemmale aufgehoben, und ihrem System reine Bahn 
geschaffen habe. Dieser Vorwurf ist ungerecht. Die Regierung verfuhr 
schonend, wo sie es ohne Schaden der neuen Institutionen thun konnte 
Wie die DoctorencoUegien jetzt beschaffen sind, können sie den Gang des 
Unterrichts nicht hemmen,9W0hl aber den Aufschwung der Bildung bedeutend 
fördern, indem sie den Gebildeten einen Halt- und Mittelpunkt gewähren. 
Von der eigentlichen Hochschule getrennt, machen sie für sich eine Art 
wissenschaftlicher Vereine aus, die sich an die Universität anlehnen. Rechnen 
sie es sich zur Ehre an, zur Universität gezählt zu werden, so fällt ein 
Antheil des Verdienstes, das sich Einzelne aus ihrer Mitte oder der ganze 
Verein erwerben, auf die Universität zurück. Indem ihre Mitglieder dem 
äussern Leben angehören, bilden sie die Brücken, welche das beschränktere 
Gebiet der hohen Schule mit diesem verbindet. Man soHte glauben, dass 
diese Bestimmung die Mitglieder der Doctorencollegien befriedigen soHte; 
der Erfolg zeigt das Gegentheil, und es ist unschwer zu errathen, welche 
Interessen sich hinter denselben zu verbergen suchen. Doch diess soll der 
Gegenstand einer zweiten Besprechung sein. ^ 



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Dier Gesetietf-Eiitwiirf für den höhern Unterricht in Holland. 63 

II. 

Der Gesetzes-Eiitwurf für den höberu Unterrieht in Holland. 

Mitgetheilt TOB Karl Arenz, Prof. an dem K. Atfaenium zn Hastricht. 

Vorwort Am 15* Januar 1849 wurde von König Wilhelm IL eine Com- 
mission ernannt und derselben der Auftrag erlheill, die gegenwartige Lage 
und die Gebrechen des hohem Unterrichts zu untersuchen und nach den 
gewonnenen Erfahrungen die Mittel zu bezeichnen, welche eine Hebung 
des höhern Unterrichts zu bewirken vermöchten; zu dem Ende sollte die 
Commission ihre Ahsichten in einem umfassenden Gesetzes-Entwurfe nieder- 
legen. Diese Commission, welche sehr bald in Haarlem ihre Arbeiten begann, 
bestand aus folgenden zehn Mitgliedern: van Ewyk, Gouverneur von Süd- 
holland (Vorsitzender), Duymaer van Twist, Prof. der Jurisprudenz am 
Athenäum zu Deventer, J. Bake, Prof. der Philosophie an der Univer- 
sität zu Leyden, P. Hofstede de Groot, Prof. der Theologie zu Gro- 
ningen, G. Simons, Director der königl. Akademie zu Delft, J. K. Baron 
von Goltstein, Curator der Universität Utrecht, F. de Greve, Prof. 
der Philosophie zu Groningen, R. van Rees, Prof. der Mathematik und 
Naturwissenschaften zu Utrecht, J. de Wal, Prof. der Jurisprudenz zu 
Leyden, W. Opzooiner, Prof. (extraord.) der Philosophie an der Uni- 
versität zu Utrecht. — Hierdurch waren sämmtliche Hochschulen und die 
einzelnen Facultätcn derselben vertreten, ebenso auch die Staatsregierung. 

Am 31. August 1849 hatte die Commission ihre Sendung erfüllt, und 
sie überreichte bald darauf dem Könige Wilhelm IIL, der einige Monate vor- 
her seinem verstorbenen Väter auf dem Throne gefolgt war, das Ergebniss 
ihrer, während sieben Monaten gepflogenen, Verhandlungen. Diese Arbeit 
zerfiel in vier Theile, welche sind: 

1) Der Rapport der Staatscommission über die Untersuchung des Zustands 
des höhern Unterrichts und der Gebrechen desselben, firmer über 
die Ursachen, wodurch die Übelstände herbeigeführt worden, und über 
die Mittel, welche angewendet werden könnten, um eine gehörige aka- 
demische Entwicklung der studirenden Jugend gesichert zu wissen. 

2) Der Gesetzes-Entwurf. 

3) Motivirung der in dem Entwurf ausgesprochenen Ansichten. 

4) Note des Mitglieds der Commission, Herrn J. K. Baron von Goltstein, 
welcher als Vertreter der Staatsregierung an den Verhandlungen Theil 
genommen hatte. 

Die Commission war der Ansicht, dass der Entwurf bald vor die Kammern 
gebracht und sogleich nach der Annahme in denselben die königliche Sanction 
erbalten würde. Hierauf bezieht sich Art. 153 des Entwurfs. Es ist aber 
bis heute der Entwurf noch nicht vor die Kammern gebracht worden, und 
bei der Zusammensetzung des jetzigen Mnisteriums, welches giinz anderh 

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Principien huldigt, steht es nicht zu erwarten^ dass diess jemals gesohehej 
dagegen ist der Minister des Innern selbst damit beschäftigt, einen Gesetzes- 
Entwurf auszuarbeiten und denselben den Kammern vjprzülegeq, Fj|r die 
geschichtliche Entwicklung des Unterrichtswesens ist der vorliegende Ent* 
wurf jedoch von Wichtigkeit und aus dieser Rücksicht wird er hier in.sleiner 
if9rtlichen Ffs$uug ipitget^eilt, 

Urstes |>Knp($t|icHt Allgemeine Be^timmufigeii. Art. j[- üin^r 
höherm Unterrichte (hQoaer onderwijs) wird ein solcher Unterricht ver- 
standen, der unmittelbar für die gesellschaftlichen Verhältnisse bildet und* 
vorbereitet, wofür grundliches Studium erforderlich ist, und der die Zöglinge 
anleitet zu einer selbstständigen, klaren Bii»i(^t in die Wissenscliaft und tm 
il)rer Anwendung im praktischen Leben. Art. 8. Der höhere Unterricbt 
wird gegeben a) in öffent)iphen $ehul^n, b) ip l)pson4eri^ Schulep. Art. ß. 
QflfentTiche Schulen sind; a) Staatsanstalten (RijksiMsfellin^en). b) dici durcji 
Provinzen und Gemeinden errichtet sind und unter^ialten werqen, oder ^u^^ 
dffentlichen Kassen Zuschüsse geniessen. Art 4. Die Einrichtung der öffent- 
lichen Schulen des höhern Unterrichts, die keine Staatsi^nstalten sind, wird 
u^ler Genehmigung des Könige den Provinzen oeier Gemeifiden ubedrlii3$diH 
Yfe\ci\i9 sie fint^fh^ltep pder upteriti^t^efi. Pi^ Einrichtung d^r ^esQiidfirv 
$chi|len des höhern ynterricl^ts Wf^d il)req Verwaltero überlassi^q. J^vl. ^. 
Alle Schulen für höhe^n Unterricht, die keine Staatsanstalten ^^ind. werden 
v^n der Regierung ununterbrochen beaufsichtigt. Art. 6. Bevor die beson- 
Aern Schulen für hohem Unterricht ins Leben treten, werden ihre Regle- 
vßim^% «nd Stfttuten der Regierung nitgetheih. pie Regierung I^st, so oft 
^ ^^ für nötl^ig erfch^e^ utü^r ^g^ I^jus^nd dieser Schulen eilte Ai^fefihtt^ 
machen. Art. 7. Der Verwaltuogsrath jeder öffeqllichen oder besondern 
Schule ist verpflichtet, jährlich einen vollständigen ßericht über ({^p Zustand 
der Anstalt und über den darin gegebenen Unterricht der Regierung einzu- 
reiehen. Wenn eine Schule für die Gesundheit oder Sittlichkeit der Schüler 
oder für di|ß Interesse des Staates nacbtheilig oder gefährlich eraohtet wivd, 
$,Q kauR (^r Könige n^ch gi^hörtejft Vprtr^g 4es gtnat^r^hß, ihre Scbliesysm^g 
befehlen. Der hierauf bezügliche Beschluss wird (lurch das S^aatsbl^tt ver- 
öffentlicht. Art. 8. Stai^tsanstalten für höhern Unterricht ^ind: a) Special- 
schulen, bestimmt zur Anleitung und Ausbildung für eine oder mehrere 
apecielle Verhältnisse oder Berufe; b) allgemeine oder eigentliche 
H^pkuol^J^len. Art. 9. Die speciellen Staatsanstalten des hot^rn Unter- 
richts kq^mep entweder zqr allgemeju^«« ßeautzung g^fifojet, pAer für eine 
bestimmte Anzahl Schüler, die durch die Regierung Qt|sgpwählfc \^n^ für den 
Staatsdienst ausgebildet werden sollen, bestimmt werden, für beide F$lle 
werden die Reglemente vom Könige festgestellt und durch das Staatsl^latt 
veröffentlicht. 

Iwdtf« Haoplfitfick. Von den Hochschulen. Art. 10. Es bestehen 
drei Hochsehiden: zu Leyden, zu Utrecht und zu Groningen. Art. 11. Sie 
haben die Bestimmung, durch gründlichen Unterricht ihre Zöglinge für die 
Verhältnisse der Gesellschaft zu bilden find sie vorzubereiten zu eigenen 
St|idiei| und fortgesetzter Ausübung der Wissenschaft, zugleich auch, um 
durch Entwickelung vereinter Kräfte zur Ausbreitung von Kenntnissen und 
Gelehrsamkeit mitzuwirken. Art. 12. Die sämmtlicfaen Hochlehrer einer 
}0dea ttoohschule bilden das lehrende Personal dieser Anstalten und sind 
yertjtt^ilt i^ folgeu4e F^uiff^t^n:^) 4i# U^fari^qhe (ht^rkmuMgeJ Fmäm, 

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Der GesetiesoEatwIirr ffir den höbern Unterricht in Holland. 65 

vmfasseDd die Philosophie, Geschichte und Literaturen; b) die mathematische 
und naturwissenschaftliche Facultat; c) die juristische Fucultät, umfassend die 
eigentliche Rechtsgelehrsamkeit und die Staatswissenschaften; d) die medici- 
nische Facultat. Art. 13. Hiezu kommt noch eine theologische Facultfit, 
tiusschliesslich bestimmt zur Ausbildung der Religionslehrer der reformirten 
Kirchengenossenschaft. Art. 14. Für alle andern Kirchengenossenschaften, 
weiche es verlangen, werden an einer oder mehrern Hochschulen, sei 
es eine besondere Facultat, sei es ein oder mehrere Lehrstühle errichtet. 

Drittes Hauptstuck. Vom Unterrichte. Art. 15. < Auf allen Hoch- 
schulen wird in den Fächern Unterricht gegeben, auf welche sich die ver- 
schiedenen Examina erstrecken, und die in dem unten angeführten Programme 
enthalten sind. Jedoch sollen die Vorlesungen, welche allein für die Meister- 
schaft in den orientalischen Sprachen vorbereiten, allein auf der Hochschule 
zu Leyden gehalten zu werden brauchen. Art. 16. Ausserdem wird von 
der Regierung dafür gesorgt, dass auf den verschiedenen Hochschulen und 
besonders auf der zu Leyden Unterricht in allen Fächern und den Neben- 
zweigen derselben, die nicht auf dem Programme bezeichnet sind, aber zu 
deren besonderer Ausübung, im Interesse der Wissenschaft, die Gelegenheit 
in Niederland geboten werden muss, gegeben wei'de. Art. 17. Jeder 
Cursus ist in der Regel halbjährig. Es steht aber den Hochlehrern vollkom- 
men frei, einige Lehr- Cursus in zwei oder mehrem aufeinanderfolgenden 
Semestern abzuhandeln, wenn sie nach ihrer Meinung nicht füglich in der 
Zeit eines halben Jahres absolvirt werden können. Jede Vorlesung wird 
wenigstens viermal wöchentlich gehalten. Art. 18. Die Methode des Unter- 
richts, die dabei angewandte Übungsweise und die Sprache, worin er ertheilt 
wird, stehen in der Wahl des Hochlehrers. Art. 19. Das Akademiejahr 
beginnt am ersten Dienstag des Septembers und endigt am letzten Tage des 
Monates Juni. Es ist in zwei Hälften getheilt, welche jede einen halbjähri- 
gen Cursus umfassen. Die erste Hälfte geht bis zum letzten Samstag vor 
Weihnachten und die zweite beginnt am vierten darauffolgenden Dienstag. 
Art. 20. Die Zeit, welche zwischen diesen beiden Hälften liegt, ist Vacanz, 
ausser welcher noch eine Vacanz von zehn Tagen um Ostern ist. Diese 
Vacanz beginnt am letzten Mittwoch vor dem Osterfeste. Art. 21. Die 
Series lectionum wird, nachdem sie von den Curatoren genehmigt ist, im 
Juni ausgegeben und kündigt die Vorlesungen für das folgende Jahr an. 

Viertes Hauptstiick. Von den Lehrern. Art. 22. Die mit dem 
Unterricht an den Hochschulen Beauftragten werden Hochlehrer genannt. 
Art. 23. Die gewöhnliche Anzahl der Hochlehrer zu Leyden wird auf 42 
festgesetzt: 12 in der philosophischen Facultat, davon 5 für Orient. Spra- 
chen; 9 in der Facultat für Mathematik und Naturwissenschaften; 7 in der 
juristischen Facultat; 9 in der medicinischen und 5^in der theolog. Facultat 
für die reformirte Confession. Art. 24. Auch den Directoren und Conserva- 
toren der verschiedenen wissenschaftlichen Iifstitute und Sammlungen kann 
der Titel Hochlehrer beigelegt werden. Art. 25. An den Hochschulen zu 
Utrecht und zu Groningen müssen wenigstens 26 Hochlehrer dociren: 5 in 
der Philosoph. Facultat, 6 in der Facultat der Mathematik und Naturwissen- 
schaften, 5 in der juristischen Facultat, 6 in der medicinischen und 4 in der vor- 
genannten theologischen Facultat. Art. 26. Von den Hochlehrern zu Leyden 
geniessen 30 ein Jahrgehalt von 2800 fl., 6 von 2000 und die 6 übrigen von 
1600 fl. Art. 27. Von den Hochlehrern zu Utrecht und zu Groningen ge- 
niessen 21 ein Jahrgehalt von 2200 und 5 von 1600 fl. Art. 28. Die Regierung 

Akadtn. Monat«»ebrift. Februar 1862. 9 



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CG Der Gcsotzcs-Iiiitvvurr fflr den hohem Unferrichl in Uoiland. 

ist jedoch befugt, in ausserordentlichen Fällen, wo es das Interesse des 
Unterrichts erfordert, die Besoldung zu erhöhen. Art. 29. Die Ernennung 
des Hochlehrers geschieht durch den König nach einem motivirten Vortrage 
der Curatoren, welche von jeder Hochschule die Facultat, bei der er ange- 
stellt werden soll, um. ihr Gutachten fragen. Art. 30. Ausländer von grossem" 
Verdienst können zu Hochlehrern ernannt werden. Art. 31. Für einen tbeoL 
Lehrstuhl können nur die zugelassen werden, welche zu der Kirchengemeinde- 
gehören, wofür der Lehrstuhl errichtet ist. Art. 32. Jeder Hochlehrer wird 
durch seine Anstellung für eine bestimmte Facultät und für bestimmte Fächer 
ernannt. Art. 33. Jedoch steht es jedem Hochlehrer frei, ausser den vor- 
geschriebenen Vorlesungen noch andere anzukündigen. Gegen seinen Willen 
kann er aber nicht zu andern Vorlesungen verpflichtet werden, als wozu er 
berufen ist. Art. 34. Der König kann auf Ansuchen des Hochlehrers , nach 
gehörtem Vortrag der Curatoren, eine Änderung in die Unterrichtsfächer 
bringen, womit er beauftragt ist. Art. 35. Der Hochlehrer kann kein anderes 
öfTentUches Amt bekleiden und keine eigene Praxis ausüben, als nur mit 
Zustimmung des Königs. Art. 36.'DiePflichten, die der Hochlehrer zu erfüllen 
hat, sind: 1) regelmässiges Ertheilen der in der Series lectionum angekün- 
digten Vorlesungen; 2) Wahrnehmen der ihm . aufgetragenen Examina; 
3) Theilnahme an den Versammlungen der gesammten Hochlehrer der Uni- 
versität, oder der Facultät, wozu er gehört; 4) Wahrnehmen der zeitweiligen 
Commissionen bei der Hochschule; 5) die sorgfältige und gewissenhafte Aus- 
füllung des von der Regierung ihm übertragenen wissenschaftlichen Wir- 
kungskreises. Art. 37. Jeder Hochlehrer ist emeritus, wenn er ein Alter 
von 65 Jahren erreicht hat. Er hat alsdann Ansprüche auf das volle Gehalt, 
wenn ihn nicht das Pensionsgesetz zu einer höhern Pension berechtigt. Er 
behält den Titel eines Hochlehrers, den Sitz im akademischen Senat und 
die Befugniss, Unterricht zu geben. Alle andern Rechte und Pflichten und 
die damit verbundenen geldlichen Beziehungen hören auf. Art. 38. Wenn 
ein Hochlehrer • vor dem Alter von 65 Jahren durch Krankheit ausser Stand 
ist, seine Amtspflichten zu erfüllen, wird er auch als emeritus anerkannt. 
In diesem Falle wird seine Pension nach der Zahl der Dienstjahre mit Vg^ 
der zuletzt genossenen Besoldung oder Remuneration für jedes Jahr festge- 
stellt. In anderer Beziehung anerkannte Dienste kommen nach den Bestimm- 
ungen des Pensionsgesetzes in Betracht; doch soll die Pension den Betrag 
des Jahrgehaltes nicht überschreiten. Art. 39. Ausser den Hochlehrcrn 
können auch Privatdocenten als akademische Lehrer auftreten. Jeder, dqr 
sich in der Facultät, worin er zu dociren wünscht, den Doctorgrad erworben 
hat, kann von den Curatoren nach Bericht der Facultät die zeitliche Erlaub- 
niss erhalten, sich als Privatdocent niederzulassen. Art. 40. Die Vorlesungen 
der Privatdocenten werden zugleich m*it denen der Hochlehrer angekündigt. 
Sie erhalten keine Anstellung von Staatswegen; jedoch können sie von Jahr 
zu Jahr auf Vortrag der Curatoren durch eine Geldzulage, welche aber die 
Summe von 800 fl. nicht übersteigt, unterstützt werden. Ihr Auftreten kün- 
digen sie durch Ausgabe einer vdsseifschafllichen Schrift an. 

Fünftes Haoptslfick Von denStudirenden. Art. 41. Zu den auf der Serien 
lectionum angekündigten Vorlesungen und zu den wissenschaftlichen Instituten und 
Sammlungen der Hochschule hat Jeder freien Zutritt, jedoch mitBerücksichtigiing 
folgenderBestimmungen. Art. 42. Jeder, der eine oder mehrere Vorlesungen bei 
einem Hochlehrer oder Privatdocenten höjren will, muss sich vorher bei dem Reo* 
tor der Hochschule einschreiben lassen. Art. 43. Für jede Einschreibung, die 



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Der GeseteM-Entwurf fQr den höhern Unterricht^in Holland. 67 

Qilr fär ein Jahr gilt, bezahlt man 60 fl. za Händen des Rectors. Art. 44. 
Wer fünf Jahre hindarch diese Summe gezahlt hat, ist für die folgende Zeit 
davon befreit. Art. 45. Der Betrag der Einschreibungsgelder wird allein 
for die Bedur&iisse der Hochschule verwendet. Art. 46. fünf Sechstel davon 
werden unter die verschiedenen Hochlehrer gleichmässig vertheilt und ein 
Sechstel wird für die akad. Hülfsmittel verwendet. Art. 47. Für jeden halb- 
jahrigen Cursus wird dem Hodilehrer oder Privatdocenten von dem Zuhörer 
ein Honorar von 10 fl. gezahlt; bei Fortsetzung oder Wiederholung dieses 
Cursus ein Honorar von 5 fl. Art. 48. Ausser den Einschreibegeldern, 
Honorarien, Examinationsgebdhren und Kosten des Diploms, darf kein Hoch- 
lebrer, Privatdocent oder akadem. Beamte irgend eine Bezahlung fordern. 

Sechstes Hauptstfick. Von der Verwaltung und Aufsicht. Art. 49* 
An jeder Hochschule ist ein Collegium von Curatoren, aus 5 Mitgliedern 
bestehend, die sowohl durch ihre Wissenschaftlichkeit alsVauch durch ihre 
bürgerliche Stellung ausgezeichnet sind. Art. 50. Der Burgermeister der 
Stadt, wo die Hochschale errichtet ist, ist von Rechtswegen Mitglied dieses 
CoUegiums; die übrigen Mitglieder werden unmittelbar durch den König 
ernannt. Art. 51. Als Beistand wird noch vom König ein Secretär hinzuge- 
fugt, der vom Collegium seine Instructionen erhält. Art. 52. Die Mitglieder 
dieses CoUegiums geniessen keinen Jahrgehalt, sondern empfangen, wenn sie 
ausserhalb der Universitätsstadt wohnen, Vergütung der Reise- und Aufent- 
haltskosten, gemäss dem Tarif. Die Besoldung des Secretärs bestimmt der 
König. Art. 53. Bei akademischen Feierlichkeiten und Versammlungen hat 
dieses Collegium den ersten Rang. Art. 54. Es überwacht die treue Erfül- 
lung vorliegenden Gesetzes, kraft der ihm ausgefertigten Verordnungen. 
Art. 55. Wenn steh Hochlehrer und akadem. Beamte des Pflichtversäumnisses 
und schlechten Betragens schuldig machen, so ergreifen die Curatoren die 
nöthigen Hassregeln, um eine Besserung einzuleiten, oder stellen derRegier- 
ufig vor, die Absetzung zu verfugen. Die Regierung fällt dann aber kein 
Urtbeil, ohne den Angeklagten gehört zu haben. Art. 56. Das Curatoren- 
colleglum hat die Verwaltung über das akadem. Eigen thum und die Einkünfte 
und besorgt die materiellen Hülfsniittel des Unterrichts und den rechten 
Gebrauch der dafür bestimmten Gelder. Art. 57. Über den Zustand der Hoch- 
schulen wird jährlich ein ausführlicher Bericht von den Curatoren an den 
Unterrichts - Minister zugefertigt. Art. 58. Die Hpchschule wird durch 
den akadem. Senat, wovon alle Hochlehrer Mitglieder sind, repräsentirt Der 
Rector hat den Vorsitz. Art. 59. Der Rector wird für ein jedes Schuljal^r 
vom König aus der vom Senat vorgeschlagenen Dreizahl ernannt. Von den 
Facnltäten, aus denen seit langer Zeit kein Rector erwählt worden ist, . wer- 
den die Hochlehrer, die das Rectorat noch nicht oder seit sehr langer Zeit 
nidit mehr bekleidet haben, in die erste oder zweite Stelle der Dreizahl 
gesetzt Der abtretende Rector nimmt die dritte Stelle ein. Art. 60. Der 
Redor erhält für die Wahrnehmung der Rectoratsgeschäfte die Summe von 
500 fl. Art. 61. Ein Mitglied des .Senats ist Secretär. Dieser wird vom 
Kömg auf 5 Jahre aus der vom Senat vorgestellten Dreizahl ernannt. Er 
erhält führ die Wahrnehmung seiner Geschäfte jährlich 300 fl. Art. 62. Der 
Rector wird in seinen Geschäften, wenn es nöthig ist, durch vier Assessoren 
unterstützt, welche vom Senat auf 2 Jahre ernannt worden sind. Zwei von 
diese» treten jährlich ab, können aber wieder gewählt werden. Art. 63. 
Der Senat stellt die Geschäftsordnung für die Versammlungen» die Verricht- 
Ottgen dm Secretärs, des Rectors und der Assessoren fest. ArU 64. Der 

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68 Der Gesetzes-EDtVvurf ffir den hohem Unterricht in Holland. 

akadein. Senat, und jede Facultät insbesondere, ist verpflichtet, der Regierukig 
und dem CuratorencoUegium die geforderten Berichte und Gutachten einzu- 
reichen. Art. 65. Am ersten Tage des akademischen Jahres übergibt der 
Rector seinen Ehrenposten seinem Nachfolger. Bei dieser Gelegenheit gibt 
er eine ausführliche Darstellung der Begebnisse der Hochschule. Er ist 
befugt, hiermit eine Rede zu verbinden. Art. 66. Jedes CoUegium von 
Curatoren und jeder akadem. Senat ernennt jedes Jahr eines seiner Mitglie- 
der, um an der Cominission Theil zu nehmen, welche am zweiten Dienstag 
des Augusts zu Gravenhag zusammenkommt. Diese Commission berichtet 
dem Ministerium über die drei Rapporte, welche die Curatoren laut Art. 57 
eingeschickt haben, und macht darnach auf die nöthigen Verbesserungen des 
akadem. Unterrichts aufmerksam. Die Mitglieder dieser Commission empfangen 
für Reise- und Aufenthaltskosten eine Entschädigung. 

Siebentes Hanptstiick« Von den Hülfsmitteln des Unterrichts. 
Art. 67. Die nöthigen Kosten des Unterhaltes und der Vermehrung der 
Hülfsmittel werden gefunden: 1) aus dem (Art. 46) vorbezeichneten Theile 
der Einschreibegelder; 2) aus den Gebühren für die nach gut beendigtem 
Examen ausgefertigten Diplome (Art 122). Art. 68. Der Ertrag dieser 
Diplome wird von Seiten der Regierung unter die Hochschulen so vertheilt, 
dass Vio davon den Curatoren der Universität zu Leyden, und je Vio ^^^ 
Curatoren der Hochschulen zu Utrecht und Groningen zur Verfügung gestellt 
werden. Art. 69. Ausserdem geniesst die Hochschule zu Leyden aus der 
Staatscasse jährlich einen Zuschuss von 20,000 fl. Art. 70. Die Städte und 
Gemeinden, die zur Vermehrung des Personals und der Hülfsmittel oder zur 
Verbesserung des Unterrichts im Allgemeinen Zuschüsse leisten, sind befugt, 
den Zweck anzuweisen, wofür sie dieselben verwendet haben wollen. Art. 71. 
Alle für die akadem. Hülfsmittel bestimmten Gelder kommen in den Akade- 
miefond, dessen Verwaltung und Verwendung den Curatoren übertragen ist 
Sie legen darüber dem Unterrichtsminister Rechenschaft ab , ebenso den 
Gemeinden und Provinzen, welche Beiträge geleistet haben und diess ver- 
langen. Art. 72. Aus dem Akademiefond werden bezahlt: 1) die Reise- 
und Aufenthaltskosten der Curatoren und die Besoldung ihres Secretärs; 

2) die Besoldung der Beamten der Bibliothek und der übrigen Institute; 

3) die Besoldung der Pedelle und der andern akadem. Beamten; 4) die 
Unterhaltungskosten der bestehenden oder zu errichtenden akadem. Institute; 
5) die akadem. Jahrbücher. Art. 73. Die Ernennung der Bibliothekare und 
die Feststellung ihrer Besoldung geschieht durch den König. Die übrigen 
bei den akadem. Instituten beschäftigten Personen ernennt das Curatorium, 
von welchem auch die Besoldung festgestellt wird. Auf Kosten der Studi- 
rendeA können ihnen keine Emolumente beigelegt werden. 

Achtes Hauptstuck. Aussergewöhnliche Aufmunterungen. Art. 74. 
Jede Hochschule schreibt alle drei Jahre zehn Preisfragen aus, zwei in jeder 
Facultät, und belohnt die beste von einem Studirenden eingereichte Beant- 
wortung, die der Krönung würdig ist, mit einer goldenen Medaille von 50 
Gulden. Art. 75. Die Ausschreibung geschieht jährlich im Hai; die Ein- 
reichung der Beantwortungen vor dem ersten desselben Monats des folgenden 
Jahres; die Ertheilung der Preise geschieht bei Übergabe des Rectorats. 
Art. 76. An jeder Hochschule werden zehn Stipendien, jedes von 400 Gul- 
den, zur Unterstützung dürftiger Studenten verliehen, welche von der letzten 
Prüfungscommission ein Zeugniss ihrer ausserordentlichen Fähigkeit erhalten 
haben. Art. 77. Jedes Stipendium wird auf ein Jahr verliehen, kann aber 

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Correspoodeni. 69 

bei fortdauerndem Fleisse and Tüchtigkeit länger bezogen werden. Es wird 
von den Curatoren nach Anhörung des Rectors und der Assessoren zuge- 
standen. Art. 78. Jährlich werden 3000 Gulden auf das Reichsbudget 
gebracht, um ausgezeichnete junge Gelehrte, die den Doctorgrad besitzen, 
auf Empfehlung der Curatoren und der Facultät in den Stand zu setzen, eine 
Reise ins Ausland zu machen, um den Umfang ihrer Kenntnisse in einem 
bestimmten Fache zu bereichern. 

(SchlaBs folgt.) 



GorrespondeDz. 

X Kiel, den 12. Februar. (Frequem im Verhältnis«« xur fruhern Zeit. CollegialUät 
der Professoren. Personalweehsel. Archäologisches Moseuni.) DlO Zahl UnSOror StudirendcU 

hebt sich nur sehr allmahlig und weist auch in diesem Semester zusammen 
nur 145 Studirende nach (im vorigen Semester 119). Unter ihnen studiren 
Theologie 30, Jura 57, Jura und Staatswissenschaften 2, Medicin 41, Medi- 
cin und Pharmacie 1, Philologie 8, Philologie und Theologie 1, Mathematik 
2, Mathematik und Physik 2, Pharmacie 1. Es versteht sich bei der Lage 
Kiels und bei dem sehr theuern Leben in der kleinen Stadt, dass unter den 
Genannten verhältnissmässig nur sehr wenige Ausländer sind. Da das ofB- 
cielle „alphabetische Verzeichniss sämmtlicher auf der Universität zu Ki^l 
Studirenden*^ die Ausländer und Inländer durch keine Auszeichnung bemerk- 
lich macht, so ist die Yerhäitnisszahl nicht mit völliger Bestimmtheit anzu- 
geben. Zwar findet sich eine Angabe des Geburtsorts jedes Studirenden 
vor, allein da die Eltern, wie es in der That zum Theil der Fall ist, ihren 
festen Sitz in Holstein genommen haben können, so ist aus dieser Angabe 
die Eigenschaft des Ausländers als Studirenden nicht mit Sicherheit zu erhär- 
ten. Nach möglichst sorgfältiger Erkundigung stellt sich indess das Verhält- 
niss so, dass 138 Inländer (Holsteiner und Schleswiger) und 7 Ausländer 
(5 Mediciner, meist aus dem Königreiche Hannover, 1 Jurist ebendaher und 
1 Theolog ans dem Fürstenthum Reuss) zu rechnen sind. Diese Zuhörerzahl, 
welche intensiv dadurch gesteigert wird, dass in Kiel sehr fieissig und aus- 
dauernd gehört zu werden pflegt, ist so ungunstig nicht, als sie auf den 
ersten Blick erscheinen mag. 1794 besuchten die Universität 200 Studirende, 
1820—1826 durchschnittlich 257, 1826—1830 durchschnittlich 318, 1831—1835 
durchschnittlich 292, 1836—1840 durchschnittlich 243, 1841—1845 durch- 
schnittlich 203 , und seitdem ist die Zahl der Studirenden unter 200 herab- 
gesunken. Die allgemeine Abnahme der Zahl von Solchen, welche den Stu- 
dien sich widmen, eingerechnet, ist der Ausfall nach der Unterbrechung der 
letzten Jahre nicht eben sehr gross, obwohl noch immer empfindlich. Eine 
Anzahl Studirender aus den Jahren 1848 — 1850 ist gefallen, eine andere 
Classe hat in Folge der Studienunterbrechung oder wegen Mangel an Aus- 
sicht auf Anstellung das Studium gänzlich aufgegeben, Andere haben vor- 
zugsweise jetzt und nach Auflösung der Armee den Aufenthalt auf andern 
deutschen Universitäten vorgezogen. Dabei ist indess zu bemerken, dass 
hier überhaupt die Sitte herrscht, die Zeit ausser dem gesetzlich in Kiel zu 
verwendenden Biennium zum Theil auf andern deutschen Universitäten zuzu- 
bringen. Das theure Leben in Kiel, welches den Aufenthalt an jeder wohl 
selbst grössern Universität bei gleichem Aufwände ermöglicht, die durch- 
schnittliche Wohlhabenheit' unserer Studirenden, die Lage Kiels am Rande 

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70 CorresponilenE. 

Deutschlands und reger wissenschaftlicher Sinn treiben hiezu. Man kann 
diese Sitte, welche bei uns auch die Theologen umschliesst, im Allgemeinen 
nur billigen* Zwar ist ein grosser Theil der hiesigen Professoren von Aus* 
sen berufen und wirkt somit in gegenseitiger Ergänzung mit der Eigenthüm« 
Uchkeit der eingebomen Docenten zusammen. Auch ist nicht zu laugnen, 
dass namentlich die CoUegien für die Studirenden mittlem Alters dadurch 
leiden, indem namentlich diese ihre Studienzeit auf andern deutschen Univer- 
sitäten zuzubringen pflegen. Diess empfinden namentlich in diesem Semester 
die Vorlesungen für die Studirenden mittlem Alters fast in allen Facultäten. 
Aber es gleicht sich dieses Hissverhältniss dadurch einigermassen aus, dass 
unsere Studirenden länger als in andern Ländern, nämlich 5 — 6 Jahre, zu 
Studiren pflegen, und nicht Wenige die wichtigem Vorlesungen zweimal 
hören. Jedenfalls ist die eigenthümliche Anregung, welche sie ausserhalb 
ihres engern Vaterlandes erfahren, in jedem Betracht von hoher geistiger 
Bedeutung. Schon das ist von nicht geringer anregender Kraft, dass an der 
Universität Kiel der Holsteiner und Schleswiger neben einander studiren« 
Der Brstere ist überwiegend ruhig und gehalten, der Letztere lebendiger und 
beweglicher. Beide ergänzen sich daher in sehr erwünschter Weise, und 
dass durch die letzten Proclamationen des Königs von Dänemark Schleswig 
nach wie vor auf die Universität Kiel verwiesen sein wjrd , ist somit nicht 
bloss in Rücksicht der Subsistenzmittel und der Zuhörerzahl für unsere Uni- 
versität von grossem Gewicht. Freilich sind i(n Gegensatze zu der frühem 
Praxis die Schleswig'schen Juristen an eine tur sie gesondert eingesetzte 
Examencommission in Schleswig verwiesen, und die Examinatibnsverhältnisse 
der Theologen sind noch nicht wieder geoi'dnet. Allein *ohne Widerrede ist 
die Verweisung des deutschen Theils von Schleswig auf Kiel schon an sich 
als sehr gewichtig anzuerkennen. — Neben dem im Durchschnitt sehr regen 
wissenschaftlichen Leben in Kiel ist insbesondere das enge collegialische 
Verhältniss herauszuheben, durch welches die Universität Kiel sich auszeich- 
net.. Es mag wenige Universitäten geben, auf welchen die Männer der ver- 
schiedensten wissenschaftlichen Fächer in .einem so warmen und verhältniss- 
massig ausgedehnten Wechselverkehr stehen, als es in Kiel der Fall ist. In 
diesem freundlichen Entgegenkommen der'ColIegen aller Facultäten mag. ein 
Hauptgrund mitliegen, wesshalb selbst diejenigen si^h hier schnell einzuleben 
und wohl zu befinden pflegen, welche von einer grossem Universität und 
Stadt kommen und desshalb Manches zu entbehren haben. Nur ist anderer- 
seits der Personalwechsel der Lehrer an der Kieler Universität ein sehr 
bedeutender und in den letzten zwei Jahren- ist er vorzugsweise grosd 
gewesen. Abgesehen von D. Mann, der durch D. K. Wieseler aus Göttingen 
ersetzt worden ist, und von D.Falk, dessen ordentliche Professur noch nicht 
wieder besetzt ist — beide wurden bekanntlich durch den Tod abberufen —, 
verlor die Universität D. Droysen, der sehr sicherm Vernehmen nach durch 
D. Heinrich v. Sybel in Marburg ersetzt werden soll. Die Berufung des 
Letztern liegt in Kopenhagen zur Bestätigung vor. D. Ihering folgt am 
Ende dieses Semesters einem ehrenvollen Rufe nach Giessen und D. Frerichs 
einem eben solchen an die Klinik zu Breslau, ohne dass ihre Nachfolger 
schon mit einiger Sicherheit bezeichnet werden könnten. D. Liebner ist nach 
Leipzig berufen worden; an seine Stelle tratD. Fricke von dort. Ausserdem 
sind von der Liste der Privatdocenten , welche die A. M. S. im Märzhefte 
des vorigen Jahres brachte, die philosophischen Privatdocenten Dreis, Lafau- 
rie Qetzt in Hamburg), Prion (jetzt am Gymnasium zu Meldorf in Holstein) 



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und Steffensen (angeblich in Neapel) verschwunden. Die Übernahme des 
.Vorsitzes im SanitatscoUegium durch D. Heyn, welcher an der Klinik durch 
D. Frerichs ersetzt wurde und an die Stelle des wegen Erblindung zurück-^ 
getretenen D. Pfaff trat, so wie die Pensionirung des D. Tönsen in der juri-* 
stischen Facultät ist Ihnen wo^l schon früher gemeldet worden, gehört aber 
gleichfalls dem Verlaufe der beiden letzten Jahre an. Die juristische Facul«* 
tat wird somit nach dem bald erfolgenden Weggange D. Iherings nur noch 
ans D. J. Christiansen und D. Planck bestehen, obwohl von der sehr umsichtigen 
und rührigen, wenn auch durch die gegenwartig sehr compUcirten Verhältnisse 
im schnellen Vorschreiten oft gehemmten und gelahmten Curatel berdts 
Schritte des Ersatzes seit Längerm eingeleitet sind. An D. Ihering verliert 
übrigens die hiesige Universität einen eben so tüchtigen Lehrer als liebens- 
würdigen CoIIegen. Frerichs /Weggang ist um so mehr zu bedauern, da er 
neben seiner sehr tüchtigen persönlichen Leitung der Klinik dem Vernehmen 
nach mit Kraft und Nachdruck die Verbesserung der Verhältnisse letzterer 
betrieben hat und, wie wir hören, nicht ohne Aussicht auf Erfolg, wie denn 
unleugbar verhältnissmässig viel für ihn hier geschehen ist. Von seinbm 
Nachfolger ist mir bis jetzt noch nichts bekannt geworden. Dagegen ist die 
vor Kurzem erfolgte Ernennung des hiesigen ausserordentlichen Professors 
der Physik, 6. Carsten, zum Ordinarius, Ihnen wohl schon auf anderm Weg« 
mitgetheilt worden. — Schliesslich möchte, ich noch darauf hinweisen, dass 
unser archäologisches Museunt, welches unter der Leitung des Prof. Forch«* 
hammer steht, in den letzten Tagen des Januar d. J. mit einer Verhältnisse* 
massig bedeutenden Anzahl« schöner Abgüsse aus Paris verstärkt word^ ist 
Ich erwähne diess auch in der A. H. S. vornehmlich desshalb, um darauf 
aufmerksam zu machen, dass das genannte Museum lediglich aus freiwilligen 
privaten Beiträgen entstanden und namentlich durch die Liberalität der Guts* 
besitzer, die aus den Intraden ihres Zollentschädigungsfonds erheblich für 
die Zwecke des Instituts beigesteuert haben, befördert worden ist Von 
Seiten der Regierung geschah nur für die in Kopenhagen concentrirten Kunst- 
institute etwas; für die Förderung der Künste in den Herzogthümern und 
für die Belebung des Sinnes für dieselben in diesen ist von Seiten der Regie- 
rung fast nichts geschehen. Es mag daher der dringende Wunsch, dass 
diess zugleich im Interesse der Universität künftig anders werde, auch hier 
ausgesprochen sein. 

T'. Leipzig, Jan. Crreqnens. Wunderlkb. Ventärknog der jnrisUsehen Lehrkräfte. Vogelf. 

Die theologische und phiiosophisehe Facultät.) Nach dch Zahlen-Angabcn Über die Fre« 
quenz der Universität, welche- in der Rede des Prof. Bülau beim Rectorats-*. 
Wechsel am 31. Oct gemacht wurden, musste man allerdings eine nicht 
unbeträchtliche Vennehrung der Studirenden annehmen. Leider hat sich 
indess später gezeigt, dass In den Unterlagen, welche der dort aufgestellten 
Statistik zu Grunde gelegen haben, ein Rechnungs-Versehen vorgekommen ist, 
und nr A dem zu Anfang Decbr. v. J. ausgegebenen amtlichen Verzeichnisse 
ist zwar keine Verminderung der Frequenz eingetreten, aber die Vermehr- 
ung beläuft sich auch nur auf 2. Es studirten im vorigen Semester 846 
(davon 233 Ausländer), im laufenden 848 (davon 238 Ausländer). Wie man 
sieht, hat sich also die Zahl der Ausländer ein wenig vermehrt. Diese Stei» 
gerung fällt, wie eine Vergleichung mit dem Sommerhalbjahre speciell ergibt, 
vorzugsweise auf die medicinische Facultät (mit 12, davon 9 Ausländer), so 
wie überhaupt« auf die Studien der Naturwissenschaften, Pharmacie, Chirurgie, 
während sich mehrere andere Branchen um etwas, die juristische Facultät 



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72 CorrespoBdenK. 

sogar um 12 (diese jedoch, nur in der Zahl der Inländer) vermindert haben* 
Man dürfte nicht itren , wenn man jene Hebung des medicinischen Stu- 
diums namentlich mit der steigenden Anerkennung der Bemähungen unseres 
neuberufenen Klinikers Wunderlich zuschreibt^ dem auch neuerlich die nicht 
gewöhnliche Auszeichnung zu Theil geworden ist , den Charakter eines 
Geheim.-Medicinalraths verliehen zu erhalten. — Fär die Ergänzung des civi- 
listischen Studiums in der juristischen Facultät wurde K. 0. Müller aus Greifs- 
wald als ausserordentlicher Professor berufen und wird zu Ostern seine 
Wirksamkeit beginnen. Freilich fehlt es in andern Partieen dieser Facultät 
immer noch. Erfreulich ist, dass sich in neuester Zeit mehrere jüngere Kräfte 
derselben als Privatdocenten widmen. Ein junger Advocat D. Kuntze hat 
sich zu Anfang dieses Semesters habilitirt und ein anderer, D. Ho eck, wird 
nächstens das Gleiche thun: Beide, wenn wir recht unterrichtet sind, werden 
sich vorzugsweise mit civilistischen Vorträgen befassen. Ein langjähriger, 
durch Unglück vielerlei Art gebeugter Docent derselben Facultät, D. Vogel, 
ein Schüler Otto's, der früher mit recht verdienstlichen Leistungen begann, 
aber schon seit Jahren ungeachtet vielfältiger Bemühungen wenig in akade- 
mischer Wirksamkeit war, ist vor Kurzem verschieden. — In der theologi- 
schen Facultät sind, wie wir hören, zwei der thätigsten und einflussreichsten 
Lehrer, die Professoren Winer und Theile, durch Augenleiden in ihrer Thä- 
tigkeit bedauerlich gehemmt und auch Prof. Dr. Krehl ist leidend, so dass für 
bevorstehendes Halbjahr die Lehrthatigkeit in dieser Facultät etwas geringer 
als sonst sein durfte. — In der philosophischen Facultät endlich, die neuer- 
lich einen Zuwachs durch die Habilitirung eines jungen Chemikers Dr. Hirzel 
erbalten . hat, wird die andauernde Erledigung der Professuren der Botanik, 
der classischen Alterthumiskunde und der deutschen Literatur schmerzlich 
empfunden. Was die beiden Erstgenannten anlangt, so haben wiederholte 
Unterhandlungen mit angesehenen Gelehrten zu keinem Resultate geführt. 
Einer sehr nothwendigen Reorganisation des Instituts der Lectoren sieht 
man erwartungsvoll entgegen. 

CC, Jena, im Januar. (Personalien. Frequem. Kliniken. Aussicht auf Besetzung von 

Rands stelle.) Unsoro Universität hat in der letzten Zeit mannichfaltige Verän- 
derung erfahren oder geht ihr in der nächsten Zukunft entgegen; - der 
Berufung Schaumanns nach Hannover und der raschen Wiederbesetzung 
seiner Stelle durch Droysen, der Berufung Otto's in die theologische 
Facultät zu Wien folgten die Berufungen Försters nach Göttingen, F'eins 
nach Tübingen. An die Stelle des vorletzt Genannten hat sich, wie man 
hört, bereits ein auswärtiger Gelehrter zum Privatdocenten gemeldet. Fe ins 
Stelle wird, so sagt man, vorerst nicht besetzt werden, da noch ein Pan- 
dektist in der Facultät und zwei viel versprechende ausserordentliche Pro- 
fessoren, Chambon und Girtanner, dasselbe Fach lehren. — Die Zahl 
der Stndirenden ist zwar, wie gewöhnlich im Wintersemester, um einige und 
dreissig vermindert, und der Ausfall traf vorzüglich die juristische Facultät, 
erklärt sich aber im Allgemeinen aus dem Streben der jungen Leute, den 
Winter in grossen Städten zuzubringen, während umgekehrt das Sommer- 
semester seit einer Reihe von Jahren uns regelmässig eine grössere Zahl 
der Stndirenden zugeführt hat, theils vielleicht weil die Mehrzahl der Thü*- 
ringischen Gymnasien ihre Abiturienten nur zu Ostern entlässt, theils weil 
das mit Recht nach alter Sitte hier noch weiter ausgedehnte Sommersemester 
den Stndirenden vollständigere Vorträge bietet als diess diejenigen Universi- 
täten vermögen, an welchen die Herbstferien im Juli oder Anfang August 



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zu beginnen pflegen. Bemerkenswerth ist für das gegeawirtige Winter- 
semester die ungewöhnlich grpsse Zahl von Medicinern aus den spätem Seine- 
stern, von welchen insbesondere die Kliniken Martins, Rieds und Sieberts 
frequentirt werden. Die in den letzten Tagen in hiesigen Localblittem ver- 
öffentlichten statistischen Obersichten über die Frequenz dieser Kliniken 
ergeben gleichzeitig eine entsprechende Zunahme der einschlagenden Beobach- 
tungsfälle. Nicht weniger soll die Zahl der zu den Secirubungen auf dai 
anatomische Theater abgelieferten Leichen in einer mehr als ausreichenden 
Weise zugenommen haben. — Die Besetzung der durch den Tod Hands 
erledigten Lehrstelle wird dem Vernehmen nach in nächster Zeit durch 
Berufung eines jungen, durch ruhmliche Leistungen auf dem Gebiet der 
classischen Philologie bereits bekannten Docenten in erfreulicher Weise statt- 
finden. Auch hierbei haben wir, wie überhaupt in Förderung aller die Uni- 
versität berührenden Interessen, die unermüdliche Thatigkeit und den wohl- 
wollenden Eifer unseres Curators, des Staatsraths See b eck, dankbar anzu- 
erkennen. 

r. Jena, 7. Februar 1852^). CProrectont nnd Dteimatr. Die Vorlest, über rtt«. 
Reeht Dr. Nipperdey. Bedürfniss eines Lectore der iievern Spittchen. HUioriscIies Seniiner. Verein für 
thäring. Alterthumsknndr. Denkmale für Oken und Döbereiner.) Hit dem hcUtigen TttgO, dem 

ersten Sonnabend im Februar, fand der Wechsel des Prorectorats statt, welche 
Würde an Prof. Snell überging. Derselbe übernahm das Amt für das 
nächste Sommerhalbjahr und hielt, wie üblich, die gewohnte Antrittsrede, die 
in geistreicher, polemisirender Weise den Stand der Naturwissenschaften 
zu den kirchlichen Parteien behandelte und den ungetheilten Beifall der 
äusserst zahlreichen Versammlung erhielt. Die Decanate gelangten in der 
theologischen Facultät an Prof. Rückert, in der juristischen an GJR. 
Michelsen, in der medicinischen an GHR. Kieser, in der philosophi- 
schen an SHR. Bachmann. Die sonstigen behördlichen Verhältnisse 
sind unseres Wissens dieselben geblieben. Fgr den Prof. der Rechte Fein, 
der nach Tübingen geht, ist bis jetzt ein Ersatz nicht gewonnen worden, 
ja man spricht davon, die Stelle werde vor der Hand nicht wieder besetzt 
werden. Man braucht und darf aber dcsshalb nicht vcrmuthen, die Vor- 
lesungen, die von Fein gehalten worden, fielen aus; im Gegentheil, es lesen 
im nächsten Sommerhalbjahr Institutionen OAGR. Danz, Prof. Gir- 
tanner und Prof. Chambon und es ist nicht zu verhehlen, dass diese 
Namen Bürge sind für acht wissenschaftliche Behandlung des Stoffes. Es 
steht demnach zu hoffen, dass das nächste Sommerhalbjahr die Frequenz der 
Universität noch mehr heben werde. — An die Stelle des Philologen Hand 
ist, wie wir nun mitlheilen können, Herr Dr. Nipperdey aus Leipzig beru- 
fen worden und wird derselbe mit Beginn des neuen Halbjahrs seine Vor- 
lesungen beginnen, so dass, wenn auch GHR. Göttling seine gelehrte Reise 
nach Griechenland noch in Ausführung bringen sollte, die philologische Facul- 
tlt nicht verwaist sein wird; übrigens glaubt man allgemein, dass der neu 
Berufene seine Stellung vollständig und ehrenvoll ausfüllen werde, da er ja 
auch bis jetzt in der philologischen Welt nur von der vortheiihaflesten Seite 
bekannt ist. — Dagegen mangelt unserer Hochschule noch immer einLector 
der neuern Sprachen, und der Hangel, der ein nicht unbedeutender ist, wird 
immer fühlbarer werden, wenn das Sommerhalbjahr heran rückt; möge doch 
eine hohe Behörde über dem Bedeutenden nicht das Unentbehrliche vergessen! — 



*) Der verheissene Artifcei ist wHIkommeD. Die Red. 

Akadem. MoaaUschrift. Februar 1862. 10 

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f« 

Pw LectittMkalftlog für Aas Sbmmerfcalbjahr ist erschienen und weist der 
interessanten Vorlesimgen yiele nach; so ist vor Allem zu erwähnen die Er- 
richtung eine» historischen Seminars durch Prof. Droysen; es ist diess wirk- 
Kch för unsere Hochschule ein Bedärfniss, und um so mehr Dank dem waekem 
Crvnder! — Seit Anfang Januar hat sich hier ein „Verein für thüringische 
Allerthmnskunde^ unter den HH. GKR. Schwarz, GJR. Hieb eisen, den 
ProflT. Droysen, H. Rückert, Wegele, Stark gebildet, dessen Aufgabe 
es ist, die zerstreuten Quellen,. Chroniken und sonstige Denkmaler der alte- 
ren tböringisohen Geschichte und der Gebrauche des Rechts und der Sitten 
itt sammeln und su siebten, so d^n Grund legend zu einer yaterlandischen 
Geschichtsforschung. Bereits hat das Unternehmen in den sammtlichen Städ- 
ten Thüringens zahlreiche Unterstützung gefunden und der Präsident des 
Vereins, Curator See b eck, wird Alles aufbieten, um eine noch grösser« 
Verbreitung zu erzielen. — Nicht allein, dass unsere Universitätsstadt dem 
nnsterblicken O^k e n ein Plätzchen für ein Denkmal weiht, sie erriehfel anck 
in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste dem berühmten Chemiker Dd- 
b er ein er ein Denkmal. Sich in würdiger Weise geachteter Männer zu 
erinnern, ist immerhin sehr lobenswerth. Für das Oken-Denkmal hat, ausser 
dem Grossherzog von Weimar, der 100 Rth. zeichnete^ auch Louis Napoleon 
Bonaparte 200* Francs subscribiren lassen. Die Bemühungen des Comit^ 
(der GHRR. Kies er und Husch ke) dieserhalb sind nur mit dem grössten 
Danke anzuerkennen. Das andere Denkmal, das Okens Namen tragen solf, 
wahrscheinlich in einer Oken-Stiftung bestehend, wird erst in Wiesbaden 
von der Naturforscher-Versammlung näher erwogen werden. — So eilen 
wir dem Schluss des Winterhalbjahres zu, mit Dank die Bemühungen aller 
Lehrer der Hochschule, sowie die der Behörden anerkennend, und können 
uns hiebei nicht versagen, zu erwähnen, in welch' trefflichem Einvernehmen 
Lehrer und Studirende standen und wie fast gar nichts vorgekommen ist, 
wodurch der gute Ruf der Universität und der Studirenden insbesondere 
geßhrdet worden wäre. Möge das Sommerhalbjahr für Jena ein lingctrübteSi 
erfreuliches werden! 

a. Erlangen, Anf. Februar. (WlederbeMUnng erledigttr Proftaauren. NageUbacb, 

£. V. Räumer. Frequenz. Veröffentiiohuvf der Prowotioueii.) Nach dem SO obcn erschienenen 
Personalstand der Universität Erlangen für das Winterseraester 18^ Vs, sind 
die durch Gerbers und Stahls Abgang erledigten Professuren bereits 
wieder besetzt, die Professur des deutschen Rechts durch Dr. Gottfr, Heinrich 
Gen gl er, bisherigen a. o. Professor zu Erlangen, die cameralistiscbe durch 
Dr. Fr^tnz Hakowiczka, vordem Privatdocenten zu Prag. Alle Lehrstellen 
sind hiemit vollständig,, und zwar hat die theologische Facultät sechs Ordl-* 
oarien, zwei Extraordinarien, zwei Repetenten, von denen einer auch Privat-* 
docent ist, die juristische fünf Ordinarien, einen Privatdocenten, die n^i-' 
cini&che sechs Ordinarien, zwei Extraordinarien, zweiProff. honorarii, zwei 
Privatdocenten, die philosophische neun Ordinarien, sieben Ejftraor4inarien| 
einen Privatdocenten» Von den Ordinarien der letztern hat Prof. Nagels« 
^ach kurzlich einen an ihn ergangenen Ruf als Stiftsephoru3 nach Tübingen 
abgelehnt. An Rudolph, von Raumer jun« ist kürzlich die Anfrage gelangt, 
ob er die Professur der deutschen Sprache und Literatur in Prag anzuneh*- 
men geneigt sei; Facultät und Senat haben sogleich Alles g^tban^ um durch 
Erwirkung der für ihn längst beantragten ordentlichen Professur die Univer- 
sität ^ vor diesem sehr empfindlichen Verluste zu bewahren. — Die Saht der 
Studirenden beträgt in diesem Semester SSS.» nmnlich 167 TbeiOiogeii,. dnrunter 

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54 AislüMler; 36 dflivM, unter 4ieBe« S AasUiider, 'MmHrtii Theoltfto 
und Philologie. Der Jorislen «ind 133 mit 4, der Medi(;ii>cir 55 mit 6 Ans«* 
Idndem^ hiezu kommen 15 Phannaoeoleni Der pMlomipliifchen Faooltlit ans«- 
adiliesdioh geboren i5 an, darunter 3 Ausländer, weldbe Pliflelogie stndiren» 

— Simmtitohe Facaltaten haben beschlossen , ihre Promiolioiien alljfihrlieh zu 
veröffentlichen. Im Laufe des Stndienjahrs 1 86^/5 j bat die kheologieehe 
FacHltät den Lic. tbeol. Pfarrer Ficker zo Waidkireh im K««i^reich Snchsen 
nnd den Lie. theol. Prof. Kahnis in Leipsig xn Doctoron, den PriTsatdecen«* 
ten Dr. phil. Bötticberin Halle und den Repetenten Lnthardtin Erlangen m 
Licentiftten creirt. Die juristische Docterwurde haben eriiatten der Rechts« 
concipient Schneider in München und der Rechtccandidal ßöiinger «w 
Gehren; die medidniscbe Baner ans Wilhermsdorf, Müller aus Triesdorf, 
Braune aus Baiersdorf, Isaac B ecket t aus London, K c h «vs Regensburg:, 
Sonntag «us Pilgramsreiith, fieil ans Speyer, Fikentschet ansRedwits, 
Brand aus Feachtwangen , Heyfelder ans Trier, J#h. Franz DouvilU 
ans Andechy, Schuster ans Salsnflen, Thomas Abraham aus London^ 
Stephan John Mann aus Nottingham, John Nickie Fanning aus DvbKn, 
Will. Bell ans Norwich, Frans Xaver Ansorge mu Wermersdorf, Le#. 
Gallus aus Lipnick, Alois Schalk aus Murnan, Lorena ans Uffenh«im, 
Rob. Gtadstoues Carey aus Guernsey, John Mackamara ms Irland, John 
Hodgson Ramsbotham aus IfoAdersGeld, Nie. Magrath aus Guernsey, 
Rnekert aas Meiningen, Greiner ans Coburg, Ranke aus Ansbiicii> 
Robert Dade ans England, Rowtond BaMuia fiast aus Prome^ Wili.Hitcli«^ 
nan aus Circenster. Die philosophische Fdcttlldt bat Jac. Fr. Roloff^ 
Lehrer an der Realschule zu Neustrelitz, femer den von Humboldt und Dov6 
empfohlenen Meteorologen K. Fr. Schneider in Berlin, endlich honorit 
causa den ruhmlich bekannten Entomologen Conservator Dr. med. Rosen^ 
hauer zu Erlangen promovirt. 

W. Wien, im Februar 1852, cor. Leopold Neumann.) Der Wiener Corre- 
spondent Ihrer geschätzten Monatschrift (October- u. Novemberheft) hat in 
anerkennender Weise des Hrn. Prof. Dr. Leop. N e u m a n n gedacht. Gestatten 
Sie mir, in gegenwärtigem Berichte etwas tiefer in die Persönlichkeit dieses 
Professors einzugehen, und jene Principien hervorzuheben, welche den Vor- 
tragen Neumanns zu Grunde liegen. Denn nach meiner Ansicht bildet der 
in der Lehre herrschende Geist jenes Substanzielle im Universitatsleben 
höhern Sinnes, welches die Muttermilch ist, von deren günstigem oder un- 
günstigem Einflüsse die Zukunft unserer Jugend und Wissenschaft abhängt. 
Den Geist eines Vortrages zu besprechen, ist um so interessanter, als heut- 
zutage nicht Wenige geneigt sein dürften, denselben auf den österr. Hoch- 
schnlen , namentlich an der juridischen Facultät zu Wien, gänzlich unterge- 
gangen zu wähnen. — Leop. Neumann liest heuer über positives Völker- 
recht und österr. Bevölkerungsstatistik. Von seiner Behandlung dieser beiden 
Fächer will ich hier nur mit' Rücksicht auf das Letztere sprechen, welches 

— so dörr und unfruchtbar es vielleicht scheinen mag — in Ns. Munde 
wahrhaft lebenskräftig wird. Ihm ist Statistik kein leeres Zahlenschema, 
kein in Rubriken gebanntes Vergleichen; — Brd- und Völkerkunde, Geschichte 
und Politik, Theorie und Praxis weiss er derart zu einem organischen Gan- 
zen zu verweben, dass die Statistik, weit über ihre bisherige Stellung an 
den österr. Universitäten emporgehoben, nicht mehr ein Vorbereitungsstu- 
dium gienannt werden kann, sondern erst dem absolvirten Juristen eigentlich 
nutzbringend ist und dem kflnfligen Staatsmann unentbehrlich wird, indem 

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maa daraus entnimml, wie nar Derjeniffe ein echter Statistiker sein kdnne, 
der das praktische Ineinandergreifen aller jener Elemente, welche man bis- 
her im magischen Schimmer einer abstracten Theorie kennen gelernt, auf-« 
zufassen versteht, und einsieht, dass die ganze Gegenwart der Völker und 
Staaten in ihrem Innern und äussern Leben, der Standpunkt der heutigen 
Cttitur und demzufolge auch der Politik und socialen Frage, nur das Resul- 
tat jener Wirkungen, nur der Niederschlag im grossen Gährungsprocesse 
der Geschichte der Menschheit sei. *- Auf diese Art gewinnt die Statistik 
stets mehr das Ansehen einer Philosophie der gesammten Jurisprudenz, frei- 
lich keiner aprioristischen, und es kann nicht bezweifelt werden, dass diese 
Richtung eine Folge des grossartigen Impulses genannt werden muss, den 
Savigny und Hegel der Wissenschaft gegeben, und dadurch neue Bahnen 
gebrochen habe^n. Ns. Grundsatz ist: „Man kann die Geschichte eines Lan- 
des nicht Studiren ohne genaue Betrachtung und Kenntniss des Bodens, auf 
dem sie vor sich ging, und es ist ebenso unmöglich, Cultur, Gesetzgebung 
und Politik richtig zu beurtheilen ohne das Substrat der Geschichte. Die 
Statistik gibt nun dem Staatsmann das Materiale, das sie selbst aus. der Hand 
der Vergangenheit erhalten hat; sie zeigt den Schatz und die Bedingungen 
seines Werthes, sie zeigt die Gesetze der Natur, und deutet genugsam an, 
wie der Mensch dieselben zwar nicht bezwingen, aber doch zu den ver- 
schiedensten Zwecken der Wohlfahrt benutzen kann u. s. w/' Von grosser 
Wichtigkeit ist bei N. der geographische Staat, und wie Kant sagte, dass 
der Mensch ein Recht habe, da zu sein, wo ihn die Natur ohne seinZuthun 
hingesetzt, so gehört es auch zu Ns. Lieblingsideen, dass der Staat nach 
Naturgesetzen berechtigt sei und die welthistorische Aufgabe habe, jenes 
Territorium auszufüllen, welches vom oro- und hydrographischen Gesichts- 
punkte aus ein für die Existenz eines grossen, selbststandigen Staates genü- 
gendes, in sich selbst abgeschlossenes Ganze bildet, und es sei desshalb 
namentlich der Beruf Österreichs, mit der Zeit das ganze Donauthal auszu- 
füllen. Mit dem bekannten Spruche: „Tu felix Austria nube etc/' erklärt er 
sich in so weit einverstanden, als der friedliche Hymen allerdings mehr zum 
Ländercomplexe Österreichs beigetragen habe, denn blutige Eroberungs- 
kriege, dass jedoch die glucklichen Heirathcn ein Resultat weitsehender 
Politik waren, nicht aber umgekehrt die Politik durch Heirathen gemacht 
wurde. — Betrachtet man nun diese in gedrängter Kürze hingestellten 
Maximen, so wird man zwar nicht durch deren Neuheit überrascht. werden, 
darin aber, dass sie von einem österr. Professor, dass sie vom Parlaments- 
manne N. öffentlich vorgetragen werden, viel Erfreuliches finden. Ihre Leser 
werden sich des Artikels entsinnen, welchen Hr. Bern. Kotter im Jänner d. J. 
in der Augsb. Allg. Ztg. erscheinen liess, und worin er die Wichtigkeit 
des geologischen Studiums im weitem Sinn hervorhob; eben so bekannt 
durfte das sein, was Warnkönig in Tübingen über die gegenwärtige Aufgabe 
der Rechtsphilosophie gesagt hat (Zeitschrift für gesammte Staatswissenscb. 
VIL Jahrg. 2. Heft) in einem Artikel, dessen Fortsetzung man mit freudiger 
Spannung erwarten darf. Ich erwähne diess nur desshalb, um darauf hinzu- 
deuten, wie erquicklich es wäre, wenn endlich einmal eine Verständigung 
der philosophischen Doctrinen herbeigeführt würde, wenn endlich die Fach- 
männer, statt durch Hervorhebung ihrer Differenzen sich stets mehr zu tren- 
nen, in Erwägung ihrer Einigungspunkte sich im Interesse der Wissenschaft 
gegenseitig zu nähern bestrebt sein worden. Ferner soll damit die Ehre 
der Ö5terr. Professorenwelt gewahrt werden, die in Neumann einen Vertreter 



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CORMMMieM; H 



und Vorkimpfer für den Anschluss an das intelligente Deutschland geflindeil 
hat, und ein wohlthatiges Exempel daran nehmen kann. Endlich aber mosfl 
ich darauf aufmerksam machen/ wie merkwürdigerweise gerade die Jetztzeil, 
das Auftreten Ns. als Professor begünstiget. Es ist nicht zu bezweifeln, 
dass N. damals, als er im Reichstage zu Wien und Kremsier sass, mit dem 
Vortrage solcher Grundsätze wenig ausgerichtet hätte. Nun aber, in den 
Tagen politischer Abspannung, ist es unendlich wohlthuend, in den Reihen 
der wahrhaft Gebildeten und einflussreichen Männer der Wiener Hoch- 
schule Jemanden zu begegnen, welchei: in seinem anscheinend beschränkten 
Fache den gebieterischen Verhältnissen der Gegenwart Rechnung zu tragen 
weiss, ohne dadurch zum Verräther an der Wissenschaft zu werden, und 
dessen redliches Streben es ist, die hohe Göttin nicht wie eine drohende 
Wetterwolke über dem vertrockneten Ackerlande schweben zu lassen, son- 
dern frucht- und heilbringend auf den rauhen Pfaden der Wirklichkeit durchs 
Leben zu fähren, um das Unebene zu glätten, nicht aber noch schroffer zu 
machen. — An all diese Verdienste Ns. schliesst sich ein edles, herzge* 
winnendes Benehmen gegen seine Zuhörer an, denen er, sobald er Lust und 
Liebe zur Wissenschaft in ihnen bemerkt, jeden Schritt nach vorwärts liebe- 
voll erleichtert, ohne sie ans Gängelband seiner subjectiven Ansicht zu knüpfen; 
und so ermothigend der Einfluss, den N. höhern Orts gewonnen hat, für 
alle seine Freunde ist, so ehrt doch die Regierung durch dieses Verhältniss 
nur sich selbst. Da Ns. Bescheidenheit andere öffentliche Huldigungen zu 
verschmähen scheint, so hat ihm wenigstens durch vorstehende Zeilen die 
Dankbarkeit ein kleines Denkmal gesetzt. 

£. OlmÜtZ, den 31. Jan. (Die phUobophUche FacultUt. Graf von Thiin. Reformen. Staat«- 
prafungen. Frequeni. Peraonalveränderungrii/) UuSCrer Universität, da ihr diC mcdici* 

nische Facultät mangelte, längst schon universitas studiorum wie lucus a non 
lucendo, steht ein schwerer Schlag bevor, der sie vielleicht aus der Reihe 
der Universitäten streichen wird, in welche sie erst seit 1827 eingetreten. 
Einem sehr verbreiteten und glaubwürdigen Gerücht zufolge soll die philo- 
sophische Facultät an derselben aufgelöst und sollen die beiden Lehrkanzeln 
der Geschichte und der Philosophie der juridisch -staatswissenschafllichen 
Facultät einverleibt werden. Dadurch hört sie aber rechtlich auf, als Uni-* 
versität zu existiren, denn nach § 2 des pr. Ges. üb. d. Org. der ak. Behör- 
den muss jede (auch unvollständige) Universität die philos. Facultät in sich 
enthalten. Ein ähnliches Schicksal soll einem on dit zufolge die philosophi- 
schen Facultäten von Grätz, Innsbruck, Krakau und eine der beiden italienischen 
Hochschulen des Kaiserstaats treffen, so dass nur in Wien, Prag, Pestb, 
Lemberg und in der andern Italien. Universität vollständige philosophische 
Facultäten in dem Umfange, in welchem dieselben jetzt bestehen, fortdauern 
wurden. Als Hauptgrund für diese Massregel wird gewöhnlich die geringe 
Frequenz dieser Facultäten angegeben. Ein Blick auf die Frequenztabellen 
überzeugt in der That Jeden, dass die Zahl der an der philosophischen Facul- 
tät Immatriculirten auf den meisten kleinen österreichischen Universitäten 
selten 10 übersteigt, eine unverhältnissmässig kleine Zahl, welche der Zahl 
der an der Facultät angestellten Professoren beinahe gleichkommt. Der 
nächste Grund dieser Thatsache liegt in dem Umstände , dass das Studium 
der Philologie, deren Beflissene in der Regel den grössten Theil der an 
der philosophischen Facultät Immatriculirten ausmachen, bei uns noch sehr 
neu und das der Naturwissenschaften beinahe einzig auf solche Universitäten 
beschränkt ist, wo zugleich eine medicinische Facultät und reiche Samm- 

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f S CoiwiipoMgiii. 

\nngm sidi befinden» Die 8 «ii der piiilosi. Fecnllät der hiesigen Uiriversfttil 
immatricttlirten Studirenden yertheilen sich so, dass da von 7 auf die f hitologie 
Einer (1} aaf'die Nfltnrwissenschafiten kommt. Gesehichts- and philosophische 
Vortrage werden allerdings zahlreicher besacht, weil sie von den Juristen 
bei den Staatsprüfungen belegt werden müssen. Ein ähnliches Verhiltnias 
herrscht an den andern kleinen Universitäten Österreichs, und da sich das«- 
selbe ohne Aufwendung grosser Geldmittel, die aus den kleinen Hochschulen 
grosse schaifen müsste, nicht wohl ändern lässt, so ist die Massregel, die 
ohnehin eigentlich nur dem Namen nach besiehende philos. Facultät aufzor- 
lösen, sehr gerechtfertigt. Die fünf bestehenbleibenden, im jetzigen AogeB-- 
blick wenigstens zu Prag und Wien grossartig ausgestatteten philosophischen 
Facultäten genügen dem Bedurfnisse um so mehr, als die beiden zur ali- 
gemeinen Bildung unentbehrlichen Lehrstühle der Philosophie und der 6e* 
schichte überall bestehen bleiben sollen. Man hat einen Augenblick tlie Besorge 
niss gehegt, das Unterrichtsministerium werde an die Stelle der aufgehobenen 
philosophischen Facultäten wieder das verhängnissvolle philosophische Bienninn 
setzen, das in Österreich endlich glücklich wie in Bayern und Baden einer ver« 
nunftigen AnsichLvom Studien wesen gewichen ist. Damit wäre zugleich ein Ruck"* 
gang der bisherigen Gymnasialreformen verbunden gewesen, da die Gegenstände 
des ehemaligen Bienniums jetzt in die obersten Classen des Gymn«iinnis verlegt 
sind. Glücklicher Weise scheint diese Besorgniss ebensowenig begründet zu sein 
als eine andere seit dem Erscheinen des Patents vom 1. Januar d. J. wiederhoit 
aufgetauchte, der Minister Graf Thun, die Seele der Reformen im Unterricht»« 
wesen, werde seine Stelle niederlegen. Hr. v. Thun scheint im Gegentheil 
seine erfolgreichen Bemühungen um die Hebung wissenschaftlichen Geistes in 
Österreich eifrig fortzusetzen. Seit dem 1. Januar d. J. hat er der Univer- 
sität zu Wien seine Salons geöffnet, in der Art, dass er abwechselnd jeden 
Donnerstag entweder die Professoren der theologischen, philosophischen und 
juridischen oder die der medicinisch-naturwissenschaftlichen Fächer empfüngt» 
eine in Österreich von Seite eines Ministers bis dahin unerhörte Sache, durch 
welche endlich auch ein geistig geselliger Mittelpunkt für die Wiener Gelehr- 
tenwelt gewonnen scheint, an welchem es seit Jacquin und Endlicher ganz* 
lieh gefehlt hat. Des Grafen Verbleiben im Ministerium verbürgt auch den 
Fortbestand der Unterrichtsfreiheit und der davon unzertrennlichen Staats- 
prüfungen, was die Hoffnungen mancher Freunde der alten Semestralprüfungen, 
wie wir wünschen, täuschen wird. Die ModiGcationen , die eben eintreten 
dürften, werden wohl nur Formen, nicht das Wesen berühren. So hat es 
sich in der That als ein Übelstand erwiesen, dass die Studirenden häufig 
eine sehr verkehrte Ordnung in der Aufeinanderfolge der gehörten Fächer 
wählten , wobei die blosse Mahnung von Seite der Professoren nicht aus* 
reichte. Bei den Staatsprüfungen wird über die Häufung der Gegenstände 
für eine und dieselbe Prüfung geklagt, so dass e^ möglich ist, dass aus den 
bisherigen drei theoretischen Staatsprüfungen vier gemacht werden. Der 
Kern aber, das Aufhören des Schulzwangs wird bleiben. Bei der hiesigen 
Staatsprüfungscommission sind in diesem Semester vergleichsweise wenig 
Staatsprüfungen abgelegt worden; bei der allgemeinen Abtheilung nur vien 
Davon wurden Einer für ausgezeichnet befähigt erkannt, die Andern einfach 
zugelassen. Die Mitglieder der Staatsprüfungscommission des verflossenen 
Jahres sind ohne Ausnahme für dieses Jahr wieder bestätigt worden; die 
für die allgemeine Abtheilung hat an dem Privatdocenten der Rechts- und 
Staatsgeschichte an der Universität Dr. F. Bischoff einen Zuwachs erhalten. 

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Die FreqMU der Universittt bat fegett dos Sommerseroeater 1850 neuei^ 
diQgs abfeeommen; sie be&ndet sich demi^ch seit 4 Semestern in besländi* 
gern Sinken. Unter den einzelnen FacnUäten ist diess, besonders an der 
theologischen der Fall, ungeachtet der Verordnung, dass auch solche Sludi- 
rende in die theologischen Studien zugelassen werden dürfen, welche die 
Haturilätsprüfung nicht gemacht, oder in derselben das Zeugniss der Unreife erhal- 
ten haben. Dergleichen Studirende werden aber nicht in die Universitatsmatrikel 
eingetragen^ sondern als „ausserordentliche Studirende an der theologischen 
Facultät^^ bezeichnet. Sie gehören daher nicht zu den ordentlichen, sondern 
zu den ausserordentlichen Studirenden der Universität. Dieselbe zählt daher 
in diesem Semester nur 264 immatricnlirte Hörer im Ganzen, während sie 
im Sommersemester 1851 deren 277, im Wintersemester 1851 deren 300 
hatte. Die Zahl der Immatriculirten hat daher gegen das Sommersemester 
185t um 13, gegen das Wintersemester um 36 abgenommen. Von dieser 
Abnahme .wird grösstentheils die theologische Facultät betroffen. Dieselbe 
hatte im Wintersemester 142, im Sommersemester 137, im laufenden Semester 
nur 116 ordentliche FTörer, dagegen zwölf ausserordentliche, welche das 
Zeugniss der Reife nicht erhalten haben. Die Frequenz der philosophischen 
Facultät fiel von 12 zu 10 und im laufenden Semester zu 8 herab. Die 
juristische Facultät dagegen, die im Wintersemester 1851 146, hn Sommer* 
semester nur 130 Hörer hatte, hat steh wieder zu 140 ordentlichen Zuhörern 
erhoben. Ausserordentliche Studirende (Nichtimmatriculirte) zahlt die Uni-^ 
versität 22, von welchen 12 auf die theologische, 6 auf die juridische und 
4 auf die philosophische Facultät kommen. Im Ganzen beträgt die Summe 
der Immatriculirten und Nichtimmatriculirten 286 ,' also um 2 mehr als im 
Sommer- und um 23 weniger als im Wintersemester 1851. Unter diesen 
286 befindet sich kein einziger Nicht-Österreicher; ihren Geburtsländern nach 
sind darunter 199 Mährer, 63 Schlesier, 10 Böhmen, 5 Polen (Galizier), 
3 Nieder-Österreicher, 5 aus Krain und dem Küslenlande und 1 Ungar, also 
ist das Verhältniss der Mährer zu den Nicht-Mährern wieder wie 2:1. In 
dem Lehrkörper der philosophischen Facultät sind bedeutende Veränderungen 
vorgegangen, Vorboten der nahen Auflösung. Der ausserordienth'che Prof. 
der classischen Literatur, Dr. Wilhelm Kergel, der während seines zwei«« 
jährigen Aufenthalts an der Universität sich die Liebe und Achtung seinev 
Zuhörer in hohem Grade zu erwerben gewusst hat, und durch den ein 
grundliches Studium der Alten hier zum erstenmal bekannt wurde, ist als 
ordentlicher Pi'ofessor desselben Fachs an die Universität zu Lemberg beför- 
dert worden, wohm auch kurz zuvor Dr. Bernhard Jälg aus Rastatt als 
ausserordentlicher Professor dieses Gegenstandes berufen worden ist. Der 
ordentliche Professor der Physik Dr. Friedrich Franz ist als Director der 
Oberrealschule auf sein Ansuchen nach Salzburg versetzt und zugleich jede 
Veranstaltung zur Wiederbesetzung seiner, so wie der noch immer erledigten 
Lehrkanzel der Mathematik von Bleicher, suspendirt worden. Die philosophische 
Facultät besteht daher im Augenblick nur aus den Professoren Fick, Zo- 
pecky, Schmidt und R. Zimmermann, von welchen jedoch, Zeitungs^ 
gerQchten zufolge, der Letzte gleichfalls bereits zur Versetsung an die neu 
zu organisirende Universität zu Pesth bestimmt sein soll. Das gesammte Lehr- 
personal der Universität beträgt sonach in diesem Augenblick nur 13 ordentliche, 
1 ausserordentlichen Professor, 3 Privatdocenten, 1 Adjunct und 1 Lehrer, im 
Ganzen 19 Personen, von welchen 41 verschiedene Vorträge gehalten wer- 
den. Die medicinisch - chirurgische Specialschuie, die an hiesigem Orte mit 



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M AllgenwlM 6«irraipoiid«u. 

9 Prafessoren und ungeffihr 100 Schölern besteht, die keine gelehrlen Vor- 
studien gemacht haben, ist yon der Universität gänzlich getrennt und daher 
in der obigen Berechnung nicht mit einbegriffen. 



IV. 

Allgemeine Gorrespondenz. 

Aus Marburg schreibt die Kassl. Zeit, unterm 22. Jan!: Unser diess- 
jahriger akademischer Kalender zeigt uns mehrere bedeutende Veränderungen 
im Personale der Universitätslehrer. Die juristische Facultät hat durch die 
Berufung Wetzells nach Rostock einen traurigen Verlust erlitten. Wetzell 
vertrat hier auf das Entschiedenste und mit Erfolg die historische Auffassung 
des Rechts und schloss sich hier vorzugsweise an Puchta, seinen frühem 
Lehrer, an; hauptsachlich dem Civilprocesse suchte er die gebührende Stel- 
lung in der Rechtswissenschaft zu sichern, und trug hierzu durch iseine eben 
so gründliche als geistvoll abgefasste Schrift über den römischen Vindications- 
process nicht wenig bei, so wie er durch die Klarheit des Vortrages seine 
Zuhörer zu fesseln und bei ihnen den wahren Grund der Rechtsbildung zum 
Bewusstsein zu bringen verstand. Hit Trauer sehen wir auch hier die alte 
Erfahrung wieder bestätigt, dass Marburg nur die Pflanzschule der bedeu- 
tendem Gelehrten Deutschlands ist, und dieselben, wie Savigny, Puchta, 
Vangerow, Mackeldey, Müller, Hupfeld, Busch, Bunsen*u. A. m., 
sobald ihr Ruf ins Ausland gelangt, verlieren muss. In der theologischen 
Facultät hat Ranke in den letzten Tagen des verflossenen Jahres zur Aner- 
kennung seiner Thätigkeit als akademischer Lehrer die Doctorwürde erhalten. 
Die Zusammensetzung dieser Facultät zeigt uns, wie wenig ein früheres 
Ministerium das Wesen derselben als eines echt evangehschen Lehrinstilutes, 
in welchem die Söhne des Landes in der wissenschaftlichen Kenntniss der 
christlichen Religion, und insbesondere der evangelischen Confessionen, 
unterrichtet werden sollen, im Auge gehabt hat, indem es einen Mann in 
dieselbe berief, welcher es sich zur eigensten Lebensaufgabe gemacht hat, 
die heilige Schrift als ein menschliches Machwerk, als die Bearbeitung einer 
jüdischen Volkssage, voll von unsinnigen Widersprüchen, darzustellen. Man 
geübte an ihm, als dem Verfasser einer Schrift gegen die Anbetung des 
neiligen Rockes zu Trier, einen entschiedenen Bekämpfer des Katholicismus 
zu gewinnen; man hat aber noch mehr, einen entschiedenen Bekämpfer des 
geoffenbarten Christenglaubens an ihm erhalten. — Die bedeutendsten Ver- 
änderungen hat die philosophische Facultät im verflossenen Jahre erlitten; 
zwei Mitglieder derselben, Bayrhoffer und Hildebrand, haben sich in 
die Schweiz begeben, um dem gegen sie eingeleiteten gerichtlichen Verfahren 
wegen Hochverraths aus dem Wege zu gehen. So haben doch die Jahre 
seit 1848 für uns wenigstens denVorthcil gehabt, dass wir von diesen bei- 
den Männern befreit worden sind, die mit allen ihnen zu Gebote stehenden 
Kräften, der eine mehr beim gemeinen Volke, der andere mehr unter seines 
Gleichen, den Sinn für die christliche Religion und für die bestehende Staats- 
ordnung zu untergraben trachteten. Durch die Berufung Bunsens nach 
Breslau hat unsere Universität wohl den härtesten Schlag erlitten. Bunsen 
war vom seligen Berzelius selbst als der bedeutendste Lehrer der anorgani- 
schen Chemie in Deutschland anerkannt und sein Talent rief Jünglinge aus 
den verschiedensten Ländern, selbst aus der westlichen Hemisphäre in seinem 
Laboratorium und in seinen Hörsälen zusammen. An seine Stelle ist der 

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Allgemeine Correfpondeu« 81 

Hannoveriuier Kolbe berufen worden. Noch scheint die philosophische 
Facultat durch den Ruf des Professors der Geschichte nach Kiel eine Ver- 
änderung erleiden zu sollen. Wenn sich die Oberpostamtszeitung aus Mar- 
burg schreiben lasst/dass ,,dieser nicht leicht zu ersetzende Verlust'^ ncich 
abzuwenden wäre, so bezweifeln wir doch, dass hessischer Seits zur Fest- 
baUung Sybels besondere Mittel angewandt werden durften, da seine Tha- 
tigkeit als akademischer Lehrer dergleichen wohl kaum zu begründen ver- 
möchte, wenn es auch wohl Manchem wünschenswerth erscheint, dem Lande 
einen. Mann zu erhalten, der sowohl in den speciell -hessischen als den 
deutschen Angelegenheiten während der letzten Jahre eine so bedeutsame 
Rolle gespielt hat und der noch jetzt seiner Partei als der in den parlamen- 
tarischen Formen bewandertste zum Fuhrer dienen muss. Aus der Reihe 
der ausserordentlichen Professoren ist der Mediciner Robert ausgetreten 
und hat sich nach England begelien, wahrend der Architekt Lange för die 
Bauwissenschaft und der Dr. Wieg and für die Botanik hinzugetreten sind. 
Von ersterm hoflH man die Wiederherstellung der im Jahre 1846 durch einen 
Wbikenbruch zerstörten Elisabeth -Kirche, nachdem er auch die Kirche in 
Häina auf eine ganz originelle und der Zeit ihrer Erbauung entsprechende 
Weise hergestellt hat. 

Aus Kiel wird in der A. Z. berichtet, jüngst habe man in Schleswig. 
im Widerspruch gegen die auch von Russland vertragsmässig festgestellten 
Privilegien der Universität, ein dänisches Examen angeordnet und abgehalten, 
zu dem sieh freilich kein Schleswiger, aber sechs Dauert gestellt hätten. 
Diese ausgezeichneten jungen Herren hätten nur einiger Wochen bedurft, 
um in Kopenhagen die Rechte des Herzogthums kennen zu lernen , deren 
Studium- auf der Landesuniversität zwei Jahre erforderte. 

Aus Göttingen erfahren wir, dass das landwirthschaftliche Studiuni im 
zweiten Halbjahr bereits einen erfreulichen Aufschwung genommen habe. Es 
sind bereits 18 Studirende der Agricultur daselbst, wozu noch 6 Camerali- 
sten kommen, die landwirthschaftliche Studien betreiben. Nur die Hälfte 
gehört demlnlande an, die übrigen verschiedenen andern deutschen Ländern. 
Ein Vergleich mit den ersten zehn Jahren der Hohenheimer Akademie ergibt 
ein sehr günstiges Resultat für die Göttinger Anstalt. Die Studirenden der 
Landwirthscharft vereinigen sich einmal in der Woche mit einigen Professoren 
an einem, festgesetzten Abend zu \vissenschaftlicher und geselliger Unter- 
haltung. ' Die Meisten hatten sich zuerst auf grössern Ökonomien praktisch 
geübt und. erfreuen sich jetzt um so mehr eines günstigen Erfolges ihrer 
theoretischen Studien. 

In Leipzig ist gegen mehrere Studentenverbindungen . Untersuchung 
eingeleitet worden; eine, die, der gesetzlichen Bestimmung zuwider^ Nicht- 
studenten. (frühere Verbindungsmitglieder) zu Ehrenmitgliedern hatte, ist 
bereits aufgelöst worden. 

Aus Jena schreibt man uns, dass der Senior der philosophischen Facul- 
tat, der. würdige Bach mann, gefährlich darnieder Hege. Das Programm zur 
Feier .des Prerectoratswechsels von GHR. Dr. Göttling "Himmt Callimach. 
epigram^ XIV. in erneuete Untersuchung und das Vorwort zum Lectionskata- 
Jog enthält neue Beiträge zu Göttlings Sammlung und Erklärung der pytha- 
goraischen Sprüche , welche derselbe aus den jüngst aufgefundenen Philoso-^ 
|>humena des Origenes gezogen hat. 

Die. Universität Königsberg hat, wie man uns schreibt^ gegenwärtig 
29 ordentliche und 8 ausserordentliche Professoren, 16 Privatdocenten und 

Afcadem. Monatsschrift. Februar 1852. * 11 ^ 

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82 XUgvnieioe Cörrespondenz. 

6 Sprach- und Exercitienmeister. Die Gesammtzahl der Studirenden, i/v^elche 
im Sommersemester 332 betrug, beträgt im laufenden 347^ wovon 39 zur 
Iheologischen, 165 zur juristischen, 72 zur' medicinischen (darunter S.AusL), 
71 zur pWlösophischen Pacultät (darunter 1 Ausl.) gehören. Wie. viele 
Nfchtimmatrtculirte Vorlesungen hören , lässt sich nicht angeben , 'indem es 
jedem Docenten freisteht, wen er will, zu seinen VorlesungienzuzOldssen. * 

Aus Breslau schreibt die Schles. Z., dass Prof. Dr. Tellkaippf vom 
akademischen Senat die Aufforderung zugegangen, auf seinen^ Lehrstuhl 
zurückzukehren ^und seine nationalökonomischen Vorlesungen noch in dem 
laufenden Semester fortzusetzen. — In der letzten Versammlung 'des akade- 
mischen Dombauvereines, welcher Prof. Friedlieb prüsidirto, beleuchtete . 
das Mitglied Stud. Schiel die Bedeutung des Vereins in historisclieir und 
religiös-sittlicher Hinsicht, erinnerte an die Zeit der Stiftung (12, Deeembjer 
1849)^ als die^ ^tudirenden der katholisch - theologischen Facultat als Solche 
verschrieen wurden, die jeder höhern Idee abhold seien, di6se «her jenes 
Vorurtheil widerlegten, indem sie die grosse Idee zum Aufbau des erhaben- 
sten Denkmals deutscher Einheit, Religiosität und Kunst, zu der ihrigen mach- 
ten; seit damals ist <)urch die schwachen Privatkräfte von Studirenden nicht 
nur die bedeutende Summe von 3263 Thlr. zum Dombau aufgebracht, sondern 
es ist auch ein Vereinigungspunkt für die religiösen Akademiker geschaffen 
worden, dessen heilbringende Resultate in sittlicher Beziehung zur ..Zeit d^s 
Umsturzes nicht .genug gepriesen werden können. Der Präsident, erinnerte 
die Anwesenden, mehr Theilnahme dem Verein zuzuwenden, da 'dieselbe in 
;der letzten Zeit schwach gewesen. Aus dem Berichte des Kasi»frers ging 
hervor, dass der Verein jetzt 107 ordentliche (ausser den Alumnen) und 
28 Ehrenmitglieder zählt; die Einnahme betrug im letzten Halbjahr '1^4 Thlr., 
wovon nur 1 Thlr. Ausgaben abgeht. — Nach dem Vorgange des* ikademi- 
schen naturwissenschaftlichen, des katholischen Lese- und »des Vereins für 
deutsche Sprache, sowie der Seminare haben auch die Studirenden der 
Rechtswissenschaft einen wissenschaftlich juristischen Verein 'gestiftet,? dessen 
Zweck gegenseitige Belehrung durch Vorträge und Disputatioi)en ausmacht 'In 
der ersten neulich in einem üniversitäts- Auditorium abgehaltenen Versammlung, 
welcher der zum Vorsitzenden erwählte Commilito Clemens Stenzel präsi- 
dirte, wurde die Berathung der Statuten beendigt und durch einen Vortrag 
Von La m che. über die Zurechnungsfähigheit im Gebiete des Civilrechts aus- 
gefüllt. Die Professoren der juristischen Facultat sind als Ehrengäste höchst 
willkommen. — Der Vorstand der evangelischen Gemeinde zu Zohten a. B. - 
wendet sich in einem Aufruf, der am schwarzen Brett befestigt i^.t , ah die ^ 
Studirenden Berlins um Beiträge zur Erbauung einer evangelischen Kirche in * 
einem Städtchen, dessen Name so viele süsse Erinnerungen aus. einer acht 
burschikos verlebten Zeit bei den Husensöhneh hervorrufen müsse: , 

In M Unehren soll nach Art der Polikliniken für Hensohenheilkunde an 
der Central- Veterinärschule interimistisch eine Poliklinik für ^chirurgische und 
interne Krankheilen der Thiere errichtet und dieselbe den städtiiche/i Thier^ 
ärzten Niklas und Ramoser übertragen werden. Eine anderp füi' Seu- 
chen der landwirthschaftlichen Hausthiere dürfte bald folgen. ' 

In Würz bürg sind die Statuten der physikalisch-medicinischeti Gesell- 
schaft erschienen. Der Zweck der Gesellschaft ist Hebung der geisammte» 
Hedicln und Naturwissenschaft, gegenseitige Förderung in- diesen ^Wissen- 
dchaflen und naturhi^oriseh - medicinische Erforschung zunächst von Franken. ^ 

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Uoter «den H^ttela zvr Erreichung 4er Absicht ist auch Anlegung vpn S«mm- 
liingeo\der Naturgegenslande Frankens. s 

Soeben erhalten wir noch die Notizen über die FrequenzverhtiUnisse der 
(JniversitSt Wien im laufenden Semester. Die Gesammtzabl aller Studiren-* 
den, der immatriculirten und nicht immatriculirten, beträgt 2969, darunter 
1)8 Ausländer. Im Einzelnen studiren in Wien 148 katholische Theologen, 
i354 Juristen (darunter 14 Ausländer), 1152 Mediciner (darunter 98 Aus- 
linder), 144 Pharmaceuten (darunter 2 Ausländer), 171 Philosophen (darun- 
ter 4. Ausländer). Unter der Gesammtzabl von 2969 befinden sich 79lBioht 
immatriobljrte Studirende, d. h. solche, welche, ohne einer Facultai immalri- 
cülirt ^n sein, als ausserordentliche Zuhörer ein oder mehrere Collegien zu 
boren ^wünschen. Ein solcher hat sich persönlich bei dem Decan des Pro- 
fessorencoUegiums der Facultfit, an der er ein Colieg zu hören beabsichtigt, 
zu iBelden, und sein Nationale mit Angabe der Vorlesungen zu übergeben. 
EV kann eingeschrieben werden, wenn er wenigstens 16 Jahre alt ist und 
eineh Gfad geistiger Bildung besitzt, welcher den Besuch der Vorlesungen 
för ihn wunschenswerth und nutzbar erscheinen lasst. Zweifel über die Auf- 
nahme solcher ausserordentlichen Hörer sind vom Professorencollegium zu 
entscheiden. Der Unterschied zwischen immatriculirten und nichtimmatriculir^ 
ten H^rera besieht zunächst darin , dass nur erstere an den den akademi- 
scheiK Bürgern Zukommenden Rechten und Pflichten Theil nehmen: und diu*ch 
üß Aufnabine in die Facultätsmatrikel der speziellen Leitung und Aufsicht' 
eines , bestimmten Lehrkörpers und seines Decans unterstellt sind. Nur die 
laimatricUlirten Studirenden können die Zulassung zu den strengen Prüfungen 
oder ^n «olchen Staatsprüfungen erlangen, welche ein Facultatsstudium vor- 
aussetzen. . Unter die ausserordentlichen Hörer, die übrigens ebenso < wie die 
immatiriculirten zur Beobachtung der akademischen Gesetze verpflichtet sind, 
gehören insbesondere auch die Pharmaceuten. — Was die protestantisch* 
theologische Lehranstalt in Wien betrifft, so beträgt die Gesammizahl ihiser 
Studirenilenr 43, nämlich 25 Ungarn, 6 Schlesier, 6 Böhmen,. 3 Sjehenbä^er, 
2 Galfizier, 1 Mäbrer. Diese evangelisch^-theologische Facultät, für welche 
aus Staalsmitteln jahrlich allein an Professoi-en-Besoldungen, fesp. Pensionen, 
gegeif. 16000 fl. C.-M. und an Stipendien für Studirende 2400 fl. verausgabt 
werden, beginnt wissenschaftlich regsamer zu erscheinen, wie denn dieFür- 
sorge;des Unterrichtsministeriums ihr fortwährend zugewendet ist. Dr. Karl 
OUo, zu Michaelis v. J. als ordentl. Professor der Kirchengeschichte an 
die Fa9ültat berufen und unermüdet thatig, ist noch zum Supplenten für die 
fixegeso' Neuen Testaments ernannt worden; derselbe hatte schon wahrend 
seiner' Wirksamkeit an der Universität Jena letztere Disciplin in Vorlesungen 
behandelt. Der ordentl. Professor der Dogmatik augsb. Genf, an der Facul- 
tät Heinrich Stahlin hat von der altehrwürdigcn FacuItat zu Königsberg 
4ie theotogische Doctorwürde erlangt Der ordentl. Professor der praktischen 
Tbeoldgife) Karl Kuzmany erwarb sich dadurch ein besonderes Verdienst, 
flass er in einer evangelischen Kirche der Residenz einen Sonntags -Gottes«^ 
dienst für die hier lebenden Slaven evang. Conf. einrichtete, in welchem 
unt^r seindr Leitung Theologie-Studirende in slaviscber Sprache predigen. 

•Aus Wien bringt die A. Z. v. 3. Jan. einen interessanten Artikel, den 
wir hier aufnehmen: „Sie haben vor einiger Zeit (in Nr. 314 der Allg. Ztg. 
y^m »15. ^ov.) eine mir damals entgangene Notiz bezuglich des national- 
Qkonomischen Unterrichts auf den österreichischen Universitäten gebracht, 
welche 'i^icht npit Unrecht, besonders weil sie gerade in Ihr^m Blatte stand, 

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84 Allgemeine Correspondeiii. 

hier und da etwas bdses Blut gemacht hat, und die auch jetzt noch berich- 
^ tigt zu werden verdient. Die Jugend, hiess es dort, gleichsam zur Erklfir- 
' Qng der angeblich zahlreichen Anhanger des Prohibitionssystems im Kaiser- 
staat, die Jugend sei bisher auf den österreichischen Universitäten „mit der 
Mitcfa der Mercantil-Theorie^^ genährt worden, und diese falsche Anschauung 
sei nicht aus den Köpfen zu bringen. Bestehen im übrigen Deutschland 
überhaupt nur zu viel schiefe und falsche Vorstellungen von den Bildungs- 
ztttsanden und dem ganzen Entwicklungsprocess in Österreich, so kann eine 
Bemerkung wie die angezogene wohl biass dazu beitragen, dieselben, auch 
auf ein Gebiet überzupflanzen , wo sie wirklich am wenigsten Verdient 
scheinen, wie ja schon die gegen eine Hochfluth widerstrebender. Interessen 
eben durchge fährte Zollreform schlagend beweist. Man muss sich aus- 
wärts ge%viss eine sehr unerquickliche Vorstellung von dem Unterricht machen, 
welcher bisher auf den österreichischen Universitäten in der Vpikswirth- 
schaflslehre ertheilt wurde, wenn selbst ein mit unsern Zustanden naher ver- 
trautes Blatt, wie die Allg. Zeitung, derlei Irrthumern Raum gibt. Obgleich 
Ihre Notiz aus einer österreichischen Quelle geflossen ist, so kann sie doch 
sicher von Niemand herrühren, der die österreichischen Universitäten selbst 
besuchte oder. doch kennen lernte. Selbst Prof. v. Sonnenfels, der vor 
etwa einem halben Jahrhundert auf der hiesigen Hochschule Handelswissen- 
schaft und Nationalökonomie docirte, war schon weit entfernt; dem Mercantil- 
system blindlings zu huldigen, er neigte sich vielmehr entschieden der Lehrte 
der Physiokraten zu. Besonders sein Nachfolger, der von seinen zahlreiche^ 
Schalem mit Recht gefeierte Prof. v. Kudler, ein Mann von Geist, Ünab^ 
hAnf>igkeit, Witz, mit den umfassendsten Kentnnisseii und ausgebreitetsten 
Erfahrungen auf dem nationalökonomischen wie juridischen Feld ausgestättel, 
bat der Wirthschaftslehre auch in Österreich eine ganz neue Bahn gebrochen 
und die Fackel der Wissenschaft auf diesem Gebiete hell leuchten lassen. Er 
hat wahrend dreissig und einigen Jahren von der Lehrkanzel herab eine 
geläuterte Erkenntniss der Volkswirthschaftsgesetze mit dem lohnendsten 
ErfoTge zu verbreiten gesucht — denn überall findet sich Empfänglichkeit für 
die Wahrheit — und über die Mercantiltheorie mit ihren Irrlehren vom Activ- 
und Passivbandel sich fortwährend im wesentlichen ganz so erklärt, ^ie es 
in seinen im Jahr 1846 erschienenen „Grundlebren derVolkswirthschafl'^ gedruckt 
zu lesen ist — einem Buche, das, nebenbei bemerkt, zwar nur zwei mflssige 
Bände enthält, das aber die wissenschaftliche Kritik als eines der ausgczeichr 
netsten Lehrbucher der Nationalökonomie anerkannt hat. Ganz im nämlichen 
Geiste, wie hier in Wien, lehrten und wirkten an den Universitäten Prag, 
Grätz, Olmütz, Lemberg, Pesth etc. Männer wie Watteroth, Kopetz, Nowak, 
Tomaschck, Schreiner, Störer, Scari, Tipula und Andere. Sie alle erklärten 
die Anschauungen des Mercantilsystems öffentlich als irrig und* unhaltbar, 
nnd bemuhten sich in ihren Vorträgen, dieselben auch nachdrucklich zu wider- 
legen. Dass den Köpfen der Zuhörer also nicht die „Schiefheiten des'Mer- 
cantilismus eingepfropft*' wurden, dass sie nicht in die „Träumereien von 
Gewinnung des activen Handels'* eingewiegt wurden, dafür zeugen auch die 
nationalökonomischen Schriften mancher dieser jungern Österreicher, welche 
wie Schön, v. Veslenek, Schindler, Hock und Andere mehr aus jener Schule 
hervorgegangen waren, und die wahrlich nicht erst auf dem schwierigen Pfade 
ihrer Selbstbildung etwa aus den öffentlichen Vorträgen eingesogene Irrleh- 
ren wieder abzustreifen nöthig hatten. Dafür zeugt ganz insbesondere aber 
die unläugbare Thatsache, dass für die grundliche Zollreform in Österreieb 



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Allgemefaid CorreqtmMleu. W 

Toin Männern eben dieser Schule itamentKch seit einem Jahrzehnt merrdüi^ 
lieb gekSmpft worden, und dass dieselbe endlich, getragen Von der öffentlichen 
Meinung Österreichs, dann auch zum Siege gefahrt worden ist. Mit diesem 
Ausspruch soll das hohe Verdienst jener Staatsmanner, weiche das Reform* 
werk in ihre Hand nahmen und glucklich praktisch vollbrachten, nicht im 
Slindesten geschmälert werden. Allein wie wurden sie Angesichts der ausser« 
ordentlichen Schwierigkeiten, welche sich demselben entgegenthurmten , und 
die noch in den Jahren 18^749 selbst in Frankfurt den wärmsten Freunden 
Österreichs unöberwindlich dankten, Angesichts der zahlreichen, gewiss schwer 
wiegenden Interessen, die sich von allen Richtungen her an das aHe bestehende 
System fest klammerten — wie wurden sie mit aller ihrer Thatkraft dennoch 
das Werk haben vollbringen können, wenn nicht die Wissenschaft von den 
Universitäten aus die ökonomische Leuchte angezündet, eine eben so intelligente 
als patriotische Propaganda für die Zollreform begründet und die öfTentliche 
Meinung des Reichs auf die Zweckmässigkeit und Noth wendigkeit derselben 
vorbereitet hatte ? Tauchen daher in den ökonomischen Raisonnements unserer 
Presse auch noch immer manche irrige Ansichten über Handelsbilanz etc. auf, 
so finden sich solche in den entgegengesetzten Beziehungen ja allenthalben vor, 
und sie rühren hier nicht aus den österreichischen Universitäten, sondern von 
Solchen her, welche, wie ein geistreicher Mann in der „P res se" sagte, „diese 
nicht oder doch nicht mit Erfolg besucht haben.'^ Es ist übrigens eben so 
begreiflich als naturlich, dass in den Kreisen der Industriellen sich vieifacii 
eine lebhafte Abneigung gegen die Zollreform kund gab, dass mancherlei 
Vonirtbeiie und Besorgnisse sich dagegen regten und noch regen ; am Ende 
tritt Niemand freiwillig gern aus gewohnten Verhältnissen heraus, zumal wenn 
er sie för vortheilhaft halt, oder sie ihm wirklich sichere Vortheile gewähren. 
Allein kann man für diesen in der menschlichen Natur begründeten Umstand 
die Wissenschaft und die Professoren, die sie vortragen, verantwortlich 
machen? Das neue österreichische Tarifsystem ist unendlich rationeller, con- 
sequenter und massiger als das bunte, wirre, widerspruchsvolle französische 
Ausschluss -Zollsystem. Will man denn auch dafür, dass ein solches Zoll- 
system in der;- transrhenanischen Republik von gestern, die heute schon zu 
existiren aufgehört hat, fortwahrend Bestand hat, etwa die französischen 
Universitäten und Nationalökonomen, unter denen es doch anerkanntermassen 
Hanner der Wissenschaft ersten Ranges gibt, zur Verantwortung ziehen ?^^ 

In Wien starb am 24. Jan. der a. o. Professor der slaviscben Aller- 
thümer, sUvischer Dichter und Alterthumsforscher Johann Kollar in einem 
Alter voii 59 V, Jahren. Seine werthvolle Bibliothek vermachte er dem slo- 
wakischen Institut in Pressburg. Er war im Jahr 1793 den 29. Juli zu Mos- 
sotz in der Thurotzer Gespanschafl geboren, wo ;5iein Vater Notar war, stu- 
dirte in Pressburg protestantische Theologie, wurde im Jahr 1819 als Caplan 
bei der evangelischen Kirche in Pesth und nach dem Tode seines Vorgängers 
als wirklicher Prediger angestellt, und blieb auch daselbst bis zum Jahr 1849 
wo er zum Professor der slaviscben Alterthumer in Wien ernannt wurde. 
Johann Kollar hat an. der geistigen Erhebung der Westslaven einen sehr 
bedeutenden Antheil; das Werk^ welches zuerst seinen Ruf gründete, ist ein 
lyrisch-episches Gedicht: Slavy dcera, die Tochter des Ruhms. Es erschien, 
nachdem einzelne Gedichte schon im Jahr 1821 zu Prag erschienen waren, 
in drei Gesangen im Jahr 1824 zu Ofen, dann in fünf Gesängen im Jahr 
1832 zu Pesth. Nach der Vesna, einem zu Wien erscheinenden belletristischen 
Blatt (Nr. 7 d. J»), entstand der erste Gedanke dazu in Sachsen, als er so 

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88 A^igVBB^lnp Corr^pp^iid^Bs» 

iciele ehßmals slavi^che, jetzt aber verdeutschte Dörfer, Städte und Land^trid»^ 
aah. Diese bald scbwermuthige, bald bittere Klage um die sinkende slavische 
Rationalität bildet nicht bloss den Grundzug seiner spatern Schriften, sondern 
man kann wohl $agen seines Lebens, und der Gedanke, der ihn * beseelte, 
ist in der deutsch verfassten Schriß „über die literarische Wechselseitigkeit 
zwischen den verschiedenen Stammen und Hundarten der slavischen Nation^^ 
ausgedrückt; er wünschte, dass eine alle Slaven umfassende literarische 
Genossenschaft entstehe, welche einen Damm gegen das Eindringen des 
Deutschthums bilden könnte. Man gab ihm politische Absichten, die gewiss 
ursprunglich nicht in seiner Absicht lagen, schuld, und er sah wjohl den 
immer heftiger werdenden Streit mit UOmuth, um so mehr, als er selbst io 
seinen Verhaltnissen zur magyarischen Regierung und deren Hagyarisirangs* 
planen darunter zu leiden hatte. In den letzten Jahren, schon yor 1848, 
widmete er sich immer eifriger den slavischen AlterthüWiern, welchem Stu- 
dium er später seine Berufung nach Wien verdankte. Zwei Werke hat er 
nahezu vollendet hinterlassen, das im vorigen Frühjahr angekündigte Werk: ' 
,^as slavische Alt-Italien^S zu dem sich schon in seiner Reise durch Ober- 
italien, Tirol und Bayern die Grundzüge finden, und welches in böhmischer 
Sprache erscheinen sollte; das zweite sind die „Götter von Retra^S das 
hauptsächlich auf Veranlassung des. Grossherzogs von Mecklenburg -Strelits 
verfasst wurdä. Ober die Art, wie er theils bewusst, theils unbewusst iu 
(Ke Bewegungen seiner Zeit eingriff, ist es wohl zu früh, ein ganz sicheres 
Urtheil zu fällen; er folgte einem Innern Drang, und wV^nn die Folgen wei- 
ter reichten, als er ursprunglich beabsichtigte, so kann, map ihm diess min* 
destens nicht als persönliche Schuld anrechnen. (Ausl.) 

Die Universität Bern zählt im laufenden Semester 184 Studirende, 
darunter 45 aus andern Cantonen und 10 NichtSchweizer. Theologie studi- 
ren 25, Jurisprudenz 64, Hedicin 48, Thierarzneikunde 25, Philosophie 23. 

Einer Correspondenz der A.Z. aus Florenz entnehmen wir die Nach- 
richt, dass in Toscana Lyceen errichtet werden. „Wir verdanken^ sagt der 
Correspondent, zunächst dem Unterrichtsminister Marquis Boccella diesen 
glucklichen Entschluss, wofür man ihm die unselige Halbirung ;der Universi- 
tät Pisa verzeihen wird, welche man beiläufig immer noch ^Is eine temporäre 
Einrichtung anzusehen sich die Muhe gibt. Die Errichtung von LyiSeen 
könnte zur Restitution Pisa's in den vorigen Stand leicht den Weg bahnen, 
da sich für Siena auf diese Weise eine Entschädigung für die neue Univer- 
sität anweisen liesse. Der Mange^an Gymnasial-Unterricht war für Toscana 
um so drückender, als das Land voll ist von glücklichen Talenten, die sich 
entweder nicht entfalteten, oder die zum grossen Verderb des öffentlichen 
Geistes ohne Gründlichkeit^ aufwucherten und in der Literat«(r vagabundirten. 
Vergebens sieht man sich um nach würdigen Nachfolgern eines Rosini, Cen- 
tofanti, Nicolini drc, deren Glanz noch heute auf der classischen italienischen 
Literatur ruht. Für die, welche die herrlichen Tage der Anthologie kannten, 
ist der jetzige Müssiggang doppelt betrübend. Tüchtige Arbeiter, grosse 
Unternehmungen, Liebe zum Studium werden immer seltener, und mit WehT 
muth blicken wir auf das kleine Häuflein, das sich gegen die Theilnahmlosig- 
keit der Zeit wehrt, und die noch mit Herz und Gewissen ihre Studien pfle- 
gen. Solche Gefühle haben mich neulich bei einem Besuche im Palaste Pitti 
beschlichen, dessen reiche Bibliothek 100,000 Bände zählt, zahlreich vermehrt 
durch den Grossherzog, und werthvoiler durch die« Arbeiten des neuen 
Riblipthekars Ritter Palermo, der nacb einem selbst erfundenen classischejD 

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Allgemeine Cörrespohdens. €7 

Muster den Bacher- und Manuscriptenschat^ jetzt ordnet. Dort ist auch 
Hr. Alberi anzutreffen, der taglich sechs Stunden an seiner grossen Ausgabe 
der Werke Gatrlei's arbeitet, wozu der Grossherzog den Gedanken und die 
Ermimterilng geliehen, und wovon nächstens zwei Bände erscheinen werden, 
die höchst interessante Correspondenzen von mehr als tausend damals berühm- 
ter Leute enthalten. Unter diesen habe ich auch als Kostbarkeit mit grosser 
Andacht ein Authograph Ihres grossen Landsmanns Kepler betrachtet/^ 

An der Universität in Rom ist ein Lehrstuhl der Agricultur errichtet 
worden, an den sich Aussichten und Hoffnungen auf eine bessere Zukunft 
für die Landwirthschaft im Kirchenstaat knüpfen. — Übrigens ist unter den 
öffentlichen Instituten Roms während der Republik kein anderes in seiner 
Verwaltung, so sehr zurückgekommen als die Universität. Man beeilte sich 
damals sonderlich die flüssigen Fonds den Händen der geistlichen Administra- 
toren zu entwinden, wobei Manches in Privatsäckel geflossen sein mag. Die 
ökonomische Verwaltung des Instituts vor gänzlicher Zerrüttung zu bewahren, 
hat der Pabst selbst zu ihrer Wiederordung eine ausserordentliche Commis- 
sion unter dem Vorsitz seines Erzkanzlsrs Cardinal Riario^Sforza niederge- 
setzt. Die Zahl der Studirenden der röm. Universität beträgt im Augen* 
blick nur wenig über 500. 

Die in <jenua von Tcfrenzio Graf v. Hamiani gestiftete Akademie der 
italienischen Philosophie erfreut sich eines guten Gedeihens. Eine besondere 
Classe von Beförderern dieser Akademie bringt die erforderlichen Geldoiittel 
auf. In Italien ist es leicht, zu solchen wissenschaftlichen Unternehmungen 
wohlhabende Gönner zu finden, da hier gewöhnlich die erste Gesellschaft 
auch die gelehrteste ist. 

Aus Parrs wird geschrieben, dass laut Decret die Baulichkeiten der 
Sorlionne definitiv an äie Stadt Paris, die schon lange Ansprüche darau) 
erhob, als Eigenthmn übertragen worden, wogegen sie aber die Verpflich* 
tung übernimmt, auf ewige Zeiten die Akademie des Seinedepartements, so 
wie die theologische, wissenschaftliche und philologische Facultät (larin zu 
belassen und für dfe Unterhaltung der Baulichkeiten zu sorgen. — Ein ande- 
res. Decret nimmt sämmtliche Freistellen in den Staatsgymnasien oder Lyceen, 
etwas über 1000 an der Zahl, die durch ein Decret der constituirenden Ver- 
samitilung zur Hälfte für die Söhne unbemittelter Privatpersonen geöffnet 
worden waren, während indessen eine Massregel Napoleons 2400 solcher 
Freistellen ausschliesslich zur Belohnung der dem Staat geleisteten Dienste 
bestimmt hatte, wieder ausschliesslich für die Söhne verdienter Militär* und 
Civilbeamten in Beschlag und setzt ausserdem anstatt der bisherigen öffent- 
lichen Bewerbung um die Staats-, Departemental- oder Communalfreistellen 
ein Prüfungsverfahren zur Feststellung der nöthigen Vorkenntnisse und Reife 
ein.' Der Präsident der Republik ernennt alsdann auf den Vorschlag des 
Unterrichtsministers zu den ganzen, dreiviertel- oder halben Freistellen. — 
Der Präsident soll übrigens dem Plane nicht abgeneigt sein, die Universität 
von Frankreich auf den kaiserlichen Fuss wieder herzustellen, d. h. als eine 
selbstständige von einem Grossmeister regierte Körperschaft, was mit der 
Absorption des Unterrichtsministeriums in dem des Innern in der engsten 
Verbindung steht. Vülemain soll schon angegangen worden sein, die Stelle 
eines Grossmeisters zu übernehmen, aber ausgeschlagen haben. Cousin, an 
den hierauf gedacht' worden , würde acceptirt haben/ soll aber wieder auf- 
gegeben sein und so sei man bei dem gegenwärtigen Unterrichtsminister 

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66 Zar Getcbichte der k. Leo|»oldiDiicb»C«rottiiiidfeD Akademie der Natorforidier. 

Fortaul stehen geblieben. Die katholische Partei ist durch diese Plane in 
lebhafte Besorgniss versetzt. 

Die Anzahl der Sludirenden auf den hollandischen- Universitäten betragt 
dieses Jahr: in Utrecht 405, in Leyden 396, in Groningen 259. 

Aus dem Haag berichtet das Handelsblad, man versichere, dass die 
neuernannten Hitglieder der an die Stelle des königlichen Instituts erriehte* 
ten Akademie der WW., mit Ausnahme von acht oder nenn, sämmtllch die 
Ernennung abgelehnt haben. Doch soll nach der A. Z. die Ablehnung in 
Folge eines eigenhändigen Schreibens des Königs zurückgenommen worden 
sein. — Der Gesetzesentwurf über den höhern, mittlem und niedern Unter- 
richt, der bereits ausgearbeitet ist, wird nächstens den Generalstaaten vor- 
gelegt werden (sieh oben S. 64). 

Der preussische Gesandte in London, Ritter Bunsen, hat mit den 
deutschen Professoren Brandis in Bonn und Lob eil. in Marburg nach der 
A. Z. ein in englischer Sprache verfasstes Werk in England jungst heraus- 

fegeben, welches das Leben des berühmten Historikers B. G. Ntebuhr und 
essen Briefwechsel nebst Abhandlungen über den Charakter und Einfluss 
dieses auch in England hochgestellten Schriftstellers enthält. Was über 
Niebuhr in Bezug auf sein diplomatisdies Wirken zu Rom in diesem Werke 
gesagt wird, hat Hr. Bunsen bearbeitet. Brandis beschäftigt sich darin haupt- 
sächlich mit den Charakterschilderungen, und Löbell mit Lebensnachrichten 
iber Niebuhr Die englischen Literaturblätter spreohen sehr günstig von 
dieser Schrift. 



Zur GeseUehte der kaiserlichen Leoitoldiniseli-GaroUniselien Akademie 

der Natorforseher. 

Am ersten Januar 1852 hat die Akademie des weiland heiligen römischen 
Reiches deutscher Nation das zweite Jahrhundert ihres ^ Bestehens zurück- 
gelegt und verdient wohl, dass wir auf ihre Entstehung urld ihr bisheriges 
ruhmvolles Wirken einen Rückblick werfen; um so mehr, als eine fränkische 
Stadt die Wiege, und fränkische Gelehrte die Stifter dieses Nationalinstituts 
gewesen sind. Die Geschichte weist uns nach, dass, gleichwie zuerst in 
Deutschland der Versuch, eine Universität nach dem Vorbilde der Pariser zu 
gründen, inWürzburg*) um 1284 geschah, so auch der Impuls zu der ersten 
deutschen Gelehrtenassociation von einem Franken ausging, und seit dem 
Aufblühen classischer Bildung, bei Gründung von Anstalten und Vereinen 
zur Förderung von Kunst und Wissenschaft im In- und Auslande, fränkische 
Gelehrte niit Vorzug betheiligt waren. Deutschlands erster (vom Kaiser 
Friedrich IV. zu Nürnberg, 18. April 1487) gekrönter Dichter, Konrad Gel- 
tes aus Wipfeld, stiftete während seines Aufenthaltes zu Mainz 1493 die 
rheinische, dann zu Wien 1497 die danubische (Donau-) Gesellschaft. Die 
ruhmlichen Versuche des F.-B. Friedrich von Wirsbcrg, um 1560 eine höhere 



*) Gropp, scriptor. I. 54. Uo^umMge Zeitverbfillnisse haben die Entwickelungen einiger 
gelehrten Institute leider im Keime erstickt, z. B. die Akademie der deutschen Sprach- und 
Alterthumsforschung, projectirt yom Historiogrnphen J. G. von Eckhart, 1726 — die Real- 
sdittle des Prof. Job. Ph. Fr. Goldroayer, 1768 — und in neoeref Zeit die deutsche Aka- 
4<iniie der phirargie des Job. Barth, von Siebold, 180^. 



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Zur Getchichte der k. LeopoldiDisch-Carolinifcheii Akademie der Natorfoncker. 89 

BildoniJrsanstaU zu gränden, der gastfreie Hof and die reiche Bibliothek des 
edlen Dechants Erasmus Neustetter, dann die grosse Kunst- und Naturalien- 
Sammlung des gelehrten Domscholasters Johahn Egenolph von Knöringen, 
zogen im sechzehnten Jahrhunderte viele Gelehrte aus Frankreich und Italien 
nach Wärzburg. 

Knöringen hatte mit ausserordentlichem Kostenaufwand eine Sammlung 
von Buchern, Manuscripten, Bildwerken; Münzen, Waffen, ausgestopften Thie-* 
ren, Petrefacten, Pflanzen, römischen Maassen und Gewichten drc. angelegt -- 
wohl das reichste Privatmuseum jenes Jahrhunderts — vermachte jedoch 
diesen Schatz nach seiner Wahl als Fürstbischof von Augsburg (f 1575) der 
Universität Ingolstadt. Bei dem freundschaftlichen Verbände, in welchem 
Franken früher mit Italien*) stand, lag die Anregung durch das Beispiel der 
Italiener, welche um jene Zeit zahlreiche gelehrte Akademieen und Sociela- 
ten bildeten (deren. Titel und Institutionen sich durch mythologische und 
allegorische Anspielungen auszeichneten) als ein Muster des Anstrebens für 
Franken nahe, und dieses fand denn auch hierorts alsbald Nachahmer. Johann 
Clai, gekrönter Dichter, Pfarrer zu Kitzingen (f 1656), gründete im Jahre 
1644 mit andern Studiengenossen den gekrönten Blumenorden an der Pegnitz. 

Am 1. Januar 1652 stifteten vier Ärzte der freien Reichsstadt Schwein- 
furt daselbst einen Verein, welchem sie. den Namen Academia naturae curio- 
sorum gaben. Die Namen dieser Stifter waren Dr. Job. Lor. Bausch aus 
Schweinfurt, mit dem Beinamen Jasoi> (f 1665); Dr. Job. Mich. Fehr, ass 
Kitzingen, mit dem Beinamen Argonau|a (f 1688); Dr. Georg Balth. Me-tx« 
ger, aus Schweinfurt, genannt Amoriktis (f als Professor der Hedicin in 
Tübingen 1687); und Dr. Georg Balth. Wohlfahrt, aus Schweinfurt, genannt 
Alceus (t 1674). Der Zweck dieses Vereins war, nach den an demselben 
Tage ausgefertigten ersten Statuten, Beförderung der Heilkunde, insbesondere 
der Heilmittellehre durch eigene Beobachtungen und Monographieen, Mit- 
theilung solcher Arbeiten an die • übrigen Hitglieder und gegenseitige Ver- 
pflichtung zur Berichtigung und Erweiterung der gemachten Erfahrungen, 
so dass jede im Scboosäe der Akademie sich entwickelnde Arbeit Gemeingut 
aller Mitglieder wurde. Sich weiter in neuen Mitgliedern über das ganze 
deutsche Vaterland zu verbreiten, lag 'wesentlich im Begrifl'e der Stinung, 
und jedes Mitglied machte sich verbindlich , neue würdige Genossen dem 
Vereine zuzuführen. An der Spitze der Akademie stand ein Präsident; zwei 
Adjuncten sollten als Sccretäre thatig sein, deren einer nach des Präsidenten 
Tode ihm in dieser Würde nachfolgen sollte. Alle Mitglieder trugen einen 
Siegelring von zwei Schlangen umwunden mit dem Emblem der Akademie, 
einem offenen Buche und der Inschrift': Nunquam otiosus. In Nachahmung 
ihrer italienischen Vorläufer benannten sie sich mit Anspielung auf den alt- 
griechischen Mythus nach dem Namen der Argonauten. Die Akademie ent- 
wickelte sich rasch und fand bei den Gelehrten aller deutschen Gaue, sowie 
im Auslande, lebhaften Anklang. Von Seite der Universität Wurzburg beihei- 
ligten sich zuerst an derselben die Professoren der Medicin Nik. Balh. Merz 
1654; Job. Ad. Stör 1655; Job. Jak. Sauer 1661 und Hier. Konr. Virdung 
von Härtung 1664, dann der Physikus I. F. Allmacher zu Aschalfen- 
burg. Der gelehrte Hanauer Kaufmann Georg Eberh. Bumph, Vorstand 
der holländischen Handelsgesellschaft auf Amboina, Mitglied der Akademie, 



*) Stipendien fOr. fränkische Sladireode Waren anf den Universitäten zu Bologna, Padua 
und Perugia gestiftet. 

Akadem. Monatsvchrifl. Februar 1852. 13 



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90 Zar GefchjclMe ißt k, LpppoIdi«ijsch*CaroUoi8ch«|i Mademio 4er JfmjgifS9^9tj»$v. 

sendete J1686 darselbep mehrere Ki$ton mit Naturalien, darunt<sr me Na»ti- 
lusn^uschel von ungewöhnlicher Grösse und Schönheit^ welche der Präsident 
Fehr sofort dem Kaiser Leopold I. mit einem auf den Verein anspieiendcn 
Empfehlungsschreiben als Geschenk Übermächte* Per Physikus I. Sachs 
von Lewenheimb *) zu Breslau veranlasste zuerst die Herausgabe der regd- 
mäs$igen Druckschriften, EphemerideUf der Gesellschaft und empfahl dieselbe 
dem kaiserlichen Hofe. 

Am 3. August 1677 erhielten die erweiterten Gesetze der Akademie di^ 
allerhöchste Bestätigung Kaisers Leopard L und der Verein selbst di«Erlaob- 
niss, sich Sacri Rom. Imper. Academia nalurae curiosorum zu nennen. Ein 
^eues Decret vom 7. August 1687 fugte diesem Titel das Prädicaft caesaren 
Leopoldina bei und verlieh der Akademie eine der höchsten und bedeutsaai*- 
sien Stellungen, welche je eine gelehrte Gesellschaft genossen bat. Sie erhielt 
ein Wappen, der Präsident und der die Herausgabe der Ephemeriden leitende 
Director wurden mit dem Titel inls kaiserliche Archiaten sowohl für dan 
deutsche Reich als die übrigen Erbstaaten mit dem Adelsstände und der 
Wurde und den Privilegien von Pfalzgrafen des Kaiserlichen Hofes und des 
b. Palastes zu Lateran geschmückt. Die Druckschriften der Akademie unler- 
lagen keiner Censur, genossen vollkommene Pressfreiheii und durften nirgends 
nachgedruckt werden- 

Ein Decret Kaisers Karl VIL'vom 12. Juni 1712 vertieh der Akademie 
den erweiterten Titel: S. Rom. Imp. Academia nat. cur. eaesar. Leopoldino- 
Carolina. Die Zahl der Adjuneten wurde auf 12 — 16 erhöht, um die Wirk- 
samkeit des Vereins über ganz Dentschland zu erleichtern. Die Verwaltung 
des Vermögens derselben lag dean Präsidenten ob. Dieses Vermögen bestand 
Hfsprunglich aus freiwilligen G6schenfcen neu aufgenommener Mitglieder, 
fewöhnUch im Betrage von 1-2 Ducaten, dann in den Vermächtnissen des 
Physikus Dr. Genssel zu Ödenburg von 6000 Gulden und des Archiaters 
Tolhenius zu Berlin von 1000 Thalern- * (vom jetzigen Präsidenten auf 1200 
Thaler erhöht). 

Die Naturaliensammlung der Gesellschaft wurde in neuerer Zelt verkauft, 
die ausgesuchte Bibliothek derselben^ aber wird zur Zeit :i^u Poppeisdorf bei 
Bonn aufbewahrt und vom Herrn Stadtrath Henri verwaltet. 

Die schriftstellerische Thätigkeit >der Akademie begann mit der erstep 
Decurie der Ephemeriden im Jahre 1670 und lieferte bis 1791 eine Reihe 
von mehr als 50 mit erläuternden Kupfertafeln und Portraiten gezierten 
Quartbänden, ausser mehrern einzelnen Druckschriften verschiedener Mit- 
glieder, welche „ad normam et formam af^ademiae^^ überschrieben waren. 

Nachdem des heil, römischen Reichs altersgraue Majestät in den Stür- 
men des beginnenden neunzii^hnlen Jahrhunderts erloschen *^) , wurde auch 
die literarische Wirksamkeit der Akademie gelähmt, f 791 — 1817 erschien 
keine Fortsetzung der Ephemeriden, 'bis der damalige Präsident, Professor 
vo'i Wendt in Erlangen, dem Dr. Neos v. Esenbeck, Adjuneten der 
Akademie zu Sickershausen bei Kitzingen, die Herausgabe der Nova api« 
drr Akademie übertrug, deren neue Folge auch 1818 in der Knenleinischen 
OOicin zu Marktbreit zu erscheinen begann und nunmehr 35 Quurtbandtf 

*} Seine Ambelograpliia, gedruckt 1661, enthfiU eine lesensweithe Geschiebte des Wein- 
baue» in Kranken. 

**) Ein be^tonderer Gönner der Akademie war um dicce Zeit dar bachfaeisif« Carl Theo- 
dor von Da.berg luit dem Zunamen Apollo Mudagetes. 



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Etau GMtAtntat toft Kai^f Vriedriclr roa tedebour: 91 

ziML Di^ Ameiihl der Hitglfeder der Akademie belief sieb im verflossenen 
JahrMr372. Eine Unterdcheidungf in Ehren-, wirkliche und correspondircndo 
Hitglieder Sndet nicht statt. Durch die Vocation des dermaligen hochver- 
dienten Präsidenten der Akademie, Nees v. Esenbeck, nach Bonn und spä- 
ter nach Breslau, wanderte der Sitz der Akademie (der nach den Statuten 
an den Wohnort des Präsidenten gekettet ist) von Bayern nach Preussen, 
vo sie als eine freie deutsche Corporation anerkannt und ihr seit neuerer 
Zeil eine jährliche Unterstutzungssumme von 1500 Thalern bewilligt wurde. 
Auf dem deutschen Universitätscon^rress zo Jena und im deutschen 
Parlament tu Frankfurt worden verschiedene Anträ^^e auf eine ReireneraDon 
der Akademie gestellt, in Folge deren und der öffentlichen Erklärung 4eB 
zeitlichen Präsidenten Nees v. Esenbeck, von der Leitung der Gesellschaft 
zurückzutreten und dieselbe einer NeuwaM zu unterstellen, die Akademie 
sich zur Zeit in einer Krise beOndet, die für dieses ehrwürdige Institut, 
welches die Herrlichkeit des heiligen römischen deutschen Reiches, gleichsam 
als dessen geistige» Glied, überlebt hat, eine erfreuliche Zukunft herbei* 
fttbreii anoge. (N. W. Z.) 



VL 

Zddi Gedäclitaiss von Karl Friedrich von Ledebtiiir, 

kaiserlich russi8cbem StaaUratli uad Pro/esaor eaieritus der UaivenüSt Uorpal*). 

Von Ledebour, aus einer alten vorpommer'schen Familio abstammend^ 
ward 1785 am 8. Juli zu Stralsund geboren, woselbst sein Vnler, k. schwe-' 
diseher Militär und Oberauditor, in Garnison stand. Den Vnter hat er nicht 
gekannt, denn er erblickte, der lelzt^e unter niehrern Geschwistern, einige 
Wochen nach dessen Tod das Licht der Welt. Frühzeitig auf eigene Kraft 
an^wiesen, wendete sich der junge Mann zunächst auf die malhenfatischen 
Wissensehaflen , und zwar mit solcher Begabung und solcht'm Erfolg, dass 
er schon im 15ten Lebensjahr die Universität Greifswald beziehen konnte. 
Hier ward ihm Karl Asmund Rodolphi, der berühmte Physiologe, väterUcher 
'Lehrer und Leiter. Das auf äussere Anregung ergriffene Studium der Rechts- 
Wissenschaft trat alsbald vor dem innern Beruf zur Mathematik und zu den 
Naturwissenschaften zurück. 

Um sich einem Staatsexamen aus der Mathematik und praktischen Geo- 
metrie zu unterwerfen , begab sich v. Ledebour nach einigen Jahren in die 
Hauptstadt Schwedens. Hier entschied der Umgang mit den beiden berühmten 
Schülern Linne's, mit Thunberg und Olav Swartz, und eine Reise in das 
nördliche norwegische Gränzgebirg, wohin er einen Bergbaubeamten begleitete, 
für immer die Wahl der Lebensbahn. Zwar kehrte er mit einem OfBciers- 
patenl und der Aussicht auf eine Anstellung als praktischer Geometer nach 
Creifswald zurück; als ihn aber sein Gönner Rudoipbt drängte, sich um die 
von ihm zu verlassende Lehrstelle bei der Universität zu bewerben, unterzog 
er sich am dritten Tage nach der Heimkehr dem Doctor -« Examen , schrieb 
seine Inaugural- Abhandlung, Dissertatio botanica, sistens Plantarum Domin- 
gensium Decadem, und schon im 20ten Lebensjahr war er Dcmonstrator der 
Botanik und Director des botanischen Gartens zu Greifswald. 

*) Aus der akademifchen Ehrenerwäbnuai; ia der feierlichen Sitioag derMOncbner Aka- 
det WisseloBchanen am 27. November, Yon Uofrath y. Blai-tias. 

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92. Zum GedScbtnits von Kerl Friedrich Yon Ledeboar. 

Einem Ruf als Professor der Naturgeschichte im Allgemeinen und der 
Botanik im Besondern an der Universität Dorpat folgend , begab er sich im 
Jahr ISll für einige Zeit nach Berlin, wo der berühmte Systematiker Will« 
denow und Pallas, der grösste Naturforscher, den Deutschland hatte nach 
Russland ziehen sehen, ihn mit grossartigen Entwürfen für die naturwissen- 
schaftliche Aufhellung des ausgedehnten Reichs entflammten. 

Nicht ohne persönliche Gefahren erreichte er den Ort seiner Bestimmung;, 
denn in Preusscn bereitete sich damals ein blutiger Kampf vor, und Ledebour 
musste, den heranziehenden Kriegsvölkefn auszuweichen, von Danzig nach 
Kön'gsberg eine stürmische Seereise in einem ofTenen Fischernachen wagen. 
In Dorpat begann er eine mannichfallige und fruchtbare Thätigkeit als Lehrer, • 
Forscher und Schriftsteller. Die Phytographie des weiten russischen Reichs 
machte er sich zur wissenschaftlichen Lebensaufgabe. Diesem Ziel hat er so 
einsichtsvoll und energisch zugestrebt, dass die Liierargeschichte unserer 
Periode rücksichtlich der Flora des russischen Reichs ihn immerhin als den 
ersten Mann in dieser Richtung anerkennen wird. Durch Ledebour und durch 
seinen Collegen am kaiserlichen Garten zu St. Petersburg, Staatsrath v. Fischer, 
sind die westlichen Botaniker zumeist mit den Pflanzen jener östlichen Ge- 
biete bekannt gemacht worden. Der Garten in Dorpat wurde mit den zer- 
streuten Bürgern der russischen Flora fleissig und in kritischem Sinne bevöl- 
kert, so dass dieser Garten mit jenem von St. Petersburg zunächst die früher 
unbekannten Gestalten der caucasischen und sibirischen Vegetation an die 
botanischen Garten Europa's vertheilte. 

Im Jahr 1Ö26 unternahm v. Ledebour eine wissenschaftliche Reise nach 
dem Altai. Eine fünfwöchentliche Winterfahrt brachte ihn nach dem fernen 
Barnaul, der Hauptstadt jenes grossen sibirischen Hüttenbezirks, nach weichem 
der darin weit ausgesaete Goldschatz, wie neuerlich nach Californien und 
Australien, eine gewinnsüchtige Menschenströmung lockt. Hit dem Frühling 
dehnte Ledebour von dort seine Forschungen durch das Gebirge' bis zur 
chines'schen Grenze aus, wahrend seine fleissigen Schüler, der dermalige 
Staatsrath und Akademiker Karl Anton Meyer, die Kirgisensteppe, westljch 
vom Altai, und v. Bunge, jetzt sein Nachfolger auf dem Katheder zu Dorpat, 
die östlichen Gegenden durchforschte. 

Die Ausbeute dieser Expedition und die descriptiven und iconographi-' 
sehen Werke, welche Ledebour, zum Theil auf Kosten der kaiserl. russischen 
Regierung, herausgegeben hat, machen Epoche auf dem Gebiet der descrip- 
tiven Systematik und der Pflanzengeographie der russischen Flora. Wozu 
Pallas, Steller, Georgi, die beiden Gmelin, Messerschmied, Marschall von 
Bieberstein, Fischer und die zahlreichen Schüler Ledebours die Bausteine 
vorbereitet: eine allgemeine, kritisch gesichtete, nach pflanzengeographischen 
Provinzen zur Obersicht gebrachte Flora des russischen Reiches, ist das letzte 
Werk seines umsichtigen Fleisses. Hit solcher Hingebung hatte er sich der 
schwierigen Unternehmung gewidmet, dass das fliehende Leben nur auf so 
lange vom männlichen Geist zurückgehalten wurde, bis er die müde Feder 
über dem vollendeten Manuscript niederlegen konnte. Das Hontiment, das 
er sich als Florist und Pflanzengeograph hier errichtet, sichert ihm einen 
dankbaren Platz in der Geschichte der Wissenschaft. 

Als er im Jahr 1836 die Emeritur erlangt hatte, suchte er ein milderes 
Kljma, zunächst in Odessa, dann in Heidelberg auf, von wo er sich vor acht 
Jahren nach München begab. Hier beschloss er jene rühmlichen Arbeiten, 

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Frognmunen-Litenitiir. * * flS 

wenige T^e vor seinem am 4. Juli in Folge eines Ifingern Herzleidens. 
erfolgten Tod. 

Wie vielseitig er übrigens gebildet war, wie glucklich und scharf seine 
Feobachtungsgabe, diess bezeugt unter Anderm auch die Beschreibung seiner 
Heise nach dem Altai (Berlin 1829,8., 2 Bände), eine Fundgrube schätzbarer 
Nachrichten für Geographie, Geoghosie, Botanik, Ethnographie und StaMstik. 

Ledebour gehörte rucksichtlich seiner botanischen Richtung der geläuterten 
Linne^schen Schule an, welche durch die Schärfe der systematischen Unter- 
suchung und die Präcision ^er Beschreibung der Naturobjecte gewissermassen 
einen geometrischen Charakter an sich trägt. Um es in dieser Art von Dar- 
stellung zu classischer Tüchtigkeit zu bringen, ist eine unbedingte Hingebung 
an das Object in seinem systematischen Zusammenhange nothwendig. Man 
muss es daher diesem ausgezeichneten Systematiker zum Ruhm anrechnen, 
dass er in einer Wissenschaft, die neuerlich so mancherlei Richtungen in 
sich aufgenommen, sich stets in der einmal gewählten mit Consequenz erhal- 
ten hat. Es harmonirte diess mit der klaren, besonnenen und steligen Auf- 
fassung, welche Ledebour in allen Lebensverhältnissen geltend machte, und 
welche ihn bei der strengsten Rechtschaffenheit des Charakters und bei der 
Anmuth seiner geselligen Tugenden allen unvergesslich machte, die ihm nahe 
zu stehen das Glück hatten. (Allg. Ztg.) 



VII. 

Programfflen - Literatnr *). 

Leipzig. IV. Pfingst-Programm des Decans der theologischen Facultät, 
Dr. Grossmann: de cpllegio Pharisäorum commentatio. Nach einigen ein- 
leitenden Bemerkungen über die Legatioa der Pharisäer nach Galiläa im J. 
62 oder 63 nach Chr. Geb. entwickelt der Verf. hauptsächlich nach Anleitung 
der Stelle des Josephus Näheres über die beiden Classen der Phari- 
säer, die plebeische und priesterliche, dann über das Streben nach Volks- 
gunst auch bei der letztern Classe, endlich über die Gemeinschaftlichkeit der 
Bestrebungen der Archipresbyter, Hohepriester, Synedren und Pharisäer. Ober 
die hierarchische Gewalt der Pharisäer sich weiter verbreitend, kommt der 
Verf. dann zur Entwicklung und Prüfung der verschiedenen Zeugnisse 
der Schriftsteller über das Wesen und die äussern Formen der pharisäischen 
Gemeinschaft, deren Bedeutung er darlegt. 

V. Programm des Decans der juristischen Facultät, Dr. E.Fr. Günther, 
zur Born'schen Stiftungsrede den 25. Juni. 

VL Programm desselben zur Hayer'schen und Ackermann'schen Stiftungs- 
rede den 26. Juni, enthaltend: Comm. ad. art. 98 legis anno HDCCCXLVIÜ. 
d. 26. Nov. ordinandi per totam Germaniam juris cambialis causa latae spec. 
I. & IL Der Verf. nimmt von der in Siebenhaars und Tauchnitz Archiv für 
deutsches Wechselrecht (IV. S. 442) abgedruckten Entscheidung des Schles- 
wig-Holstein'schen Obergerichts zu Glückstadt Veranlassung zur Erklärung 
des Art. 98 Punkt 6 der allg. deutschen Wechselordnung und gelangt, nach- 
dem er sowohl die Grundsätze des altern Rechts entwickelt, als die Ansich- 
ten neuerer Schriftsteller über den hier einschlagenden Punkt dargelegt hat, 



*) Ifortf. a. 4. Miheft 1851. S. 319. 

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tt Die Gasellfchafr dbf WkiMMcBtlM in Kopenhagen. 

rtt dem, jenär obergerichtUeHen Bntscbeidfmgr entge^itsteh^nden IkesültM^ 
dass die Präsentation undProtestation eines eigenen Wechsels zvr Anstellung' 
der Weedselklage gegen den Aussteller nach der neuen Wechselordnung 
Weder dann, wenn der ursprikigtiche Wechlselglffubiger, noch wenn einer 
der Indossaten klagt, nothwendrg sei, berejts vielmehr erst dann einsutreten 
habe, wenn einer der fndossnten gegen einen der Indossanten die Regress-^ 
klage erhekf: eine Regel, von welcher nnr die Falle der domieiliirten , der 
trassirf- eigenen und der eigene» Sictil-^ Wechsel eine Ansnabme machen. 

Vif. Bintadungsprogramm zur Feier des ReFormationsfestes und der 
damit verbundenen akademischen. FeierlicbkeK des Rectoralswecfasels den 31. 
Octbf. V. J., vom Decan der theologischen Paöoltäf, Prof. Dr. TheMe, enth. 
Gommentationiir pro eonfesslonis religione adversus confessionum theologiam 
pars altera de fribus Protestantismi principiis ageris. -r Der erste Theil dieser 
Abhandlung erschien ein Jahr' vorher mit einem Anhang r „Grundlinien eines 
Systems des christlichen R^alionalismus vom Slundpunkte des Reltgiesismur^ 
(Leipas. bei H. Fritsche, 1850). Der vorliegende 2. Theit beschnftigf sich 
mit den drei Principien des Protestantismus , dem Scbriftprincrp, Glaubens-* 
princip wi Forts^hriltsprincip, und bespridvt schliesslrdi noch das Ordina- 
tiOttsformuUr, das ton der Berliner 6enei*alsyn^e {84Cl aufgestellt worden 
ist Die ganze Abhandlung hat den Zweck, auf den Unterschied zwischen 
Religion und Theologie aufmerksam zu machen, mit besonderm Hinweis auf 
dieNothwendigkeit, diesen Unterschied nicht blos auf das christliche Bekennt- 
Riss im Allgemeinen zu beziehen, sondern auf die Confessionen und deren 
Symbole im Einzelnen zu übertragen. 

VIII. Programm zur Yerkdndigung der Preisaurgaben, mit einer Abhand- 
lung des Prof. DnA. Westermann: f omm. de epistolarum scriptoribus grae- 
cis P. If., enth. den Anfang eines Index epistolographorum, welcher fitcrar- 
historische Nachrichten aber folgende Epistolographen enthielt: Abarls^cytha, 
Adrianus Tyrius, Aelianus, Aeneas Gazaeus, Aeschines orator, Aeschines phi- 
losophus, Agesilaus rex, Aldphron, Alexander M., Alexander Trallianus, 
Anrasis rex, Amelius, Anacharsis, Anaximenes, Antigonus rex, Antigonus 
Gonafas, Antiochus rex, Antipater Hacedo, Antfpater Sophista, Antisthenes, 
M. Aurelitts Antoninus, ApoHonius Tyanensis, Appianus. 



WII. 

Ue GeMlkeluift der WisseDselMfleD zu KA^eDluigen. 

Im Jahr 1850 hat die Königliche Gesellschaft der Wissenschaf- 
ten drei ihrer Mitglieder durch den Tod verloren, nämlich den Conferenz- 
rath Kolderux-Rosenvinge, den Etatsrath Faick und den Conferenz- 
rath Schumacher. Zu auswärtigen Hitgliedem der physikalischen Classe 
sind im Laufe des Jahres gewählt: Herr Elie de Beaumont in Paris, Sir 
R. J. M urchison in London, Baron J. v. Liebig in Glossen, Professor 
S. Nilson in Lund, Herr Brisseau-HirbeT in Paris. — Der geheime 
Archivar Wegener ist zum Hitglied der Commission (Qr das Diptomatarium 
Danicum und Regestum diplomaticum, und der Professor P. Pedersen zum 
Mitglied der Gassen- Commission gewählt worden. — Die Wörterbuchs- Com- 
mission ist in der Revision des Manuscripts des Buchstabens T. bis Tönde 
gekommen, der Druck desselben Buchstrf^ens ist bi»^ lilgo^e vorge- 

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Ili0 fiflMlllClllft dar WS aMiiKMAall<m mn 

^itlisiu ^Afl Professor Scbar lings SteUe ist Professor N» L. Wester- 
fdßri. ima JMitoUed dieser CommissioQ gewählt — Duf na^eorologische 
Comit^ hiU iSOwoU in dem in^t^orologii^ch - inagii€(i^h«n Obsorvi^oriom als 
in dem botanischen Garten seine regelmässigen Beobachtunge;i for|g«8etzt. — 
Von der von der Gesellschi^ft im Jahr 1848 gestellten Preisangabe für das 
Classen'sche Legat (zu zeigen, welche von den Rohproducten des Landes, 
es sei aus der Erde oder vom Meere, sich am besten eignen, um eine Fabri«- 
cation darauf zu gründen?) ist eine Preisscbriß eingegangen, die von der 
Produdion, Fabricatioh und dem Umsatz des Flachses handelt, u/id welcher 
das niedergesetzte Comit^ diesen Preis zuerkannt bat. Als Verfasser hat 
sich der Lieutenant C. F. Grove ergeben. Für das laufende Jahr 3ind 
folgende Preisaufgaben gestellt: 

Die mathematische Classe. Da die Lehre von dem Widerstand 
einer Flfissigkeit gegen einen in derselben bewegten festen Körper bisher 
nur wenig befriedigend von der mathemalischen Seite aus behandelt worden 
ist, so wünscht die Gesellschaft durch ihre Prämie eine vollständige Unter- 
SQchung in' dieser Hinsicht hervorzurufen. Hit Rucksicht auf die Schwierig- 
keiten des Gegenstandes würde die Gesellschaft die Aufgabe, die sie für de« 
Augenblick stellen zu müssen glaubt, für gelöst erachten, wenn eine mathe- 
iDatische Betrachtung über die progressive oder die rotirende Bewegung 
eines feslen Körpers von einer einfachen Form — z. B. ein Cylinder oder eio 
rechtwinkliges Parallelpiped — in einer Flüssigkeit, welche keine andere Be- 
wegung hat, als diejenige, iii welche sie von dem festen Körper versetzt 
wird, ynd dabei entweder unbegräozt oder so weit ausgedehnt ist, dass ihre 
Granzen keinen Einfluss erhalten können^ geliefert würde, so wie, wenn 
diese Betrachtung so durchgeführt würde, dass auf alle die Wirkungen» 
welche di«; Flüssigkeit während ihrer mit dem Körper gleichzeitigen Beweg- 
ung auf denselben ausübt, -Rücksicht genommen würde. 

Piß physikalische Classe. Wie bekannt, finden sich im Meere 
eioige organische Formen, welche Kalk absondern und allmablig in Kalk ein- 
gehüllt werden, von deren Natur und Wesen man noch keine Gewissheit hat^ 
SO dass sie bald zum Tbierreich, bald zum Pflanzenreich gerechnet werden. 
Um zu einer klarern Erkenntniss in dieser Hinsicht zu kommen, wird ein^ 
auf Beobachtung der lebenden Formen gegründete Entwicklungsgeschichta 
der ^ den Halymedeae, Acetabularieae, Cerallim^ae gehörenden Formen, so 
wie d^r Geschlechter Liagora, Actinotrichiae «nd Calagaura gewünscht; da 
sich indess dor grösste Theil der genannten Formen in den Meeren der 
tropischen Zone findet, wo dio Untersuchungen vernuitblich kaum vorgenom- 
men werden dürften, so wird man bei der Beurtheilung der eingesandten 
Abhandlungen nicht so sehr darauf sehen, ob der Verfasser die Entwicklung 
aller oder vieler Hauptformen habe liefern können, sondern desto mehr darauf, 
dass das Gegebene, selbst wenn es nur die Entwicklung einer einzigen der 
genannten Formen ist, genau und voUständigf sei, so dass dadurch die Zweifel 
über die thierische oder pflanzenartige Natur der Formen oder der Form 
gelöst werden können. 

Di^ philosophische Classe. Da an die Gescllschafl; keine Beant- 
wortung der im Jahr 1849 gestellten Preis-Aufgabe eingegangen ist, so hat 
dieselbe beschlossen, die Aufgab^ zwar nicht zu wiederholen, aber folgende 
damit zusammenhängende zu stellen: 

Eine genaue und so viel als möglich nach den Quellen a^sgearbei« 
U^ hi§tpri^^{l9 DarstQUuag iiUes desjefiig en »i gilben« was xaschehen 



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96 Dkl GeMlliduift to Wiiaoiisclwfteo za Kopeohagao. 

ist, lim elfte Eigfenthumsgemeinsdiaft in den 6t«aCen oder in andern 
gesellschaniichen Vereinen tbeils theoretisch zu empfehlen, theils prak- 
tisch ins Werk zu setzen, oder was einc^ hiermit verwandte Tendenz 
gehabt hat. 
Die historische C lasse. Est ist hinlänglich bekannt, dass nicht 
hioss in der altern Zeit und wahrend der römischen und spater der griechisch- 
byzantischen Herrschaft Alexandrien in Ägypten einer der wichtigsten 
Stapelplatze des Welthandels war, sondern auch dass, nachdem Ägypten im 
siebenten Jahrhundert in die Hände der Araber gekommen war und nach- 
dem unter den Fatimiden Kahira sich zur Hauptstadt des l4andes und zum 
Mittelpunkt des afrikanisch -asiatischen Caravanenhandels aufgeschwungen 
hatte , Alexandrien, begünstigt durch «eine vortheilhafte Lage , gleich- 
sam in der Spitze der drei Welttheile , durch sein specielies geographi- 
sches Yerhaltnlss zu den zahlreichen Inseln und weit ausgedehnten Kästen 
des Mittelmeeres, durch denReichthum des Landes selbst an den herrlichsten 
Naturproducten und den vorzuglichsten Handelsartikeln (Abulfeda Descript. 
Egypt.) und durch den Eifer der ägyptisch -arabischen Dynastieen für die 
Blutlie des Handels — zu deren vollständigerer Kenntniss die arabische 
Literatur ohne Zweifel noch viele ^ unbenutzte Materialien besitzt — eine 
Hauptrolle als Handelsstadt zu spielen fortfuhr, und zu einer Zeit-, als der 
Seeweg nach Ostindien noch nicht entdeckt war, das wichtigste Verbindungs- 
glied zwischen dem Occident und Orient bildete und der grdsste Handels- 
markt und Stapelplatz beider Erdtheile war. 

Es ist gleichfalls bekannt, dass nicht nur ein lebhafter Verkehr zwischen 
diesem Handelsplatze und allen den südeuropaischen Ländern bis zum Atlan- 
tischen Meere und der Strasse von Gibraltar stattfand, sondern dass auch 
aus entferntem Gegenden Europa's SchiflTahrt und Handel nach Alexandrien 
getrieben und dass dieser Handelsplatz unausgesetzt von Handelsschiffen aus 
der Normandie, England, Flandern und dem nördlichen Deutschland bis Däne- 
mark und der Ostsee besucht wurde, so wie dieses in Benjamin von Tudela's 
Reisebeschreibung aus der letzten Hälfte des 12. Jahrhunderts (vgl. Aschers 
Ausgabe mit dazu gehörigen Anmerkungen) ausdrücklich bemerkt und im 
Einzelnen angegeben wird, und nach der ausserordentlichen Thätigkeit, welche 
die Handelsplätze im nordwestlichen und nördlichen Europa — von welchen 
einige, wie Dieppe in der Normandie, Brügge in Flandern, Lübeck, Wisby 
auf Gothland, gleichsam Centralpunkte und Haupt-Comptoire für andere bil- 
deten — im Mittelalter entwickelten, darf diess denjenigen nicht Wunder neh- 
men, der mit diesen Verhältnissen etwas genauer bekannt ist. Da aber der 
erwähnte Theil der europäischen Handelsgeschichte im Mittelalter trotz der 
vorhandenen Beiträge noch lange nicht hinreichend aufgeklart ist; da eine 
nähere Untersuchung dieser Verhältnisse einen interessanten Beitrag zur 
Geschichte des Handels und der Cultur im Mittelalter zu liefern verspricht, 
und da sowohl occidentalische wie orientalische Quellen vielen noch nicht 
hinlänglich benutzten Stoff in dieiser Hinsicht darbieten , so findet sich die 
Gesellschaft veranlasst, für das Jahr 1851 folgende Preis-Aufgabe zu stellen: 
Mit Benutzung occidentalischer und orientalischer Quellen zu unter- 
suchen, welche Handelsverbindungen im Mittelalter, namentlich im 
12—14. Jahrhundert, zwischen Alexandrien in Ägypten und den pm 
Kanal und nördlich von demselben gelegenen Ländern und Seestädten 
stattfinden, mit möglichst vollständiger Erläuterung sowohl hinsichtlich 
dior Meer- und Handetoplttze, von denen SchHUabrt und Handel nach 

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Die Oeietbcfaafl der Wisieofcfafiften zn Kopenhasen. 97 

Alexandrien getrieben wurde, a)s auch der Waaren- oder Handels- 
Artikel, es seien Natur- oder Kunst - Producte , welche vornehmlich 
dahin ausgeführt oder von da zurückgebracht wurden, mit Rucksicht 
auf das, was zur Beleuchtung der hiermit in näherer Verbindung 
stehenden geographischen, politischen und localen Verhaltnisse diepcn 
könnte. . 

FurdasThotsche Legat. Unter unsern wild wachsenden Pflanzen 
verdient gewiss der Porst, Myrica Gale, theils wegen des starken Aroma's, 
das er enthält, theils wegen der Anwendung zum ßierbrauen, die man früher 
gemacht hat und vielleicht noch macht, theils wegen des wachsartigen Stofl'es, 
welcher sich 'darin findet, besondere Aufmerksamkeit. 

Die Gesellschaft bestimmt daher eine Prämie von 200 Rth. für eine 
umfassende Untersuchung der nahern Bestandtheile des Porst, wodurch man 
besonders folgende Fragen entschieden zu sehen wünscht: 

a) Welcher Stoff oder welche Stoffe sind es besonders, welche die 
Benutzung des Porst zum Bierbrauen veranlasst hüben, und Inwiefern 
muss dessen Anwendung als gefahrlich betrachtet werden? 

b) In welchem Verhältniss steht dais Wachs dieser Pflanze zu den andern 
bekannten Wachsarten? 

Für das Classen'sche Legat. 1) Man zeige, welche Rohproducte 
desLaudes, es mögen dieselben unmittelbar von dem Boden des Landes oder 
von dessen Anbau oder von dem umgebenden Meere herrühren, am besten 
geeignet sind, eine Fabrication darauf zu gründen. Man muss hierbei auf 
alle begünstigenden UmStande, wie die Leichtigkeit, Brennholz, Wasserkraft, 
billige Arbeit u. s. w. zu erhalten, Röcksicht nehmen. Es versteht sich, dass 
die Orte, wo die Anlagen am besten geschehen können und die Grunde zu 
deren Auswahl angegeben werden müssen. Die Entwickelung muss in ein 
solches Detail eingeben, dass sich eine Berechnung der Vorthcile anstellen 
lässt. Die Gesellschaft wünscht, dass die Verfasser ihre Aufmerksamkeit 
besonders auf solche Fabricationen lenken, welche bisher entweder gar nicht 
oder nur in geringer Ausdehnung bei uns eingeführt sind. 

Da die Gesellschaft kaum erwarten darf, dass der Einzelne die Frage in 
ihrer ganzen Ausdehnung befriedigend werde behandeln können, so will sie 
weniger umfassenden Beantwortungen den Preis nicht versagen, sobald nur 
die gewählten Gegenstände in einer befriedigenden Weise abgehandelt sind« 

Die Prämie beträgt 200 Rth. Wenn die Umstände dazu Anlass geben, 
wird man auch mehr als einer Abhandlung diese Prämie erlheilen. 

2) Bei den bisher vorgenommenen Untersuchungen über die Bei fe von Früch- 
ten hat man sich zunächst mit solchen Fruchten beschäftigt, welche im reifen 
Zustande eine grössere oder geringere Menge Zucker enthalten ; dagegen hat 
man noch keine befriedigenden Untersuchungen über die Reife solcher Früchte 
und Saineniiattungen, welche zur Ölgewinnung angewendet werden. Die Ge- 
sellschaft bestimmt daher eine Prämie von 200 Rth. für eine auf Versuche 
gegründete Beantwortung folgender Fragen:' 

a) In welchem Grade nimmt die ganze Pflanze an dem Reifungs-Process 
Theil, wobei das Öl besonders bei dein Lein und Raps hervortritt, und 
in welchem Grade könnte in dem unreifen Samen, ohne Mitwirkung der 
übrigen Theile der Pflanze, eine, vermehrte Ölbildung bewirkt werden? 

b) Findet sich öl in den Fasern des Flachses nach der Röste? 

Akadem. Moaatatchrift. Febraar 1858. U^ ^ 

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hflkomamfii^ mntu enerilirUm Fraf«Mor4. 

c) Wiefern ist die Annahme begründet, dass die Reife der Saiden einen 
soldien Einfluss auf die Gute des Flachses haben kann, dasa die Fasern 
dadurch weniger Fettstoff als Fasern von Pflanzen enthallea, welche, 
während der Same noch unreif war, ausgerissen worden sind. 
Die Beantwortungen der Fragen können im Allgemeinen in der lateini- 
schen, französischen, englischen, deutschen, schwedischen oder dänischen 
Sprache ahgefasst sein. D^e Abbandlungen werden nicht mit dem Namen des 
Verfassers, sondern mit einem Mplto bezeichnet und mit einem versiegelten 
Zettel begleitet, welcher Namen, Stand und Wohnung des Verfassers enthalt, 
und welcher dasselbe Motto tragt. In den dänischen Staaten webnenda Mit- 
glieder der Gesellschaft nehmen nicht an der Freisbewerbuitg TheiU Die 
Belphnung für die befriedigende Beantwortung einer der gestellten Fragen, 
für welche kein anderer Preis genannt ist, besteht in der goldt^nen MedaiUp 
der Gesellschan, 50 dänische Ducal'en an Werth. 

Die Preisschriflen werden vor Ende August 1852 an den Secretair der 
Gesellschaft eingesendet. (Fädrelandet.) 



IX. 

ApiMtrisiBfii eioes emeritirtoD Prefesison. 

„Jeder Jungling, sagt Jean Piaul, bat eine schöne Zeit, wo er kein Amt, 
und jede Jungfrau, wo sie keinen Mann will/^ Jene Last des Shidiumsi, (bs 
ausser sich keine Zwecke kennt, wie selten ist es heute geworden ! 

Nichts ist kümmerlicher als die Anwendung, welche die Utilitarier von 
ihrem Princip für die Wissenschaft machen. „Die Unwissenheit, sagt Fönte- 
nelle, behandelt gern als etwas Unnützes^ was sie nicht keant, und räehl skb 
auf diese Weise." 

Das eifrige Streben eines jungen Gelehrten belohnt sich durch sich seihst^ 
Aber ausser dem Kreise der Gelehrten kennt in der Regel Niemand die 
schweren Sorgen, die dieser Beruf im Gefolge hat. Findet insbesondere der 
angehende Docent, sei es durch seine oder durch Anderer Schuld, beim slu- 
direnden Publicum Voreingenommenheit gegen seine Vorträge, so ist seine 
Lage wahrhaft peinlich; jene Voreingenommenheit tritt oft auf lange Zeit 
seiner Wirksarpkeit hemmend entgegen. 



Den geistreichen Gelehrten eliarakterisirt sehr die Art, wie et seine 
Mussestunden ausfüllt. Thibant schrieb über Reinheit der Tonkunst und 
spielte Ciavier. Zachariao schrieb über die Kunst reich zu werden und 
spielte Hombrc. 



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Universitäts - Anzeiger. 



Im UnhrerstKUoAjisfiiger werden Anzeigen aller Art, welche die Universitfiten betreffen, 
insbesondere alle amtlichen Erlaate, Verkaodigiin|peo , Vorlesungsverseichnisse elc. als 
Inserate (die darcblaureode Zeile IVt ^8>*0 aufgenoninen, ohne dass dailurcb der Inhalt 
des Manataheftea verkörst werden darf. Die Verlagshandlung. 



Universität Jena. 

Voriesungen auf der Universitfit Jena im Sommer 1852 

(vom 26. April bis 4. Scpt). 

i. AUgememe Wissenschaften, Hodegetik öffentl. Prof. Schcidler. 

//. Theologie. Encykl. u. Methodologie d. Theol. Prof. Grimm. Methode des theol. Slndiamt 
gratis Lic. Vogel. Einleitung ins A. T. GKR. Hoffmann. Erklärung d. Psalmen Der- 
selbe;* des Jesaia Prof. Stickcl. Daniel n. Chaldfiisch Derselbe. Evang. Matthfii Prof. 
Rackert. Evang. u. Briefe des Johannes Prof. Ililgenfeld. Briefe an d. Römer u. Ga-^ 
laier Prof. Grimm. Apokalypse Prof. Lange. Biblische Theologie Prof. Rückert. Kirchen- 
^hichte 1. Theil Lic. Vogel Kirchengeschichte von 1648 bis 1852 öffentL GKR. 
Hase. Dogroengeschichte Prof. Ililgenfeld. Symbolik Lic. Vogel. Katechetik u. PastoraU 
tbeologie GKR. Schwarz. Praktische Eiegese Derselbe. Evangel. Kirchenverfassung öffentl* 
Derselbe. — Theol. Seminar GKR. Hoffman, GKR. Hase, Prof. Rfickert. Homilet, n. 
kalechet. Seminar GKR. Schwarz. Eieget. Gesellschaft Prof. Hilgenfeld. Übungen m 
Lehren des göttl. >^ortes Lic. Vogel. Dogmatisches Examinatorium Prof. Grimm. 

///. Jurisprtßieni. Encykl u. MethodoL der Jurisprud. Prof. Schulze. Institutionen AR. 
Danz u. Prof. Chambon. Institutionen u. Geschichte des röm. Redits Prof. Giitanner. 
Pandekten fohne das Erbrecht) Derselbe. Römisches Erbrecht GAR. Danz u. Prof. Cham- 
bon. Geschichte des röm. Rechts OAR. Walch, OAR. Danz u. OAR. Ileimbach. Literar- 
gesrhichte des röm. Rechts im MiUelaiter öffentl. OAR. Walch. Deutsches SiaaUrecht 
GR. Schmid u. Prof Schulze. Deutsches Privatrecht GJR. Michelsen. Deutsche Staats- 
a. Rechtsgeachichte Prof. von Hahn. Lehnrecht GJR. Mich eisen. Privairecht des kanoni- 
schen Rechtsbochs öffentl Prof von Hahn. Europäisches Völkerrecht öffentl. GJR. 
Mich eisen. Criminalreclt OAR. Luden u. OAR. Sch&ler. Deutfcher Civilprocess GJR. 
Gay et Criminatprocess OAR. Luden u Prof. Seh na übe rt. Civilprocessprakticum 
uJR. Guy et. Relatorium u gerichtliches Gesehflflspraklicum Prof. Schnauber t. 

JV, Median. Encykl. u. Methodologie der Medicin Prof. Seh Oman. Physiologie des 
meifschl. Körpers nebitt Anatomie u. Physiologie des Nervensystems GHR. Huschke. Physio- 
logie des menschl. Körpers Prof. Dom rieh. Anatomie des IVervensystems Derselbe. Mikro*k. 
AnatoMiie tt. Physiologie der Gewebe Derselbe. Anatomisch -physiologische Obun((en GHR. 
Rosehke. M^did6isch-pharmaceot. Botanik Prof. Scfa leiden. Pharmakologie Prof. Schö- 
atan. Allgemeine u. specielle Pathologie n. Therapie nebst Semiotik Prof. Siebert. All- 
|i}fiiäii^*hÜliotigie n. Tfrerapie Mft. Sttccew. Pathologie u Therapie der psychisiben Rrank- 

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100 

beiten GHR. Kiecer. Chinirf^ie (Akologie, Akiurnfie, Deitmologte) Prof. Ried a. Prof. 
Seh Aman. Operationscurftus an Leiden mit Verband Prof. Ried. Theorie der GeborUhQlfo 
Prof. Marlin. GcburUhüIfl. Operatiocscursns Derselbe. Receplirkanst offen tl. Prof. 
Sehdmnn. 

Medidnische Klinik Prot. Siebert; Irrenklinik GIIR. Kieser; chirurgische u. äugen* 
firztliche Klinik Prüf. Ried; geburlühülfl. Klinik Prof. Martin. Im physiologischen In- 
stitute leitet physiologische u. mikroskopische Untersuchungen Prof. ÜoiArich; die chemischen 
Prof. Schmid. 

Veterinfirpolizei Prof. Falke. Im landwirthschaftl. Institute allgemeine Veterinfir- 
Anatomie., Pathologie u. Therapie, Arzneimittellehre nebit Receptirkunde, so wie Uippologio 
Prof. Falke. 

F. Philosophie, P^tychologie u. Logik GIIK. Rachmann, GHR. Rein hold, Prof. Apolt 
u. Prof. Fort läge. Psychologie Prof. Scheidler. iMetaphysik GHR. Bachmann. Reli- 
gioiisphilosophie GHK. Reinhold. Natorrecht u. Politik GHR. Bach mann. Staats- u. Rechts- 
philosophie Prof. Rössler. Geschichte der Philosophie seit Kant ölfentl. Prof. Fortlege. 
Philosophiüche Conversalorien GHR. Reinhold u. Prof. Apelt. 

Pädagogik Prof. Stoy. Volks- u. Staats- Pädagogik Prof. Scheidler. Einzelne Unter- 
riclitszweige der Volksschule Prof. Stoy. Pädagogisches Seminar Derselbe. 

VI. Maihemalik. ElemeDlarmatbematik Prof. Schrön u. Dr. Schfiffer. Praktische 
Geometrie Prof. Schrdn. Anwendung des Infinitesimalcalcüls auf Geometrie u. Mechanik 
Prof. SnelU Mathematische Übungen Dr. Schfiffer. Populfire Astronomie öffentl. Prof. 
Snell. Dieselbe Prof. Schrön. Den theoretischen Theil der praktischen Astronomie Derselbe. 

VII. Nalurwistenschaftefi, Ausgcwfihlte Capitel der vergleichenden Anatomie Prof. Oscar 
Schmidt Allgemeine Botanik Prof. Seh leiden (vgl. auch unter Sfedicin). Botanische 
Excuisionenu Demonstrationen im bolan. Garten Derselbe. — Im landwirthschaftl. Institute 
ökonomische Botanik nebst Pflanzenphysiologre u. botanische Excursionen Prof. Langetlial. — 
Mineralogie Prof. Ernst SchmiJ. Mineralogie u. Geognosie BR. Schüler. Allgemeine u. 
auf chemische Wissenschaften angewandte Mineralogie u. Geognosie Prof Succow. Anwen- 
dung der Mineralogie u. Geognosie auf Chemie u. Technologie BR Schüler. Mathematische 
AnfangügrOnde der Cryslallographie Prof. Succow. Praktisch -mineralogische Übungen BR. 
Schöler. 

Experimentalphysik Dr. Schfiffer. Analytische Theorie der Wellenbewegung Prof. Snell. 
Allgemeine Chemie HR. Wackenroder, Prof. Succow, Prof Artus u. Prof. Ernst 
Schmid. Zoochemie HR. Wackenroder. Polizeilich-gerichtliche Chemie öffentl. Der- 
selbe. Pharmacie Prof. Artus. Toxikologie Derselbe. Anleitung zum chemischen Experi- 
mentiren u. Analysiren Prof. Succow o. Prof. Artus. Chemisches Prakticum HR. Wacken- 
roder. Examinatorien fiber Chemie, Pharmacie u. Stöchiometrie Prof. Artus. Pharmaceutischer 
Verein unter Leitung HR. Wackenroder s. 

Im chemisch-pharmaceutischen Institute lehrt GHR. Wackenroder Phytochemie, 
analyt. Chemie u. leitet ein analyt. u. pharmaceut-chemisches Prakticnm. 

VIIL Technologie. Gewerbswissenschaflen u. Metallurgie BR. Sehfiler. 

IX, StaaU' und Cameralwitsenschaften. Staats wirthschaft u. Eucykl. der Camera I wissen« 
scharten GIIR. Schulze. Politik ProL Fischer. Philosophische u. constilutionelle Politik 
Prof. Scheidler (vgl. auch Philosophie). Publicistik Derselbe. Polizeiwissenschaft 
Prof. Fischer. Staatswissenschaftl. Seminar Prof. Fischer u. GJR. Mich eisen. 

Im landwirthschaftl. Institute lehrt Landwirthschaft GHR. Schulze; Bonitirung u. 
Cqlturlebre der Äcker, Wiesen u. Waldungen Prof. Langethal; Grundanschlfige GIIR. Schulze. 

X. Geschichte. EncyklopSdie der histor. Wissenschaften Prof. Droysen. Ober den Hel- 
lenismus oder das Griechenthum nach Alexander d. Gr. öffentl. Prof. Stark. Allgemeioe 
Geschichte des Mittelalters Prof. Ruckert. Geschichte der eoropfiischen Völker finoisclieiiy 
german. u. ülav. Ursprungs Prof. Wächter. Deutsche Mythologie a Sagapgeachichle , Prof. 

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m 

Rfick«rt. Aitfre deatocli« äMcMehle Prof. W«fe1e.- Gen^hidüe der eamp. GrmmMk^ 
Prof. Herrmanc. Gefckidite Riiialand« D ef s e I b e. Neaaate CSeMhichte mH dem Tode Fried« 
rieht des Grossen Prof. Droysee. Hisloriiche tJbunfgtn Derselbe — Allgemeine ffonsl- 
geflcfaichtto Prof. Hetlner. 

Xi, Pkäologk, i) Orientaliscbe Sprachen u. Literatur. Elemente der arabischen 
Sprw'he GKR. Hoffmenn. Erklimnf arab. o. syr. Schriflsleller Prof. Stichel. Forlsettong 
der Erhiirang des Naltis GKR. Hoffmann. Orientalisehej Seminar Prof. Stichel. 

2) Griechische n. römische Sprache« Literatur v. Alterthnmshnnde« 
Grammatik der f riech. Sprache GHR. Gdttling. Mythologie der Griechen n. Rdmer Prof. 
Bippart. Archfolofie der Kunst Prof. Stark. Ansgewihite Gedichte Pindars nebst Metrik 
Prof. Bippart. Eoripides Medea Prof. Stark. Im philolof^ischen Seminar Erklärung des 
Sophokles* Ajax u. Horatius' Oden unter Leitung des GUR. Göttling. 

3) Neuere europäische Sprachen u. Literatur. Die Tier Bflcher Geschichten 
Ton Ifithard erklärt offen tl. Prof. Wegele; die Gedichte Walthers von der Vogelweide 
Prof. Rackert; ausgewählte StAcke aus der isländischen Grages o. aus UlAtas gotbischer 
Bibelübersetzung Prof. Wegele. -r- Die europ. Literaturen im Zeitalter der Aufklärung Prof. 
Bettner. 

XIL Freie Küiuie, Reiten lehrt Stallmeister Sieber; Fechten Fechtmeister Rouz. 
Zeichnen n. Kupferstechkunst Kupferstecher Hess; Zeichnen u. Malen, b^onders anatomischer, 
physiologischer o. pathologischer Gegenstände; Maien Maler Ries; Musik Musihdirector Stade, 
die Verfertigung anatmnischer u. chirurgischer Instrumente Mechanicus Besemann; die Ver^* 
fertifUDg physikalischer u. optischer Instrumente Mechanicus Brau neu. 



Rostock 

Verzeiciiniss der Vorlesungen, welche auf der Grossherzogtichen UniTersitfit 
daselbst im Sommer-Semester 1852 vom 15. April an gehallen werden. 

Theologische Wissentchaften. Einleitung in d. kanonischen Bücher d. A. T.: Prof. Baum« 
garten, 58t. — Historiitcb - kritische Einleitung . in d. N. T.: Design, ord. Prof. .Philippi^ 
4st. <— Einleitung in d. symbol. BOcber d. luther. Kirche: Consi.<torialrath Wiggers, 2st. — * 
Erklärung d. Buches Hiob: Prof. Baumgarten, 5st. — Erklärung d. Evangelien d. Matthäus, 
Marcus u. Lucas: Prof. Wiggers, 6st. — Erklärung d. Briefe d Apostels Paulus an die 
Korintlier: Design, ord. Prof. Philippi, 6st. — Erklärung d. Briefes an d. Galater: Prof. 
Wiggers, 2st. •— Erster Theil d. allgero. Kirchengesch. : Consistorialrath Wiggers, 5st. — 
Zweiter Theil d. allgem. Kirchengesch.: Consistoriairalh Krabbe, 68t. — - Gesch. d. christl. 
Dogmen: Consistorialrath Wiggers» 6st. >- Gesch. d. Dogmatik: Consistorialrath Krabbe, 
2st. — Kirchengesch. Mecklenburgs: Prof. Wiggers, 2st. — Symbolik: Consistorialrath 
Krabbe, 4st — Exeget. Übungen: Prof. Baum garten, 2st. — Katechetische Übungen im 
Seminar: Consistorialrath Wiggers. — Homilet. Übungen im Seminar: Consistorialrath Krabbe. 

RechiMwiuemehaften» Jurist. Encyklopädie , nach Falck: Consistorialrath Dienrer, 2st — 
Institutionen d. röm. BecbU: Consistorialrath Leist, 6st. - Pandekten, nach Puchta: Prof. 
Wetze II, 9st. — Jura in re: Prof. Wetze II, 3st -> Born. Bechtsgesch. : Consistorialrath 

Leisl, 6st Deutsche Staats- u. Bechtsgesch., nach Eichhorn: Consistorialrath Dicmer. — 

Deutsche RechUgesch.: Prof. Budde, 5öt. — Lehnrecht: Prof. Budde, 4$t. — DeuUches 
Staatsrecht: Prof. Budde, Sst. — Civilprocess, nach Linde: Prof. Raspe, lOst. — Gemeines 
u.mecklenburg. Criminalrecht (nebst Criminaiprocess): Prof. AI ej er, lOst. - Relatorium: Prof. 
Wetze II, 28t. — Mecklenburg. Staats u. Privatrrcht: Consistoriairalh Die m er, 4st. — 
Processprahticom: Dr. Gaedcke. — NotariaUkunst: Dr. Gaedcke. 

Medidnieehe Wiaentehaften, Encyklopädie u. Methodologie d. Medicin: Stadtphysihus 
Lese nb erg. — Osteologie, Syndesmologie u. Myologie: Medicinalrath Quitten bäum, 48t. — 

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Hiilwleftec PpoT. 8UttDiftfe, 4ü — ^ fliifMl PräMiciii*: Praf/siasninfl, IM. -- AifgMii. 
Palh^logjft «* Th««pic: Hofaitodi«!» Schröder. -^ ArtaeiiiiittelMife: Obmtndditilialnilh 
Slr«itp«ly40t— Spooialle PadiAlogieii. Tbenipi«: OberiMdiciotlnth Spitia, 49t. — Sptt. 
Pathologie u. Therapie: Medicinalratb Kortüm, 4flt — Pathologe «. Therapie d.Gefote»- 
l^riHikbeitcii : iiofmadtciia Schröder. ^ Cbinirgi«: Siadtphytik^s Lesenberg. — Operatiye 
Cbiriirgie «. Aagenheiikttoda, varkiitodaa mit Obanfea o. i>aNioiiBtraiiioMa an Leicbea: Ober- 
medicinalratb St rem pal. -»^ Verrkblaiig d. Auganaperationea an {«elchett: Medidnalrath 
Qliitteobaaai. -^ Gebartsbilfe : Prof. Kranal, 4bl. ^ GeborUhfllAe: Stadlpbyatkds Lasen- 
b«rf. -^GtfbivtsfaOllat Dr. Drageadorff. Gabaftbaifl. OperaHonan: Dr. Drafendörff.-» 
Garichtl. Madicine OtiennadiriDalralb Spttta, 4it. — Gerichtl. MedMin: flofliiedieas Sebr^- 
dar. ^ PropfldealMohe Klinik: Obermedieinalrath Spitta, 2»U — Madioitoisch^diirargiflcbe 
Klinik: Obermedieinalrath Strempel, 148t. — Gebnrtabaiaidm Rlinik: Prof. Ktranel, 78t -^ 
Zu Aapatitoriea u. Examinatorien erbieten sich Dr. Lesenbarg n. Dk Sebröd^h 

PkäoutpkMe WiMtmttkafkn, Encykiopidie d. philosophischen Wistanscbaflen mit alfgem. 
Einleitanf in das Studium dar Philosophie: Prof. Schrotd«, 5st. *-* Eini^itang in dia Pbilo- 
sapbie: Dr. Weinholta. *- Metaphysik] Prof. Francke, 5st. ^ LogHii Pasf. Franeke, 
5st — Psychische Anthropologie: Prof. Franke, 4st. — Psychische Antropologie: Dr. l¥eia^ 
boita. - Philosofiyscba Einleitung in d. Dogmatik: Prof. Schmidt, dst -^ A^atbeUk: Prof. 
Wilbraadt« M. — Gesobicbte d. Philase|)hie : Prof. Sehmi4t^ 4ft ^ DankNlonf n. Raa^^ 
tNiluag d. Lahra von KanI n. Fries: Prof. Francke, 4st ^ Ober die Prineipien d. fbito- 
iopben: Dr. Weinholti. -^ Philosophiach«4lstbettscheB Seannar: Prof Wilbrandt. 

Mathematik und Nahtrwmauchafkn. Trigonometrie: Pral. Karsten, M. *^ Dlin»r«llti«t* 
rechnung: Prot Karsten, 4st. *- Privatissima QberTbeile der Mathematik: Prof. Karsten.— 
Privatissima Ober Nautik: Prof. Karsten. — Experimentalphysik: Prof. Karsten u. Schulze, 
8st.— Ezperimentalchemie: Prof. Schulze, 6st. — Analyt Chemie in Verbindung mit prakL 
Obungen: Prof. Schulze, 8st. — Geologie: Prof. Karsten, 48t. — Allgem. Botanik: Prof 
Boeper, 6st. <- PflanaeDanatomie: Prof. Roeper, 2sl. -- Privatissima Aber Tbailad. Physik: 
Prof. Karsten. -^ Botanische Excurslonen: Prof. Roeper. 

PhiloloffiMeke Wissaudiaflen. Die AnfangsgrQnde des Sanskrit n. Leseübungen in d. Episode 
Rat des Maha-Bharat: Prof. Baumgarten. — Afgonautica des Apollonius Rhodius: Prof. 
Bach'mann, 48t. — AuserwShIte Idyllen des Theokrit: Prof. Fritzsche, 3st. — Cicero*8 
Catilinarische Reden: Prof. Fritzsche, 38t. — Cicero's Briefe anAtticus: Prof. Bachmann^ 
2sf. ^ Tadtos Annalen: Prof. Busch, 48t. — Griechische Syntax: Prof. Busch, 23t. — 
Rhetorik nach Aristoteles: Prof. Fritzsche, 48t. — Griech. .Mythologie: Prof. Bachmano, 
4i>t. — Rom. Antiquitäten: Prof. Busch, 48t. — Gesdi. d. deutschen Nationalliterator: Prof. 
Wilbrandt, dst. -^ Coors pratiqoe de la langue fran^aise: Dr. Robert, 4st — Histoire 
de la litt^rature fran9ai8e: Dr. Robert, Sst. ~ La litterature fran^aise dans les dix dernieres 
ann6es: Dr. Robert, 28t. — Exercices preparatoires a Tenseignement de la langue fran98ise: 
Dr. Robert, 28t. -■ Philolog. Seminar: Prof. Fritzsche. — Philolog. Privatgesellschaft: 
Prof. Rusch. 

Hüloritche Wwensekaften. Germania d. Tacitos: Prof. Tflrk, 2st. — Gesch. d. deutsch. 
Volks: Prof. Tfirk, Sst. ->- Gesch. d. Mittelalters: Prof. Hegel, 48t. - Meklenburg. Gesch. 
seit 1621: Prof. Hegel, 28t. — Gesch. u. Verfassung von England: Prof. Hegel: 4st| — 
Ober die Verfassungen von Spanien, England u. Nordamerica: Prof. Tikrk, 2st. — Gesch. d. 
deutschen Gwetiei Prof. TQrk: 38t. \ 

Camerahomenaekaften, Feldmesskunst, verbunden mit prakt Obungen: Prof. Becker, 
dst -> Bodenkunde u. Döngerlehre: Prof. Schulde* — Ober Wiesen u. Waldpflanzen: Prof. 
Roeper, 2st. — DieLehre vom Anbau d. landwirthscbaftl. Culturpflanzen : Prof. Becker, .48t. 



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1« 
Oaimsitit Tibiigei. 

Verzeichniss der Vorlesangen, welche an der Königl. WürUembergiscbeii 
Universität, Tubingen im Sommerhalbjahr 1852 gehalten werden. 

/.. E90f ig9 i i$ffh^ lk i 9U^i$ehe. Fiteuliät, v. Baur. KirchenfeffcliiehteS.Tbl.} Ifaitefltiiiefitltelie 
TheolAKw; EfkUking iIm Briefe an die Gdbler and dM Brieli Jac«bt» -^ v. Sobmid. Dia 
UbiTe der Apa4e^ bwifitflSobUeb «ach den Briefen deaneeea Teitamento; die OffenberoRK <>•■ 
aeuca Sandea nacb den HaopilbAtsatibe» ihrer Gtechiebte; Aaleitnne aur boeiileüseben MtaBd- 
Jaof der e^apgeliaohea Perikope»; Uüong der bomileti^Gbeo uad katecbaülfeben Dbaafeii M 
der evavfaU PFedigera«3tall. - Beek. Chriall. Sittevlebre 1. Tk; ErklCraii^ d. Briefe Pefri; 
ErkiSruag d«r Propbeleii Ifabmn «»d Zepbanje mit ParaHelea. ^ La »derer. Cbristl. Ghnh' 
bcBslebre mit Bioacbl. der ApoAofeÜk I. TU.; Cbriatl Dogmengescbkrbte 2. Htifle; Aef Ver« 
laagan firkUiHrog def HebrAerbriefa. «^ K6stlin. Lebra inut Leben Jesu nebst ErkHlrmig dl 
Beden Jles« In den synopliwhen EväafeUen. «^ Dill Mann. ErklAmng d. wicbtigsten GeseUe 
de» Penlntenfßb; edee Efklfinnif antfrewfibtter Psalmen. 

11. KbfMMeb.4ftao/o9ÜrAe Faemkät. y. Kuhn. Doginaük, 2. IHHfte; ErkMmii^ klMverer 
fnaliai^ep Brinfe^ -^ He feie. Cbristl. Kircbanfipwehicbte ; CbrML Patrologie; Leüungr homilet. 
Yortr«9^ ^ >YeUe^ Kinleitttnir. ias «Ite Teataneni$ BfkliriMf dar Pindmea; Ambwcfae oder 
arai«4isciifei Spraebe^ -^r Znkrigl. Gesebicbtn der Apoingetik; Piycboln^; 6to9chichle der 
«obolastisclMii PliikeaeplMe und der nenem voo Eant bis Uegek *^ Ab^erle. Moratlbeologl^ 
a. Ibeill; C««ui«tik^i Erbkämmir 4. BAiaerhriela; ed. statt dessen, aaf Verkiii«en, Marcnserangel. ; 
^^ JaliiniMMcbn Bfieia« — Keber. KaHiol. Eircbenrecht 2. HMe; Pädagogik und Didliklik; 
£riblfinng der F««torelbrie|e. — BendeL Praktiscbe Tb eo l ngi e; ForlKetsimg? Lüargik und 
PnrterfUebr». — Hiftsfeider, Cfocistikbe Bniigionspbilosopbie, anf Verbingen. 

Uts ^hmttii^ke Vacultdi. ?^ Sehrader. Auf Verlangen Pandekten, mit Aasnabme dei 
Paoiitien' n. Brbtecbts; odet, wenn er die«e niebl linat^ evegetiacbe Verleanng aber rdmiscbei 
|«<!M-. -. GArbnr. DeaUeli. Privntrfcbt; Deutseb. n^ wfirttembeiig. Staatarechti -~ MicbaeHa; 
Württemb. Privatrecht; Katbol. u. evangel. Kirchenrecht, raü besonderer BerAcksicbtignng der 
wartMmb. G^aetagebnn^. — Maye^ Pandekten 2. Tbl.; Praktiseb^exegetiscbe Vorlesung über 
4» PaadeMenlitcl de Terborum obligaiienibiis. — ■ Warnb#a.ig. Kathol. u. proteiaantt Kirchen^ 
recht; Juriatiaebe Enzyklopädie; Pawjbktenprakticun und Cooftfsatnriam. — Geib. Gemeines 
deiOddies u. württemb. Strafrecht; aeschirbte des Stnfrechta. ^ Eöstlin. Rechts- u. Siaats- 
phüosnpb^; Deutscbi^r u. wurttemby. Strafproeeas. — i Fein, fanlilntionen das rdn». Bncbt»; 
Geschichte des ««mischen Becbts; Pandslitenprakticnm. -^ Pfeiffer. FMMlfkten 2. ThU; 
EncyklepAdie und Methodologie de« BeiGhis; Auf Verlangen die snmmariscbnn Prooeasarten 
aod da» Concujrsverfabiren aach den^ gemeinen dentsobon und wMtemb. Precessreebtew 

IV, Mtdiemüehe FaeuUäl' Gavelin. Organiscbe Chemie; Analsfttiscbe Chemie anf Ver« 
langen; PrakfiBcb-cheniiM^e Übungen. -r^ W. t. Rapp<. Zoologie; Zoolog.- anntoni« Obungen.-^ 
Antenrieth. Poliklinik; Gerichtl. Medicin für Jurisien; Dieselbe ffir Mediciner. -^ t. MobL 
Allffemeine Bptaoik; Praktische Übungen im Untersuchen d. Pianien. ^ Brons. Cbirorgisebe 
Klinik; S|*eciell9 Chirurgie 2. Th.; OperatiAnscursna an der Leiche. •— Arnold. Anatomie 
des Mena€*hen 2. Tbl* (Nervensystem, Sinnesorgane und Entwicklungsgeschichte); Physiologie 
des SIenaohen mit E^tperimenten; Prakt, Übungen in der pbysiologitchen Anstalt gemeinschafll. 
nit Prof. D. Luachka.. -^ Breit Geburtshfilflicbe Klinik; vu b^i jedem Geburtsfall; Cursn» d. 
gehurläbölfliGhen Operationen, -r G. Bapp. Medicinische Klinik; Specielle Pathohigie u. The» 
rapie; Physikalische Diagna^tik der Lungen«« und Herakisakbeitan ; Ambulatnriacbe Klinik. ^« 
S ig wart. Allgemeine Chemie n^ Cbenan der unorganisirten Körper; PharnMoentiacbeCbemie^ 
Medicinische Botanik. — Sphl^pa-abergec. O^aniflch» Chemie; Analytiscke» Curant in Labo- 
ratorium; Gerichtlich -polizeiliche Chemie auf Verlangen. -^ Vierordt. Heibnitlettehre, mit 
Versnclmn aber AraneMrkongan; Theona der medicinischen Statistik. — Luschka. Patho» 
logische Anatomie; Mikroskopische Anatomie. — Seite. Allgemeine Chirurgie. — Franc k. 
Auf Verlangen Cursus über geburtshatfl. Operationen am Phantome. — Voetioh. Eslerianr 
des Pferdef. 

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104 

F. Philoiophiieke FaeuUät. Ilaog. AHgemeina Uescfaichte leit dem Ende des i5. Jahrh. 
bis soRi westphfil. Frieden. — Walz. Ober Religion, Mythologie und Kunst des AUertbums; 
ErkiSrung von Sophokles Antigene; Im philol. Seminar Panegyricus d. Isokrates. — Fichte. 
Metaphysik; Psydhologie; Philosophisches Conversatorium. — Quenstedt. Geognosie; nebst 
fiictarsionen; Petrefactenkimde. ^ Visehe r. Ästhetik 2. Hilfte; ÜberGAthe's Fauat. -^ Kel- 
ler. Deutsche Literaturgeschichte seit dein 16. Jahrhundert; Über Gdthe'a Leben und Werke; 
Erklärung des Heliand. — Rensch. Experimentalphysik, -r- Peschier. Fmns4s. Grammatik; 
FraozÄs. Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts; Leitung/ franiös. Redefifonngen; Englische 
Sprache u. Literatur. — Hohl. Ober niedere u. höhere Analyais; Einleitung in die analytische 
Geometrie u; Stereometrie; Elementartrigonometrie; Corobinatoriscfie Analysis; Praktisch-geo- 
metrische Excorsionen. — Reiff. Geschichte der Philosophie von Cartesius an (mit einer ein- 
leitenden Darstellung des Entwicklungsganges der Geschichte der Philosophie fiberbaupt); 
Logik. — E. Meier. Geschichte der hehrfiischen Nationalliteratur (sogen. Einleitung in dai 
alte Testament); ErklSrang der kleinen Propheten: Joel, Arnos, llosea, Micha, Nahum, Haba- 
kuk; Arabische Leselkbungen 3. Cursus. — Roih. Allgemeine Geschichte der Religionen; 
Fortsetzung der beiden Sanskritcurse ; Auf Verlangen Erklärung des Weda und Acresta. — 
Seh wegler. Geschichte u. System der römischen StaatsTerfassung ; Kunstmythologie; Gesch. 
der griechischen Philosophie; Im philologitehen Seminar: LiTios u. lateinische StilQbungen. - 
Teuffei. Aristophanes Wolken, nebst Einleitung Aber den Dichter und seine Stflcke; Teren- 
tius Andria und Adelphi. Im philoiog. Seminar : Griechische Lyriker n. Horai Briefe ; griech. 
Stilabungen. — M. Rapp. Vergleichende Grammatik des indisch-europäischen Sprachstammes; 
Erklärung 6io$ Shakspeare und des Calderon. ^ Ofterdinger. Praktische Geometrie mit 
Obongen auf dem Felde; Elementarmathematik; Auf Verlangen ailgero. Naturlehre. —- Holland. 
Erklärung TOn Gudrun; von Dante's Inferno, nebst Einleitung Ober den Dichter und spine 
Weike; von Cervantes Don Quixote. — Febr. Universalgeschichte 2. Hälfte; Gesch. Europa's 
Mit 1830; Conversatorium über Gegenstände der Geschichte und Politik. — Leibnits. Gesch. 
der europäischen Baustile von den Griechen bis sam Scbloss des t8. Jahrhunderts. — Tafel. 
Auf Verlangen Religionsphilosophie. 

VL SlatUnoirihtehaftliehe Facuhdt. v. Volz. Allgemeine Maschinenlehre mit Maschinen- 
bau; Technologie 1. Tbl., mit Demonstratipnen u. Excursionen. — Schüz. Nationalökonomie; 
Ober Armenwesen n. Armenpflege. ~ Fallati. Politische Geschichte der europäischen Staaten 
von der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderte bis nach der Mitte des 18.; Völkerrecht. — Hoff- 
mann. Württemberg. Finansrecht 2. Tb.; Württemb. Gemeinderecht. — Göriz. Encyklopädie 
der LandwirthichafI; mit Demonstrationen n. Excursionen in besondern Stunden. — Helfe- 
rich. Eneyklopädie der Staatswissenschaften; Polizei Wissenschaft; Die Lehre von den Steuern. 

Kmute uttd Leibetdlmttgen. v. Falken stein. Reiten. — Sucher. Harmonielehre und 
Tonsalz, Leitung der Vocal- und Instrumental-Musik. — Leibnitz, s. pbilosoph. Facultfit. — 
Kastropp. Leitung der öfientl. Feehtabungen; Fechten. — Beck. Tanzen. — Wast. Turnen 
und Schwimmen. 

ünivergität&'butüute. Bibliothek; Evangel. Predigeranstalt; Anatomisches Theater; Bola- 
niseher Garten; Neues chemisches Laboratorium; Altes chemisrohes Laboratorium; Cabinet cbi^ 
rargischer Instrumente; Medicinische Klinik, Poliklinik; Chirurgische Klinik; GeburtshAlflicbe 
Klinik; Zoologische Sammlungen; Mineralogische und geognostische Sammlungen; Mönz- und 
Antiquitäten-Cabinet; Sternwarte und physikalisch -astronomisches Cabinet; Laboratorium ffir 
Agricultur und technische Chemie; Technologische Modellsamminng; Land- und for»twirth- 
adiaßltche Sammlung; Philologisches Lehrer-Seminar; Ifeicbnungs-Institut; Kölle*scbe Gerofilds- 
aammlung; Reitbahn; Fechtboden; Turnanstelt; Schwimmanstalt. 

Der Anfang der Vorlesungen ist auf den 15. April festgesetzt 
Tahingen, d. 28. Febr. 1852. 

K. üectoramt der UMveMlti«* 



0nick von F. E. Thtlu ia Wttrsbor|. 

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(Deutsche Üu?^uttte-Zeitiii§.) 

IV. MitMrgfMig. Mft9# nftrsh^'f». 



Zur Eriniierang an Albrtcbt von Haller 

und cur 
Ge«clilrlite der Sorietaten der Wi««eii«eliafteii« 

Fesimle, ^Mlen wm fug$ d«r hundertjSbrÄgQB Siiftunfsfeier der K. Societiit der Wisseo- 
gcbaften bu GutUngen am 29. Nov. 1851 von Rudolph Wagner*). 

Hochansehnliche Versamnilungl' Berufen, an dem Tag« der hamdert^ 
jahrigen Gedächtnisßfeier unserer Koaiglichen Gesellschaft der Wissenschaften 
Tor dieser festlichen Versammlung öffenllicb zu sprechen, liegt es nahe, vor 
Allem des Mannes zu gedenken, den wir als den Grunder unserer Gesell^ 
Schaft anzusehen gewohnt sind und der ihr 27 Jahre lang als erster Prasi^ 
dent Yorsland. Seine weitgreifende Bedeutung ist zwar im Allgemeinen in 
allen Läadern der Welt, wo man irgend Wissenschaften und Künste pflegl, 
anerkannt. Sein Einfluss aber auf die ganze Cultur unsres Volkes, auf Natur- 
kunde und Hedicin, ist dem Gedächtniss der heutigen Generation vielleicbt 
nicht mehr so gegenwartig, als er i^^ verdiente ^). 



*) Auf den Ton uns dem verehrten Redtoer ausgesprochenen Wunsch, die Rede vollstän- 
dig in die A. M. S. aufkunebmen, hat derselbe die Gute gehabt, uns die Rede unter Gewih- 
rang unserer Bitte zuzusenden. D. Red. 

1) Alb recht von Malier ward geboren den 16. October 1708 und starb am 13. De* 
cember 1777. — Das Hauptwerk Über tialler's Leben bleibt immer die Biographie von 
J> 6. Zimmörmano, dem bekannten Hannoverschen Leibarzt und Verfasser der Schriften 
Über die Einsamkeit und dl6 Erfahrung, der ein Landsmann Haller's war und vier Jahre in 
dessen Hau^e in Göttingen als Studirender de/ ftledicin zubrachte: Das Leben des Herrn von 
Haller. ZOrich 1755. 8. — Dieses Bucli erschien bei Lebzeiten Haller's trotz des gegen- 
theili^en Wunsches und <ier Abmabnung des Letztern. Heller selbst sagt darüber in einer 
Anzeige d6& We^ks: „VergebiBtts hat cler Herr von H. aus wichtigen und seine Ruhe betref- 
fenden Grüttdett in iwanzig Briefen die allzuwirksaroe Dankbarkeit seines Zuhörers missbilligt 
attd s^in Vorhaben ihm auszureden gesucht.*' -^ fein kurzer und gedrängter Lebenfabrist 
RalliftFs, liach Cilvi«r*s Biographie in dei- Bibliographie universelle, Vol. XIX, ist der awölf- 
l^tt, Von Wy SS (Bierti l828) besorgten Ausgabe von Haller's Gedichten beigefugt, wobei 
einige Unrichtigkeiten und Unbestimmtheiten des französischen Originals und^ einige Nachtrige 
gegeben bind« zum Thbil ubMIr Mitwirknng von Haller's Nachkommen und seines diinials noch 
lebenden lefsteri Schalen in der Planienkunde, Samuel Wyttenbachs. — Unter den kui-ik 
nach Haller's Tod erschienenen Lcbt^nlshiz^n Haller'a zeichnen sibh die voii Vicq d'Azjrl* 
«ad Coadorc«! in der franiöibchen Akademie gbhaltenliki Eloges histori4uc8 aus, spH^r 
wieder abgedruckt in: Oeuvres de Vicq d*Azyr recueillies etc. par J. L. Möi*eätt. Toniö it 

Akadem. MonaUscfarift. März 1861. U 



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106 Waicoer, Fottrede cur SlUtungsreier der k. Societfit der YiYf. in Göttii^eii. 

Unsere Schwester -Akailemie in Berlin feiert alle Jahre das Andepken 
an ihren ersten Präsidenten, an Leibniz; es ist billig, dass wir wenigstens 
alle hundert Jahre an unsern Ha Her erinnern. 

Indem ich eine so hervorragende Persöolicbkeit, idje in dem Jahrhundert, 
das abgeschlossen hinter uns liegt, eine neue Richtung bezeichnet, zum Haupt- 
gegenstand meiner Rede wähle, scheint es natürlich, einiger andern Verhält- 
nisse dabei zu gedenken. 

Ich wünschte den Zusammenhang und wieder die eigenthumliche Tren- 
nung ihrem wahren Werlhe nach zu würdigen, in denen unsere Gesellschaft 
und unsere Hochschule seit ihrer Stiftung zu einander stehen. Sodann möchte 
ich die Beziehungen andeuten, welche gelehrte Gesellschaften überhaupt zur 
Gtschichte der Wissenschaften und zur Bildung der Nationen haben. Ins- 
besondere möchte ich schildern dürfen, welchen Binfluss unsere Societät 
innerhalb dreier Menschenalter auf die Bildung unsrer Nation und auf deren 
Anerkennung in der gebildeten Welt gehabt hat^). 

Ich weiss wohl, dass um diese angedeuteten Aufgaben auf eine genä- 
gende Weise zu lösen, eine weit grössere Kraft und eine vielseitigere 
Kenntniss erforderlich ist, als ich mir entfernt zutrauen darf. Auch ist es 
klar, dass eine erschöpfende Darstellung dieser Verhältnisse niemals in dem 
engen Rahmen gegeben werden kann, in welchem eine öffentliche Rede sich 
zu halten genöthigt ist. Möge es mir wenigstens vergönnt sein, mit einigen 
Pinselstrichen eine Skizze von dem Bilde zu geben, das sich in meiner Seele 
gestaltet hat. 

1805. p. 304 und Oeuvres de Condorcet publiees pRr Condercet O'Connor et Arago. Tome IF. 
Paris 1847. p. 282. — Wichtig sind auch folgende Briefsammlungen , von Haller selbst 
herausgegeben: Epistolae ad Hallerum scriptae. Tom. I~VI. 1773—75. (Im letzten Bande 
befindet sich das vollstä'ndigste von Haller selbst zusammengestellte Verzeichniss seiner 
Schriften bis zum Jahre 1775. Das minder vollständige Verzeichniss, in dem son«t wichtigen 
Eloge historique d'Albert de Haller. Gen^ve. 1778 trägt die Jahre 1776 und 77 nach.j 
Einiger gelehrter Freunde deutsche Briefe ao den Herrn von Haller. Bonn 1777. (Mit einer 
Vorrede Haller's. Es sind 100 BHefe von 1725 bis 175t. Die Fortsetzung ward durch den 
Tod Haller's unterbrochen.) — Ha II er hat selbst eine vortreffliche gedrängte Skizze seines 
Lebens gegeben in seiner Bibliotheca anatomica. Vol. II. p. 198, so wie eine sehr bescheidene 
Beurtheilong seiner Leistungen als Dichter, besonders im Vergleich zu dem mit ihm im selben 
Jahre geborenen Hagedorn, in einem Briefe an Herrn von Gemmingen. S. die Sammlung 
kleiner Ha Herrscher Schriften. 3 Tbl. S. 337. — Von besondrem Interesse ist das .10 Jahre 
nach seinem Tode erschienene Werk: Albr. v. Haller's Tagebuch seiner Beobachtungen Ober 
Schriftsteller und ober sich selbst. Zur Charakteristik der Philosophie und Religion diese« 
Mannes: 2 Theile. 1787. 8. 

2) tfber dieSen Gegenstand hat Haller in der ersten öffentlichen Sitzung der K. GeselU 
^chaft der Wissenschaften am 10. November 1751, als am Geburtstage Georg's II. eine latei- 
nische Rede gehalten: Sermo de utilitate Societatum litterariarnm , abgedruckt in den Com- 
mentar. Gott. Tom. L Von ihm selbst verdeutscht in seiner Sammlung kleiner Schriflen. 
2. Tbl. S. 175, . 



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Wagner, Feitred'e sar Stirtungsfeicr de^ k. Societfit der W^. in GOftingen. 107 

Albrecht von Haller, obwohl ein Schweizer von Geburt, doch den 
YoIIen Charakter deutschen Wesens in sich tragend, hat durch die Ausbildung 
der ernsten Galtung des Lehrgedichts und durch eine vielleicht niemals von 
irgend Jemand erreichte gründliche Gelehrsamkeit und selbststdndige For- 
schung, der Naturwissenschaft und Dichtkunst unschätzbare Dienste geleistet. 

Nicht im Lichte des vergangenen Jahrhunderts, sondern im Spiegel des 
gegenwärtigen, will ich den grossen Mann beleuchten. Was er für seine 
Zeit gewesen, haben zwanzig Lobreden und Lobgedicfate geschildert, welche 
nach seinem Tode aus dem Munde ausgezeichneter Männer in Deutschland, 
in der Schweiz, in England, Frankreich und Italien uns aufbehalten sind^). 

Was zuerst Halle r's Stellung als Dichter und Literator im Allgemeinen 
betrifft, so möchte ich dem, der weniger vertraut sein sollte mit der Ge- 
schichte der Poesie unsres Volkes, die schlichten Bemerkungen Goethe's 
für diese Seiten unsres geistigen Daseins nahe bringen. In Wilhelm 
Meister's Wanderjahren wird „das grosse ernste Gedicht, Raller's Alpen'^ 
unter den Poesieen vaterländischer Dichter zuerst genannt, „weiche das Gefühl 
erregten und nährten.'^ In Wahrheit und Dichtung, wo Goethe von seinem 
Aufenthalte in Leipzig und von dem Schlosser'schen Kreise erzählt, sagt 
er: „Bei diesem Umgange wurdÄ ich durch Gespräche, durch Beispiele und 
durch eigenes Nachdenken gewahr, dass der erste Schritt, um aus der 
wasserigen, weitschweifigen, nullen Epoche sich herauszuretten, nur durch 
Bestimmtheit, Präcision und Kurze gethan werden könne. Bei dem bisherigen 
Styl konnte man das Gemeine nicht vom Bessern unterscheiden, weil alles 
untereinander in's Flache gezogen ward. Schon hatten Schriftsteller diesem 
breiten Unheile zu entgehen gesucht und es gelang ihnen mehr oder weniger.*^ 
Unter denea, die durch Reflexion dazu gefuhrt wurden, wird von Goethe 
Lessing als der erste, unter denen, die von Natur zum Gedrängten geneigt 
waren. Haller genannt. Im Anfange des zehnten Buches seiner Biographie 
erwähnt Goethe die traurige Stellung der Dichter in der bürgerlichen 
Welt während der Zeit seiner Jugend, da sie weder „Halt, noch Stand, noch 
Ansehen hatten^S bis die Muse sich zu Männern von Glänze gesellte, bis 
„lebensgewandte Edelieüte, wie Hagedorn, stattliche Bürger, wie Brockes» 
entschiedene Gelehrte, wie Haller, auftraten, die unter den ersten der Nation 
erschienen, den Vornehmsten und Geschätztesten gleich." Wie aber Goethe 
selbst an Haller sich gebildet und, an dem Ernst und Reich thum seiner 



3) Ein Vereeichnifls dieser Elegien, Lobgedichte u. s. w. , welche ich fast alle auf unserer 
Bibliothek vorgeCiiDden und verglichen habe, 6odet sich, nebst dem Verseichoisse von Hal- 
]er's' Sehrinen und AufsStxen in P&tter's Versuch einer akademischen Gelehrten - Geschichte ^ 
Ton der Georg Augusts Universitfit zu GAttingen. 2ter Theil. 1788. S 40. — Von Götttnger 
Professoren haben spSter noch Blumenbach in seiner medicinischen Bibliothek 2. Bd. 1785, 
S> 179 eine interessante Charakteristik Maller's geigeben, so wie unser College Marx in den 
GMinger g^l. Anzeigen cur Einleitung des Jahrgangs 1837 , nachdem diese BlStter in das 
zweite Jahrhundert ihres Bestehens getreten waren. 



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U» W«^f9 Fe«|re^ %nr Stinmig|irei«r dv k, Social, der. WW. in, Göttuiif|% 

ßeißvikßn Freude gefunden bat, dßs gehl wohl «m nieisien da^aiui. hervor, 
dass er dem Werke, mit welchem er zuerst so aUgemein und tpachtig anC 
die deutsche Nation gewirkt hat, seinem Goetz von 6erliqh)ii>,g6n, ein 
Motto aus Haller's Usong vorsetzte. Yielluicht geht es Uancbem wie n»ir, 
der das Motto oft gelesen, ohne soine tiefe, prophetische Bedeutung zu 
empfinden. Wer es seit dem Jahre 1848 gelesen hat, wer es jetzt liest, den 
w.ird es vielleichf mit demselben Schauer erfüllen , mit dem es mich erfüllte, 
als i€h es jüngst wieder las^). 

So Goethe über Ealler. Und diess überhebt mich jedes eigenen. 
Urtheils, dem es nicht leicht werden würde, an H alleres poetische Schriften 
einen gerechten Maasstab anzulegen. Man müsste in der entsetzlichen Lang- 
weiligkeit jener Epoche gelebt haben, um die Goldkörner aufzufinden, welche 
unter der Spreu der Poesie damaliger Zeit verborgen lagen« Als ich HaI^ 
leir's Gedichte für den Zweck dieser Rede wieder vornahm, ward es mir 
sohn^'er einzusehen, wie nach der urkraftigen Sprache Lutber's und naeh 
dea her/licben Kirchenliedern de^i 16ten und 17ten Jahrhunderts eine solche 
Zeit in unserer Literatur wieder kommen konnte, wie die der ersten Hälfte^ 
4es Ißten Jahrhunderts. So sehr ich Haller's lateinischen Styl bewiin-^ 
. dere, so wenig kann ich mich an seiner Pbesie erbauen, während seine 
deutsche Prosa allerdings viei bedeutender ist. In seiner Vorrede zur lOten. 
Auflage seiner Gedichte urtheilt Haller selbst sehr bescheiden von seinen 
poetischen Leistungen, die freilich neben dem Bombast und der Schwulst* 
seiner Vorgänger und Zeitgenossen noch erträglich erscheinen und das, waa 
il^ien, an Schönheit: der Form abgeht, einigermassen durch Reichthum der 
Gedanken ersetzen. Haller's elegisebe Oden athmen allerdings tiefes' Gefühl 
uii4: i;ühren uns selbst an einzelnen Stilen. Aber ich will es nicht leug^n; 
leh war ausnehmend froh, als ich das letzte der Gedichte hinter mir hatte. 
Idt habe im Stillen Gott gedankt, ,der uns seitdem einen- Gpethe und 
Schiller, einen U hl and und Rück er t geschenkt hat^). 

Mit grösserem Interesse wenden wir uns Haller's wissensch^fllicbe«; 
Leistungen zu. Es war einer jener glucklichen Griffe unter den> ersten 8e- 
s^jzufig^n für unsere Hochschple, die dpm Freiherrn von Münch hauten 
— . — ■ ' .. — - — , '. ■. 

4) Diesem. Motto lautet: „Dm Unglück ist^ geschehen, das Merz des. yolK« ist in, den K^oth 
getreten und keiner edlen Begierde mehr fähig;. ^^ Die Stellen bei Göthe, die ich oben 
anfahrte, finden sich nebst mehreren andern in dessen Werken (Ausgabe in 40 Bänden. Stuttg« 
1840. Band XIX. S. 139. Bd. XXI. S. 51, 66, 75, 225. Vgl. auch Gervinus's Charakteristik 
Haller's „des Dichters dea Vecstandes'' in seiner Geschichte der. po£ttsciMtt NationaÜiteratur 
dfr Deutschen. 4^ Tbl. 

5) Di^ erste. Auflage v»n. Haller's Gediohtei^ erschien 1732, die eilftei,, noch- von. Hel- 
le r. selbst besorgte 1776- Seitdon erschien; Albrecht von Haller Versuch scbweiserwcher 
G^i^bte« ZwÖlQke, verinebrtc), un4 viel verbessente OriaiAal-riMsgabei begileitet. mi^ der l«ebeiis- 
bDsif|ir,f^bu9g.dea. Verfafter»* IHiri!bg;aaebeB und beaorgi voa Job» And^ W>y{S4, Pitofeasor«' 
d^n Pb^osupA(ia; BQ«n.l82S%, i^m Schhiüe dar Lebensakisae be^ndettsiobeiae ZvaavuneB^ 
atellung öffentlicher Urtheile über Ha Her alt< Diiohlefi) 



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g^bupgen, al& ^r Hailleir tei^ef» Die 17' Johfe^ wflohiq Haillen bier'ite 
I^eterer gawii^Ht h«if. sind von gnoaater Bedeutung für dAiiMtttCich aufblühen«-^ 
^eu Ruf der jungeo GeiOrgii» Au^gusta. gewesen. Ihm^ verdenkt utt^eaa 
Sooietijl ä;er Wieaenj^ohafteii ihte en$ta< Einrichtung, die nach «einem Ee*-» 
würfe geschah. Das» er zuni Präsiden teo keatimait ward., dase ihm diese 
Stelle, noch 2$ Jahre lang naich» aeJaem Abgang naoh Bern bis zu seiaem 
Tode Web^ war eine natdrlicbe Folge der allgemeinen Anerkennung, die er' 
gem>^«. Wer kannte eiu^ g^eeigoeter sein* zum Vorster in* einec gelehrten 
GeaaUscbaft als Ha 11 er, welcher vieliqioht in alieni dpei Claissett*, in welehn 
u^erq SQcietat, getbeilt i§^ als alimmfaihiges SlitgU^d; haitte auflr'eten kennen? 
Da er fast alle Zweige der Naturkunde cultivirte, so war sein« angj|mes«en^ 
ster Plat^ in der physikalischen Classe. Welche historische und philologische 
Bildung er hatte, das zeigen seine literärgescbichtlichen, Werke. Das Latein, 
schrieb er mit Tacitischer Kürze und Prägnanz, den besten seiner Zeit gleich» 
Das Griechische, Hebräische und Chaldäischc verstand er; im Französischen,, 
Englischen und Italienischen drückte er sich nüt der Eleganz eines Einge- 
bornen mündlich und schriftlich aus, und fast, alle übrigen europäischen« 
Spraichen. waren ihm so weit' zugänglich, dass er die darin geschriebenen 
Werke lesen konnte^ Mathematische Studien hatte er in Basql unter Ber- 
noulli getrieben und später fortgesetzt^). 

^Bekanntlich wird behauptet, dass Ha II er für unsere gelehrten Blätter 
allein über 10,000, nach Anderen selbst 12,000 grössere und kleinere 
Anzeigen, und Aufsätze, fast alleZweigf^. der Literatur umfassend^ geschrieben 
habe. -Aus ejgener Kenntniss vermag ich nicht zu sagen, ob diese Angabe' 
nicht übertrieben ist, denn ich selbst habe keine Zählung vorgenommen. Aber 
seine ausserordentliche Belesenheit ist bekannt, und von semem kolossalen 
ßedacfalniss sind uns dfe merkwürdigsten Beispiele aufbewahrt ''}. Wie bedeu- 

^ Blumenbach erzShIt im Jfthpe 1785 in seiner oben an^eföhrten Skitte Ober Haller 
(ll«4ic. Bibliothek. L & 186.): ,9^9 sind noeb viele Leute in Göttingen, die ibn auf -der Slk'aisei 
odejT; auff Spa^ier^^tig^n odi»* ober Tivdio lesend g|o$ebea baben und seia bypodiondt'ischer 
Lii«d9«iafui Ritter erzi^hU sog^r von ibin, „das« er an seine») Hochzeitstage in. caiculo di(&e* 
rentiali gearbeitet haben soll/^ Nun da» letzte wird aber boffentlich bei einem Manne von 
Haller'a Geffiblen doch wohl blos aus Zerstreuung in einer ungeduldigen Erwartung geschehen 
sein und um Himmelswillen nicht etwa wie bei weiland Math. Wesenbecius und ein paar 
apdf^ii: Stubengelehrten, der ArtTaiis qiehr als draifacb, pfMlani^cher. bölzerner Studirsucht.^^ 

''} finnige Bei^piel^ ven grossem, Interesse finde ich theils ia,der.Lehevs^izze bei Wy)0,is 
p.. XIaYIII undi ein , and^res^ bei Vifxq d'Azyir a. a. 0. p. 347 erwühot. Sie nwögeahiei) eine. 
Stelle fiaden; 

Als ein Freund Ha Hers. s^oJb bei ihm öb.er die seltsamem «nd schwer, zm « b«lHilt«n|leo t 
Nai^n der cbinesisohen. Kaiser beklagte,. >naji^te. ihm Ha 11 er, auf. de^ Stellor die lange üeihe 
dei; £(^he]rrscber des. chi^iesisclien Reichs iM,,cbronplogj|ifJier,.FAtgp und es« ergafc, sich;, bei der 
Cjpj;ilrplfi,,4wfs. Heller dabei, iqi, vollkojnaaeper Übereinstimmung, mit einem, j^ngsjt, daffib^ • 
ersebi^neja, Werk^ war. ~ ^in,. anderes, JMal.sesl^t« er. eine« Freund in.Ers(auaen«(indeii^ter 
ihnd. alle orieptaliscbea , Dynastieen nanpte, deren Geschichte . D,e Guigneg, ffis«hrieb<ra bat, 
wobei er die Jahreszahlen und difi). Tor^AS^ch«tejp JQreig^s^, beieie|ipele. . . 



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ffa Wtgvar, PeiirMle tur Stiftnngsreitr der k; Sb«iiBC«t-der WW. in'GdtfliiiMi. 

tend aber auch Haller's Kenntnisse und Leistungen in andern Ffichern 
waren; seine Stellung an unserer Hochschule verpflichtete ihn vors^äglich 
zur Bearbeitung der ihm übertragenen Lehrgegenstände, — der Botanik, der 
Anatomie und Physiologie. In der Botanik erreichte er nicht ganz den Ruf 
seines berühmten Zeitgenossen Linnä. Gleichwohl werden aber H alleres 
Arbeiten in der systematischen Pflanzenkunde heute noch hochgeschätzt. Er 
lehrte vorzuglich die Flora seiner heimathlichen Alpen und die des Harzes 
kennen. Wir verdanken ihm die erste Anlage unsers botanischen Gartens, 
dessen ältester Theil von ihm angepflanzt wurde, der heute noch Manchem 
unter uns wegen seines reichen Baumschmucks als kahler und anmuthiger 
Aufenthalt lieb ist. 

In der formbeschreibenden Anatomie überragte Haller selbst seinen 
berühmten Lehrer Alb in an Vielseitigkeit, wenn auch in der Kunst bildlicher 
Darstellungen Albin's Arbeiten vorzuziehen sind. Ihm stand kein Künstler 
wie Wandelaar zu Gebote. Eine Menge schwieriger Organe hat Hall er 
in ihrem Baue aufgeklärt und von dem Gefasssystem gab er die ersten voll- 
kommneren Abbildungen. Die Anatomie des Menschen war ihm jedoch nur 
eine Grundlage für seine riesenhaften Leistungen in der Physiologie. Hier 
überstrahlt er alle seine Vorgänger, seinen grossen Lehrer Boerhaave, 
dem er mit so inniger Pietät zugethan war, und man darf es wohl sagen, 
alle seine Nachfolger bei weitem. Ich möchte vielleicht nur unsern Johan- 
nes Hüller ausnehmen, der ihm, wenn auch nicht an Umfang und Fülle des 
historischen Wissens, doch an Reichthum physiologischer Kenntnisse und 
eigenthümlicher Forschungen vollkommen ebenbürtig ist und ihn an Schärfe 
des Urtheils übertrifit. 

In der Tbat war jenes Haus, das noch heute in unserm botanischen 
Garten steht und das Hai lern und andern bis auf* Lang enbeck's Zeiten 
als anatomisches Theater diente, das erste physiologische Institut, wie Hal- 
ler selbst als der Begründer der Experimentalphysiologie in ihrer jetzigen 
Gestalt zu betrachten ist. Obwohl Anatom ersten Rang's, erkannte er doch 
frühzeitig mit sicherem Blick, dass die Physiologie des Menschen mehr Licht 
erhalten könne aus den Beobachtungen und Experimenten an Thieren, als 

Einmal, in Gegenwart des berfihmten Arztes Tissot, begegnete es ihm in der Unter- 
haltung mit einem Offizier, der unter Carl dem Zwölften gedient hatte und seine Feldzage 
erzflhlte, dass Ha Her diesem alle die einzelnen Örtlichkeiten mit Namen bezeichnete, welche 
der Offizier vergessen hatte. Er that diess mit einer solchen Genauigkeit , dass der alte Mili- 
tär fiberzeugt blieb. Haller habe selbst die Gegenden, um die es sich handelte, besucht. 

Was ein solches beneidenswerthes Gedfichtniss werth war, scheint Haller recht wohl 
gewusst EU haben. Denn als er eines Tages, schon im eOsten Lebensjahre, in der Absicht, einen 
Freund aufzusuchen, in dessen Hause sich stiess und niederstürzte, versuchte er beim Aufstehen 
sogleich, die Namen aller amerikanischen Pl&sse, die sich in den Ocean ergiessen, aiy der 
Erinnerung niederzuschreiben und er beruhigte sich erst, als er aus seiner Vergleichung mit 
der Landkarte fand, dass er keinen der Flfisse vergessen hatte. 



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Wiignor^ Festrede «ir. Stiftoiig«reier <ler K. Societit der WW« ut GMlH^ea. 111 

selbst aus der Zergliederung menscblicber Leichen. Sein feiner BeobtcMungs«- 
trieb leitete ihn auch zum Studium der Genesis des Embry« und seiner 
Organe Er verfolgte unter Anderem die merkwürdigen Metamorphosen des 
Herzens beim bebräteten Hühnchen« Er führte fort, was Fabricius von 
Aquapendente und Halpighi begonnen, und ward so ein VorUufor 
Caspar Friedrich Wolff-s, DöUinger's, Baer's und Riithke's, ^er 
Begründer der Entwicklungs - Geschichte^ einer durchaus deutschen Wissen* 
Schaft. Haller's Elemeota physiologiae, in welcher er alle fremden und 
eigenen Erfahrungen zusammenstellte, sind ein unsterbliches Werk. Wo gieht 
es ein so umfassendes Handbuch in irgend einer Erf^hrungswissenschaft, das 
noch fast hundert Jahre nach seiner Erscheinung so häufig nachgeschlagen 
zu werden pflegt und verdient? 

Als Rudolphi in Berlin im Jahre 1821 sein schatzbares Lehrbuch der 
Physiologie herausgab, bemerkte er in seiner Vorrede: „Wenn alle Verfasser 
physiologischer Werke befragt werden sollten, welches darunter sie für das 
erste hielten, so kann Niemand etwas dagegen haben, wenn sie das ihrige 
nennen; allein, wenn man sie weiter fragt, welches sie für das zweite halten, 
so bin ich überzeugt^ dass sie alle ohne Ausnahme Haller's Physiologie 
nennen werden. Was allen Verfassern aber als das zweite erscheint, ist 
gewiss das erste; nicht wegen seiner Hypothesen^ nicht wegen der Anord- 
nung der Materien, sondern wegen des Reichthums an Thatsachen. Daher 
bleibt sein Werk für alle Zeiten unschätzbar, denn man findet über alles, 
was nur irgend dabin gehört, die gründlichste Belehrung." Haller's Grund* 
riss der Physiologie war noch zu Anfang dieses Jahrhunderts, wie ich finde, 
auf vielen Universitäten, von Petersburg bis Coimbra, der Leitfaden bei den 
Vorlesungen. 

Fragen wir, welche äussere Bedingungen Haller in den glücklichen 
Fortschritten seiner Forschungen vorzugsweise begünstigt haben, so tritt 
uns als erste entgegen, dass ihm, der in Bern als praktischer Arzt gelebt 
hatte, in dem jungen Göttingen eine Stelle geboten war, in welcher er zwei 
Disciplinen vereinigt vorzutragen hatte, die vor und nach ihm häufig getrennt 
waren, während sie doch ihrem ganzen inneren Wesen nach innig zusammen 
gehören — Anatomie wid Physiologie. Hier angekommen bei uns, hatte 
Hall er, so erzählt er selbst, nichts eiligeres zu thun, als das anatomische 
Theater auszubauen und für die Herbeischafi^ung von Leichen zu sorgen, 
Experimente an Thieren anzustellen und junge Männer, die er, von dem Rufe 
der jungen^ Hochschule angezogen, zahlreich und strebsam herbeieilen sah, 
anzuregen z^ eigenen Forschungen. Es ist eine prächtige Stelle in der im 
Lapidarstyle gehaltenen Skizze seines eigenen wissentchafUichen Lebens in 
der Bibliotheca anatomica, wo er erzählt, wie ihm der Gedanke kam, diese 
jungen Kräfte für die Wissenschaft zu verwenden. Wer irgend Lust und 
Freude und Begabung hatte, dem rieth er, sieh einen schwierigen, noch 
unaufgeklärten Theil d^r Anatomie oder einen physiologischen Gegenstand 

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118 WiifMr, F^treidt» zur SliflcKfi^reier «er k. SM^tfft der W^. Ift OHmigg^. 

-m wiM6ii und sich damit zwei Whit«r anter seitte/r Leitung %t ^dsthähigen. 
Hierdturcb, Mgt Heller selbst, ward e« mögUch, tinz^elrve Aonkle AbscImiftiB 
^kr Wtssf«s«h«ft w0it ifrehr üufzukUren, als er e« mit riftem eigimen Vki^^e 
'Wfmoiehi ^Me. Diess ist se walir! Denn was leistet eine jugMldffch frisches 
Kraft nicht, die sicli^ ridrtig g^eit^, vtnit aller Enei^ie attf einen fwpki 
wirft Aus jener herrticiieii Zeit giti^ die Arbeits bet-vöi-, welche Aren 
jungen Verfessem tmt den er/^cm Wurf einen dauemt^ lltfhin VeiisühaDleji, 
^ereft InengurahAhntidlungeti beute noch mit Ayszeichnuiig genannt wefil))efA. 
Unter ^n Jünglingen , weMie '$ich dazumal ihre ersten Sporen verdienten, 
stellt Haller selbst den #lt^ten Heikel roran, dien Grössvatier jener be-, 
fjliiintien Generation von Anatomen, 4ie im vierten Glied bis auf unsere 
Tage reicht. 

Mit Wehmuth seh^ ich auf die%;e Zeit zurftek. Wie ftnd^rs ist es seit* 
dem bei uns geworden. Die Promotionen tu {ktn höchsten ffhren in <te1r 
Medkiti sind zu inhaltsleerMi Formen herabgesunken. Diie Inaugiirahibhattd«> 
langten, die wissenschaftlichen Proben, die Jed^ Sdnst abzulegen hatte, li^infl 
obsolet geworden, und Statt die eigenen Kräfte an selbststdhdigen Aufgaben, 
«denen sie gewachsen wären, zu üben, verkümmern dto jungen Ärzte in deh 
«flzurrfih begonnenen (didaktischen Bestrebungen oder iM mühi^amen Kattipf 
tun ihre äussere Existenz, wenn nicht gui* der Skeptiziiimus Aet 2eit sl6 zu 
einer frdhen Verzweiflung an der ganzen Kunst treibt. 

Nach Hatler's Abgang von Gdttingen im Jahre 1753 waten Anatomie 
tind Physiologie noch kurze Eeit verbunden in Wrisberg^s Händen. Abär 
bri4 lioss derselbe, unter dessen Leitung einer der grössten Anatortien, 
(Soemmering^), gebildet ^urde, diese glückliche Combinatton faTleit urtd 
verband den Katheder der Anatomie mit dem der Geburtshülfe. Blumen- 
bach war indess aufgetreten. Er bemächtigte sich der Physix)logie, verband 
sie mit der von ihm ^o genial bearbeiteten Naturgeschichte und löste i^ie 
von der Anatomie, in welcher ihm selbst keine Gelegenheit Ward, sich fort- 
zubilden, völlig ab. So fand Längenbeck den verwaisten Lehrstuhl der 
Anatomie vor. Mit jenem Feuereifer, den wir an ihm kannten, verband er 
dieses Fach mit dem ihm üigenthünilichen, der Chirurgie, auf rühm würdige 
Weise. Achtzig Jahre hielten Wrisberg und Langen b eck an demselben 
Seeirtisoh ihre Demonstrationen, der -^ eine ehrwürdige R^hqüie von tl al- 
ler her — noch heute im grossen Hörsaale des neuen anatomischen Thea- 
l^s benutzt wird und der über zehntausend jungen Ärzten zum Unterriebt 
gedient hat. Niemand wird diesen beiden Mähnern die gründlichsten Kännt- 
Bisse bestreiten und im technischen Geschicke für ihre Kunst werdet sie 
stets ihres Gleichen suchen* Es waren, >wie Haller voti Felix Plater 



9 Ich giciabe hier Ar Manches, wa« die ZustSnde der Uaiversitilt GöUingen ia den Zei^* 
«Ml nach Haller belrifft, anf meine Darttellung von: „Samuel Thomas von Soiimitier'' 
rin^f Leben und Verkehr mit «einen Zeitg^neieea* Lei|^ 19^^' Verweisen cn dfirfeui' 



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WagniMs FMtredo znr SCiflangtfeier der k. SooieUl 4er WW. in QMIiafftpi. 113 

stgrt, vortreffliche Lehrer der Anttoffiie, ohne dass sie dieselbe mit n^uen Ent- 
deckungen bereteherl haben. ') J^elzt trat für eine kurze Periode Jene Trennung 
der Anatomie und Physiologie in Deutschland ein, welche von so verderblichen 
Folgen för beide Fächer und für die Mediein ward. Die Cultur der Physio- 
logie kam in die Hände seichter Theoretiker und die Anatomie gerieth in 
Gefahr, ein todter Haufe unverstandenen Wortkrams xu werden. 

Eine Autorität, die man hoffentlich wird gelten lassen, Sehe Hing 
spricht in seinen berühmten Vorlesungen über die Methode des akademischen 
Studiums davon, wie die Trennung der Anatomie und Physiologie, die sich 
beide wie Äusseres und Inneres entsprechen mussten, herbeigeführt ward, 
und er klagt, wie dadurch jene ganz mechanische Art des Vortrags in der 
Anatomie entstand, die bereits zu Anfang dieses Jahrhunderts in den meisten 
Lehrböchern und auf Universitäten die herrschende wak* ^% In dem Bewusst- 
s^n ganzer Generationen von Ärzten, ja selbst bei höheren M edicinalpersonei 
schwand die Überzeugung von der Noth wendigkeit der Verbindung. beider 
Doctrinen. Es entstand sogar die Meinung, die Hauptaufgabe des Anatomen 
bestehe darinnen«, den jungen Ärzten das Detail der Anatomie recht mecha- 
nisch beizabringen, wozu denn freilich weder grosse Kunst noch, grosse 
Bildung gehören würde. Jeder leidlich geschickte Anatomiediener könnte 
auf diese Weise bald zum Professor der Anatomie zugerichtet werden. Jetzt 
hat man in Deutschland fast überall die reine Anatomie mit der Physiologie 
wieder verbunden. Sie sollten nur in Nothfallen von verschiedenen Lehrern 
vorgetragen werden. Die angewandte Anatomie mag von dem Chirurgen 
und von dem Kliniker gepflegt werden, wie dagegen die vergleichende 
Anatomie jetzt immer mit der Zoologie verbunden werden sollte, wenn man 
der letzteren nicht allen wissenschaftlichen Charakter nehmen will. So ver- 

9) Haller «pricbt hier auf eine interessaDte Weise Ton dem Unterschiede ächter Akade- 
miker und Professoren in seiner oben erwähnten Eröffnungsrede unsrer K. Gesellschaft der 
Wissenschaften , indem er jeder dieser beiden Classen Ton Gejehrten ihren Werth Ifisst. Er 
sagt in der deutschen Übersetzung; dieser Rede, s, kleine Schriften Bd. H. S. 193: „Wenn 
der Professor nur die filteren Erfindungen sammelt, ,so stiftet er zwar bei der Jugend Nutzen, 
die Schranken der Kunst selbst aber erweitert er nicht. Nur zu häufig sind die Beispiele 
derjenigen Mfinner, die luit dem höchsten Ansehen viele Jahre auf hohen Schulen gelebet und 
gelehret und doch nicht das Mindeste zum Wachsthuro der Künste beigetragen haben. Nach 
dieser Art lehrte vor Zeiten Felix Plater, ein halbes Jahrhundert durch, in dreihundert 
Leicboamen die Anatomie so anziehend, dass aus ganz Europa Zuhörer sich zu ihm drSngten. 
Aber heut zq Tage verwundern wir uns, dasa bei so yortheilhaften Umständen, ein grosser 
Mann, dem es weder an Gaben, noch an anhalte^idem Fleisse fehlte, kaum etwas erfunden hat^ 
das fifliin eigen sei und das man nicht schon bei andern findet. Dasjenige nämlich, was von 
einem gemeinen und gegenwärtigen Nutzen für die Schüler war, das wiederholte Plater 50 
mal und da er sich niemals über dieses Ziel hinauswagte , so konnte er auch niemals etwas 

neues erfinden Diess ist nun der Anlass gewesen, die Gesellschaften zu stiften, welche 

ohne den Zweck zu lehren, einzig zu neuen Entdeckungen abgesehen^ sind.'^ 

^ Vgl. Sehelting's Vorlesungen über die Methode des akademischen Studiums. Tübingen 
1803. S. 300. . 

Akadem. Monatsschrift. März 185S. 15 ^ 

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114 WtgttlM^ F«8ii«do BOT Stiflmigifeier der k. fiociaUl der WW. ao Gdlliff^* 

ti^lioll es war, die Physiologie Yon der reineii Anatomie lofiauTeissen, eben 
«0 frrtliQmlich ist es gewesen, den Anatomen die angewandte und pfllbo^ 
logische Anatomie zu fiberlassen. Sie gehören yöllig in das Gebiet der 
Pathologie und ühirurgie. Aocii diese widernatärlicbe Trennung hat ilure 
«chlimmen Früchte getragen and zu dem traurigen Zustande mitgewirkl, in 
welchen die theoretisehe und prektiscfae Median zu Ende des vortgep Jabr^ 
,bunderts gerieth. 

IrrlhiSmer in der Theorie haben in der Medioin, wie in rferJurisprudean, 
von jeher auch zu verderbliohen Polgen in der Praxis geführt. Bin BeiBpid 
dazu geben uns die eben geschilderten verkehrten Stellungen der Doctrinen 
zu einander. Ein anderes glänzendes Beispiel bietet uns die so tieröhivt 
gewordene Haller'sche Irritiabilitetslehre dar,, deren bedenkliche Folgen man 
nicht dem Autor zur Last legen darf. Ha 11 er hatte sich seit (748 anft einer 
Reihe von Experimenten über die Nerven und Muskeln beschäftigt und die 
Resultate in zwei akademischen Reden 1752 öffentlich bekannt gemacht^ 
Reden, voni denen Halter selbst sagt, dass sie vielen Streit erregt und 
ihm vielen Hass zugezogen fiatten. H aller köndigt gleiefa im Eingänge 
seiner ersten Rede den grossen Einfluss an, den seine aus so zablreiche« 
Experimenten geschöpfte Irehre auf Physiologie, Pathologie und Chirurgie 
Ilaben werde, da aus -seinen Untersuchungen eine ganz neue^Eintheüunfir des 
menschlichen Körpers hervorgehe, nemlicii in irritable und sensible Theile 
«nd solche von diesen zu trennende, welche weder reizbar sind, noch Em- 
pfindungen haben ^^3. 

^0 Die98 beUjen Reiten « wplcho ^ln 23. April und am 6. l^|ai 17S3 iq «querer Sficielit 
^ele-sei) wurden, nijiiilicb ). de fiartibus cqrporis huniiani sensibitibus und 11. de partibns irrila- 
bilibus, erschienen bereits 1753 in den Commentarien der SorielÜt, dnnn wieder in den Opp. 
minor. Tom. I. Lausaun 1762 (welches als die vollstSndigsre revidirte Sammlung von Hai- 
Icr's Arlieiten Ober diesen Ge^enstnnd, mit einer Kritik seiner Gegner, ta betrachten ist). 
Französisch von Tissot in den Memoires de Lausanne 1754 n. 56. Italiflnisch von 'Petrini. 
Rom. 1755. Deutsch im Hamburger Ma^razin Bd. Xill und Verbessert in Halle r*9 Sammlung 
lileiher Schriften. 2. Tbl. Bern 1772 mit einem Nachtrage Aber die Aurnahme und Betirlhei- 
lung dieser Reden, von denen Haller später noch im 2. Bande setner Btbltötheca anatomrca 
d»gt: „Sermones, qui muUfls Utes excitarunt mullumque autori suo conciverunt odli.^^ Ober die 
tiistorische Entwickelung und Verwickelung der HaMer*schen TrritabiUuftstebre vergleiche 
man meine am 7. October 1850 der K. Societfit der Wissenschaften übergebene A-bbandlunf 
über das Verh^ltnisä der Inne>vation zur Miiskelirritabiltlift, welche in den Abhandlangen 
gedruckt werden wird und wovon ein Aus^zug in den ^^IVach richten von der-G. A. üitiversilSt** 
1850. Nro. 15. Oct. 21. gegeben ist, so wie ein Tfachtrag hiezu in den „Kachrichten" 1851. 
Äro. 14. Oct 20. 

Zur Erläuterung obiger Behauptungen« nach denen Haller's IrrltribiNtÜlslehre «in so 
wichtiger Einfluss auf- die ganze Gestalt der modernen Medidn zugesebrieben wird, mf4ige'4iier 
folgendes noch bemerkt' werden. 

Der Ausdruck Irritabilität, der bald eine so grosse 'Rolle spielen sollte, sc^bcint zaerrt 
von Glisson in die Physiologie eingeführt und aosfOhrlicher analysirt worden zu sein. Dieser 
tSeiehrte schrieb fast allen Theilen, auch den fiössigen, Ii ritabiiitfft zu: er. geht 'bereits auf den 
Grad und Umfang der Reizbarkeit der einzelnen The|le, besonders der Fasern nild namentlieh 

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WtiiMi', Fwtretfo zor Stiftoofsfeiflr d^ k. SoeietM der WW. n GOMyig»* t^ 

Di6 voii Heller auf sdne Experimeiite g^egröiklete Annirfiiiie von zwei 
orgiimscfaeft Grundkräfteii, der Ihrilabilitüt und Sensibilüftt^ ist der AusgangjSi- 
punkt eitler Bewegung in der Physiologie mid in der gesammten Hedieia 

Ats Herzens ein, dessen Bewegung er zaerst von Reizang (Irritatio) ableitete. ^ Scbon eh^ 
Haller seioe Al>lrandlang schrieb, halte die Pathologie eine Menge theoreiiscber Anscbaaungeil 
nif die Lehre von der Reiibarkeil gebaut, die ThStigkeit aller Faaera, aller Gefisse, Nerven, 
Muskeln, alle Bewegung im nienschlichen Körper, ja den ganzen Gaug der thierischen Ma- 
schine aus dem Principe der Reizbarkeit abgeleitet und es war der Satz aufgestellt worden, 
dass jegliche Krankheit von der vermehrten oder verminderten It*Htabilitfit der GefSsse her- 
rühre, während es andere Physiologen und Arzte gab', die alle Bewegung von ddr Sensetloi 
ableiteten HierOber herrschte zu Anfang des vorigen Jakrfauwierls die grOsste Verwirnint 
der Begriffe. Halle r unterscheidet bereits in seiner ersten Abhandlung zwei Grundkräfte im 
Organismus: die IrritabilitSt und Sensibilität. Er war zu diesen Untersuchungen gefuhrt wor- 
den, da Boerhaave noch behauptet hatte, dass es kaum irgend einen Tbeil des mensch« 
lieben Körpei>s gebe, welcher nicht schmerze odei* sich bewege lind die Ansicht Boerbaave^k 
war in ganz Europa recipirt wordjcn. 

In jener ersten Abhandlung gibt Haller eine Obe'rsidit feiner Exparimeole luld geki 
Gebilde Ukt Gebilde durch, an denen er sie anstellte» Ual>ei sagt er ausdröckÜcb, dass das 
Nuskelfleisch schmerze, wührend die Sehnen weder empfinden, noch schmerzen. An die Spitze 
der zweiten Abhandlung stellt Haller gleich den FundamentaUatz, dass die IrritabiHtfit ein'ö 
von den Nerven unabhängige Grundkraft sei. Er schliesst aus seinen Exf^brifn^nteh, d^^s itiiM 
atte Kraft der Muskeln von den Nerven abhänge. Auf ihre IrritabitiUIt werden alte' emzebiei. 
Gebilde gepräfl. Er kommt zum Schluss, dass im Kdrper kein Gewebe, als die Uujkeifaae^ 
iriitabel sei. Nar dieser komme die Eigenschaft zu, auf die Beröhrung sich 7U verkurzen. 
Haller verfehlt nicht, auf den Unterschied in der Dauer der Reizbarkeit aufmerksam zu 
machen zwischen den dem Willen unterworfenen und den wiliköhrlicben Muskeln. 

Sogleich in den ersten Jahren nach der Publication dieser Abhandlungen stellte sich^ 
besonders in Deutschland und Holland, trotz des gi'ossen Widerspruchs Einaalner, ein getwisses 
allgemeines Urtheil fest, worauf die Haller'sche Irritabilität als eine organische Grundlkraft 
aneikannt wurde, welcher, wie es von Gaubius und Andern geschah, eine bedeutende Kolie 
im Orgtfcisnaus zugeschrieben wurde. Aber schon frühzeitig scheint Hailer gefürchtet zu 
haben, dass man seiner Irritabilitatslehre ein zu weites Gebiet anweisen möchte, was sich 
deutlich aus der' Schluss.«telle seiner dritten Abhandlung (Opp. minora Vol. I. p 495) ergrebt, 
wo er sagt : „Ego quidem si quid queror, quererer , nimis läte extenenin fnüase naum hnjna 
potentiae.'' 

V\ie in allen Abhandlungen Haller's, so, findet man hier einen ausserordentlichen Reich* 
tbam an Ei^perimenten , welche mit Umsicht angestellt und im Einzelnen sehr vorsichtijLr zu 
Schlüssen benutzt sind, während die allgemeineren theoi etischen Anschauungen weniger genQ- 
gen, was übrigens mehr der ungemeinen Schwierigkeit des Ge|^en>tatid'es und der damals 
noch viel" gr(M8(ren Unvollkommenheit des gatazen SlnndpuAkts der lVatm4e4ir6 ^r orgatiisc*hetf 
Körper znensisbreiben ist. 

Prägen wir nun, wie hat die fortgeschrittene Wiasensiihaft Haller's Grufidansicht, das» 
die Muskeln auch ohne Vermittclung der Nerven in Contraction versetzt werden können, die 
'''rage, ob sich die Muskeln auf jeden beliebigen Reiz zusammenziehen können und ob den- 
M^ben eine specifisicbeReizhfirkeit zukomme, beantwortet, so kiönnen wir nur sagen, dass noch 
heute die .Meinungen der Phy.siologen völlig getheilt sind- Die einen verwerfen die Ha Herrsche 
^aaboie, die andern glauben, dieselbe bet$tati(ieu zu können. Zu d«n bedingten Anhängern 
Haller's recline ich mich, auf eii;ene Ezperimente gestutzt, während ausgezeichnete Physio- 
lognn, wie Joli. Möller« Mai[8hal.l Hall, die Gebrüder E. H. und E. VI eher, Valentiji^ 
Henle u. f. w. auf der andern Seite stehen. 



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116 Wagaer, F^trede zur Stiftangsfeier d^r k. Societit der WW. in GöllUiffe»» 

gewesen, die in der Geschichte unsrer Wissenschaft, «elbst den EifißvtBB von 
Harvey*s Entdeckung des Kreislaufs nicht abgerechnet, kaum ihres Gleichen 
hat. Alle die physiologischen und nosologischen Systeme zu Ende des vori- 
gen und zu Anfang dieses Jahrhunderts, die durch Eberhard modificirte 
Hoffmann'sche Soliilarpathologie, die CuIIen'sche Nervenpathologie, der 
Brownianismus, die vitalistischen Anschauungen Bic hat's, die naturphiloso- 
phischen Theorieen und das Pseudotheorem der Homöopathie wurzeln mehr 
oder weniger in dem Dogma Hatler's und dessen falschen Auslegungen. In 
der That ist die so berühmt gewordene Haller'sche Irritabilitatslehre in 
der Geschichte der Physiologie und Pathologie viel weniger wichtig geworden 
durch ihren substantiellen Inhalt, als durch ihren Einfluss auf gewisse Grund- 
anschauungen und Behandlungsmethoden der Medicin, als organischer Natur- 
lehre. Sie führte zur Ausbildung der Lehre von der Lebenskraft, besonders 
unter dem Einfluss der Entdeckungen Galvani's und Volta's in der Elek- 
tricitatslehre und somit zurück auf die alteren hypothetischen Annahmen von 
eigenthümlichen organischen Grundkräften, welche von Paracelsus bis auf 
van Helmont dieHedicin beherrscht hatten. Diese waren bereits durch die 
iatrochemischen und iatromechanischen Schulen auf die Seite gedrängt worden 
und man hatte angefangen, alle Processe im Körper, mit Ausnahme der Seelen- 
Aäligkeiten , aus physikalischen und chemischen Kräften zu erklären, wo- 
durch bei allen Verirrungen im Einzelnen ein Weg betreten war, der zur 
Erkenntniss der Vorgänge" des organischen Geschehens unendlich fruchtbarer 
gewesen ist, als der frühere, und auf den man daher in den letzten zwanzig 
Jahren auch wieder zurückkam. 

Es giebt in der Physiologie und Pathologie, namentlich im Munde der 
Arzte ^ keine Ausdrücke, die eine so grosse und vieldeutige RoHe spielen, 
als die der „Reizbarkeit" und „Lebenskraft", wobei man in Bezug auf erslere 
ganz von dem Haller'schen Grundbegriff abkam. Diese Lebenskraft, welche 
in unserm Lotze einen so scharfsinnigen Kritiker gefunden hat, bildete bald/ 
den Mittelpunkt jener dynamischen Theorieen, welche die Physiologie und 
Medicin wiederum länger als ein Menschenalter beherrsdhen sollten und die 
zum Theile jetzt noch in unserer Wissenschaft spuken. Man vervielfältigte 
diese Kräfte nach Belieben. Kielmeyer in seiher berühmten- Rede '^) 
stellte neben der Sensibilität und Irritabilität noch eine Reproductionskraft, 
eine. Secretionskraft und eine Propulsionskraft auf, Reil, der vielgenannte 
Halle'sche Arzt, unterscheidet in der Natur fünf Kräfte, die physische Kraft, 
die Lebenskraft, die vegetative Kraft, die animalische Kraft, endlich das Ver- 



^^) „Über die Verhältnisse der organischen Krfifte unter einander in der Reihe der Ter* 
schiedenen Organisationen, die Gesetze und Folgen dieser Veilifiltnisse/' Eine Rede, den il* 
Februar 1793, am Geburtstage des regierenden Herzogs Carl von Wflrttemberg gehalten 
von G. F. Kielmeyer. Zweiter unveränderter Abdruck, Tflbingen 1814. — Kielmeyer 
war der Freund und Mitschüler Cnvter's auf der Carls-Akademie in Stuttgart. 



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Wagner, Fcälred« iftrSliflaDgrf»i6r d«r k. SodeMt dar WW. in MitiDtfeii. 117 



mniflvarmögeii; Bür Heil ist jede üHer Kräfte mir eine ReiullaDte yen 
Form und Mischung der Materie ^% 

Mit diesem Jahrmarkt von Kräften, welche die Physiologen feilboten 
und zuweilen noch jetzt feilbieten, wurden freilich die exacten Physiker, 
welche viel wählerischer sind, wenig anzufangen wissen. Die gewöhnlichen 
Ärzte, über welche schon Galen zu seiner Zeit ein hartes Urtheil fällte, 
speiste man damit ab und selbst die besten, mit sehr wenigen Ausnahmen, 
Hessen sich von jenen seichten und blendenden Theorieen hinreissen. 

Ich . will diese Versammlung nicht mit einer weiteren Ausführung des 
Gegenstandes ermüden, welche nur als ein Beitrag zur Geschichte der Ver* 
irrangen des menschlichen Geistes zu betrachten sein würde. Aber es zeigt 
sich für den, der dieser Erscheinung ein aufmerksames Studium widmet, dass 
in der That die Ansichten der medicinischen Welt zu Ende des vorigen 
Jahrhundert«, welche die verkehrteste Behandlung der Krankheiten zur Folge 
hatten, aus einem Missverständniss der H a Herrschen Irritabilitatslehre hervor- 
gingen. Sicher würde nicht das Ansehen H a 1 1 e r s allein, so gross es auch 
war, ausgereicht haben, seiner Irritabili'tätslehre einen solchen Eingang zu 
verschaffen, hätte er nicht über vierhundert Experimente als Beweismittel 
aufgeführt. Es war der Respect, den man vor der experimentirenden Me- 
thode hatte. Denn nun glaubte man eine wirklich paipable organische Grund- 
kraft gefunden zu haben, welche nicht, wie die früher angenommenen Kräfte, 
a priori construirt war, sondern die durch die zahlreichsten Experimente 
festgestellt schien. 

Nachdem ich von Ha 11 er als Dichter, Literator und Naturforscher 
gesprochen, darf ich es mir nicht versagen, noch eine andere grosse und 
bedeutende Seite des Mannes zu berühren. Es ist sein Verhältniss zur christ- 
lichen Religion. Hier liegen uns so viele Schriften und Aufsätze desselben 
vor und das nach seinem Tode erschienene Tagebuch lässt uns so offen in 
sein inneres Seelenleben blicken, dass wir alle Elemente zu einer Beurthei- 
lung seiner religiösen Überzeugung haben. Bei ihm schloss, wie bei Kep- 
ler, Newton und Boerhaa ve, die stete Beschäftigung mit (len natür- 
lichen Dingen und die exacteste Forschung nicht einen lebendigen Glauben 
an die geoffenbarte Religion aus. Sein Tagebuch zeigt, dass er häufig erfüllt 
war mit göttlichen Gedanken, und dass er ein gläubiger Christ gewesen ist. 
Wenn eines auffällt, so ist es nur diess, dass wir in seinen stillen Selbst- 
bekenntnissen viel mehr nur das Gefühl seiner Sündhaftigkeit vorfinden, als 
das helle und fröhliche Bewusstseih, welches zuletzt in. der Seele jedes wah- 
ren Christen den Sieg behält und behalten muss. Als ein äusserliches Zeug- 
niss seines kirchlichen Interesses und als ein bleibendes Denkmal desselben 



13) ReiT» berühmte Abhandlung über die Lebenskraft in dessen Archiv für PJiysiolo^e« 
Bd. I. 1795. S. 1. 



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fflr uiii0i^' Staut ms^en wir niiser reformiiies GoltesHiw Ketrachten^ . 
Batt durch Ha II er ins Leben gerufen ward ^^). 

(SchlusB folgt;) 



IL 

Der Gesefzes-Entwurf fQr den höhern IJiilerricbt in Holland. 

(Schlass.) 

IVeoirtes Hffi»|rts(n(*k. Vöti der akademischen Zucht. Art. 79. Die 
Handhabung der akademiscfaefi Zucht steht dam ReotOr und den Ass^soren 
zu. Art. 80. Die Einschreibung auf der Rolle der Studirenden verpflichtet 
zum unbedingten Gehorsame den vom Rector oder vom tlector und den 
Assessoren im Interesse der Ordnung und der guten Sitten gegebenen Vier- 
oHnungen gegenüber. Besonders ist der Sludirende gehalteri, auf eine Vor- 
ladung des Rectors unverweilt zu erscheinen. Art. 81. Ini Falle eimss 
s^htecbten Betragens, Oder einer Handlung« welche die Ehre d^r Hochsehute 
oder die Studien ihrer Schüler benachtheiligt, wird vom Rector und den 
Assessoren eine Untersuchung eingeleitet. Die Polizei bietet hierzu hälfreiche 
Hand. Möglichenfalls wird die Angelegenheit zur Ausgleichung, gebrächt. 
Der Beschuldigte wird vom Rector allein oder im Beisein der AssessorlBU 
ernstlich ermahnt, und die Eltern oder Vormünder werden über das Vorge- 
fallene in Kenntniss gesetzt. Art. 82. Wegen Übertretung voh Art. 80j 
wegen fortwährenden schlechten Betragens und wegen Verurtheilung durch 
den gewöhnlichen Richter zu einer correctionellen Gefängnissstrafe, kahn 
dem Schuldigen untersagt werden: 1) der Besuch der akademischen Vor- 
lesungen und der Zutritt zu dem akademischen Gebäude« ein Jahr lang; 
2) der Besuch der Vorlesungen auf immer; 3) der Besuch der Vorlesungen 
an einer einzigen niederländischen Hochschule auf drei Jahre. Die unter 
Nr. 3 bezeichnete' Strafe wird auf Antrag des Rectors und der Assessoren 
vom Senat verhängt. Art. 83. Keine Strafen werden ohne Anhörung de«* 
Beschuldigten ausgesprochen Art. 84. Wenn die Handhfabung der SttPafeHr 
in der Ausfithrung Schwierigkeilen findet, tritt auf Antrag des Reetor& die 
Unterstützung der Polizei ein. Art. 85. Von den laut Art. 82 verhängten 
Strafen werden die Eltern und Vormunder der Schuldigen und die andern 
Hochschulen in Kenntniss gesetzt. 

ZHinfcs HaufUsirirk. Von den Prüfungen. Art. 8fe. In jeder Facuftfil 
wird die Meisterschaft durch das aufeinanderfolgende ^ Ablegen der ont^n 



<4) Vgl. beiooders: Hatler's Aassfifi« ans sei nein Tdjtebiiche «. a.O. im 2wei*eii' TMIe; 
t^Fragmeiile reliffiöter EmpfiiKiUDgeii** S. 217 uud seihe AbbandluAf;: „aber die ^ralUiaebeB; 
Feigen desUnglaubens^^ aus Haller's Vorrede zu dem Buche: „Prüfung der Sekte, die an 
allem sweifelt'' (1750). Ebenda«. S. 320. Ober llaller's Lebensende finde ich noch eine 
Stelle in dem 17t8 zu Genf erschienenen Eloge histoiique d*Alb«rt de Haller p.. 89 : 
„ßrtfiii an mois d'Octobre r?7T il sentit lä mort s'Hpproeher; il s'y preparii cö/ihnte im €hr6-* 
tien, qui espere le salut , mais qui n'est pas assure de r^blenir: Cependant qoelques jours 
•vant sa fin, iF fit connattre qu'il avait vaincu ses craintes et qu'il croyoit toucher les biens 
öteNiels, il*tixp)ra IIb 17 Dfecembh^ ^ hüit beüre^ du sorr en prbnon^iadt aVee dobtiaiice le 
nom de Jesus. ^' 



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'bezeichQilten Pnlfiiiif en envorben. Art. 67. Um 211 den Piilinf en s«9ftbif>- 
sen E« •werden, wird der Naohw€us veclun^, da^s man da« Torbereilend« 
Slaalsexamen befriedigend abgelegt habe. Art. 88. Dieses Stuaise^camea, 
•Ken Faeuhaten gemeinschafilich, erstreokt sich über naekfoigeiide Fächer: 
a) grieehiscbe und lateinische Spraobkenntniss bis zu der Höhe» worauf der 
Ufitevriebt auf den Gymnasien, kraft des Gesetzes ober den mittlem UAler* 
-rieht, gefordert wird; b) die- ikiupttbeile und bedeutendsten Epochen der 
(Seschichte in Verbindung anit der Geographie; 0) die Geschichte des Vaterr 
lands; d) die Rechenkunst; e) die Algebra bis zu den Gleichungen des zweir 
ten Grades; f) die Geometrie der ebenen Figuren und der gradlinigen Drei^ 
ecksanessung. Auch soll in lUesem Examen besonders noch auf die Kennl^ 
niss der holländischen Sprache und auf die Fertigkeit des Styles geachtet 
werden. Art. 89. In der philosophischen Facultat sind au erwerben; 
i) die Meisterschaft in der ckssischen Literatur; 2) die Meisterschaft in der 
orientalischen Literatur. Art. 90. Die Meisterschaft ifi der classischen Lite* 
ratur wird erworben durcii zwei Examina: Erste\s Examen: a) gramma* 
iische Erklärung der griechischen Schriftsteller (Homer, Honodot, attische 
Prosaiker); b) grammaiische Erklamng .der lateiaischen Schrtftstellar (Yirgil, 
ifauraz, Cicero); alte Geschichte; d) attische and römische Altertbumer; 
e) Logik und Psychologie. Zweites Examen: a) Kritik und Metrik der 
f^riei^hischen Scltriflsteifer (Aristophanes, die Tragiker, Thucydides); b) Kri<- 
ifk und Metrik der lateinisohen Schriftsteller (Plaatna, Taeitua); c) Literatar« 
geschjchte des classiscben Alterthums; d) Geschichte der Philosophie l^is und 
mit Aristoteles. Ausserdem eine schriftliche Bebandluag zweier SteiliHi aus 
cfaissisohen Schriftstellern. Art 91. :Die Meisterschaft in den orientalische« 
Sprachen erwirbt man durch a^wei Examina. Erstes : über a ) Grammatik der 
Itt^bräisehen , syrischen, ehaldaischen Sprache und arabischen Prosodie; 
h) moslomitische Aiterthumer; c) Erklärung eines hebräischen, arabiswhea 
und syrischen Gescbichtswcrkes; d) Erklärung eines griechiacbea und Jateirr 
nisehenSchriftstoHers; e) Logik und Psychologie. Zweites: über a) Geschichte 
der hebräischen, arabischen und syrischen Literatur; b) .höhere aaabiscbe 
Grammatik; c) Erklärung eines hebräischen Dichters oder Propheten , dned 
arabischen Grammatikers Dichters oder Prosaikers ; d) Enklarung ekies syrinr 
sehen Dirhtstuckes ; e) Erklärung eines persischen Gesohi« htascbreihers. 
Art. 92. Dieselbe Meisterschaft wird auch erworben durch %wei Exami^a^ 
Erstes : über a) die Grammatik und Metrik des Sanskrit, des Arabischen und 
Persischen; b) Erklärung eines leichtern Sanskrit-, eines arabischen oder 
persischen Werkes ; c) Erklärung ;ernes griechischen und lateinisohen Schrift«- 
steliers; d) Logik und Psychologie. Zweites^ über a) die Elemente; welche 
bei dem vergleichenden Spraehstudium des Sanskrit, des Persischen, Griechin 
schon, Lateinischen und den übrigen europäischen Sprachen des indogerma- 
nischen Stammes zu Gimnde geiegt werden müssen; >b) Erklärung eines 
scbwierigeren'Sanski^itsohriftstellers und eines persasohen Dichter^ ; e) Erkta«- 
pung eines alt-^niederkadischen Schriftstückea; d) Geschichte der indische« 
und »persischen Literatur; e) mulaische und javanische.Sprache und Lileiatiiir. 
Art. 83. In «der :Facultat der IHathematik und Natorwissensobaften sind an 
erwerfcien: 4)'<die'Ueistersohaft in den mathematisohen Wissenschaften.; ;2> 4ie 
Meisterschaft in den Naturwissenschaften und der Chemie; 3.) die Meister?r 
Bchaft \a der Zoologie und iBotanik. Art :9i iDie Meisteraohfdt in einem 
Jeden dieser Ficher wird erwarben durch Ablegen nweier ßxamina, wiaviOD 
das ecste, das allen igameinseliiaftUbh <ist^ uaifa^at: ^a) die »Steiemintilie wid 

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IBb Ikr Gefeliei-EilWiirr fir dwi h4her* Uatsuridrt ift HisliaBl. 

spUdrisehe TrigORomelrio ; b) die Elemente der Expertmentatphysik ; c) die 
Blemeüte der Sternkunde; d) die Elemente der Chemie; e) dieElemesle der 
Zoolog^ie; f) die Elemente der Botiinik; g) die Elemente der Miaeralogie. 
Art. 95. Das Schliissexamen für die Heistersdiaft in den mathematischea 
Wissenschaften umfasst: a) die analytische und beschreibende Geometrie; 
b) die Differential* nnd Integralrechnung; c) die analytische Mechanik und 
ihre Anwendung auf die Physik; d) die mathematische Physik; e) *die theo^ 
retische und praktische Sternkunde. Art 96. Das Schlussexamen für die 
Meisterschaft in der Physik und Chemie umfasst: a) die Experimentalphysik; 
b) die organische und anorganische Chemie; c) die Mineralogie und Geologie. 
Art. 97. Das Schiussexamen für die Meisterschaft in der Zoologie' und Bota«- 
nik umfasst: a) die Anatomie, Physiologie und Naturgeschichte der Pflanzen; 
b) die Anatomie, Physiologie und Naturgeschichte der Thiere ; c) die Paläonto* 
logie. Art. 98. Es steht dem, der sich für eines der Examina in der 
Pacultät der Naturwissenschaften und Mathematik anmeldet, frei, das besonder^ 
Fach anzugeben, worin er vorzüglich examinirt zu werden wünscht Art. 99. 
In der juristischen FacuUdt sind zu erwerben: 1) die Meisterschaft ia 
den Rechten; 2) die Meisterschaft in den Staatswissenschaften. Art. 100. Die 
Meisterschaft in einem jeden dieser Fächer wird erworben durch das Ablegen 
von vier Examina, wovon die beiden ersten gemeinschaftlich smd. Art. 101. 
Das ers.te Examen umfasst: a) die Erklärang eines lateinischen Schriftstel- 
lers; b) die römischen Rechtsaltertbümer; c) die alte, und besonders die 
römische Geschichte; d) die Grundzüge der niederdeutschen Literatur, Sprache 
und Ber^tsamkeit ; e) die Logik und Psychologie. Art 102. Das zweite 
Examen umfasst die Grundzüge des römischen Rechts (Institutionen), ojid 
die Rechtsgeschiclite. Art 103. Das dritte Examen in den Rechten um- 
fasst: a) das Naturrecht oder allgemeine Rechtslehre; b) das allgemeine 
Staatsrecht; c) das allgemeine Strafrecht; d) das Völkerrecht; e) die nieder- 
landische Rechtsgescbichte; ausserdem noch eine schriftliche Behandlung 
zweier Stellen aus dem Corpus juris romani. Art. 104. Das vierte oder 
Endexamen in den Rechten umfasst: a) das niederländische Staatsrecht; 
b) das niederländische bürgerliche Recht; c) das niederländische Strafrecht; 
d) das niederländische Handelsrecht; e) den niederländischen Civilprooess; 
f) den niederländischen Strafprocess. Art 105 Das dritte Examen in den 
StjBiatswissenscbaften umfasst: a) das allgemeine nnd das niederländische 
Staatsrecht; b) das Völkerrecht; c) Geschichte der Staats Wissenschaft der 
neuern Zeit Art 106. Das Endexamen in der« Staatswissenschaft umfasst: 

a) die Staafsverwaltungskunde; b) die Statistik,, besonders die des Vater- 
landes; c) das Administrativrecbt Art. 107. Wer Meister ist in den Rech* 
ten, erhält die Meisterschaft in den Staats Wissenschaften durch Ablegen ßines 
Endexamens, umfassend: a) die Geschichte der Staatswissenschaft der neuern 
Zeit; b) die Staats Verwaltungskunde; c) die Statistik und besonders die des 
Vaterlandes; d) das Administrativrecht. Art 108. In der medicinischen 
Facultat sind zu erwerben: 1) die Meisterschaft in der Medicin; 2) die 
Meisterschaft in der Wundarzneikunde; 3) die Meisterschaft in der Geburts- 
hülfe. Art 109. Die Meisterschaft in der Medicin wird erworben durch 
das Ablegen von vier Examen: 1) ein Examen über: a) Experimentalphysik; 

b) Experimentalchemie; c) Zoologie; d) Botanik; e) Mineralogie; 2) ein 
zweites Examen über: a) Anatomie und Physiologie der Menschen und 
Thiere; b) Kenntniss der Arzneimittel; c) die allgemeinen Grundsätze der 
Arzneibereitungslehre; d) allgemeine pathologische Anatomie; e) allgemeiae 



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Der 6efleUe8*£ntwarf. f l^r d«a liOkerQ Unterricht ia HolIaQd, 191 

Krankheii3)ehre; 3) ein drittes Bxamen über: a) diq bespiidere KraokMts- 
lehre; b) die allgemeine und besondere Heil Wissenschaft; c) Wundarzneilebre 
d) Anatomie; e) Staatsheilkunde; f) gerichtliche Medicin; g) Geschichte der 
Medicin; 4) ein Endexamen über: a) die raedicinische und wundäratlicbe 
Praxis; b) die Anwendung der Staatsheilkunde und der gerichtlichen Medicin* 
zugleich wird bei diesem letzten Examen der Beweis von hinreichenden kli-J 
aischen Übungen, während zwei Jahren, gefordert. Art HO, Die Meister* 
Schaft in der Wundarzneikunde und Geburlshülfe ist allein zu erweiten 
gleichzeitig mit oder nach Erlangung derselben in der Medicin. Zu di^m 
Ende wird, es sei bei dem medicinisehen Endexamen, es sei bei einem beson- 
dem Endexamen, gefordert: 1) für die Meisterschaft in der Wundarznei* 
künde eine nähere Prüfung in der Kennlniss der wundärztlichen Gebrechen 
und in der Geschioktheit ihrer Behandlung; 2) für die Meisterschaft in der 
Geburts hülfe eine nähere Prüfung in der Kenntniss der Geburtsbülfa 
nebst Vorlegung eines Beweises über hinreichende praktische Übungen in 
derselben. Art. 111. Die Examina, welche angehende Gottesgelehrte 
abzulegen haben, bevor sie zu der Prüfung zugelassen werden, welche die 
reformirle Kirche von ihren künftigen Vorstehern verlangt, werden festgestellt 
auf vier: 1) Ein Examen über: die Grundzüge der niederdeutschen Litera- 
tur, Sprache, Styl und Beredtsamkeit; b) Erklärung eines griechischen 
Schriftstellers; c) allgemeine Geschichte, besonders, israelitische; d) Logik 
und Psychologie. 2) Ein zweites Examen über: a) die Grundlebren der 
hebräischen Sprache; b} die hebräischen und jüdischen Alterthümer; c] die 
Elemente der arabischen und aramäischen Sprache; d) Geschichte der Philo** 
Sophie, 3) Ein drittes Examen über: a) die Grundlehre der Exegese der 
Schriften des alten und neuen Testaments; b) die Kirchengeschichte; c) die 
natürliche Gotlesgelehrlheit, 4) Ein viertes Examen über: a) die Erkla-^ 
rung der Bibel; b) Dogmatik; c) die christliche Sittenlehre; d) praktische 
Gottesgelehrtbeit. Art, 112. Das vorbereitende Staatsexamen wird 
einmal im Jahre von einer Commission von 7 Mitgliedern abgebalten 
worunter wenigstens 4 Lehrer von Gymnasien und lateinischen Schulen und 
welche alle durch den König ernannt sind. Art, 13. Das EndexamenVird 
einmal im Jahre von einer besondern Staatscommission für jede Meistern 
Schaft abgehalten. Jede Commission besteht aus 7 Mitgliedern, je^J^ma] durch 
den König ernannt. Diese Anzahl kann vermehrt werden, wenn die Anzahl 
der Examinaaden oder sonstige Umstände eine Abwechslung nölbig machen 
Für das Endexamen in der literarischen, der mathematischen und natur* 
wissenschaftlichen Facultät kann die Anzahl der Mitglieder, welche die Com- 
mission ausmachen, auf 5 beschränkt werden. Kein Hochlehrer kann in die- 
ser Commission den Vorsitz führen. Art. 114. Alle übrigen Examina werde« 
einmal im Jahre von einer Commission, bestehend aus 5 Hocblehrem von 
Jen verschiedenen Lehranstalten des öiTentlichen höhern Unterrichts in Nie-*» 
derland, abgehallen, und letzlere vom Unterrichts-Minister jedesmal bestimmt. 
Art, 115. Das vorbereitende Staatsexamen wird abgenonunen im Münftt 
August, die Endexamina im Monat Juli, die übrigen Examina im Mona} Juni 
eines jeden Jahres. Art. 116, Jeder, der irgend ein Examen abzulefren 
wünscht, ist verpflichtet, sich dafür vor dem ersten Mai eines jed^ Jahre« 
bei dem Secretair des akademischen Senats zu melden. Das Verzeii?hniss 
der geschehenen Meldungen wird von diesem vor dem 10. Mai dem Unter-p 
richtsminister zugestellt. Die Anmeldung mm vorbereitenden Staatsexemen 
geschieht bei dem Vorsüitzenden dieser Prufungscommissjon. Art. 11 7. Alle 

Akddeni, Monatsschrift. März 1852. 16 

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122 Der (ic.^etzcs Entwurf fftr den hohem Unterricht in Holland. 

Examina sind öffenüicli. Die Vorsitzer der Commissionen sind befugt, im 
Interesse der Ordnung und der guten Sitten die Öffentlichkeit zu beschranken. 
Der Beschluss wegen der Zulassung oder Nichtzulassung wird bei allen 
Examen durch Stimmenmehrheit gefasst. Art. 118. Die Art der Einrichtung 
und die Dauer der Examina, der Ort, wo sie abgehalten werden, die Anzahl 
der gleichzeitig zum Examen zuzulassenden Personen, und was mehr der 
Art ist, wird durch Verordnung des Ministeriums des Innern geregelt; Die 
königlichen Beschlüsse, die hierauf Bezug haben, werden durch das Staats- 
blatt veröffentlicht. Art. 119. Jeder, der ein Examen ablegt, zahlt dafür die 
Summe von 35 Gulden, welche als Entschädigung für Reisekosten und Diäten 
anter die Examinatoren gleichmässig vertheilt wird. Das vorbereitende 
Staatsexamen allein wird kostenfrei abgehalten. Art. 120. Die Mitglieder 
der Commission, welche das vorbereitende Staatsexamen abhält, erhalten ihre 
Reisekosten und Diäten nach dem Tarif. Art. 121.- Das Diplom, welches 
rtach bestandenem Staatsexamen abgegeben wird, wird kostenfrei ausgefertigt. 
Art. 122. Für jedes Diplom, welches nach jedem andern bestandenen Examen 
Ttusgefertigt wird, wird eine Retribution bezahlt: a) in der literarischen, 
mathematischen und naturwissenschaftlichen Facultät: erstes Examen 65 Gul- 
den; Endexamen 115 Gulden; b) in der juristischen und der medici- 
niischen Facultät: erstes Examen 100 Gulded; zweites Examen 115 Gulden; 
drittes Examen 115 Gulden; Endexamen 115 Gulden. Für das zwefte End- 
examen derer, welche die Meisterschaft in den Rechten und den Staatswissen- 
.Schäften erworben haben, 115 Gulden; c) in der theologischen Facultät: 
erstes Examen 45 Gulden; zweites Examen 45 Gulden; drittes Examen 45 
Gulden; viertes Examen 65 Gulden; und für den Doctorgrad (fünftes Exa- 
men) 50 Gulden. Art. 123. Die Ämter, Stellen und Berufe, wofür die Mei- 
sterschaft in irgend einem Fache wird gefordert werden, werden durch 
besondere Gesetze und gesetzliche Verordnungen bezeichnet. Art. 124. Die 
Meisterschaft in irgend einem Fache giebt den Beförderten alle Rechte, welche 
bei den bestehenden Gesetzen und gesetzlichen Verordnungen den Doctoren 
und Licentiaten einer Facultät zuerkannt sind. Wo über die bestehenden 
Gesetze oder gesetzlichen Verordnungen den Grad eines Meisters, Doctors 
oder Licentiaten der Rechte oder das Doctqrat in der Kterariscben Facultät 
fordern, wird stets die Meisterschaft in den Rechten oder die in der klassi- 
schen Literatur gefordert. Art. 125. Wo die bestehenden Gesetze oder 
gesetzlichen Veroi*dnungen den Grad eines Candidaten in irgend einer Facul* 
tat fordern, wird anerkannt, den AhforcTorungen dieser Bestimmungen genügt 
zu haben durch Ablegen: des ersten Examens in der Mathematik und den 
Naturwissenschaften; des ersten Examens in der dassischen Literatur; der 
beiden ersten Examina in den Rechten und d^ Medicin; und aller vier Exa- 
mina in der Theologie. Art. 126. Wer die Meisterschaft in irgend einem 
Fache erhalten hat, kann sich um das Doctorat in der Facultät bewerben, 
wozu die Meisterschaft gehört. Art. 127. Das Doctorat ist nur ein wissen- 
i^chaftlicher Tit»l. Es wird durch den akademischen Senat verlieben nach der 
öffentlichen Vertheidigung einer in lateinischer oder niederdeutscher Sprache 
ausgearbeiteten Probeschrift. Art. 128. Zu dieser öffentlichen Vertheidigung, 
soviel sie die Erlangung des Doctorgrads in der Theologie betrifft, kön- 
nen nur Jene zugelassen werden, welche die vier im Art. 111 bezeichneten 
Examina abgelegt haben und ausserdem noch ein Endexamen über: a) Her- 
meneatik und Kritik der Bibel; b) Geschichte der Dogmen; c) Symbolik und 
Apülogetik. Hiermit sind verbanden zwei schriftlich ausj^earbeitete Proben 



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Der Gesetzcfl-Entwurf (Ar ijen höhern Unterricht in Hoiiiind. t^3 

der Exegese des alten und des neuen Testamentes» Art. 129. Die Zuerr 
kennung des Doctorgrades geschieht kostenfrei. Art. 130. Die akademischen 
Senate behalten fortwährend ihr Recht, auf Vortrag der betreffenden Facul- 
taten, Männern von ausgezeichneten Verdiensten, sowohl im In* als im Ausr 
laude den Doctorgrad honoris causa zuzuerkennen. 

EiMtfS llanptstfiek. Additionelle und transitorische Bestim- 
mungen. Art. 131. Die gegenwärtigen Curatoren der drei bestehenden 
Hochschulen bleiben in Function. Art. 132. Die gegenwärtigen, sowohl 
ordentlichen als ausserordentlichen Hochlehrer, welche an den Hochschulen 
angestellt sind, erlangen, sofern sie zur Zeit, wo dieses Gesetz in Wirk- 
samkeit tritt, das volle Alter von 65 Jahren erreicht haben, das Emeritat 
mit Anspruch auf Pension nach Hassgabe des Art. 37. dieses Gesetzes. Die 
Übrigen werden auf Vortrag der Curatoren durch Wiederernennung aufs 
Neue berufen nach Massgabe der Art. 26. 27. und 32. dieses Gesetzes, und 
mit dem Genüsse des Jahrgehaltes zu keinem geringern Betrage, als sie 
bisher gemessen. Sie können nicht anders, als mit ihrer Zustimmung nach 
einer andern Hochschule versetzt werden. Art. 133. Die, welchen Ehre 
halber der Titel eines flochlehrers an einer Hochschule zuerkannt worden, 
es sei mit oder ohne Recht, an den Senatssitzungen Theil zu nehmen, sollen 
dasselbe, wie bisher, behalten. Art. 134. Die Hochlehrer, welche sich vor 
der Zeit, wo dieses Gesetz in Wirksamkeit tritt, auf Grund langjähriger 
Dienste bereits im Besitze eines erhöhten Jahrgehaltes befinden, behalten den 
Oenuss desselben. Art. 135. Die Pension, welche (durch Art. 55. des Ge- 
setzes vom 9. Mai 1846) den Witlwen und Waisen der Hochlehrer zuge- 
sichert ist, bleibt bestehen. Art. 136. Die Lectoren, welche zur Zeit, wo 
dieses Gesetz in Wirksamkeit tritt, an den Hochschulen thätig sind, bleiben 
in ihrer gegenwärtigen Stellung. Art. 137. Der Rector, welcher mit dem 
Zeitpunkte, wo dieses Gesetz in Wirksamkeit kommt, in Function tritt, wird 
unmittelbar durch den König ernannt. Art. 138. Von dem vorbereitenden 
Staatsexamen sind freigestellt: a) tiie, welche zur Zeit, wo dieses Gesetz in 
Kraft tritt, als Studenten bei der Hochschule eingeschrieben sind ; b) die, welche 
im Auslande einen Doctorgrad erworben haben; c) die Aerzte der 3. Classe 
bei der niederländischen See- und Landmacht. Art. 139. Von dem ersten 
Examen in der classischeji Literatur sind Jene befreit, welche vor dem in 
Art. 137. bezeichneten Zeitpunkte dea Candidatengrad als Vorbereitungsgrad 
für das Doctorat in der Philosophie und Literatur erlangt haben. Art. 140. 
Von dem ersten Examen in der Mathematik und den Naturwissenschaften 
sind die befreit, welche vor dem im Art, 137. angegebenen Zeitpunkte den 
Candidatengrad als Vorbereitungsgrad für das Doctorat in den Wissenschaften 
erlangt haben« Art. 141. Von dem ersten Examen in der Jurisprudenz und 
den Staatswissenscbaften sind Jene befreit, welche vor dem im Art. 137. 
angegebenen Zeitpunkte den Grad eines Candidatus literarum als Vorbereitung 
für das Studium der Rechte erlangt haben. Art. 142. Von den beiden ersten 
Examina in der Jurisprudenz und den Staats Wissenschaften sind beireit Jene, 
welche vor dem im Art. 137. angegebenen Zeitpunkte den Grad eines Cati- 
didaten in den Rechten erlangt haben. Art. 143. Von dem ersten Examen 
in der Med lein sind befreit Jene, welche vor dem im Art. 137. angegeben 
«en Zeitpunkte den Grad eines Candidaten in der Mathematik und den Natur-* 
Wissenschaften als Vorbereitung für die Heilwissenschaft erlangt haben. 
Art. 144. Von den beiden ersten Examina in der Heilkunde sind befreit : 
a) Jene, welche vor dem im Art. 137. angegebenen Zeitpnnkte den Grad 



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Id4 CotresjiioiiAeDi. 

ein^ft Cdtididul^n in der Medicin erlangt, kabeti ; b) die Aerkte der 1. und 2, 
Classe bei der niederländischen See- und Landmacht; c) Jene, welche bei 
dem in^ArL 137. angfcgebenen Zeitpunkte «den Grad eines Candidatu^ iitemrum 
erlangt haben, als Vorbereitung fär das Stadium der Gottesgelehrtheit. 
Art. 146. Von^den drei ersten Examina in der Gottesgelehrtbeit sind Jene 
freigestellt, welche vor dem im Art. 137. angegebenen Zeitpunkte den Grad 
eines Candidaten in der Gottesgelehrtheit erlangt haben« Art. 147* Jena, 
welcbe vor dem im Art. 137. angegebenen Zeitpunkte das Doctorexamen in 
irgend einer Facultät abgelegt ha^n, sollen noch bis sum Verlaufe der 
daraiiTolgenden vier Monate zu der Promotion zugelassen werden ^nadi 
Massgafoe der im Art. 127. dieses Gesetzes festgesetzten BestiHNnung. 
Art. 148. Wer vor dem im Art. 137. abgegebenen Zeitpunkte bereits einige 
Vorlesungen eines Hochlehrers besucht hat, soll demselben Cursus so olt 
beiwohnen dürfen, als er für gut findet, ohne zu bezahlen. Art. 149. Bei 
der Berechnung der nach Art* 43. und 44« dieses Gesetzes schuldig gewor«» 
denen Einschreibungsgelder kommt die Anzahl der Jahre in Betracht, woßlr 
man bereits in die Hände des Rectors und des Secretars der Curatoren die 
Einschreibungsgelder bezahlt hat.. Art.' 150. Die Einrichtung der jetzt 
bestehenden Athenäen und Seminarien bleibt vorläufig auf dem gegenwärtigen 
Fusse. Art. 151. Der Regierung bleibt 'ein Zeitraum von fänf Jahren nacb 
dem Zeitpunkte der Einfuhrung. dieses Gesetzes vorbehalten, um das Personal 
der Hochlehrer an den verschiedenen Hochschulen in Übereinstimmung mit 
Art. 23. und 25. dieses Gesetzes vollzählig zu machen. Art. 152. Die Regle*- 
nente, welche sich auf die Ausführung dieses Gesetzes beziehen, sollen hödistens 
binnen sechs Monaten nach dem Zeitpunkte, wo dieses Gesetz in Kraft tritt, 
alisgefertigt und veröiTentlicht sein. Art. 153. Das gegenwärtige Gesetae 
tritt am ersten September 1850 in Kraft. Alle bestehenden Verordmingeo, 
den akademischen Unterricht betreffend, sind mit diesem Zeitpunkte abger 
sdiafit und nichtig. 



in. 

t. Rostock, im PebrUMr* C^ertronalstoiidl d«r Leliwr. Fre^ueiw. ReUliiß.) A» der 

Universität Rostock wirken 23 ordeutliche Professoren, 4 ausserordentliche 
Professoren, 7 Privatdocenten, 2 Exerdlienmeister. — Die theologische 
Facuitit zählt 3 ordentliche PrMessoren und 1 ausserordentlichen. Ein vier- 
ler ordentlieber Professor (Prof. Philippi, gegenwärtig in Dorpat) wird m 
Ostern d. J. eintreten. -^ Die juristische Facullät besitzt ordenäfehe Pro^ 
feasoren uad 1 Privatdo^enten; die medicinische Facultät 5 ordeniliche Pro^ 
fessoren und 4 Privatdocenten- die philosophische Facultät 9 ordentliche 
Professoren, 3 aisserordentlicbe Professoren und 2 Privatdocenten. *^ Die 
2aU der Studirenden beläuft sich anf 106; unter ihnen befinden siöh 14, 
welche kein Zeugniss der Schulreife aufzuweisen haben. Von ihnen gehlen 
der theologisehen Facultät an: 14; der juristischen 61; der medicinischen' 18; 
der philosophischen 13. — Unter den sämmtliohen Stndirenden befinden sidi 
10 Ausländer. Rector ist gegenwärtig: Consistorialrath Dr Krabbe; Deoane 
sind: Consistorialrath Dr« Wiggers in der theo)o|fisdhen Facultät; Con- 
sislorialrath Dr. Leist in der juristischen Facullät; Ptoftesor Dr. Steuiiius fti 



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4er iMdicfilfsdien FaoBltai wmA ProfeSMr Dr. Roeper in der fWloso|Ai80ben 
FacolUil. — Viel Aufsehen erregt hier die dem Privatdocente» Dr. Retshig 
durch ministerielle Verfügung tu Theil gewordene Entsiehung der Venia 
dooendi; nicht desshalb, weil das Ministerioin von seinem uneweifeihaften 
Rechte einer Entziehung .der Venia docendi gegen einen Privatdocenten 
Gebrauch gemacht hat, sondern wegen des angeführten Motives, das weaent«- 
lich dahin läutet: der Dr. R. habe, weil er eines Pressvergehens schuldig 
befanden und desshalb eine criminelle Strafe erlitten, sich unwürdig gemacht, 
ferner als akademischer Lehrer eu wirken. Soll jeder Verstoss gegen unsere 
mit anglaublicher Strenge abgefassten Pressgesetze von Seiten eines akade^ 
mischen Lehrers dessen Suspension von der Lehrthätigkeit zur Folge haben? 
Es ist bemeriienswerth , .dass die .besagte Verfügung von einem MinisteriaN 
Vorstande ausgeht, der selber lange 2eit akademischer Lehrer gewesen. Der 
jetzige Staatsrath v. Schröter war früher Professor in Jena. <— Der bisc- 
herige Privatdocent Dr. Schliemann hat Rostock verlassen und ist bei der 
Grosherzoglichen Jostiz - Kanzlei zu Güstrow ehrenvoll angestelk. 

/. Leipzig, Mitte Februar. (Neue Lehrkräfte.) Seit meinem letzten Berichte 
habe ich Ihnen tiur wenig Neues von unserer Universität zu melden. Das 
Einzige und allerdings Erfreuliche ist der Zuwachs, den in diesem J^hre 
schon die philosophische Facullät durch die Habilitation zweier Privaldocen*- 
ten erfahren hat: des Dr. Hirzel als Chemiker, und des Dr. Willkomm als 
Botaniker. Ersterer schrieb „über die Einwirkung des Qaecksilber- Oxydes 
auf das Ammoniak und die Ammoniak -Verbindungen^^ letzterer über „die 
Strand- und Steppengegenden der Iberischen Halbinsel.^^ Nachdem wir den 
erst unifingst habilitirten. Docänten der Chemie, Dr. Wagner, durch seine 
Berufung nach Nürnberg verloren haben, wird Dr. Hirzel ein erwünschter 
Rempla^ant desselben sein; dem * Dr. Willkomm aber geht sogar ein weiterer 
Ruf durch seine zu botanischen Zwecken unternommenen Reisen in Spanien 
voraus, über die er auch Verschiedenes veröffentlicht hat. — Im Gegensatze 
zu vorstehend Berichtetem mag ich Ihnen nicht verschweigen, dass in einer 
andern Branche derselben Facnltat allerdings noch eine schmerzliche' Lücke, 
die vacante Lehrstelle der classischen Alterthumskunde, vorhanden ist. Bekannt- 
lich haben die lange gepJBogenen Verhandlungen mit dem, von der Facultfit 
primo loeo denominirten Prof. Hermann in Göttingen nicht zu dem erwünsch«» 
ten Resultate geführt. Ob an deren Stelle nunmehr Unteriiandlangen mit 
den weiter in Vorschlag gebrachten Professoren Wieseler in Göttingen und 
Ambrosch in Breslau getreten sind, vermag ich nicht mit Bestimmtheit zu 
sagen; jedenfalls ist keine neue Denomination erfolgt oder nur verlangt 
worden (wie neulich irrig ein Leipziger Correspondent in der A. A. Z. ver- 
sicherte). Auch die durch Kunze's Tod erledigte Professur der Botanik ist 
noch nicht wieder besetzt. 

I.München, im Januar 1852. CFackelaag. Uaneberg. Herrmann. Die phÜMophischen Stu- 
dien der Theologen. Rectoratsrede. Studenkenaasscbns». Frequenz.) Am 19. DcCCmber Vori- 
gen Jahres ward dem Jubilar Dr. Thaddäus Sieber, geistlichem Rath und 
Professor der Physik, dessen Biographie ich in meiner letzten Correspondfsnz • 
(Jam 'S. 37.) in einem kurzen Umrisse mitgetheilt habe, ein glänzender 
Fackelzug gebracht. Es nahmen an demselben die Verbindungen Bavariä» 
Franconia, Macaria, Palatia und Suevia Theil, im Ganzen wohl gegen 30O 
Studirende. — Den 28» December hat Professor Dr. Haneberg, der bekannt- 
lich vor zwei Jahren als Noviz in das hiesige Benedictinerkloster zu 
St^ßemfacius getreten ist, die Ordensgelubde abgelegt. — Professor Dr. Herr- 



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1^ ' Correapoiideiif. 

manii hat auch in diesam Semest^ seine Vorlesungen unterbreehen müssenT 
da er von der bayerischen Regierung zu dem am 1. Januar d. J. in Wien 
eröffneten ZoUcongresse abgeordnet wurde. — Das Slaatsministerium . für 
Kirchen* und Schul -Angelegenheiten hat ein Rescript erlassen, um den 
Vollzug des S 23 der neuen Statuten für die Studirenden an den bayerischen 
Universitäten auch bei den Candidaten der Theologie sicher zu stellen. Dieser • 
$ lautet nämlich: „Wenigstens acht ordentliöhe Vorlesungen, aus d<;m Gebiete 
der philosophischen Facultät soll jeder Studirende innerhalb der ersten zwei 
Jahre seines akademischen Studiums hören. Die Wahl dieser Vorlesungen 
ist der freien verständigen Erwägung eines Jeden anheimgegeben. Unter 
ordentlichen Vorlesungen sind solche verstanden, Reiche wenigstens 4 — 6 
Stunden wöchentlich gelesen werden/^ Da, nun die .Candidaten der Theologie 
einer theoretischen Endprüfung im Sinne des § 26 der Satzungen nickt 
unterliegen, so wird angeordnet, dass jeder Theologie Studirende, der um 
Aufnahme in ein Clericalseminar nachsucht, durch Vorlage von Frequentations- 
Zeugnissen den Nachweis zu liefern habe, dass er bereits acht ordentliche 
Vorlesungen im Gebiete der philosophischen Facultät gehört habe. — Am 
10» Januar hielt der Rector magnificus, Geheimerath Dr. Hieronymus v. Bayer 
in der kleinen Aula die übliche Antrittsrede. Er sprach über die Bestimmung 
der Universitäten und den Beruf der Studirenden. „Universitäten^^ sagte der 
gelehrte Redner, „sind Anstalten zur Fortpflanzung der Wissenschaft in 
allen ihren Hauptrichtungen.^^ Er widerlegte die Ansicht Derjenigen, welche 
sie lediglich als Unterrichts- und Vorbereitungs - Anstalten für künftige 
Diener ides Staates und der Kirche auffassen, sowie Jener, welche ihnen die 
Universalität auf dem wissenschaftlichen Gebiete streitig machen, und sie in 
blosse Specialschulen umwandeln wollen. Den' wesentlichen Inhalt dessen, 
was er über den Beruf der Studirenden in ausführlicher Weise erörtert hatte, 
fasste er selbst in folgende Sätze zusammen : „Obgleich zur höchsten Lehr- 
anstalt emporgestiegen, dürfen Sie doch nicht glauben, der Mühe des Lernens 
enthoben zu sein. Lernen allein ist aber nicht genug. Sie müssen das 
Erlernte auch durch freie Selbstthätigkeit in Ihr geistiges Eigenthum zu 
verwandeln suchen, Sie müssen studiren; Beides endlich sollen Sie nicht 
bloss thun um eines irdischen Vortheils willen, sondern auch um ein geisti- 
ges Bedürfniss zu befriedigen.^* Schliesslich hob er noch mit besonderm 
Nachdrucke als die wesentlichste Bedingung für das Gedeihen der Wissen- 
schaft hervor die religiös - sittliche Gesinnung ihrer Jünger. — Die Wahl 
eines Studentenausschusses für das Wintersemester IS^Vg^ war vom 12—17. 
Januar incl. ausgeschrieben, und wurden während dieser Zeit 220 Stimm- 
zettel abgegeben. Obwohl diese Zahl der Wählenden im Verhältnisse zur 
Gesammtzahl der Studirenden nur eine sehr geringe ist, so hat sie doch 
unsere Erwartung übertroffen, indem man fast allgemein glaubte, es werde 
diesesmal gar keine Wahl mehr zu Stande kommen. Es ist durch dieses 
Resultat doch wenigstens das Recht der Studentenschaft, sich durch einen 
Ausschuss vertreten zu lassen, für die Zukunft gewahrt, welches bei einer 
gänzlichen Nichtbetheiligung an der Wahl sehr in Frage gestellt gewesen 
wäre. — Die Gesammtzahl der in diesem Semester an der Universität imma- 
triculirten Studirenden beträgt 1906. Davon sind 292 Theologen (257 In- 
und 47 Ausländer), 784 Juristen (728 In- und 56 Ausländer), 15 Camera- 
listen (14 In- und 1 Ausländer), 237 Mediciner (205 In- und 32 Ausländer)^ 
369 Philosophen (347 In- und 22 Ausländer), 28 Mathematiker (sämmtlich 
Jnländer), 76 Philologen (67 In- und 9 Ausländer), 54 Pharmaceuten (4t 



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CormpoiMteni. f^7 

In- und 13 AusMnder), 11 Forstcandiditeki (10 In- und 1 Ausländer), 14 
Bergcandidaten (sdmmtlich Inländer), 4 Techniker (3 In- und 1 Ausländer). 

r. Innsbruck, im Februar. CDIe zustände der Unlversltüt. Gerücht über eine UuIverU- 
rät in Salzbarg. Chirurgische Aliademle. v. Moy. Uubegriindete Befürchtungen. Woblthätlgkeit.) UttSere 

Universität, welche in letzterer Zeit durch den Verlust zweier ihrer tüchtigsten 
Kräfte stark gelitten, scheint sich noch keines rechten Aufblähens zu erfreuen. 
Zwar versichert uns der „Phönix'S ein belletristisches Journal, dass bereits 
für das künftige Sommerhalbjahr schon ein Professor der Geschichte hieher 
bestimmt sei. Doch will diese Nachricht in Folge der zu oft fehlgeschlage- 
nen HofiTnungen noch keinen besondern Glaube^ finden. Prof. Böhm, dessen 
wahrscheinliche Berufung nach Prag ich Ihnen in einem frühem Berichte 
meldete, befindet sich zur Zeit noch hier. Die Vorträge über die Physik 
erleiden schon seit längerer Zeit Abbruch wegen immerwährender Kränk«* 
lichkeit unseres sehr begabten jungen Professors Baumgarten. — Das sehr 
verbreitete Gerücht von einer in Salzburg zu errichtenden Universität wSl 
uns auch noch die Aussicht für die medicinisch- theoretische Lehrkanzel 
nebmen. Hiebe! kann ich nicht unterlassen, Vorzüge, die Innsbruck vor 
Salzburg besitzt, zu rühmen: Innsbruck erfreut sich eines ausgezeichneten 
Naturalien- Cabinets, eines passenden anatomischen Museums, namentlich aber 
einer vortrefi'lichen Mineraliensammlung, — die Salzburg nicht hat. Dieser 
Umstand dürfte geeignet sein, der Innsbrucker Universität eine grössere 
Aufmerksamkeit zuzuwenden. Zwar bemühen sich ausgezeichnete patriotische 
Landsleute hier und in Wien rastlos für die Aufhülfe und Erstarkung un- 
seres Universitätswesens, aber, wie es bisher den Anschein hatte, ohne grossen 
Erfolg. — An der hiesigen chirurgischen Akademie ist folgende Veränderung 
vor sich gegangen: der Kreismedicinalrath Professor Dr. J. Laschan ist zum 
Director der medicinisch-chirurgischen Studien ernannt worden. Der Prof. 
der theoretischen und praktischen Chirurgie an der hiesigen Lehranstalt 
Dr. J. Mauermann (zugleich emeritirter Rector Magnificus der Universität) hat in 
Anbetracht seiner Verdienste um das Lehrfach den k. Rathstitel erhalten. — 
Der neue Kirchenrechtslehrer v. Moy hat sich noch nie zu einer ordent«- 
lieben Anzahl von Zuhörern, die die Zahl 12 kaum übersteigen, erschwin* 
gen können, während sein Vorgänger Phillips weit über 100 hatte. — An 
den vielen Berichten unserer Zeitungen, welche die Lehr- und Lernfreiheil, 
sowie das Institut der Staatsprüfungen in Gefahr schweben lassen, ist wohl 
kaum etwas Glaubwürdiges. Aus besserer Quelle vernehmen wir, dass die 
Regierung, von der Unzweckmfissigkeit des alten Lehrsystems, namentlich 
der Semestral- und Annualprufungen, selbst zu sehr überzeugt, nicht zum 
^AUen zurückkehren, sondern höchstens einzelne Modificationen, die das Wesen 
des neuen Institutes nicht schmälern, vornehmen werde. Im Übrigen ver* 
trauen wir auf unsern Hrn. Unterrichtsminister, der sich oft genug darüber 
ausgesprochen, und es in der That auch gezeigt hat, dass unter seiner 
Leitung die Wissenschaft in Österreich gedeihe und fortschreite, und keines-^ 
wegs zu Rückschritten verurtheilt werde. — Ich kann nicht unterlassen, 
lobend des Wohlthätigkeitssinnes gegen die Studirenden und der Vereine 
za Gunsten armer Studenten Erwähnung zu thun. Nicht nur, dass die Zahl 
der Stipendien und Stiftungen zunimmt, sondern auch die Professoren und 
selbst die Studirenden unter sich ermangeln nicht, armen und hülfsbedürfti- 
gen jungen Leuten an die Hand zu gehen. So hat sich sogar in Wien ein 
Verein unter dem Namen „Tiroler -Verein** gebildet, zum Zwecke der 
Unterstützung mittelloser Studirenden. Dieser noch junge Verein zählt bereits 

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iOfi CorreipondoBi. 

28 Hüglieder; aus den BeiUragen werden jährlich 30 Arme nnterslützt. — 
ÜhrigeAs hat unsere kleine Studentenficbaft leid^ schon in diesem Studien«* 
jähre einige aus ihrer Anzahl zu Grabe getragen. Sehr zu rühmen ist die 
Eintracht unter unsern Studirenden, namentlich der Deutschen und der Italiener, 
welche letztere iq diesem Jahre die Hälfte der Studentenschaft ausmachen. — 

r. Wien, im Februar 1852. C^Ie evMigeUaeli-tbeolQglscheii Lehranstalten Ungarnt.) 

Sie haben nedich, im Januarheft Ihrer Monc^tsschrift, eine Nachricht über die 
evangelisch -theologische Facultät in Wien, gebracht; es dürfte den Lesern 
nicht unerwünscht sein, auch einige Kunde über die andern Anstalten dieser 
Art in Österreich zu vernehmen. Solche Anstalten bestehen noch in Ungarn, 
wo über eine Million Einwohner dem Augsburger und über ^wei Millionen 
dem helvetischen Bekenntnisse angehören.' Dieselben heissen theils Collegia, 
tbeils Lycea, An den erstem werden gelehrt Jurisprudenz, Theologie, Philo- 
sophie; an den letztern bloss die zwei Tetztgenannten Wissenschaften, Alle 
theologischen Anstalten Augsburger Confession sind Lyceen, mit Ausnahme 
des Coliegiums zu Eperies. Insgesammt sind sie vor der Zeit der Revolution 
m^hr frequentirt. gewesen, denn nachmals.. Wir nennen bloss die ungefähre 
Durchschnittszahl ihres jetzigen Standes. Die Anstalten der helvetischen 
Confession .sind : 1) Debreczin, biharer-Comitat, gross wardeiner District, 
Superintendenz jenseits der -Theiss, dreijähriger thefologischer Cursus, 3 Pro- 
fessoren der Theologie, 60 Studirende der Theologie; überhaupt gegen 380 
Akademiker (Theologen, Juristen und Philosophen) und gegen iOQO Gymna«- 
siasten. 33 Saros-Patak^ zempliner Comitat, kaschauer District, Super-* 
intendenz diesseits der Theiss, dreijähriger Cursus, 3 Professoren, 50 Stu* 
denten; 350 Akademiker und 600 Gymnasiasten. 3) Papa, weszprentör 
Comitat , ödenhurger District , Superintendenz jenseits der Donau , dreijähri- 
ger Cursus, 3 Professoren, 30 Studirende; 200 Akademiker und 500 Gy«i- 
nasiasten. 4) Ketskemeth, pesther Comitat, pesther District, Superint^n«* 
denz diesseits der Donau, dreijähriger Cursus, 3 Professoren, 25Studir^de; 
150 Akademiker und 400 Gymnasiasten. Die Anstalten der AiigsbargorC!oa-> 
Session mit zweijährigem Cursus der Theologie: 1) Pre^sburg, pressbor- 
^er Comitat, pressburger District, Superintendenz diesseits der Donav, 3 Pro^ 
fessoren, 18 Studirende. 2) Schemnitz, grossbonter Comitat, pressburger 
District, Superintendenz der niederungarischen Bergstädte, 1 Projfessor» 14 
Studirende. 3) Eperies, saroscher Comitat, kaschauer District, Supef- 
jintendenz diesseits und jenseits der Theiss, 1 Professor, 14 Studin^e. 
4) Leulschau, zipser Comitat, kaschauer District, Superintendenz die^eits 
umi jenseits der Theiss^ 1 Professor, 10 Studirende. 5D Kesmarki zipspr 
Comitat, kaschauer District, Superintendenz diesseits und jenseits d^r Tfiei^Sy 
fs. Z. ohne Professoren und ohne Studirende. 6) Oedenburg, oedwburger 
Comital, oedenbtirger District, Superintendenz jenseits der Donau, 1 Profes- 
iRor, 15 Studirende. — Was die evangeliscb-theolbgiscben Ans^tal^ 
taa Siebenbürgens betrifft, so bestehen drei „ColIegia'S auf welche» 
von Angehörigen der helvetischen und von Einigen der Augsburger Confea^ 
sioB bloss Philosophie und Theologie während eines aweyährigen Cursw 
stodirt wird: in Klausenburg, in Maros - Vasarhely, in Szekely- 
Udvarhely. Jedes der curstea zweiColIegiea mag ungeföhr 60, das dritte 
100 Studirende haben. Der Theologie insbesondere widmen sioh dort unter 
je zwei theologisdien Professoren ungefähr je 15, hier unler eteem theo- 
iogiscben Professor 20 — : zusammefi 50 Stqdire«Mle. 



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Correspondenz. 129 

T» Wien, den 21. FebrOaf. (Der Besuch der deuUchen Universitttteu durch tfsterrcfchlsche 

stndirende.) Dss drsussen „im Reiche ^^ ausgestrente Gerächt, als würden\ 
inländischen Studirenden, welche fremde Universitäten zu besuchen wünschen, 
die Pässe verweigert, scheint völlig ungegründet zu sein. Diess geht auch 
aus der Correspondenz der gestrigen Nummer des Wanderers (Nr. 82) 
klar hervor, wo es heisst: „Die günstigen Mittheilungen, welche dem Mini- 
sterium des Innern über die öffentlichen Lehranstalten zu Leipzig, namentlich 
in Rücksicht auf die in und ausser dieser Lehranstalt durch die Direction 
derselben gehandhabte strenge Disciplin zugekommen sind, haben dasselbe 
bestimmt, in Fällen, wo es sich um Ertheilung von Pässen nach Leipzig zum 
Besuche der gedachten Lehranstalt handelt, die mit Ministerialerlass vom 
23. August V. J. sich diesfalls vorbehaltene Entscheidung für die Zukunft der 
Statthalterei des Königreichs Ungarn selbstständig zu ä)erlassen. Bei diesem 
Anlasse ist zu bemerken, dass namentlich Studirende der protestantischen 
Theologie aus Ungarn in frühem Jahren deutsche Lehranstalten zu besuchen 
pflegten, in welcher Beziehung sich derzeit Leipzig als empfehlungswerth 
darstellt.*^ Wir sind überzeugt, dass das Hohe Ministerium des Innern auch 
nach den öffentlichen Lehranstalten in Halle, Greifswald und Jena, wo bedeu- 
tende Legate für ungarische Studirende seit alter Zeit bestehen, gewünschte - 
Pässe ausstellen werde, da genannte Lehranstalten sich eines guten Rufes 
erfreuen. Zwar wird nunmehr durch die Fürsorge des Hohen Ministeriums 
des Cultus und Unterrichts auch den Studirenden der protestantischen Theo- 
logie aus Ungarn an der hiesigen evangelisch -theologischen Facultät Alles 
dasjenige geboten, was sie auf auswärtigen Universitäten etwa suchen kön- 
nen; aber das Leben in der Residenz ist zur Zeit so kostspielig, dass den 
vielen unbemittelten Studirenden der Aufenthalt hier geradezu unmöglich wird. 

X. Wien, Ende Januar. CVerlust und Gewinn der Universität an Lehrkräften. Grosse 
Frequenz, besonders der medlcinisclien und naturwissenschaftllehen Vorlesungen. Thätieiteit des medlcinl- 
schen DoctoreneoUeglums. Rin Competenutreit. Änderungen in den medicinischen und juristischen Prü- 
fungen.) Die Wiener Hochschule hat in kurzer Zeit bedeutende Verluste 
erlitten. Noch im November v. J. starb Dr. Stark, Professor der Kirchen- 
geschichte , in einem Alter von 57 Jahren. In diesem Monate schied der 
ausgezeichnete, allgemein hochgeschätzte Professor der Weltgeschichte, 
Dr. Grauert, eine Zierde der philosophischen Facultät. Jüngst wurde der 
czechische Dichter Dr. Kollar, Professor der slavischen Archäologie, zu 
Grabe getragen. Ob diese Verluste, namentlich der des Dr. Grauert, ersetzt 
werden und wann, ist sehr zweifelhaft. Jedenfalls ist das Gerücht, dass das 
von ihm gestiftete historische Seminar sich sofort auflösen werde, grundlos. 
Dasselbe steht zu fest in der öffentlichen Meinung und erfreut sich der 
Gunst des Unterrichtsministers. Als Nachfolger Grauerts nennt man einen 
Stiftsherm aus dem Kloster Melk; auch soll man an eine Rerufung aus der 
Schweiz denken. — Neben diesen Verlusten ist denn doch auch eine bedeu- 
tende Acquisition für unsere Universität zu nennen. Der Dichter Oscar 
V. Redwitz ist bereits hier, wird in den höhern Kreisen sehr gerne gesehen 
und soll seine Vorträge als ausserordentlicher Professor der allgemeinen 
Literaturgeschichte und Ästhetik im April beginnen. Der an Karajans Stelle 
berufene Prof. Dr. Hahn wird gerne gehört; er giebt Vorlesungen und 
Examinatorien über mittelhochdeutsche und gothische Grammatik und wird 
im Sommersemester über die Niebelungen lesen. Für die medicinischen 
Studien ist es von Interesse, dass der bisherige Privatdocent zu Jena 
Dr. Förster als Professor für pathologische Anatomie designirt ist. Auch 
begann mit dem neuen Jahre Dr. Sei dl als Docent seine Vorträge über 

Akadem. Monatsschrift. März 1952. 17 

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t3Q CorA^jtpondeaz* 

Augenheilkunde 9 einen bisher an der hiesigen m^diciirischen FacttUüt etwas 
l¥eniger cultivirten Lehrzwe^. Die Erwartungen von diesem Docenten sind • 
nicht gewöhnliche, und schon durch. einen Vortrag, den er in der Akademie 
1(1) Deceo^ber v. J. über die Erscheinungen des Leuchten» im tbierischan 
Auge gelesen hat, gerechtfertigt. Derselbe hat bedeutende wissenschaftliche 
Reisen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien, Frankreich und 
England gemacht. Von der Frequenz der medicinischen und naturwissen^ 
sch^ßlichen Vorlesungen an hiesiger Universität macht man sich auswärts 
nicht leicht einen BegriiT, So sab sich Dr. Schneider genöthigt, einen 
doppelten Cyclus seiner Vorträge anzuzeigen, weil seine Zuhörerschaft zu 
zahlreich ist. Derselbe hat in letzterer Zeit sein neues Verfahren, Arsenik 
aus. organischen Stoffen zu ermitteln, mitgetheilt, und es wurde von dem 
medicinischen Doctort^ncollegiuni dem Justizministerium für die gerichtliclie 
Praxis anempfohlen. DerZudrang zuHofrath Oppolzers Curs über „Uagen^ 
und Darmkrankheiten'' ist so gross, wie er vielleicht nie an einer Universität 
erlebt worden. Die Plätze sind oft schon eine Stunde vor Beginn der Vor^ 
lesungen besetzt, wessbalb die Inscribirten Karten vorzeigen müssen, um * 
zugelassen zu werden. — Unter den Juristen, die ihn hören, erregt Prof. 
Phillips grosses Interesse durch seine Vorträge, obgleich autfallender 
Weise dßr Zudrang zu seinen Vorlesungen nicht bedeutend ist^ er dürfte 
höchstens 30 — 40 Zuhörer haben, was hier bei der im Allgemeinen sehr 
grossen Zahl der Rechtshörer ziemlich wenig ist. Er gedenkt auch im Sommer- 
semester seine interessanten Vorträge über deutsche Reichs- und Rechts* 
geschiebte fortzusetzen. — Das DoctorencoUegium der medicinischen Facuität 
ist wissenschaftlidi sehr tbätig; im verflossenen Decanatsjahre wurden in 13 
Plenarsitzungen 25 Vorträge gehalten, in welchen vorzugsweise die praktische 
Medicin vertreten war. Eine Competenzstreitigkeit, welche (tie Rechte dieses 
Collegiums berührt, ist in den Journalen viel besprochen worden. Dem 
Decan des medicinischen Doctorencollegiums wird von Seite des Professoren- 
coUegiums das Recht streitig gemacht, die Zulassung der Candidaten zu den 
strengen Prüfungen wie bisner zu überwachen. Das Professorencollegium 
geht dabei von der Ansicht aus , dass der ganze Act nicht Angelegenheit 
der Facultät, sondern der Professoren sei, und beruft sich auf die proviso- 
rische Organisation der akademischen Behörden vom September 1849, wie 
nicht minder auf Ministerialerlasse und einen Beschluss des Consistoriums. 
Man ist auf den Ausgang begierig. — Von grossem Interesse sind die 
bevorstehenden Änderungen in den medicinischen Rigorosen, ftn Monat 
November hat das Unterrichtsministerium den Entwurf den Professorencolle- 
gien in Wien und Prag zur Erstattung von Gutachten zugeschlossen. Wie 
verlautet, sollen die Rigorosen für jeden Gegenstand einzeln sein, so dass 
derCandidat eben so vielen Prüfungen zu unterwerfen wäre, als er wesent- 
lich verschiedene Gegenstände zu hören hatte. Die Prüfungen aus der prak- 
tischen Medicin und Chirurgie sollen am Krankenbette und am Gadaver statt- 
finden. Die Fragen sollen nur von den Professoren gestellt werden und der 
präsidirende Decan soll nur aus jenen Gegenständen examiniren, deren Leh- 
rer er ist. Es werden 4 Rigorosa sein; die erste strenge Prüfung soll 
aus den Naturwissenschaften CChemie, Botanik, Mineralogie nnd Zoologie) 
bestanden werden. Dann folgen die theoretisch -medicinischen Gegenstände, 
die praktische Medicin und Chirurgie am Krankenbette, mit einer Separat- 
prüfung aus der Operationslehre, wobei der Candidat eine Operation an der 
Leiche vornimmt, und endlich eine Prufuner aus der topographischen Anato-^ 



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Cottmi^iiithi. !3I 

tnie. HIeiiffcA ivflre aüefdings ein slretigeres Eirtgeben rn jeden fftr sich 
bestehenden Tbeil det mediciniischen Wissenschaften möglich; die praktische 
Befähigung der Candidafen wSre unstreitig leichter am Krankenbette md an^ 
€ffdayer zu erkennen. — Auch in Betreff der juristischen Prüfungen spricht 
man von bevorstehenden Änderungen, ohne dass ntan jedoch das Institut der 
Staatsprüfungen Kr gefährdet hält, wie denn die Zertungscorrespondenten 
nicht wohl unf errichtet waren, welche neulich meldeten, dass jetzt so viele 
Studirende zu den Staatsprüfungen eilten, „weil deren Aufhebung als nahe 
bevorstehend bezeichnet werde." Die Änderftrt^en werden vielmehr nur eine 
gewisse Ausscheidung betreffen, indem die Finanz-* und Camerali^issenscbafleif 
einer speciellen Pacbprüfung zugetheilf werden sollen, was ja auch ander- 
wärts in Deutschland so ist. Auch in den juristischen Rigorosen stehen 
Änderungen bevor« Namentlicb bandelt es steh um eine Ausscheidung der 
Finanz* und politischen Gesetzkunde, weil sie keine eigentliche Wissenschaft 
bilden, wiewohl im Professorencolleghrm gegen diese Aus5rcheidung auch 
opponirt wurde. Höchst wahrscheinlich ^ird die rationelle Politik, die bisher 
ein Gegenstand des letzten Rigorosum war, dem ersten zugetheilt werden. 

O. Prag, den 5. März. (Zustand der Studien. Verändern agen an der Unirersitat. Lite- 

raiisciie Thäügkeit.) Die Vorlcsungcn haben in diesem Semester regelmässig, fast 
sämmtlich mit den ersten Tagen des Octobers begonnen. Die Frequenz ist 
auch in diesem Jahre eine bedeutende, und bot im Allgemeinen die erfreu- 
liche Erscheinung, dass die Studirenden 'in der Wahl der GoUegien mehr 
Ordnung und Planmässigkeit zeigten, als es in den vorhergegangenen zwei 
Jahren der Fall war. Nicht minder erfreulich ist Zunahme an Fleiss und 
wissenschaftlichem Ernst. Fast an allen Facultäten war das Urtheil der 
Lehrer in dieser Beziehung ein sehr befriedigendes. Auch die theoretischen 
Staatsprüfungen, die im Laufe dieses Semesters sehr häufig waren, fielen 
im Allgemeinen zur Befriedigung aus. Wie unbedeutend auch derlei Erfolge 
an sich sein mögen, so bedeutend erscheinen sie doch als Garantieen für 
die Zukunft, wenn man die Jugend unsrer neuen wissenschaftlichen Institu- 
tionen in Erwägung zieht. Bei so bewandten Verhallnissen giebt man sich 
gerne der Hoffnung hin, dass etwa bevorstehende STodificationen im Studien- 
wesen sich wohl nur auf eine hie und da nothwendig gewordene Verbesse- 
rung oder Behebung eines Übelstandes in den neuen Institutionen beschrän- 
ken, aber an dem Wesen derselben nichts ändern werden. Was die einzel- 
nen Facultäten betrifft, so haben sich im Allgemeinen nur wenige Verände- 
rungen ergeben. Einen bedeutenden Verlust hat die medicinische Facultät 
durch Kiwisch's Tod erlitten; auch an der philosophischen Facultät ist die 
Lehrkanzel für altdeutsche Sprache und Literatur durch die Berufung des 
Prof. Hahn an die Wiener Universität vacant geworden, und ist bisher nicht 
wieder besetzt. Der leitende Lehrkörper hat über Auftrag des Unterrichts- 
ministeriums zur Besetzung derselben einen Vorschlag erstattet und die Herren 
Raumer, Professor in Erlangen, Zacher, Bibliothekscustos in Halle, und 
Dr. Aufrecht, Privatdocent in Berlin, empfohlen. Als Prufungscommissär für 
die Gymnasiallehramtscandidaten ist an die Stelle des Prof. Hahn Prof. Schlei- 
cher getreten. An Lehrkräften hat die hiesige Hochschule in diesem Seme- 
ster keinen Zuwachs erhalten. Der aus Bamberg berufene Professor der 
Geschichte wird, wenn er nicht, wie man hierortlj glaubt, an die Stelle des 
verstorbenen Prof. Grauert nach Wien berufen werden sollte, eben so wie 
dep flfii9 Innä)ru(A herberufene Prof. der Philosophie, Dr. Löwe, erst mit dem 
Beginn des Sonimersemesters seine Vorlesungen eröffnen. Die Zahl der bis- 

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132 Corxeapondeoz. ^ 

herigen Privatdocenten ist durch die Berufung des Dr. Makovicka nach Erlangen 
um Einen vermindert, aber um keinen vermehrt worden. — Was literarische 
Thätigkeit . betrifft, so dürfte die Prager Hochschule kaum irgend einer andern 
Universität Österreichs nachstehen. Die hier erscheinende medicinische Zeit- 
schrift hat schon vor Jahren sich auch ausserhalb Österreich Anerkennung 
verschafFt. Ein nicht minder beachtungswerthes Unternehmen ist das hier 
unter der Redaction des Prof. Haimerl erscheinende „Magazin für Rechts- 
und Staatswissenschaft^S an dem sich nicht nur viele Gelehrte des Inlandes, 
sondern auch bedeutende Männer ausserhalb Österreich betheiligen. Zu wün- 
schen wäre nur, dass die Redaction in der Wahl des ihr gebotenen Stoffes 
etwas strenger wäre. Unter vielen recht schätzenswerthen Beiträgen findet 
sich auch hie und da manche gedehnte Abhandlung, die kaum ein wissen- 
schaftliches Interesse bei irgend einem Juristeii zu erregen im Stande sein 
dürfte. Die durch die Ernennung des Dr. Hasner zum Professor der Staats- 
Wissenschaft vacant gewordene Kanzel, der Rechtsphilosophie ist bisher un- 
besetzt, und dürfte kaum mehr beset^^t werden, da dieses Fach schon früher 
neben Hasner auch durch den Professor Schnabel vertreten ward und über- 
diess für das nächste Semester ein Privatdocent für dieses Fach gewonnen 
werden dürfte. — Auf diese wenigen Notizen muss ich diessmal meinen 
Bericht beschränken. Die Sterilität desselben hat in den Universitätsverhält- 
nissen selber ihren Grund, die seit längerer Zeit etwas einförmiger geworden 
sind. Sollte bald mehr Regsamkeit und Leben in dieselben kommen, so 
werde ich gewiss mit meiner Mittheilung auch nicht zurückbleiben. 

l. OlmÜtZ, 11 März. (Aufliebung der philosophischen Facaltät und damit zusammenhängende 

PersonaUen.) Was ich Ihnen im letzten Schreiben als Gerücht meldete , ist in 
Erfüllung gegangen. Die hiesige philosophische Facultät ist „aufgelassen'^ 
und die beiden bestehen bleibenden Lehrkanzeln der Geschichte und der 
Philosophie sind „provisorisch'' mit der rechts- und staatswissenschaftlichen 
Facultät vereinigt worden. An Namen und Rechten der Universität ist nichts 
verändert. Zugleich ist der bisherige Professor der Geschichte an der philo- 
sophischen Facultät Dr. Joseph Fick zum ord. Professor der Geschichte an 
der rechts- und staatswissenschaftlichen Facultät, Dr. Joseph Nahlowski, 
Gymnasialdirector z^ Cemowic in Galizien, zum ord. Professor gleichfalls 
an der juridischen Facultät ernannt worden. Der bisherige ausserord. Pro- 
fessor der Philosophie an der philosophischen Facultät Dr. Robert Zimmer- 
mann dagegen ist nicht nach Pesth, wie ich irriger Weise Ihnen mittheilte, 
sondern als ord. Professor an die Prager Universität, an die Stelle des vom 
Lehramt enthobenen ord. Professors daselbst, Dr. Ignaz Hanns ch, befördert 
worden. Die beiden übrigen Professoren der philosophischen Facultät, 
Dr. Schmidt und Dr. Kopetzky, sind, jener als ord. Professor der Zoo- 
logie an die Lemberger, dieser in seiner bisherigen Eigenschaft als Pro- 
fessor der Philologie an die Innsbrucker Universität versetzt worden. Der 
Kaiserstaat besitzt nunmehr zwei Universitäten mit nur zwei Facultäten: 
Innsbruck (Rechte und Philosophie) und Olmütz CTheologie und Rechte). 
Man ist hier sehr gespannt, ob der Aufhebung dieser auch noch jene der 
philosophischen Facultäten an einigen andern kleinern Universitäten folgen, 
werde, wie das Gerücht vor etlichen Monaten besagte. 

(T. Zürich, Februar 1852. CI>ie eidgenössisclie Universität. Peisoualstand der Universität 
Zuiicli. Wissensehaftliclies Interesse des Züricher Piiblicums.) In dCIH CrStOU Hofte dioSOS 

Jahrgangs der akademischen Monatsschrift ist die Vermuthung ausgesprochen^ 



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Correspondeni. 133 

dass das Project einer schweizerischen Gesammtuniversität vollständig besei- 
tigt sei. Der dafür angeführte Grund, dass der grosse Rath von Bern eine 
bedeutende Summe für die dortige Hochschule decretirt habe, berechtigt aber 
wohl. kaum ^u jener Annahme. Die Berner wollen nur ihre Hochschule so 
zubereiten, dass diese auf die Erhebung zur Centralhochschule aspiriren 
könne, denn die Berner, deren Stadt gerade der Bundessitz ist, sind viel 
zu buiidestreu, um an einer Isolirung Gefallen zu finden. Vielmehr ist der 
in andern Cantonen, am schlimmsten im Canton Waadt, der Bundesverfas- 
ung und aller Centralisation entgegentretende Particularismus in Anschlag zu 
bringen; ganz besonders aber, dass diese Universitatsfrage zugleich mit der 
Eisenbahnfrage auftritt; auch die Nachwehen des Sonderbundkrieges kommen 
in Betracht und die Ungewissheit, wie sich die Politik Europa's in der näch- 
sten Zeit gestalten werde. Aber viele der einflussreichsten Manner in der 
Schweiz haben jenen Plan zu einer grossartigen Hebung des wissenschaft- 
lichen Lebens in ihrem gemeinsamen Vaterlande durchaus nicht aufgegeben. 
Wünschenswörth wfire es, wenn in dieser Zeitschrift von jeder der bestehen- 
den schweizerischen Hochschulen ein getreuer Bericht über den gegen- 
wartigen Bestand derselben und die Vertretung der Wissenschaft an denselben 
gegeben* würde, um' daraus zu ersehen, welche Lehrkräfte und wissenschaft- 
lichen Einrichtungen jede derselben für die ecole centrale aufmustem kann. Wir 
wollen mit Zürich den Anfang machen. — Rector der Hochschule ist gegen- 
wärtig Prof. theol. AI. Schweizer; Decan der theologischen Facultät Lange» 
der staatswissenschaftlichen Prof. extr. F. v. Wyss (vom nächsten Semester 
an B. Hildebrand); der medicinischen Prof. extr. Spöndli, der philosophischen 
Köchly. . Die ausserordentlichen Professbren sind hier decanabel und haben 
als Decane Sitz im akademischen Senat. Auch gehören die ausserordent- 
lichen Professoren vollständig zu den Facultäten. — Wenn wir die wirklich 
werkthätigen Lehrkräfte der Hochschule durchgehen, so treten uns zunächst 
in der theologischen Facultät, die ihren alten Ruf conservirt, anerkannte 
Gelehrte von verschiedener theologischer Richtung entgegen, Hitzig, Lange, 
AI. Schweizer, 0. F. Fritzsche, an welche sich als beliebter Docent der Prof. 
extr. Biedermann anschliesst. Die staatswissenschaftliche Facultät hat in 
diesem Wintersemester eine fast vollkommene Umgestaltung erfahren, 'die, wie ' 
wir hofl^en, den Stern' wieder heraufführen wird, der über ihr leuchtete, als 
Keller, Bluntschli, Fein und Geib in ihr lehrten. , Zu dem in der gelehrten 
Welt rühmlichst bekannten Erxleben, der bisher einzig dem römischen Recht 
vorstand, und dem ausserordentlichen Prof. v. Wyss, der mit dem, dem 
conservativen Sinne eigenen Eifer deutsches und insbesondere das heimath- 
liche Privatrecht durchforscht und mit Anerkennung lehrt, ist der Reihenfolge 
nach Hommsen, Osenbrüggen, B, Hildebrand und H. Fick berufen worden. 
Von* diesen werden Hommsen und Fick, der zum Professor extr. ernannt 
ist, sich vorzugsweise den römischrechtlichen Vorträgen widmen. Den 
Erstem von Beiden, der auf Ostern eintreten wird, erwartet man mit grosser 
Spannung; Fick hat dagegen schon seine Vorlesungen über Institutionen und 
das hier besonders wichtige Handelsrecht, in welcher Disciplin er sehr be- 
wandert ist, begonnen. Osenbrüggen lehrt Criminalrecht und Criminalprocess^ 
zu dem er vom nächsten Semester an noch Civilprocess fügen wird. Seine 
Vorlesungen erfreuen sich in unserer südlichen Universität desselben Beifalls, 
den sie bisher auf der nördlichsten deutschen ernteten. Aus seiner officiellen 
Antrittsrede, die voii den Ausgangspunkten und der Idee der vergleichendem 



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134 Correspondent. 

Reelitswis9eiMdiaft hflndelte, koimte der zahlreiche und gebiUete Zuhörer^ 
kreils erkennen, dass ihm gr&ndliiche philotogisch- historische Forsehungen 
nicht die Grenzen, sondern die Anfänge imd Mittel wahrer Wissenschaft 
sind. Die Zuvorkommenheit des züracberischen Erziebungsraths, der iho, den 
Neuangekommenen, für die zwei nächsten Jahre zum ilector wählte, ist 
darum eben so lobenswerth als erklärlich* Für B. Hildehrand , der Nationai-- 
Ökonomie, Finanzwissenschaft und Staatsrecht liest, ist eine ganx neue 
StellMg geschaffen und in der Tliat ist durch die Berufang^ dieses aii8ge>- 
zeichneten Nationalökonomen einem dringenden Bedürfniss unseres Industrie- 
reichen Landes Abhälfe geschehen, wie besonders daraus hervorgeht, dass 
^seine Vorlesungen noch weit zahlreidler von gebildeten Bürgern als von 
Studirenden besucht werden. Dia ibra die Begierung alle' Mittel au Statistik 
sehen Untersuchungen gewährt, so dürfen wir von ciesem Lebensvollen Manne 
mit Recht - eine segensreiche Wirksamkeit inaterhsllb und ausserhalb der 
Hochschule erwarten. Ausser cfen Genannten trägt Prof. extr. Hillebrand 
neck deutsches Recht, Völkerrecht u. s. w; vor. — Die Ziierdeit der medi^ 
CFui sehen Facnttät sind Hasse und Ludwig, beide Männer von grosser 
wissenschafUicher Bedeutung. Als sehr eifriger Docent fördert die wissen- 
sdiaftlichen fnleressen der Studirenden in ansgezeichneter Weäe der kür&- 
Ifeh (an Oken's Stelle) zum ordentlichen ProL für Zoologie, allgemeine und 
vergleichende Anatomie ernannte Dr. H. Frey. Die Chirurgie ist vertreten 
durch Locher- Zwingli, einen erfahrenen Praktiker und guten Operateur; die 
Geburtshülfe in entsprechender Weise durch Spondli; Amneianttellehre durdi 
Locher- Balber. Für allgemeine Pathologie und padiologische Anatomie ist; 
eine eigene Professur gegründet und dieselbe dem Prof. extr. Meyer ^ bis* 
herigem sehr verdienten Prosector, von Ostern d. J. an übertragen-. Von den 
Privatdocenten dieser Facultät zeichnet sich Gieskcr besonders dadurch ans^ 
dass er aus seiner bedeutenden Praxis Lehrmittel herbeizieht und nutzbar zn 
machen weiss för seine chirurgischen Vorlesvngen. Der jüngere Spondli 
unterstützt seinen Vater. Dr. H. Locher, ein junger Mann von umfassenden 
Kenntnissen, hat sich zu hüten vor einer Vergröss^rung de» Kreises seiner 
Voiiesungeii. — In der philosophischen FacuUat docirt die Philoso phre 
Bobrik, der auch als Mathematiker bekannt ist, und Prof. extr. Kym, cfin sehr 
strebsamer Schüler Trendelenburgs; die Pinlologie, welche stets in Zürkih 
in schöner Weise gepflegt wurde, ist den Händien eines feinen^ Kenners des 
Alterthums und besonders begabten Docenten, KÖchly's, anvertraut, dem zwer 
Schüler Orelli's, H. Schweizer und J; Frei,, beide ausserordentliche Professoren, 
zur Seite stehen. INe Geschichte ist nicht minder gut vertreten durch dwn 
würdigen Veteranen der sckweizer Historiker Hottinger und Adolph Schmidt,, 
der. für allgemeine Geschichte vor einem Jabre aus Berlin berufen wurde 
und sich einen grossen Bei&ll unter seinen; Zuherem erworben bat^ llatbe-' 
matik lehren A. Müller und der tüchtige Prof. extr. Raabe; für die Chemie 
ist Löwig in höchst ausgezeichneter Weise thätig^ die Physik: lehrt Moossony 
dem leider manche anderweitige Bemfsgeschäfte es nicht gestatten, seine 
schönen Anlagen ganz für die Hochschute fruchtbringend zn nmeben. Bota^ 
uiker i^ind der kürzttch zum> Ordinarins ernannte Prof. Heer und Prof. extr. 
Nägeli, beide geistvolle, sehr fleissige Gelehrte. Ausserdem finden sich in- 
dieser Facultät nicht wenige zum Theil ausgezeichnete Pvivatdecentew, von 
denen wir hervorheben: A. fischer von der Linth^ den bekannten schweizer 
Geologen, Behn-Escbenlning für englische Spvadie und Literatur, & v. Vfys^ 



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für sdiwekerische CieS(^ieiite, Pehr besofider« för Ästhetik und füiiK^^schichte. 
Erst seit liurzer Zeit lehrt allgetnekie Natnrgescbichte , Minerftlögie und 
Paläontologie Dr. Ö. Volger. ■— Der eben jetxt fertig gewordene Lections- 
katalog fdr das Sommersemester ist sehr reichhaltig. Wenn nun freilich ki 
demselben mehrere Dacenten aufgeführt werden, die es nur dem Namen 
nach sind, so ist auf der andern Seite hervorzuheben, dass in der Reihe imr 
docirenden Docenten sich dh meisten dnrch Vortrag auszetehn«! , woranf 
bei den Anstellungen von Seiten des Erziehungsraths besondere Rücksicht 
genomnen wird. Dieser Vorzug der Züricher Docenten tritt sehr deutlich 
hervor in den Verträgen, welche vor einem gebildeten Publksum im Grossen- 
raths-Saaie allwochentUch in diesem Winter gehalten werden, zugleich aber 
auch iJas Interesse des hiesigen Publicums an wissenschaftlichen Fragen ; 
denn «s hnden sich nicht nur regelmässig gegen 500 Personen beiderlei 
Geschlechts ein, sondern in den verschiedenen Gesellschaftskreisen liefern 
die in jenen Vorträgen behandelten Themata einen sehr ergiebigen Unter- 
haltungs- und Disputationsstoff^ und so zeigt es sich hier, wie an manchen 
deutschen Universitäten, dass die Hochschule eine schöne Aufgabe erfällt, 
wenn sie Theilnahme für die Wissenschaft über den zünftigen Kreis hinaus 
zu erwecken ui)d zu fördern weiss. Dass diess in Zürich gelingen würde, 
war zu erwarten; denn ein sehr allgeoieines Interesse für einzelne Wissen- 
schaftsfächer, wie für die Kunst, zeigen schon seit Jahren die mancherlei 
Gesellschaften, die naturforschende, die antiquarische, die Künstlergesellschaft 
H. s. w., von denen i^jfthrlicb in den „Neujahrsblättem^* interessante Publi- 
eationen ausgehen. Diese Gesellschaften verdanken ihr Gedeihen zum Theil 
dem Umstände, dass es hier ausser den Fachgelehrten sehr viele Männer 
giebt, die mit den gehörigen Mitteln Versehen in freier Hingebung zur 
Wissenschaft dieselbe cultiviren. — Die bibliothekarischen Schätze Zvakb» 
sind recht bedeutend. Die Bibliothek der noch jungen Universität (die C^- 
tonalbibliothek) ist zwar nicht gross, aber der Reichthum der Stadfbibliothek 
ist dem Universitätspersonal ohne Besohräiikung zugängltoh; ausserdem sind 
durch Privatunternehmung eine juristische, eine medicinisehe und eine vor- 
treffliche naturwissenschaftliche Bibliothek entstanden. — Die Studirenden 
Zürichs, für welche kein privilegirter Gerichtsstand besteht, geniessen hier 
«Herdhigs eine grosse Freiheit, aber diess erweist sich f&r fleiss und Stt- 
Gchkeü nur segensreich; sie fühlen sich als junge Staatsbürger, die sich für 
das Leben durch ernste Studien vorzubereiten bibe», wobei der praktische 
Sinn der Schweizer sehr bemerkenswerth hervortritt. Ob die Deutschen mit 
Recht den schweizerischen Sfadenten Maagel an poetisehen Schwung vor-; 
werfen, wollen wir hier nicht entscheiden. 



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136 



Die Universitftlen im Winter IS^Vse- 



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Reihenfolge der UnivereiiSton nach ihref Freqaenz im Winter IS^Vst* 



137 



V. 

ReiheoAi)^ der Universiläten nach ihrer Freqneiiz im YVioter IS'V. 

A» An slclft» 



58« 



I. 

Ntdi &6r Gesamnitcalil 

der iinoi«triciilirt(BA Z^i- 

bdrer. 



Nach der GesammtEabl I 

der Immatricimvlen qnd , 

Nicbtimmatricolirtev. I 



ra. 

Nach der Gesamrotzahl 
'der AuslSnder. 



IV. 

Procente der Aailinder 

im Verfafilti^^ zur G«- 

sammtzabl. 



1 

2 
3 
4 
5 
6 
7 



Wien 

München 

Berlin 

Prag 

Bonn 

Leipzig 

Breslau 

8 Tübingen 

9 Würzburg 
10 Göttingen 



2178 

1906 

1574 

1324 

955 

848 

»44 

770 

727 

697 



11 Heidelberg 677 

12 Halle 594 
IB Erlangen 385 

14 Jena 385 

15 Giessen 379 

16 Grätz 360 

17 Königsberg 347 

18 Freiburg 346 

19 Münster 323 

20 Olmütz 264 

21 Harburg 263 

22 Innsbruck 217 

23 Greifswald 185 

24 Bern 185 

25 Zürich 169 25 

26 Kiel 145 26 

27 Rostock 92 27 

28 Basel 



1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 

10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 



Wien 2969 
Berlin 2383 
München 1906 
Prag 1537 

Bonn 985 

Breslau 869 
Leipzig 848 
Tübingen 770 
Würzburg 731 
Heidelberg 704 
G.öltingeB 697 
Halle 630 

Grätz 40"? 

Jena 395 

Preiburg 391 
Erlangen 
Giessen 
Königsberg 347 
Münster 323 
Olmütz 286 
Marburg 277 
Innsbruck 257 
Zürich 189 
Greifswald 188 
Bern 185 

Kiel 145 

Rostock 106 



r 



385 
371 



65 2S. Basel 



Heidelberg 

Berlin 

Göttingen 

Leipzig 

Wurzburg 

München 

Jena 

8 Bonn 

9 Wien 

10 Tübingen 

11 Giessen 

12 Freiburg 

13 Halle 

14 Erlangen 

15 Münster 

16 Trag 

17 Zürich 

18 Marburg 

19 Breslau 

20 Bern 
2( Rostock 

22 Greifswald 

23 Kiel 

24 Königsberg 

25 -Grätz 

26 Innsbruck 

27 Basel 

28 Olmütz 



474 

396 

310 

238 

203 

182 

174 

158 

124 

115 

82 

76 

69 

65 

47 

40 

33 

28 

18 

10 

10 

8 

7 

4 

2 

2 

? 





1 

2 

3 

4 

5 

& 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

28 



Heidelb. 67,32 
Göttingen 44,47 
Jena 44,05 
Leipzig 28,06 
Würzburg27,77 
Giessen 21,&3 
Freibnrg 19,43 
Zürich 17,46 
Erlangen 16,88 
Bonn 16,04 
Tübingen 14,93 
Münster 14,55 
Berlin 
Halle 
Marburg 
München 
Rostock 
Bern 
Kiel 



12,42 
10,95 
10,10 
9,54 
9,4a 
5-,4a 
4,83 



Greifswald 4,25 



Wien 

Prag 

Breslau 

Königs b. 

Innsbruck 

Grätz 

Basel 

Olmütz 



4,17 
2,60 
2,07 
1,15 
0,77 
0,49 
? 
0,0 



B. Im VerhUtnlss zum S»iiuner«eme«ter ISftl. 



L' 

Nach der GeaamMbahl 

d*r iaunatricnlirte^ iSn-? 

hOrer. 



n. 

Nach der GeMMaUahl 

dfr Immatrio)ilirteB und j 

Nicbtimmiitriculirteii. 



in. 

Nach der- Gesammtzahi 
der Aualinder. 





z». 


M- 




nabm«. nabme. j 


IWien 


287- 


— 


2 Berlin 


246 


—, 


3 Prag 


223- 


— 


4München89 


— 



Zu- Ab- 
ni^iiDe. nuhme. 

1 Wien 782 — 

2 Prag 233 — 

3 Berlin 184 ~ 
4M6fi€heii^ 






Akadem. Monatsschrift. Man 1852. 



Zu- Ab- 
nahme, nähme. 



1 Berl^ 81 

2 Wien 56 

3 Heidelb. 46 
4Würzb. 30 



IV. 

Prozente der Audfinder' 

im Verhfiltnisa zur G^- 

sammtzaht. 



Zv- Ab- 
nahme, nshme. 

i Marburg 9,11 — 

2 Kiel 4,82 — 

3 Erlangeii4,20 — 

4 Jena 3,5fr — 

18 
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138 



ti'requenz der Facultäten im Winter IS^Vst* 



I. I II 

Nach der Gesammtzahl Nach der Gesammtzahl 
der immatriculirten Zu* der Immatricalirteo und 
hörer. Nicbtimmatriculirten 



Zu- Ab- 
nahme, nähme. 



74 
51 
48 
43 
33 
26 



5 Heidelb. 

6 Bern 

7 Grätz 

8 Würzb. 

9 Breslau 
10 Kiel 
llKönigsbJ5 

12 Göttingen 6 

13 Leipzig 2 

14 Tübingen 2 

15 Marburg — 

16 Freiburg — 

17 Olmütz — 

18 Erlangen — 

19 Zürich — 
20Greifsw.— 

21 Halle — 

22 Rostock — 

23 Giessen — 

24 Jena — 

25 Bonn — 

26 Basel ? 

27 Innsbruck? 

28 Münster ? 



3 
9 
13 
17 
20 
21 
22 
24 
30 
36 
45 



nähme, nfthme. 



5 Würzb. 83 

6 Heidelb. 80 

7 Breslau 38 

8 Kiel 26 
9Königsb.l5 

10 Göttingen 6 

1 1 Marburg 5 

12 Leipzig 2 

13 Tübingen 2 

14 Olmütz 2 

15 Bern 1 

16 Zürich — 

17 Freiburg — 

18 Rostock — 

19 Halle — 



21 Greifs w. — 

22 Giessen — 

23 Grätz — 

24 Jena — 

25 Bonn — 

26 Basel ? 

27 Innsbruck? 

28 Münster ? 



12 
12 
16 
16 



20 Erlangen— 17 



20 
30 
35 
39 
41 



UL 

Nach der Gesammtxahl 
der Ausländer. 



nähme, nähme. 



5 Erlangen 14 — 

6 Prag 9 — 

7 Kiel 7 

8 Leipzig 5 

9 Giessen 5 

1 Marburg 1 

11 Grätz 1 
12Königsb. — 

13 Greifsw.— 

14 Bern — 

15 Breslau — 
16Tübirig. — 

17 Rostock— 2 

18 Jena — 2 

19 Zürich — 3 

20 Freiburg— 7 

21 Gölting. — 12 

22 München— 14 

23 Halle — 17 

24 Bonn — 31 

25 Olmütz 

26 Basel ? 

27 Innsbruck? 

28 Münster ? 



IV. 

Procente der Auslfinder 

im VerhSltniss zu der 

Gesammtzahl. 



Za- Ab- 
nahme. nahn»e. 



5 Giessen 2,81 — 

6 Würzb. 1,08 — 

7 Wien 0,84 — 

8 Leipzig 0,52 — 

9 Grätz 0,33 — 

10 Prag 0,03 — 

1 1 Greifsw. — 0,07 

12 Tübingen— 0,21 

13 Breslau — 0,17 
14Königsb. — 0,39 

15 Rostock — 0,40 

16 Zürich — 0,45 

17 Bern — 0,58 

18 Freiburg— 1,16 

19 München— 1,24 

20 Berlin — 1,90 

21 Heidelb. — 1,92 

22 Götting. — 2,12 

23 Halle — 2,36 

24 Bonn — 2,38 

25 Olmütz 

26 Basel ? 

27 Innsbruck ? 

28 Münster ? 



VI. 



FreqocDz der Facultäten. 

KatltolUicIiP^lteolosiBelie Facultftten. 





L Im Winter Ißsi/s,. 




L.Nachd.Ge8ammtzabl. 


10 Grätz 94 


7 Wien 6 


3 München 14,15 


1 München 332 


11 Würzburg 84 


8 Breslau 2 


4 Münster 12,90 


2 Breslau 251 


B. Nach den Aus- 


9 Grätz 


5 Bonn 7,47 


3 Bonn 214 


Ifindern. 


10 Olmütz 


6 Wien 4,18 


4 Freiburg .189 

5 Münster 186 

6 Prag 160 

7 Wien 148 


1 Freiburg 57 

2 München 47 

3 Tübingen 38 

4 Münster 24 


11 Würzburg 

C. Nach den Procenteu 
der Auslander. 


7 Prag 3,75 

8 Breslau 0,79 

9 Grätz 0,0 
10 Olmütz 0,0 


8 Tübingen 121 

9 Olmütz 116 


5 Bonn 16 

6 Prag 6 


1 Tübingen 31,48 

2 Freiburg 30,15 

Digi 


11 Würzburg 0,0 
izedbyGoOQle 



Frequenz der Facnititen im Winter i8^V52- 



139 



n. Im Verhfiltniss zum Somniersemester 1851. 



A. Nachd-Gesammtzahl. 


Za- Ab- 
nahme, nahm«. 


Zn- Ab- 
nahme, nähme. 


Zu- Ab- 
nahme, nahm«. 


Zu- A.b- 
aahme. nähme. 


10 Mfinster ? 


7Würzb. — 1 


3 Bonn 1,35 — 


1 München53 — 


11 Wien ? 


8 Münster ? 


4 Breslau — 0,45 


2Freiburg20 — 




9 Wien ? 


5 Freiburg — 0,61 


3 Bonn 18 — 


B. Nach den Ausländern. 


10 Gratz 


6Würzb. — 1,16 


4 Breslau 10 — 


1 Tübingen 7 — 


llOImütz 


7 München— 1,62 


SWjirzb. — 2 


2 Freiburg 5 — 




8 Münster ? 


6 Grätz — 6 


3 Bonn 4 — 


C. Nach den Procenten 


9 Wien ? 


7 Prag - 20 


4 München 3 — 


der Ausländer. 


10 Gratz 


SOlmütz — 21 


5 Prag 3 — 11 Tübing. 11,09 — 


llOlmütz 


9Tübing. - 31 


6 Breslau — 1 i2Prag 2,16 — 






Im Winter 1851/52- 




16 Bern 25 11 Marburg 2 


4 Berlin 26,84 


1 Halle * 337 


17 Greifs wald 23 12 Breslau 1 


5 Jena 25,64 


2 Berlin 190 


18 Zürich 23;i3 Kiel 1 


6 Tübingen 25,53 


3 Erlangen 167 


19 Rostock 14 


14 Greifswald 1 


7 Leipzig 23,78 


4 Leipzig , 164 


. 


15 Zürich 1 


8 Halle 13,94 


5 Tübingen 141 


B. Nach den Ausländern. 


16 Wien O' 9 Heidelberg 9,09 


6 Göttingen 125 


1 Erlangen 54 


17 Königsberg 10 Giessen 5,66 


7 Jena 78; 2 Berlin 5i;i8 Bern ?11 Greifswald 4,54 


8 Bonn 74 


3 Halle 47|19 Rostock ?,12 Zürich 4,54 


9 Marburg 70 


4 Leipzig 39 




13 Marburg 2,85 


10 Giessen 56 


5 Göttingen 38 


C. Procente der Aus- 


14 Kiel 2,85 


11 Heidelberg 55| 6 Tübingen 36 


Ifinder. 


15 Breslau 1,92 


12 Breslau 52 


7 Bonn 32 




16 Königsberg 0,0 


13 Wien 43 


8 Jena 20 


1 Bonn 43,24 


17 Wien 0,0 


14 Königsberg 39 


9 Heidelberg 5 


2 Erlangen 32,33 


18 Rostock ? 


15 Kiel 35 


iO Giessen 3 


3 Göttingen 30,40 19 Bern ? 


II. Im Verbfiltniss zum Sommersemester 1851. 


A.Nachd.Ge8ammtzahl. 


Zn- Ab- 1 Zu- Ab- 
nahme, nähme . , nähme . nähme. 


Zu. Ab- 
nahme, nähme. 


Zu- Ab- 
nahme, nähme. 


16 Breslau — 7 


11 Jena — 1 


4 Greifsw.4,54 — 


1 Kiel 9 — 


17 Jena — 7 


12 Leipzig — 1 


5 Kiel 2,85 — 


2 Heidelb. 8 — 


18 Giessen — 8 


13 Zürich — 1 


6Marburgl,53 — 


3 Berlin 6 — 


19 Wien ? 


14 Bonn — 2 


7 Giessen 0,75 — 


4 Bern 2 — 




15 Heidelb, — 2 


8 Jena 0,71 — 


SGötting. 1 — 


B. Nach den Ausländern. 


16 Halle — 11 


9 Breslau 0,23 — 


6Greifsw. 1 — 


1 Erlangen 14 — 


17 Bern ? 


lOGötting. — 0,24 


7 Halle — 1 


2 Berlin 11 — 


18 Rostock ? 


11 Leipzig — 0,62 


8 Bonn — 3 


3 Tübingen 7 — 


19 Wien ? 


12 Bonn — 0,91 


9 Erlang. — 3 


4 Greifswr. 1 — 




13 Zürich — 2,35 


10 Marburg— 4 


5 Kiel 1 - 


C. Procente der Aus- 


14 Halle — 2,62 


11 Leipzig — 4 


6 Marburg 1 - 


Ifinder. 


15 Heidelb. — 5,50 


12 Bostock — 4 


7 Breslau = 




16Königsb. 


13Königsb.— 6 


8 Giessen = 


1 Erlang. 8,81 — 


17 Wien ? 


14Tübing. — 6 


9 Gölting. = 


2 Tübing. 5,81 — 


18 Rostock ? 


15 Zürich — 6 


10Königsb.= 


3 Berlin 5,11 — 


19 Bern ? 

Digitized by CjOOQ IC 



140 



Frequenz der FacalUUen im Wisler IB^^Vss* 



JTurlBttaelte FaeultAten. 





I. Im Winter ISM/gg. 






A.Ncchd.6enmiBlzahl. 


21 Bern '6414 Breslau 


3, 6 Berlin 20,70 


1 Wien 1354 


22 Rostock 61 15 Marburg 


3 


7 Bonn 13,13 


2 Manchen 810 


23 Kiel '59t6 Zürich 


3 


8 Giessen 10,68 


3 Prag 724 


24 Freiburg 56 


17 Grätz 


2 


9 Halle 9,21 


4 Berlin 710 


25 Greifswald 45 


18 Freiburg 


1 


10 Tübingen 7,27 


5 Heidelberg 491 


26 Zürich 12 


19 Greifswald 


1 


11 München 7,16 


6 Leipzig 371 




20 Kiel 


' 1|12 Marbui^g 3,79 


7 Bonn 335 


B. Nach den Ausländern. 


21 Innsbru(3k 


13 Erlangen 3,00 


8 Breslau 293 


1 Heidelberg 401 


22 Königsberg 


14 Greifswald 2,22 


9 Grätz 284 


2 Berlin 147 


23 Olmütz 


015 'Würzburg 2,01 


10 Göttingen 223 


3 Göttingen 111 


24 Prag 


16 Freiburg 1,78 


11 Tübingen 220 


4 Leipzig 81 


25 Bern 


ri7 Kiel 1,69 


12 Innsbruck 204 


5 München 58 


26 Rostock 


?18 Wien 1,03 


13 Würzburg 199 


6 Bonn 44 




19 Breslau '1,Ö2 


14 Königsberg 165 


7 Jena 43 


C. Procente der 


Aus- 20 Grätz 0,70 


15 Halle 141 


8 Tübingen 16 


Ifinder. 


21 Innsbruck 0,0 


16 Olmütz 140 


9 Giessen 14 


1 Heidelb. 8I,67|22 Königsberg 0,0 


17 Erlangen 133 


10 Wien 14 


2 Göttingen 49,7723 Olmütz . Ofi 


18 Giessen 132 


11 Halle 13 


3 Jena 41,3424 Prag 0,0 


19 Jena 104 


12 Erlangen 4 


4 Zürich 25,00 25 Bern ? 


20 Harburg 79 


13 Würzburg 4 


5 Leipzig 21,83 26 Rostock ? 






A. Nach d. Gesammtzahl, 


Za- Ah- 1 Zn- Ab- 
nahme. BAfama. { nähme, nähme. 


Zu- Ab- 
nahme, nähme. 


Za* Ab- 


21Götting.— 20 1 14 Zürich — 


2 


6 Griltz 0,39 — 


1 Wien 387 — 


22 Leipzig — 21 


15 Halle — 


4 


7 Berlin 0,27 — 


2 Berlin 152 — 


23 München— 25 


16Würzb. — 


4 


8 Giessen 0,16 — 


3 Heidelb. 67 — 


24 Grätz — 38' 


17Tübing. — 


5 


9 Zürich = 


4Königsb.34 — 


25 Bonn — 39 


18 Jena — 


6 


10 Prag —0,11 


SPrag 22 — 


26 Innsbruck ? 


19 Leipzig — 


9 


llKönigSb, — 0,75 


6 Breslau 17 — 




20 München — 


14 


12 Breslau — 0,79 


7 Kiel 16 — 


B. Nach den Ausländern. 


21 Göttin?. — 


19 


13 Heidelb. — 1,11 


SOlmülz 10 — 


1 Heidelb. 50 - 


22 Bonn ^ - 


25 14Leipzig — 1,12 


9 Marburg 8 — 


2 Berlin 33 — 


23 Olmütz 


15 Freiburg— 1,29 


10 Rostock 3 ~ 


3 Wien 8 — 


24 Bern ? 


? l6Greifsw. — 1,41 


11 Bern — 4 


4 Giessen 2 — 


25 Innsbruck? 


? 17 München— 1,47 


12 Zürich — 8 


5 Marburg 2 - 


26 Rostock ? 


? j 18 Tübingen— 1,66 


13Würzb. — 9 


6 Grätz 1 — 




19 Halle — 1,69 


14 Freiburg— 9 


7 Kiel 1 - 


C. Procente der 


A«s-20Würzb. —1,73 


15Greifsw.— 10 


8 Erlangen 1 — 


ISnder. 




21 Göttingea— 3,72 


16Tübing. — 15 


9Freiburg — 1 


1 Marburg 2,37 


_ 


22 Bonn — 5,31 


17 Halle — 15 


10 Greifs w. — 1 


2 Kiel 1,69 


— 


23 Olmütz 


18 Jena — 16 


llKönigsb. — . 1 


3 Wien 1,43 


— 


24 Bern ? 


19 Erlangen— 18 


12 Prag — 1 


4Erlangenl,03 


— 


25innsbraek? 


20 Giessen — 20 


13 Breslau — 2 


5 Jena 0,51 


Digiti 


26fiostock ? 
zedbyGoOQle 



Freijaeiii 4er FaoolUfton.im WiMar ia^Vsr 



Ul 



Jllcdlciiilliclte Faeultftten. 







I. Im WiBter IS&Vsa 








A. Nach dertOesammt- 


19 Erlangen 


7012 Prag 


15 


5 Giessen 


37,17 


labL 




20 Halle 


68 13 Freibarg 


12 


6 Leipzig 


27,31 


i Wien 


1296 


21 Marburg 


61 14 Marburg 


12 


7 Berlin 


26,22 


2 Prag 


354 


22 Kiel 


• 4315 Bonn 


10 


8 Zürich 


19,78 


3 Würzbarg 


300 


23 Rostock. • 


1816 Breslau 


6 


9 Marburg 


19,67 


4 München 


291 




17 Halle 


6 


10 Freibarg 


1633 


5 Berlin 


286 


B. Nach den Aus- 1^ S"*^" 
Ifiodero. ^9 Kiel 


5 


11 lyiünchen 


r5,46 


• 6 lieipJsig 


216 


5 


12 Tübingen 


13,49 


7 . Göltingen 


201 




;20 Königsberg 3 


13 Kiel 


11,62 


8 Giessen 


156 


1 Würzburg 


19421 Greifswald 1 


14 Bonn 


•9,61 


9 Tübingeh 


126 


2 Wien 


100 22 Bern 


? 


15 Halle 


•8,82 


10 Bonn 


104 


3 Göttingen 


82 23 Rostock 


? 


16 Wien 


7,71 


11 Heidelberg 


96 


4 Berlin 


75, 


|17 Erlangen 


7,14 


12 Zürich 
13«reslau 


91 
•86 


.5 Leipzig 
6 Giessen 


^o C. Procente der .Aus- 
^^ Ifinder. 


18 Breslau 

19 Prag 


«,97 
4,20 


14 Jena 


75 


7 Heidelberg 


52 


20 Königsberg 4,16 


15 Bern 


73 


8 München 


45 1 Wurzb. 


64,66 21 Greifswaia 1,38 


16 Freiburg 


72 


9 Jena 


29 2 Heidelb. 


54,37 22 Bern 


. ? 


17 Greifs waM 


72 


10 Zürich 


18 3 Göttingen 


40,79 23 Rostock 


? 


18 Königsberg 


^ 72 


li Tübingen 


17, 4 Jena 


38,66 







Im Visrhltitniss tum Sommersemester 1851. 



A. Nach der GesammU 

«nlil 


Zu- Ab- 
nahiue. ttAhme. 


Zu- Ab- I Zu- Ab- 
nahme, «ahme. | nähme, nähme. 


«■ni. 

Zu- 


A V 


19Tübing. — 5 


12Greifowr.= 


; 5 Wien 2,18 — 


nahme, »ahme. 


20 Zürich - 5 


13 Zürich = 




6 Erlang. 2^10 — 


4 Wien 338 





21Gre!fsw.— 9 


14 Freiburg — 


2 


7Bresl. 1,85 — 


2 Berlin 54 





22 Rostock — 10 


15 Halle — 


2 


8 Zürich 1 ,63 -* 


3 Mäochen40 


— 


23'Bonn — 21 


16 Marburg — 


3 


9 Königsb.0,78 — 


4Wü«b. 18 


-^ 




17 Bonn — 


6 10 Prag 0,37 — 


5 Prag 15 





B. Nach den Aus- 
ländem. 


18Tübing. — 


6 11 Greifs w,0,l 5 — 


6Königsb.l3 





19 Heidelb. — 


7 12 Berlin — 1,37 


7 Erlangen 1 1 







20 Leipzig — 


11 13 Freiburg— 2,34 


8 Breslau 8 





1 Wien 47 — 


21 Götting. — 


14 14 Halle —2,44 


9 Kiel 6 


_ 


2 Wüfzb. 32 — 


22 Bern ? 


15 Bonn — 3,19 


tO Heidelb. = 




3 Berlin 11 — 


23 Rostock ? 


16 Marburg— 3,44 


i i Freibnrg — 


1 


4 München 8 — 




17 Tübing. — 4,06 


12 Giessen — 

13 Leipzig — 


1 


5 Giessen 5 — 

6 Kiel 5 — 


C. Procente der 
ISnder. 


. 18 Leipzig —4,94 
*"" 19 München — 6,65 


14 Bern — 


2 


7 Jena 4 — 




20 GötHng. — 5,81 


15 Jena '— 


2 


8 Breslau 2 — 


IKiel 11,62 


— ,21 Heidelb. — 7,08 


16 Harburg — 


2 


9JSrlangen 2 — 


2Würab. 7,12 


— 22 Bern ? 


•17 HaUe •- 


3 


10 Prag 2 — 


3 Jena 4,77 


— i23 Rostock ? 


18 Götting. — 


5 


UKönigab. 1 — 


4 Giessen 3,42 


*— j 










D 


gitizedbyGoOQle 



149 



Die FaciiltSten im Winter Id'Vsz* 



Pltlloflopltlflclie Facultäten. 





I. Im Winter ISSi/jj. 






A, Nach der Gesammt- 


21 Freiburg 29 


13 Giessen 


7 


6 Bonn 28,50 


zabl. 


22 Bern 23 


14 Breslau 


6 


7 Zürich 25,00 


1 München 483 


23 Erlangen 15 


15 Greifswald 


5 


8 Preiburg 24,13 


2 Berlin 388 


24 Innsbruck 13 


16 Würzburg 


5 


9 Marburg 20,75 


3 Bonn 228 


25 Rostock 13 


17 Prag 


4 


10 Giessen 20^,00 


4 Wien 17i 


26 Kiel 10 


18 Wien 


4 


11 Munster 16,78 


5 Breslaa 162 


27 Olmütz 8 


19 Halle 


3 


12 Innsbruck 15,38 


6 Tübingen 162 




20 Erlangen 


2 


13 Erlangen 13,33 


7 GöUingen 148 


B. Nach den Aus- 


21 Innsbruck 


2 


14 GreifswaldlMl 


8 Würzburg 144 


ländern. 


22 Königsberg 


1 


15 München 6,62 


9 Münster 137 


1 Berlin 123 


23 Grätz 





16 Halle 6,25 


10 Jena 128 


2 Jena 82 


24 Kiel 





17 Tübingen 4,93 


11 Prag 86 


3 Göttingen 79 


25 Olmütz 





18 Prag 4,65 


12 Königsberg 71 


4 Bonn 56 


26 Bern 


? 


19 Breslau 3,70 


13 Leipzig 69 


5 München 32 


27 Rostock 


? 


20 Würzburg 3,47 


14 Marburg 53 


6 Leipzig 31 


C. Procente der Aus- 21 Wien 2,33 


15 Halle 48 


7 Münster 23 


Ifinder. 


22 Königsberg 1,40 


16 Greifs wald 45 


8 Heidelberg 16 


1 Jena 64,06 23 Grätz 0,0 


i7 Zürich 44 9 Marburg 11 


2 Göttingen 53,37 ,24 Kiel • 0,0 


18 Giessen 35 


10 Zürich 11 


3 Heidelb. 45,71 25 Olmütz 0,0 


19 Heidelberg 35 


11 Tübingen 8 


4 Leipzig 44,92 26 Bern ? 


20 Grätz 29 


12 Freiburg 7 


5 Berlin 31,70 27 Rostock ? 


IL Im Verbältnisfl zum Sommersemester 1851. 


A. Nach der Gesammt- ^"' -^^' 


Zu- 


Ab- 1 Zu- Al>- 


mm» ^M%9\Jmm %u^m ^J^/iywai**» 


nähme, nähme. 


nahme, nähme. { 


nähme, nähme. 


zahl. 


21 Kiel — 3 


13 Prag = 




6 Marburg 2,61 — 


Zu- Ab- 
nahme, nähme. 


22 Erlangen— 7 


14 Zürich = 




7 Würzb. 1,62 — 


1 Tübing. 59 — 


23 Jena - 11 


15 Olmütz = 




8 Heidelb. 1,27 — 


2 Wien 57 — 


24Königsb.— 16 


IGGreifsw.— 


1 


9 München 0,65 — 


3 Würzb. 36 — 


25 Freiburg- 19 


17Königsb.— 


1 


10 Grata = 


4 Berlin 34 — 


26 Innsbruck ? 


18 Bonn — 


2 


11 Kiel = 


'5 München 31 — 


27Münstor ? 


19 Halle - 


2 


12 0Imfitz = 


6 Gölting. 30 — 




20 Erlang. — 


3 


13 Zürich = 


7 Prag 26 ^ 


B. Nach den Aus- 


21 Tübing. — 


4 


14 Breslau — 0,12 


8 Grätz 9 — 


ifindern. 


22 Freiburg— 


8 


15 Wien - 0,30 


9 Bern 5 — 


1 Berlin 26 — 


23 Götling. — 


21 


16Königsb. — 0,66 


10 Breslau 5 — 


2 München 5 — 


24 Bern ? 




17 6reifsw. — 1,39 


U Rostock 1 — 


3 Würzb. 3 — 


25 Innsbruck ? 




18 Leipzig — 1,45 


12 Bonn = 


4 Giessen 2 — 


26 Münster ? 




19 Prag — 2,01 


1 3 Leipzig = 


5 Jena 1 — 


27 Rostock ? 




20 Halle — 3,55 


14 01mutz = 


6 Leipzig 1 — 


C. Procente der 


\us- 


21 Tübingen- 6,72 


15 Zürich = 


7 Marburg 1 — 


ISDder. 




22 Erlangen— 9,39 


16Heidelb.— 1 


8 Wien 1 — 


1 Berlin 7,13 





23 Freiburg —17,12 


17 Marburg— 1 


9 Breslau = 


2 Gies8en6,85 





24 Bern ? 


18 Giessen — 3 


lOGratz — 


3 Jena 5,79 





25 Innsbruck ? 


19 Greifs w.— 3 


llHeidelb. == 


4Götting.4,22 





26 Münster ? 


20 Halle — 3 


12 Kiel = 


5 Bonn 3,07 





27 Rostock ? 






Digitized by CjOOQ IC 



Eeihenfolge der Universitfiten und Facultlten «ach ihrer Frequenz im Winter IS^Vsa- ^^ 

VII. . 

Resultate von IV — VI. 

Auf 28 Universitäten studiren im Ganzen : 

1) Immatriculirte und Nichtimmatriculirte 19354 

2) Immatriculirte 17204 

3) Nichtimmatriculirte 2150 

Anmerkang^. Iq der Berechnung für das Sommerseroester 1851 fehlten uns 

die Notizen von Wien. Ziehen 'wir nun diese nachträglich zur Berechnung bei und 
rechnen wir auf Wien auch für das Sommersemester 1851 (wie im laufenden Winter- 
semester} 148 Theologen, so studirten im Sommer 1851 im Ganzen auf 28 Universitäten : 

1) Immatriculirte und Nichtimmatriculirte 18261 

23 Immatriculirte 16295 

3) Nichtimmatriculirte 1966 

Gegen das Sommersemester 1851 gehalten ergiebt sich, dass auf den 
Universitäten Deutschlands und der Schweiz die Zahl der Studirenden zu- 
genommen hat und zwar 

1) der Immatriculirten und Nichtimmatriculirten um 1093 

2) der Immatriculirten um 909 

3) der Nichtimmatriculirten um 184 

Auf den 28 Universitäten Deutschlands und der Schweiz lehren: 

1) ordentliche Professoren * 866 

2) ausserordentliche' Professoren 342 

3) Honorarprofessoren 40 

4) Privatdocenten '. * ■ « 433 

Gesammtzahl 1681 

Anmerkung. Im August- und Septemberheft des vorigen Jahrgangs haben 
sich S. 432 Druckfehler in der Angabe der Ordinarien und Extraordinarien ein- 
geschlichen, wie sich schon aus der Gesammtzahl der Lehrer ergiebt. Es lehrten im. 
Sommersemester auf 28 Universitäten: 

1) ordentliche Professoren 868 

2^ ausserordentliche Professoren «... 344 

3) Honorarprofessoren 37 

4) Privptdocenten > . . 436 

Gesammtzahl 1685 

Die Mittelzahl der immatriculirten Studirenden an einer Universität ist 614. 

Diese Mittelzahl überschreiten 11 Universitäten, während 17 Universitäten 

unter ihr sich halten. Zu jenen grössern Universitäten gehören: Wien, München, 

Berlin, Prag, Bonn, Leipzig, Breslau, Tübingen, Würzburg, Göttingen, Heidelberg. 

Was die einzelnen Facultäten betrifft, so studiren 

1) auf 11 Universitäten katholische Theologie '. 1895 

(12 mehr als im S.S. 1851). Die Mittelzahl ist daher 1 72, Welche 5 Uni- 
versitäten überschreiten: Mänchen,Breslau^Bonn,Freiburg,Mänster. 

2) auf 19 Universitäten protestantische Theologie 1711 

(29 weniger als im S.S. 1^51). Die Mittelzahl ist daher 90, 
welche 6 Universitäten überschreiten: Halle, Berlin, Erlangen, 
Leipzig, Tübingen, Göttingeh. 

3) auf 26 Universitäten Rechts- und Cameralwissenschaft 7409 

(449 mehr als im S. S. 1851). Die Mittelzahl ist daher 285, 
welche 8 Universitäten überschreiten: Wien, München, Prag, 
Berlin, Heidelberg, Leipzig, Bonn, Breslau. 

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144 Personal -Notizen. 

4) auf 23 Universitäten Medicin dcc. 4227 

(95 mehr als im S. & 1851). Mittelzahl 183, welche 7 Universi- 
täten überschreiten: Wien, Prag, Würzburg, München, Berlin^ 
Leipzig, Göttingen. 

5) auf 27 Universitäten Philosophie &c 2777 

(214 mehr als im S. S. 1851). Mittelzahl 102, w^^he 10 Uni- . 
versitäten überschreiten: München, Berlin, Bonn, Wien^ Bk'eshiu, 
Tübingen, Göttingen, Würzburg, Münster, Jena. 

vm. 
Personal -Notizeo. 

Der ausserord. Prof. der oriental. Sprachen in Berlin Dr. Dieterici 
kommt als Dragoman an die Gesandtschaft in Konstatitinopel. — Nach Jena 
hat der Privatdoc. Karl Nipperd.ey in Leipzig einen Ruf als ausserord. Prof. 
der class. Philologie erhalten und angenommen. — Nach InmbruckrisX der 
bisherige Prof. der Philologie in Otmütz Dr; Kopetzky in seiner bisherigen 
Eigenschaft versetzt wordea. — In Kmeiikagen hat die Wittwe Oersted's 
mit Zustimmung des Reichstags eine jährliche Penston von 1000 RbthL, wo- 
von 400 der Staats-- und 600 der Uni versitätscasse zugeschieden sind, aus* 
gesetzt erhalten. — Nach Leipzig ist der a. 6. Prof: Müller in Greifswald an 
Mömmsens Stelle für röm. Rechl berufen. -^ Nach Le^TtAer^ ist Dr. Schmidt, 
bisher Prof. in Olmütz, als ord: Prof. dör Zoologie versetzt worden. — In 
München hat der Dichter Emanuel 6 ei bei eine' Professur der Ästhetik an der 
Universität erhalten. — In Prag ist an HanusehV Stelle Dr. Ri^bert Zimmer- 
mann, bisher a. o. Prof. der Philosophie in Olmut^; zum ord. Prof. der Philo- 
sopliie ernannt ward«». — In Olmütz ist der bisherige Prof. der Geschichte 
Dr. Jos. Fiek in derselben Eigenschaft in die rechts- und staalswissen- 
sdiaftliche F«g. versetzt, und bei derselben Fac. Dr. Joä. Nahlowsky, bisher 
Gymnastaldirector zu Cernowie m GaUzien., zum ord. ProL der Philosophie 
ernannt worden. — In Turin hat Prof. Nuytz, bisher Kanöinist, den Lebr-r 
stuhl des röm. Rechts erhalten. — In Würzbmg ist der bisherige Privatdoc. 
an der med. Fac. Dr. Hü 11 er zum a. o. Prof. der Hedictn ernannt worden. — 
In Zälrich wurde der seitherige a. o. Prof. für verg). Anatomie H. Frey 
zum ord. Prof. der Zoologie mit Reibehaltuug seiner bifibertgea Lehrfächer 
l^qfdert, desgleichen der bisherige a. o. Prof. dei* Botanik 0. Heer zum ord. 
Prof, desselben Fachs und der seitherige Prosector Dr. Hexm. Meyer zum a. o. 
Prof, für pathoLund Chirurg. Anatomie ernannt. Das durch diese letzte Beförde- 
rung erledigte Prosectoramt wurde dem Dr. Fick aus .Marburg übertragen. 

In Prag ist der ord. Prof. der Philosophie Dr. Ignaz Hanusch unter 
Belassung seines Gehaltes seiner Stelle enthoben worden 

Orden erhielten: in Berlin der geh. Reg.-Rath, Prof., Mitgl. u. bestand. 
Secretär d. Akad. der WW. Dr. Röckh und der Historiograph des preuss. 
Staats, Prof. u. Mitgl. der Akad. der WW. Dr. Ranke das COmthurkreuz des 
k, b. St. Mich.- Ord., ferner der geh. Reg.-Ratb u. Prof. v. Raumer den 
rolh. Adl.-Ord. in. Gl. mit der Schleife; in Bonn der Prof. u. Dir. des botan. 
Gartens Dr. Treviran US den rQth.Adl.-Ord.* IV. Cl.; in London derPhysio- 
log u. Zoolog, Mitgl.* der Royal Society R., Owen den preuss. Orden pour 
le m6rite für Wissenschaften und Künste; in Lüttich der Prof. der Botanik 
u. der Land wirthschaft Dr. Morren das Ritterkr. des k. württemb. Kron-Ofd^ns. 

Gestorben sind: in Wien am 24. Jan. der Prof. der slav. Archäologie 
Dr. Job. KoUar; in Heiddberg am 9. März der Privatdoc. der Rechte 
Dr. Maximilian Nagelt. 

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Unlversitäts - Anzeiger. 

JW3. 



Im Universitfits-Anzeiger werden Anzeigen aller Art, welche die Universitäten betreffen, 
insbesondere alle amtlichen Erlasse, Verkündigungen, Vorlesungsverzeichnisse etc., als 
Inserate (die durchlaufende Zeile IV3 Ngr.) aufgenommen, ohne dass dadurch der Inhalt 
des Monatsheftes verkürzt werden darf. Die Verlagshandlong. 



üniTersität Basel. 

Vorlesungen an der Universität zu Basel im Sommer -Semester 1852. 

/. Tkeologiidte Faeultät. Hebrfiische Grammatik, 3 Stnnden. , S. Preis werk. ^ Cnr- 
sorisches Lesen der Genesis, 3 St., Derselbe. — Interpretation ausgewählter schwieriger Stücke 
des Alten Testaments, 1 St., Derselbe. — Unterricht in den semitischen Dialekten, J. J. Stff he- 
iin. — Erklärung von Jesaja Cap. 40—66, 2 St., Derselbe. — Erklärung des Buchs Daniel, 
2 St., C. A. Auberlen. — Cursorisches Lesen des Neuen Testaments, 2 St., J. 6. Müller.— 
ErklSrong des Evaogel. Johannis bis zur Leidensgeschichte, 4 St., J. Riggenbach. — 
Erklärung des 2ten Briefs an die Knriother, 2 St., J. G. Müller. — Erklärung der Apoka- 
lypse im Zusammenhang mit der gesammten biblischen Escbatologie, 3 St., CA. Auberlen. — 
Erklärung des Briefs an die Galater, 2 St., Imm. Stockmeier. — Geschichte der Hebräer 
und Geographie von Palästina, 3 St., J. J. St ä hei in. — Einleitung ins Neue Testament, 4 St., 
J. G. Müller. — Kirchengeschichte 1r Theil bis auf Carl den Grossen, 6 St., K. R. Hagen- 
bach. — • Kirchliche Symbolik in Verbindung mit der neuern Dogmengeschichte, 2 St., Der- 
selbe. — Apologetik, als Einleitung in die Dogmatik, 3 St., J. Riggenbach. — Die Lehre 
Jesu Christi nach den 4 Evangelien und die LehrbegriSe des Jakobus und des Petrus (neu- 
testamentliche Dogmatik, andere Hälfte), 3 St., CA. Auberlen. — Calvins Institutionen, 4tes 
Buch (Lehre von der Kirche und den Sacramenten), ISt., K. R. Hagenbach. — Theologi- 
sches Conversatorium, J. Riggenbach. — HomiljBtische Übungen, 1 St., Imm. Stock meier. — 
Praktisch -exegetisches Conversatorium, 1 St, C. A. Auberlen. 

//. Jurittisehe Facultdt. Juristische Encyklopädie , 2 St., J. Grimm. — Institutionen des 
römischen Rechts, 7 St, Bi Windscheid. — Römisches Erbrecht, 3 St., Derselbe. — Deut- 
sches Privatrecht mit Einschluss des Handels und Wechselrechts, 9 St, J. Grimm. — * System 
und Geschichte des Criminalrechts, 5 St., J. Schnell. — Schweizerisches Bundes- und Can- 
lonalstaatsrecht in historischer Entwicklung, Iter Theil, 4 St, A. Heussler. — Übungen in 
der Lectflre der Quellen des römischen Rechts und der Entscheidung von Rechtsfällen , 2 St., 
B. Windscheid. — Anleitung zu schriftlichen Arbeiten im Gebiete des Criminalprocesses, 

2 St., J. SchneU. 

///. MedicimMche Facukäl, Encyklopädie und Methodologie der medicinischen Wissen- 
schaften, 2 St., L. Imhof. — Allgemeine Botanik mit Excursionen, 5 St., Fr. Meisner. — 
Über die natürlichen Pflanzenfamilien, 3 St., .Derselbe. — Osteologie und Syndesmologie, 3 St., 
M. Nussser. — Anatomie des Gehirns, 1 St., C. G. Jung. — Mikroskopisches Praktikum, 
zugleich als Repetitorium der allgemeinen Anatomie, C Bruch. — Physiologie des Menschen 
mit Experimenten und Demonstrationen, 6 St., Derselbe — Entwicklungsgeschichte, 3 St., Der- 
selbe. — Pathologische Entwicklungsgescbiqhte oder Lehre von den angebornen Missbildungen 

3 St., F. Miescher. — Pathologisch -anatomische Vorträge nebst Anleitung zur mikroskopi- 
schen Untersuchung patholog. Gewebe, Derselbe. — Pharmakognosie, 3 St., J. J. Bernoulli. -« 

Akaden. Monatsschrift. März 1852. .1*^^^^.^ 

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146 

ArzneimiUellehre, 4 St., F. Meisner. — Specielle Pathologie und Therapie, 6 St., C. G. 

Jung. Krankheiten der Brustorgane nebst praktischer Anleitung zur AuscuUation und Per- 

cussion, 4 St., F. Miescher. — Kinderkrankheiten, 3 St., L. de Wette. — Krankheiten der 
Neugebornen und Sfiuglinge, 1 St., Ach. Burckhardt. — Zweiter Theil der Chirurgie, 6 St., 
C. Streckeisen. — Operationslehre, 3 St., Derselbe. -7 Lehre von den Fracturen und 
Luxationen, 3St., Em. Meyer-Steiger. — Verbandlehre, 2 St, Derselbe. — Repetitorien in 
den chirurgischen Fächern, Derselbe. — Geburtshülfe , 3 St., Ach. Burckardt. — Gericht- 
liche Medicin, 3 St., L de Wette. — Medicinische Klinik, 6 St., G. G. Jung. — Chirurgi- 
sche Klinik, 6 St., J. J. Mieg. 

IV. PMosophiscke Factdtät. Persius Satiren, 2 St, Fr. D. Gerlach. ~ Latein. Dispnttr- 
übungen, 1 St., Derselbe. — Rom. Staatsalterthfimer, 3 St., Derselbe. — ErklSr. ausgewählter 
Abschnitte ans den Annalen und Historien des Tacitus, 2St., W. Th. Streu her. — Leben des 
August von Sueton, 2 St , C. L. RToth. — Erklär, ausgewählter Abschnitte des Thukydides, 3 St., 

W. Vi seh er. — Gesch. der griech. Literatur bis auf Alexander, 3 St., Derselbe Erklär, des 

Nibelungenlieds nach Lachmanns Ausgabe, 2 St., W. Wack ernage 1. — Histoire de la litte- 
rature fran^aise pendant la prenäiere moitie du il^ siecle, 2 h., C. F. Girard. — Exercices 
de style et d'elocution, 1 h., Le m6me. — Italienische Grammatik mit Stylübungen, 2 St., 
L. Picchioni. — Erklärung des 3ten TheiU der Divina Comedia, 2St., Derselbe.— Religions- 
philosophie, 3 St., F. Fischer. — Naturrecht, 3 St., Derselbe. — Poetik, Rhetorik und Sty- 
lisitk, 4 St., W. Wackernagel. — Geschichte der Zeit von 1815—1850, 3 St., F. Bröm- 
mel. — Darstellung und Beurtheilung der socialistischen Systeme, 1 St., Derselbe. — Ge- 
schichte des Mittelalters, 5 St,, J. Burckhardt. — Über Einhards Leben Karls' des Grossen, 
1 St., Derselbe. — Schweizergescbichtc seit der Mitte des 16ten Jahrhunderts, 2 St., B. Reber. — 
Nationalökonomie, 2 od. 3 St., Chr. Bernoulli. — Fortsetzung der unorganischen Chennie, 
4 St., C. F. Schönbein. — Chemische Arbeiten im Laboratorium, 4 St, Derselbe. -— Geo- 
logie mit Excursionen, 3St., P. Merlan.— Variationscaicul, Fortsetzung, 2 St., J. Eckert. — 
Über die Verwandtschaften der Collineation , Affinität und Reciprocität, 2 St., Derselbe. — 
Analytische Mechanik, 6 St., R. Merian. — Mathematische Physik, 2 St., Ch. St ä heiin. — 
Tonspracblehre, 1 St., E. Hauschild. — Übung in der Kunst des mündlichen Vortrags, 1 St, 
Derselbe^ 

Universität Wfirzbnrg. 

Yerzeichniss der Vorlesungen, welche an der königlich bayerischen Julius- 
Maximilians - Universität zu Würzburg im Sommer -Semester 1852 gehalten 

werden. 

/. Theologische Faculidt. Helm liest: Fortsetzung der kathol. Moral, wdchentl. 5mal; 
Pastoraltheologte, publ. — Deppisch: Christi. Apologetik,^ publ.; kathol. Dogmatik, 
wöchentl. 5mal. — Reissmann: 1) Exegese: Erklärung d. kleinen Propheten, täglich; daän 
der Korinther Briefe; 2) biblisch -orientalische Sprachen: hebräische, arabische, syrische und 
ehaldäische Sprache. — Denzinger: 1) Erklärung d. Eyangeliums nach Johannes; 2) Dog- 
matik, wudientl. 5mal, nebst einem damit verbundenen Repetitorium , publ; 3) Kirchen- 
geschichte. 

//. Juristen- Facultdi. Alb recht liest: Kathol. u. protestant. Kirchenrecht, täglich; Pro- 
cessprakticum, wöchentl. 4mal. — Edel: Gemeinen Strafprocess, franz. u. bayer. Stra^rocess, 
beide Gollegien zusammen in 6 — 8 Wochenstunden. — ' Held: Gemeines deutsches Lehen-, 
Handels- und Wechselrecht, täglich; deutsche Staats- und Rechtsgeschichte, täglich; Conver- 
salorium ober das gemeine deutsche Privatrecht, Imal wöchentl, publ. — Lang: Pandekten, 
täglich; Hermeneutik des römischen Rechts, 2mal wöchentl publ — Weiss: Bayer. Staats- 
recht, wöchentl 6 Stunden; franz. Civilrecht, .wöchentl 9mal; Ober das Notariatsinstitnt, 
wöchentl. 2mal, publ — Hildenbrand: Bayerisches Landrecht, beziehungsweise System 
sämmtlicber im Königreiche Bayern bestehender Particularrechte, wöchentl 4mat ; EncykbpSdie 

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1*7 

and i)i«lho4ologi6 der Rechtswurnnschaft und juruiUche Liter firgecohichte von den GloMatoren 
bis auf die Gegenwart, wdchend. 4nial; europäisches Völkerrecht. — Wirsing: Institutionen 
des röni. Rechts, tUglicb; ebenso röm. Rechtsgeschichte; Pandekten -Repetitori um, wöcbentl. 
5aial (privatissime). 

III. StaatswirtiuchaftUche FaeuUtU. Edei liest: Polixeiwisseoscbart und Polizeirecht, 
tfiglicb« — Debes: Finanzwissenschai^t mit besonderer Röcksidit auf die bayerische Finansgesetz» 
gebung; Forstrecbt und Forstpohzei 2— 3mal wöchenll. ; die Lehre Tom Staats- Credite und 
den Staats -Schulden, Imal wöcheotl., pJibl.; dann erbietet sich derselbe zu einem Eiamioa- 
torium und Conversatorium aus der Nati'onai -Ökonomie und Finanswissenschaft, 3 — 4mnl 
wöchentlich (prtvatissiroe;. — Herberger: Encykiopfidie der Forstyirissenschaft mit Forst- 
Statistik, in 5 WochensYunden. — Schenk: Allgemeine und medicinische Botanik ; dann Aniei- 
tnng zum Untersuchen und Bestimmen der Gewächse (pabl.); Excursionen. 

IV. Medieimsche FacuUät. v. Textor: Instrumenten lehre (publ.); chirurgische nnd 
Angenkranken - Klinik im Juliusspitale, erstere täglich, letztere dmal wöchentl. ; auch leitet der- 
selbe gemeinschaftlich mit Prof. Dr. Texte r die Obukigen der Studirenden in den chirurgi- 
schen Operationen (privatissjme). — v. Marens: Medicinische Klinik, täglich; specielle Pa- 
thologie und Therapie, II. Abtheilung als Schi uss: Dyscrasien und Neutoseri, wöchentl. 5mal; 
Geschichte der Medicin ; psychiatrische Klinik, wöchentl. Imal; Übungen in der Auscultation 
und Percossion werden in einzelnen Lehrcursen unter seiner Anleitung von dem niedicinischen 
Assistenten 'Dr. Fried reich ertheilt; die praktische Anleitung für Erkehntniss und Behand- 
lung der syphilitischen Krankheiten dagegen in einzelnen Lehrcursen ebenfalls unter seiner 
Leitung und Verantwortung von dem betreffenden Assistenten ertheilt. — Narr: Altgemeine 
Pathologie und Therapie, wöchentl. 5mal ; 4)athologische Zeichenlebre (publ.)* — He^nsler: Spe- 
cielle Physiologie des Menschen mit deii zur Erläuterung und Veranschaulichung nöt^igett 
Experimenten; Psychologie, dann über einige Hauptlehren der Physiologie (publ.). — Rinecker: 
Demonstrative Vorträge über Hautkrankheiten, 2mai wöchentl.; Paediatrik mit klinischen De- 
monstrationen, ebenso; Poliklinik, täglich! ~ Schmidt: Staatsarzneikunde für Mediciner; die 
Hauptabschnitte der gerichtlichen Medicin für Juristen; Repetitorium und^Examinatorium 6ber 
Staatsarzneikunde; Veterinarmedicin , wj^chentl. 2mal. — Scherer: Organische Cliemie, 
wöchentl. 2mal; analytische Chemie mit besonderer Rücksicht auf organische Stoffe, wöchentl. 
Sroal; Stöchiometrie, wöchentl. Imal; chemisch - analytisches Praklicum, in 4 — 10 Stunden 
wöchentl. (prfvatissime). — Kolli ker: Physiologie des Menschen mit Experimenten, täglich; 
topographische Anatomie mit besonderer Berücksichtigung der chirurgisch - wichtigen Stellen, 
Dienstag, Donnerstag und Freitag (privatiss.); vergleichende Anatomie, 4nial; yootomische 
Praparirübungen (privatissime). — Virchow: Über endemische Krankheiten, Imal wöchentl« 
(publ.); specielle pathologische Anatomie,' 5mal wöchentl. (privatim); Cursus über pathologi- 
sche Anatomie und Mikroskopie (privatissime). — Scanzoni: Geburtshulfliche Klinijt, 
w6chentl. 5mal; geburtshülflichen Operationscur^jis, wöchentl. 4mal (privatissime); Pathologie 
und Therapie der Gebärmutierblutungen,, wöcheqtl. 2mal (publ); Repetitorium über theore- 
tische Gebqrtshülfe , wöehentl. 4mal (prlyatim). — Adelmann: Repetitorium der Chirurgie, 
(privatissime); Augeoheilknnde mit klinischer Anleitung, wöchentl. 5mal; Augenoperationslehre 
mit praktischen Übungen (privatissime). — Textor: Augenkrankhoiten , wöchentL dmal; 
Operationsflbungen mit dem Osteotom (privatiss.); dann leitet derselbe mit Prof. Hofr. Dr. 
V. Textor den chirurgischen Operati onscursus (privatissime). — Müller: Allgemeine Ana- 
tomie; Anatomie des Auges. — Professpr hoq. Dr. Escherich: Über gerichtliche Medicin, 
wöchentl. 3mal mit gerichtsärtzl. PraRticum; über öffentliche Gesundheitspflege und Gesund- 
heitspolizei (publ.). — Dr. Schubert: Toxikologie. — Dr. v. Welz: Gerichtlidie Chemie 
(Toxikologie), wöchentl. 3mal ; syphilitische Krankheiten mit praktisehen Demonstrationen, 4mal 
wöchentl..; Materia medica und Pharmafcognosie mit .einem Repetitorium der Pharmacie und 
ReceptirAbung^n, wöchentl. 8mal (privatissime) ; auch giebt derselbe praktische Curse in der 
Zahnheilkunde mit Eini^bung des operativen Theiles derselben (privatissiine). — Dr. Leydig: 
Entwickluufsgeschichte mit Demonstrationen, wöchentl. 3roaL 

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148 

F. Philosophiiche FacuUdi. Denzinger liest: PropSdeatik des bistorischeii Studiums 
(publ.); allg^emeioe Geschichte, wöcfaentl. 5mal; besondere Statistik, wöchentl. 4nial. — Fröh- 
lich: Ästhetik als Philosophie der Kunst nach eigenen Ansichten, wöchentl. 5mal; Geschichte 
der neuern Kunst, verbunden mit den VortrStren^ über Ästhetik; allgemeine Pfidagogik nnj 
Didaktik, wöchentl. 5mal; Geschichte der Erziehung bei den VortrSgen über Pädagogik. — 
Osann: Elektricitfit und Magnetismus in Verbindung mit dem zweiten Theile der allgemeinen 
Chemie, 5mal wöchentl.; praktische Anleitung zur Anstellung chemischer und physikalischer 
Experimente in geeigneten Stunden; Repetitorium (über allgemeine Chemie (publ.) — Leib- 
lein: Allgemeine Naturgeschichte, wöchentl. 5mal; Zoologie, 3mal wöchentl; allgemeine 
Botanik als die Lehre vom Baue und den Lebenserscheinungen der Gewächse nebst methodi- 
scher Obersicht des Pflanzenreichs nach Familien und ihren bemerkenswerthesten Repräsen- 
tanten; Anleitung zum Untersuchen und Bestimmen der Pflanzen (publ.). — Hoffmann: 
Rechts -Moral- und Religionsphilosophie, wöchentl. 5mal; Geschichte der Philosophie, wöchentl. 
4mal. — Rumpf: Geognosie, wöchentl. 4mal; den mineralogischen Theii der allgemeinen 
Naturgeschichte, 4mal wöchentl.; pharmaceutische Chemie, 5mal wöchentl. — Ludwig: Stati- 
stik der europäischen Staaten, 4mal wöchentl.; allgemeine und bayerische Geschichte. — Mayr: 
Populäre Astronomie in Verbindung mit mathematisch -physikalischer Geographie, wöchentl. 
5maL; politische Arithmetik, 4mal; höhere Analysis; Geschichte der Philosophie, wöchentL 
5mal. — Contzen: Geschichte und Statistik Bayerns; Geschichte der neuesten Zeit, von der 
französischen Revolution bis zur Gegenwart, wöchentl. 4mal. — Reuter: Griechische Anti- 
quitäten mit Taciti Dialogus de oratoribus, wöchentl. 4mal ; Geschichte der prosaischen Litera- 
tur der Griechen mit einem Examinatorium über die poetische Literatur der Griechen, oder 
mit Übungen in lateinischen Aufsätzen; auch setzt er die Geschichte der bildenden Künste bei 
den Griechen und Römern fort und lässt des Sophokles Oed. Colon, ei klären, im philologi- 
schen Seminarium. — Renas: Geschichte d. deutsch. Literatur und deutsche Alterthumskunde. 

Neuere Sprachen, Künste, Lector Bggensberger wird Shakspeare's Macbeth lesen, 
übersetzen und erläutern; in der Tonkunst, sowohl in der Instrumental- als Gesangs- Musik,, 
wird in dem musikalischen Institute unentgeltlicher Unterricht ertheilt. — Höhere Zeichnungs- 
kunst lehrt : Prof. S t ö h r ; Kupferstecherkunst : Bitthäuser; Reitkunst : J o h. v. d. T a n n ; 
Fechtkunst: Bündgens. 

Universitit GSttingen. 

Folgende Vorlesungen sind für das Sommerhalbjahr 1852 angekündigt. 
Anfang der Vorlesungen am 15. April. ' 

f. T^ologiscke Facukät, Lücke: Evangel. Joh'annis; synopl, I^idensgeschichte; Moral- 
theologie; Societät. Gi eseler: Kirchengesch. ; Dogmatik. Reiche: Einleit. ins N. T.; die 
Apokalypse. Redepen ning: homilet. Seminar; Dogmatik; bibl. Theologie^; Joel, Micha und 
Habakuk. Ehren feuchter: homilet. Seminar; Gesch. der neuern Theologie; prakt. Theol. 
2. Tbl.; Schulwesen; katechet. Übungen. Rettig: Katedhetik; katechet. Übungen. Duncker: 
Kirchengesch.; Symbolik; Societät. Matthäi: Brief^e an die Rom. u. Galat.; vergleich. Dog- 
matik. Lflnemann: Briefe an die Korinther. Holzhansen: Kirchengesch.; bibl. Theologie ; 
Dogmengesch. ; hebräische Grammatik; Privatissima. Dieckhofl; Jesu Leben; Einleit. in die 
Symbol. Bücher; Societät. Uhlhorn: Apostelgeschichte; Geschichte d. bannov. Landeskirehe. 
Messner: Lehrbegriff der AposteL Elster: Die iSiprfiche Salomo's. 

//. Juristische Facultät. Ribbentrop: Pandekten; Servituten und Pßindrecht Kraut: 
Deutsches Privat-, Lehn- u. Handelsrecht. Francke: Civilprocess; Institutionen; Erbrecht. 
Zachariae: Staatsrecht; Theorie des Criminalprocesses ; Encyklopädie. B riegleb: Process- 
prakticum; Relatorium; Processtheorie. Herrmann: Criminalrecht; Rechtsphilosophie. Thöl: 
Civil prakticum; Handelsrecht. Wolff: Deutsches Privat-, Lehn- u. Handelsrecht; Relatorium; 
Processprakticum. Hartmann: Processtheorie; röm. Rechtsgesch. Rothamel: Kirchenrecht; 
Pandekten; Examinatoria. Grefe: bannov. Recht. Stephan: Erklär, des 8. B. d. Digesten. 

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149 

Rössler: Deuteches Privat-, Lehn- u. Handelsrecht; deutsche Rechtsgesch.;.exegetCollegiani. 
fismarcb: röm. Rechtsgesch. ; Institutionen; Prlvatissima. Bod^meyer: rAm. Rechtsgescb. ; 
Processtheorie. EWers: Institutionen u. Recfitsge^ch ; Notherbenrecht; Repetitoria. 

///. Mediciniscke FaeuUdt. Conrad!: Einleit. in die Medicin; allgem. Pathologie; Klinik. 
Marx: Medicin. Liter firgcscb.; Heilmittellehre u. Receptirkunde. v. Siebold: Geschichte der 
GeburtshQlfe; gerichtl. Medicin; Geburtshülfe ; Operationscursus ; Klinik. Oslander: Geborts- 
hälfe. Wähler: Chemie; prakt. Übungen. Berthold: Physiologie u. Embryologie; allgem. 
Naturgesch. u. Zoologie; physikal.-mathematisches Seminar; akadem. Museum. Fuchs: Noso- 
logie u. Therapie; Klinik. Wagner: Neurologie; Bxperimentalphysiologie ; prakt. Obungen. 
Baum: Verrenkungen und Knochenbruclie; Chirurgie; Klinik; OperationsiJbungen an Leichen. 
Trefurt: Geburtshülfe; Operationscursus; prakt. Übungen. Ruete: Augen- u. Ohrenheilkunde; 
Klinik; allgem. Pathol. u Therapie; Operationsübungen. Grisebach: Botanik; medicin. 
Botanik; physik.-mathematisches Seminar. Herbst: Physiologie; allgem. Pathologie u. The- 
rapie. Bergmann: Knochen- u. Bfinderlehre; vergleich. Anatomie; Anatomie u. Physiologie 
der Hausthiere. Kraemer: Auscultation u. Percussion; Bandagenlehre; mikroskop. Übungen. 
Förster: p^tholog. Anatomie. Lappe: Chirurgie u. Therapie der Hausthiere; Tbieraranei- 
mittellehre ; Pferdekenntniss ; prakt. Übb. Stromeyer: Chemie u. Pharmacie* Wiese: 
Arzneimittellehre; Auscultation u. Percussion. Schuchardt: Arsneiniittel lehre, Toxikologie 
o. Receptirkunde; Gesund heitslebre und Difiletik; Heilquellen; Repetitoria. Lohmeyer: Haut- 
krankheiten ; AugenentsQndungen. 

IV. PkUoiophuche Faculldi. Mitscher lieh: Statius Tliebais. Gauss: höhere Geodfisie; 
prakt. Astronomie. Hausmann: Geognosie; techn.- Ökonom. Mineralogie; land- und forst- 
wirthschaftl. Bodenkunde; mineralog. Übungen. Ulrich: Trigonometrie u. Stereometrie; analyt. 
Geometrie; prakt. Geometrie; physikaL - mathemat. Seminar. Ho eck: allgem. Literatur- 
geschichte. Ewald: Hiob u. Salomonische Gedichte; Einleit. in d. kanon. u. apokryph. 
Bücher; arabische u. türkische Sprache. Weber: Naturlehre; phys.-math. Seminar. Bart- 
ling: Botanik; med. Botanik; Excursionen u. Demonstrationen. Ritter: Logik u. Metaphysik; 
Psychologie. Hermann: philol. Seminar; Cicero's Rede für den Sestius; Geschichte der alten 
Philosophie; <rchfiol Institut; pfidagogisches Seminar. Haussen: Nationalökonomie; Armen- 
wesen. Oesterley: Halerkuust. ßohta: Religionsphilosophie; deutsche Literaturgeschichte. 
Schneidewin: philol. Seminar; Homers Rias; Sophokles' Elektra; latein. Schreibübungen; 
philol. Gesellschaft v. Leutsch: philol. Seminar; Thncydidej; latein. Elegiker; Metrik. 
Uavemann: Gesch. d. Mittelalters; brauBschweii;- lüneburgische Gesch.; spanische Gesch. 
Waitz'f allgem. Verfassungsgesch. , deutsche Geacb, ; historische Übungen. Bertheau: Jesaias; 
Alterthümer des Israel. Volks; arab. Sprache. I^otze: Geschichte d. Philosophie seit Kant; 
Metaphysik; pbilos. Cursus f. Mediciner. Sartorius v. Waltershausen: Mineralogie; 
Vulcanologie; prakt. Übungen. Listing: Optik,; Meteorologie u. Klimatologie ; Dampfmaschi- 
nen; physik.-mathemaüsehes Seminar. Cesar: Geschichte der französ. dramatischen Dicht- 
kunst; Moliere's Misanthrope ; Schreib- u. Sprechübungen; diplomat. Stil ; Privatissiroa. Wflsten- 
feld: arab. Schriftsteller. Wieseler: ArchSologie d. Kunst bei d. Agyptiern u. Asiaten; 
griech. u. lat. Privatalterlhümer; archfiol. Institut; philol. Gesellschaft. Wappfius: Statistik 
des Königreichs Hannover; allgem. Erdkunde. Müller: Palfiographie ; deutsche Grammatik; 
der Nibelunge not; deutsche Gesellschaft. Benfei: Sanskritgrammatik; Indische Gedichte; 
vergleich. Grammatik. Stern: Differential- u. Integralrechnung; höhere Mechanik ; physik.- 
mathem. Seminar. Wiggers: Pharmacie, Pharmakognosie; Chemie. Griepenkerl: Land- 
wirthschaflslehre; Agrienltnrchemie ; Excursionen. Staedeler: analytische Chemie ; chemiscb- 
prakt. Übungen für Ökonomen; pbysiol.- chemisches Prakticnm für Mediciner. Havemann: 
Reitonterricht. Weh n er: Harmonielehre; Geschichte der Musik; Singakademie. Melford: 
Cervantes' la Numanda; engl. Grammatik; engl. Synonymik; engl. Literaturgeseh.; Unterricht 
in d. neoern Sprachen. Müller: Shakespeare's Macbeth; angelsfichs. Sprache; engl. Gramma- 
tik; Unterricht in d. neoern Sprachen. Tittmann: Deutsche Literaturgeschichte; Kunsttheorie 
bei Grieehen and Rdmem; literir. Gesellschaft. Seelig: Volks wirthschaflspolitik; Finaiu-. 

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wisien^aft. L«ng:e: grieeb. a.lat. Syntax; ApoUoniiis Dyskolos ; SaDskrit-Gramfmlili. Focko: 
Mathematik. Lion: Plutarcb's Lebensbeschreibungen; Cicero*s Briefe. Tho spann: Gesch. 
Heinrichs des Löwen. Lanizius - Beninga: Botanik; medicin. Botanik; Excursionen; Pri- 
vatissima. Wüsten feld: ital. u. deutsctie Geschichte, v. Quintus-lcilius: niathemat. u. 
phys. Geographie; meteorologische Beobachtungen. Finck: deutsche Geschichte. Grape: 
Zeichnenunterricht. Kastropp: Fechtkunst. Höltske: Tanzunterricht. 



Universität Bonn. 

Vorlesungen auf der rheinischen Friedrich - Wilhelms *- Universität zu Bonn 

im Sommerhalbjahr 1852. 

KaihoUsche Theologie, Encyklopfidie d. christlichen Theologie: Dr. Floss. — Einleit. in 
d. Schriften d. A. T.: Lic. Veiten. — Biblische Archäologie: Scholz. — Theorie d. Offen- 
barung: Dieringer. — KircheBgeschichte L Theil: Hilgers. — Kirchengeschidite IL Theil; 
Geschichte d. Hfiresien d. Mittelalters; Übungen üb. Geschichte d. Colner Erzdi^cese: Dr. Floss. 
Dogmengeschichte: Dieringer. — EM. ausgewihker Stücke d. A. T.: Lic. Veiten. — 
Erkl. d. Psalmen: Martin. — Erkl. d. Weissagungen Daniels: Scholz. — Harmonie d. 
Lcidensgesdiichte; Evangelium d. h. Johannes: Vogelsang. — Apostelgeschichte: Hilgers.-^ 
Röroerbrief: Vogelsang. — Briefe an d. Ephesier, Kolosser u. Philipper: Scholz. — Sym- 
bolische Theologie: Hilgers. — Dogmatik IL Theil: Dieringer. — Moraltheologie I. Theil; 
Liturgtk: Martin.— Homiletische Obungen : Dieringer. — Katechetische Übungen: Martin. 
(Die Professoren Acbterfeldt u. Braun halten keine Vorlesungen.) 

Eiocmgelische Theologie, Einleit. in d. A. T.: Bleek. — Geschichte d. alten Bundes: 
Hasse. — Propkelismus d. Hebräer: Lic. Diestel. •— Psalmen; Geschichte d. alten Bandes; 
Hebriiaches Rcpetitoriiim : Bleek. — Geographie v. Palfistina: K rafft. — Synoptische loter- 
pretirübungen: Lic. Bits chl. •— Rdmerbrief: Rothe. ~ Briefe d. Jacobus u. Judas : Bleek. — 
Kirchengesrh. IL Theil: Krafft. — Kirchengesch. vom f6. Jahrhundert an: Hasse. — Gesch. 
d. protestantischen Lehrbegriffs: Dorn er. — Symbolik; über Union: Lic. Ritsch L — Aus- 
gewählte Stücke d. Pflichtenlebre : Rothe. — Kirchenverfassong: Dorner. — Homiletik: 
Rot he. — Obungen d. theologischen SenMoars: Bleek, Dorn er, Hasse.. — Übungen cl. 
homileüscfa-katecbetisdien Seminars: Rothe. 

RtchtawitienMcht^t' Jurist. Encyklopfidie u. Me'thQdoIogie: Bluhme. Encyklopfidie a. 

Methodologie d. gesammteu Rechtswissenschaft: Deiters. — Naturrocht: Walter. — Gesch. 
d. Rechtsphilosophie: Haelschner. — Institutionen: Böcking. — Römisehe 'ßecbtsgesch.: 
SeH. -^ Pandekten, allgem. Theil u. dingliche Rechte: Bluhme. ^ Pandekten: SelL — 
Ausgewählte Lebren d. röm. Rechts: Böcking. — Rom. Lehre d. dinglichen Rechte u* d. 
Familienrechts: Seil. — Deutsche Rechtsgesch. : Walter u. Perthes. — Deutsches Privat- 
reeht: Deiters. — Ausgewählte Materien aus d. deutsöhen Recht: Walter u. Perthes. — 
Deut8cb69 eheliches Güterrecht: Deiters. — Lehnrecht; Preussisches Landrecht: N,icolo« 
vius. — Französ. u. rbein. Civilrecht: Dr. Anschütz. — Wechselrecht: Bauerband. — 
Deutsches Staatsrecht: Hfilschner. — Ausgewählte Theile a. d. .pfeussisehen Staatsrecht: 
Nicolovias. ~ Kirchenrecht aller christlichen Confeasioneii : Walter. — Strafrecht, gemei- 
nes, unter Berücksichtigung d. neuem StrafgeaetagebnAgen: Böckiog**— Gero. u. preussischer 
Civilprocess: Bluhme. — Gem. Civilprocess unter Berüeksicbtigiiiig.4l. preu$si8^en u. sfich- 
siscben: Böoking. — Rbein. Civilprocessrecbt: Bauerband. — Gem. rheinischer u. preus- 
Bischer Crimjnalpf ocess : Bluhme. — Europfiiscbes Völkerrecht: HSUchrf.«r, — Pandekten- 
Rivpetitoiium u. Prakticum: SelL —.Zu Privatissimis erbietet sich Deiters. 

Heükunde. Encyklopfidie u. Methodologie: Albers. — Repetitorium d. Anatpmie d. 
Mensebea: Mnyer. — Osteologie d. menschlichen Körpers: Weber. ^ Demonstration d. 
Präparate d. anatomischen Museums; Mayer. — Mtkroskopifiche Ana^mie: Dr. S.chaa<ff^ 
pausen, — Chirurg. Anatomie i Wutzer. r- Vergleicheade Anatomie: Weber. — Allgem. 
pepuJllr^ Physiologie; Dr. ^chafiffbauaen. — Physiologie d. Menschen: Ma^er. — Spe& 

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151 

Experimentalphysiologie : Badge. ^ Dieselbe: Dr. Schaaffh«asen. — Physiologie d. Sinne: 
Bttdge. .— Physiologischer Experimentalcarsus : Mayer. ^ Praktisch-physiologischer Cunus: 
Budge. — .NahrangsiDittelkunde: Harless. — Allgem. Pathologie u. Semiolik : Naunsann.-^ 
Allgem. Arzneimittellehre: Dr. Boecker. — Pharmakologie, sweit. Cursus: Bisch off. — 
Arzneimittellehre: Albers. — Gesaniiute Arineimittellehre: Dr. Boecker. -. Lehre von d. 
cbirargiscben Beilmitteln: Dr. Happe. — Aligeroeine Therapie: Harless o. IVaamann. — 
Specielie Pathologie u. Therapie: Naumann, Dr. Beeeker. — Generelle u. speoieUe 
Chirurgie: Wutzer..-> Operationslehre; chirurgische Diagnostik; Lehre ▼. d. Beinb^Ochen 
u. Verrenkungen: Dr. Hoppe. ^ Gesamato Gebartshülfe ; &ber schwere Uterinkrankheiten; 
Phaatoroabungen: ILilian. -— Verbaadtibungen : Dr. Hoppe. — Operationscnrsns an mensch- 
lichen Leichen: Wutzer. — Propadeutisehe Klinik: Aibers. — Medic. Klinik u. Poliklinik: 
Naamann. — Chirurgiach-augenflrztKdies KlimkiHn: Wutaer. — GebnrtshUlflicbe KUmk n. 
Pelihhnik : K i 1 i a n . — GerichU. Hedicin fär Mediciner u. Juristen : Harless n. B i s c h o f f. — 
Dieselbe, mit prakC. Ob.: Dr. Boecker. — Gesammte Medicinal-u. Sanitits-Polizei: Harless. 

Phüosaphie. Logik: Brandts, ran Calker u. Dr. Scbaarsohmidt. ~ Logik n. 
Metaphysik: Dr. Fischer. — Logisch. Uoterricht auf Gymnasien: Brand is. — Metaphysik: 
Kao&dt — Psychologie: van Calker, Knoodt u. Clemens. -^ Naturphilosophie: van 
Galker. — HaupUfitze d. Ethik: Dr. Sehaarsehmidt. — Gesch. d. altisn Philosophie: 
Brand is. — Philosophie u. Theologie d. h. Aogustin: Dr. Clemens. — Neuere Gesch. d. 
Philosophie von Cartesius an: Dr. Fischer. — Gesch. d. neuesten Philosophie; Knoodt.-«^ 
Substanzbegrill u. Begriff d. Gottheit in d. einzelnen philosoph. Systemen : Dr. Fischer.— 
Phüosopbiache Unterredungen: van Calker. 

Malhematih» Ebene u; sphfirische Trigonometrie: Radicke. ^ Algefora u. Reihentehre, 
KettenbrQebe; Differential- ». Integral-Reofannng : Heine. -- Dieselbe: Dr. Beer. -- Varia- 
tioDsberechnung : Radicke. — Analytische Geometrie: von Riese. — Theorie d. Curven 
d. dritten Grades: Dr. Beer. — Mathematische Geographie; Reduction d. scheinbaren Fix- 
sternörter; Beobachtung u. Berechnung d. Comelen; Praktisch-astronomische Übungen : Arge- 
1 an der. — Analyt. Übungen: Plucker. — Mathemat. Optik od. Meteorologie: Radicke.— 
Cber Dampfmaschinen, Eisenbahnen u. elektro-magnetische Telegraphen, mit BerflcksicblignBg 
der Londoner Ausstelking: von Riese. 

NtUurtoisserUlthaften. Experimentalphysik: Plucker. — Organische Chemie: Bischof 
Q. Dr. Bö de k er. — Allgem. Experimentakhemie, reine o. angewandte: Bischof. — Analyt 
Ezperiroentalchemie; Bergemann. — Chemische Besohafffenheil d. Nahrungsmittel; Anwen- 
dung d. Löthrohrs: Dr. Bödeker. — Unterredungen über chemische Gegenstände; Praktisch- 
chemische Übungen: Bergemann. — Praktische Übungen in der analytischen Chemie: 
Dr. Bddeker. — Mineralogie; Besondere Lagerstfitten d. Mineralien: Nöggerath. — Kry- 
stallographie u. Mineralogie; Versteinerungskunde: Dr. Römer. — Geognosie: Nöggerath. — 
Geognosie d. nordwesll. Deutschlands; Geognostische Excursionen: Dr. Römer. — Pflanzen- 
u. Thiergeographie ; Geographie d. am d. Mittelmeer gelegenen Lfinder: Dr. W es sei.— Zoo- 
logie; Ichthyologie; Zoologische u. sootomische Übungen: Troschel. — Allgem. Botanik; 
Natürliche GewSchsfamilien: Treviranus. — Nalurgesch. d. für d. Leben der Menschen 
wichtigsten GewSchse; Botanische Excursionen; Demonstrationen im botanischeu Garten; Prak- 
tische Übungen im Bestimmen d. Pflanzen: Dr. Brandis. — Naturwissenschaftliehes Seminar: 
Treviranus, Nöggerath, Bischof, Piücker u. Troschel. 

Classuehe FhUologie» Philologische Kritik u. Hermeneutik: RitschL — Griechische 
Syntax: Ober d. Metrische in d. ChorgesSngen d. griechischen Tragiker: Dr. Schmidt. — 
Römische Literaturfescfaicbte : Ritter; -^ Lehren d. griechischen Philosophen von d. Poesie: 
Dr. Bernays. — Griechische Kunstgesebichte : Welcher. — > Geschichte d. Architektur bei 
Griechen n. Römern; Erklär, d. akademischen Gypsmuseums: Dr. verbeck. — Pindar: 
Weleker. — Sophokles Antigone: Heimsoetb. — Aristophanes Frösche, nebst Geschichte 
d. griechischen Comödie: Rilscbl. ^ Aristoteles Poetik: Dr. Bernays. — Pianlua Trinam- 
müs: Ritschi. — Horazische Satiren: Ritter. — Tacitus Annalen: Schopen. — Tacitus 
Germania: Heimsoetb. — Disputir Übungen im pfaUolog. Seminar: Weleker n. RitschL — 

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152 

Philologische Unterhaltongeii: Welch er. — Metrische Obungen: Ritschi. — Philologische 
Uoterhaltupgen: Schopon. — Philologisch-historische Oboogen: Dr. Bernsys in Gemein- 
schaft mit Dr. Abel. 

OrientaUsche Philologie, Grammatik d. hebrSisch^en Sprache: Dr. Enger. — - Erklfir. ans- 
gewfihlter Psalmen; Fortsetzung d. Anfongsgründe d. arabischen Sprache { Erklär, d. Boches 
Fakihat-Alcholafa : Frey tag. — Fortsetzung d. Erklär, arabischer Tes^e ; Ober den Islam u. 
seine Entwicklung; AnfangsgrOnde d. Syrischen: Dr. Enger. — Vergleichende Grammatik d. 
Indogermanischen Sprachen: Lassen* — Grammatik d. Sanskrit- Sprache: Dr. Del ins. — 
ErkKr. d. Rigveda; Privatissima über Sanskrit oder Zend: Lassen. 

Neuere Sprache» und Literatur. Das gothische Evangelium des Marcus; Elemente der 
althochdeutsch. Grammatik: Diez. — Erklär. aa.«gewahlter Eddalieder; Deutsche B^ythologie: 
Simrock. — D. vier ersten Gesänge d. Lnsiade; Prakt. Unterricht in d. italienischen Sprache: 
Diez. — Gesch. d. franz. Literatur vom Anfange d. Regierung Ludwig XIV. bis zur Mitte 
d. XVIII. Jahrhunderts; Racinc's ausgewählte Trauerspiele u. sein Lustspiel: Monnard. — 
Über d. neuen Ideen in d. Literatur d. XVIII. Jahrhunderts, besonders d. englischen und 
französischen: Loche II. — Gesch. der englischen Literatur: Dr. Delius. — Byrons Childe 
Harold: Lassen. — Moliere*s Tartüffe; framfösisches Conversatorinm mit Stylöbungen und 
Erklärung ausgewählter französischer Dk^hter u. Prosaiker: Lector Nadaud. 

GetchidUe Hebat HiUfswiMtenschaften, Alte Geschichte: Aschbacb. — Gesch. d. Mittel-, 
alters: Loch eil. ~ Vergleichende Völkergeschichte: Arndt. — Quellenkunde d. deutschen 
Geschichte; Deutsche Gesch. im Mittelalter: Dr. Abel. — Geschichte des XVIIL Jahrhunderts: 
Aschbach. — Gesch. v. England von d. englischen Revolution bis zur französischen: Dahl- 
mann. — Histor. Gbungen: Dr. Abel in Gemeinschaft mit Dr. Bernays. — Geographie des 
östlichen Europa's: Mendelssohn. — Urkondenwissenschaft: WappenwissenschafI: Bernd. 

StaaU' und Camerahnuensckaften. Politik: Mendelssohn. — StaatswirthschafI uod 
Finanzen: Dahlmann. — Encyklopädie'd. landwirthschaftL u. Cameral Wissenschaften; Finanz- 
wissenschaft: Kaufmann. 

Kmut. Griech. Kunstgesch.; Gesch. d. Architektur bei Griechen u. Römern; Erklä'r. d. 
akademischen Gypsmuseums: s. classische Philologie. — Gesch. d. neuem Musik seit d. chrtstl. 
Zeitrechnung; Theorie d. Musik; Unterricht im Orgelspiel u. im Gesänge; Leitung d. Sing- 
vereins; Breidenstein. — Unterricht im Zeichnen u. Malen, in d. Lineftr- und Luftper- 
spective; Ezcorsionen zum Zeichnen u. Malen nach d. Pfatur: akadem. Zeichnenlebrer Hohe. 

GymmuHsehe Künite* Reitkunst: Donndorf. — Fechtkunst: Seegers. — Tanzkunst: 
Radermacher. , 

Der Anfang der Vorlesungen fällt auf den 19. April. 

Wohnungen für Studirende weist der Bürger Grossgarten (Wenzelgasse Nr. 1061) nach. 



Lehranstalt zi Poppelsdoif. 

Verzeichniss der Vorträge bei der höheren landwirthschaltlichen Lehranstalt 
zu Poppeisdorf für das Sommerhalbjahr 1852. 
I) Ein- und Anleitung zum landwirtschaftl. Studium, im Anfange des Seraesters: Landes-. 
Ökonomie-Rath Weyhe. — 2) Viehzucht, 2standig: Derselbe. — 3) Ober landwirtk- 
achaftl. Nebengewerbe: Derselbe. — 4) Acker- u. Wiesenbau, 3stQndig: Dr. Hartstein — 
5) Bodenkunde, 2st.: Derselbe. ^ 6) Geräthekunde, Ist.; Derselbe. — 7) Forstwissen- 
ichaft, 3st.: Dr. Vonhausen. — 8) Thier- Heilhunde, 4st.: Kreis -Aierarzt Schell.— 
9) Mineralogie, 3st.: Geh. Bergrath Dr. CTöggerath. — 10) Botanik, 4st.: Garteninspector 
Sinning. - 11) Zoologie, 3st. : Prof. Dr. Budge. — 12) Chemie, 4st.: Prof. Dr. Berge- 
mann — 13) Physik, 3st.: Prof. Dr. Plücker. — 14) Mathematik, 3st.: Prof. Dr. Radicke. 
15) Zeichnen, 2st.: Geometer Heis. — • 16) Naturwiasenschaftl. Repetitorien: Dr. Vonhansea. 



Drnck too F.E. Theln in Wunbnrg. 

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II 




(Deatoche UniversiUts-Zeitiiiig.) 



jnr. J^krsMis. I.$ft9» AprUheft. 



I. 

Zar Erinnerung: an Albrecbt von Haller 

unU zur 
-OesekleMe der SoeletAten der UrUiseusehaften« 

: Festrede /gehalten am Tage der huodertjfihrigen Stiftungsfeier der K. Societät der W 
Schäften zu Göttingen am 29. Nov. 1851 von Rudolph Wagner. 

(Schlusi.) 

(liSrsspn Sie mich im zweiten Theile meiner Rede noch auf zwei Pankte 
zurückkommen, die ich am Bingfang berührte. 

War es nöthig^ war es gfut, dass man in unsre nicht grossen äusseren 
Yerlialtnilkse mitten in eine zahlreiche gelehrte Corporation eine zweite klei- 
nere ^jiineinstellte , beide ganz unabhängig von einander in ihrer Verfassung 
mid doctf aus denselben Persönlichkeiten gebildet? Hussten hier nicht dop- 
pelt Störungen veranlasst werden, welche so leicht ans der Reizbarkeit der 
Clelehrten entstehen? 

•Aber neben den Universitäten, die seit einer Reihe von Jahrhunderten 
in. gauz Buropa bestehen und deren Hauptaufgabe es war, die Wissenschaften 
durch mündliche Lehre fortzupflanzen, hat sich bald schon ein zweites Be- 
;dürfni2is nach Anstalten geltend gemacht, in denen die Wissenschaft frei, ohne 
alle 'ftückjsicht auf praktische Zwecke gepflegt werden kann. Die Universi- 
tatcQ werden immer als Hauptaufgabe die Erziehung von Dienern der Kirche 
und des Staates haben. Die Lehrhaftigkeit steht hier in erster, die For- 
schun^sthätigkeit in zweiter Reihe. Die Akademieen der Wissenschaften wur- 
den emchtet, um gelehrten Forschern die Mittel und die wechselseitige 
Anregung zu verschaffen, durch Beobachtungen, durch Experimente, durch 
Nachcfenken die Gebiete der Wissenschaften zu erweitern und zu vc'rvoll- 
toimmnen. Dfta waren besondre Einrichtungen nothwendig. 

,l(yberall, wo solche vom Staate begünstigte oder dotirte gelehrte Gesell- 
.sct^aften entstanden, — in London, in Paris, in Deutschland in Berlin, Mün- 
chen^ 66ttingen, jüngst noch in Wien und Leipzig, fühlte man das Bcdürfniss, 
' liie jmsitiven Fachwissenschaften, — die Theologie, die Jurisprudenz, die 
Medicin (letztere nicht überall) auszuschliessen und nur die zwei grossen 
AbUiißilungen der allgemeinen Wissenschaften, die mathematisch-physikalischen 
und die historisch-philologischen aufzunehmen. Nicht, als schätzte man jene 

. iiaa«». Monatttchrlft. April 185S. SO 

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154 Wagner 9 Festred« zur Stiftungsfeier der k. SocietSt der WW. in Gdttingea: 

Fachwissenschaften irgend geringer. Aber man wollte vor Allem den theo- 
retischen Forschungen ein stilles Asyl bereiten und dieselben schützen vor 
den Einflüssen der Tagesmeinungen und der unruhigen Verfolgung prak- 
tischer Interessen, welche sich zunächst an die Fachwissenschaft knüpfeit. 
Wo sich unter jenen Facultälen Männer fanden, deren Studien vorzüglich 
auf die historischen oder naturhistorischen Grundlagen ihrer Specialfächer 
gerichtet waren, haben die Akademieen sie gerne in ihren Schoos aufge- 
nommen. Auch hat es auf allen Universitäten öfter Männer gegeben, welche, 
weniger geschickt, als Lehrer zu wirken, ihre Hauptaufgabe in einer litera- 
rischen oder doch blos auf die Forschung gerichteten Thätigkeit .erkannten. 

Die von anderwärts gegebene erste Anregung zur Erpichlurig einer 
unter Königlichem Schutze wirkenden Societät der Wissenschaften in Göt'tingen 
fasste in dem Geiste Münchh aus en s sogleich Wurzel, undHaller war es, 
dem wir. die erste Einrichtung, wie sie im Wesentlichen noch jetzt besteht, 
verdanken. Er lieferte auch die ersten wichtigsten Beiträge zu den Schriften- 
unsrer Gesellschaft. Durch ihn wurden die Göltinger gelehrten AuzeigenJ 
nächst dem Journal des savans das älteste kritische Journal in Europa und 
in Deutschland jetzt noch fast das einzige für die gesaitmite Literatur, ia\ein 
näheres Yerhältniss zur Societät gebracht. 

Es hat seit deui Bestehen unsrer Gesellschaft nicht an Yorwurfeli gefehlt; 
die man ihr gemacht hat. So hat man getadelt, dass sie die systematische 
Philosophie ganz aus ihrem. Kreise ausschliesst und nur der Geschichte der 
Philosophie Raum giebt. Man brachte damit in Zusammenhang, dass in Göt- 
tingen überhaupt der allgemeinen Meinung nach, der Speculation nie dieje- 
nige Begünstigung eingeräumt worden sei, die ihr auf andern deutschen 
Hochschulen zu Theil ward. Die bekannten Worte, welche einst Brand.es 
an Heyne schrieb: „Gott behüte uns, dass die Philosophie der Zeit Mode* 
iSftudium werde in Göttingen, aber es liegt sehr viel daran, dass wii' einea 
denkenden Kopf haben^S sind voa mehr als einem SchnftsteUer unsrer Uni- 
versität auf das Haupt gewälzt worden ^^). ■ \ . ' 

Es wurde sich für mich nicht schicken, hier eine Untersuchung vorneh- 
men zu wollen, in wieferne die speculative Philosophie Berechtigung. habie, 
unter die von einer Akademie gepflegten Wissenschaften aufgenommen, zu 
werden. Aber es ist jedenfalls merkwürdig, dass in der alten von 'Leib niz 
herrührenden Einrichtung der Akademie der Wissenschaften in Befrlin es eine 
Classe der Philosophie nicht gab. Dort ereignete sich ^so, dass, wie 
Boeckh bezeichnend sagt, der Philosoph Leib niz die Philosophie aus dem 
Kreise jener wissenschaftlichen Geselisohaft ausschloss. Erst nach der Um- 
schmelzuQg dieser Einrichtung unter Maupertuis wurde eine eigene p'hilo- 
SQphische Classe errichtet, was sich aber so wenig bewährte, dass 'diese* 

13) Vgl. U. A. Oppermann die Göttinger gelehrten Anzeigen während einer hiMideH^ 
jährigen Wirksamkeit etc. etc. Hannover 1844. 



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Wagner, Festrede zur Stiftungsfeier der K. Societfit der WW. zu Gdttingen. 155 

pbilosophisehe Classe später, besonders aof Schleiermacher's Betrieb, 
wieder aufgehoben und mit der historischen verbunden wurde, weil, wie 
damals geltend gemacht ward: „metaphysische Gegenstände sich weder zur 
e/spriesslichen Besprechung, noch zu gemeinsamer Bearbeitung .eigneten und 
eine akademische Verbindung weder dafür empfänglich, noch ihrer bedürftig 
s^i^* ^^). Man hat 'behauptet, unsre Universität, unsre Societat hätten durch 
Ausschluss der Schulphilosophie beide einen einseitig historischen und reali 
stischen Charakter angenommen^ und seien den grossen Bewegungen der Zeit 
fremd geblieben. Man mag in gewisser Hinsicht Recht haben; aber in andrer 
Beziehung hat uns diese Exclusivität auch Vortheil gebracht. Es haben bei 
' uns, '^ um inich des Ausdrucks unsres grossen Mathematikers zu bedienen, 
den.derselbe in der schönen Tischrede an seiner eigenen Jubelfeier gebrauchte,— 
die banalen Phrasen niemals Wurzel fassen können. 

. Wie jedes bedeutende Individuum ein Product ureigner Anlagen und 
historischer Entwicklung ist, dem man nichts zulegen und, von dem man 
nichts wegnehmen kann, ohne das ganze innere Wesen zu verändern, so gilt 
diess auch' von einer zu gemeinsamer Thätigkeit verbundenen Corporation, 
die trotz des Wechsels der Zeit und der Einzelnen einen typischen Charak- 
ter nie verläugnen wird, den man denn mit seinen Vorzügen und Mängeln 
wird gelten lassen müssen. 

' Man hat . unsrer Societat zuweilen laut und noch häuGger im Stillen 
nachgesagt, dass sie, wie Akademieen überhaupt, sich überlebt habe und 
nicht mehr zeitgemäss sei. Aber bat man dieselben Anklagen nicht auch 
gegen, das deutsche Universitätswesen vorgebracht, das doch so national und 
so' fest gewachsen ist, dass keiner der vielen Sturme, die wir in unsern 
Slaals-Ein^ichlungen erlebt haben, es im Wesentlichen zu erschüttern ver- 
mochte? 

Sind aber unsre Hochschulen ein kostbares Gut von volksthümlichem 
Charakter, die einem tiefgefühlten Bedürfnisse unsrer Nation entsprechen, so 
möchte ich den' gelehrten Gesellschaften einen weltbürgerlichen Charakter 
vindiciren. Der Gang der allgemeinen Bildung der Menschheit kann ihrer so 
wenig ohne Schaden entbehren, als unser Volk der Universitäten. Diess lässt 
sieb leicht af> jenen grossen Societäten mit ausgedehnten Mitteln, wie der 
Akademie der Wissenschaften in Paris, der Königlichen Gesellschaft zu Lon- 
don,^ nachweisen; aber in geringerm Grade gilt es doch von allen solchen. 
Assocrationen zu freier Forschung. Einzelne Einrichtungen derselben, wie die 
Form der Preis-Institute, mögen sich theilweise überlebt haben; man mag sie 
uitigestalten. Sie aufzulösen, würde man nimmer verantworten können. 



'. \S) Ich habe diese ganze interessante Stelle wörthch aus Boeckh's Rede entnommen, 
welche derselbe zur Leibnizreier am 8. Juli 1847 hielt. Vgl. die Monatsberichte der Könlgl. 
PVenss. Ahademie d. WW. zu Berlin aus dem Jlihre 1847. S. 244. 



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156 Wagner, Festrede xar Stifloogsfeier der k. Sodetilt der WW. in GdttingeD. 

Die Politik der europäischen Staaten ist ihrer innern Natur und Ger 
schichte nach eine selbstsuchtige. Einzelne Völker und Stämme «begegnen 
sich in unauslöschlichen Antipathieen. Nationale Spaltungen, Kriege und 
Empörungen sind davon die nothwendigen Folgen und unvcrtilgbaren*^Äu8se'-. 
runsren aller geschichtlichen Entwickelung. Man mag sie beklagen, laber mivi 
wird sie deshalb nicht entfernen. Nur gutmüthige Schwärmer können voi| 
einem ewigen Frieden der Völker träumen, wie beschränkte Köpfe von eiQe|D> 
kommenden Zustande der Humanität, in welchem die Verbrechen aufhöroa 
sollen. Damit es unter diesen gegebenen Gegensätzen nicht zu eii^er Zer* . 
Störung der aligemeinen Cultur komme, und, wenn die Völker feindlich an 
einander gerathen, die Liebe der Menschen nicht völlig erkalte,* dazu'b^ben 
wir das Christenthum , dazu haben 'wir Handel, Künste und Wissenschaften, 
welche da versöhnen und vereinigen, wo uns andre Interessen frennen, - 
Ein Glied dieser geistigen Völkerverbände, welche die politischen Ge|;ensatze 
massigen, sind die gelehrten Corporationen« Wer von uns, die wir solchen 
angehören, hätte nicht auf Reisen in andern Ländern die Erfahrung gemacht, 
dass wir den naturlichsten Freimaurer-Orden der Welt'bjlden? Die gelehr- 
ten Gesellschaften der verschiedenen Länder fördern sich wechselseitig durch . 
den Verkehr , ihrer Mitglieder, durch gemeinsame Unternehmungen, durch 
Austausch ihrer Schriften , durch Begünstigung und Unterstützung von* For- 
schungen und Reisen ohne Rücksicht auf Nationalität. 

Und wir Deutsche sollten nicht festhalten an solchen Institutionen? 

Ich hätte gerne unserm Volke auch eine grosse politische Entwiökelung 
gegönnt, einig nach innen, stark nach aussen. Mit tiefem Schmerze sehe 
ich unsre Geschichte an, bis auf unsre jüngsten Tage herab. Aber ich* sehe 
nirgends, dass auf den Wegen, die wir bisher eingeschlagen haben,' jenes 
leuchtende Ziel uns irgend näher rucke und dass aus der Zersplitterung 
Einigung hervorgehe. Ob es uns je gelingen wird, dieses Ziel zu erreichen, 
oder ob wir uns in Tantalischer Qual verzehren werden,^ ich weiss ^ es nicht. 
Aber das weiss ich, dass jedes Volk in der grossen Geschichte d^r .Welt 
seine eigenen Missionen hat. Eine der Missionen unsers Volkes^ zu der uns 
die göttliciie Führung bestimmte^ ist es gewiss, uns in die Tiefen der Wissen- 
schaft zu versenken und aus diesen Tiefen heraus eine Macht zu entfalten^ 
die uns über andere Völker emparhebt. Mag es dem aQgelsächsischen'^Zweige 
unsers germaAischen Stammes beschieden sein, das höchste Problen^ politi- • 
scher Weisheit zu lösen, innere Blüthe mit äusserer Macht zu vereinigen, ^die 
grösste persönliche Freiheit mit der grössten .gesetzlichen Ordnung zif ver- 
birken. Uns ist es beschieden, auch gedrückt und dienend eine schone 
Sendung zu erfüllen. » 

Zu einer Zeit, wo Frankreich unter Napoleon denContinent beherrschte, 
und mitten in seinen Pariser Schätzen beneidet einer der grössfen Natur-» 
forscher, George Cuvier, uns Deutsche, weil wir das Gluck hätten ,^ in* 
unsern grossen und kleinen Hauptstädten, in unsern Universitäten eine solche ' 



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Wagner,' Fefirede lor SUftongifeier der k. Societil der WW. » GöttiBgea. 157 

Menge von Bildungsheerden zu besitzen, wie sie keine andere Nation hat, 
und erklart daraus die ungemeine Verbreitung von Kenntniss und Forschung 
unter ünserm Volke. 

Zu diesen Bildungs-Mittelpunkten können wir mit Stolz und Freude auch 
n^sre Hochschule rechnen, wenn wir auf ihre Geschichte zurückblicken« 
Und unsre Societät der Wissenschaften, wenn sie sich mit ihren europäi- 
schen Schwester - Akademieen vergleicht, braucht sie, trotz ihren viel 
beschränktem Mitteln, nicht zu erröthen. 

Wenn wir dajs Jahrhundert, welches wir zurückgelegt haben, in seine 
natürlichen Perioden,* in drei Menschenalter zerfallen und für jedes dieser 
Menschenalter einen Repräsentanten aus den drei Clässen unsrer Societät 
aufsuchen, der einen welthistorischen Ruhm sich erworben hat, so wird es 
nicht schwer werden,, solche Männer zu finden. 

Neben Ha Her i^tand bei der Gründung der Societät Johann Mathias 
Gesner in der philologischen Classe, den Ernesti für den grössten Ken- 
ner der griechischen und überhaupt der classischen Literatur in Deutschland 
und zwar nicht jener Zeit allein, sondern aller Zeiten erklarte ^^), in der 
mathematischen Classe aber Tobias Mayer, der in der Geschichte der 
Astronomie einen der ersten Platze einnimmt 

Im zweiten Mensch^nalter erscheint Heyne, der die Philologie vom 
Schulstaube gereinigt, sie zur Alterthumswissenschaft erhoben hat; der an 
vielseitiger Thatigkeit, insbesondere für unsre Universität und Societät ganz 
an die Stelle Haller*s trat. Neben ihm lebten Blumenbach und Lich- 
tenberg als die hervorragendsten Mitglieder der physikalischen und mathe- 
matischen Classe. 

Waren Haller, Gesner und Tobias Mayer in ihren Bestrebungen 
mehr darauf gerichtet, ihre Hauptfächer durch intensive Forschungen aus- 
zubilden, so zeigten sich bei den Mannern der zweiten Periode, bei Heyne, 
Blttmeribäcb und Lichtenbergt vvie ihren Zeitgenossen, den trefflichen 
Historikern S pittler und Heeren, das charakteristische Streben jener 
ganzen Zeit und ein grosses Geschick, ihre Arbeiten zum allgemeinen 
Nutzen der Gebildeten zu verwörthen und auf grössere Kreise zu wirken. 
Sie haben mit den ihnen anvertrauten Pfunden reichlich gewuchert. Man 
kann von ihnen nicht sagen, dass sie ihr Licht unter den Scheffel gestellt 
haben; 

Von den Lebenden des dritten Menschenalters zu reden, will sich hier 
nicht schiqken,. wie es denn überhaupt nicht mein, sondern des gesch&ftsK 
führenden Secretärs, der als langjähriges thatiges Mitglied uns angehört und 
seines Amtes mit seltener Treue gewartet hat, Beruf ist, die äussere Ge- 
schichte unsrer Societät Jhnen vorzuführen. 
• ' . ' i ■ — " 

17J Vergl. 'Ernesti Narratio de Joanne Matthia Gesnero ad Davidem Rhnnkeniani in 
Frotscher*« Eioquentium Tirorum narrationes de vitis bominum Vol. I. zugleich mit Niclas 
und Michaelis Elogien Gesner*» abgedruckt. Lips. 1826. 



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158 Wtgnclr, Festrede zur StiAnogsfeier der k. Societit der WW. fn (Sdttingen. 

Eines Todlen und eines Lebenden sei aber hier noch gedacht. 
Die Männer, die uns angehörten, ruhen jinter uns; ihre Denksteine 
schmucken unsre Kirchhöfe; ihre Kinder und Enkel können ihre Gräber 
bekränzen und daran ihre Andacht verrichten. Jener edle Geist, mit dem 
wir Spütgebornen noch zusammen gelebt, der im dritten Menscbenalter i^insr 
rer Gesellschaft. den Lehrstuhl Gesner's und Heyn e's. -eingenommen, er 
kehrte nicht heim aus dem classischen Lande, wohin ihn die Sehnsucht nach 
griechischer Kunst gezogen. In der Blüthe der Jahre ward er dahin gerafft 
auf Hellas's Boden, der die Gebeine seines Lieblings in sich schloss. Wir 
haben sie erlebt, die Trauer, und die Gattin, die seitdem ein früher Tod 
erlöste von ihrem Schmerze, konnte wie Andre mache klagen: 
Uoaussp rech liehen Gram der Verzweiflung schufst Du den Eltern, ' 
Hektor! Doch mich vor Allem betrübt nie endender Jammer! 
Denn nicht hast Du mir sterbend die Hand aus dem Bette gereichet, 
Noch ein Wort mir gesagt, voll Weisheit, dessen ich ewfg 
Dächte bei Tag und bei Nacht, wehmüthige Thrünen vergiessend. 

Aber nachdem wir durch Otfried Mülle r's frühzeitigen Tod einen so 
herben Verlust erlitten, dürfen wir doppelt dankbar seih, dass uns die gött- 
liche Fügung einen Mann gelassen hat, der nun unsrer Societat demnächst 
ein halbes Jahrhundert wird angehört haben. 

Als im vorigen Jahre unsre Schwester-Akademie in Berlin ihre jährlich 
wiederkehrende Leibnizfeier beging, fehlte noch ein Monat von dem Tage, 
an weichem Alexander von Humboldt vor 50 Jahren in die Akademie 
eingetreten war. Der Festredner wurde ausdrücklich beauftragt, die 50jährige 
Wiederkehr von Humboldt*s akademischem Geburtstage durch eine beson- 
dere Erwähnung mit der Leibnizfeier zu verbinden. 

Ich glaube auch ohne besondern Auftrag der Königlichen Societät der 
Wissenschaften im Sinne aller Mitglieder zu handeln und eine Pflicht der 
Pietät zu erfüllen, wenn ich hier des Mannes gedenke,' ohne ihn mit Namen 
zu nennen, dessen Arbeiten den Ruhm unsrer Gesellschaft am weitesten 
getragen. 

Wenn es uns einst vergönnt sein wird, zum Gedächtniss des heutigen 
Tages eine Denkmünze prägen zu lassen, auf welcher drei Köpfe zusammen 
dem Beschauer ohne weitere Erklärung die Bedeutung der drei Menschen-^ 
alter unsrer Societät in Repräsentanten ihrer drei Classen für die Geschichte 
der Wissenschaften vergegenwärtigen sollen, so wird das Abbild utisres 
hochtheuren Mitgliedes zu denen Haller's und Heyne*s gestellt werden. 
Zur Unterschrift würden sich die im Platonischen Sinne gesprochenen Worte 
Loibnizens eignen, die da lauten: „Die mathematischen Wissenschaften, 
welche von den ewigen im göttlichen Geiste wurzelnden» Wahrheiten handeln, 
bereiten uns vor zur Erkenntniss der Substanzen^^ ^®). 



1^) Ich entlehne diese schönen Worte von Leibnjz aus der Anni. 16 .erwähnten.* treff- 
lichen Rede von Boeckh. 



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Wafser^ Festrede lur Stiftungsfeier der k. Soeiatfit der WW. in GUMÜBgeii. 159 

Wenn wir uns freuen können, einen Albr.echt von Hall er unter 
uns gehabt zu habend wenn unsre Schwester- Gesellschaften in London and 
Berlin immer von Neuem der Freude gedenken, dass ein Newton und 
Leibniz fai ihrer Mitte gewirkt hat, sollten wir nicht doppelt freudig des 
heutigen Tages uns rühmen, da wir unsern Newton mitten unter uns haben, 
im. Greisenalter noch, einem frischen lebenskraftigen Manne gleich? 

Ja, wenn einst bei der ausserordentlichen Thätigkeit in allen Gebieten 
menschlichen Wissens die Namen der Einzelnen, welche die Wissenschaften 
gefördert, durch grosse Entdeckungen oder neue Ansichten bereichert haben, 
imtnef mehr dem gemeinsamen Bewusstsein entschwinden und nur in den 
Annalen der Geschichte der einzelnen Fächer werden aufbewahrt werden, 
dann wird dieser Name au den wenigen gehören, der in aller Gebildeten 
Gedächtniss bleiben wird. 

Die höchsten Probleme der Naturforschung zu lösen, ward nur wenigeil 
Sterblichen vergönnt. Nachdem Copernicus und Kepler die Naturge^ 
schichte des Planetensystems kennen gelehrt, erschienen Galilei und' nach 
ihm Newton, welche das Grösste geleistet, da sie die Gesetze der kosmi«- 
sehen Bewegungen entdeckten. 

Neben den Schriften Galilei's, neben New ton' s Principia mathematica 
philosophiae naturalis werden die Erfindung des ersten strengen Beweises des 
Fundamentalsatzes der Gleichungen, die Theoria motus corporum caelestium, 
die Disquisitiones arithmeticae, die Theorie des Erd* Magnetismus nebst den 
andern in unsern Denkschriften niedergelegten Arbeiten des grossen Mathe- 
matikers für die Wissenschaft von der reinen Zahl und für die Mechanik des 
Weltalls ein unvergängliches Denkmal menschlidien Scharfsinns bleiben. 

. Noch einmal, lassen Sie mieh in uiisrer Aller Namen die Freude aus- 
sprechen, die wir empfinden, da wir den akademischen Mann heute als unsern 
Vorsitzenden unter uns erblicken, dessen Name in allen Zeiten der dritte 
neben denen Galilei's und Newton's genannt werden. wird. 

Nun, nadidem ich meiner eigentlichen Pflicht genug gelhan, von Hall er 
mi andern- Männern der Wissenschaft geredet habe, mag es mir vergönnt 
sein, auch der Begründer, Beschützer und Pfleger unsrer Sodetät dankbar 
zu gedenken. 

Wie die Georgia Augusta, so rühmen auch wir uns der steten Fürsorge 
•unsres Ctiratoriums. Mit aligemeiner Achtung nennt man im In- und Aus^^ 
lande die Münchhausen und Arnswaldt, die Brandes und Hoppen- 
sted t und die andern Männer, die bis in die jüngsten Tage mit der Pflege 
. unsrer Hochschule uhd unsrer Societät betraut waren. 

Und unser Fürstenhaus, der erlauchte Stamm der Weifen, von dem 
Königlichen Stifter unsrer Societät, von Georg dem Zweiten glorreichen. 
Andenkens an, bis auf unseres Königs Ernst August's Majestät herab^ 
hat nicht aufgehört, das für die Wissenschftft hier errichtete Asyl mit Königw 
Ucher Treue zu. pflegen. 



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160 Wagner, Festrede lur Stiftungsfeier der k. SocietXt der WW. in bötttugen. 

Als ich diese Rede niederschrieb, konnte ich noch ho'ffen, daiss die 
Tage unseres greisen Königs, der an Alter und Weisheit den Forsten Europa's 
voran stand , verlängert werden möchten. Ich konnte den Wunsch üiid die 
Hoffnung nicht unterdrücken, der König möge noch einmal die'Stelle betre- 
' ten , an der wir uns heute befinden und wo wir vor*.wenigen Monaten' aus 
seinem IMunde Worte vernommen haben, die in unserer Aller tSedächtpiss . 
bleiben werden. 

Gott hat anders beschlossen und das verhängnissvolle Geschick aber 
uns ergehen lassen, das in diesem Augenblick unser Land in tiefe Trauer, 
in Sorga und Unruhe versetzt. König Ernst August ist aus dem Kreise 
der Lebendigen abberufen, worden und steht vor seinem und unserm Richter, 

Sie werden nicht erwarten, dass ich meine Rede schliessen soll^ ohne 
dieses Ereignisses zu gedenken. Ja, ich will dem Könige ein Epicedium 
halten. Aber ich kann es nicht, ohne wenigstens einige Ruckblicke auf die 
ersten Regierungsjahre und insbesondere auf das Jahr 1837 zu werfen. 
Furchten Sie nicht, dass ich mich in politische Erörterungen einlassen werde, 
welche sich weder für diesen Ort, noch für diese Rede schicken würden, 
aber der Wahrheit werde ich nichts vergeben und was nicht mehr der Ge^ 
genwart, sondern der Geschichte angehört, darf ich berühren. 

Dreimaft ist Ernst August als König in unsrer Mitte erschienen. 
Nachdem er das erstemal hier der Jubelfeier der Georgia Augusta beige- 
wohnt, folgten jene schmerzlichen Ereignisse, welche unser. Land auf das 
Tiefste erschütterten und in ganz Deutschland, ja in Europa wiederhallten. 
Die Universität \erlor sieben ihrer ausgezeichnetsten Mftnner, von 4^nen ßhif 
unsrer Societat der Wissenschaften als ordentliche Mitglieder angehörten. 
Und welche Mitglieder? Alle Akademieen und gelehrtea Gesellsohaften 
Europa's rechnen sie zu den ihrigen. Ihre Namen gehören zu den geachtet- 
sten der Welt. Es war ein Schlag für die Universität j für die Societat, 
dessen Nachwirkung wir noch heute empfinden. Jene Regierüngshandiungj 
welche in unserm Lande das Bestehende umstürzte, und* das öffentliche Rechtsr 
bewusstsein alterirte, hatte noch andere schwere Folgen; es war ein mit- 
wirkendes Moment zur Vorbereitung jeher Ungeheuern Erschütterung., die 
uns die gähnenden Abgründe der Gesellschaft geöffnet hat, an deren Rande 
wir uns heute noch befinden, die unausgefüUt vor unis liegen und die alles, 
was wir beschaffen, alle Cultur, alle Wissenschaft und Kunst in ewige Nacht 
2U begraben drohen. Ober diese Thatsache lassen Sie uns keine Schminke 
legen. Und sollte ich nicht davon sprechen dürfen?. Habe ich doch einst 
gegen unsern König selbst, als ich ihm nahen durfte, 'der Wahrheit Aichts. 
vergeben, wie ich ihm die Lage der Universität im Jahre 1845 schilderte 
und die traurige Nachwirkung des Jahres 1837. 

Das ist das Schöne im Lande Hannover, dass man wenigstens heute 
noch die Wahrheit frei reden darf, wo ihr anderwärts der Mund verschlos- 
sen ist oder wo man nur verhüllt und mit ängstlicher IScheu sprechen kann. 

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\ FMlretfe sar StiftangBlDier te k. SoMtM dar WW. in GOtluigea. 181 

Ja was noch meKr ist, diese Wahrheit fiiHlel und fand auch nach oben sMä 
bei ttas eine goto SlStte^ wo sie nar in ernste und wür^ge Form geUeMel 
war. Sie &nd sie auch bei nnsrem heiragegaogenen Könige. In jener 
schweren Angelegenheit glaubte der König, ich bin es fest überzeugt, in seinem 
Rechte zu sein; denn wir wissen von ihm, dass er ehrlich, offen und 
wdniiaftig war. Ich lebe noob beute der Oberzeugung, wiren damals in 
seinem Rathe die rechten Männer gestanden^ jenes unheilvolle Ereigniss wäre 
uns erspart worden. Aber dusu hfitte ein seltener Muth und eine seltene 
Selbstverlflugnung gehört. Aus dem Munde eines der trefflichsten Manner 
unsrea Landes, der jüngst selbst eine hohe Stellung eingenommen, hörte 
ich vor nicht langer Zeit die Worte: „Alles, was man dem Könige in der 
Form englischer Rechtsanschauung bcibrinsfen kann, dafür ist er empfänglich/^ 

König Ernst August war ein grossartiger, ein eiserner Charakter, 
wie ihn die Zeit braucht, ein König, von dem die Worte gelten: „Jeder Zoll 
ein Mann/* Dürfen wir es ihm deshalb so hoch anrechnen, wenn es ihoi 
schwer ward, offen zuzugestehen, dass er damals dem Lande, unsrer Uni«« 
versitat, unsrelr Societät der Wissenschaften ein schweres Leid zufügte? 
Er war ein Mann der That. Durch die Tbat hat er später die Wunde an 
heilen jgesucht. Zwei von den Sieben, zwei von unsem fünf Mitgliedern 
wurden uns wiedergegeben. Sie sitzen heute in unsrer Mitte. Andre 
wiederzugewinnen lag nicht mehr in des Königs Macht. 

Und hat der König seitdem nicht noch andre Zeugnisse seiner Achtung, 
seiner Liebe uns gegeben? Er wusste, dass er einst uns wehe gethan. 
Dieser Stachel, wer ihn beobachten konnte, sah es, lag tief in seiner Seele. 
Er wollte nicht scheiden aus semer Zeit, ohne uns erneuerte Beweise seines 
Wohlwollens zu geben. Noch einmal erschien er bei uns, nahe am Ziel 
seiner Tage; und wie die Strahlen der Sonne, wenn sie sich dem Abende 
zuneigt, milder werden, so war auch über die eisernen Züge unsres Königs 
eine wohlthuende Milde ausgebreitet. 

Nicht erzogen für die stillen Künste und Wissenschaften, ein alter Sol- 
dat, wie er selbst sich zu nennen. pflegte, wuiftste er doch mit seltener Klug* 
«heit auch in der Leitung der Universität, deren durchlauchtigster Rector et 
in der That, nicht blos dem Namen nach war, das Rechte und Beste zu tref- 
fen und durchzusetzen, zuweilen trotz seiner Rätbe. Wie wir denn in jener 
grossartigen Gründung eines Hospitals nicht blos eine Anstalt für die Kranken- 
pflege und für den Unterricht, sondern auch ein Institut f&r die Forschungen, 
die in unsrer Sometät repräsentirl sind, dankbar erblicken müssen. 

Wo ist einer der Regenten Europa's, der mit solcher Theilnafame dem 
Universitäts- Wesen zugewendet War, der so die Männer der Wissenschaft 
ausgezeichnet und geehrt hat? Ja, Sie werden sich vielleicht verwundern, 
wenn ich aus jenem schmerzlichen Ereigniss der Vertreibung der Sieben und 
aus der Bitterkeit, womit der König noch bis in die letzte Zeit über eiazelne 
doraelben sich äusserte, gerade einen Schluss zu seinen, Gunsten ziel». In 

Akaden. Moaatoa^hrlit. April 1861. 81 

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162 Wagwr, VmU^ie znt Smüt§damr dir k SooMft der WW. «GdllinnW 

dieser Biteevkeil Urgf ein sprecbetdes Zeugfniss, vielleicht mA^ scinmi Wüloil^ 
irt^B dem iimern Respecte, den der Koaig gegea die Uätmer der Wjeseo« 
judNift hatte, da Zeugniss für seine grrosse Regentenfclugheit, die ihn hhr 
erkennen Uess, dass der oiTne Tadel über Regierangshi^imigen von Seiten 
hoehi^hender wissenscheftlicher Mäsmer von unhweohenbQrenr Einfluss ist. 
Es lag in dieser Bitterkeit etwas von dem bdcanntenNapble»n'schenBasse 
gegen. das, was dieser gigimtiscbe Mann die ,-,UeDlogie^' nannte Und womit 
deraelbe, olme sich an den historisch-philosophischen Begviff diesem Aiisdrueis 
2n hallen y das Streben nach der Yerwirklichnng giewisser Ideale- ihi Volks** 
nnd Staatsleben bezeichnen wollte; die Abneigung gegen einellaeht, welche 
noch Napoleon instinctmüssig för grösser erkennen musste, als diesdnige, 
nnd deren tiefe und stille, aber nnaulhaltsame Wirkung so oft von den« Hohen 
und Gewaltigen dieser Erde verkannt wird. 

Es ist ein alter Sprach: „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch 
wie die Tauben.-' Kindheit ohne Fatsch^ die uns die Schrift als eina Tugend 
empfiehlt, ist die höchste Lebensweisheit; sie ist aueh die böehste RegenleB- 
Weisheit. Kkigbeit und Wahrhaftigkeit, consequenter Wille, treiws Festhdten 
nnd Verfolgen des einmal als nothwendig Erkannten , sind j^e Tugendoi, 
welche dem Könige die entfremdeten HerEcn seiner UntiHlhan^n wieder zu* 
gewendet, welche Abneigung in Liebe verwandelt, und ihm am Ende seiner 
Tage die Achtung, die Bewunderung Deutschlands, ja Enropa's verschall 
bftou Weit über äussere Liebenswürdigkeit, Sinnes «^Mflde und.giintende 
Begabung aiert den Regenten ein ent^diiedener Charakter und ein Wale ohne 
S^wanken. Sie helfen ihm dber Klippen hinweg, an denen woUmeinendd 
aber willenacbwnohe Regenten n^thwendig aerscheilen müssen. 

Mit jener Klugheit, die dem Könige eigen wlir, erkannte er, g^leioh Sin- 
nen glorreichen Vorgängern, dass, um dem Lande Hannover eine grössere 
Bedeulung zu geben , als es^ seinem Gebiete und seiner potitischen StifUnog 
nach haben kann, alles was nur möglich ist, f&r Göttingen geschehen rnuasei 
Dnfllr schien ihm kein Aufwand au gross. Sr wusste , dass Hannover klein 
niiUaifiangii ohne bedeutende und anziehende Sl&dte, ohne grosse Sunstdenkr 
«anler, mit dem Reize schöner Gegenden wenig geaehmficht, im Auslande, 
filsi. nur bekannt ist durch die Männer, welche Göttkisiens Ruf begründet 
bnben. Hat doch Napoleon selbel einst ^yifise» Rufe seine bebe Axktmg 
nicht veissagt und diu)urcb gezeigt, dnas wissennchaftlicherRlahm kan blosser 
Schall ist. Er halte den Bfefehl gegiebetn, beivdler Besiltsnahme dl^s Landes, 
Göttingen mit besondinrer Selioftfung zu beiiendein, als eiüen- wekberähmien 
Sil^ gelehHer Bildung und milRuchSicfat auf die. beithnrien Minoer, die zu- 
gleich Mitglieder des französischen Institute wiren ^0. 

1^ Die besondre Theiloahme des damarigen Kaisers det f^'ranzosea bewirkte ein fnteresse 
ier ifaaaen katterifchen pMüHie Ar (Söttingen. Napoleons Rroder, der HSnig von Rellaa^ 
mgie M diBflsr aber dar Ihftd na Maaliludl ll)OfSie« y/mu Gfimi^mi CM le «l|^.to 

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Die DwtamioillifiMi.aB dm ^MsmiMMMi IM^tnAiiito. 1€S 

Wahrlidi avch nicht ohne Vorhedwlung war es, dMB der eMd Köhif 
ins dem Htnse Bamover die %yrm gpdssten Gelehrten seiner Zeit, Leibnix 
und Newton, su seinen Unfertbanen säblte. Non ruht üe Krone, die 
Georgr der Erste, der Zweite 5 der Dritte, der Vierte, die Wilhelm de^ 
Vierte und Ernst Augnst getragen haben, auf Georg dem Pönften, 
Auch nnsres jetaigen König« Majestät wird der Uni?ersitiiit, , wird nnsrer 
Geseilschafk der Wissenschaften seine Liebe nicht versagen. Was kann, neben 
der Pflicht sein Volle gottesfürchtig, gerecht und glücklich und zwar stets als 
ein Glied der grossen dentschen Nation «1 regieren, f&r einen König unsres 
Stammes, nachdem das Scepter des Meere beherrschenden Englandis auf eine* 
andern Zweig übergegangen ist, Anziehendes, ja allein einer würdigen und 
erlaubten Ruhmbegierde noch Übriges gedacht werden, als der Gedanke, das 
überkommene Erbe, das sdiönste Jubel in der Krone HannoTers, dieses 
berfihmte gedoppelte Asyl der Wissenachaften vermehrt und mit neuem Glanie 
umgeben atif die Nachwelt zu verpflanzen? 



IL 

Die Doctoreneollegien an den 0s(erretebiscben (Jniversil&ten, 

aEwelter ArtUkH«)* 

Hit dem Gesetz aber die Organisation der akademischen Behörden war 
ein Versuch von der Regierung gemacht worden, die alten Facultäten mtt 
der Universität als Hochschule auszusöhnen. Man wollte, ohne die auf ihre 
Stellung eifersöchtige Corporation, die sich für die Universität erklärte, auf-*, 
zaheben, doch verhindern, dass die Hochschule als „Staatsanstalt*^ in diesem 
vom Staat getrennten Aggregat Graduirter untergehe. Beide solllen eoordi- 
Birt zu einem Zwecke nebeneinander bestehen, und innerhalb eines der 
Wissenschaft geweihten Körpers zwei Fractionen bilden, deren eine vornehm« 
lieh der Lehre, die andere, wenn man will, obgleich diess eigentlich Sache 
der Akademie ist, der Pflege der Wissenschaft sich Widmen sollte. Diese 
Anordnung erschien von der Sachlage eben so geboten, wie dem Ideale einer 
Uaiversitas nicht bloss literarum, sondern auch literatorum angemessen. Sie 
konnte selbst den übrigen deutschen Universitäten gegenüber filr einen Fort« 
sehritt gelten, da sie gleichsam die Hochschule mit der Akademie zu ver- 
einen uüd bestimmt schien, das Band, das Lehrer und Schüler umschlungen 
bielt, auch auf die dem Hörsaal entwachsenen Junger der Ahna Mater aus- 
zadehüen und eine sichtbare Gemeinschaft Derjenigen darzustellen, welche 

Bciences de toote TEurope, &esX un trdsor, nn bijou^ qa'il faul garder soigneusement. S. einen 
Brief von Heyne vom 5tea Dec. 1806 an Soemmerring, abgedrackt in Soemmerring's 
leben md Verkehr mit seinen Zeitgenossen S. 104. 

^ Der eiste Anüid bdiadat sich Im Pabfnwbeft 6. 57« 



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IM Die l>oe(oreiicollasi«ii «n tai dsterreidtiKbiD IMifmiUltaD. 

einer und derselben Hochscbale ihre Bildimg und Jhren Orad verdankten. 
So häUe man glauben sollen, mössten alle Ansprüche befriedigt sein. Die 
Universität war als solche der Bevormundung entzogen und der Leitung aus 
ihrer Mitte gewählter Glieder zurückgegeben. Lehrende und nichtlehrende 
Mitglieder nahmen zwar in getrennten Gollegien aber an der Gesammtleitung 
in gleicher Weise Theil. Die Universität trat auf als Repräsentation nicht 
nur der werdenden , sondern auch der vorhandenen Gelehrtengeneration, als 
ein durch die Zahl eben so als durch das Ansehen der ihm angehörigen Glie- 
der ehrfurchtgebietender Körper. An allen Acten, die von der ges'ammten 
Facultät auszugehen hatten, z. B. Doctoratsexamen , Promotionen u. & w., 
haben nach dem Gesetze die Vertreter beider Gollegien Theil zu nehmen, 
dieRectoren können ebensowohl aus den Professoren- wie aus den Doctoren« 
coUegien hervorgehen, mit einem Wort, das Gesetz war bemuht, das Alte 
mit dem Neuen zweckgemass verbindend, einen Paritatszustand, wie er 
den Ansprächen der alten und den Bedurfnissen der neuen Facultäten zu 
entsprechen schien, herzustellen. 

Aber das war es offenbar nicht, was die alten Facultäten, die am lau- 
testen gegen „bureaukratische Bevormundung^^ ihre Stimme erhoben hatten, 
wollten. Die Vorschläge, welche schon im Laufe des verhängnissvollea 
Sommers 1848 dem damaligen Unterstaatssecretair des öflTentlichen Unterrichts 
V. Feuchtersieben von Seite der medicinischen Facultät zu Wien, nicht 
der medicinischen Professoren, gemacht wurden, mehr aber noch der offene 
Kampf, den das Wiener theologische Doctorencollegium auf Veranlassung 
der Angelegenheit des Prof. Bonitz gegen die neuen Institutionen des Mini- 
^steriums Thun erhoben hat, beweisen zur Genüge, dass die nicfatlehrenden 
Mitglieder der alten Universität die Beseitigung jener Bevormundung der 
Studien nur wollten, um sie aufs Neue zu beherrschen« Nicht die Vor- 
mundschaft, nur die Vormünder sollten gewechselt werden. An die 
Stelle der Directoren der einzelnen Facultäts&tudien sollten die einzelnen 
Facultätsdecane treten und die ehedem den Erstem untergeordneten Profes- 
soren, diese Parias der Universität im Sinne der alten Facultäten, den Deca- 
nen der JB'acultät untergeordnet werden, die auch nicht ihres Berufes waren« 
Die Doctoren wollten nicht Parität mit den Professoren, sondern Abhängig- 
keit der Professoren von ihnen. Indem sie das „Selbstergänzungsrecht^^ an 
der Stelle der „allerhöchsten Ernennung'^ für die Facultäten in Anspruch 
nahmen, sollte diess nur für die Doctor^ als alleinige wahre Facultäts- 
corporation genteint sein. 

Die Maske, die dabei vorgenommen wird, ist die des Liberalismus. Man 
wagt unaufhörlich Ausfälle auf die „bureaukratische Staatsuniversität ^S auf 
die „Beamtenprofessoren^S auf den „bur^eaukratischen Mechanismus^^ welchen 
das „altersschwache" Zeitalter der „Aufklärung'^ an die Stelle des „tödtlich 
gehassten corporativ - organischen und innerlich -autonomen Lebens'^ gesetzt 
habe. Dagegen preist man die „corporativen^^ Einrichtungen der „alten^^ 

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Die 9omr€n9ß^klß^ «i id«ii mmmMMtm ItaHrwiititoii. M 

HiHsbseliiife al8,die MuUer „wabrhtfk 'freier^' Bewegmig der Wtes^nschaft, 
die nicht den „Unterricbl^^ allein, ^andern ,,die Wif sensdiaft^' will^ nicht nar 
die ^^Hociiscbule^S sondern ' auch die Universität als „wissenschaftliche 
Instanz.*^ ^ , ' 

Das Wunderliche dabei ist.nuiü, dass diese Stimmen sich in demselben 
Augenblick erheben, in welchem der Universitfit von der Regierung die cor- 
porative Selbstverwaltung zurückgegeben worden ist. Auch die 
Regierung will die „freie f ewegung^S nicht des „Unterrichts*^ allein, sondern 
„der Wissenschaft^^ auch sie will die Univen^itSt durch ihr Gesetz nicht als 
„Hochschule^^ allein, sondern zugleich als „wissenschaftliche Instanz^^ ange« 
sehen wissen. Man braucht bloss die seit 1849 erlassenen Verordnungen 
des L L Unterrichtsministeriums durchzusehen, um sich zu überzeugen, dass 
es das „corperativ- organische, innerlich - autonome Leben ^^ nicht nur nicht 
„tödtlich hasst^S sondern im (Segentheil auf jede mit der Aufgabe des Staats 
bei Förderung des öffentlichen Unterrichts nur irgend vereinbare Weise za 
fördern und zu stärken bemüht ist. Wie wenig 'dasselbe, dem vorgeworfen 
wird, auf den ^Trümmern der altehrwürdigen Corporation eine „indifferenti- 
stische Staatsanstalt'^ gründen zu wollen, geneigt ist, corporative Entschei- 
dungen, auch -wenn sie nur «formell in ihrem Rechte sind, umzustossen, dafür 
ist der Bescheid in der Bonitz'scheif Angelegenheit mehr als vollgültiger 
Beweis; da;; Ministerium ehrt uijd achtet die Universität als Corporation, 
indem es die Stimme ihrer höchsten Behörde, des Universitfttsconsistoriums, 
fär bindend anerkannt. 

Man lese einmal den Protest des theologischen DoctorencoUegiums id 
der.Zeitscbr. f. kath. Theol. der Wiener Facultät Bd. II. Heft 3, und man 
wird nicht länger zweifelhaft • sein können über die Gründe, welche jene 
angemessene Befürwortung der alten Zustände der Wiener Facultäten her- 
▼ormfen. Die Universität gänzlich den Händen des Staats zu entziehen, sie 
unter dem Vorwand der corporativen Autonomie zu einer rein kirchlichen 
Anstalt zu machen, ist unzweifelhafter Zweck. Das DoctorencoIIegium der 
theologischen Facultät in Prag sollte in dieses Streben mit hineingezogen 
werden, wiess aber die Betbeiligung an den Schritten der Wiener Doctoren 
wohlweislich zurück. Wohin soll solches Drängen dem Staat gegenüber 
fahren? Dass dieser sich des Einflusses auf jene Anstalten, wo seine künfti- 
gen Bürger erzogen und gebildet werden, nicht entschlagen kann, ist eine 
ausgemachte Sache. Wenn- er 'es thäte, würde er sein eigenes Todesurtheil 
QDterzeichnen. Er kann der Hochschule, die er grösstentheils aus seinen 
. Mittelfi» erhält, den Charakter einer St^atsanstalt nicht nehmen und es muss 
dahin kommen, dass er neben den bestehenden Universitäten, wie in Belgien, 
eigne -für sqine Zwecke bestimmte höhere Lehranstalten gründet, was eben« 
dadurch zur Folge haben mflsste, datfs er jenen Anstalten seine Unterstützung 
entzieht, und diese dadurch den Ansprüchen der jetzigen Bildung gegenüber 
zur gänzlichen Unbedeutendhdi berabsiAen. 



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tu fite Poctoiroealle gi a a «».4m «üetfeldilidiM Vtah«Mititeii. 

Wir haken, um es zum Schlüsse ivsnsprechen , ehie bessere, erfreu* 
Kchere Meinuog von den Doctorencoil^ieii der dsterreichtscfaen Universitäten, 
fi$ dass wir glauben könnten, sie wollten eines eigensinnigen Festhaltens 
an veralteten Formen willen den Splelfaum aufgeben, den eine weise 
verniittelnde Regierung ihnen darbietet und daduroh dieselbe indirect nothigen, 
den glücklich abgeworfenen Zwang wieder eintreten zu lassen. Noch ist das 
Gesetz provisorisch; wenn sdne Frist abgelaufen, ist nur ein Dilemma ni6glidi: 
Entweder müssen die DoctorencoUegien gänzlich fallen und die Universität 
wird zur blossen Staatshochschule, öder sie'' bestehen in einer der jetzigen 
ahnlichen Weise fort. Der dritte Fall eines gänzlichen Aufgebens des ^aats-t 
einflusses durch von ihm angestellte und besoldete Lehrer auf die Leitung 
und Verwaltung der Universität ist ohne Selbstvernicbtung des Staates nn^ 
Bioglich. Es wäre' zu bedauern, wenn der Eintritt des ersten F^Hs das 
grossartige Bild zerstören müsste, welches die Vereinigung äHer lehrenden, 
lernenden und graduirten Mitglieder um dieselbe ehrwärdige Ho<Asthule als 
ein ehrfurchteinflössendes XSanies, als Patriciat zugleich und Noviziat d^ 
Wissensdiaft den andern Ständen gegenäber darzubieten geschaffen »t. Be^ 
relts fangen die DoctorencoUegien zu Wien und Prag die ihnen vorgezeichaete 
Aufgabe zu erfüllen an. Sie constituiren sich als wissenscfaaftUche Vereine 
lind repräsentiren ab solche eben so viele Sectionen einer allgemeinen 6e-^ 
Seilschaft der Wissenschaften, als es Fädiftäten giebt. Die wissensefaaftlichen 
Vorträge der verschiedensten Art, welche in denselben gdialten werden^ 
sind ein Gewinn für die Mitglieder eben so sehr als für das, gd^fldete Publicum 
und für die Wissensdsaft selbst* Was die Hodischule |är die heranwachsende, 
können diese Doctorenversammlungen fär die erwachsene Generation sein. 
Mit völlig richtigem Blick hatte diess die bestandene Studienhofcommission 
sehen vor langen Jahren als die Bestimmung der Doctorrafacultäten «kannt, 
indeni üe diesejiben damals für das Surrogat einer Akademie der Wissen« 
sehaften erklärte. Der Umstand, dass heinahe sämmtliche Mitglieder der 
ProfessorencoUegien, die ausgezeichnetsten Lehrkräfte der Hochschule, theib 
Professoren theils Privatdocenten, zugleich Mitglieds der DoctorencoUegien 
«od, die ausserdem noch alle ausserhalb des Lehrstandes befindtichen Ne«* 
tabilitäten in sidi schliessen, kann diesen Vorträgen einen Reiz und einen 
Aufschwung geben, der, indem er einen Lichtglanz um das Haupt der Abna 
Mater wirft, sie über den kleinlichen Nachtheil zu trösten vermag, d^ss sie 
nicht ausschliesslich die Universität ausmachen. Erhebender ohne Zweifd 
wäre es, wenn der, unzeitige Eifer für fiepristinirung längst verlebter Formen 
dem Geist des echten Conservatismus .in Belebung und Entwiklung des Ge- 
gebenen Platz machte, und die auf ihre Wichtigkeit für die Hechsohule und die 
Wissenschaft so eifersuchtigen DoctorencoUegien darauf bedacht yrären^ ihrer 
Attfigabe gemäss statt durch eigensinnige Polemik zum Hindemiss, durdi rege 
Entfaltung echt wissenscbaftUchen Lebens für die neu anfbUhenden öster** 
reichischen Hochschulen zur Nothwe»digkeit m werden« 



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IIL 

CorrespoHdeDz. 

XKiel, d. 19. März, (Olshauscn. Fterichs. Die SchletwlgiehenStudentea.) Seit meifief 

Correspondeitz im vorigen Monat ist hier nur wenige Bemerkenswerthes ge-^ 
Scbehen, wenn auch dieses nicht unwichtig ist. Nach voller Wiedereinsetzung 
der dänischen Regierungsgewalt ist Prof. Dr. Olshausen von der Curatei 
der Universität Kiel entbunden und die laufenden Geschäfte derselben sind 
dem Rector und den Decanen zur einstweiligen Verwaltung fibertragen wor- 
den. Auf die Thätigkeit des Genannten an der Universität übt die berichtete 
Veränderung keinen Einfluss aus. — Dr. Weyer, Lehrer an der hiesigen 
Seekadettenschule, ist honoris causa in die Reihe der philosophischen Privat- 
docenten aufgenommen worden, wogegen es immer noch schwankend ist^ ob 
an die Stelle des bereits abgereisten Prof. Ihering Prof. Schmid in Freiburg 
berufen werden wird. Der Antrag hiezu befindet sich dem Vernehmen 
nach in Kopenhagen zur Entscheidung. Prof. Frerichs hat allerdings, wie 
schon unsere letzte Correspondenz berichtete!, einen Ruf nach Breslau an- 
genommen. Allein schwankend ist es geworden, ob er bereits im Sommer- 
semester 1852 in seine neue Stellung eintreten kann. Wie wir vernehmen, 
ist ihm ntmfilsh die erst spat im Semester eingereichte Entlassung aus seiner 
jetzigen Stellung für das Sommersemester verweigert worden, und so viel 
wir wissen, bis jetzt noch keine anderweite Entscheidung erfolgt, obwoH 
Prof. Frerichs in Erwartung und jetzt vielleicht schon im Besitze derselben 
sich auf alle Falle zur Abreise in der nächsten Zeit rüstet. Die rechtliche 
Möglichkeit zu dem in Rede stehenden Conflicte ist darin gelegen, dass hier 
nicht, wie es auf andern Universitäten aus guten Gründen geordnet ist, der 
antretende Professor verpflichtet wird, innerhalb einer gewissen Frist' (ge- 
wöhnlich von 3 Monaten) seine amtliche Stellung zu kündigen. Dadurch 
kommt die Verwaltung der Universität bei plötzlicher Amtsaufgabe sehr leicht 
in grosse Verlegenheit und andererseits derDocent in den Fall, dem gesetz- 
lich nicht geregelten Ermessen der Behörde unterworfen zu sein. In dem 
vorliegenden Falle macht sich das Hissverhältniss um so fühlbarer, da durch 
Frerichs Weggang augenblicklich die Leitung der medicinischen Klinik vacant 
werden würde und interimistisch übernommen werden mflsi^te. Tut Kiel ist 
hier um so entschiedener eine feste Rechtsordnung zu wünschen, je häufiger 
verhältnissmässig ein Wechsel der Docenten hier einzutreten pflegt. — Schliess- 
lich wollen wir nicht unterlassen auf einen Umstand hinzuweisen, der für 
die Universität Kiel unleugbar von nicht unbedeutendem Gewichte ist. Zwar 
noch nicht olficiell, so viel wir wissen, aber durch die Verhandlungen des 
dänischen Reichstages und die dabei vorgekommenen Auslassungen des dänischen 
Ministerpräsidenten hinreichend festgestellt scheint es zu sein, dass die 
Scbleswigschen Studirenden künftig zwar das Recht haben sollen, in Kiel 
zu stodiren, aber nicht wie bisher und wie die Hölsteiner die Verpflichtang 
des Biennium in Kiel. Man müss die besondern, politischen Umstände und 
die Verhältnisse einer kleinen Universität kennen, um die Tragweite dieser 
Veränderung ermessen zu können. 

r, Jena, 18. März. (WeaeVerluste der Universität und onrtheüweiaer Ersatz. EiA Leetor ernannt. 
Baclimann. Eine wissenscliaftliclie Reise. Fein. Stalir.) Noch iSt daS Winterhalbjahr Uichl 

ganz geschlossen und zu den mancherlei Verlusten, die unsere Hochschuld 
seit einem Jahre eriitt^ri hat, geselten sich immer neue and meist sind' es 

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junge, tächtige Krifte, die uns entrissen werdeii. Der erste Verlust, den 
wir erwähnen müssen und der uns äusserst empfindlich trifft^ ist das Weg- 
gehen des Professors der Geschichte, Heinriclit nückert, der einem ehren- 
vollen Rufe an die Hochschule zu Breslau an Hoffmanns (von Fallersleben) 
ßtelle folgt. Derselbe hat sich in der gelehrten Welt einen Namen errungen 
und vornehmlich hat ihm sein Werk ,,Annalen der deutschen Geschichte^' 
einen Platz unter den Historikern gesichert. Überdiess war er an der hie'^ 
sigen Hochschule fast der Einzige, der altdeutsche Grammatik, Mythologie 
und Mythographie vortrug, so dass in djeser Branche ein fühlbarer Mangel, 
bezüglich eine Lücke eintritt^ — Der Zweite, der, wie wir hören, Jena 
verlassen wird, ist Professor Gir tanner, der als Lehrer des Rechts an 
die Universität Basel gerufen worden ist' und die Vocation wohl auch an- 
nehmen wird. Prof. Girtanner hat sich in der juristischen Welt durch 
sein Buch über die Bürgschaft eingebürgert und einen Namen erworben. 
So sehen wir zwei, wir möchten sagen, in Jena gross gewordene Gelehrte 
davon eilen, ohne dass man sie hier festzuhalten sucht. Es ist immerhin 
gewagt, die jungen Kräfte so eine nach der andern hinwegzulassen, ohne 
an Ersatz zu denken. Zwar heisst es, dass an die Stelle des Dr. Förster 
(wie schon Ihr a-Correspondent mittheilte) ein jüngerer Gelehrter sich 
gemeldet habe und wir hören, dass diess ein Dr. Fahrer aus^' Berlin sei; 
aber dadurch ist bloss eine Lücke ausgefällt; die übrigen sind offen gelassen. 
Möchte die Curatel der Hochschule den Dank, den sie sich schon zu erringen 
gewusst hat, noch steigern durch Berücksichtigung aller Facultäten. — 
jQnser so sehnlichst und so oft ausgesprochener Wunsch nach Besetzung der 
Stelle eines Lectprs der neuern Sprachen ist endlich erfüllt worden. Herr 
Dr. Hahn ist von den gnädigsten Erbaltern der Universität zum Lector auf 
Widerruf ernannt worden. — Bei Gelegenheit des Geburtstages Ihrer kais. 
Hohheit, der Frau Grossherzogin von Weimar, sind die Herren G. E. R. 
Schwarz und G, H. R. Huschke mit. dem Ritterkreuz zweiter Classe des 
Grossherz. Sachs. Hausordens vom weissen Falken decorirt worden. — Hit 
ängstlicher Spannung folgten alle Commilitonen dem Verlauf der gefährlichen 
Krankheit des G. H. R. Bachmann und es bekundete sich die allgemeinste 
Theilnahme; glücklicherweise ist er jedoch jetzt so weit wieder hergestellt, 
dass von Gefahr nicht mehr die Rede ist. — Professor Göttling, Professor 
Hettner und H. R. Preller in Weimar haben Anfangs dieser Woche ihre 
Reise nach Griechenland angetreten und werden voraussichtlich bis Ende 
Mai wieder zurückkehren. Es lässt sich nicht zweifeln, das die Wissensdiaft 
durch die Reise dieses Gelehrten - Kleeblattes bedeutenden Gewinn machen 
wird. — In voriger Woche erhielt Professor Fein (nach Tübingen gehend) 
Seitens der Studirenden . mehrfach Beweise der Verehrung und Liebe, die 
sich in Musik- und Fackelständchen manifestirten. Wir gestehen, es ist 
uns stets eine grosse Freude, zu sehen, wenn die Schüler ihrem Lehrer 
oder die Commilitonen überhaupt einem Abgebenden solche Beweise zollen; 
nur Eins haben wir (und wir nicht allein!) auszusetzen, dass auch bei 
einer solchen Gelegenheit der leidige Zwist Unter den Studirenden es zu 
keiner Einigung kommen Hess , so dass nicht weniger als drei Abende drei ^ 
verschiedene Parteien ihre Huldigung darbrachten. Wahrlich, so Iftnge der 
ominöse Egoismus nicht ausgerottet ist, kann auch an wahres inneres Ge- 
deihen, harmloses jugendliches Zusammenleben nicht gedacht werden; und 
doch sollte Alle das Panier der Wissenschaft zusammenschaaren. Hoffen 
wir auch in dieser Beziehung das Beste von der — Zukunft. — Intei'essant 



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dOirfte Anen vielleiakt die HilUi«tliing> s«in, dsM iMi Pt^feMor A. StalMr 
lii«r nederlasseB wirci — Und so nehmen wir ¥Oui Whiterhalbjabr Absehied»! 
Was UM im raohen Jahre geboten wurde dorch die Harmenie der Tone, 
darch die wissensdmftlich geistreichen Vortrage, müssen wir im Sommer 
leider misse»! Statt dessen wird die Natur im schönsten Schmucke prangen; 
die Tbaler begimieii zu grünei^ und auch unsere Berge brisen ihren Rein. 

N. S. So eben vernehmen wir, dass an noch zwei jüngere Professoren 
Bure ergaagea seien; wir theilen Ihnen diess nur gerüchtsweise mit und 
hoffen, es in nächster Correspondenz widerrufen zu können. 

7^. L e i p z i g, 3. März. (Univertitau-Budget. Nene« Geb&rha««.) ünscr UniveTSttäts- 
budget ist rorgestem in der zweiten Kammer der Ständeversamminng zur 
Berathung gelangt. Ich gebe Ihnen dasselbe nachstehend, wie es in den 
Landtagsacten aufgesleHt ist. 

Der gesammte Aufwand der Universität besteht in: a) 9,539 Thlr. 

5 Ngr. 3^ Pf. für Gehalte und Dienstbezüge der Verwaltungs- und 6ßrichts<^ 
heamten; b) 65,065 Thir. 10 Ngr. 5 Pf. für Gehalte und Dienstbezüge für 
Professoren und Lehrer; c) *5,500 Thlr. 12 Ngr. 5 Pf. für akademische 
Lehrmittel und Institute, nämlich 3226 Thlr. 11 Ngr. 6 Pf. an Besoldungen, 
4597 Thlr. 9 Pf. zur Erhaltung und Vermehrung der Sammlungen, und 
7695 Thlr. für akademische Institute zum praktischen Unterricht; d) 4,611 Thr. 

6 Ngr. 5 Pf; für allgemeine Bedürfnisse ; e) 1,500 Thlr. zur Tilgung der Universitäts- 
schulden (angenommen zu 199,318 Thlr.). Summa: 96,216 Thlr. 4 Ngr. 8 Pf. 

Die Einkünfte der Universität sind: a) 29,804 Thlr. 19 Ngr. 8 Pf. 
Nettoertrag der Notzungen vom Universitätsvermögen; b) 29,685 Thit. 19 Ngr. 
1 Pf. Zms^isse und Beitrage aus niehtfiscalischen Gassen; c) 2,726 Thlr. 
Admini/strations- und sonstige Einkünfte. 62,216 Thlr. 8 Ngr. 9 Pf. in Summ, 
so dass nach Abzug derselben von der Summe des Aufwandes ein Mwm 
von 33,999 Thlr. 25 Ngr. 9 Pf. sich ergiebt, welches durch einen Zuscbuas 
von 34000 Thlr. aus Staatsrnftteln gedeckt wird. 

Ausser diesen 34000 Thlr. als „speciellen Bedürfnissen des Lehrzweckes^* 
gewahrt aber der Staat noch ferner „aa stiftungsmässigen Leistuagon'^ iährf 
lieh 400 Thlr. zu Stipendien . für Studirende *) ; 576 Thlr. zu Unterstüftzung 
Studirender durch Brennholz; 849 Thlr. lär 140 Klaftern Scheitholz für die 
Professoren und endlich sind „für allgemeine und unvorhergesehene Bedürf'^ 
nisse der Universität 5000 Thlr. jährlich veranschlagt. — Alle diese Postu- 
late im Gesammtbetrage von 41425 Tbk. (gleich dem der verigen Fieenzi* 
petiode) wurden fast ohne Discussion von der zweiten Kammer bewilligt -r- 
Eine Dichjt g^an^ gjeiohe Willfährigkeit zeigten beide Kammern rucksichttioh 
deft Postulats, welches wegen Bewilligung von 18000 Thlr. zum Bau eines 
neuen Gebäudes für die En&^indungsschule unsreo' Universität in besonderer 
Vorlege m die Stände gebracht wurde. Es hat damit fo}gendie Bewandnisa: 
Bis zuai.J.1810 besassi unsre Universität keine Anstalt zum praktischeftUater«- 
rioht in der Et^bindungskunet.,* das schon früher von den Landtständiea daizu 
bewilligte Gekfc rei^shte njeht ausw Fortgesetzte ständische BewiUigungeii, 
zwei aiisebnUcbe Legate (darunter eines vom Kammercommiasär Le^ von 
20,00{9»ThIr.> und endlidi die Sebenkuag eines Grundstöeks dwrch dieAppeK 
btiompäthin. Trier (dfther oeidi jetzt die Endbiedengsschule den* fast gang-? 

*) Ich brauche wohl Haum ausdrucklich darauf aufmerksam so madbea, daas diesa nur dii^ 
aas Staatscassen gewährten Stipendien sind, wozu noch eine weit grössere Zahl von aus 
ConaMm-, VäaHlien- nnil> Ptivatmittefai gewMiiien Stipaiulien kommt. 

Akadem. MonatMehrift. April 186i. St 



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.190 Cm« 



hfiHen Namen: Trierscbes bslitat führt) ermöglichten endlich die E^öfihmigf 
der Anstalt im J. 1810, zunfichst mit dem beschrftniiten Räume von 6 Betten. 
Im J. 1827 wurde die Anstalt in ein günstiger gelegenes und etwas geräumigeres 
Haus verlegt; sie ist aber in diesem immer nur noch auf 12 ^tten einge- 
richtet, obgleich sie oft eine bedeutend grössere Anzahl von Pfleglingen auf 
einmal zahlt. Theils nun die mangelhafte bauliche Beschaffenheit des jetzigen 
Gebäudes, theils die dringend erforderliche Erweiterung der Anstalt mit 
Rücksicht auf den Andrang zu derselben und den Lehrzweck, machen einen 
Neubau höchst wünschensvverth und die Universität hat um die Veranstaltung 
eines solchen, wozu die eignen Mittel der Anstalt nicht hinreichen, schon 
seit mehrern Jahren gebeten. Die Kosten eines solchen (wobei man die 
Anstalt auf einige 30 Betten zu erweitern gedenkt) werden auf 30,000 Tblr. 
veranschlagt. Ungefähr 12000 Thlr. sind bereits durch Ansanunlung von 
Zinsen und Beiträge der Studirenden vorhanden; die fehlenden 18000 Tblr. 
beabsichtigt die Regierung aus den voraussichtlichen Ersparnissen beim Budget 
des Cultusministeriums aus der letztverflössenen Finanzperiode zu entnehmen. 
In beiden Kammern fand dieser Autrag einigen Widerspruch, theils aus be« 
kanuter Ersparnisssucht, die sich namentlich bei allen höhern Wissenschaft* 
liehen oder künstlerischen Zwecken dienenden Budget^Ppstulaten einzustellen 
liebt, theils aus noch barokkern Gründen. So votirte z. B. ein Kegierungs- 
rath (ausser Dienst), von Zehmen, in der ersten Kammer u. A. desswegen 
dagegen, weil er meinte, der Staat ebene dadurch den Weg der Prostitution 1 
Dessungeachtet wurde das Postulat in beiden Kammern mit Majorität bewilligt. 

d» Würzbu rg. (Verbandlungen der bayerischen Kammer der Abgeordneten dber die h<rtiere 

wistensehaftuche Bildung und deren Bedürfnisse.;) Sehr intorcssaut siud die Erörterungen 
über die höhere wissenschaftliche Bildung, welche in der bayerischen Kam- 
mer der Abgeordneten gepflogen worden sind. Mit Hinweglnssung Alles 
dessen, was in das politische Gebiet eingreift, tbeilen wir dieselben nach 
den stenographischen Berichten mit. Vor Allem haben wir zum Buhme 
unsres Unterrichtsministeriums von den wohlwollenden Absichten desselben 
für die Landesuniversitäten zu berichten. Nachdem auf die letzten vier Jahre 
der sechsten Finanzperiode (1851 — 55) für die Landesuniversitdten an fun- 
dationsmässigen Reichnissen 52,360 fl., an besondern Zuschüssen 80,400 fl. 
(wovon auf München 32,400, Erlangen 26,000, Würzburg 22,000 fl. kommen) 
in das Budget eingestellt sind, hat das K. Staatsministerium für Kirchen- und 
Schulangelegenheiten die Universitäten durch den Vorschlag einer sehr 
wesentlichen weitern Unterstützung erfreut. Wir theilen denselben wörtlich 
mit: „Es ist bereits in der Motivirung zu den in dem Nachtrag zum Vor- 
anschlag für das ausserordentliche Budget vom 17. October 1849 von Seite 
des k. Staatsministeriums des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten 
i conto der Centralfonds gestellten Poshilaten und zwar ad Abschnitt 111. 
lit. a. die übrigens ohnedem notorische Thatsache erörtert worden, dass die 
Einnahmen der drei Landesuniversitäten mit ihren Ausgaben und den bei 
denselben in jüngster Zeit hervorgetretenen Personal- und Realbedfirfnissen 
in einem bedeutenden Missverhfiltnisse stehen. In Folge dessen wurde mit 
Zustimmung der Kanrmiern der den Landesoniversitäten zufliessende Staats- 
zuschuss durch den allerhöchsten Landtagsabschied vom 25. Juli 1850 för 
die ersten zwei Jahre der VL Finanzperiode um jährlich 29,000 fl, erhöht. 
Durch diese Erhöhung ist nun zwar das erwähnte und oft beklagte Hiss- 
verhältniss bedeutend gemildert, noch keineswegs aber gehoben worden; die 
inzwischen gemachten Erfahrungen haben vielmehr in . dem . Unterzeichneten 

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Gorrespondetti. 171 

die Übensdugimgr befestigt, dass auf den drei Landesuniversitfiten den oft 
überraschenden und immensen ForlschiiUen der Wissenschaft in allen ihren 
Verzweigungen nur dann volle und gebührende Rechnung getragen werden 
kann, wenn dem finanziellen Haushalt derselben eine weitere Verbesserung 
und Nachbüire zugewendet wird. Bekanntlich haben rramlich die drei Landes^» 
Universitäten durch das Abidsungsgesetz und die Universität Vl^urzburg aus- 
serdem auch noch durch die unerlässlich gewordene Ein- und Ausföhrung 
eines neuen Waldwirthscbaftsplanes an ihrem Einkommen eine sehr fühlbare 
zur Zeit übrigens in sichern Ziffern noch nicht ausdrückbare Einbusse erlit- 
ten. Demgemäss musste ein beträchtlicher Theil des durch den Landtags- 
abscbred vom 25, Juli 1850 bewilligten weitern Staetszuschusses zur Ergän- 
zung und Ersetzung dieses Ausfalles verwendet werden, so dass also zur 
Befriedigung der neuentstandenen und bisher aus finanzieller Bedrangniss 
unbeachtet gebliebenen Bedürfnisse nur ein kleiner Bruchtheil von dem 
Staatszuschusse zu 29,000 fl: übrig blieb. Dieser Bruchtheil wird nun zwar 
zur Realisirung mancher Verbesserung ausreichen, etwas Durchgreifendes 
kann aber hiemtt nicht geschehen, weil die Personal- und Reälbedürfhisse 
der Hochschulen noch zu vielseitig und zu gross sind, wie eine kurze Skizze 
derselben näher zeigen wird. Bei der k. Universität München bedarf nämlich 
das Lehrerpersonal einzelner Facultäten, insbesondere der medicinischen und 
philosophischen,^ eine Ergänzung; die Erlanger wünschen eine Verstärkung 
ihrer theologischen und joristischen Lehrkräfte; die Würzburger Universität 
bittet um Vermehrung der Professoren in der medicinischen und juristischen 
Faettltät. Die Lehrergehalte sind fast durchgehend auf allen drei Universitä- 
ten zu gering und desshalb die bayerischen Hochschulen fortwährend in 
Gefahr, ihre besten Dacenten durch Vocationen zu verlieren. Was die Real-« 
bedurfnisse anbelangt, so ist es nothwendig, bei der k. Universität München 
die Dotation der Bibliothek, der Anatomie, des Herbariums und des physio*-- 
logischen Instituts zu erhöhen. Die Universität Erlangen bedarf ein zweck- 
mässig eingerichtetes Entbindungshaus; der Bauaufwand, den die Universität 
Würzburg im Laufe der VL Finanzperiode machen muss, erreicht die Summe 
von 140,000 fl. Dass zur Befriedigung dieser hier erwähnten Personal- und 
Realbedürfnisse, deren Zahl sich übrigens bei einer genauern Recherche 
noch beträchtlich vergrössern würde, ein Bruchtheil des im Jahre 1850 
bewilligten Staatszuschusses nicht ausreiche , . liegt am Tage und es entsteht 
daher die Frage, wie hier am Zweckroässigsten geholfen werden könnte. 
Offenbar am nächsten liegt eine weitere Erhöhung der Staatszuscbüsse. Die- 
sem Auskunftsmittel steht aber entgegen der nicht günstige Zustand der 
Staatsfinanzen und der Umstand, dass die Budgetbearbeitung und Beratbiing 
dermal schon zu weit vorgeschritten ist; hingegen könnte auch jetzt noch 
ohne Anstand zur Autbesserung der Einkünfte der Landesuniversitäten der 
Weg betreten werden, auf welchem bereits im Jahre 1825 in dieser Sache 
ein günstiges Resultat erzielt worden ist. Wie nämlich aus den anliegenden 
drei Verzeichnissen ersehen wercjen kann, ruhen auf den Gassen der drei 
Landesuniversitäten nicht unbedeutende Pensionen und Alimentationen. Es 
betragen dieselben nach Inhalt der dem königlichen Staatsministerium des 
Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten vorliegenden Acten und Behelfe 
a} bei der konigl. Universität München 8,090 fl. 27 kr. 

b) „ „ „ „ Würzburg 7,466 fl. 27% kr. 

c) „ „ „ „ Erlangen 7,486 fl. 48 kr. 
belaufen sich mithin im Ganzen auf 23,043 fl. 42V4 kr. 

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Wflrden diese Peaslaoeii und AlimentatioMn naeh ttH^em gttgMHriMgen 
übrigens noch genauer zu erraittebideii Stande auf die Penslomi- Amortisaliaiis- 
caasa, vom 1. OctOiber 1851 anfangend, überwiesen , so waren die Cassea 
der Laadesumversitäten von einer drückenden L«st befreit^ und es waren 
hiedurch die Mittel gewonnen, den Bedürfnissen der drei Hoohsohulen in 
grundhaltiger Weise abzuhelfen; da die Pensions - Amortisationscassa diese 
Last ohne Gefahr übernehmen kann, so hat das königL Staatsministerium der 
Finanzen gegen dieses Auskunflsmittel nichts zu erinnern gefunden. Aueb 
Seine Majestät der König haben sich hiefür allergnädigst zu entscheiden und 
den Unterzeichneten zu ermächtigen geruht, demgemass einen Antrag an die 
Kammer zu bringen« Der Unterzeichnete verfehlt daher Dicht den Vorsehlag 
hiemit zu machen: 

„dass die gegenwärtigen Pensionen und Alimentationen der drei Landes- 
,iUniversit8ten im Gesammtbetrage von circa 23,043 fl. vom 1. October 
,^1851 anfangend auf die Pensions^ Amortisationscassa übernommen werden 
„woUen,^^ 
und stellt zu diesem Zwecke an das sehr verehrliche Präsidium der Kammer 
der Abgeordneten das ergebenste Ersuchen, den II. Ausaehuss von diesem 
Vorschlage in Kenntniss zu setzen, damit bei der Berathung »her die Ausgabs- 
post ^taatsscfauld^^ die geeignete RücHsicht darauf genommen werden könne. 

Zugleich ergreift der Unterfertigte mit Vergnügen auch diesen Anlass 
zur wiederholten Versicherung seiner ausgezeiciuietsten Hochachtung* Mä&* 
oben den 20. Jan. 1852. gez. Dr. Ringelmann.^^ 

Wir sind höchst erfreut, berichten zu können, dass der vorsiehende 
die Universililen sehr wesentlich unterstützende Verschlaf unterdessen in 
der 88. Sitzung die Zustimmung der Kammer erhalten hat. 

in der 73. öffentlichen Sitzung der Kammer gelangte diese zur Berathun; 
und eventuellen Schlussfassung über den Etat des Unterriehtsmhfristeriums. 
Der At»geordnete Dr. Bayer brachte den Antrag ein: „Die hohe Kam- 
mer möge den VFunsch aussprechen, die königliche Staats- 
regierung wolle entweder in der Oberclasse des Gymnasiums 
die Ertheilung eines philosophischen Vorbereitungsunterricbts 
anordnen, oder die SS. 23 und 24 der Universitatssatzungen 
in der Art abändern, dass die Studirenden zu dem Studium der 
wichtigsten Disciplinen der Philosophie verpflichtet werden.** 
Zur Entwicklung dieses Antrags führte Dr. Bayer Folgendes aus: „M. Hfl., 
den philosophischen Unterricht halte ich für eine noth wendige ErginzUhg des 
Gymnasialstudiums; ich meine nicht einen solchen Unterricht, durch welchen 
die Schüler den Übrigen Lebrgegenständen entfremdet werden, nicht einen 
selchen, durch welchen auf Kosten des Gemüths .eine einseitige Verstandes- 
bttdting geplBegt und frühreife Schwätzer gebildet werden, sondern ich meine 
im Gegentheile einen Unterricht, der, indem er die Denkkraft starbt, 
zugleich geistigen und sittlichen Ernst erzeugt, jenen irnSi, 
welcher auf jedem Gebiete des Lebens und der Wissenschaft am sichersten 
vor Frivolität bewahrt. — Ich wünsche ein weise berechnetes Maass im logi- 
schen Unterricht, und m allereinfachster Form eine Darstefllung der Grund- 
begriffe der Metaphysik und der Ethik. Ohne eine solche Anregung verlfisst 
der Schüler das 'GynMiasium in vöHtger Urtheilslosigkeit, beginnt er sein 
akademisches Studium in völliger Ralhlosigkeit; er wird ohne eine solche 
Anregung für das Studium der Philosophie auf die Universität kein Bedürf- 
niss mitbringen, keine Fähigkeit und keinen Maassstab lar dien wahren Ernst 

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kB tJntftnMkM fegen gteilsneiiscbtoiSchi^th. HeÜie Kcrran^ Ml oft ktk iU 
memer eintliobeii Stellung diese meine Ueberieuyiiftg geilMid m madieii 
sachte^ wur4e ksk vertreeiel mf die UmveMtaten, die alles Noithig» «li 
eignen Mitteln beschaffen würden, und früher war eine solche Beadiwidi«* 
Ügnng nicia oline einen soheinbaren Grund. Nun aber enthitt S. 23 der 
UttlversUäts -Satmugen die Be^imtnung, dass der Studirende die Zaid Yoa 
acht CoUegien^ welche zur philesofikischen FaeuMt zahlen, honen 'sniss, dass 
aber sewen Belieben anhei« gestellt ist, ob er diese «us dem fieUete der 
Naturwisaensokafl^ oder der Philologie oder der eigentlichen Philesophie 
wiUen wiH. t)er Zustand iet nu* also dieser: Bs kann ein kAnMger Dienet 
des Staats und der Kirche seine akaNJeteiisoban Studie ebmiTtiMi , ohne je 
ein Studium der Logik gemachi au haben. — Es versieht sieh von seihst, 
nan kann ein ver^tundiger Mann sein, ohne «in Studium der Legik, 
wie man ancfa essen kann, ohne Physiologie, und Tei^dauen, ohne erganäohe 
Chemie, «an kann auch ein frommer Christ sein, ebne Theologie^ 
ein rjechtlicher Mann, ohne Jurisprudene^ und ei« gesu'nidet 
Measck, ohne Medicin, aber ein Theolog, ein Jurist, ein Hedi«* 
einer kann man nicht .sein, ohne philosoiphieche Stadien. lob 
Utte Sie also, entweder den n^thig^n Vorbereitungs -Umlerriclil 
der Philosophie an den Oberclas«en deir fiymnasien oder eine 
bestimmte Verpflichtung für die wichiigsten Diseipltnen an 
den Univertfitaten zu beantragen.'^ 

Nachdem dieser Antrag hinreichend unterstüzt war, ergriff der Abge- 
ordnete Dr. Rnland (Oberbibliothekar der Universität Wurzburg) das Wort, 
um zuvorderst die Obärnahme der auf dem Vermögen der üniversitfiten 
lastenden fenstonen auf die Amortisationscassen zu besprechen. Bei der 
dermaiigen Finanzlage, die keine neuen und grossartigen Zuschüsse für die 
Universitilen gestatte, sei jene Obernahme das einzige Mittel, um denselben 
fördernd untci* ifie Arme zu greifen. Bei der jetzigen Lage der Universi- 
tilen sei zu ffirchten , dass sie ihre Aufgaben nicht lösen' könnten. „Ich 
eriMtbe mir, sägt der Redner, Sie namentlich auf unsre Hochschule in Würz- 
bnrg hinzuweisen, deren Etat in diesem Augenblick s^o beschaffen ist, dass 
dieselbe wii^lick eines Zuschusses bedarf. Die Universität Würzburg Hat in 
dem Augenblicke eine Einnahme von beilfiufig 134.000 fl. I>iese Einnahme 
#ird sich nber rermindem und hat siich bereits vermindert durch die in- 
zwischen eingetretenen Zeitverhaltnisse. Dieselbe glaubt zwar, sie werde 
durdh das Ablösungsgesetz an inländischen Gefallen nicht mehr als 3087 Ü. 
und im Meiningen*schen, wo sie ebenfalls Besitzungen hat, 342 fl. verlieren. 
Ich g'hinbe aber, dass der Verlust in Wirklichkeit weit grösser und schwerer 
sein dfirfle! Ihre Ausgaben betragen jährlich in runder Summe 132,000 fl. 
Es bleibt sofort ihr jahrlich nicht fnehr übrig als ungefähr 1600 fl. Nun, 
meine Herten, Iraten aber die Pensionen inzwischen. Es musste ein Rent- 
beatnter pensionirt werden, indem er seinem Dienst nicht mehr vorstehen 
konnte. Es trat auf der andern Seite die Quiescirüng emes Lehrers dlieser 
Hoctischrfe ein, und eitsteht sofort die Nothwendigkefl, einen andern zu 
eirnemren. — Eswarntiftbwendiges Bedflrfniss in der juridischen Facultät, einen 
netien Le'hrstuhl zu erriditeifl Meine Herren, nun fragt es sich, wie 
man am Ende wird besteben können mit angeblich 1600 fl. Überscnuss, 
der bereits unter so viele unvermeidliche Bedurfnisse vertheilt ist? Wo 
soll man ersparen? Diese Hochschule hat ungefähr 36 besoldete Lehrer, 
welche «isaftnnen über 47,000 fl. Beisoldüng beziehen. An der Besoldung ist 

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171 

Wdili ta ersparen. Es konmt hier weh noch der weitere UmslMid, dass 
eben doreh diesen Mangel anch zugleich die Unmöglichkeit gegeben wird^ 
Minner, welche sich als Privatdoeenten ausgezeidinet haben, allmdhlig vor- 
Wirts za bringen, und so wurde, was sehr zu bedauern wire, das Institut 
dieser Privatdoeenten allmihlig eingehen musssen, wenn sie lange Jahre auf 
AnsteUnng warten sollen, und hiemit die Nothwendigkeit entstehen, von an- 
dern deatscben Ländern Hanner oft um theures Geld zu beziehen, die man 
im Inlande am geringere Summen erhalten haben wurde I Es kommt nun noch 
hinzu, dass diese Anstalt leider in grosse Bauten verwickelt werden musste. 
Dieselbe hat für diese 4 Jahre wohl an 140,000 fl. nothwendig, um ihre 
Baawerke ausführen zu können. Auf solche Weise ist es nun allerdings 
wunschenswerth, wenn man auf irgend eine Weise nachhelfen kann. An-^ 
dererseits weise Ich Sie hin auf die grossen Anforderungen der Attribute 
dieser Anstalt. Die Attribute kosten der Universität Wfirzburg jährlich circa 
20,000 fl.; was sind 20,000 fl., aufrichtig gesagt, in unsern Tagen solchen 
Attributen gegenüber? Ich will Sie auf ein einziges Attribut hinweisen, 
dessen Stand ich genau kenne, auf ein Attribut, welches für jede Universi- 
tät unontbehrlich ist, auf die Bibliothek. Die Universität Würzburg hat jähr- 
Mch ungefähr 6000 fl. für dieses Attribut aufzuwenden, 6000 -fl., freiltch eine 
grosse Summe, und, meine Herren, wenn man am Ende des Jahres diesen 
Betrag verwendet hat, und wenn derselbe unter die 87 Fächer veitheiU ist, 
so staunt man selbst und fragt sich: ja was ist denn geschehen? Anderer- 
seits ertönen auf allen Seiten Klagen : das fehlt, das fehlt, das fehlt; warum 
ist das nicht beigeschafft worden? Antwort: „Man rouss bessere Zeiten ab- 
warten, um wohlfeiler kaufen zu können, da das Geld nicht reicht P Das 
ist das Loos aller der Universitäten, und dieses Loos, welches das eine At- 
tribut triBt, trifft auch die andern. Man staunt wirklich, wenn man hinsieht 
auf die Erscheinungen der Kunst und Literatur, wo ^man nachkommen sollte 
und nicht, nachkommen kann. Wenn wir ferner hinblicken, dass ui|sere Uni- 
versität einen grossen, aber nach dem Stand und den Anforderungen der 
Wisssenschaft höchst nothwendigen , sofort auch nicht minder kostbaren 
Anatomiebau zu fuhren hat, um desswillen sie bereits beim vorigen Budget 
die Hülfe der Kammer in Anspruch nahm, ohne dass man helfen konnte, meine 
Herren,, so ist es allerdings wün&chenswerth, wenn wenigstens jetzt etwas, 
geschähe. Dieses Etwas liegt aber blos darin, wenn eben dem Vorschlage, dio 
Pensionen der Universität auf die Amortisatioqscasse zu übernehmen, von der 
Staatsregierung Rechnung getragen werden wird! Dadurch wird es. möglich, 
mehr für -dieses Institut zu thun, dadurch wird es möglich, den glänzenden 
Ruhm,- den sie sich zum Theil erworben haben, besonders in einzelnen Facuitäten 
erworben haben, fort und fort zu bewahren und zu vermehren. Es scheint 
dieser Wunsch vielleicht eigennützig zu sein, allein reden wir offen, es sind 
diese Anstalten dennoch die schönsten, die im Lande bestehen; der Nulzen ist ein 
Nutzen für das Ganze, der Ruhm ein Ruhm für das ganze Land, nicht für Bayern 
allein, nein, für das ganze Deutschland, und darum wünschen wir, dass man hier 
nicht engherzig sei, sondern Alles aufbiete^ was möglich ist, um diese Anstalten, 
die von jeher ein Augapfel gleichsam für die Fürsten des Landes waren, fort 
und fort auf der Stufe der 41öhe zu erhalten, welche nöthig ist, wenn sie nicht 
hinter die Zeit zurückfallen sollen/' Nachdem der Redner noch einen andern 
Punkt, der nicht hierher gehört, besprochen hatte, fährt er fort: „Was den 
Antrag des Herrn Dr. Bayer betrifit, so ist derselbe, wie ich glaube, fremd- 
artiger Naiur und gehört eigentlich nicht in*s Budget. .. Allein dass der-. 



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tn 

selbe als die ftHgetfieiiieii Wissenscluiften fördern woHead, m ttnd f3r südi 
betrachiett seine volle Bedeutung hat, wird Niemand in Abrede atellea. Man 
liat von jeher die Vorbildung, welche man philosophische Vorbildung 
nennt, als eine Grundbedingung fär die Fachwissenschaften erachtet, und 
wenn sich etwas rächen kann und im Leben später rächt, so ist es das, 
wenn (ttese allgemeinen Wissenschaften in der Jugend versäumt worden 
sind, weil sie sich später nicht mehr nachholen lassen oder ausnahms«» 
weise nur sehr schwer. Die Vorbildung des Geistes ist für jedes Fachstudium 
nothwendig! Diese Vorbildung, welche also der Herr Abgeordnete Dr. Bayer 
will, bezweckt gleichsam die Blasticität des Geistes, die, wenn sie einmal 
fehlt, nicht mehr gewonnen werden kann, indessen der Mangel dieser «11» 
gemeinen Bildung im eigentlichen Sinne den Inhaber des spätem Wissens, 
der sogenannten Brodwissenschaften nichts anderes sein lässt, als einen 
reinen Brödling. Insoferne ist ein völliges Pouvoir, seine Collegien nach 
Willktthr zu wählen, im Erfolge beklagenswerth ; denn allerdings ist den 
jungen Leuten hierin eine Gelegenheit gegeben, diese Fächer ganz beiseite zu 
setzen oder geringschätzigzu betrachten. Aus diesem Grunde kann 
ich den Antrag, des Herrn Abgeordneten Dr. Bayer in seiner Grundabsichl 
nur begrussen, wenn auch wie gesagt ich glaube, dass er ehmi für das 
Budget nicht geeignet sei.^^ 

Nachdem der Abgeordnete Dr. Raland geschlossen hatte, ergreift der 
Staatsminister Dr. v. Ringelmann das Wort: „Ich erlaube mir sogleich, 
jetzt das Wort zu ergreifen, um über den einen Punkt, welchen der sehr 
verehrte Herr Abgeordnete Dr. Kulan d eben angeregt hat, die Ansicht der 
Regierung auszusprechen. Sie haben aus dem Referate des Herrn Abge- 
ordneten Freiberrn V. Lerchen feld entnommen, dass eine Differenz besteht 
zwischen der Auffassung des Herrn Referenten und jener des Staatsministe- 
riums bezüglich der Behandlung der Pensionen und Umzugsgebfihren von 
Mitgliedern der Unterrichtsanstalten. Von Seite des Cultusministerlunis konn- 
ten die grossen Vortheile durchaus nicht verkannt werden, welche der Vor- 
schlag des Herrn Referenten für diese Anstalten, namentlich für die Univer« 
sitäten herbeigeföhrt haben wurde. Allein von Seite des kgl. Finanzministe- 
riums wurden Anstände erhoben in Bezug auf den mechanischen Batt des 
Budgets, die sich nicht beseitigen zu lassen schienen. Dessbalb glaubt das 
Cultnsministerium nicht bloss, den Vorschlag des Herrn Dr. Ruland bestens 
acceptiren zu können, sondern es hat auch bereits selbst einen Schritt ein- 
geschlagen, um zu diesem Ziele zu gelangen. Das Cultusministerium hat 
nämlich an die hohe Kammer einen Antrag gelangen lassen, worin es das: 
Ersuchen stellt, in ähnlicher Weise, wie das schon im Jahre 1825 im gross« 
artigen Maassstiibe geschehen ist, wenigstens die Pensionen der drei Lances- 
Universitäten auf die Pensions- Arnortisationscasse zu überweisen; dann Vfürde 
der Bau des Budgets bleiben wie er ist, die Anstände des Finanzminis*»eriums 
würden als beseitigt erscheinen und auf der andern Seite würde der Zweck 
dennoch vollkommen erreicht werden, welchen man mit im Auge hp^te, näm- 
lich den, der Finanzlage der Universitäten aufzuhelfen. Der natürlichste Weg: 
wäre freilich hier gewesen, noch höhere Beiträge für die Universitäten zul 
verlangen; 'allein das Cultuisministerium glaubte unter den gegenwärtigen 
Verhältnissen Anstand nehmen zu müssen, einen solchen Antrag zu stellen p 
aber auf diese Weise könnte dennoch geholfen werden, und, meine Herren C 
ich n»iss bemerken, eine solche Hülfe thüt wirklich Noth; der Herr Abge- 
ordnete Dr. Bjiland hat schön die Hauptgesichtspunkte angegeben, ich kafiit 

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in Coi 

miidi daher kuni fme». -^ Bs handelt sieh^ hei den lMiati«ildteir um eiii 
aobjeetiTes uad objectiveg EkmevA. Das suhfecUve »nd die Lehrer und das 
objeotive sini die Anstatten (Attrihute). Die Obs^ge ifer beide muss -fleieh»* 
mdssi^ stattfinde, wen» die Hochschnlen ihren Zweek, Irägtif der Wijgsen'- 
achaft ZV sein, grehorigf erreichen woUen; also müssen ihre Attriftnte WBvoh 
den Bedfirfnisseff der Wissenschaft Msgestaltet und es mnss den Lebram 
eineSteUnngf gegeben sein, gemäss weldier sie nicht nnr bei einer sorgen« 
freien Existenz der Pflege Aer Wissenschaft anbeirrt obliegen können, son^ 
dem: auch, namentlich die Kufe des Auslandes nieht se leicht anmnehmen 
sich geneigt finden lassen. Wir haben in neuerer Zeit mehrere Gnpacitdten 
verloren, weil man nicht im Stande war, ihnen so viel zu bieten, wie andere 
Steaten, und man war nicht im Stande, weil wir mit mseyn Btats so beaebrankt 
sind, dass, wie Uen Dr. Ruland beispielsweise bemerkt hat, a«f dem Btat 
der Universität Wärzburg kaum eine Reserve von 1*600 fl. für unverhev^ 
gesehene. Bedurrnisse v-erbanden ist Es ist also dringend nötfaig^ diese Etats 
an erbeben, damit maii nieht nur die vorhandenen C^acitäten erhalte^ som- 
deni auch andere herbeiziehen könne, wo es nothwendig ist^ Bei der UiA^ 
remlit Würzbarg kommt noch insbesondiere das Bvnwesen mit in Betracht; 
det Anatemiebau' kostet, namentlich bedeutende Summ^; denn was schon 
Jahrzehnte projectirt wurde , tritt jetzt endlich ins Leben; Anck der Höh- 
schlag in den (laiversitätswaldangea wirft nicht mehr die frühem Renten ab. 
Man hat früher, um die Einnahme: zu erhöhen, diesen Holzschlag übertrieben 
und sucht dieses jetzt wieder gut zu manchen. Endlich ist aucljt dif Ablösung; 
von Nachlheil gewesen, wie allgemein bekannt ist. In dieser Beziehung ist 
es also dringend nothwendig,^ dass man Cur diese Anstalten etwas tbae und 
wenn daher die hohe Kammer bei Behandlung des betreffenden Postens im 
Budget sich bereit erklärep wird, auf den Antrag der Staatsregierung. einzu- 

fehen, so wird jener Zweck vollständig erreicht und dabei, wie gesagt, der 
au des Budgets auf keine Weise alterirt werden^ Ich habe diese Bemer- 
ku^igen schaQ jjtilzt machen zu niüssen geglaubt, um die Intentionen der 
Staataregierun^ der hoh^u Kammer klar u^idolTen darzi|Iegen.'^ 

Die auf Herrn ?. Ringelman^n folgenden Redner beschüftigt^ sish 
mit einem vom Abg. Cramer gestellten, hier zu übergehendea Antrag, bis 
dfer'^Ahig. Fürst v. Oettingen-*WaLlerstein das Wort ergreift. Er erin-» 
B^t aait einem Seitenblicke auf „die trübe Sttnnnung^S in wdcker diesBrnal 
das Budget: hetaUien werde , an die frühere CbereinstimnuMg ier verseUe^ 
denen Aneichten, wenn es die Frage über Bädung und öiTentlichen Unter«* 
eicht gegolten. „Wir stehen an jenem Capitel , welches das geistige Leben 
uasres Landes: urofiasst,. wekhes neben dem Capibel über Gultus und Religion 
den eigentlichen Repräsentanten des inlellectuellen Elementes bildet, und wis 
stehen vor diesem Capitel mit dem trostlosen Gefühle, in keiner Richiung 
etwas thun zu können, mit dem , ich möehle sagen beschämenden Bewnsst«- 
sein} den. höhern Anforderungen keinerlei Redionng tragen zu dürba Mim 
hat einen einzigen pecuniaren Wunecb angeregt, jenen auf VerfoeasenHig 
der Universitäten durch Cbertragung von Pensionen auf die Pension$«-Amor- 
ti^ationicasse, Ich bin bereu zu Allem zu stinunen,^ was unsere Hochschulen 
jirfifligen kann. Denn es naht meines- Gedankens wieder die Zeit, in wd- 
eher unsei^e H«ochschulen allein noch aufrecht bleiben werden als wissen-» 
^qbaftliche RepubUken, wie die conservAtivsle aUer Perioden sie nannte, nud 
in welchen sich wohl in sie der letzte SchaUen geistiger Freiheit fldchhMi 
mtn T^ Indessen^, meine; H^ren , wa& wir hiec za beantnagieii im Begriffe 

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Corre8|ioitdenz. 177 

Stehen, scheint mir einigermassen im Kampfe mit gewissen gesteiti vom Hinii^^r- 
tische aus vernommenen W'orten. Der Herr Hinister des Unterrichts hatuns gestern 
nicht ohne grosse Besorgnlss die Zahl der Studirenden vorgerechnet, und uns 
belehrt, wie er sich sehr ernstlich mit der Frage beschäftige, durch welche 
Mittel und bis zu welchem Grade dem übermässigen Studiren zu begegnen 
sei. — Wenn dem wirklich also ist, meine Herren, so beginnen wir etwas 
ganz Eigenthumliches, indem wir die wissenschaftlichen Anstalten besser 
und reichlicher ausstatten wollen, wahrend der Zutritt zu denselben erschwert 
werden soll. Ich meines Orts hege freilich eine andere Ansicht von diesem 
Vielstudiren. Fragt es sich nämlich darum, ob jeder studiren soll mit der 
Bxspectanz auf Grund der zurückgelegten Studien vom Staate lebenslänglich 
bebrödet zu werden, dann betrachte auch ich das Vielstudiren als eine Ca- 
lamitat. Soll aber wie in den bestregierten Ländern das Studiren dazu 
dienen, dass der bemitteltere oder geistig begabtere Staatsbürger in die 
Tiefe der Wissenschaft eindringe, um im Leben ein recht tüchtiges Glied 
der bürgerlichen Gesellschaft zu bilden, dann, meine Herren, scheint mir, 
dass nicht zu viel studirt werden kann. Leider stossen wir wieder auf einen 
andern Factor, der von mir gestern näher beleuchtet wurde. Hätten wir wie 
alle wahrhaft constitutionellen Länder das Selfgovernement in gemeindlichen 
und sonst wirthschaftlichen Dingen, dann gewänne das Studiren eine prak- 
tische Tragweite, dann würde sich der Einzelne sagen : ich studire um durch 
die auf meine Kosten erworbene Kenntniss meinen Mitbürgern nützlich zu 
werden. So aber muss er sich bekennen: ich studire um meinen Schatz zu 
vergraben; denn in dem äussern Staatsleben herrscht ausschliessend die 
Bttreaukratie und neuestens sind selbst die Kammern dahin gekommen, nicht 
mehr jenes Gewicht und jene Bedeutsamkeit zu behaupten , welche den Be- 
ruf des Abgeordneten zu einem freudigen macht., — Herr Abgeordneter 
Dr. Bayer sucht der wissenschaftlichen Bildung nachzuhelfen durqh einen Vor- 
schlag, der meines Erachfens sehr viel für sich hat. Nach mehrjährigem 
Ringen und sich Abmühen zwischen zweierlei Principien — einem Ringen, 
an welchem auch ich ofiiciellen aber freilich sehr vorübergehenden Antheil 
zu nehmen hatte, hat sich unser officielles Lehrbereich endlich über das 
Ziel geeinigt, bis wohin die Studienfreiheit zu reichen habe, und irre ich 
mich nicht, so war das Facit dieses, dass dar Studirende in jedem Studien- 
fache eine gewisse Zahl von Disciplinen seiner Wahl hören muss. Ich weiss 
nicht, ob dem also ist; wie mir scheint, werden wir aus einem orientirten 
Munde Näheres darüber hören; aber ich gestehe Ihnen, meine Herren, ich 
kann mir nur zwei Dinge bei den Universitäten denken. Ich kann mir 
denken die volle breite leere Freiheit, und diese däucht mir erspriesslich 
in Zeiten des regen öffentlichen Lebens, des angeregten freudig schaffenden 
Geistes. In solchen Zeiten mag man dem Ermessen des Studirenden viel, 
ja Alles überlassen. Der Genius des Moments, der Athem der Epoche 
wird ihn heben und der rechten Bahn zulenken. Ich kann mir denken, vor- 
geschriebene Bücher und Examina, und, meine Herren, in Tagen wie die 
gegenwärtigen, noch mehr in Tagen wie die nächstbevorstehenden, scheint 
mir ein umfassender Grad von Studienfreiheit der Uebergang zu was? zum 
trockenen Brodstudium. Meine Herren! leider sind wir auch an diesem 
trockenen Brodstudium wieder mehr als je angekommen. Das geistige Mo- 
ment sieht tief im Hintergrunde. Die kalte Alltäglichkeit macht sich wieder 
breit, wie nie. zuvor. Da fragen sich unter hundert Studirenden neunzig, 
,wo nicht mehr: über was werde ich eigentlich intensiv uijid mit dem Effect 

Akadem. MoiiatsNchritt. April 1851'. 223 



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i T$ Corrcspondenz. 

mofUchen Durchfallens exaioinirt werden. Er wirft sich auf diegeDiscipüMni 
widmet wohl seine übrige Zeit dem Privatunterricht, um seinen Lebens-^ 
unterhalt während der Universitatsperiode zu decken, und so tritt denn 
gar Mancher in den Beruf als Mitlenker des öffentlichen Lebens, ohne auch 
nur die nothdürftigste Kenntniss der Logik und Ethik, ohne die ersten Ele- 
mente allgemeiner Bildung in sich aufgenommen zu« haben. Was damit dem 
Staate gedient ist, meine Herren, welchen Zustanden die Nation entgegen 
geht, wenn die bureaukratische Bevormundung bleibt und das bureau- 
kratische Geschlecht nach so kummerlichem Messstabe geistig entwickelt 
ist, darüber mag sich ein jeder ein Urtheil bilden. Meine Herren, ich 
ehre das Ministerium des Unterrichts und sein Wirken. Ich stelle, wie 
ich schon gestern gesagt, keine Antrage auf Reduction von Ministerien und 
Behörden, weil solche doch nichts fruchten würden, und weil die bureau«- 
^ratische Bevormundung ihre nothwendigen allerdings theuern Consequenzen 
hat. Aber gerade hier furchte ich, haben wir einen kostspieligen General^ 
Stab mit einer kümmerlich dotirten Armee, und es fragt sich sehr, ob nicht 
in Zukunft ein aus deo wissenschaftlichen Reihen hervo|rgetretener Mann, 
umgeben von einer Anzahl denselben Reihen entnommener NotabiÜtäten, 
also umgeben von einem obersten Studienrathe mit äusserst geringen Kosten 
die Vorstandschaft dieses Departements bilden, beinahe die Gesammtheit der 
IfOitungskosten aber auf d^n Zweck -selbst übertragen werden konnte. Oa;$ 
ist, wie erwähnt, eine Frage, über welche wir heute nicht entscheiden 
können , und bezüglich deren ein Antrag rein fruchtlos wäre. Ich aber 
habe darüber meine ausgeprägte Ueberzeugung ^^ Zum Schluss kommt der 
Redner auch auf die Volksschulen und den Einfluss der Kirche auf deti 
öffentlichen Unterricht. 

Unter den nunmehr folgenden Rednern geht der Abg. v. Lasaulx 
(bekanntlich Professor der Philologie in München, früher in Wfirzburg) 
unmittelbar auf den Bayerischen Antrag ein: „Ich habe mir, meine Herren, 
das Wort erbeten, um gegen den Antrag des Herrn CoUega Dr. Bayer 
zu sprechen, der theils auf einem Miss Verständnisse beruht, theils und der 
Hauptsache nach jedenfalls nicht hieher zur Berathung des Budgets gehört. 
Herr Dr. Bayer will, dass das Studium der Logik, der Metaphysik und 
der Ethik entweder in den Gymnasial-Unterricht mit aufgenommen, oder 
dass diese Vorlesungen als obligate in den Kreis der philosophisclien Studien 
an der Universität gezogen werden sollen. Was den Gymnasial-Unterricht 
betriflft, so ist bekanntlich vom Unterrichts-Ministerium ein neuer Schulplan 
hiefür vorbereitet worden, in welchem diese Frage znr Discussion und Ent* 
Scheidung gekommen ist. Was Herr Dr. Bayer will, ist wesentlich das« 
jenige, was auf den norddeutschen, namentlich den preussischen Gymnasien 
bereits besteht, indem dort die philosophische Propädeutik in den Gym- 
nasial-Unterricht aufgenommen ist. Wenn aber Herr Dr. Bayer will, dass 
auch auf unsern Universitäten das Studium der Logik als ein für alle Stu- 
direnden obligates Fach erklärt werden solle , so muss ich mich dagegen 
auPs Entschiedenste erklären. Thatsache ist, dass unter allen Vorlesungen, 
welche auf deutschen Universitäten gehalten werden, keine Vorlesung mit 
geringerm Interesse und nachlässiger besucht wird, als die über Logik; 
Thatsache ist, dass neun Zehntheile aller. Studirenden auf diese Vorlesung 
zwar sich inscribiren, aber sie nicht besuchen. Das hat seinen Grund darin, 
dass ei^ ganz und gar verkehrt ist, das Studium der Philosophie mit der 
•Logik zu beginnen. Die einfachste, zweckmässigste Methode in jeder Wissen- 



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< Gorrespondenz. 179 

seliaft isi, das^ mAn sieb zuersl mit dem geschiohUicIien Enfwieklirag^- 
gang derselben bekannt mache und ei^enne, wie die Wissenschaft obfectiv 
gewachsen ist«'. Dann sieht man, welche Probleme man zu lösen' sich 

ursprnnglicb gestellt, mit weicberi Mitteln man die Lösung versucht, wie 
man dann eingesehen, diese Lösung führe. nicht zum Zwecke, wie sich an 
das eine ein andres Problem angereiht, und wie man zuletzt fiber das 
Denken selbst und seine Gesetze pbtlosopbirt hat. Thatsache ist, dass die 
Logik unter allen Disciplinen der Philosophie die spdteste ist; denn erst 
der letaste ttnter den griechischen Philosophen, Aristoteles, ist ihr Gründer. 
Wer daher das Studium der Philosophie mit der Logik beginnt-, fängt statt 
mit dem Anfang mit dem Ende an. Erst wenn man die Geschichte der 
Philosophie studirt, und die Hauptprobleme des philosophireiMen Geistes 
historisdi kennen gelernt hat, dann erst ist man im Stande, die freien Fragen 
zu verstehen, welche iifi der Logik zur Entscheidung gebracht werden. — 
Obri^ens, meine Herren, beruht der Vorschlag des Herrn Dn Bayer 
insofeme auf einem Hissverstandniss , als er annimmt, dass die philo« 
sopfaisch^ Wissenschaften «m engern Sinne, also auch die Logik, auf 
«nsern Universitäten nicht gehört wurden. Das ganze Universitätsstudium, 
wie alle höhere Erkenntniss , beruht auf der Freiheit des Geistes. Einmal 
im L^ben muss der Mensch frei werden und auf eigneq Füssen, stehen 
lernen, und die natürlichste Zeit hiefnr ist }cne Periode deis jugendlichen 
Lebens, in welche durchschnittlich unser üniversifätsleben fällt. Wer hier 
nicht' selbststätidjg und aufrecht durch das Leben gehen lernt, der lernt es 
iff seinem Le^n nicht. Um aber selbst gehen, und um frei sein zu lernen, 
muss Jedem die Möglichkeit freier Selbstbestimmung gegeben werden, und 
darum setzen die neuen Universitätsstatuten fest, dass das Universitätsstudium 

* vier, Jahre dauern soll, nicht drei, wie an den norddeutschen Universitäten, 
dass von jenen vier, drei Jahre auf das Fachstudium verwendet werden 
sotten, und ein Jahr auf die philosophischen Studien, und dass es Jedem 
freistehen solle , aus dem Gesammtumfange der phflosophrschen Wissen- 
schaften diejenigen sich auszuwählen , welche für $eine angeborne Neigung 
und Fähigkeit das grösste Interesse haben, und welche in nächster Beziehung 
zu dem Studium stehen, welches er später zu seinem Hauptstudium macht. 
Da das Universitätsleben um des Studirens willen da ist, so hat man an- 
genommen, dass in der Regel im Laufe des ersten Jahrs acht philosophische 
Vorlesungen, vier in jedem Semester, also vrergtunden täglich gehört wer- 
den sollen. Was studirt werden will, ist Sache eines Jeden, aber Pflicht 
ist es, etwas zu studireii. Man hat also das Priilcip der akademischen Frei- 
heit, welches von den deutschen Universitäten immer als das ihrige angerufen 
ward, zum Princip dieses neuen Studienplans gemacht, und hat dabei den 
Studirenden denRath gegeben, dass jeder von ihrien aus jedem Hauptzweige 
der philosophischen Wissenschaften wenigstens Eine Vorlesung hören 'solle, 
eine philosophische, eine philologische, eine historische, eine mathematische 
and eine naturwissenschaftlicbe ; und es ist Thatsache, meine Herren, dass 
der grdsste Theil der Studirenden diesem Rathe folgt, Thatsach^, dass auch 
die Logik nach einem alten Usus oder Abusus gleich beim fieginne des 
akademischen Studiums gehört wird. Es handelt sich also nur darum, ob 
diess amh geradezu vorgeschrieben werden soll, und dagegen muss ich 
mich aufs Entschiedenste erklären. Es wird mit solchen. Vorschriften und 
Verpfiicblungen^ diese oder jene Vorlesung zu hörqn, in der That gar nichts 
gewonnen; denn man kann doch nichts Andres erzwingen, als dass die 



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180 Correspoodens. 

Studirenden sich inscribiren; dass sie a|>er solche Vorlesungen hören and 
mit dem Geiste dabei sind, kann man nicht erzwingen. Ferner gibt es auf 
jeder Universität gute Lehrer ^ und solche , welche weniger v gut sind , und 
es ist gewiss wünschenswerther, dass die bessern Lehrer aus freiem Willen 
gehört werden, als dass die weniger guten gezwungen gehört werden. 
Gerade weil diese thatsachlichen Verhältnisse auf verschiedenen Universitäten 
verschieden sind, hat man an die sittliche Freiheit und den richtigen Sinn 
der Studirenden appelliren zu sollen geglaubt, und ihnen selbst die freie 
Wahl überlassen. Ausserdem ist es durchaus nicht an dem, dass man kein 
guter Jurist, Theologe oder Mediciner sein könne, ohne Logik gehört 2a 
haben; man kann vielmehr alle Regeln der Logik auswendig wissen und 
dennoch ein sehr unlogischer Kopf sein , sowie man alle Regeln der Moral 
auswendig wissen und dennoch ein unmoralischer Mensch sein kann. Ab- 
gesehen also von dem formellen Bedenken, dass das, was Hr. Dr. Bayer 
gesagt hat,' nicht ins Budget gehört, sondern allenfalls in ein Unterrichts- 
gesetz, habe ich grosse materielle Bedenken gegen seinen Antrag, da durch 
denselben ein Studienzwang wieder eingeführt lyerden soll, den ich für ver- 
derblich halte. — Demjenigen, was mein Freund, Hr. Dr. Heine, so eben 
über die Ueberzahl der Studirenden gesagt hat, stimme ich aus vollem Her- 
zen bei, und würde es als ein Glück des Landes betrachten, wenn der Herr 
Cnltusminister sein ernstes Augenmerk darauf richten wollte, die Zahl der 
Studirenden zu vermindern, und das Studiren äusserlich nicht zu erleichtern, 
sondern zu erschweren, da die Zahl Derjenigen, welche ohne Innern Beruf 
und ohne äussere Mittel an unsern Universitäten studiren, leider schon all- 
zugross ist. Es ist etwas Trauriges, dass das Edelste, die geistige Bildung 
in Deutschland, zu einem so kläglichen Resultate geführt hat. Es beweist 
diess, dass die Erkenntniss nicht etwas Leben schaffendes, sondern ein Pro* 
duct des Lebens ist, und dass die grösste Täuschung der Deutschen darin 
besteht, dass sie die Natur der Wissenschaft und ihre Wirkung verkennen. 
— In England, meine Herren, giebt es sechs Universitäten auf eine Bevöl- 
kerung von 27 Millionen Einwohner in den drei vereinigten Königreichen: es 
kommt also auf 4V2 Million Einwohner Eine Universität; bei uns in Bayern 
kommen auf 4V2 Million Einwohner drei Universitäten. Das ist eine Super- 
fötation. In England, meine Herren, hat sich nach einer ausdrücklichen Er- 
klärung des Lord John Rüssel in der Sitzung des Unterhauses vom 19. 
April 1847 aus statistischen Erhebungen ergeben, dass bei allen in den 
Jahren 1845 — 46 in England geschlossenen Ehen zwei Dritlheile aller Männer 
und Frauen nicht im Stande waren, ihre Namen in die Kirchenbücher ein- 
zuzeichnen. Also zwei Drittheile sind nicht im Stande, zu lesen und zu 
schreiben. Man sollte nun meinen, ein solches Volk wäre nicht berufen 
zu einer hohen politischen Laufbahn. Thatsache aber ist, dass dieses Volk 
trotzdem dass es nicht lesen und schreiben kann, in seiner Majorität mehr 
praktische Tüchtigkeit, bürgerliche Freiheit und politischen Verstand hat, 
als andre Völker, in denen Lesen und Schreiben etwas sehr gewöhnliches 
und mit den politischen Kinderschuhen, in denen wir stecken, völlig homogen 
ist. Der praktische Verstand im Leben beruht ganz und gar nicht auf dieser 
formellen Bildung, und es ist ein wahres nationales Unglück, dass fast alle 
Studirenden in Deutschland, wenigstens ^Vioo ^^^ Men, welche die deutschen 
Universitäten besuchen, einmal vom Staate oder von der Kirche ein Amt 
haben und besoldet sein wollen; dass aus freiem, innerm, geistigem Be- 
dürfniss fast Keiner studirt ; während umgekehrt in England auf den eng- 



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CorfflfpoBdMii. tat 

iiscbeo Universitäten die eigentlichen Brodstudien gar nicht gelehrt werden. 
Denn es wird dort Jurisprudenz, Theologie und Medicin in der Art wie bei 
uns gar nicht vorgetragen, sondern blos die summistischen Studien; Hathe^ 
matik und Philologie werden praktisch geübt. Wer Jurist werden will, sagen 
sie 9 mag zu einem Advocaten oder an ein Gericht gdien , und sich da 
bekannt machen mit den Formen des positiven Rechts ; wer Hediciner werden 
will, möge zu einem Arzte oder ins Hospital gehen, da könne er diese 
Kunst erlernen; wer Theolog werden, wolle in ein Seminarium gehen. 
Der Zweck der Universitäten, sagen sie, istGentlemen zu bilden, ihnen eine 
liberal education, eine liberale Erziehung im antiken Sinne zu geben; sie 
woUentiHerren heran bilden, keine Diener weder der Kirche noch des 
Staats. Das ist das englische Princip, und die Engländer stehen dabei gut, 
nnd wie ist es bei uns, die wir das umgekehrte Princip haben? Unser Unter- 
richtswesen, meine Herren^ schreibt sich zum Theil aus der miserabelsten 
Zeit her, aus der Zeit der griechisch-römischen Sophisten, Rhetoren und 
Grammatiker, wo m^n nicht mehr im Stande war, eine lebendige Rede aus- 
zudenken und zu schreiben, weiche das Herz eines gesunden Menschen 
hätte bewegen können; da sind die Sophisten und Rhetoren gekommen, und 
haben alle Tropen und Metaphoren in den Reden des Demoslhenes aufgezählt 
und mit ihrem Schulmeisterverstande zusammengeklaubt, und mit diesem 
Abhub tränkt man unsere Jugend und macht ihr das Sindiren zur Last und 
zur Qual. Ich wurde es begrüssen, meine Herren, wenn die Hälfte von 
Allen, die bei uns studiren, etwas Andres ergreifen wurde; <ienn was ist 
der Erfolg? Wir haben an der hiesigen Universität 800, die Jurisprudenz 
studiren, an den beiden übrigen Universitäten studiren auch noch 400 Juris- 
prudenz. Das Studium der Jurisprudenz dauert drei Jahre; es absolvircn 
demnach jedes Jahr 400, und 400 machen den Slaatstoncurs, hier, in Wurz- 
burg und Erlangen; alle diese wollen vom Staat angestellt sein, wollen 
ein Amt haben entweder in der Sphäre der Justiz oder der Administration. 
Nun aber sterben nach einem 10jährigen Durchschnitt jährlich 100 — 150 
Justiz 7 und Administrativbeamte. Also 150 junge Leute können einrucken, 
die andern werden zurückgestellt und müssen warten. Die Zahl dieser 
Menschen häuft sich mit jedem Jahre, und sie haben von ihren Universitäts- 
studien keinen andern Gewinn, als dass sie höhere Bedürfnisse kennen 
gelernt haben, und diese nicht befriedigen können. Hätte ein Theil dieser 
Menschen ein Handwerk erlernt, oder sich der Handlung zugewendet, oder 
einem praktischen Geschäfte, so hätten sie ihres Lebens froh und glücklich 
werden können, während sie jetzt die Qual fühlen, Alles, was sie wünschen, 
nicht erreichen zu können. — Dieses, meine Herren, sind die praktischen 
Erwägungen, die ich Ihnen vorführen wollte. Es geschieht wahrlich nicht, 
um der Wissenschaft zu nahe zu treten, nicht um irgend Jemanden höhere 
Kenntnisse und die Erlangung einer höhern Bildung zu verleiden, sondern 
im wahren Interesse jener Unglücklichen, die sich als Schreiber und Prakti- 
kanten ihr Leben lang hinschleppen und durch ihre Lage die grundsätzlichen 
Feinde der bestehenden Ordnung werden müssen. 

Nach mehrem den Crämer'schen Antrag betreffenden Erörterungen 
bespricht der Abg. Kolb mit Anknüpfung an v. Lasaulx's Rede das Zu* 
vielstudiren. Dann entgegnet noch der Abg. Dr. Bayer der Bede von 
Lasaulx: „Mein Antrag bezüglich der Universitäten ist nur ein secundärer; 
ich wollte dadurch nur die Nethwendigkeit eines primären beweisen. Ich 
habe gesagt: ein solcher Vorbereitungsunterrioht auf dem Gymnasium scheine 



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mir jetzt nolhwendig, weil auf der UitivieMittt eine Verpfieiitiing zu «etehen 
Studien nieht besteht Was aber diesen seeondfiren Antrag betrtflPI, so habe 
ich keine andere Überzenfung schöpfen können. Es ist eine leere, farmelley 
inhaltstose Freiheit, zu sagen: „das Stodiam ist frei, aber acht Collegien 
musst du hören ;*^ es widerspricht aber nicht der gehaltvolten Freiheit, 
wenn der Student zu den philosophischen, mir durchaus nöthig scheinenden 
Disciplinen verpflichtet ist. Meine Zurfickhaltung in der Motivirong hai mir 
Nicftts geholfen. Ich habe vermieden, das Verhfiltniss der Logik zu den an- 
dern philosophischen Wissenschaften und den Binfluss der Philosophie auf 
das Leben der Menschen zu beröhren. Nachdem aber Hr. t. La sau Ix nuf 
das Vertaältniss der Logik zu den andern Wissenschaften eingegailf en ist, 
so muss ich eineErkUrung gleichfalls abgeben. Ich denke mir die Logik nicht 
in der alten, abstracten, formellen Bedeutung; ich denke mir den Gedanken 
nicht als Wesen für sich, wie Heget, sondern ich- denke mir den Gedanken 
als lebensvollen Act des Geistes, als einen Act der Votlkommen- 
heit. Und weil der Gedanke dieses ist, bestimmt er auch dcit Willen, und 
kat eine sittlichbildende Kraft. Ich gtoube, dass ein Mann, der weder 
im Gymnasium noch in einer andern Bildungssphare diese Stärkung des Geistes, 
welche philosophische Studien geben, gewonnen hat, nur ein schlechter 
Theolog, ein schlechter Hediciner, ein schlechter Jurist, nur ein elender 
Stümper sein wird." 

Auch der Abg. Ffirst v. Öttingen- Wallerstein ergreift noch ein- 
mal das Wort und sagt unter Anderm: „Hr. v« La sau Ix hat uns zwei grosse 
Wahrheiten zugerufen: er hat uns gesagt,, in England studire man nicht um 
des Brodes wiHen; das ist wahr, und ich stimme mit dieser Behauptung um 
so mehr überein, als ich selbst sie bereits früher geltend gemacht babe, zu 
Gunsten des auch von Hm. v. Lasaulx nicht bekämpften Satzes, dass das 
Streben nach Brodstudium bei uns das eigentliche Unglück für die Wissenr 
Schaft ist, ' 

Hr. V. Lasaulx hat uns ferner dargelegt, wie in England Freiheit 
des Unterrichts in so hohem Grade besteht, dass man dort nicht einnfal eine 
gewisse Studienformalisirung durchgemacht haben muss, um eine öiTentliche 
Laufbahn beginnea zu können. Ich freue mich dieser Anfuhrung; denn hier 
ist der Kern der Sache. Geben Sie unserm Lande ein Studiensystem, aus- 

Iehend von dem einfachen Grundsatze, nicht zu fragen: wo und wie hat 
er Mann gelernt, sondern lediglich zu fragen: Was hat der Mann gelernt, 
was weiss er? dann, meine Herren^ ist es etwas ganz Andres. Es kann 
ein Talent sich gerauschlos entwickeln unter der Leitung eines Meisters vom 
Fach, es kann ein Jüngling unter dem Einflüsse eines tüchtigen Priesters 
sich heranbilden zum Theologen, ein Andrer unter dem Einflüsse eines aus- 
gezeichneten Richters oder Advocaten zum Juristen, und sprechen Sie zu 
diesen Allen: „Kommt Alle zum Examen! eine strenge Prüfung harrt euer! 
legt ihr aber den Beweis allgemein wissenschaftlicher und technischer Voll- 
vorbildung ab , so seid ihr zugelassen ohne Rücksicht auf das Wie eurer 
Studien.^^ Dann ist ein Zustand geschafl^en, in welchem das Talent, der achte 
SUtdienberuf sich überall Bahn brechen werden, das Brodstudium aber ohne 
Weiteres zu Grabe gebt, und gerade unter solchen Prämissen werden cba 
Frfifungen weit strenger ausfallen als dort, wo jeder Schritt auf dem Studien^ 
gange vorgesehrieben. ist, und zuletzt auch noch die Collegiengeider moralisch 
mitconcurriren. Allein so lange wir den Studienzwang haben, dem jangen 
Manne sagen : „Du musst so und so viele Jahre die Volksschule, so und so 



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Corfei|»ondMiB. 168 

viele ^hre die LatiniificIuiU»^ so und »o viele Jaiire das GymnanoiD dardH 
wandern, dort wird dir das Marls des Lebens heraussrenonnffleii durch Ein* 
Irichtern graramatischer und algebraiseher Satze, durch das Hineinphilologi«- 
sirea von Classikem, die du nicht versiehst und nicht verstehen kannst, von 
denen man nicht den Geist, sondern nur die trockene Wortfügung dir eiiH 
prägt;^^ so lange wir weiter sagen, „tretet dann über an die UniversitSt, 
sludirt 4 labre, sofort prakticirt, schluckt den Staub der Kanzleien, dann 
seid ihr zulässig zur Prüfung für den öffentlichen Dienstes so ist dieser Zu- 
stand die Bruthenne des Brodstudiums. Das ist meine feste Oberzeugung. 
Eben darum habe ich auch die, ich gestehe, vielleicht engherzige, aber von 
mir untrennbare Überzeugung, dass in dem Zustande, in welchen wir 
g€l(ommeR sind, und doppelt Angesichts der Zustande, denen wir entgegen- 
gehen, das Edelste, das Höchste, die Lernfreiheit auf der Universität eben 
so verkümmert wird wie Alles, was Freiheit heisst/^ 

Nach einigen andern Rednern wendet sich gegen die LasauU'sche 
aede der Abg. Dr. Buland: „Wenn ich das Wort ergreife, so thue ich eß 
bloss, um auszusprechen, dass gegenüber der Budgetsumme ich unmöglich 
die Ansicht des H<^rn CoUegen von Las sau Ix tbeilen kann. Derselbe hat 
zwar Manches gesprochen, w^as sehr wahr ist, aber wenn Sie die Folgen 
dieser Behauptungen in ihrer vollen Scharfe aufgreifen, sofort logische Con«- 
sequenzen ziehen, dann, meine Herren, streichen Sie geradezu diese Summe 
ab. Diess ist consequent ! Bei dieser Gelegenheit muss ich aber bemerken, dass, 
wenn man diese Summe ausgeben will, man auch Jedem die Möglichkeit 
gebe, davon Gebrauch zu machen, das heisst, den Zweck zu erreichen, den 
dieso Summen erreichen wollen. Wenn Sie so grosse Summen far das Stn* 
dium hingeben, so muss man auch Jedem freistellen, die Bildungsgelegen- 
heit zu ergreifen, wie er willl Mich kann der Vorwurf und die Klage der 
grossen Oberfüllung mit Studirenden keineswegs abschrecken, und ich finde 
diesen Zudrang ganz gegründet in dem eigentlichen Nationalcharakter der Deut^ 
sehen. Meine Herren! durchgeben Sie die Universitäten älterer Zeiten, 
durchgehen Sie ihre Matrikeln und Sie werden finden, dass der Zudrang 
arger war, als in den jetzigen Zeiten! Sie werden finden, dass kein Volk 
mehr nach Wissenschaft und Bildung strebte, als das Volk in Deutadiland, 
und diess ist der Grund, warum Sie so Viele zu den Universititen drfingm 
sehen. Es mag sein, dass viele Halbbefahigte und Unbefähigte hineilen: litf, 
meine ^Herren, bringt mich von meiner Meinung nicht ab. Denn um eines 
Miaskranches willen möge man nicht das Gute über Bord 
werfen. Das ist die Ansicht, die ich über diese Sache habe* Was ins«- 
besondere die Anschauung bezüglich des philosophischen Curses betrifft^ so 
muss ich erklären, dass zwar hier nicht der Ort für die Entwicklung phUosoplui^ 
scher Theorieen ist, allein dass dennoch die Anschauung des Hm. Dr. Bayer -^ 
dass diese Studien nothwendige Vorbedingungen seien, — zu Recht besteht! 
Herrn CoUega v. Lasaulx's Sentenz huldigen, hiesse, ich muss es bebanpt 
ten, offenbar den Slbb brechen über die ganze frühere Bildung, die seit 
Jahrhunderten von Universitäten gegeben worden ist. Zu beklagen wäre 
es, ich muss es behaupten, dass abermals diese Summe hinausgeworfen sein 
würde 1 Dann, meine Herren, dürfen wir noch gar Vieles über Bord wer* 
fen! -^ Was England betrifft, welches hier angeführt wurde, so tergesia 
man doch nicht, dass so Vieles eben in. der Verschiedenheit der verschia^ 
denen Nationalitäten und Nationalcharaktere beruht, und ich mnaa sofort 
noch immer behaupten, dass Herr Abgeordneter Bayer, abgesehen von 

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184 Correspondenx. 

der Abtheilung, die er wollte, aber festhaltend an dem Standpunkte der un^ 
bedingten Nothwendigkeit philosophischer Vorbildung, immer noch in seinem 
vollen Rechte ist. Diess ist meine Ansicht. Wie gesagt, ich glaube, man 
solle hier die Mittelstrasse einnehmen; denn in der Mitte liegt in der Regel 
zwischen Streitenden die Wahrheit." 

Nachdem die Discussion geschlossen war, ergriffen noch der Referent, 
Freiherr v. Lerchen feld und der Minister das Wort. Ersterer sagt in 
Beziehung auf den Etat überhaupt und die bisherigen Verhandlungen über 
die Universitäten: „Wenn wir die Verhältnisse des vorliegenden Etats naher 
ins Auge fassen, so wird sich erklären lassen, warum diessmal nicht so viele 
Anträge auftauchen, als bei frühem Landtagen. Meine Herren, vor zwei 
Jahren, nämlich im Jahre 1850, haben wir Erhöhungen des Budgets des 
öffentlichen Unterrichts beschlossen, in einem Betrage, wie sie in Bayern noch 
bei keinem Landtage beschlossen worden sind, und meines Wissens auch in 
keinem deutschen und europäischen Staate im Verhältnisse seiner Grösse je- 
mals in solchem Umfange vorgekommen sind. Ich erinnere Sie nur daran, 
meine Herren, dass wir den Etat der Akademie um 4000 fi., den Etat der 
Universitäten um 29,000 fl., jenen der Gymnasien um 67,000 fl., und den 
der Volksschulen um mehr als 130,000 fi. erhöht haben. Diess macht im 
Ganzen 235,000 fl. — Davon ist nur ein verhältnissmässig kleiner Theil im 
Betrage von 90,000 fl. als precäre Bewilligung seit 1843 gegeben gewesen; 
es bleibt also immer noch eine Erhöhung von 145,000 fl. per Jahr. Das 
glaube ich, wird so ziemlich erklären, warum wir nicht jedes Jahr mit solchen 
Anträgen kommen können, namentlich unsrer jetzigen Finanzlage gegenüber. 
Meine Herren, wenn man von dem Zustande unsrer Bildungsanstalten ge- 
sprochen hat, namentlich von dem der höhern Bildungsanstalten, so wird 
es mir sehr schwer, nicht auch ein paar Worte in dieser Beziehung beizu- 
fügen und meine Überzeugung dahin auszusprechen, dass das, was Herr Col- 
lega Heine und grösstentheils auch Herr Collega Lasanlx ausgesprochen 
haben, auch nach meiner innigsten Überzeugung durch und durch wahr und 
richtig ist. Es ist ein wahrer. Jammer, wenn man die Lage dieser jungen 
■Leute betrachtet, welche sich durch falsche Hoffnungen getäuscht den Studien 
hingeben, die für sie nie und nimmermehr erfreuliche und entsprechende 
Resultate haben werden, und ich halte es für eine unbedingte Pflicht der 
Staatsregierung, hiegegen Massregeln zu ergreifen. Meine 'Herren, damit ist 
es nicht gethan, dass man einen jungen Menschen, nachdem er das 23. oder 
24. Lebensjahr erreicht hat, oder noch älter geworden ist, bei der Schluss- 
prüfung zurückweist und ihm 5agt: du hast den Vorbedingungen nicht ent- 
sprochen, gehe hin und siehe, was aus dir wird. Diese Menschen, zusammen- 
genommen mit jenen, welche bei noch spätem Prüfungen erst erfahren, 
dass sie nicht genügend befähigt sind, geben das unglückseligste Proletariat, 
das in der Welt existiren kann, und ein Proletariat, das so staatsgefährlich 
ist, als irgend eines; desshalb, meine Herren, halte ich es für Pflicht, dass 
man nicht erst so spät, sondern an der Schwelle anfängt die jungen Leute 
zu prüfen. Und diejenigen, welche nicht genügende geistige Befähigung haben, 
um einen Erfolg von ihnen erwarten zu hönnen, von vorneherein zurück- 
weise. Es ist diess nicht bloss eine Pflicht gegen Diejenigen, die man da- 
durch hindert, sich unglücklich zu machen, sondern auch eine Pflicht gegen 
den Staat und ihre Mitschüler. In einer mit solchen unbefähigten, albernen 
Menschen überfüllten Glasse ist kein Lehrer im Stande etwas Tüchtiges zu 
leisten, Sie hängen ihm wie Blei an den Füssen. Er kann mit den übriger 



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Cbrrespondene. 185 

Schülern nicht die Fortschritte machen, die sie machen wfirdän, wenn er 
nicht gezwungen wäre , an diese einfältigen Leute seine Zeit und Mfihe zu 
vergeuden, die, wenn sie ein Handwerk erlernt hatten, vielleicht doch auch 
ihre Existenz hfitten sichern können, und es ist wirklich unverantwortlich, 
wenn man isolche Menschen so weit kommen lasst, dass sie erst nach ver- 
lorner Jugend, nach verschwendetem Vermögen erfahren, dass sie nicht in 
die Laufbahn der Studien gehören. Es wäre in manchen Fallen Barmherzig- 
keit, sie nach der erfolglosen Prüfung auch gleich todt zu schiessen; wenn 
man sieht, wie diese armen Leute dann als Praktikanten, als Schreiber sich 
hinschleppen, wie sie ewig in den allerarmseligsten Verhältnissen sich darben 
müssen, wie ihnen nichts mehr zum Genuss, zur Befriedigung werden kann, 
dann wird man wahrhaftig den Ausspruch nicht so hart finden, den ich so- 
eben gethan habe. Dieses aber, meine Herren, hängt wesentlich mit unserm 
nnglucklichen Stipendien- und Honorarienwesen zusammen. Meine Herren, 
es giebt keinen Staat in der Welt, wo so viele, so erbärmliche Stipendien 
gegeben werden, wie bei uns. Unsere Stipendien sind nichts als Bettel- 
briefe. Sie genügen nicht, um den Stipendiaten in die Möglichkeit zu ver^ 
setzen, sich sorgenfrei seinen Studien hinzugeben. Der Hauptwerth ist bloss, 
dass dieselben in Gymnasien von den Schulgeldern, an der Universität von 
den Collegiengeldern befreien, im Übrigen reichen sie nicht hin, um 'die 
Schuhe davon zu flicken. Der Stipendiat muss, um leben zu können, betteln 
auf der einen Seite und Unterricht geben auf der andern Seite in einer 
Weise, dass ihm für seine eigene Ausbildung durchaus keine Zeit bleibt. 
Wenn er nun nicht ein ganz überlegenes Talent ist, so muss er bei diesem 
Zustande zu Grunde gehen; anders ist es nicht möglich. Er wird am Ende 
höchtens lernen, die einfachsten Grundsätze der Grammatik den Knaben me- 
chanisch einzutrichtern, wird aber selbst keine Fortschritte machen. Was 
auf der andern Seite für die Universitäten daraus entsteht, das, meine Herren, 
sehen wir alle. Kein Land in der Welt ist, wo der akademische Lehrer so 
erbärmlich belohnt ist, wie bei uns. Wenn Sie die Verzeichnisse der Col- 
legiengelder an den bayerischen Universitäten in die Hand nehmen, wenn Sie 
die Masse von Befreiungen von diesen Geldern berücksichtigen, so ist das 
wirklich ohne Beispiel in der übrigen Welt. An den meisten deutschen 
Universitäten hängt es bloss von den Professoren ab, wem sie die CoIIegien- 
gelderbefreiung zugestehen wollen und wem nicht, und gerade auf diesen 
Universitäten sind die tüchtigsten Studenten, und die berühmtesten Lehrer; 
dort findet sich der regste wissenschaftliche Geist, bei uns, ich kann das 
nicht verschweigen, besteht eij^ schmählicher Missbrauch in der Ertheilung 
von Zeugnissen, um Collegiengelderbefreiung zu erschleichen; anders kann 
ich es nicht nennen. Leute, deren Eiltern ein bedeutendes Vermögen, deren 
Eltern einen recht anständigen Gehalt von dem Staate beziehen, schämen sich 
nicht, sich Zeugnisse zu erbetteln und auf diese hin die Professoren um ihr 
rechtmässiges Honorar zu betrügen Von Menschen, die von Jugend auf 
ein solches Beispiel von Niederträchtigkeit geben, kann der Staat auch in 
ihrem spätem Leben nichts Andres als eine gleiche Erbärmlichkeit erwar-* 
ten. — ' Was nun den speciellen Gegenstand betrifil, warum ich mir erlaubt 
habe, darauf zurückzukommen, nämlich die Übernahme der Universitätspen- 
sionen auf die Amortisationscasse, so kann ich mich in einer Beziehung dar- 
über nur freuen, dass endlich einer dieser Anträge, welche ich mir schon 
frülier zu stellen erlaubte, Anerkennung gefunden, und dass man die Mittel 
gefunden hat, ihn auszuführen, nachdem man ihn früher für sq unausführbar 

Akadem. Monatssehrift. April 1852. 84 



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166 CorreapoDdenz. 

erHlsurt hatte. Übrigens wenn Sie glauben, dass dem Übel dadurch abgehoUbn 
werden wird, so täuschen Sie sich. Das ist nur ein Palliativmittel. Sie 
befreien die Universitäten für diesen Augenblick von den gegenwartige» Pen- 
sioneU) und geben dadurch die Möglichkeit, um die Gehalte zu erhaben^ aber 
in kurzer Zeit wird der alte Jammer gerade so wieder vorbanden sein^ wie 
früher, denn es wird nicht gesorgt, dass nicht der Universitatsetat für die 
Zukunft wieder mit neuen Pensionen belastet werde. Die Nothwendigkeit 
ZU Pensionen wird sich bald wieder zeigen, und dann wird das alte Elend 
wieder anfangen und dieses wird so lange fortdauern, als nicht die Mass- 
regeln, die ich mir vorzuschlagen erlaubte, grundlich und conseqoent durch*« 
gefuhrt werden, die Pensionen ganz aus den Etats der Unterrichtsanstalten 
ausgeschieden sein werden. Es wird übrigens dadurch ein dringendes Be*< 
dürfniss, wenigstens für diesen Augenblick, befriedigt und dess^halb kann ich 
diese Massregeln nicht dringend genug empfehlen: es wird eine Last von 
23,000 fl. von den Universitäten abgewälzt, die durch die Ablösung in neuerer 
Zeit ohnehin in ihrer Dotation so wesentlich gelitten haben, dass sie wirk- 
lich in der allerbeschränktesten Lage in finanzieller Beziehung sind/^ 

Nachdem der Referent sich noch über andre Punkte ausgesprochen, 
ergriif der Staatsminister Dr. v. Ringelmann das Wort: „Heine Herren, es 
hat eine sehr geehrte Stimme dieses Hauses ihre Rede mit dem Satze begon- 
nen, man gehe mit trüben Empfindungen an die Bewilligung der Positionen 
für den Unterricht. Ich weiss eigentlich nicht, worin die innere Berechtigung 
zu einer solchen Behauptung liegt. Ein gutes Unterrichtswesen ist die gei- 
stige Grundlage des Staats, eine der besten Gewährschaftän für eine gesicherte 
staatliche Existenz. Die Mittel zu einem solchen Unterrichtswesen zu gewäh- 
ren, kann daher nur eine erfreuliche Aufgabe sein. Sollen die trüben Em- 
pfindungen sich daher datiren, weil unser Unterrichtswesen in so schlechtem 
Zustande sich befinde, so kann ich das auch nicht gelten lassen; es Ist nur 
eine üble Gewohnheit, erlauben Sie mir das zu sagen, von uns Deutschen, 
dass wir unsere Zustände immer so herabsetzen. Andre Nationen thun das 
nicht leicht 1 Es ist vorhin treffend bemerkt worden, dass das Unterrichts- 
wesen an andern Orten sich auf weit niederer Stufe befinde, jind es könnte 
dieses Thema leicht noch weiter verfolgt werden. Unser Ünterrichtswesen 
ist keineswegs so schlecht, als man so häufig behauptet; damit will ich nicht 
gesagt haben, dass es nicht grösserer Vervollkommnung fähig sei, aber ich 
kann mit gutem Bewusstsein vor dieser hohen Kammer die Versicherung 
aussprechen, dass das Ministerium während seiner dreijährigen Verwaltung 
stets bemüht war, der Verbesserung des Unterriohtswesens seine volle Auf-* 
merksamkeit zuzuwenden und das sowohl bei den deutschen Schulen, Schul- 
lehrerseminarien und Lateinschulen bis zu den Gymnasien und Universitäten 
hinauf. Dass und warum noch nicht Alles in Wirksamkeit getreten ist, wer- 
den Diejenigen am besten zu erklären wissen, welche sich mit der Verwal- 
tung des Staats selbst befasst haben. Man kann nicht Alles mit Binemmale 
einrichten und es ist auch wünschenswerth, dass man sich dabei nicht über-* 
eile, um nicht Massregehi, die nicht gehörig erwogen wurden, wieder zurück- 
nehmen zu noiüssen. 

Dieselbe geehrte Stimme hat mich bezüglich des Antrages der Pensionen 
in einen Widerspruch zu verwickeln gesucht mit meiner gestrigen Äusserung, 
dass man dem zu grossen Andränge zum Studiren entgegentreten müsse. 
Meine Herren, ich kann keinen Widerspruch finden zwischen der gestrigen 
Äusserung und dem Antrage der Regierung, die Universitäten bezüglich 



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C<iitfe»p6n6tnt. 187 

llinßr PensiMen m erldditern. W^nn ich dafür bin, dass der Andrang zum 
ätudiren gemindert werde, so will ich ntir die Mittelmdssigkeit entfernt 
wissen, md diese ist geg-enwörtig die Mehrzahl. So lange es nicht gelingt, 
in dieser Beziehung die Bevölkerung aller Anstalten zu verringern, so lange 
Ist die Zukunft schlecht bestellt; denn das Bild ist mit treuen Zügen entwor- 
fen, welches vorhin gezeichnet wurde. Daraus folgt aber noch nicht, dass 
man nicht die Anstalten für Diejenigen, welche sie mit Grund und Recht 
besuchen, auf die möglichst höchste Stufe der Vollkommenheit bringen solle. 
Denn wenn die fähigsten Köpfe der Nation sich dem Studium widmen, dann 
ist es Pflicht för die Staatsr^gierung, alle Mittel, die subjectiven und objec- 
tiven so herzustellen, dass diese fähigen Köpfe zu etwas Tächtigem heran- 
gebildet werden können. Also stehen diese beiden Sätze nicht im Wider- 
spruche, sondern im vollkommenen Zusammenhange. Die Regierung muss 
den zu grossen Zudrang zum St.udiren mindern, den Befähigten aber alle 
Mittel gewähren, um sie auf die Höhen der Wissenschaft zu fuhren.^^ 

Nachdem der Redner noch auf andre Punkte eingegangen war, scfaloss 
er: „Was den Antrag des Herrn Abg. Bayer betrifft, es möchten die philo*- 
sophischen Wissenschaften entweder dem Gymnasialunterrichte angereiht, 
oder in den Universitätsstatuten als obligatorisch erklärt werden, so kann 
ich hierüber die Willensäusserung der hohen Kammer in der Abstimmung 
abwarten. Ich kann übrigens nicht bergen, dass mir die Vereinigung des 
philosophischen Unterrichts mit dem Gymnasialunterricht in mancher Beziehung 
bedenklich erscheint, denn es sind doch zwei verschiedene Richtungen, 
welche der philosophische Unterricht und jener des Gymnasiums, ich möchte 
sagen, der grammatikalisch-rhetorische, zu verfolgen hat. Es war auch eine 
solche Einrichtung bereits einmal da, hat sich aber nicht bewahrt und wurde 
wieder fallen gelassen. Was die zweite Alternative betrifft, den philosophi- 
schen Unterricht auf der Universität obligatorisch zu erklären, so muss 
das sidi ei^st meines Erachtens zeigen, in wie weit sich das Institut der 
Lernfreiheit Oberhaupt rechtfertigen und bewähren wird. Sie wissen, 
meine Herren! in den jüngsten Zeiten haben sich die Stimmen der Gelehrten 
mit ziemlicher Allgemeinheit dafür ausgesprochen, und auf dieser Basis 
wurden auch die neuen Universitätsstatuten errichtet. Es wird also vor 
Allem die Erfahrung abzuwarten sein, ob das System sich bewährt oder nicht. 
Im letztern Falle wird zu demjenigen zurückzukehren sein, was Herr Abge- 
ordneter Bayer propontrte. Aber ich verkünde es voraus, dann wird das 
Vorgeschlag^e bei den philosophischen Wissenschäften nicht bleiben können, 
sondern weiter ausgedehnt werden müssen; denn die Gründe, welche hier 
gegen die Lernfreiheit sprechen, werden sich auch bei den andern Doctrinen 
mit gleicher Stärke . geltend machen^^ Hierauf erfolgte die Abstimnyung , in 
welcher die Gesammtsumme für Erziehung und Bildung ohne Abstrich geneh*> 
migt, der Antrag des Abgeordneten Dr. Bayer abgelehnt wurde. 

X. Wien, im Februar. (Die Localltäten der Universität. Hyrtls Museum. Naturwi«»en8ch«ft- 
licher Vorcursus für Mediclner. Dr. Helms Bericht über das KrankeuItHtis.) Auch die QuäStUr hat 

jetzt die „Aula" verlassen. Wie sehr die Universität local zersplittert ist, ergiebt 
sich daraus, dass Mineralogie und Zoologie in der Aula, die Botanik am 
Rennwege und Chemie im Theresianum, wo auch das Laboratorium sich 
befindet, doeirt werden, wahrend Doc. Dr. Schneider seine chemischen Vor* 
trüge und Übungen in der Josephsakademie hält. Sollte es sich verwirklichen, 
dass die Universität iu die jetzige Gewehrfabrik verlegt würde, so wäre 
damit einem ^ohl allgemeinen Wunsche entsprochen. Nur würde es sich 

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188 Allgemeine Corresppndenz. 

dann fragen, was mit der Bibliothek zu geschehen habe. Die Entfaninng 
wäre sehr bedeutend. Die Vereinigung des Naturalieneabinets der Universi- 
tät mit jenem des Josephinums ist bereits erfolgt. Das Josephinum ist mit 
einem herrlichen # Museum der vergleichenden Anatomie bereichert worden; 
die medicinische Facultät verdankt diese Bereicherung den rastlosen B^müh* 
ungen des Prof. Hyrtl. Ein Lebrstul der vergleichenden Anatomie steht in 
nächster Aussicht. Das Studium der Naturwissenschaften soll, wie verlautet, 
in der Art organisirt werden, dass dasselbe vor Beginn der eigentlich me* 
dicinischen Studien zu absolviren wäre. Mineralogie, Zoologie, Botanik 
Physik und Chemie würden demnach einen Vorcursus für die Mediciner bil- 
den. — Sehr interessant ist der ärztliche Bericht über das Krankenhaus im Jahre 
1850, den der gewesene Director desselben, Prof. Dr. Heim, veröffentlicht 
hat. Nach demselben wurden in dem bezeichneten Jahre in der Kranken- 
anstalt arztlich behandelt: 12426 Kranke männlichen und 7484 Kranke weib- 
lichen Geschlechts, im Ganzen also 19912 Kranke. Per stärkste Kranken- 
stand war mitiSSO, der schwächste mit 1704 Kranken. Von den Behandelten 
sind 2607 gestorben. In der Irrenanstalt waren 663 in Behandlung, 334 
Manner und 329 Weiber. Der höchste Stand war mit 394, der niederste 
mit 346 Kranken. In der Gebaranstalt wurden 7599 Schwangere und 7184 
Kinder behandelt. In der Findelanstalt befanden sich beim Abschlüsse des 
Jahres 255 im Hause und 14940 Kinder in der Pflege. Mögen diese stati- 
stisch interessanten Berichte des hochverdienten frühem Directors auch in 
Zukunft fortgesetzt werden. 



IV. 

Allgemeine Gorrespondenz. 

In der i20sten Sitzung der Württembergischen Kammer der Abgeordneten 
kam gelegentlich der Berathung des Berichts der Kirchen- und Schul- 
commission über die Ministerialverfägung vom 10. August 1850 die wichtige 
Frage über die Einrichtung der Maturitätsprüfung für den Besuch der Uni* 
versität zur Sprache. Der Commissionsbericht erwähnt drei Wege, auf 
welchen die Reife für die Universität zu erkennen wäre. Der erste ist die 
ehemalige Centralprüfung. Der zweite ist die durch die erwähnte Ministerial- 
verfägung getroffene Einrichtung, wornach der Maturitätsprüfung Vorprüfungen 
an den Gymnasien vorangehen. Der dritte ist eine ah dem einzelnen Gym- 
nasium abzuhaltende Abiturientenprüfung. Für diesen dritten Weg entschied 
sich die Commission, welche die ßitte an die Regierung beantragte, 1) die 
durch die erwähnte Verfugung ins Leben gerufene Einrichtung der Maturitäts- 
prüfung sobald immer thunlich ausser Wirksamkeit zu setzen ; 2) an die 
Stelle derselben Abiturientenprüfungen an den Landesgymnasien unter Aufsicht 
und Leitung studienräthlicher Commissäre treten zu lassen. St. R. v. Wä c h I e r : 
Da er im Fall sei, die Verordnung vom 10. August 1850 nicht vertreten zu 
müssen, so habe er eine um so unbefangenere Prüfung des Commissions- 
berichts vornehmen können, gegen welchen er wenigstens einige Zweifel 
vorbringen möchte. Die Verordnung sei nöthig gewesen gegen die frühere 
Einrichtung, welche ein ganz unsicheres Resultat ergeben, indem oft für 
die mündliche Prüfung des Einzelnen kaum einige Minuten zu Gebote standen. 
Ein zweiter Übelstand sei der gewesen, dass die Prüfungscommission keine 
feste Instruction gehabt; der Hauptübelstand aber, dass das Stuttgarter 



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AHgnmiae Correspondens. 189 

Gymiasiam mil seinen enr Prdfnng zugezogenen Lehrern ein Übergewicht 
vor den ' Mdem Landesgymnasien erhalten. Indess habe die Verordnung 
doch Vortbeile erreicht gegenüber den frfihem Zuständen: die Schüler 
nehmen die Prüfung ernster, die Resultate der Prüfung seien bei weitem 
bessere geworden, durch die Reduction der Prüfungsfächer auf die Haupt- 
fiKcher sei der Unterricht selbst concentrirter, das Streben der Lehrer und 
der Schüler einheitlicher geworden. Diese Früchte würden durch eine Auf- 
hebung der ganzen Einrichtung, wie sie der Commissionsantrag will, unlaugbar 
in ihrer Entwicklung zerstör^ dagegen könnte etwa eine Revision der jetzigen 
Einrichtung vorgenommen werden, dahin gehend, dass der Vorprüfung und 
der Hauptprüfung eine gleichmassigere Einwirkung eingeräumt, dass dem 
Studienratbe die Bestimmung des Resultates der Prüfung abgenommen, dass 
der den Privatanstalten zu Stetten und auf dem Salon zu Ludwigsburg vor 
den Lyceen des Landes eingeräumte Vorzug nicht länger festgehalten, also 
diese mit jenen gleichgestellt würden. Netter: Was er gegen die dermalige 
Einrichtung vorzubringen habe, das sei der Kostenpunkt, wozu noch komme, 
dass diejenigen, welche zum Examen reisen müssen, dadurch vielfach zerlitreut 
werden müssen. Ferner spreche er si(^h gegen die Begünstigung des eine besonders 
exclusive Tendenz verfolgenden Privatinstituts auf dem Salon aus. v. Bucher: 
Der Commissionsbericht sei der unabhängigen Stellung der Landesgymnasien in 
hohem Grade günstig, doch halte er, der Redner, an der Centrälprüfung fest, 
deren Nutzen er darin sehe, dass sie dpn einzelnen Lehranstalten eine verglei- 
diende Übersicht ihrer Leistungen gewähre. Die gegenwärtige Einrichtung habe 
sich auch bei der letzten Prüfung, welche das beste Resultat seit allen 
frühern Jahren, namentlich^ auch in der Mathematik, geliefert, als zweck- 
mässig herausgestellt. Dagegen wünsche er die Aufhebung der dem Cen- 
tralexamen vorangehenden Vorprüfung. Dehler: Über der Form sei in 
den Gymnasien mehr und mehr der Geist geschwunden, und eine grosse 
Schuld daran habe die frühere Centrälprüfung gehabt. Der Redner schliesst 
mit jdem Wunsch, dass die Gymnasien wieder in die ihnen gebührenden 
Rechte gesetzt werden. Pr. v. Kap ff: Es sei ihm auffallend, dass diese 
Kammer zwar kein königlicher, aber ein volksthümlicher Studienrath werden 
wolle und über Sachen debattire, die eigentlich nicht vor ihr Forum gehören. 
Er beantrage desshalb, über die Frage von der Maturitätsprüfung zur Tages- 
ordnung überzugehen und nur um Revision der vom Departementschef her- 
vorgehobenen Punkte hinsichtlich der neuen Einrichtung zu bitten. Als 
besondern Vorzug der Centrälprüfung hebt der Redner auch den hervor, 
dass sie weniger Menschlichkeiten zulasse, als die Prüfungen bei Gymnasien. 
Zimmermann ist für den Commissionsantrag; doch sollte den Eltern und 
Lehrern des Schülers die Wahl des Gymnasiums zur Prüfung freistehen. 
Am liebsten aber wäre ihm, dass vor dem Besuche der Universität gar keine 
Prüfung gehalten würde; jedenfalls aber sollte bei der Prüfung Der für reif 
erklärt werden, welcher auch nur in zwei Fächern sehr gut bestanden, weil 
diess eine hinlängliche Garantie sei, dass ein Solcher vermöge der Eigen-- 
thümlichkeit seines Geistes auch in den übrigen Fächern des Wissens sich 
leicht Orientiren werde. Nach erfolgter Ablehnung des KapiTschen Antrags 
ertheilt die Mehrheit dem Commissionsantrag die Zustimmung. 

In Tübingen haben sich am 11. März die DD. Rossbach und West- 
phal als Privatdocenten der classischen Philologie habilitirt; sie werden im 
Sommersemester ihre Vorlesungen beginnen. Die Ernennung eines neuen 
EphoTiis des evangelischen Seminars wird erwartet. Man weiss aber noch 

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190 Allgemeine GorretpowicflU. 

nicht, ob diese Stelle mit einer UniversitätspfofelisttrTi^rbiiiideft, ob sie enem 
der angestellten Lehrer übertragen, oder ein nener berufen wm*'den wird, 
UntOT andern werden genannt Prof. Walz, der schon früher das Ephoral 
mit Auszeichnung bekleidet hatte, und Diakonus Lechler in Waiblingen. Am 
18. März hielt Prof. Reu seh, der bereits seit Weihnachten sein Amt ange^ 
treten hat und Vorlesungen halt, seine Antrittsrede aber den eld&triaohen 
Telegraphen vor einer ungewöhnlich zahlreichen Zuhörerschaft. 

Ans Gi essen schreibt die Kass. Zeit.: ,,NaGhdem im vorigen Jahre nach 
Errichtung der theologischen Schule zu Mainz bekanntlich sSmmtlicho dahier 
katholische Theologie Studirende, zwischen 40 und 50 an der Zahl, unsre 
Universität verlassen haben, sind die betreffenden hier zurückgebliebenen 
vier Lehrer rücksichtlich des Docirens seit jener Zeit gänzlich ausser Thätig- 
keit gesetzt, und ist zu einem Wiederbeginne der letztern und den dermaligen 
Verhaltnissen auch keine Aussicht vorhanden. Wie es heisst, dürfte desshalb 
das längere Fortbestehen der hiesigen katholisch-theologischen Facultät ihrem 
bisherigen Umfange nach schon für das bevorstehende Sommersemester zu 
bezweifeln, und sollen zu dem Ende in dieser Beziehung schon Unterhand* 
tungen von Seiten unsrer Regierung mit dem Bisthum unsres Landes im 
Gange sein. Demnach würde, wie man hört, in Zukunft. nur einer rfer be- 
treffenden Professoren als Stellvertreter der gesammten katholischen Facullät, 
welche alljährlich in manchen Vorrechten, wie z. B. rücksichtlich des Vor* 
trittes, mit der evangelisch-* theologischen Facultät bisher wechselte, hier 
bleiben, die übrigen dagegen in anderweiten Diensten entweder der Regierung 
oder der katholischen Kirche verwendet werden. Die Facultät besteht zur 
Zeit noch aus den Professoren Löhhis, Fluck, Spharpff undLutterbeck, 
und von letzterm wird ausserdem noch neuerdings behauptet, er werde einem 
jüngst an ihn ergangenen Ruf ins Ausland folgen.^^ — Die Regierung soll 
d^mit umgehen, für die Fächer der Dogmatik und neutestamentliche Exegese 
einen Professor der evangelischen Theologie zu berufen. Dass auch die 
juristische Facultät demnächst ergänzt werden wird, steht als gewiss zu 
erwarten. Prof. I bering ist bereits aus Kiel abgegangen um seine neue 
Stelle in Glossen anzutreten. 

In Kiel soll" ausser Professor 01s hausen, der, wie auch unsere Cor- 
respondenz aus Kiel meldet, nur des Curatoriums der Universität, nicht 
seiner Lehrstelle enthoben wurde, Christiansen des Vorsitzes in der 
juristischen Facultät enthoben sein; man erwarte, sagt das Prankf. Journ., 
die Entlassung der ganzen theologischen Facultät. Unser Corrcspondent 
metdet uns von dieser Befürchtang nichts. 

Über die Münzsammlunsf der Universität Göttingen enthält die Hannov. 
Zeitung vom 23. Februar interessante Details. Alles in Allem beträgt die 
Sammlung mit Ausschluss der orientalischen Münzen 210 in Gold, 5219 in 
Silber, 4768 in andern Metallen, in Summa 10,197 Stück, Die Sammlung 
zerfällt in zwei Abtheilungen, von denen die eine die antiken; die andere die 
modernen Münzen umfasst. An erstem sind 4976 vorhanden, griechische 732, 
römische Familienmünzen 389, römische Kaisermünzen 3833, dazu kommeo 
noch 22 barbarische. Sehr schöne Exemplare klein-asiatischer Münzen ver- 
, dankt die Sammlung einem in neuester Zeit geschehenen Ankauf aus Smyrna ; 
darunter befinden sich verschiedene bis jetzt noch nicht bekannte Stücke. 

Aus Leipzig wird der Verlust des Privatdocenten Dr. Nipperdey, 
der einem Rufe als ausserordentlicher Professor der dassischen Pbdlologie 
an die Universität Jena folgt, sehr beklagt. Derselbe ist besonders bekannt 



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gewca'Am imtik treffliche Aa^iraben mehrerer Tötnischen Historiker. Wester- 
müfln und Klotz sind jetzt noch die einzigen ausschliesslichen Vertreter 
der dassische» Philologie in Leipzig, wihrend Haupt und Jahn ausser 
Activität sind. Ein schon längere Zeit in Leipzig lebender Gelehrter^ 
Dr. Weük, vor Uieilhaft bekannt durch eine Monographie aus der altern deut- 
schen Geschichte, soll sich in der philosc^Uschen Facultät habilitiren wollen. 

In Berlin wird der berühmte Akademiker, Geh. Hedicinalrath und 
Director der zoologischen Sammlung am 26. April sein SOjähriges Jubiläum 
feiern. Es scheint aber, dass derselbe öffentlichen Feierlichkeiten ausweichen 
will, indem er eine Reise nach Steiermark, Triest und Venedig angetreten 
hat. In Triejst wird er emen grossen Transport ausländischer Thiere für 
den zoologischen Garten in Empfang nehmen, der aus Kairo dort eintreffen 
wird. Auch trifft er dort neun jioige Agyptier, die ihm der Pascha TOfl 
Ägypten zur Erziehung anvertraut. 

Für die Universität München stehen bedeutende Acquisitionen in Aus- 
sicht. Die Berufung des Hofraths Pfeufer in Heidelberg ist entschiede» 
Er hat den Ruf als Professor und Leibarzt des Königs angenommen. Sem 
Wirkungskreis wird um so ausgedehnter sein, als er auch Mitglied des Me* 
dicinalcollegiums und Vorstand der Klinik werden wird. Doch wird er wahi^ 
scheinlich seine neue Stelle erst im Herbste antreten. Es wird uns geschrieben^ 
dass auch Rofrath Henle aus Heidelberg nach München berufen werde« 
dürfte. Ausserdem soll auch Rudolph Wagner in Göttingen (wie Pfeu-^ 
fer ein geborner Bayer) für die Universität München gewonnen sein. -^ 
Am 27. März hielt die k. Akademie der WW. zur Vorfeier ihres 93. Stif- 
tungstages die gewöhnliche Festsitzung, welcher ausser dem Hrn. Minister 
V. Ringelmann und dem griechischen Gesandten Hrn. v. Schinas ein zahl- 
reiches und gewähltes Publicum in dem festlich geschmückten Saale beiwohnte, 
der dieisesnml im Hintergründe zwischen blühenden Gebüschen zu bdden 
Seiten des Bildes Sr. Majestät des Königs die Bildnisse von Reich enbaeb 
und Frauenhofer trug, deren Andenken der Vorstand Hofrath v. Thierscb 
durch Schilderung ihres Lebens und ihres Wirkens, zur Erläuterung und 
Beleuchtung desThema's seiner Rede erhalten, nämlich der wisseni^enaft- 
lichen Seite reinpraktiscber Thätigkeit. Zugleich diente der Vor«- 
trag als Einleitung zur Proclamirung einer wissenschaftlich-teeiioi- 
sehen Commissio.n bei der Akademie, welche Se. Maj. der König 
vergangene Woche gestiftet und aus seiner Cabinetscasse reichlich dotirt ha f. 
Der Schluss seines Vortrags feierte die Erinnerung an F. v. Roth, den d)e 
Akademie im Januar durch den Tod verloren hat, und zeichnete kurz den 
Gang seines Lebens , seiner amtlichen und literarischen Thätigkeit. Dem 
Vorstand folgte das ausserordentlidie Mitglied der königl. Akademie Hr. Prof. 
Prantl, der „die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie'^ zum Gegenstande 
seiner Rede hatte. Sie suchte zu zeigen, dass aus der gegenwärtigen Ver- 
wilderung der philosophischen Lehren und Richtungen der philosophischen 
Schulen nur herauszukommen sei, wenn die Philosophie unter Ablehnung des 
unbedingten Idealismus und Malerialismus und des beide neben einander 
etellenden Dualismus den ganzen Men sehen, wie er physisch, historiisch 
und geistig gegeben ist, und die Vermittelung und innere Einheit des Idealen 
und Realen in sieh tragt, und ihre Offenbarung am reinsten in der Sprache 
seigt, zum Mittelpunkt ^tid cum Ifouptgegenstand ihrer Forschung machen 
werde. 



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Allganeiae ComMpondenc. 



Aus Prag ist uns durch gütige Vermitttung unseres Herrn Conrespon- 
deuten das Verzeichniss der Studirenden zugekommen, das wir schon im 
Märzhefte zu den allgemeinen statistisidien Notizen benutzt haben. Wir geben 
es hier im Detail: 



Vaterland. 



Immatriculirte Hörer der 



Thealogie. 



Inländer. 



Böhmen 

Mähren 

Schlesien 

Österreich 

Salzburg 

Tirol 

Steiermark 

niyrien 

Galizien 

Bukowina 

Ungarn 

Dalmatien 

Croatien 

Serbien 

Summa der Inländer: 

Ausländer. 

Preussen 

Sachsen 

S. Altenbnrg 

„ Meiningen . . ■ 

„ Coburg 

Weimar 

Bayern 

Frankfurt a. M. ..... 

Kurhessen 

Hannover 

Oldenburg ■.. .. 

Dänemark <.. 

Schweiz 

Bulgarien 

Summa der Ausländer 
In- und Ausländer: 



148 
5 
1 



154 



160 



ReeUe. Mediein. 



PhUo- 



659 

34 

1 

6 
1 

4 
2 
6 
2 
2 
3 
1 
3 



724 



724 



237 

20 

1 

4 

2 

16 
3 
1 
9 



298 



4 
1 



1 
1 
1 
1 

2 
2 

1 
1 



15 



313 



70 
6 
1 



1 
2 



82 



86 



Pktma- 
enten. 



ixuenri. 
Hirer. 



38 
2 



1 

"41 



41 



175 
6 
1 
1 



12 



198 



1 
1 
2 

1 

2 
1 



15 



213 



1327 
73 

11 
5 

22 
5 
7 

12 
2 

22 
1 
4 
1 



1497 



7 
7 
2 
2 
1 
1 
4 
2 
1 
7 
2 
2 
1 
1 



40 



1537 



Die grosse Zahl der Juristen erklärt sich, wie in Wien, daraus, dass in 
Österreich die gesammten Staatswissenschaften nicht wie sonst auf den meisten 
Universitäten zur philosophischen, sondern zur juristischen Facultät gerechnet 
werden. Unter den Medidnem sind zugleich die Chirurgen, unter den PhUo- 
sophe.n die Philologen begriffen. Die ausserordentlichen Hörer umfassen' fast 
alle Facultäten. Interessant ist die AJ>theiIung der Studirenden nach den ver- 



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Allgfemeine Correst>ondenz. 199 

scbiedenen Kronlindern der Monarchie. Es crgiebl sich daraus, dass Prag 
vorzugsweise eine böhmische Landesuniversität ist. Durch dieselbe gütige 
Vermittlung ist uns auch folgende Tabelle über das Verhältniss der honoriren* 
den zu den nichthonorirenden Stjidirendcn zugekonunen: 
Von 160 Theologen honoriren 33 vollständig, 8 halb, 119 gar nicht. 



9? 


724 Juristen' „ 


383 


19 


253 


11 


88 


11 


• 11 


»> 


313 Medicinem ,, 


122 


91 


87 


11 


104 


11 


91 


11 


86 Philosophen „ 


37 


11 


16 


^i 


33 


11 


11 


91 


41 Pharmaceuten . ,, 


40 


i^ 


1 


ii 


— 


11 


11 


^y 


213 ausserord. Hör. „ 


211 


n 


1 


»» 


1 


11 


11 



Sum. 1537 826 366 345 

Es ist hieraus der Erfolg der Einführung der CoUegiengelder an der 
Universität Prag zu ersehen. Bedenkt man, dass die bei weitem grösste An-* 
zahl der halben Befreiungen Folgen der transitorischen Bestimmungen des 
neuen Organisationsgesetzes sind, und daher im Laufe weniger Semester ganz* 
lieh wegfallen dürften, so ist das Resultat ein sehr günstiges, und jedenfalls 
günstiger als von manchen Schwarzsehern oder für die vormaligen Studien-* 
einrichtungen Schwärmenden prophezeit war. Lasst man den neuen Einrich- 
tungen die gehörige Zeit sich auszubilden, so werden die guten Folgen 
nicht nur in diesen, sondern auch in andern Punkten sich zeigen. Jedenfalls 
werden die Professuren in Prag und Wien auch für Solche, die an betrdcht* 
liehe Honorareinnahmen auf andern Universitäten gewöhnt worden sind, appetit- 
lich werden, -r Der vom Unterrichtsministerium an den akademischen Senat der 
Universität Prag gerichtete Erlass über die* Enthebung des Professors der Philo- 
sophie Hanns (Hanusch) vom Lehramte besagt: „Der Grundseiner Enthebung 
liegt lediglich in dem Umstand, dass, wie die Erfahrung thatsächlich beweist, die 
Schule, welcher er sich angeschlossen hat, sowohl durch ihre Grundideen als 
durch die Art und Weise, wie sie bei deren Entwicklung zu Werke geht, wesent- 
lich zu jenen destructiven Tendenzen beigetragen hat, deren für den christlichen 
Glauben und für den Staat verderblicher Einfluss in den jüngsten Ereignissen 
offenbar geworden ist. Das philosophische System der HegePscben Schule, 
welches nicht sowohl an ein klares, besonnenes Denken gewöhnt als viel- 
mehr die Phantasie in eigenthümlicher Weise in Anspruch nimmt, stellt gleich- 
wohl seine Resultate in so apodiktischer Weise hin, dass sich dabei die noth- 
wendigen Gränzen der wissenschaftlichen Forschung schwer oder gar nicht 
mehr erkennen lassen. Die Gefahren, welche hieraus für die in den öffentlichen 
Vorträgen Belehrung suchende Jugend entstehen, begründen die Nothwendig- 
keit, mit Entschiedenheit auszusprechen, dass ein solcher Vorgang bei dem Un- 
terricht in der Philosophie an den österreichischen Universitäten nicht stattfin- 
den darf, zumal so lange jene Schule in unmittelbaren Beziehungen zu den 
praktischen Verirrungen der Gegenwart steht, und ihr System noch nicht, 
wie so manches ihm vorangegangene, eine nur historische Geltung erlangt 
hat. Dass durch die allerhöchste Entschliessung Sr. Ma}. dem Professor 
Hanns, ohne ihm vorderhand eine andere Bestimmung zu geben, der Genuss 
seines bisherigen Gehalts belassen worden ist, wird zum Beweise dienen, 
dass die Nothwendigkeit, ihn von dem Lehramt zu entheben, ihm nicht zum 
Vorwurf gemacht wird." — Hanns war früher (vor 1848) Professor der 
Phflosophie inLemberg, dann in OlrAütz; er gab ein Werk über den slavischen 
Mythus, eine Geschichte der Philosophie und einige kleinere . philosophische 
Werke, letztere in böhmischer Sprache, heraus; er hielt Vorträge theils in 
deutscher theils in böhmischer Sprache. Sein Nachfolger ist, wie schon im 

Äkadem. Monatitehrift. April 1858. 35 



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19^ Allgemeine Corre«pondenz. 

Mardiefte (S. 144) erwähnt wurde, Dr. Robert Zimmermann, bisher ausser- 
ordentlicher Professor in Olmätz, ein ausgezeichneter Denker, dessen Werk 
über Leibniz's^ Monadologie den in Kopenhagen ausgeschriebenen Preis 
erhielt und der kurzlich eine ausgezeichnete Schrift: „Das Rechtsprincip bei 
Leibniz. Ein Beitrag zur Geschichte der Rechtsphilosophie. Wien (Brau- 
möller) 1852" publicirt hat. 

Aus Grätz haben wir im Mdrzheft die Frequenz der Universität für die 
allgemeinen Tabellen mitgetheilt. Von den 94 Theologen sind 71 ordent- 
liche und 9 ausserordentliche Hörer aus Steiermark, 1 ordentlicher aus Öster- 
reich, 1 ordentlicher aus Tyrol, 6 ordentliche und 2 ausserordentliche aus 
Böhmen, 1 ordentlicher und 1 ausserordentlicher aus Mahren, 2 ausserordent- 
liche aus Ungarn. Von den 284 Juristen sind 129 ordentliche und 15 ausser- 
ordentliche aus Steiermark, 6 ordentlichi^ aus Österreich, 25 ordentliche 
und 1 ausserordentlicher aus Kämthen, 25 ordentliche ausKrain, 5 ausTriest, 
17 aus Görz, Gradiska und Istrien, 17 aus Dalmatien, 14 aus dem lombar- 
disch-venetianischen Königreich, 6 aus Tyrol, 15 aus Salzburg, 5 aus Böhmen, 
3 aus Mähren, 2 aus Schlesien, 2 aus Galizien, 9 ordentliche und 2 ausser- 
ordentliche aus Croatien, Slavonien, Wojewodina mit dem Temescber Banale, 

I ordentlicher aus dem Grossherzogthum Baden, 1 ordentlicher aus dem 
Grossherzogthum Hessen. Von den 29 Philosophen sind 6 ordentliche 
und 1 ausserordentlicher aus Steiermark, 1 ausserordentlicher aus Österreich, 
6 ordentliche und 2 ausserordentliche aus Kämthen, 1 ordentlicher aus Mähren, 

II ausserordentliche aus Croatien, Slavonien, Wojewodina mit dem Temescher 
Banate' Eine medicinische Facnität besteht bekanntlich nicht mehr in Grätz, 
sondern nur ein. medicinisch-chfrurgisehes Studium, das nicht zur Universi- 
tät zählt. 

In Wien, ist man gegenwärtig mit der Instandsetzung der von dem 
Kaiser genehmigten meteorologischen Reichsanstalt beschäftigt. Wie man 
vernimmt, soll mr sie eine passende Localität in der Vorstadt Wieden nächst 
dem Tberesianum, wo sich bekanntlich seit 1849 die Universität befindet, 
aufgefunden und in derselben innerhalb eines zu diesem Zwecke zu errich- 
tenden Neubaus auch die k. k. Sternwarte untergebracht werden. Man ist 
aus diesen für dauernde Zustände getroffenen Einleitungen übrigens zu dem, 
entgegenstehenden Gerüchten widersprechenden Schlüsse berechtigt, dass es 
nicht beabsichtigt sei, die Universität aus dem Tberesianum wegzu verlegen. — 
Am 2. März wurde Oberst v. Platzer als neu ernannter Director des poly- 
technischen Instituts durch den Unterrstaatssecretär des Unterrichtsministeriums, 
Dr. Belfert, förmlich installirt. Der feierlichen Einfuhrung wohnten sämmt- 
liche Professoren und Docenten und ein grosser Theil der Besucher der dortigen 
Collegien h4L — Professor Kopp aus Zürich soll den ihm angetragenen 
Lehrstuhl der Geschichte an der Universität mit Berufung auf sein vorge- 
rücktes Alter abgelehnt haben. 

Die Universität Lemberg war lange Zeit nur stiefmütterlich behandelt 
worden. In den lelzt vergangenen Jahren vermehrte sich der Lehrstand an 
derselben um ein Bedeutendes, und durch die noch immer fortdauernden 
Erwerbungen für dieselbe ist ihre Stellung unter den österreichischen Uni- 
versitäten für die Zukunft gesichert. 

Ober die schweizerischen Hochschulen bringt die Nationalzeitang 
folgende statistische Notizen : Die Zahl der Vorlesungen an der theologischen 
Facultät beträgt in Basel 21, in Bern 16, in Zürich 24; an der Juristiscben 
in Basel 8, in Bern 6, in Zürich 27; an der medicinischen in Basel 25, in 



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Allgemeine Correspondenz. 195 

Zürich 33, in Bern 39 (wovon 15 auf die Tirierheilltande kommen); an der 
pliilosophischen endlich in Basel 30, in Bern 37, in Zürich 62. IMc Zahl 
der akademischen Lehrer vertheilt sich folgendermassen : Theologie : Basel 7, 
Bern 6, Zürich 8; Jos: Basel 4, Bern 3, Znrich 11; Medicin: Basel 12, Bern 14 
(wovon 4 Veterinärs), Zürich 11; eigentliche Philosophie: Basel 1, Bern 2, 
Zürich 3; Sprachen und Literatur: Basel 8, Bern 4, Zürich 6; Geschichte: 
Basel 4, Bern 1, Zürich 6; Mathematik: Basel 3, Rern 3, Zürich 2; Natur- 
wissenschaften: Basel 2, Bern 4, Zürich 7; endlich schöne Künste: Bern 1. 

Die florentinische Universität, welche jetzt zwischen Pisa und 
Siena getheilt ist, kostet jährlich gegen 110,000 Conv.-Gulden. Wir haben 
seiner Zeit über diese Zertheilung der Universität berichtet. Der Magistrat 
von Pisa wollte dem verstorbenen Erzbischof Pavetti, der noch auf seinem. 
Todtenbette grossen Schmerz über die Dismembration der Universität geäussert 
hatte, eine Grabscbrift setzen, folgenden Inhalts : „Er vertheidigte die Rechte 
der Universität, und verzweifelte nicht auf seinem Sterbelager, dass die Ver- 
dienste im Laufe von sieben Jahrhunderten und der Ruhm, den die Universität 
auf Toscana und ganz Italien gehäuft, ihr Fortbestehen sichern niüssten.*^ 
Die Regierung hat die Ausführung dieses Vorhabens des Magistrats untersagt. 

Aus Strasburg lesen wir, dass die Frequenz der dortigen Hoch- 
schule in diesem Augenblicke .wieder im Zunehmen sei. Einige ihrer 
bedeutendsten Lehrer, welche nach Paris wandern sollten, sind ihr erhalten 
geblieben. So namentlich Sedillot, dessen Ruf in und ausser Frankreich 
Fortwährend wächst. Seine neueste Schrift: ^J)es Regles de tappUcatUm 
du Chloroforme anx (yp&ratiofiis cMrurgical€s''y welche so verdientes Auf- 
sehen erregt, und die sich an einen in Strasburg stattgefundenen Process 
sinknüpft, wird nun auch ins Englische übersetzt. 

Aus Paris enthält der Moniteur vom 10. März das lange erwartete 
Decret über den öffentlichen Unterricht. Es giebt als seinen Zweck 
nur den an, schon jetzt Ordnung und Hierarchie in der Lehrkörperschaft 
wiederherzustellen, und stellt die Reorganisation des öiTentlicben Unterrichts 
durch ein Gesetz (also mit Zuziehung des Staatsraths und der Kammern) 
in Aussicht. Das Decret befasst sich mit drei Hauptgegenständen : der ober- 
sten Behörde des öffentlichen Unterrichts, dem obersten Unterrichtsrath und 
den Generalinspectoren des öfientlichen Unterrichts. Die oberste Behörde 
ist der Präsident der Republik selbst, der auf den Vorschlag des Unterrichts- 
ministers die Mitglieder des Unterrichtsraths, die General -Inspecloren, die 
Rcctoren, die Professoren der Facultäten, sowie des College de France, des 
naturwissenschaftlichen Unterrichts im Jardin des Plantes, der Schule für 
lebende orientalische Sprachen, die Mitglieder des Längen-Büreau's und der 
Sternwarten zu Paris und Marseille, sowie die Administratoren und Conser- 
valoren der öffentlichen Bibliotheken, also alle höhern Stufen auf der Leiter 
der Unterrichtsbeamten besetzt und absetzt. Bei Ernennung der Professoren 
ist den Anstalten selbst zwar ein Präsentationsrecht zugestanden, der Unter- 
richtsminister ist aber bei seinem Vorschlag nicht daran gebunden. Andre 
Ernennungen in diesem Departement erfolgen mittelst präsidentschafllicher 
Vollmacht durch den Minister, der seinerseits die Rectoren der Departemental- 
Akademieen zur Ernennung der Gemeindelehrer nach eingeholtem Gutachten 
der Gemeinderäthe bevollmöchtigt. Die Mitglieder des höhern Unterrichts 
können nur durch ein Decret des Präsidenten der Republik abgesetzt werden ; 
der Unterrichtsminister kann sie dagegen mit Verweis, Censur, Versetzung 
und Suspension mit oder ohne Gebaltsentziehung bestrafen. Dieselben Strafen, 

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t96 Allgemeine Correspoudenz. 

$0 wie auch die Absetzung kann d^r Unterrichtsmimstar ober die Mitglieder 
des mittlem (Gymnasial-) Unterrichts verhängen. Der oberste Unter- 
ricbtsrath besteht aus drei Senatoren, drei Staatsrathen, funfErzbiscböfe'n 
oder Bischöfen 9 drei Mitgliedern des Cassationshofs, fünf Hitgliedern des 
Instituts von Frankreich, acht Generalinspectoren und zwei Mitgliedern des 
unabhängigen Lehrerslandes, im Ganzen 29 Mitgliedern, die auf ein Jahr 
ernannt sind und sich mindestens zweimal jährlich unter dem Vorsitz de$ Unter- 
richtsministers versammeln. Hit der Beaufsichtigung, der höhern und mittlem 
.Unterrichtsanstalten des Staates, so wie auch unabhängiger Unterrichts- 
anstalten sind 14 Generalinspectoren (& insbesondere für die hohem, 6 insfre- 
sondere für die mittlem) beauftragt und 2 dessgleichen für den Elementar- 
unterricht. In dringlichen Fällen können auch die Akademierectoren die 
Suspension verhängen. Alle vom Staat besoldeten Professoren, Gelehrte und 
Künstler können nur zwei nicht unentgeltliche Stellen vereinigen, deren Er- 
trag sich bis auf 20,000 Fr. erheben kann. Zuletzt enthält das Decret noch 
folgende Bestimmung: Der oberste Unterrichtsrath wird in seiner nächsten 
Session einen neuen Studieiiplan berathen. — Gleichzeitig bringt derMoniteur 
schon das Personal der neu organisirten Behörden. Wie daraus ersicht- 
lich ist, sind dem kirchlichen Element, das decretmässig nur 5 Stellen im 
obersten Unterrichtsrath hat, gleichwohl noch 2 Stellen factisch eingeräumt, 
die ihm freilich ebenso wieder entzogen werden können. Besonders stark 
sind die mathematischen und Naturwissenschaften vertreten, die bis ein 
Vierlei der SleHen zählen. Zum Vicepräsidenten ist der bekannte Chemiker 
Dumas bezeichnet. Unter den 16 Generalinspectoren befinden sich zwei 
Geistliche, der eine für den wichtigen Kreis des Elementarunterrichts. Der 
Gehatt der Generalinspectoren ist auf 12,000, 10,000 und 8000 Franken 
festgesetzt. Von bekannten Persönlichkeiten befinden sich unter den Er- 
nannten Troplong, Baroche, Charles Giraud, Michel Chevalier, die Erzbischöfe 
von Rheiras, Paris, Tours, die Bischöfe von Arras und Orleans, der Vice- 
präsident des israelitischen Centralconsistoriums Frank, Portalis, Delangle, 
St. Marc-Girardin, Leverrier, Nisard, Dumas, Thenard, Brogniart, Elie v. 
Beaumont u. s. f. — Der reorganisirte oberste Unterrichtsrath wurde bereits 
aufd<^n 15. März zuöiner ausserordentlichen Session einberufen. Wie ver- 
lautet, soll er über die beabsichtigte neue Einrichtung des Unterrichtswesens 
zu Rathe gezogen werden, da das Decret nur das Verhältniss der Regierung 
zu den Lehrbeamten geregelt hat. Das Decret hat gleichwohl trotz seines 
beschränkten Inhalts in den politischen Kreisen grosse Sensation erregt. Die 
aufgehobene Unabsetzbarkeit der Professoren der höchsten Unterrichts- 
anstalten, das zu einer blossen Formalität herabgesetzte Vorschlagsrecht, da, 
wie der Constitutionnel erläuternd bemerkt, der Präsident der Republik unter 
allen Umständen doch ernennen kann wen er will, und überhaupt die ab- 
solute und allgemeine Unterordnung aller Unterrichtsbeamten unter den 
Minister und den Präsidenten der Republik werden als ein neuer Schritt in 
der consequenten Ausführung des auf die sämmtlichen Staatsdiener gerich- 
teten strengen Subordinationssystems betrachtet, der dem Decret über die 
Justizbeamten vollkommen entspricht. Andrerseits werden auch die Personal- 
veränderungen im obersten Unterrichtsrath eifrig discutirt, da sie die Stellung 
erkennen lassen, die der Präsident der Republik zwischen der Universität 
und der kirchlichen Partei einzunehmen gesonnen ist. In dieser Hinsicht 
bestätigt es sich, dass die kirchliche Partei keinen Grund hatte, die Mass- 
regel mit besonderm Vertrauen zu erwarten, wesshalb auch ihr Blatt, das 



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Personal - Notizen . 197 

Univers, nichts zum Lobe derselben sagt und sich für das organische Ge- 
setz auf die Kammern vertröstet. Die Assembl^e nationale will nicht ein- 
mal begreifen, wesshalb überhaupt die permanente Abtheilung des bisherigen 
Unterrichtsraths, der in demselben die Universität vertritt, unterdrückt wor- 
den sei, da ihr Geist in den neuen Ernennungen zum Unterrichtsrath sich 
vollständig wiederfinde. Kein Wunder ist es daher, dass das Journal des 
D^bats seinerseits denselben gegenüber keine böse Miene macht und sich 
auf Betrachtungen über die erstcre Seite des Decrets, die es eine sehr 
ernste Neuerung nennt, beschränkt. Die Ernennungen zum Unterrichtsrath 
sind eine indirecte Entsetzung der unliebsamen Herren Thiers, Dupin, La- 
plagne-Barras, Cousin d;c. — Übrigens ist im Decret selbst bei Bildung des 
Unterrichtsrathes das Princip der Gleichheit aller anerkannten Confessionen, 
wie das letzte Gesetz es aufgestellt hatte, unbeachtet gewesen. Später 
indessen ist dieser Mangel geheilt worden, indem die Vertreter des prote- 
stantischen und israelitischen Consistoriums in den Unterrichtsrath ernannt sind. 

Der Plan, eine rein katholische Universität für Irland zu errichten, schien 
fast verschollen, als Dr. Paul CuUen, der katholische Primas von Irland, 
als Vorsitzender der bezüglichen Commitee bekannt machte, dass bereits 
30,000 Pf. St. beisammen seien, zugleich diejenigen Pfarreien, die mit ihren 
Beiträgen noch im Ruckstand sind, zur Zahlung ermahnte und namentlich 
die Geistlichkeit Irlands zur thätigen Unterstützung einlud. Diese Universität 
soll bekanntlich den von Sir Robert Peel gegründeten gemischten Collegien 
in Cork, Galway u. s. w. entgegentreten. 



V. 

Personal -Notizen. 



In Erlangeti wurde der bisherige Privatdoccnt der Rechte an der Uni- 
versität München Dr. Aloys Brinz in provisorischer Eigenschaft zumausser- 
ord. Professor an der Juristen facultät ernannt. — In Königsberg wurde der 
dortige ausserord. Prof. Dr. Helmholtz zum ordentlichen Professor der 
Physiologie in der medicinischen Facultät ernannt. 

In Giessen ist Prof. Wipperman definitiv ohne Pension entlassen 
worden. — In Jena ist dem Hofrath und Prof. Dr. Fein die (zum Zweck 
der Annahme einer Berufung nach Tübingen) erbetene Entlassung von seinen 
bisherigen Dienstesfunctionen gewährt worden. 

In München erhielt der Gonservator und ordentliche Professor der 
Anatomie Dr. E. Schneider das Ritterkreuz des griechischen Erlöserordens. 

In Tübingen starb am 28. März der ordentliche Professor der evange- 
lischen Theologie Dr. v. Schmid, Ritter des Ordens der Württembergischen 
Krone, 58 Jahre alt. 



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llniversitäts - Anzeiger. 



Im «UniversiUts-Anzciiger« werden Anxeii^ll aller Art^ welche die Umversi- 

taten betreffen, insbesondere alle amtlichen Erlasse, Verkündigungen, Vor- 
lesungsverzeichnisse etc., als Inserate (zu IV« Ngr.Jffir den Baum einer durch- 
laufenden Petit -Zeile) aufgenommen. 

Die VoriesiiunsflY^rsBeieiliitose erbitten wir uns im allgemeinen Interesse 
von allen Universitfiten, denen an ausgedehntester Bekanntwerdung derselben gelegen, 
rrgrl ntÜmi Ig vor Beginn jedes Semesters.. 

_ ZiMndimgeii ans Sihddeutselilaind am ktnesten dirert an üe 
iaction 4er A» 1H.-S. nach HTIlnBliiirgl 

Die VcriagstaBilus. 



Universität Berlin. 

Verzeichniss der Vorlesungen an der Friedrich- Wilhelms -UniversKüt zu 
Berlin im Sommerhalbjahre vom 19. April bis zum 15. August 1852. 

(Publica sind durch einen Stern, Privatissima durch zwei Sterne, Privatissima , welche gratü» 
gehalten werden^ durch drei Sterne bezeichnet) 
GoU€$gelahrtheU, ^Theolog. Encyklop. u. Methodologie, Hengstenberg. — ^Einleitung 
zur Philosoph. Theologie, Vatke. — Allgem. philosophische Theologie und Religionsgeschichte, 
derselbe. — Einleitung in sSmmtliche Bücher des A. T.» Ferd. Benary. — Dieselbe, 
Uhlemann. — Die Genesis, Hengstenberg. — Das Buch Hiob, F. Benary. — Die 
Psalmen, Vatke. — Jesaias, Uhlemann. — Denselben, PTeumann. — *Den Proph. Uosea, 
Benary. — * Ausgewählte Stflcke des Jeremias, Neumann. — ***Au8gewShlte Stücke des 
A. T., Peter mann, mit besonderer Berücksichtigung der hebrfiischen Grnmmatik, zum Ober- 
setzen n. Interpretiren. — 'Ausgewählte Capitel d. samaritanischen Penlateuch, Uhlemann. — 
Einleitung in das Neue Testament, Twesten. — Den Brief an die Römer, Hengstenberg. — 
Die keinem Paulinischen Briefe, Lehnerdt. — '*'Die Wunder des Herrn, Steinmeyer. — 
*Die bibl. Archäologie, Strauss. — Die bibl. Theologie beider Testamente, Nitzsch. ^ Der 
Kirchengesch. I. Tbl, Reuter. — H. Tbl. d. Kirchengesch., Piper. —Denselben, Reuter.— 
Die christliche Dogmengeschichte, Lehnerdt. — * Kirchliche Altertbfimer, Piper. — ^Die 
Hymnologie, Strauss. — '''Ein Repetitorium d. Kirchengeschichte, Lehnerdt. — Die Er- 
kifimng der Augsburgischen Confession, m. Einl. u. Excursen üb. d. symbolischen Gegensätze 
d. 16. Jahrb., Nitzsch. — Über die philosoph. Theologie oder die philosoph. Principien 
der Apologetik u. Dogmatik, Twesten. — *Die im Decalogus enthaltenen Grundideen der 



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1«9 

Nonllheologie, derselbe. — Homiletikf Nittfcb. ^ Derselbe «etat die homiletMieii 
ObangeB fort. — Kateebetifc, Strausf. -- 'Homiletische ObmigeB, derselbe. 

Reektsgelakrdieii, Encyklopädie u. Methodologie des Rechts, Heydemann. — Natarrecht 
nnd Rechtsphilosophie, Stahl n. Heydemakin. -^ Rdmische Rechtsgeschichte, Kellen — 
Dieselbe, Dirksen. — Dieselbe, 6 n ei st — lostitntionen nnd Antiquitüten des röm. Rechts, 
Keller. — Dieselben, Dirksen. — Desgleichen, Gneist. — Pandekten, Rudorff. ~ 
Familieorecht, derselbe. — Erbrecht, derselbe. — ^^Exegetische nnd praktische Übungen, 
Keller. — **Ein Pandektenprakticnm, Rndorff. — '«^in desgl., Schmidt. — *Den Pan- 
dekten-Titel nde origine juris« , Dirksen. — Deutsche ' Reichs- und Rechtsgeschichte, von 
Lancisolle, Richthofen u. Collmann. — *Das sSchsische Weichbild mit e. Einl. in 
die Gesch. der deutschen R.-Quellen des H. A., tob Daniels: — Deutsches Privatrecht mit 
Handels- u. Lehnrecht, Homeyer. — - * Wechselrecht, derselbe. — ^Bergrecht, von 
Daniels. — ^Handelsrecht mit Ausschluss des Wechselrechts, Richthofen. — Lehnrecht, 
von Daniels. — Dasselbe, Collmann. -- Deutsch. Staats- u. Fflrstenrecht, Heffter. — Allg. 
u. Deutsch. Staatsrecht, Collmann. — *Üb. Gesch. u. Wesen d. deutsch. Lend3tflnde, v. Lanci- 
zolle. -^ ^Frans. Staats- u. Gerichtsverftiss., Gneist. -^ Kirchenrecht, Stahl. — Erbrecht, 
derselbe. — Das Recht der evangelischen Kirche in Preussen, Richter. — ^'^Canooisti- 
sehe Übnngen, derselbe. — Criminalrecht, Bern er. — Dasselbe, Gneist. — Criminal- 
process, Bern er. — Denselben, Gneist.— *Den Code d*instrnction criminelle (französischen 
und rbeinischen Strafprocess), Berner. — Preossischen und gemeinen deutschen Civilprocess 
Heffter. — Deutschen gemeinen Civilprocess, mit R&cksicht auf die preussische und andere 
Gesetzgebungen, Keller. — ^Über den römischen Civilprocess und die Actionen, Keller.— 
^Summarischen, Executions- und Concurs-Process, Heffter. — Französischen Civilprocess, 
von Daniels. —-Völkerrecht, Heffter, Berner u. Collmann. — Preussisches Laodrechl, 
Oeydemann. — Dasselbe, von Daniels. — *Eine vergleichende Entwickelung des preus- 
sischen, mflrkischen und französischen Familien - und Erbrechts, Heydemann. — Ein Repe- 
titorium und Examinatorium der Pandekten nebst der Jnnern Geschichte des römischen Privat- 
rechts, Schmidt.'— Zu privatissime anzustellenden Repetitorien und Examinatorien Ober alle 
Rechtst heile erbietet sich derselbe. — Desgleichen Kohlstock. 

Heühmde. Allgemeine Geschichte der Heilkunde, ihre wichtigsten Grundzöge allmfihlig 
berücksichtigend, Ehrenberg. — Osteologie, Schlemm. — ^Anatomie der Sinnesorgane 
derselbe. — Geffiss- u. Nervenlehre, Peters. — Mikroskopische Anatomie des menschlichen 
Körpers mit Demonstrationen, derselbe. — Vergleichende ' Anatomie , Müller. — Patho- 
logische Anatomie, derselbe. — ** Pathologische Anatomie erlSutert durch mikroskopische 
Demonstrationen, Reinhardt. — *Cber die pathologischen Geschwülste, derselbe. — **Zoo- 
tomische und zoologische Obnngen, Peters. ~ Medicinische Naturgeschichte, mit Demonstra- 
tionen auf dem Museo, Schultz-Schultzenstein. — Specielle Physiologie des Menschen, 
mit Demonstrationen und Experimenten an Thieren, Möller. — '^^Physiologische Übungen 
im physiologischen Laboratorium, derselbe, gemeinschaftlich mit du Bois-Reymond. — 
Physiologie des Menschen, durch Beobachtungen und Experimente im organischen Observa- 
torium erlfiotert, Schultz-Schultzenstein. — Die zu den Vorlesungen gehörigen Beob- 
achtungen im organischen Observatorium wird derselbe in besondem Stunden anstellen. — 
^Physiologie der Zeugung, Hü II er. — '^Entwicklungsgeschichte des menschlichen Körpers, 
mit Demonstrationen, Remak. — Histologie, derselbe. — '''"'Histologische und embryologische 
Übungen, derselbe. — *Die feinere vergleichende Physiologie der Infusorien, Entozoen und 
schwieriger zu beobachtenden Formen anderer Thierclassen, Ehren borg. — Übungen im 
Gebrauche des Mikroskopes in Beziehung auf Physiologie privatim oder privatissime, derselbe.— 
Medicinische Botanik nnd Pflanzenphysiologie, in Verbindung mit Demonstrationen und Beob- 
achtongen, Schultz-Schultzenstein. — ^Botanische Excursionen, derselbe. — Arznei- 
mittellehre, Mitscberlich. — Über die aufregenden Arzneimittel, derselbe. — Receptir- 
kunst, Caspar. ~ Die dazu gehörigen praktischen pharmazeut. Übungen nnd Repetitionisn in 



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der Malaria med. werden in gesenderten Standen ieifafelifeilten. •» *Dii Lehre von dte Qiilen, 
durch Versuche erifiutert, Asehersoo. ^ Aoscultatioii und Peicnaskw und Diafnese der 
Brustkrankheiten, in Verhindung mit Übungen am Krankenbette in der CharH6, Traube. — 
**Ül)uiigen im Auscultiren u, Percutiren u. in der Diagnostik überhaupi für Geübtere, im. 
Charite-Krankenh., derselbe. Prakt. Übungen in d. Auscultation u. Percussion, Ebert in 
vierwdchentlichen Cursen. — ^Allgemeine Diätetik, Ideler. — AUgem. Pathol« u. Therapie» 
mit erläut. Demonstrationen 4 besonders mikroskopischen, Simon. — Allgem- Pathologie und 
Therapie, mit Demonstrationen, Leubus eher. — Medicinisch-chirucg. Semioiik, La^e^ — 
Allgemeine medicinisch chirurgische Therapie, derselbe. — Der apeciellen Pathologie und 
Therapie zweiten Theil, Romberg. — ^^Repetitorien über specielle Pathologie und Therapie, 
Henoch. — *Dio Pathologie und Therapie der syphilitischen Krankheiten, Simon, --r- ^Cber 
die Kinderkrankheiten, Ebert. — Über die Krankheiten der Kinder, verbunden mit prakt. 
Übungen, Henoch. — Über die KrankheitjBn der weiblichen Geschlechtstheile, mit Vorföbrung 
wichtiger Fälle, Crede. — Allgemeine und apecicUe Chirurgie, Jüngkeu. ~ Specialle 
Chirurgie 9 Langenbeck. — Chirurgie, Troschel. — Allgemeine und specielle Chirurgie, 
Ascherson. — ^Chirurgische Diagnostik, Böhm, unter Anwendung geeigneter klinischer 
Falle. — .'''Über Verletzungen des menschlichen Körpers, Jüngken. -- *Über die K][ankbeiteB 
der Gelenke, Langenbeck. — *^Einen chirurgische^ Operations -Cnrsus, derselbe« — 
Operationslehre mit Übungen an Leichnamen, Böhm. — Lehre vom chirurgischen Verbände, 
Troschel. — Allgemeine und specielle Augenheilkunde, Angelstein. — *Dle Lehre von 
den wichtigsten Augenoperatiooen und deren Nachbehandlung, derselbe. ^ Chirurgisch- 
opbthalmiatrische und akiurgische Repetitionen mit praktischen Übungen an geeigneten Kranken, 
derselbe. — ^'^Zu einem praktischen Cursus sämmtUcher Augenoperationen erbietet sich 
derselbe. — Die praktisch -augenürztlicheu Übungen, Kranichfeld^ in seinem Privat- 
Institute. — Theoretische u. praktische Geburtskunde, Bus oh. ^- Theoretische und praktische 
Geburtsichre mit Anleitung zu geburtshulflichen Operationen, SchölJer. — Theoretische und 
praktische Geburtshülfe , mit Übungen am Phantome, Crede. — ^'^Z^ einem Cursus der 
geburtshulflichen Operationen, mit Übungen am Phantome, erbietet sich Busch. ~ *^EineD 
geburtshulflichen Operations -Cursus nebst Übungen am Phantom, Schöller.— *^£inea 
Cursus der geburtshulflichen Operationen mit Übungen am Phantome, Crede. -* Die 
medtcinische Klinik im Charit^- Krankenhause, Schönlein. — Die medicinisch -praktischen 
Übungen im königl. poliklinischen Institute der Universität, Romberg. — Die mediciniscb- 
klinischen Übungen im Charit6-> Krankenhause, Wolff. — Die Klinik für Chirurgie u. Augen- 
heilkunde im Charite -Krankenhause, Jüngken. — Die chirurgisch -augenärztliche Klinik im 
^önigl. klinischen Institute für Chirurgie und Augenheilkunde, Langenbeck. — Die geburls- 
hülflich -klinischen Übungen in der königl. Entbindungs -Anstalt der üniversitSt und in der 
geburtshölfiidien Poliklinik, Busch. — Geburtshülfliche Klinik im Charite-Kmnkenhause, 
Schmidt, in Veiliindung mit einem Operationscursus am Phantome. — Klinik und Poliklinik 
für kranke Kinder im Charite-Krankenbause, Ebert. <— Klinik der syphilitischen Krankheiten 
im Charit^ -Krankenhause, Simon. — Die klinischen Übungen an Geisteskranken im Charit^- 
Krankenhanse, Ideler. — Propfideutisch- klinische Übungen, Henoch. — Dieselben, Leu- 
bttscher. — Gerichtliche Medicin für Juristen und Mediciner, Casper. — Gerichtlich -medi- 
ciniscbes Praktikum, derselbe. — Gerichtliche Medicip f&r Mediciner und Juristen, mit 
praktischen Obangen, Nicolai. — »Ober HumanitStsanstalten , mit besonderer Rücksicht auf 
die Gegenwart, Schmidt. — *Über die Verffnderungen , welche gegohrene, berauschende 
FlSssigkeiteii erleiden, wenn sie e. höhern WSrmegrad ausgesetzt werden, Kranichfeld. — 
Theoretische und praktische Thierheilkunde für Cameralisten und Ökonomen, Reckleben.— 
Lehre von den Seuchen sfimmtl. Hausthiere, in Verbindung mit Veterinär-Polizei, derselbe. 

Phäosophitche Wisseiucka/Un. Allgemeine Einleitung in die Philosophie, Gruppe. **- 
Grundlinien der Encyklopädie der philosophischen WW., Althans, von einem nenen Stand- 
punkte. — Logik und Encyklopädie der philosopb. WW., Micbelet. — Logik, Gabler. — 



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l^lfik, TrentfjeYenbiirtr. — tofifc und Metapliysfk , mH krtl. Rttcki. auf d. bcdentendsfen 
iHtern irad neoefft pinlosoph. Sy^eme, Werde f. -* Logik u. Iletüphydlk, George. -^ Pmk- 
liiehe Philosophie oder «Hgemetne Ueobfi-, Siltetl- und Sbatilehre, Gabler. — !Taturrecht 
oder Reehlspbfloiophie, ▼ Hentiiiif. — Pfaturrecht mtd StaatawitseDschaft oder die Bechta- 
philOao|lMe, Michel et. ^ Psychohigie, Beneke. — *Die Natar und Ifeilan der Seelea- 
kranAih«ileii, psydielogfsdi entwickelt, Beneke. — PVdagogik und Didaktik, Beneke. -- 
6eadiieMe dei* deutschen Pfldagogik im 16. n. 17. Jhd , angeknQpft an das Leben des Wolf- 
gtng toofiehius, Mass mann. — Allgemeine Geschichte der Philosophie. Michelet. — Die- 
aelhei, Althaus. — Dieselbe, Helfferich. ^ Dieselbe, George. — Geschichte und Kritik 
der philosophisdien Systeme seit Kant, Trendelenburg. — *Die neuere Geschichte der 
PMIosophie von Kant an, George. ~ *Über Schelling^s Philosophie, Kirchner. — *ln den 
'philosophischen Übungen das aweite Buch der Physik des Aristoteles, Trendelenburg. 

Maihanalisehe Wisunsühaflen. 'Ausgewählte Capitel aus der Geometrie, Steiner. -^ Er- 
fVnterang der neuesten Methoden der synthetischen Geometrie, , derselbe. — *Ober die 
positiven, negativen und imaginären Grössen, Ohm. — Theorie der Reihen, Borchardt«*^ 
iintegral- und Variationsrechnung, u. als Einleitung e. kurze Obersicht d. Differentialrechnung 
Eisenstein. — Integral -Rechnung, Joachimsthal. "— Lehre von den besUmmtea Inte- 
gralen, Lejeune-Dirichlet — ^Einige Anwendgn. d. bestimmten Integrale, derselbe. -*- 
Analytische Statik, mit Anwenduugen, Ohm. ^ 'Lehre von der Parallaxe und ihrer Anwea*> 
dnng bei Sonnenfinsternissen u. Sternbedeckungen, Encke. — Sphfirische Astronomie u. über 
den Gebrauch einiger astronomischen Instrumente, derselbe. 

JimufwitHMekt^lm. EaperimoBtalpliysik, Dove. *- *OpCik, dar seihe. «^ ^ie Oesetze 
der Schwere und die Wärmelehre, Wiedeuianu. — ^Die Einriebiung der tleklriaeJMO Tele- 
graphen, Beetz. — Theoretische und praktische Anleitung zur Anstellung i^ographisober mnA 
physikalischer Beohachtungen, voczügUch bei Land- und See^^RBiseOy Ernan. — *Pbyaikftli» 
sehe Geographie, Poggendorf. — * Meteorologie , Schlagiotweit. --*. Einleitung io die 
medicioische Klimatologie» A. Schultz» ^ *Über die Heilsamkeit des Klimas Yo» Ilalie«, 
uamentlich Rons und Neapels, datselbe. — ^"^ Unterricht und praktische Übmigeii io de« 
einzelnen Zweigen der mathematischen Physik, Erroan. — ** Physikalisehe Colloqoia, Mag*- 
Dua. ~ Experimentalchemie, Mitscherlich. -^ Organischo Chjemie, mit bese«4erer Rück- 
sicht auf Pharmacia, Rose. -^ Pbaiinacie, Mitscherlich. *-^ Den ^oalilvtiveii Theil der 
analytischen Chemie, IL Rose. — Ein chemisches Collotiuiuni« Ramm eis borg. ^ Prakl- 
Übungen in analyt.-ohemisch. Arbeiten, derselbe, im Laboratorio. -*- Mineralogie, Weias« «^ 
' Mineralogische Chongen, derselbo. ^ Geognosie, G. Rose. **- Dieselho» Rpyricb. — * 
Geogoosie, verbunden mit der auf die Geognosie tiezliglichen Palfioatologia, Gump recht. <<«*> 
*Cber die Versteinerungen des Muschelkalks, Beyrich. -^ *Ge#gnostiseho Geographie von 
Deutschland, Gumprecht. --<- Allgemfsioe Zoologie, mit Demoostrationes in der soolagiachen 
Sammlung, Lichtenstein. - 'Naturgeschichte der Hausthiere, Störig, -^ *Ento«ioli«iei, 
Klug. — Dieselbe, Schaum. — 'Naturgeschichte der Krebse und Spionen, derselbe» -^ 
Allgemeine Anatomie oder Gewehelehre, Scholts. -^ Grundzflge der allgemeinen und apiO^ 
cielleu Botanik, Braun; er verbindet damit botanische DeoMnatratiooen n« Eseumionen. -«- 
*Die botanischen Systeme, derselbe. — Allgemeine und systematische Botaqik mit botani- 
schen Excursionen, Koch. — Allgemeine Botanik, Berg. — < Die ofTicin eilen GewSchse, der- 
selbe. — ^Botanische Excursionen, derselbe. — ^^Colloqoia i\ber Gegenstände nus den 
botanischen Fächern, derselbe. — Allgemeine Botanik, Walpers. —- Die im botanischen 
Garten cultivirten Pflanzen demoostrirt Walpers. — Über Medicioalpflanzen u. Drogueokunde, 
derselbe. — ^^Botaniscbe Bepetitorien, derselbe. — 'Über die geognostische Verbreitung 
der wichtigsten Culturpflanzen , Koch. -<- Anatomie, Entyvicklungsgeschichte und Physiologen 
dor Pflanzen, Pringsheim. — Botanische Physiologie unter Gebrauch des Mikroskops» Cas*> 
pary. — 'Mikroskopische Pharmakognosie, Walper»^ — Über Pflanzen der heil. SchriD^ 
üaspary. — Excursionen, derselbe. 

Akadea. ManmtMclirlft. Min 1869. M j 

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S08 

Staats ', Camtral' wd Geu>erbe-.Wi$teiuckaften» Die geMinnta StMitwiifeiiichptIt o^er 
Politik, PolizeiwiMenschaft u. Diplomatie, Riedel. ^ Staatsrecht u. StaateidLuode (Statistili) 
der europSischen Staateo, Glaser* ^ Staatsrecht u. Politik von Deutschland, d. i. bistorjscha 
Darstellung der D. Bundesverfassung und der Verrassungen und der politischen ZnstSode der 
einzelnen D. Staaten, Hirsch. — Staats wirthscbaft od. Nationalökonomie, W. Dieterici. — 
Nationalökonomie od. StaatswirthschafUlehre, lielwing. — Nationalökonomie, Glaser. -^ 
Finanzwi$senschaft, v. Henning. — Dieselbe, Helwing. — Dieselbe, Friedläniler. -» 
Volkswirlhschafl, derselbe. — •Geschichte des Industriesystems, derselbe. — Undwirth- 
schaftslehre für das Bedürfniss sowohl der Cameralisten als Okonomcin, Störig. -— Techno- 
logie erläutert durch Versuche, Magnus. — Chemische Technologie, Schuharth. — 'Aut- 
erwählte Abschnitte der chemischen Technologie, derselbe. —Polizeiwissenschaft od. Lehre 
von der innern Verwaltung, W. Dieterici. — Polizei Wissenschaft, Glaser. — *Camera- 
Hstifche Übungen, W. Dieterici. 

Geschichte und Geographie. Römische Geschichte, Ranke. — Geschichte des Mittelalten, 
Köpke. — Die Gesch. des Chalifats, Petermann. — Neuere Geschichte, v. Raumer.— 
Deutsche Geschichte, Wattenbach. — *Die Geschichte des Sächsischen Krieges von Bruoo, 
derselbe. — '^Geschichte der deutschen Hohen Schulen (Fortsetzung, von der Wieder^ 
erweckung d. Wissenschaften an), Massmann. — ^Allgemeine Einleitung in die Philosophie 
der Geschichte, in Verbind, mit e. Untersuchung d. socialen Theorien, Althaos. •— *Histor. 
Übungen, Ranke. — *Hislor. Üb., Hirsch. — Handschrift^nkunde, verb. mit unmittelb. Üb. 
im Lesen, Mass mann. — Alte Geographie u. Ethnographie, mit besond. Rücksicht auf KL-Asien, 
Griechenland und Italien, Curtius. -* Geographie und Ethnographie von Asien, Müller. — 
*{}het Geograf^hie von Africa nebst Geschiebte der africaniscben BntdecknngtreieeB , MO Her. 

KuHstiekre und Kmtsfgesehiehte. Philosophie der Kunst der Alten, Mfircker. — Allgem. 
Knnstfresdi., GakL«^ Gescti. der Baukunst bei den Griechen n. Römern, durch Kupferstiche 
und Zeichnungen erlflntert, GnhL— 'Begriff des Styls in der Kunst, Helfferich. — *Üfoer 
Rhetorik, MSrcker. — Poetik, mit einer Übersteht flb. d. Geschichte d. Poesie, Hotho. — 
Kunstmythologie, Gerhard. — Griechische Mythologie, derselbe. — Mythologische and 
•rdiilologiscbe ErUoterungen der* Tragödien des Sophokles, mit Hülfe antiker Bildwerke, 
Panofka. — Den zweiten Cnrsus der mythologischen Encyklopfidie (die Mythologie Eorops^s 
America'a and Anstralieos), Woll.heim da Fonseca. -— *Üher die Malerei der Alten, Tfil- 
ken. *-^ Geschichte der Baukunst, der Bildnerei und der Malerei, von den Auffingen dieser 
KUnste bis zum Jahr 1789, Waagen in encyklopfidischer Form, mit Vorlegung von Abbil- 
dungen und Herumführen in den verschiedenen Abtheilongen der Königl. Museen. ~ *Ober- , 
ficht der Geschichte der Baukunst, der Bildnefei und der Malerei, vom Jahre 1789 bis auf 
die jetzige Zeit, derselbe. — Geschichte und Grundsätze der griechischen Architectur, 
T^lken. — Ägyptische DenkmiHer, Lepsiüs. -^ ''^Archfio logische Übungen, Gerhard, -r^ 
, ^*Archfiologische Übungen, derselbe. — *Auserw§hlte Kunstdenkmfiler des KgL Museums, 
Panofka. — '*' Disputationen Ober Geschichte und Theorie der bildenden Künste, GuhL — 
Den zweiten Carsus der musicalischen Composilion (Formenlehre: Liedform , Figuratioo, 
Foge), Marx. — *Gesang, besonders kirchlichen, derselbe.'-- ** Unterweisung in alleo 
FScbern d. musioaL Composition, derselbe. 

Philologische Wissenschaften und Erklärung von Schri/istellem. Philosophie und Gescbicbte 
d. Sprache od. d. allgem. Theil d. Sprachwissensch., Heyse. — Philos.-hist. Sprachwissessdi., 
Steinthal. — *Ein sprachwissenschaftl. Conversatonum, mit besond. Berücksichtigung d. Werke 
Wtlh. V. Humboldts, derselbe. — D. Metrik d. Griechen u. Römer, Böckh. — D. Sophokles 
Antigene und Oedipus auf Kolonos, derselbe. — '''Die Erklärung der Reden des Tbucydi* 
des, Bekker, — *Den Tbeatet des Piaton, Gabler. — *Die Metaphysik des Aristoteles, 
Mi ekelet. — *Die Grundprincipien der Physik des Aristoteles, Mfircker. — Römisdie 
Literatorgeschichte Prof. Geppert. ~ Römische Alterthümer, Hertz. — Des Horatius Epodea 
«nd Oden, Meineke. — "'Den Heautontimorumenos des Terenz, Geppert. — ^Ausarleseaa 



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908 

(>edicbte d. Cftttttl,' ffayse. -^ ^An^^evrffhlte Gedichte de« Propertius u. Tibullos, Cortius.-» 
Die Aeneide des Virgil, Hertz. — Des Tacitus Historien, A. Benary. — ^'^Privatissima im 
Lateinischen und Griecfaisehfen, namentlich Fortsetzung der praktischen Obungen im Latein- 
ischreiben und im Erkiftren der Schriftsteller fQr diejenigen Stodirehden, die sich der Abitu- 
rientenprftfnng noch zu unterziehen haben, derselbe. — 'Philologische Obungen, Curtius. 
*Ober Leben und GebrSnche der alten Ägypter, Lepsins. — Ägyptische Grammatik, der* 
selbe. — *Au8gew8htle Stöcke rabbiniscfaer Sehrinen, je nach Wunsch theologischen oder 
grammatischen Inhalts, fQr Anringer nach e. Gipfeitung Ober neuhebr. Sprache, SteinthaL — 
^Arabische Sytitaz, Dieteriqi. — Grammatik der persischen Sprache, derselbe. — •'Ara- 
bische, persische und türkische Grammatik, mit praktischen Obungen in diesen Sprachen, 
Pietraszewski. — *Perslsche Grammatik u. die Werke d. Envari Subejii, derselbe. — 
TQrk. Grammatik u. Tarichi Raschid Efendi, derselbe. — Sanskrit- Grammatik, Bopp. — 
Sanskrit -Grammatik, Weber. — Zend - Grammatik , derselbe. — 'Geschichte d. vddischen 
Literatur, derselbe. — 'Auserlesene Hymnen^ des Rig-V6da, Bopp. — Stücke ans dem 
Veda, Weber. — Irgend ein indisches Drama,* derselbe. — Privatissima im Sanskrit, der- 
selbe. — Elienso, Benary. — ^Chinesische Sprache, Schott. — Finnische Sprache, mit 
Yorauageschickter Obersiebt der verwandten Sprachen, derselbe. — Vergleichende Gram« 
matik des Griechisrhen, Lateinischen und Deutschen, Bopp. — 'Geschichtliche und verglei- 
chende deuische Sprachlehre, v. d. Hagen. — 'Die Edda -Lieder von den Nibelungen, 
derselbe. — Alterthftmer des Mittelalters, vornSmIich der deutschen Kalender, Feste, Spiele, 
Sttten, Gebriiuche und Volksbücher, derselbe. — 'Ältere deutsche Literaturgeschitrhte, ver- 
bunden mit Lesung llterer deutscher Gedichte vom 8-14. Jhd., Massmann. — Erklärung 
goiliisdier, Altsicbsischer oder aUhochdeulscher Sprachdenkmäler, derselbe. — ^Den Wins- 
beken und die Windsbekin, ein Lehrgedicht aus dem 13. Jhd., mit einer Einleitung in die 
didaktische Poesie des Alillelalters, Wilh. Grimm. — Angelsächsische Grammatik und das 
Leaebucb v^n Ellmttller, Aufrecht. — 'Die Kormakstaga, derselbe. — 'Einige dänische 
Gedichte aas dem «Ganile Konge og Kfimpe Viser« nebst den skandinavischen Alterthämern, 
WoUbeim da Fonseca. — *Dio Geschichte der englischen Literatur von dgm siebenzehn- 
ten Mrknndert an, Solly in englischer Sprache} — Einen Cu^aus der englischen Sprache, 
derselbe. — Privatissima im Englischen, derselbe. — ^Ausgewählte Lieder der Trouba<- 
doqrs fikr Anfänger nach einer Einleitung über Provenzatiscbe Sprache und Literatur, Stein- 
thaL — 'Die Geschichte der itaHenischen. Literatur in italienischer Sprache, Fabbrucci. — 
Tasao's befreites Jerusalem, derselbe, nach einigen Nachrichten über die epische Dicht- 
knuft der Italiener, besonders vor Tasso. — Privatissima im Italienischen und Französischen, 
derarlbe» — *Morc|to's Schauspiel »El vaiieüte justiciero y el rieo hombre de.Alcala«, - 
Frnnceson. ^ Privatiaaima im Französischen, Italienischen und Spanischen, derselbe. — 
AUalawisclie Grammatik, Cybulski. — *Das altslawiscJie Gedicht »Igor<«, derselbe. — 
Privatiflsima im Polnischen, Bdhnjus^en, Russischen u. Serbischen, derselbe. — "Die orieo- 
taliacben« romanischen, scandinauschen Sprachen, so wie das Holländische, Englische und 
Neugriechische, Wo 11 he im da Fonseca. — 'Über die Lehre von der stenographischen Be- 
xeicbnung der Fremdwörter, Michaelis. — Einen mit praktischen Obungen verbundenen 
Cursua der deutschen Stenographie, dersc^lbe^ — **Cursus in der englischen Phonographie, 
deraeibe. 

f LciU$'*Üb9mffm. Fechten, Herta L -* Fechten u. Volligiren, allgem.Leibes-Obungen, ind. 
Eiaelcnse^en Turn-AnsiaU. ^ Tansunterricbt, Hag enteister. — Reiten, Furstenberg, 
welcher aasserdem fiber das Eidterieup des Pferdes Vorträge. hält. 

ÖffmOiekegeMtrle AiutalUm. Die königl. Bibliothek fiebsl der Uoiversitäts-Bibliolbelc 
iatr«imi Gnbninche der Studirendcn täglich ollen. — Die Sternwarte, der botanische Garten, 
dto «naloiniaelii», aootomisohe und zoologische Alnseom, das Mineraliencabinet,. die Sammlung 
cbinirg. Inaltamebte n. Bandagen, d. pl^sik.. Apparat, d. phnrmakol. Sammlung, d. chrisU.-» 
ü ehi ot uSamaA |l. Uiiivf müt, d. Kunatmiifeum, d. SamQiluflg von GyptabgQaaen u, a. w. werde« 

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9M 

bei 4ftfc Vorletiui^ii bQDUtal und ikAnneii T«n Slxidmmiitin^ 4ie sich gviidrii^aB Ort^ nuMwh 
besucht werdca. — Die exegetischen Übungen des iheoJogischeu Seminars l^itelt in Bemhuuf 
auf das N. T. Twesten, ia Besiehung auf daa A. T. Uengstenherg; die kircben- ond 
dogmengescbichtlicben Lehnerdt. — För das Studium der Medicio und Chirurgie bestehen 
das anatomische Theater und das physiologische Laboiratorium, die med idni^ch- chirurgische 
polikhnische Anstalt im Locale des Universitätsklinikums» das Klinikum für . Chirurgie usd 
Augenheilkunde ebendas., das geburtshfllflicb^ Klinikum der Universitüt .nebst der damit ver* 
btindeoen geburtshölflicben Poliklinik, und die fur UniversitSt gehOirenden klinischen Anstalten 
des Cha rite- Krankenhauses y nSmIich die medicinische Klinik zum piekti^cben Studium filr 
promovirende Äizte, die medicinische Klinik zum praktischen Studium für nicht promovirende 
Ärzte und Wundärzte, das chirurgische und operative Klinikum^ das Klinikum für die AngeA- 
heilknnde und Ausbildung künftiger Augenärzte, das Klinikum für Behandlung syphilitischer 
Kranken, das Klinikum für Geburlshülfe und Behandlung der Wöchnerinnen und neugeboruea 
Kinder; endlich das Institut für die praktischeu Chungen in der gerichtlichen Medicin im 
Charite Krankenhause, s. Vorlesungep. — Im .philologischen Seminar wird Böckh den Thu* 
cydides erkifiren lassen und die übrigen Übungen leiten. ^ Im philologischen Seminar wird 
Hertz Livius erkifiren lassen. 



Oniversität Breslau. 

Terzeichniss der auf der Universittt Breslau im Sommer -Semester iBS/t 
vom 19. April an zu haltenden Vorlesungen. 

(Die mit * beaeichneten Vorlesanaen werden Öffentlich eder unentgetttiehgeballett.) 
Theologie. — A. Etangelisehe PacuUdl. *Diipulatorfmn Ober theologische GegeMtSntle, 
Slonnabend um 8 Ühr, Hr. Prof. Dr. Schulz. ^ Eneyklopfidie der Theologie, IHentag*, 
Dienstag, Donnerstag und Freilag um 12 Öhr, Hr. Prof. Lic. RSbiger. — EinteiHittg iaTa 
Neue Testament, viermal wöthentl. um -8 Uhr, Hr. Prof. Dr. Schulz. •— Kritik und Herme* 
heutik des Neuen Testaments, Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag um 8 ühr, Hr. Lic. 
Hahn. — Erklärung der Psalmen, fünfmal wöchentl. um t\ Uhr, Hr. Prof. Dr. Dehler. — 
ErklKrungen der Weissagungen des Jesaias, fünfmal wöchentl. um It Uhr, Iffr. Prof. 
Dr. llf iddeldorpf. ^ Erkifirnng des Evangeliums des Mattliflus, fOnfmat wöchentl. um fflf 
Ohr, Derselbe. ~ Erklärung der zweiten Hfilfte der Paulinischen Driefe an dfe ftlOmer; 
Ephesier, Kolosser, an Philemon uud an die Pirillpper, fttnfmat w^lchentf. um 9 Uhr, Hr Frefl 
Dr. Schulz. — Erkifirong der Pastoralbriefe, Montag, Dienstag, Donnerstag und Breitag um 
7 Uhr, Hr. Prof. Dr. Gaup^. — * Erklärung des Briefes an dfe Hebräer, Mittwoch und Sonn- 
abend um 12 Uhr, Hr. Prof. Lic. Rä biger. — Den ersten Theil 6tr Kirchen »> Geschichte, 
Montag, Dienstag und Mittwoch um 3 Uhr, Hr. Prof. Dr. Böhmer — Dea iweiteir 7heit 
der Kirchen -Geschichte, sechsmal wÖchentL um 7 Uhr, Hr. Lic. Rhode. ^ ^Kirchen- 
Geschichte d. neunzehnten Jahrhunderts, Mittwoch u. Sonnabend ia noch zu bestimm. Stunden, 
Derselbe. — Dugmatik, fünfmal wöchentl. um 10 Uhr, Hr^ Prüf. Dr. Dehler. -^ The6^ 
logische Ethik mit RidsHaht- auf' seki Buch: die Wissenschaft dea ohrtstlieben LebtM, nach 
fiegrifl. Form und ]1kiiAwendigkeit,Doiiparstag, Freitag und SoMMtoeiid «n 3U&r, Na. PraC! 
Dr. Böhmer. -^ .Praktische Tkealagie, enler und düdtler Vbeilv Lüorgik «od Lehua i«« 
itrelienregiment, Nonllig, Dienstag, Douiiarstag, Freitag und Sonnabend um 8 UIn*, Hr. Prof. 
Dr. Gaupp. — ^heelogisdies Seminar: Exegetisch - kritisehe Obungen Aber dia» Alte fMta- 
ment, Sonna^nd am It Uhr, Hr. Prof. Dr. Middeldorplr dieaelben aller daa Hea* 
Testament, Mittwoch um 9 Übt;» Nr. Prof. D#' Seh«la$ WrdiehgaicbidMMabti Obragen, 
SoaoaNttd um 4 Uhr« H«.. Prof; Dr. Böbmar; dogmengMcbicIMteiia CUiügatt, 



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wm S UImt« Mn ftaft Di». Citopp^ ^imoIImii, SmiiiiImiM wii • Uhr, ITr. frof. thi €«fll«rt 
IwlHliiitiiBln Obaagm» j» imth- ko hiMÜnliMaier ^IMfi«, Dercelb«. 

1^. Ka^oHtike FttcuMU, Poritl?« Priiicipreiitehre als fortgesettte Efnteflung in die gesammt« 
Tbeöloi^^ lioAtifg, ITietiniig, FfeiUift u. Soitnabend v. 12 -\ Uhr, Hr. Prof. Dr. Ballier. — 
'ffritUtbe Geschidite^ iter bdii^mi Btichef (^b Alten Te«ta»ienlfi, aweimal wdchentL ron 7—9 
Uhr, Hr. Phff. Ih. Mover». — '^'Exegetlscb« Obuogen Im Alten Testament, im theoto^isdieli 
S^iiihian Iffenta^ und Dien^tng von 7-8 Uhr, Derselbe. — Hermeneiilik , erltntert durch 
ErklCrung scbwierifper Stellen der beiligen Si-hrifl, ÜienAlas, DoDocr^tiig uml Preitfif T9S 4—5 
Uhr« ilr. Prof. lic. Stern. — Erklfirung der Psalmen aweiter TbeM, Moiitafi Dienstng, Doih 
nerstag und Freitag von 7-8 Uhr, Hr. Prof. Dr. Movers. *- *firkUrung- schwerer Stellen 
aus d, AposteljEeschicbte, Freitag u Sonnabend von 10-11 Uhr,. Hr. Prof. Dr, Friedlieb. «<« 
* Exegetische Obungen im Neuen Testament,. Mittwoch von 4—6 Uhr, Deraelbe -« CrJilir« 
des HebrSerbriefes und des ersten der katholisdien Briefe, Montag, Dienstag, Mittwoch und 
Donnerstag von 10—11 Uhr, Derselbe. — '^Erhlirnog des Römerbriefes, Hontag, Dienstag 
und Fieitag von 5 — 6 Uhr, Hr. Prof« Dr. Ritter. •— Der christlichen Kirchen -Geschickle 
erster Theil bis lu Karl dem Grossen, CQnfmal wöchentlich von 4—5 Uhr, Derselbe ^ Der 
Kirchen -Geschichte gweiter Theii nach dem Haodbuche von Dr. Joseph Ignn« Ritter« Monlag^ 
Dienalag« Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 11—12 Uhr, Hr. l^r. Reinkeas, — *Fortv 
letsnng der christlichen AfchSologie, Montag und Mittwoch von 4 — 5 Uhr, Hiv Prof. Lio. 
Stern, — * Erklärung des siebenten Buches der Kirchen «Geschidite de» EuseUus in der 
historischen AbtheiUing de» Königl. theologi^ohen Seminars, MiUwoch und Freileg von 5>*6 
Uhr, Hr. Prof Dr. Ritter. — *firklArung der Augustinischen Stadt Gotte« l2. ^nd IB. Buch 
in der dogmatischen Abtbeilung des Königl* theologischen Seminars | Dienstag von 4—6 Uhr^ 
Hr. Prof. Dr. Baltser. — Erklfirung des Concils von Trieot in seinen dogmatischen Haupt- 
stücken, Montag und Dienstag von 11 — 12 Uhr, Hr. Prof. Dr. Bittner. — "^Dogmetik dritter. 
Theil bis iur Gnadenlehre » MiUwoch und Sonnabend von 12 -<1 Uhr und Dienstag von 3—4 
Uhr, Hr. Prof. Dr. Baltzer. — ^Einleitung in die katholische Moraltheologie « Montag, Mitt- 
woch und Freitag von 9-rlO Uhr, Hr. Prof. Dr. Bittner. — '^''Repetitorium über die geaammte 
Moraltbeologie, 51itlwoch^ 'Donnerstag* und Freitag von 11 — 12 Uhr, Derselbe. -- '^'Auft- 
gewählte Abschnitte der praktischen Theologie, tSglich, aiisser Sonnabend, von 9«— 10 Uhr» - 
Hr. Profi Dr. Pohl. — *Repetitorium über praktische Theologie, Donnerstag von 3—4 Uhr^ 
Hr. Prof. Dr. Pohl. -^ Homiletik, Montag, Mittwoch und Freilag von 3— 4 Uhr, Derselb«.-- 
*PastoraIjurisprudenz, Dbnnerat^ji;, Freitag und Sonnabend von 7—8 Uhr, Hr. Prof. Dr< Gitaler 

Die Ohui^en im Königl. katholisch «theologisphen $emilier leiten die üecroA ProlMaorfip^ 
DD. Ritter, BaJiser, Moviar^'und Friedliieb. 

JkeetanMmaeln/t £Aeyklo|iCdie ond BMnedologie dcv RMklawiesewMbidlv tigKcl» a«ner 
DoMiiilagv«!! li-^ia Uhr und BoMeratag von 9^10 Uhr, ».Prof. Dr. Wild«, - NMor«* 
vokt oder RschAsphltotOfHie, tfigliefa, «usaer Mittwoch, von 10^ 11 tthir, Rr. Dr. Bhel»»y. ^ 
*fifliMBimit0iitiiili Aber Nntamcht in noch su faeatimnender Srtnde, Hr* Peo& Dr. AJnrgg^ -* 
Otatfcicht». mtA hwüMioiien des Römiseheo Rechte, tfigUch vdo .10—12 Uhr, Hr. Prefl 
Dir. GiliJeiu -^ *€bMMlM de« Riörokclien CrJmiwihwfehpenft, Dienelag und Mittwoch vw 
%^%'\Ms Depo«! bei -^ «Gesefaichte des Römiedien Givihredfihreni , Donoerttag u. Frfeitaf 
rmk 6h^ mir, D«ts«lhe. — Pandekten mit AnsscMlisa liea Feeaowes-« und Pfamtraehta, tS^ 
Kek von 8^10 Uhr, Hn f f«fj Dn Kmcfake. -- Brhfvcht; Montag, Diensbg, Mittwoch «ii 
SiMMnUf M 12-^1 Uhry Derse4b)9. «^ '•'Pfandredbt, Fi^itag «nd Sommbeodi von 12- i 
Uhr, Dersell^e. ^ «Pereenenreehl« Moiitag, Diensldg tmd MKewoeh von 7^8i Uhr, Ife. frofr 
Dr.^iitKieek h« Deutacbe Stnatsu und Reeblsgesohiitfate, ftnfkmii wöchentl. von lO-^llUh^' 
Ha»>Pimf, Dr. G««<pp. ^ *firk(firnag dte Ifttnisdie« nach IVeumarkt und des Magdeborgfacheli 
■eiA.Bfoslat ibertrage—B Stadireehti, Montag von 4-^6 Uhr, Derselbe. -~ Deotsdhes Pi^i«l^ 
mbH tiglicb vmi Id-^li ^p nad |M«i«falhg von 11^12 Ubr^ Ifr. Frof.. Dr. WiM«. ^^ 

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nad P^iüsUchea l^horecbl, Dransteg nnd Freüag von (9^1 Uhr, «nd'SoMMtead vom 11— iS 
Uhr, Hr. Prof. Dr. Gaupp. -- KaiMNiMolles IMit Mtot litliMliMbeM .nod elMiB||rtitvhM 
Virchenrecbt, fOnfm»! w6chentl. von 9—10 Uhr, Der9t\^e, *~ €«ni«hK»s hnd pi*«|u«iw:bes 
Criminiilrecbt, Uglich von 7—8 Uhr. und Dienstag und JMiUwooh. von 6— 7. Uhr, Hr. PcoC. 
Dr. Ab egg. ~ '''Ober die verschiedenen StrafrechUthoorien , Montag früh von 6—7 Ulpr« 
Derselbe. — Gemeiner und prtussiscber Civilprocess, tfigNch von B— 9 Uhr, Derselbe,'-' 
Völkerrecht, MonUig, Dienstag, Mittwoch und Freitag von U-U Uhr, llr« Prof. Dr. Gaapp. 

ÄtwneUttinde. *Encyklopidie und f fodegelik des medicinischen Sludioms, tweimal ivdcbentl. 
von 3—4 Uhr, Hr. Prof. Dr. Hensehel. — 'Gewebelehre, tiermal Wöchentt., Hr. Dr. von 
Frantiins. -^ Knochen- u BSnderlebre, zweimal wAchentl., Hr. Dr.. Grosser -> GeflKss- 
llrtire, zweimal wdcbentl.. Derselbe, -r Vergleichende Anatomie, viermal wöchentl. von 
9— tO Uhr, Hr. Prof. Dr. Barkow. — 'Examinatorium über patbolog. Anatomie, zweimal 
wdcheoil. von 2 — 3 Uhr, Derselbe. — Pathologische Gewebelehre mit raikro>kopischen 
Demon Titrationen , zweimal wöchentl.,^ Hr. Dr. Grosser. — Xonstructii'n und Gebrauch des 
Mikroskops, durch praktische Obuogen erläutert, einmal wöchentl.,' Hr. Dr. Grosser. — *Aus- 
gewfihlle Abschnitte der chirurgischen' Anatomie, einmal wAchentl., Derselbe. — *Dcnion- 
strationeor Im cootom. Museum, einmal wöchentl. von 2-3 Uhr, Hr. Prof. Dr. Barkow. — 
Zootomisch - praktische Obungen, tfiglidi, Derselbe. — Physiologie des Menschen*, tfiglich 
von 9-^10 Uhr, Hr. Prof. Dr. v. Siebold — Physiologische Obungen und Unter&n€-hungen 
am Mikroskope, tigKch, Derselbe. — ' Embryologie, zweimal wöchentl., Hr Dr. v. Fran- 
tzitts. '— AHgem. Krankheitslehre, viermal wöchentl, von 3—4 Uhr, Hr. Prof. Dr. Klose. — 
Semiotik, dreimal wöchentl:, von 3— 4 'Uhr, Hr. Prof. Dr. Henschel. — Auscultationslehre, 
viermal wöchentl , Hr.Dr.Reymann. -^ *Difitetik der $eele, dreimal wöchentl., Hr. Dr. Neu- 
mann. — Gesammte ArzneimttteUehre, tSglich, Hr. Dr. Seydel. — *Ober Arzneimittel aus 
dem Thierreiche, zweimal wöchentl.. Derselbe. — Ober officinelle Pflanzen mit pharmako- 
logischen Demonstrationen, Viermal von tO— 11 Uhr, Hr. Prof. Dr. Göppert. — *Exami- 
natoriuta Ober Arzneimittellehre Und Obungen im Receptschreiben, einmal wöchentl. v. 12—1 
Uhr, Derselbe. — Aligemeine Therapie, viermal wöchentl. von 6*7 Uhri Hr. Dr. Rey« 
mann. — Spedelte Pathologie und Therapie 1. Theil,*Hr. Prof. Dr. Freriebs. — Specielle 
Therapie, tfiglich von 7—8 Uhr, Hr. Dr. Reymnnn. — Specielle Pathologie und Therapie, 
sihnnial wöchentl, Hr. Dr. iVeisser. — *Gemrithskrankheiten, zweimal wöchentl., Hr. Prof. 
Dr. Klose. — *Ober Nierenkrankheiten, Hr. Prof. Dr. Frei'ichs. — *Ober rationelle me- 
diciubchd Praxis, zweimal wöchentl., Hr. Dr. Ne isser. — 'Therapeutisches Examinatorium, 
zweimal wöehenHich, Hr. Dr. Riaymann.' — *6ber Irrefiaiistalten , einmal wöchentlich« 
Hr. Dr. Neumann. — Die Klinik der innern Krankheiten, Hr. Prof. Dn Freriebs. — :;*Di» 
Bno^ea* u; laatnunentenlelire, viermal wöchenli;' v. 5—6 Uhr, Hr. \Prof. Dr. <fi«iiedtit. — 
Zweiter ThetI der specialen Chirurgie und Oper aüm ai w fc r e, verbimdeB> mü DcMoiistnitnNMii 
am Cadaver, tiglidi von 3-4 Uhr, Derselbe. ^ Chirurgitche Optrttionett ntfd Obmigeii, 
tSglich V0ii^6^7 Uhr frfifa, Hr. Prof. Dr. Remer. *— #Ober KnoehinbHIcbe n. Verrenhmifen^'' 
dMimal wöchentl., Derselbe. •- *Patholo|^e nad TherapiA der EingiaMldebHIche; eiteaial 
wtehentl., Hr. ür, K»h. ^ *£iMnhMii*rian n. Repetilor^m d. Ckiatufiev zweimal Wöd»iitt., 
Hr.^^f. De. Benedict. - Augfenheilkiude , viermal wöchentl., Dersellie.'-^ Die Kttnik 
d«r chimrgischen h. AngeBkranUieilen, t^lick von 8^16 Uhr, Derselbe; — . Df e taefamn»» 
küfe, viemuil wMientl., Hr. Dr Burehard. — Die geburtsh^lttake Erforaebung». ^. Opera«* 
tfonsl^hre, meittal wöobentl. Derselbe. — «GeburlsbAUlicbet OplBra«onkftbiw|^n, vmmM 
wMlenti», Hr. Prof. Dr. Betsebler — Ob. Fmiienkraakh^itan, viermal wöcheiML v, 7— SUfar^ 
B^ers^ibe. — '^Ob. d. Kbidlwfcraakbeiten in Verbind, .mit d. faipfcnrsuB, zweimal wfldiMtl, 
Hr. Dr« Burcbard — Die Klinik fOr Gebnnshtff^, F^nff>- ^»d Kinderbrankbeiten« tf^licb 
vea 972^1072 'Uhr, Hr. Prof. Dr. Retsehler. <-- i^eritblliehe Mediaie, di«iftMl wMieik 
VM 4^5 .Uhr, Hr. br. .Ri o^je.. -- GetilJitMie; f a y d toie g ie» vien»al Wö€b^nt(.f Hr. HHti ]!•»« 

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üAiin. -r Om^liicMi i^ He^MiBv Tiermal wö«beiilL ven 4^5 Uhr, Mr. Prof. Br. Helio- 
se bei. — **Erklirung des Ai'eiäu^, sweitmfr wddieiiü. Hr. Dr. Klose* — *Oberdie Tbier» 
•eovbon mil betoüdwrer Afltksioht ;iler «nf den Henn^beu abertrsgenea Tbierfcr«Bkbeiteny ' 
kwointal wAebenli.« Hr. Prof. Dr» y. Siebold. 

. PMlosophuche Wmensehaflen, ^Erforschung der richtigen Weise za philojiophiren, Sonn- 
abend von 8—9 Uhr, Hr. Prof. Dr. Rohovs4(y. — Psychologie, dreimal wöcbenll. von 
12 — 1 Uhr,' Hr. Prof. Dr. Kahl er t. — Metaphysik, Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag 
von 3—4 Uhr, Hr. Prof. Dr. Elveni.ch. — Ethik und Politik, viermal wöchentL, Hr. Prof. 
Dr. B raniss. — System der Plidagogik, dreimal wöchenll., Hr. Dr. Sack ow. — 'Fortsetzung 
der Gesch. der nebern Philosophie, Donnerstag v. 3—4 Uhr, Hr. Prof. Dr. Eivenic)i. ^ 
Prüfung d. Standpunkte d, Kantisclien, Fichte*schen u. Hegers.chen Philosophie, Donnerstag 
und Freitag vpn 2—3 Uhr, Hr. "Prof., Dr. Robovsky. — Philosophie der Geschichte 
(Fortsetzung), zweimal wJchentl., Hr. Dr. Grdger. — Allgemeine Geschiebte d. Religion 
nnd Sittlichkeit, f&nfmal wöchentl., Hr. Dr. Wuttke. — ^Philosophisches DisputatoriunL 
Donnerstag von 4—5 Uhr, Hr. Prof. Dr. Elvenich. — * Philosophisches Disputatorium, 
zweimal wöchentl., Hr. Prof. Dr. 6 raniss. 

Matkmaim%t Wissenschtiftgn., *Kreistheilung, Montag und Doniwrstitg voi» 10—11 Ubf, 
Hr. Prof Dr. Kummer. — ^Kegelschnitte , Mittwoch und Sonnabend von, ,12—1 Ubr, Hr. 
Prof. Dr. Galle. — Einleitang ja d. Anaiysis d. Unendlichen, Mottag, Ownstnff Oooiieni« 
tag «nd Freitag von 9— 10 Uhr, Hr. Prof. Dr. Kummer. ^ Die höhere Hechnnik, Dlena* 
tag und Freitag von 10^11 Uhr, Derselbe. -^ Sphäriaehe Astronomie, Dienslagy MitU 
woch, Freitag und Sonnabend Ton.11-12 Uhr, Hr. Prof. Pr. Galle. 

Naiunßit$ßn$chafhn. System der Physik, ffinfiüal wöchentl. von 12 — 1 Uhr, Hr. Prof. 
Dr. Frankenheim. — *Die mathematische Theorie der Elasticitfft und ihre Anwendung 
auf Optik und Akustik, zweimal wöchentl, Hr. Prof. Dr. Kirch ho ff. — *Ober d. WSrme, 
Dienstag und Freitag von 3 — 4 Uhr, Hr. Prof. Dr. Frankenheim. — *Physikalische 
Obungi^n, Sonnabend von 11 — 1 Uhr, Derselbe. — *PhysikaUsche Übungen, Hr. Prof. 
Dr. ITirchhöff. — Experimental- Chemie, tSgl. v. 9—10 Uhr, Hr. Prof. Dr. Bunsen. — 
^Düe Elemente der analytischen Chemie, zweimal wöchentlich, von 7—8 Uhr, Hr. Prof. 
,Dr. Duflos. — Pharmaceutische Chemie, tfiglich von 6—7 Uhr Morgens, Derselbe. — 
Metallurgie, viermal wöchentlich, Hr. Dr. Schwarz. -- *Ober Eisenfabrication, einipal 
wöchentl., Derselbe. — ^Stöchiometrische Obung£n, Sonnabend' von 12— i Üihr, Hr. Prof. 
Dr. Bunsen. — Praktisch- cheniisrhe Obungen, viermal wöchentl., von 10 — 12 Uhr, 
Derselbe. — Chemisches Laboratorium , Hr. Dr. Schwarz. — Allgemeine Einleitung in 
die Naturgeschichte, dreimal wöchentl., Hr. Dr. Körber. — ^Naturhistoriscbe iBicursionen^ 
einmal wöchentl.. Derselbe.. — *Einleit. in die Geologie, Dienstag, Mittwoch, Dönneris- 
tag von 7—8 Uhr, Hr. Dr. Scharen borg. — Mineralogie oder allgemeine und specielle 
Oryktogttosie, tfiglich von 6 — 7 Ubr Morgens und Freitag von 2 — 3 Uhr, Hr. Prof. Dr. 
Glocker. — 'Mineralogisches Repetitorium, Montag von 2—3 Uhr, Derselbe. — *Geo- 
gnosl. Excursionen in noch nfiher zu bestimmenden Tagen, Hr. Dr. Scharenberg. — 
Physische Geographie, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 8—9 Uhr, Derselbe. •« 
Allgemeine Botanik, tfiglich ,mil Ausnahme des Sonnabends von 11 — 12 Uhr, Hr. Prof. 
Dr. Göppert, und fünfmal wöchentl. von 7—8 Uhr, Hr. Dr. Körb er. '- Specielle oder 
systematische Botanik, Montag und Donnerstag von 4-5 Uhr, Hr. Prof. Dr. Göppert. — 
Anatomie u. Entwicklungsgeschichte der Pflanzen, erlfintert durch Qiikroskopische Übungen, 
dreimal wöchentl., Hr. Dr. Cohn. — ^Erläuterung der Pflanzen des botanischen Gartens, 
einmal wöchentl., Hr. Prof. Dr. Göppert. — ^Botanische Excursionen in der ^Umgegend 
von Breslau, Sonnabend von 3 Uhr Nachmittags an. Derselbe. — *Über mikroskopische 
Pflanzen und Thiere und ihre Bedeutung für das Leben der Natur, zweimal wöchentlich, 
Hr. Br. Cöhn. — Zoologie, nach seinem Handbüche »Vergleichende Zoologie«, tfiglich 

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GiiYifr« Pieostffii; und Fr«Uiig «od 12^1 Ubr, Dertelitj«. ' 

SUkU^^md Cmmral-Wmemekiilm. *EUmwXe 4er poÜUfflien AhnMMii«, HMWmIi 
▼on 9-^10 Uhr, Hr. Dr. Bergiuc. ^ NaUotaal*ökonoinie^ fftnlbial w^keMl. tm 4-^ 
Uhr, Hr. Prof. Dr. Tellkampf. — Polisei- and Finani^Wisienschafl, Iftnfmal w6ch^llich 
von 5- 6 Uhr, Derselbe^ •-* FinaniwUsenachaft, Montag, Dienstag, Donaarstag n. Freitag 
von d->10 Uhr, Hr. Dr. Bergius. — *Repetitorinni Aber NationaUÖkonomia, Hr. Prof. 
Pr. Tellkampf. 

GesehiehU wtd deren BülfswuseiuchafleH. ^Historische Pro^ideotik, aweimal wdchanü, 
Hr. Dr. Cauer. — Geschichte dar Deutschen, einmal wöchentl. von 4<-5 Uhr, Hr. Prof. 
Dr. Stenae'l. — Geschichte des Reformationszeitalters ^ dreimal wöchentl., Hr. Dr. Cor* 
neu US. — Geschichte Frankreichs seit der Restauration der Bowbons, fünfmal wöcheotL^ 
Hr. Prof. Dr. Rdppel, — '^'Geschichte Frankreichs in den Jahren 1789 — 1799, ejnmil 
wöchentl, Hr. Dr. Cornelius. — ^Leitung histor.- kritischer Übungen, zweimal wöchentl^ 
Hr. Prof. Dr. Stenzel. — «Historische Übungen, Hr. Prof. Dr. Röpell. 

LUerahir und Philologie, i. Allgemeine, Allgemeine Geschlchta dar Poesie lind Beredt« 
samkeit, erster Theif, dreimal wöchentlich von 12—1 Uhr, Hr. Prof. Dr. Gohrauer. — 
•Über die tiHüalmMtett fipopO«n d«r vorcbristiichen Vöfiier, einmal wödientlich von 
18— 1 lAir, Deraelb«. 

#. 0nmtitM§eke. HcMliscIie Granmaük mil praktischen Übungen, dreimal wöckentlicli, 
Hr» Lad. Dv« Nernnann. — *Erkl«niiig d«r BAcber Saniuelia, dreimal wCobentlich, Dar* 
a#lbe. ^ ^rklfirang ainifar Abaebnitle 4e» Koran, Dienstag und Freitag von 12—1 Uhr, 
Hr. Prof. Dr. Bernstein. — ^rfcUmng der Gedtebto der HaHMsa, Montag üäd Donnerstag 
von 12—1 Uhr, Derselbe. ~* «Fortsetzung der Übungen im Arabiacken, Montag und 
Doiinerstag von 10—11 Uhr, Hr. Prof. Dr. Schmölders. -^ '^'ErkUrung acbwierigar 
arabiscjier StAcke, zweimal wöchentlich. Derselbe. ~ «Grammatik der Sanskritspracha, 
Montag und Donnerstag von 3—4 Uhr, Hr. Prof. Dr. Stent! er. — ^Erklärung voa 
SanskriUchriftstellern, Dienstag und Freitag von 3—4 Uhr, Derselbe. — ^Erklftraof 
leichterer Sanskriutallen, iUiltwoch und Sonnabend von 10— 11 Uhr, Hr, Prof. Dir. 
Schmölders. 

3, doMsitcke. Griechische Syntax, erster Theil, Mittwoch und Sonnabend yon 11— IS 
Uhr, Hr. Prof. Dr. Schneider. — Griechische Alterthömer, erster Theil, Montag, Dienstag, 
Mittwoch nnd Freitag von 9—10 Uhr, Hr. Prof. Dr. Haase. — Piatons Syny>08ium, Mitt- 
woch, Donnerstag nnd Freitag von 7^8 Uhr, Hr. Prof. Dr. Rohovsky. — Einleitoiif 
Aber Euripides Leben und Kunst und Erklfirung von dessen Hippolytos, Montag, Dienstag» 
Donnerstag und Freitag von 10—11 Uhr, Hr. Prof. Dr. Wagner. — Cicero's Traum dai 
Scipio, Sonnabend von 7— 8 Uhr, Hr. Prof. Dr. Rohovsky. — CSsars Gallischer Krie|^ 
von Bd. Y1I. Cap. 23 an, Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 11—12 Uhr, Hr. 
Prof. Dr. Schneider. — Tacitus Annalen, Buch 1., mit Einleitung Aber Tacitus Lebea 
und Charakter, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 10—11 Uhr, Hr. Prof. 
br. Haase — ^Übungen des philologischen Seminars, Mittwoch und Sonnabend vqb 
12—1 Uhr, Hr. Prot Dr. Schneider, und Montag von 10-11 Uhr und Donnerstag voa 
9—10 Uhr, Hr. Prof. Dr. Haasc. — «Übungen im Lateinisch-Sprechen und Schreibea, 
Mittwoch und Sonnabend von 10—11 Uhr, Hr. Prof. Dr. Wagner. ^ Archiologie dar 
classischen Kunst, Montag, Dienstag und Mittwoch von 12-^1 Uhr in der Universitfit, und 
Sonnabend von 8-10 Uhr im Königl. Museum, Hr. Prof. Dr. Ambrosch. — 'Erklfirung 
der ausgezeichnetsten Monumente des Königl. Museums, zweimal wöchentlich. Derselbe. 

4. Neuere, Über die Schlesischen Dichterscholen des 17. Jahrhunderts, Sonnabend 
von 12—1 Uhr /Hr. Prof. Dr. Kahl ort. — Grammatik der englischen Sprache, zweimal 
wöchentl., Hr. Lector Dr. Bens eh. — «Byron*s Cain, einmal wöchentl. Derselbe. -^ 
Erklärung d. Plaideurs von Racine, Hr. Lector Dr, RAdiger. — 'Übungen im Fvanzöaisck^ 



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Spredieii iiml Schreiben, MtUwoich n. SoQBtbend von 2-*3 Uhr, Dergelbe. — ItalieniMche 
Grammatik^ zweimal wöchentlich, Hr. Lector Marochc;tti. -> ^Erklfirung des Tasso, 
sweimal wöchentlich« Derselbe. — Cbimgen im Italienisch- Sprechen und Schreiben, 
zweimal wöchentlich. Derselbe. — Spanische Grammatik nach seinem „Lehrgange zur 
Erlernung der spanischen Sprache ^% zweimal wöchentlich, Hr. Lector Dr. Peucker. •— 
^Neugriechische Grammatik, Montag und Donnerstag von 4—6 Uhr, Derselbe. — 
• ^Slaviscbe Literatur, Montag von 3—4 Uhr, Hr. Lector Dr. Krainski. — «Polnische 
Grammatik f&r Deutsche, Mittwoch von 3—4 Uhr, Derselbe. — «Polnische Grammatik 
tut Polen, Donnerstag von 3—4 Uhr, Derselbe. — «Polnische Grammatik mit ent- 
sprechenden Sprech- und SchreibTÜbungen , Dienstag und Freitag von 3—4 Uhr,. Hr. 
Fritz. — «Polnische Literatur, Freitag v. 3— 4 Uhr, Hr. Lector Dr. Krainski. — ^Übungen 
in der polnischen Schreibart und Redekunst, Dienstag von 3—4 Uhr, Derselbe. — > 
Anfangsgrunde der russischen Sprache, Donnerstag von 3 --4 Uhr, Hr. Fritz. 

Schöne und gymnastitche Künste. 'Harmonielehre erster XheiL* dreimal wöchentlich, 
Hr. Dr. Baumgart. — *Mozarts dramatische Werke, zweimal wöchentl., Hr. Musikdirector 
Dr. Mosewius. — ^Stimmbildung, theoretisch und praktisch (Fortsetzung), zweimal 
wöchentlich, Derselbe. — "^Übung in vierstimmigen Gesängen, zw^mal wöchentlich,' 
Derselbe. — 'Orgelspiel, zweimal wöchentlich, Hr. Dr. Baumgart. — Zeichnenkunst, 
Hr. Siegert. — Zeichnenkunst naturwissenschaftlicher GegenstSnde, Hr. Weitz. — > Reit- 
kunst, Hr. Stallmeister Preusse. — * Fechtkunst, Hr. Löbeling. — Tanzkunst, Hr. Aren e. 

Beumdere akademitche Anttaltm und wissenschaflUche SamnUungm. Die Universi- 
tätsbibliothek wird alle Montage, Mittwoche, Donnerstage und Sonnabende von 2—4 
Uhr, alle Dienstage, Mittwoche, Freitage und Sonnabende aber von 11—12 Uhr geöffnet, 
und werden daraus Bücher theils zum Lesen in dem dazu bestimmten Zimmer, theils zum 
lifoslichcn Gebrauche gegeben. Die Bedingungen zeigt ein Anschlag an der Thflre des 
Lesezimmers. Auch stehen die drei Stadtbibliotheken an bestimmten Tagen zum öffentlichen 
Gebrauche offen. 

Die bei der Universität befindlichen Sammlungen von Naturgegenstfinden und 
Präparaten, von physikalischen Instrumenten u. s. w., so wie das Archiv, 
das'Münzcabinet, das Alterthumer-Museum und die Gemäldesammlung wer- 
den den Liebhabern auf Verlangen gezeigt. Das zoologische Museum insbesondere 
ist für die Studirenden Mittwochs von 11—1 Uhr, für das übrige Publicum Montags von 
11 — 12 Uhr geöffnet} eben so die Sternwarte, Mittwochs und Sonnabends von 9—10 
Uhr Vormittags. 

Der botanische Garten ist dem grösseren Publicum jeden Freitag Nachmittag 
^reöffnet. Studirende und andere Freunde der Pflanzenkunde erhalten auf Verlangen fQr 
das 4Sommersemester von dem Director des Instituts Einlasskarten, mit welchen sie täglich, 
den Sonntag ausgenommen, den Garten besuchen können. Der botanische Gärtner darf 
wöchentlich einmal gegen ein Honorar eine bestimmte Anzahl Pflanzenexemplare zum 
Einlegen an Studirende abgeben. 



UnivwsiUt Kiel. 

Vorlesungen auf der Christian -Albrechts -Universität zu Kiel im Sommer- 
halbjahr 1852. 

TheologimAe FacuktU. Ordinarii: Dr. A, F. L. Pelt: Erklärung des Römerbriefes, 
,4sl., priv.; d. G/undsätze d. Kirchenrechts, 3st., priv.; Hermeneutik des N. T., 2st., publ.; 
Bijilisch- theologische Cbungen, 2st., publ. Dr. C. Lüdemann: Homiletische Übungen, 
2st., publ; Übungen des katecbetischen Seminars, 2st., priv.; Christliche Ethik, 4st., priv. 
Dr. N. Thomson, d. Z. Dec: Über die ausserchristl. Religionen nach ihrem Verhältnisse 
i Christenthum, 2st., publ; Kirchengeschichte 1. Th., 6st., priv.; Leben Jesu, 3st., priv.; 

Akadem. Monatsschrift. April 1852. 27 

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210 

Historisch -theologiscbe Übungen, 2st., publ. Dr. C. Wiesel er, nach seinem Budrtf: 
^^Chronologische Synopse der vier Evangelien^« Leidensgeschicbte Jera, 2sl., publ.; Evan-* 
gelium Johannis, 4st., priv. Dr. G. A. Fricke: Dogmengeschichte, 6st., priv.; die 
Messianischen Stellen des A. T., 2st., priv.; über den Charakter und Werth d. Religion«- 
Philosophie seit Schleiermachers Tode, 2st., publ.; Dogmatisch «exegetische Obnugen^ .28t., 
publ. 

Juristische FacultäL Ordinarii: Dr. J. Christiansen, d. Z. Rector: Institutionen 
u. röm. Rechtsalterth., 12st., priv. Dr. J. W. Planck, d. Z. Dec: Criminalrecht, 5st., priv;; 
Civilprocessprakticum, 3st. — Extraordinarii: Dr. C. Christiansen: Criminalprocess, 
4st., priv.; Kirchenrecht, 4st., priv. Dr. C. S am wer: Schleswig- Holsteinisches PHvat- 
recht, 5st., priv.; Wechselrecht, 5st., publ. — Privatdoc enten: Dr. £. Friedlieb: 
Juristische EncyklöpSdie , 3st., priv.; Criminalprocess, 4st., priv. Dr. A. BrinkmanB: 
Pandekten, 12st., priv.; Disputationen ftber GegenstSnde der Vorlesong, Ist., publ.; 
Repetitoria. 

Medidnüche Facultas Ordinarii: Dr. C. H. Pf äff hfilt Krankheit halber keine Vor- 
lesungen. Dr. G. H. Ritter: Allgem. Pathologie, 3st., priv.; Diätetik, 8st., priv; über 
Kinderkrankheiten! publ. Dn A. C. A. Meyn: Receptirkunst, Ist., publ.; über Syphilis, 
3st., priv.; Leitung pharmakologisch -therapeutischer Studien, 5-od.'6st., privatiss. Dr. W. 
F. G. Behn: Zootomische u^id physiologische Übungen, publ.; Physiologie des Menschen, 
6st., priv.; Zoologie, 5st., priv.; auserwfihlte Capitel der menschh Anatomie. Dr. L. Stro- 
meyer: Specielte Chirurgie, 6st , priv.; chirurg. Klinik, tggl. 2st., priv.; Operationen am 
Leichname, priv. Dr. C. C. Tb. Litz^mann^ d. Z. Dec: Krankheiten der Neugebornen 
und SSuglinge, 3st., priv.; mäeutische Klinik, 4st., priv. Dr. Fr. Th. Frerichs: Mediciik 
Klinik, tfigl. Ist., priv.; Pathologie und Therapie 2. Th., 6st:, priv. — Extraordinarii: 
Dr. G. H. Hegewisch: Prakt. Medicin, privatiss. Dr. F. Weber: Patholog. Anatomie^ 
58t., priv. — Privatdoc enten: Dr. W. H. Valentiner: Entwickelungsgesch. des Eies 
der Wirbelthiere und des Menschen, 2st., priv, Dr. Aem. Kirchner; Pharmakologie 
allgem. Th., 3st., priv.; gerichtl. Medicin, 3st., priv.; Pharm akogtiostis che Demottstrationen, 
4st, priv. Dr. Th. Valentiner: Specielle Pathologie und Therapie, 6sl., priv. Dr. P. 
.Jessen: Psychologie, 3st., publ. Dr. A. N. Hermannsen hat wegen Krankheit seine 
Vorlesungen noch nicht angezeigt. Dr. Fr. Esmarch, Histologie, 3st., priv. 

Philosophische FacuUäf, Ordinarii: Dr. G. G. Nitzsch: Aeschylus Agamemnon, Sst^ 
priv.; über d. philolog. Studium mit besonderer Beziehung auf den griech. n* rdm. Gmnd- 
charakter, 2st., priv.; philolog. Seminar, publ. Dr. J. Olsbausen: Arabisch, pnbL; Hiob, 
48t., und hehr. Übungen, priv. Dr. H. Ratjen: Jur. Literaturgesch., 2st., pubL; (Aufsicht 
üb. d. Biblioth. tSgl ) Dr. H. F. Scherk: Integralrechn., 2sti, publ.; neuere Stereometrie 
und Geometrie, 4st.., priv.; Theorie der Kegelschnitte, Sst., priv. Dr. 6. M. ChalyMu», 
d. Z. Dec: Logik und Metaphysik, 4st., priv.; Einleitung in die Philosophie, 2st., priv.; 
Religionsphilosophie, 3st., priv.; philosoph. Übungen, publ. J. C. Navit: Poli'zeiwissen- 
Schaft, 4st., priv. ; vaterlSnd. Kirchenverfassung, 4st., priv.; politisch - ökonomische Übungen^ 
publ. Dr. P. W. Forchhammer: Metrik, 3st., priv.; Ilias besonders vom geograph. 
Standpunkte, 2st., priv.; archäolog. Übungen, 28t., privatiss.; philol. Seminar (Cicero de 
leg.), 2st., publ. Dr. C. Himly: Theoret. Chemie, 6st., priv.; chemische Übungen ISst., 
priv. Dr. G. Karsten; Experimentalphysik, 5st., priv.; theoret. Physik 3. Th., 28t., priv.; 
physische Geographie, Ist., pubh; allgem. Geognosie, Ist., priv.; Prakt. Üb. privatiss. und 
physik« Besprechungen gratis. — Extraordinarii: Dr. E. F. Nolte: Botanik, 6st., 
priv.; botan.. Demonstrationen, 2st., priv.; botanische Excnrsionen, ItSgig; über einheimi- 
sche Pflanzen, privatiss. Dr. K. Müllenhoff: Deutsche Grammatik unter Beniitzung von 
>} Wackernagel, altdeutsches Leseb.^, 3st., priv.; Tacitus Germania, 2st. , priv.; über die 
histor. Stellung der gegenwärtigen deutschen Prosa mit Benutzung von »Wackemage), 
Handb. deutscher Prosa<<, Ist., publ. ; Deutsche Üb. (Interpret, des Otfried) gratis. Dr. G. 
Thaulow: Gesell, der Archilectur, Isf.; Sculptar und IJIalerei bei den asrat Vdlkeiii, 



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21t 

Ägyptern, Griechen und Römern, 4««., halbpubl.; Gesch. d. neuern Philosophie seit Cartesma., 
48l., priv. Dr. L. Stein: Encyklepfidie der Staatswisseaschaften nach seinem Buche 
9iSystem der StaatswissenschaltenS 4st., priv.; Völkerrecht 1. Tb., Geschichte der Staats- ^ 
vertrfige, seit dem westpbül. Frieden, 2st., priv. ; kurze Gesch. des Völkerrechts, 5st., publ. 
. Dr. K. W. Nitzscb: Deutsche Geschichte, 5st., priv.; Gesch. d. neuem Zeit, 3st., priv.; 
Gesch. der Ditmarschen- Republik, Ist., publ. Dr. F. Harms: EncyklopSdie der Natur- 
wisseuacbaften, 2st., priv., Philosophie der Gesch., 4st., priv.; vergleichende Psychologie, 
Ist., publ. Dr. St. L. B. v. Liliencron: Dänisch- Scandinavische Rechtsalterthämer, 
3st, priv.; Gesch. der Nialsaga, 2st, publ ; Isländisch und Dänisch, gratis, -^ Privat- 
docenten: Dr. Th. Sörensen: Genesis, 4st., priv.; Unterricht in den semit. Sprachen. 
Dr. C. Lorentzen: Rom. AlterthOmer, 4st., priv.; Satiren d. Persius, Ist., publ. Dr. Th. 
BrQmeis: Organische Chemie, 4st., priv.; qualitativ -analyt. Chemie, 28t., priv.; quantit.- 
analyt. Chemie, 2st., priv.; Analyt. Übb. mit Löthrohr, Ist., publ. Dr. G. D. E. Weyer: 
Sphärische Astronomie, 2st., priv.; Die Methode der kleinsten Quadrate, Ist., priv.; Vor- 
lesungen ober die einzelnen Theile der Mathemat., privatiss.; Übb. in astronom. Beobach- 
tungen und Berechnungen, publ. 

Lectoren. S. Lubbren: King Henry IV. Part.l. by Shakespeare, publ; Unterricht 
in der engl. Sprache. D. A. Scbwab-Dolle: Gesch. der francös. Lit. s. dem 16. Jahrb., 
publ.; Dbb. im Frans. -Sprechen u. Schreiben, priv. P. G. v. Balle, Reitkunst,, priv.; 
über die richtige Beurtheilung der äussern Vorz&ge und Mängel am Pferde, publ. 
7h. Rehbenitz: Zeichnenkunst. — Fechtkuni>t &c. 



Universität Leipzig. 

Verzeichniss der auf der Universität Leipzig im Sommerhalbjahr 1852 zu 

haltenden Vorlesungen. 

Anfang d. 15. April. 
(Die Vorlesungen, denen ein * vorgesetzt ist, werden öffentlich oder unentgelt- 
lich gehalten.) 
/. Theologische Faeultdi, D. K. G. W. Theile, Theol. P. 0., d. Z. Dech.: ♦Praktische 
Dogmatik oder biblische Entwickelung der christlichen Ideen, mit Rücksicht auf s. Leit- 
faden »das allgem.-christ]iche und das evang. -lutherische Bekenntniss in urkundlicher Darr 
legnng« (Leipz. 1652), 2 St.; dogmatisches Examinatorium 4 St.; ♦Übungen der exeget. 
GeseUschaft des N. T., so virie der exegetischen Abtheilung der Lausitzer Predigergesell- 
achaft, je 2 St; ♦Disputatorium über theolog. und philosophische Gegenstande, 1 St. — 
D. Ch. G. L. Grossmann, Theol. P. 0.^ Homiletik, 4 St. - D. G. B. Winer, Theol. 
P. 0-: Christi. Symbolik, 4 St.; Brief an die Römer, 6 St.; *exeget.-dogmat. Übungen. — 
D. A. L. G. Krehl, Theol. P. 0.: Homiletik, 4 St.; »homiletisches Seminar, 2 St.— D.F. 
Tuch, Theol. P. 0.: Auserlesene Psalmen, 4 St.; ♦Beschreibung des heil. Landes mit 
besonderer Beziehung auf dasA. u. N. T. und die Geschichte der Kreuzzüge (Forts.), 2 St.; 
^Allgemeine Einleitung in das A. T., 4 St. — D. Th. A. Lieb n er, Theol. P. Q.: Christi. 
Ethik, 4 St.; praktische Theologie, 4 St.; *über die neueste Christologie, 2 St. — D. K. 
F. A. KahniB, Theol. P. 0.: Kirchengeschichte, 1. Th., 6 St.; Dogmatik, 1. Tb., 4 St.; 
neuere Kirchengeschichte, 2 St. — D. L. F. C. Tischendorf, TheoU P. 0. Hon.: *Über 
d. Echtheit d. neutestamentlichen Schriften, 1 St.; Evangelium Malthfii, unter synoptischen 
Rfieksichten, 4 St.; *Brief Pauli an die Galater, 2 St. — D. F. W. Lindner, Catech. et 
Paed. P. E: Didaktik, Methodik und Schulkunde, 4 St.; ♦Anthropologie, 4 St.; Katechetik, 
2 St.; kateehetische Übungen, 4 St. — D. R. Anger, Theol. P. E,: Erklärung des 1. Th. 
4ea Jeaaias, 4 St; und des Evangelium Matthäi, 4 St.; ^Einleit. in das N. T., allg. Th., 
t St.; Examinatorium über Dogmatik, 4 St.; ♦exegetische Gesellschaft d. A. T.; *exeget. 
Oesellachaft de« N. T. — D. W. B. Lindner, Theol. P. E.: Dogmengeschichte, 4 St.; 

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*Erklfirang des EvangeÜam Johannis, 4 St.; * Übungen der exegettschcD GMellschan. -r 
D. ph. K. G. K&chler, Theol. Lic, Philos. P. E.: «Homiletische Gesellschaft d. Sachaeo, 
2 St. — D. ph. F. M. A. Hfinsel, Theol. I.ic: * Homiletische Übangen. ^ D. ph. Jl. G. 
Hdleniann, Theol. Lic: Erklärung Messianischer Psalmen, 2 St; Leitnng seiner philfae- 
brStschen Gesellschaft in Erklirung von Jesaja Cap. 52 ff., verbunden mit grammatischen 
Analysirübungen, 2 St. 

//. JuHiHsche FaeuUät. D. K^ F. Günther, Jur. P. Prim., Fac. Jprid. Ord., d. Z. 
Deph. : Wechselrecht n. Wechselprocess, 4 St. ; Concnrsrecht n. Concursprocess, 2 St. — 
D. F. A. Schilling, Jur. rom. P. 0,, d. Z. Rector: Naturrecht oder Rechtsphilosophie in 
Beziehung auf Privatrecht, mit vergleichender Berficksichtigung positiver Rechtsbestim- 
mungen, 4 St.; philosophisches Staats- und Völkerrecht, 2 St.; InterpretationsAbungen in 
Beziehung auf ausgewfihlte Stellen des römischen Rechts, 2 St. — I). W. F. Stein- 
acker, Jur. sax P. 0.: Referir- «nd Decretirknnst, unter Vorlegung von Gericbtsacten, 
4 St.; "("sächsisches Landwirthschaftsrecht, 2 St. ~ D. G. L. Th. Marezöll, Jnr. crim. 
P. 0.: Institutionen und Geschichte des römischen Rechts, 9 St.; gemeines und sSchsisches 
Criminalrecht, 6 St ; 'Methodologie des Rechts. — D. G. H«nel, Font, et Lit. Jnr. P. 0.: 
Pandekten, 12 St.; «Lebensbeschreibung der neuem Juristen seit Cnjas, 2. St. — D. W. E* 
Alb recht, Jur. germ. P. 0.: Deutsches Staatsrecht, 6 St.; Kirchenrecht, 6 St.; *Ebe- 
recht. — D. R. Ost er loh, Proc. comm. P. 0.: Gemeiner deutscher Civilprocess, 6 St.; 
ordentlicher sächsischer Civilprocess , 6 St. ; «summarische sächsische Precesse , 4 St : 
Civilprocessprakticum , verbunden mit Übungen im mändlichen Referiren,« 6 St. — I>. B. 
Schilling, Jur. P. E. : Das gemeine in Deutschland geltende Kirchenrecht, 6 St.; über 
die Lehnsfolge des gemeinen nnd sächsischen Rechts, 2 St. ; *Examinatorium in lateinischer 
Sprache über das gesammte römische Recht, sowohl der Institutionen als der Pandekten, 
6 St.; desgL in deutscheir S^prache Über das Pandektenrecht, 6 St. — - Di J. Weiske, Jnr. 
P. £.: Bergrecht, 4 St. — D. H. Th. Schletter, Jur. P. £. (in faöherm Auftrage mit 
Urlaub abwesend). — D. K. 0. Müller, Jur. P. £.: Institutionen und Geschichte des röm. 
Rechts, 10 St.; «Römischer Civilprocess u. Klagsystem der Römer, unter Bezugnahme auf 
das 4. Buch d. Gajus, 2 St.; ^Conversatorium über auszuwählende Rechtslehren verbünden 
mit exegetischen Übungen, 1 St. — D. C. H. Heyd eure ich, Anleitung zum Referiren 
nnd Decretiren, unter MittheHung von Gericbtsacten, 3 St.; Übungen im mündlichen Re- 
feriren, 1 St. — D. J. E. Kuntze, Die Rechtspflege bei d. Hauptvöikem des Alterthums, 
des Mittelalters und der Gegenwart, 3 St.; *die Hanptlehren des Obltgationenrechts vom 
praktischen Standpunkte aus betrachtet, 2 St. ; ''Übungen der juristischen Geseilschaft, 2 St. 

in. Medicinische Facultdi. D. E. H. Weber, Anat. et PhysioL P. 0., d. Z. Dech.: 
Physiologie, 8 St.; allgemeine Anatomie und Geschichte der Bildung d. menschlichen und 
thierischen Körpers, 4 St.; physisch-physiologische Übungen. — D. J. Ch. A. Claras, 
Med. P. 0.: *Ausge wählte Capitel der speciellen Pathologie und Therapie, 4 St. -^ D. J- 
Cb. G. Jörg, Art. obstetr. P. 0.: Geburtshülfe , nach seinen beiden Handbüchern, 6 St.; 
geburtshülfliche Klinik, 6 St.; Einübung der geburtshfilflichen Operationen am Phantom, 
4 St. -> D. Ch. A. Wendler, Med. polit. for. P. 0.: *Medieinische Polizeiwissenschaft, 
4 St. — D. 0. B Kühn, Chem P. 0.: Organische Chemie, b St ; über die Salxe, 2 St.; 
Pharmacle, 3 St.; pharmaceut. Praktioum, an 2—4 T. mehrst.; chemisch « prakt. Übungen, 
an 2 oder mehr T. von 9—5 Uhr. — D. L. Cerutti, PathoL et Therap. spec. P. 0.- 
«Poliklinik, 6 St. — D. J. Radius, Pathol. et Hyg. P. 0.: 'Allgemeine Heil- u. Heilmittel- 
lehre, '2 St.; Anfangsgründe der Seelenheilknnde , 2 St.; «klin. Demonstrationen, 4 St *— 
D. G. Günther, Chir. P. 0.: Specielle Chirurgie, 4 St.; «über Knochenbrfiche und Ver- 
renkungen, 2 St.; chirurgische Klinik, 9 St.; Operationscursus am Leichname, 12 St. — 
D. C. A. Wunderlich, Clin. P. 0.: Medicin. Klinik, 9 St.; Pathologie nnd Therapie der 
Krankheiten der Brust- und Unterleibsorgane, 4 St.; «Pathologie und Therapie der Dya- 
krasieen, 2 St. — D. J. K. W. Walt her, Med. P. 0. Hon.: «Chirurgische PoUUinik, 12 
St.; über Syphilis, 2 St. ^ D. G. W. Schwartze, Med. P. E.: «HeHquellenlehre , nach 

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213 

Baetfe Aber ili«8«lbe, 2 Sl. ^ D. P. Ph. Rittericb, Ophlhaltn. P. E.: *Klmik der 
Augenheilkunde, 3 St, — D. E. H. Kneschke, Med. P. E«: '''Mediciniscke Hodegetih, 
2 St.; Recepttrkunst, 2 St.; *allgeni. Augenbeilkunde als Einleitung in die Augenklinik, 

2 St. — D. K. E. Bock, Aaet. path. P. B. des.: Patholog. Anatomie, 4 St ; syateraatiBcbe 
Anatomie, 4 St.; phyeikaliscbe Diagnostik, 2 Sl. •*- D. £. F. Weber, Theat. anat. Pras'ect., 
Med. P. E. des.: Knocke« - und Bänderlehre, 8 $t«; Nervenlehre, 3 St; physisch •* physio- 
logische Übungen, — < D. K. G. Lehmann, Chem. phys. et path, P. E,: Physiologische 
Chemie, 2 St.; '('OiCtetik, 3 St.; physiologisch -chemisches Prakticum, 12 U.; Übungen im 
physikalisch -pbysiolog. Institute. — D« K. G. Francke, Med, P, E. des.: 'Chirurgische 
Poliklinik, 12 St.; Bandagenlehre, 2 St. — D. J. Claras, Med. P. E.: AUgem. Pathologie 
und Therapie, 3 St.; Arzneimittellehre und Receptirkunde, 3 St. — D, H. Sonnen kalb, 
MedL P. E. des.: Gerichtliehe Medicin, 6 St.; *<|ber Nahrungsmittel in medicinisch-^polizei^ 
Ucher Beziehung, 1 St. -^ D. F.W. As s mann: '^Verglc ichende Anatomie d, Wirbeltbiere, 
4 St; ^vergleichende Anatomie der wirbellosen Thiere, 2 St.; Naturgeschichte, Anatomie 
und Krankheiten der Hausthiere. — D. K. L. Merkel: Geschichte der Heilkunde und der 
Volkskrankheiten, bis Lännec, 2 St.; '^Pathologie und Therapie der Stimm- und Sprach- 
organe, 2 St — D. F. E. Meissner, über Kinderkrankheiten, 4 St — D. A. Winter: 
"^Über Ohrenkrankheiten, 2 St -<* D. C. Streubel: Bandagenlehre mit prakt Übungen, 

3 St ; *£xaminatorium über die wichtigsten Capitel der Chirurgie, 2 St; über die chimrg. 
Behandlung der Harnblasen- und Harnröhrenkrankheiten , 2 St, — D. C. Reclam: Ge- 
sammte Geweblehre des menschlichen Körpers, 2 St; die Naturwissenschaft in ihrer An- 
wendung auf den Staat erlfintert durch Präparate, physiologische Versuche an lebenden 
Thieren und praktische Ausführung alier wichtigern forensischen Untersuchungen, 4 St — 
D. F. Germann: Geburtshülfe, 6 St; geburtsbülfliche Poliklinik und Operatlonscurs, 3 St; 
Examinatorien über Geburtshülfe, Frauen« und Kinderkrankheiten;. Phantomübungen. ^ 
D. £. A'. Goccius: '^Specielle Krankheitslehre des menscbl. Auges, 2. St; ^Klinik der 
Augenheilkunde, 4 St.; ^Cursus der operativen Augenheilkunde. ^ 0. B. Th. T hi er f eider: 
«Über die krankhaften Geschwülste, 2 St; klinische Propädeutik oder Übungen im Unter- 
suchen des menscht Körpers und seiner Excrete, 4 St — D. G. Uennig: Über Kinder- 
krankheiten, 2 St; *medicinische Poliklinik, 6 St ~ D. I. V. Carus: ^Vergleichende 
Anatomie, 1. Th.,,4 St; 'vergleichende Entwicklungsgeschichte, 4 St; allgem. Anatomie 
oder Ceweblehre der Thiere, 4 St 

/F. PkihiopkUcbe FacuUdi. D. ph. G. Hartenstein, Phil, theor. P. 0., d. Z. Dech.: 
^Geschichte der alten Philosophie bei den Griechen u. Römern, 4 St — D. W. Wachsmuth» 
Hist P. 0.: 'Geschichte des 18. Jahrb., 4 St; Geschichte des Colonialwesens , 2 St —, 
D plt M. W. Drobisch, Math, et Philos. P. 0.; ** Analytische Geproeterie (Beseblusa)» 

1 St; 'Integralrechnung (Beschluss), 2 St ; Einleitung in die Analysis u. Differentialrechnung, 

4 St; Logik, 3 St -- D. Ch. F. Schwägrichen, Hist nat et bot. P. 0.: Botanik, 4St; 
"^Zoologie, 2 St; b<»tanische , und zoologische Demonstrationen und Excursionen.^ *- 
D* ph. A. West ermann. Litt graec. et rom. P. 0, et Sem. phil. Reg. Dir.: Attische 
Staats* und Rechtsalterthümer (2. Th.), 4 St; ^Erklärung ausgewählter Reden des Lysiaa, 

2 St; Übungen des k. philol. Seminars im Disputiren über schriftliche Ausarbeitungen und 
im Erklären der Wolken des Aristophaoes. — D. ph. G« Th. Fechner, Phys. P. 0.: 
«»Allgemeine Naturphilosophie, 2 St — D. H. L. Fleischer, LL. 00. P. 0.: "^Arabiaehe 
Syntax, 2 St; 'Fortsetzung der Erklärung von Kosegartens arab. Chrestomathie, 2 St; 
Erklärung des persischen Rosengartens von Sadi, 2 St; Erklärung der türkischen 
quarante questions.publiees par Zenker (Vienne 1851), 2 St ; ^arabische Gesellschaft, 2 St — 
P. 0. L. Erdmann, Chem. techn. P. 0.: Experimentalchemie, 4 St; chemisches 
Prakticum, täglich 7 St (Sonn. 3 St.)- — D. ph. F. Bulau, Doctrinn. polit et cam. P. 0.: 
'^Praktisches europäisches Völkerrecht, 3 St.; ^Encyklopädie der Staatswiasenschaiten, 
2 St -- D. ph. A. F. Mob ins, Mechan. et Astron. P.O.: ^Theorie der Planetenstörungen, 
2 St; Elemente der Wahrscheinlichkeitsrechnung, 1 St; '^über einige Abschnitte der 

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214 

Geometrie, 2 St. — D. ph. C..F. Naumann, Mineral. P. 0.: GeogaOsie, 4 St; 'physitcke 
Geoflpraphie, 2 St — D. Ch. H. Weisse, Phil. P. 0.: Logik, 2 St.; Psychologie; 4 St; 
'*'aber die Bedeutung der Mythologie, 2 St; Übungen der philos. Gesellschaft. — D. ph. 
E. Pdppig, Zoolog. P. 0., Mus. zool. Dir. : Specielle Zoologie, 2 Th., 4 St; Taxonomie n. 
Systematik der Zoologie, 1 St.; *soologi8che Übungen, 4 St. — D. ph. W. Röscher, 
Doctrinn. polit pract« et cameral. P. 0.: * Vergleichende Statistik, 2 Hlilfke; theoretische 
Nationaldkonomie, 4St; i'Obungen der cameralistischen Gesellsch. — D. ph. H. Brockhan», 
LL. 00. P. 0.: 'Elemente der Sanskrttsprache, 2 St; 'Episoden aus Firdusi's Scbahname, 
2 St; Erklärung des indischen Schauspiels Mrichekati, 8 St; Erkifirung' der Hymaen des 
Sama Veda, 3 St — D. ph. H. Wnttke , Doctrinn. bist auxx. P. 0.: Allgemeine Geschichte; 
'^Geschichte des preussischen Stsats, 2 St.; historisches Priratissimum , 2 St -^ D. ph. 
W. Hankel, Phys. P. 0.: Erster Theil der Physik, 6 St; *fiber Messung elektrischer 
Strome, in Verbindung mit prakt Obungen, 2 St; physikalisch-physiologische Übungen. — 
D. ph. R. Klotz, Phil, class. P. 0. et Sem. phil. Reg. Dir.: '«'Über Hesiods „Werke und 
Tage*% 4 St; über lateinische' Sprachwissenschaft, 4 St; ^Übungen des königl. philol. 
Seminar im Disputiren über schriftliche Ausarbeitungen und im Erkiflren der Reden nod 
Briefe aus des Salustius verloren gegangenen Geschichtsbüchern; ^Übungen der philolog. 
Abtheilnng der Lausitzer Predigergesellschaft im Disputiren über lateinische Ausarbeitungen 
nnd im Erkiflren der Antigene des Sophokles. — - D. ph. G. Seyffarth, Archaeol. P. E.: 
^Allgemeine Geschichte der Religionen des Alterthums, 2 St; Mythologie der Griechen 
md Römer, 2 St; koptische u. altfigyptische Grammatik, 2 St; — D. ph. C. F. A. Nobhe, 
Philos. P. E. : •Erklärung von Horazens Sapphischen Oden, 2 St ; und 'von Plutarchs Schrift 
über die Erziehung, verb. mit lateinischen Disputirfibungen , 2 St; — D. ph. G. L K. L- 
Plato, Philos. P. E.: Pfldagogik und Didaktik, 4 St; Kalechetik; 2 St; katechetiscbe 
Übungen, 2 St. — D. ph. L L. F. Flathe, Philos. P. E.: »Ästhetik, 2 St; »Europa in 
der Epoche der Reformation, 4 St — D. ph. F. K. Biedermann, Philos. P.E.: Deutsche 
Verfassnngsgeschichte von den Ältesten bis auf die neuesten Zeiten, 2 St: 'vergleichende 
Betrachtungen über die geschichtliche Entwickelung und den gegenwärtigen Zustand der 
Veriassungen anderer Länder, insbesondere Englands, Frankreichs, Belgiens, 1 St — D. ph. 
G. Stallbaum, Philos. P. E.: '«'Über Piatons grössern Hippies, 2 St; Übungen im 
lateinischen Disputiren, 2 St — D. ph. 0. Marbach, Phil P. E.: 'Technologie, 6 St.; 
Buchstabenrechnung und Algebra, 4 St; *über elektrische Telegraphen, 2 St — D. ph. 
V. Jacobi, Phil. P. E.: 'Landwirthschaftslehre, national ökonomischer Theil, 2 St; Lehre 
von landwirthschaftlichen Ertragsanschlägen, 2 St.; Lehre vom Ackerbau, 2 St; AnleiUin^; 
zum Studium der Agrargeschichte , 1 St — D. ph. W. L. Peter mann, Phil. P. E. des.: 
Botanik, nach s. Ts«thenbuche der Botanik, 4 St; die Gattungen der deutschen Flors 
erläutert, 4 St; 'landwirthschaftliche Botanik, 2 St; Kryptogamenkunde, 2 St; botanische 
Exeursionen und Demonstrationen; Examinirfibungen über theoretische und praktische 
Botanik. — D. ph. C. H. Kerndt: Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und 
landwirthschaftliche Technologie, 3 St; *Grundzüge der praktischen Nationalökonomie, 
2 St; Cameralchemie, 3 St; »Grundzüge des Berg-, Hütten- und MQnzwesens, 2 St — 
D. ph. Conr. Hermann: 'Geschichte der alten Philosophie, 4 St; ^Erklärung ausgewählter 
Stellen aus den Dialogen Plato's, 2 St — D. ph. C. Nipperdey: Römische Literstar- 
geschickte, 4 St --. D. ph. H. Brandes: 'f Geschichte Englands, 2 St; 'Geschichte der 
griechischen Literatur, 2 St — D. ph. H. D*Arrest: Sphärische Trigonometrie, 2 St.; 
»praktische Astronomie, 2 St. — D. ph. H. Hirzel: Pharmacia, 3 St; Reactionslehre mit 
Experimenten, 2 St; Toxikologie, 2 St; »quantitativ-analytische Chemie, 2 St — D. ph. 
M. Willkomm, Einleitung in die botanische Wissenschaft, 1. Tb., allgemeine Botanik, 
verb. mit Demonstrationen am Mikroskop, 6 St.; 'Anfangsgründe der Pflanzengeograpbie, 
mit bes. Berücksichtigung der officinellen und der Culturgewächse, 2 St 



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215 

QniTersität ^iegsea. 

Verzeichniss der im Sommßrhalbjabr 1852 zn haltenden Vorlesungen. 

Anfei^ derselben am 19. April. 

/. Katholisch- theolo^he FacuUäi. Löhnis, P. 0.: Biblische Hermeneutik u. Kritik; 
Psalmen; HeMerbrief. — Fluck, P. 0.: Moral; Pastoral. — Scharpff, P. 0.: Kirchen- 
geschiehte, 1. Hälfte; der christl. Litorärgescb. erste Periode (Patrologie). — LuUerbeck, 
P. 0.: Apologetik; Leben Jesu; Dögmatik, 1. Hfilfte. 

IL EiMmgeUseh-theologische Faeukät. Credner, P.O.: (jeschicbte der Entstehung der 
neutcstamentl. Schriften; Erklärung der kleinen Paulin. Briefe. — K nobel, P, 0.: Erklder 
kleinen Propheten; Erkl. des Buches Jona; hebräische Archäologie.— Hasse, P. 0.: Theol. 
Encyklop. u. Methodol.; evaogel. Dögmatik, I. Tbl; christl. Moral. — Köllner, P. 0.: Erkl. 
des Ev. des Johannes; Kirchengesch., 2. Tbl.; christl, Moral. — Baur, P. 0.: Erkl. der 
Genesis; bibl. Theol. des A. T.; Homiletik. 

///. Juristische Factdtdt, Birnbaum, Kanzler, P. 0.: ÖfFentl. Recht des deutschen Bun^ 
des u. d. Bundesstaaten; gemeinen deutschen Criminalprocess — Ihering^P. 0: Juristbche 
Encyklop.; Institutionen; Pandekten-Prakticum. — Deurer, P. 0.: Pandekten; Anleimng 
zur Praxis des gem. deutschen Civilprocesses; Relatorium. — Neuner, P. E.: Pandekten. — 
Sandhaas, Privatdoc.: Kircbenrecht d. Katholiken und Protestanten; deutsch. Privatrecht.— 
V. Helmolt, Privatdoc: ROm. Erbrecht — Levita, Privatdoc: Rechtsphilosophie; gem. 
deut. Criminalrecht; Privatissima. — Die Vorlesungen anderer Docedten, deren Berufung dem- 
nächst zu erwarten ist, werden später angezeigt werden. 

JV. Medicimscke Faadtdt, v. Ritgen L, P. 0.: Geburtsbülfe; Psychiatrie; geburtshtUfl. 
Klinik; geburtshülfl. Explorat. an Schwangern. — Wernher, P. 0.: Die Lehre von d. Kno- 
cbenbrfichen u. Verrenkungen; Operationslehre; chinirg. Klinik. — Bischoff, P. 0.: Physio.- 
logie des Menschen; vergl. Anatomie; Obungen.im physiolog. Institute. — Phoebus, P. 0.: 
Pbannakognosie; die Lehre v. d. Heilquellen n. Seebädern. — Wilbrand, P. 0.: Gerichtj. 
Medicin; medicin. Polizei. — Vogel, P. 0.; Patholog. Anatomie mit Demonstrat; Diagnostik 
Q. Semiotik, medicin. Klinik. -- Vix, P. Hon.: Zoo-Pharma£odynamik ; Zoo-Chirurgie; Qpe- 
rationslehre; allg. Pathol. d. Thiere. — Wetter, P. E.: Encyklop. d. Natur- u. Heilkunde, 
öffentl.; allg. Pathot. u. Therapie; Augenheilkunde. — Winther, P. E.: Allg. Pathologie. — 
Hettenheimer, P. E.: Pharmakognosie; medicinisch-pharm.-botan. Excursionen, dffentl. — 
Stammler, Privatdoc: Diätetik. — Eckhard, Prösector u. Privatdoc: Osteologie; allg. 
Anatomie; allg. Anatomie u. Physiol* des Nervensystems.- 

F. PhOosophisehe Faeultät. ~ Phüosophi» im engem Sinne, Sehmid, P. 0.: Psychologie; 
Gesch. d. neuern Philosophie; unentgeltl. Leitung von DisputaL, Gonversat. u. schrifit. Arbeit 
ten ans dem Gebiete der speeulat Philosophie. — Schilling, P. E.: Logik «. Einl. in die 
Philosophie ;iPhilos. d. Rechts u.. Staats; Religionsphilosophie. — Carriere, P. E.: Logik 
11. encyklop. Übersicht d. Philosophie; Ästhetik. — Braubach, P. E.: Psychol. d. Geffihls; 
Methodik, d. Unterrichts. ^ Noa^k, Rep.: Logik, als System der Philosophie; Religions^ 
pfailosopliie; Gesch. d. neuest, deutsch. Philosophie seit Hegel. 

MaihemiM, J^ioturwisiensehaftm. Umpfenbach, P. 0.: Reine Mathematik; analyt. Ged. 
metrie; analyt., Mechanik; die Lehre v. d. Wahrscheinlichkeitsrechnung, öffentL; Feldmess* 
lomst. — V. Liebig, P. Q.: Allgem. Experimentalcheniie; praktisch-analyt. Cursus im ehem. 
Uiboratorinm. — * Buff, P. 0*: Experimentalphysik. — Kopp, P. E.: Krystallograpbie; Übungen 
im Xryftallograpbischen Zeichnen, unentgeltlich. — Zamminer, P. E.: DiflFerential- n. Inte- 
gralrechnung; ebene n. sphärischeTrigonometrie; niedere und höhere Feldmesskunsl. ~ Will, 
P. E.: Organische Chemie; prakt. analyt. Cursus im ehem. Filial-Laborat.; Anleit. z. Anwen- 
-dnag d. Lölhrohrs in d. Chemie n. MineraL — Hoff mann, P. E.; Botanik mit Ezcurs.; 
Kryptogamenknnde^ nnen^^eltl. -• Heitenheimer, P. E.2 Medicittisch-pharm.*botan. Exenrs. 
(a. nied«iFac.). — Ettliiig, P.E.: Oryktognosie. •— Leuckart« P. E.: Allgem.- n. speeielle 
Zooloi^e; zoolog.-prilki Übungen. -^ Dieffenbaeh, P. £.: Die dentocbeii Gebirgsformal., 

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216 

mit Einl. in die Geognosie; Ge«cbiebte u. Theorie der Vtticane o. Erdbeben; Petrographie; 
geolog. u. palfiontolog. Examinat. 

TeehnologU und Bamoiaentßkaft* v. Klipstein^ P. 0.: Bergbeukuiide. — ▼. Ritgeti IL, 
P. 0.: Arcbitect. Compositionslebre m. ObuDgen ; Perspe^ive; Situationszeichnen; Ornamenten- 
zeichnen; Freihandzeichnen u. Malen; Tectonik d. Alterth. u. Mittelalters, öffentl. — Knapp, 
P. 0.: Agricultarcheraie; Metallurgie (Technologie d. Metalle). 

Staats- und Cameralißisifenschaften. Heyer, P. 0.: Waldbau; Waldertragsregelung und 
Werthberechnung; Forstbotanik. — v. Klip stein, P. 0.: Bodenkunde. — Stahl, P. 0.: 
Staatslehre; Finanz Wissenschaft. — Zimmer^ P. E.: Forsttaxation; forstl. Exoursionen und 
prakt. Übungen. — Hey er, Privatdoc.; Encyklopädie der Forstwissensch. ; forstl. Bodenkunde 
u. Ktimatologie; Examinat. u. Privatiss. 

Geschichie» SchSfer, P. 0.: Politische Geschichte, vom Ende des 15. Jahrb. bis zum 
westphSI. Frieden; Gesch. d. 18. Jahrh.— Lutterbeck, P. 0. d. Theol.: Rom. Alterthfimer 
dlientl.; Aber d. Religion d. Römer, öffentt. 

Philologie und Literatur. Altclassiscbe. Osann, P. 0.: Aristophanes Wolken ; Cicero 
de re publica; Übungen des philolog. Seminars im Erklären des Herodotns. — Otto, P. E>: 
Philologische Kritik u. Hermeneutik; latein. Grammatik; latein. Stylistifc mit prakt. Übungen; 
auserlesene Gedichte des Propertius; Übungen des philolog. Seminars im ErkISren des Lucrettus. 

Orientalische. Vullersj P. 0.: Hebräische Grammatik; Gramm, d. syrisch. Sprache; 
Gramm, d. arabisch. Sprache; Gramm, d. persischen Sprache; ErkISrung der Ritusanfaftra von 
KAKdäsa. 

Neuere. Adrian, P. 0.: Gesch. der filtern firanzds. Literatur; Dante Divlim Comedia; 
Boileau Art poetique; Shakspeare Hamlet und Lord Byron Childe Harold, Canto IV. — Gar- 
r.iere, P. E.: Über die neuere deutsche lVat.-Literatur, öffentl. — Weigand, P. E.: Gesch. 
der deutschen Sprachforschung u. d. deutschen Spraehunterrichts, 5ffentl.; das Nibelungenlied; 
dtts EVang. des hl« Matthäus, ün Hochdeutsüh des IX. Jahrb. «^ Braubaeh, P. E.: Deutsche 
Stylistik^ öffentl. 

Universität 6rätz. 

Vorleseordnung för das Sommer -Semester 1852 an der k. k. Cdrl- 
Franzens - Universität in Grätz. 

Theehgiidie FaenUdi, Historiam eccleslae ehr. et quidem inde' ab anno 1306 atq. ad 
nostra tempore, 9 St., Prof. Dr. Robitsch. — Jos canonicum partem acc^, 5 St, ideal. -*- 
Viya T» slovtenkih poboznih nagovorih, f St., Prof. Dr. Robitsch. -- IntrodocüoDeiB inLLss^ 
Vk T. eamqne ceu historiam praeprimis divinae in popnlo Israel- retelatk>ni8^ 3 St., Prof. 
Dr. Fr ahmen n. >*- Ezechielem prophetam, 4 St., idem. — Psalmos Tersione Vulgata cqm tetfa 
bebra^co perpetuo coUata, 2 St., idem. — Linguam arabicam exercitüs pradicis ex Tenlotte 
Peatatenchi, Corana et Abdollatifo annexis, 2 St, idem. -^ Über Arehiologie der ehristlicbea 
Kirche, coli, publ., 2 St, derselbe. — Eyangeliom St Jeaanis, 5 St; Prof. Dr. WagL -^ 
Introductionem in LL. ss. N. T., 4 St., idem. — Primaa^ et seeoadam ad Timeth. e|nstolaa^ 

2 St, idem — Archäologie der Leidensgeschichte- Jesu mit RAckstcht auf di* Evangelien- 
4Ianaonitt, 1 St, deraelbe, colL pabl. -^ Thedogiam dogmatioam specialem iode a Iractala 
de crealiooe usque ad finem, OSt, SnppL Dr. Jos f. -^ Ethicara christianam apeeialem, 9 St, 
Prof* llr. Ehrlich. ^ Über das VaririHtniss der ohnstl. Ethik zur phüesophiscbeB Bfliifc 4er 
vorchrisäiofaeB Zeit, oolL pnbi., 1 St,'derselbe. '— Der Seelsorger als Verwalter des Gntta» 
ond in seinen PrivatverhältDissen, 5 St, Frei. Dr. Friedl. -- Praktische bomiletisdM ÜlNHi8««r 

3 Si, derselbe. — Hhnt christliche Bauhnost, cell, pabl., 1 St., dersolbo. 

»9ch$^ und slaiUnDimeniehafiUehBPacultdt. Rechtsphilosophie (allgem. Staus* wid Völksf^ 
recht, letaleres mit Berficksichtiguag des posittvea Völkerrechtes), i^8t.^ Prof. Dr. Aliret»»-** 
Statistik der «sterreichischen Moaarolne, ^ St, Prof. Vt, Sehr«! »er. ^ Statistik jler iUerf. 
monar^e, & Si.» a. 4t Prof. Dr, Skn^U -^ &ler#eicUsohef StMfrMht^. 5 Si, «. *. f^ 

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w 

Dr. Neubauer. -^ Atutrijansko VaceHiko pravo raiiafa fkoi, 4 ure, Prof. Dr. SkedL ^-» 
InstttuttoneD das römischen Rechts, 4 St., Prof. Dr. Kopatscb. — Gemeinet imd Asterr. 
Kirchenrecht, 5 St., Prof. Dr. Ko patsch. — All^fem. bArgerlicfaes Gesetabnch, 5 St. Prot 
Dr. Wiesenauer. — Anstrijansko dersav^anako pravo raitaga skoi, 7 ur., Doc. Dr.Krainc.--»- 
Gerichtliches Verfahren in Streitsachen (Beweis-, Exocutioiis- n. Concursverfahren) u. Verftihrea 
ansaer Streitsachen, 7 St., Prof. Dr. Blaschke. — Strafgesetz über Gefillsöbertretungen, 8 St 
a. ö. Prof. Dr. Skedl. — Österr. politische Verwaltungsgesetzkonde, 4 St, Prof. Dr. S oh rei- 
ner. — Österr. Verwattungsgesetskunde, 4 St, a. ö. Prof. Dr. Neubau er. — Finanz-Polilik» 
5 St, Prof. Dr. Schreiner. — CuIturs*Statistik der europiischen (mit Einsehlnss jener der 
vereinigten nordamericanischen Frei-) Staaten, coli, publ., 1 St, Prof. Dr. Scb reiner« — 
Rirchenvermdgen nach gemeinen u. österr.. Rechten, coli, publ, 1 St, Prof. Dr. Ko patsch. — 
Verrecfanungskonde, 6 St, Privaldoc. Anton Fi cht er. — Cameralistische Arithmetik, 3 St 
Privatdoc. Prof. Dr. Götb- *~ Gerichtl. IHedidn, 4 St., Privatdoc. Prof. Ur, Langer. ' 

Pküoiophitche Faeuliät. A. Facultäts-Vorlesungen. Rechtsphilosophie u. swir fümr 
Staats- u. Völkerrecht, 4 St, Prof. Dr. Gabriel. — Moral-Philosophie mit Racksicht auf ihre 
welthistor. Entwicklung, 3 St, derselbe, -r- Conversatorien . u. diaiekt Obungen Ab. MoraU 
Philosophie, 2 St, derselbe, coli. publ. — Erziehungskunde, 2 St, derselbe. — Das Natura 
Schöne, 2 St, Prof. Dr. Tangl. — Erklärung d. lyrischen Versmasse n. ErkUrung einiger ant^ 
gewiblten Oden Horaien^, 3 St, derselbe. — Erklärung d. Trauerspieles Antigene voi 
Sophokles, .2 St., derselbe. — Schrifll.u.mundl. Übungen imGriech., coli. publ, 2St., derselbe.— 
Gesch. d. iMitteiallers, 4 St, Suppl. Dr. Pohl — Gesch. d. österr. Kaiserstaates, 4 St, der- 
selbe. — Deutsche. Mythologie, 2 St., Prof. Dr. Weinhold. — Erkifir. d. Gedichte Wahhei* 
von d. Vogelweide, 3 St, derselbe. — Goth. Grammatik, 1 St, coli. pubL, derselbe. ^-^ 
Gesch. d. Kunst im Alterthume, 4 St., a. ö. Prof. Dr. Hoff mann. — Einleit su d. SchrilleB 
d. Tacitus u. Erklärung d. 1. Buch. d. Anaalen, 2 St, derselbe. — Philol. Obungen, ootL 
puW..,* 2 St, derselbe. — Inteirral-Recbnung, 3 St, Prof. Dr. Knar. ~ Union u. Flffohea 
d. 2. Ordnung, 3 St, derselbe. -- Gesch. d. Philosophie seil Wiedererweckung d. Künste 
u. Wissenschaften im 15 Jahrb. bis auf d. neueste Zeit, 4 St, Prof. Dr. Ahrens. — Optik 
mit math. Begr&ndung, 3 St, Prof. Dr. Hummel. — Experimental-Physik mit Obungen, 4SI., 
derselbe. — Unorganische Chemie, 4 St, Prof. Dr. Hruschauer. — Gährnng, oolL publ, 1 St, 
derselbe. -< Übungen in d. annlyt Chemie giebt täglich in d. Vormittagsstunden im ehem. 
Laboratorium derselbe. — Vergl Anatomie u. Pbysoloaie d. wirbellosen Thiere, 3 St, Prot 
Dr. Schmarda. — Anleitung zum Gebrauche d. Miskroskopes f&r Lehramtscan didatea, 2 St., 
derselbe. — Geologie, coli, publ., 2 St., derselbe. 

B. Vorlesungen über neuere Sprachen und Fertigkeiten. Slov. Sprache, dereä 
Syntax u. Stylübungen in solcher, 4 St., Herr Koloman Quass, öffentl. Lehrer d. slov. Sprache. —. 
Italien. Sprache u. Geschfiflsstyl, 6 St, Herr Benedict v. Valesius, öffentl. Lehrer der italieit. 
Sprache u. d. Geschfiftsstyles. — Franz. Sprache, 3 St, Herr Joseph Quenot, öffentl. Lehrer 
der franz. Sprache. — Stenographie, 3 St, Herr Johann Paul Posener, öffentt Lehrer der 
Stenographie, gratis. 

DniversiUt Erlangen. 

Verzeichniss der Vorlesungen, welche an der Königlich Bayerischen Friedrich- 
Alexanders - üniversilät zu Erlangen im Sommer- Semester 1852 gehalten 

werden sollen. 
^ Der gesetzliche Anfang ist am 19. April. 

Theologitche Facultäu Dr. Engelhardt: Übungen d. kirchenhistor. Seminars, Gesch. 4. 
^irchl. Literatur d. sechs ersten Jahrh., Kirchengesch., Dogmengesch. --> Dr. Höfling: homilet 
Q.katechet Seminariom, Liturgik, prot Kirchenverfassungsrecht — Dr. Thomasius: Dogmatik, 
prakt Exegese d. N. T. — Dr. Hoffmann: allteatamentl. Gesch., Briefe Pauli an die Korinj» 
thier, schwierigere StQcke des A. T. — Dr. Delitzch: Buch Job, Apologetik, Cboogen Um 
exeget. Seminars: Forteetzung der Spr&cbe Salomo's u. hierauf ffoheleth. -i Drji^brfti'd: 
Akadem. Mooat..chrift. April 1862. öigi^zed bTVTÖOg^P^ 



ms 

mutettanentl. EinleftuDg^ Gesch. d. Refdroiation in der Schweiz n. dem westlichen Europa. -> 
Dr« Ton Aminon: Obungen im Pasloralinstilate) Homiletik. — Dr. Schmid: Kirefaengesch. 
Me fear ReformetioB, kirchl. Statistik, Symbolik. — Lic. Dr. Iffigelsbach: kleine Propheten, 
Conversatorinm fOr parallele LectQre d. Genesis in hebrüscber, chald., syr. o. arab. Sprache, 
«eutestamentl. Conversatorien, vorzugsweise fib. den Brief an die Galater. 

JunoMie FaetUiäi. Dr. Bücher: Pandektenreckt. — Dr. Schmidtlein: DiiFerenzea 
d. gem. tt. bayer. Criminalrechts, Theorie d. gem. u. bayer. Criminalprocesses, Conversatorium 
über Criminalrecfat u. Criminalprocess mit Benützung von Rechtsifilien. ~ Dr. Sehe Hing: 
Fkilosophie d. Rechts u. Politik, im Anschluss die Grundlagen d. positiven Volkerrechts, summar. 
Processe u. Coneorsprocess , Einl. in die Praxis unter Erörterung der wichtigsten Lehren des 
ordentl. Civilprocesses verbunden mit Entscheidung prakt. FSIIe, aU Conversatorium. — Dr. von 
Scheu rl: Institutionen u. Gesch. des röm. Rechts, Kirchen recht. — Dr. Gengier: deutsche 
Recbtfgeach,, Einleitung in das bayer. Privalrecbt, ausgewShlto Stellen aus d. deutschen Rechts- 
quellen d. AKltelalters, inbesondere den leges barbarorum und dem Schwabenpsiegel. — 
i>r* Ordolff: Institutionen des röm. Rechts, rdm. Erbrecht, Pandektenprskticum. 

MedieMtdtB Facultäi. Dr. Leupoldt: allgem. Biologie, Anthropologie u. Psychologie, 
Gesch. der Medicin, Conversatorium Ober Gegenstände der Theorie d. Medicin. ~ Dr. Ross* 
birt: Geb&rtshOlfe, geburtsbftlfl. Klinik. — Dr. Heyfelder: Augenheilkunde, Akiurgie, chirurg. 
Klinik, cursus operationum -^ Dr. Will: vergl. Anatomie, Veterin Jrmedicin , zoolog. Denion- 
•trationen. — Dr. Gerlaeh: Physiologie der Zeugung u. Entwicklung, allgem. Anatomie, 
ijiikroskop. Praktieum. — Dr. Dittrieh: specielle Pathologie u. Therapie, med. Klinik, med. 
Poliklinik, Krankheiten des Blutes. — Dr. Trott: Toxikologie, Receptirk'unst. — Dr. von 
Gomp- Besä nee: allgem. anorganische Chemie, ehem. Praktieum. — Dr. Solbr.ig: psy- 
ekialrische Klinik. — Dr. Fried reich: gericbtl. Staatsphysik (gerichtl. Anthropologie u gerichtl. 

Zoologie), System d. gerichtl. Psychologie Dr. Win trieb: gerichtl. Medicin, Conversatorium 

Aber specielle Pathologie u. Therapie. — Dr. Pf äff: physikalische Geographie, Chelnie in 
Beziehung auf Mineralogie u. Geologie, Ab. d. charakterist. Verstemerungen d. Gebirgsfornmtioneo. 

Pkäowpkiiche Fattätdi, Dr. Kastner: GesammtnaturwissenschafI, Meteorologie, Ezperi« 
aentalphysik, allgem. Chemie in ihrer Anwendung auf Ackerhan, Könste u. Gewerbe, Verein 
Iftr Physik u. Chemie. — Dr. BAttiger: Gesch. d. Revolutionen Frankreichs von 1789 an, 
Geach. Bayerns, Gesch. des deoUchen Volks. — Dr. Ddderlein: didakt Obungen, Staats- 
reden des Thucydides, rö«. Literaturgesch. -^ Dr. v. Raumer: Mineralogie, Baco's Novum 
■Organum. — Dr. v. Stau dt: Astronomie, Arithmetik. — Dr. Fischer: Gesch. d. Philosophie, 
mit besonderer BQcksicht auf d. speculat. Systeme, Idee der Persönlichkeit. -~ Dr. Nfigels- 
baeh: Erklfirung von Eurip. Hippolytus, griech. SchreibO bongen, Gesch. d. griech. Theologie, 
Cicero's Orator. — Dr. v. Schaden: reine Metaphysik als einzige Grundtage einer Achten 
Theorie des Erkennens, allgem. Ästhetik, Gesch. d. engl. u. deutschen Poesie. — Dr. Mako- 
wiczka: Polizeiwisseaschaft u. Culturpolitik, Finanzwissenschaft. — Dr. FabrI: Ober Dampf- 
-nascbinen, Fiuanzwissenschaf^ Encyklopfidie d. Cameral Wissenschaften. — Dr. Winterling: 
Shakespeare's Hamlet, engl., franz. u. Italien. Sprache — Dr. v. Raum er: geschichtl. Grammatik 
der deutscheu Sprache nebst ErkiSrung gotbischer u. althochdeutscher Sprachproben, Hartmann's 
Iwein. — Dr. Hey der: Gesch. d. alten Philosophie, speculat. Ethik, ausgewählte StOcke der 
Melaphsyik d. Aristoteles. — Dr. Martins: Pharmacie, mit Beracksichtigung d. Pharmakopoen 
bavarica, Anweisung zur Prüfung ehem. Arzneimittel. — Dr. Spiegel: Fortsetzung d. Sans- 
kritcursus, Sanskritgrammatik, arab. Grammatik, hehr. Grammatik, vergl. Grammatik der indo- 
german. Spracben, Erklärung des Bundehesch. — Dr. Schnizlein: Elemente d. Botanik, als: 
Organographie, Anatomie n. systemat. Morphologie, praki Obungen im Untersuchen u. Bestimmen 
der Pflanzen mit Excorsionen, mikroskop. Cursus. 

Die Tanzkunst lehrt H Q b a c b, die Reitkunst N e u b e r t, die Focht- u. Schwimmknnst ti e h I. 

Die Univ. -Bibliothek ist jeden Tag (mit Ausnahme des Sonnabends) von l-^d Uhr, daa 
Lesezimmer in denselben Stunden u. Montags u. Mittwochs von 1 -> 3 Uhr; das Naturalien« o. 
Konileibinet Mittwocks «. Sonnabends von 1—2 Uhr geöffnet 



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Si9 

nuhreniUt ireifiiwali 

Verzeichniss der Vorlesungen, welche auf der K. Universität zu Greifs wald 
im Sommer-Semester 1852 vom 19. Aprii 1852 an gehalten werden . sollen. 

Gottesgelahrtheit. TheoT. EncyklopSdie wird Prof. Btier dreimal wdehratl. von 8-^9 
priv. vortragen. — Erkifirung d. Psalmen, Prof. Ko segarten, riermal wdcbentl. von 2— S, 
priv. — Erklär, d. Propb. Jesaias, Cap. 40—66, Prof Hahn, viermal wOchontl. ron S<— 4, 
priv. — Biblische Theologie d. A. T., Prof. Kosegarten, ▼iermat wAchenil. von 11—12, 
öffentl. — Hebr. ArchSologie, Prof. Hahn, viermal wöchentl. ron 4—5, Mentl. — Evangel. 
d. Johannes, Prof. Gass, viermal wdchentl. v. 9—10, öffentl. — Briefe an d. Galat. n. Phi* 
lipper, Prof. Schirmer, dreimal wAchentl. v. 10— 11, öffentl. — Einige kathol. Briefe^ Prof, 
Vogt, Mittwochs von 9— 1t, öOentl. — Der Kirchengesch. 2. Th.; Prof. Gass, siebenmal 
wöchentl. v. 7— 8 u. v. 9-10, priv. — Der Dogmengesch. erste Ittifte, Prof. Semisch, 
viermal wöchentl. v. 8—9, priv. ^ Symbolik, Prof. Baer, dreimal wöchentl. von 8—9 md 
Sonnabends von 9—10, priv. — Christi. Ethik, Prof. Vogt, viermal wöchentl. von 10—11, 
. priv. — Homiletik, Prof. Schirmer, viermal wöchentl. v. 9—10, priv. — In d. theol. Seminar 
werden die Obungen in d. Erkifir. d. A. T. von Prof. Kosegarlen Sonnabends von 5<*-6, 
in d. Erklffr. d. N. T. t. Prof. Vogt Dienstags v. 6—7, in d. Kirchen«* u. Dogroengiach. v. 
Prof. Semisch Freitags von 4—5, in d. Dogmatik v. Prof. Baier Mitlw, von 5—7 gebnllM 
werden. ^ Die Übungen d. theoUprakt. Instituts wird Prof. Vogt Mittwochs v« 3—5 leüeii. 

ReehttgelahrAeii, Jurist. Encyklopidie n. Methodologie, Prof. Hiberlin, Montags, Diaae* 
tags u. Donnerstags v. 10 — 11, priv. — Institatioi|en d. röm. Rechts, Proti Ifiemeyer^ tiglp 
von 11-12, priv. — Repetitörium üh. d. Institutiouien, Derselbe, einmal d. Woche v. 4-*9v 
öffentl. — Pandekten, Prof. Barkow, tSgl. v. 8—10, priv. ^ Eiaminatoriom Ab. Pandekten, 
Derselbe, in noch zu bestimmenden Stunden, öffentl — Preussisches Civilrecht, Prof. Nio* 
meyer, tigl. v. 10—11, priv. — Über einige HauptstQcke des Kircbenrechts, Prof. Patt er, 
dreimal wöchentl. zu gelegener Zeit, priv. — Crimmal-Process, Prof. Hfiberlin, Montags, 
Dienstags, Donnerstags, Freitags von 9—10, priv. — Lehnrecht, Prof. Beseler, Sonnabends 
von 11 — 12 öffentl. — Einleitung in das deutsche Staatsrecht mit besonderer Berücksichtigung 
des preussiscben , Derselbe, dreimal wöchentl. von 10—11, priv. — Deutsche Staats- und 
Rechtsgeschichte, Derselbe, fünfmal wöchentl. von 11 — 12, privatim. — Geschichte des 
deutschen Bundes, Prof. Iläberlin, in einer zu bestimmenden Stunde, öffentl. — Das prakt* 
enropäiscfae Völkerrecht, Prof. P Otter, fänfmal wöchentl. von 11—12, priv. — Das prakt. 
europ. Fremdenrecht od. sogenannte internationale Privatrecht, Derselbe, nach seinem Buche: 
»Das prakt. europ. Fremdenrecht, Leipzig 1845% Mittwochs von 10— 11 u. 11—12, öffentL 

Heilkunde. Encyklopidie und Methodologie des medicinischen Studiums, Prof. HSser, 
fünfmal wöchentl. von 4-5, wfibrend des ersten Monats des Semesters, öffentl. — Osteologie 
und Chondrologie d. menschlichen Körpers, Prof. Schultze, Mittwochs von 8—10, priv. — 
Syndesmologie des menschlichen Körpers, Derselbe, Montags von 11—12, öffentl. — Ana- 
tomie d menscbL Körpers, Dr. Schnitze, in spfiter zu bestimmenden Stunden, privatiss. — 
Vergleichende Anatomie und medicinische Zoologie mit Demonstrationen der Museen, Der* 
selbe, Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 8—9, priv. — Gewebelehre, mit 
Übungen im Gebrauche des Mikroskops, Derselbe, Mittwochs und Sonnabends von 10 — 11, 
priv. — Patholog. Anatomie, mit Demonstrationen d. PrSparate d. öffentl und seines eigenen 
Museums, Prof. Schultze, Sonnabends von 8—10, priv. — Physiologie des Alenschen, mit 
Experimenten und Demonstrationen, Derselbe, Montags, Dienstags, Donnerstags u. Freitags 
von 9—10, priv. — Allgemeine TIferapie« Prof. Häser, Montags, Dienstags und Mittwochs 
von 11—12, priv. — Formulare oder Receptirkunst, Prof. L aurer, Mittwochs u. Sonnabende 
von 11->12, ÖffentL — Über Heilquellenlebre, Derselbe, Donnerstags, Freitags und Sonn- 
abends von 4—5, priv. — Chirurgische Verbandlebre, Derselbe, Montags, Dienstags und 
Mittwochs von 4—5, priv. — Spec Pathologie und Therapie, Prof. Bern dt, tSgU von 8—9, 
priv* — Über die Krankheiten des Gehirns, Dr. HäckermanUi Montags nnd Donnerstage 

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920 

Ten 4—5, uffentl. — Ober d. sypbiHligchen Kraidcheiten, Dr. Globrecht, sweimal wdcheidl. 
fn noch zu bestimmenden Stunden, priv. r- Examinatorium über Pathologie, Therapie and 
Arzneimitteilehre, Prof. Häser, in spSter zu bestimmenden Stunden, privatiss., aber unentgelt- 
lich. — Spec. Chirurgie (die Krankheiten der Knochen und Gelenke), Prof. Bardeleben, 
Donnerstags, Freitags und Sonnabends von 7 — 8, öiTentl. — Augenheilkunde, Derselbe, 
Montags, Dienstags und Mittwochs von 7 «-8, priv..—- Übungen in chirurg. Operationen, 
Derselbe, in noch zu bestimmenden Stunden, priv. — - Geburtshülfe, Prof. Bern dt, Diens- 
tags, Mittwochs und Donnerstags von 3—4, dffentl. — Ober d. Krankheiten d. weibl. Gescfal., 
Dr. Etchstedt, Dienstags, Mittwochs, Freitags und Sonnabends von 2--3, priv. — Ober 
geburtshOlfl, Operationen, Derselbe, Montags und Donnerstags von 2—3, öffentl. — Ober 
Medicinal -Polizei, Dr. Hftekermann, Dienstags, Freitags u. Sonnabends v. 7—8, öffentl.— 
Die med. Klinik, Prof. Berndt, tfigl. v. 9— IOV2) P"v. — Chirurg, u. augenfi'rztl. Klinik, 
Prof. Bardeleben, tfigl. v. lOVa— 12, ?"▼• — Geburtshülfl. Klinik nebst gebartshA (fliehen 
Uatersochungen in d. Entbindungsanstalt, Prof. Berndt, in näher zu bestimm. Stunden, priv. — 
Obongan in d. geburtsliftlfl. Poliklinik, Dr. Eicbstedt, in nSher zu bestimm. Stunden, priv. 

Fkihiopkie. Logik, Prof. Ericbson, Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 
5— ft, priy. — Logik und Metaphysik, Prof. Matthies, viermal wöchenll. von 7—8, priv. - 
Psycli«i«gie, Prof. Stiedenrotb, viermal wöcbentl. von 11—12, priv. — Naturrecht, Der- 
lei be, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 8—9, priv. — Der Ästhetik erster allgem. 
TMi, Prof. Ericbson, Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 11 — 12, priv. - 
Ober die didaktische nnd epigrammatische Dichtkunst, Derselbe, Mittwochs u. Sonnabends 
von ti — 12, öffentl. ^ Geschickte d. nenplalonischen u. d scholastischen Philosophie, Prof. 
Matlhies, Mittwochs "nnd Sonnabends v. 7—8, öffentl. 

FädagogßL Vnterrichtskunst, Prof. Hase r1, dreimal wöcbentl. von 11—12, priv. - 
Gesch. d. Pädagogik in Deutschland v. d. Refornlation bis auf unsere Zeit, Derselbe, zweimal 
wöcbentl. von 12—1, öffentl. — Die Obungen d. pSdagog. Gesellsch. leitet Deraelbe priv. 

Maih&matih, Analyt. Geometrie, Prof Grunert, Montags, Dienstags, Donnerstags nnd 
Freitags v. 10-11, priv. — Theorie d. Kegelschnitte, Prof. Tillberg, Montags n. Donners- 
tags von 9—10, öffentl. — Differential- u. Integralrechnung, Derselbe, Montags, Dienstsgs, 
Donnerstags u. Freitags v. 3—4, priv. — Integralrechnung nebst deren Anwendung auf die 
Geometrie, l'rof. Grunert, Montags, Dienstags, Donnerstags u. Freitags v. 11—12, öffentl.— 
Statik u. Mechanik, Prof. v. Feil itz seh, dreimal wöcbentl. v. d— 10, priv. — Die Obungen 
seiner matbemat. Gesellschaft leitet Prof. Grunert Mittwochs v. 10—12, priv. -—Unterhal- 
tungen über einzelne Capitet aus d. angewandt. Mathematik, Prof. v. Feil itz seh, Mittwochs 
n. Sonnabends von 10—11, öffentl. 

Naiuneissenschaflen, Experimentalphysik, besond. derjenige Tbl., d. ▼. d. Imponderabilien 
handelt, Prof. Till borg. Mittwochs und Sonnabends v. 11 — 12, öffentl. — Der allgem. Ex- 
perimentalphysik 1. Tbl., Prof. V. Feilitzsch, dreimal wöcbentl. v. 9—10, priv. — Analyt. 
Chemie, Prof. HOnefeld, Dienstags u. Freitags v. 11—12, öffentl. - Theoret-prakt. Chemie, 
anorganische. Derselbe, viermal wöcbentl. v. 2-3, priv. — Elemente der Geognosie nnd 
Geologie, Derselbe, zweimal wöcbentl., priv. — Ornithologie,' Prof. MOnter, zweimal 
wächentl , öffentl. — Physiol. u. systemat. Botanik in Verbind, mit mikroskop. Beobaclitungea 
n. Obungen im Bestimmen d. Pflanzen, Prof. Mfinter, sechsmal wöcbentl. in geeigneter Zeit, 
priv. — Boten. Excursionen werden nach Befinden d. Umstfinde in d. Begel den Sonnabend 
Kachmittags veranstaltet. — Naturgesch. d. land u. forstwisscnschaFtl. wichtigen Culturpflanzen, 
Derselbe, zweimal wöcbentl , öffentl. 

Staats^ und Cameral-Wissemchaflen. Volkswirthschaftslehre oder Nationalökonomie, Prof. 
Baumstark, Montags u. Afittwochs von 3—5, priv. — Handelslehre, Derselbe, Freitags 
von 3—5, öffentl. 

Cfuchiehte, Geschichte der römischen Republik, Prof. Urlichs, zweimal wöchentlich von 
8—9, Öffentl. — Allgemeine deutsche Geschichte bis zum Schluss des dreissigjSbrigen Krieges, 
Prof. Barthold, Tiermal wöcbentl. von 3—4, öffentl. -- Geschichte des preussischen Staates 

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§21 

von 1640 bis 1851, Derselbe, drefniat W5cheml. Toa 4—5, privat — Erklffrung d. frftnki' 
sehen Geschichte des Gregor von Tours, Derselbe, zweimal wöchentl., privatlss. 

PkUohffie und 'Spraehwisiemchaft, ' Geschichte der alten Kunst, Prof. Urlichs, sechsmal 
w^ehentl. von 7—8, privat. — Die Homerischen Hymnen erklirl Prof. Schömann im phiIoL 
Seminar, zweimal wöchentl., ölTentl. — Lykurgs Red^ gegen Leokrates erkiSrt Derselbe, 
Montags, Dienstags u. Mittwochs V. 9— 10, privat. — Terenz Andria, Prof. Urlichs im philol. 
Seminar, zweimal wöchentlich von 8—9, öffentl. — Die Satyren des' Persius erklffrt ProC 
Schömann, Donnerstags, Freitags und Sonnabends von 9— 10, privat. — Sanskrit-Grammatik 
trSgt Prof. Hoefer mit steter Vergleichuog der verwandten Sprachen vor n. verbindet damit 
dittErkiSrung seines Lesebuches, dreimal wöchentl. von 4 — 5, öffentl. — Unterricht im Ara- 
bischen nach CaspBri*s Grammatik ertheilt Prof. Kosegarten, Mittwochs u. Sonnabends von 
2— -d, öflSentl. — Simrocks altdeutsches Lesebuch erklärt Prof. Hoefer, mit einer ObersKht 
Ab. d. s. germanischen Stamme gehörigen Sprachen, dreimal wöchentl. von 10—11, privat -^ 
Einzelne Capitel der Geschichte und Grammatik der deutschen Sprache behandelt Derselbe 
zweimal wöchentt von 10^11, privat. — Sbakespeare's Macbeth erklärt Derselbe, In eng- 
lischer l$prache, dreimal wöcheqtl. von 4—5, privatiss. fQr Geübtere. 

Neuere SfMrachen. Die Syntax der französischen Sprache trfigt der Lector Dr. Schmitz 
nach seinem Lehrbuche, Berlin 1847, in französischer Sprache Dienstags und Freitags v. 5—6 
priv. vor. — Die Phaedra von Racine erklärt Derselbe, mit einer Einleitung Ob. d. französ. 
Literatur des 17. Jahrhunderts, Mittwochs nnd Sonnabends von 2—3, Öffentl — Den König 
Johann Yon Shakespeare erklärt Derselbe, mit einer Einleitung über das Leben und die 
Werke dieses Dichters, insbesondere über die sogenannten historiseben Schauspiele, Mittwochs 
und Sonnabends von 3—4, öffentl. ^ Übungen im Schreiben und Sprechen desFransösischeo 
und Englischen veranstaltet Derselbe» privatiss. 

Kibisfe. Das Zeichnen lehrt der akademische Zeichnenlehrer Prof. Tite^ Mittwochs und 
Sonnabends von 3—5. — Unterrieht in der Musik, theoretisch und praktisch, ertheilt der aka- 
demische Mnaiklehrer Wo hier nnd erbietet sich zu Vorträgen über nGeschichte der Musik«, 
anch leitet er die Übungen und Concerte des akademischen Singvereins. — Anleitung zum 
kirchlichen Gesänge ertheilt den Theologie Studirenden der Organist Peters, in zwei Abend- 
stunden wöchentl. — Unterriohi in der Reitkunst ertheilt in der akademischen Reitbahn der 
Stallffleister Donath. 

O/fenäiehe gelehrte Amtalten, Die Universitätsbibliothek ist zur Benutzung d. Studirenden 
Montags, Dienstags, Donnerstags n. Freitags von 11—12, Mittwochs u. Sonnabends von 2—4 
geAfinet Erster Bibliothekar: Prof. Schömann; Unterbibliothekar: Prof. Gass. — Das 
akademische Leseinstitut steht unter der Aufsicht des Rectors u. des Universitäts-Secretärs. — 
Dbb theologische Seminar unter Direction der theologischen Facoltät. — Das theolog.-prakt 
Institut dirigirt der Prof. Vogt — Das anatomische Theater. Vorsteher: Prof. Schnitze; 
Prosector: Dr. Schnitze der Jüngere. — Das anatomische und zootonuscfae Museum. Vor- 
steher: Prof. Schnitze; Prosector: Dr. Seh u Uze der Jüngere. — Medicinisches Klinikum. 
Director: Prof. Bern dt; Assistenz- Arzt; Dr. Hfickermann. — Chirurgisches und augen- 
ärztliches Klinikum. Director: Prof. Bardeleben; Assistenz- Arzt: Dr. Pohl. — Geburts- 
bfilfliobes Klinikum u. Hebammen-Institut Director: Prof. Beredt; Assistenz- Arzt: Dr. Eich- 
sted t — Die Sammlung mathematischer u physikalischer Instrumente und Modelle. Vorsteher: 
Prof. Tiilberg. — Astrononiiicch- mathematisches Institut Vorsteher: Prof. Grunert ^ Zoo- 
log. Museum. Vorsteher: Prof. AI unter; Assistent: Dr. Creplin; Conservator: Dr. Schil- 
ling. — Botanischer Garten. Vorsteher: Prof. Munter; Garteninspector: Dotzauer. — 
Mineraliencabinet Vorsteher : Prof. Hünefeld. — Chem. Institut Vorsteher: Derselbe. — 
Philologisches Seminar. Director: Prof. Schömann, welcher die philologischen Übungen 
leitet — Die archäologische Gesellsiiiafl leitet der Prof. Urlichs. — Die Obnogen der 
mathematischen Gesellschaft leitet Prof. Grunert — Die Übungen der pädagogischen Gesdl- 
•ebaft leitet Prof. Hasert 



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Akadenie Eldeia. 

Verzeichniss der Vorlesungen, welche an der Königlichen Staats- und land- 
wirthschaftlichen Akademie zu Eldena im Sommer-Semester 1852 gehalten 

werden sollen. 

/. Volks ^ und staatswirlhschafiliehe. 1) Ein und Anleitung zum akademischen Studiam, 
Director Prof. Dr. Baumstark, am Anfang des Semesters in zu bestimmenden 8—10 Stun- 
den. ~ 2) Volkswirthschaftslehre, Derselbe, Dienstags und Donnerstags von 2—4. 

//. Landwirthtchafllieke, 3) Allgemeiner Acker- und Pflanzenbau, Dr. Segnitz, Montaga, 
Dienstags, Mittwochs und Donnerstags von 8—9. -r 4) Landwirthschaftlicbe Statistik, D er- 
at Ibe, Freitags und Sonnabends von 8—9. — 5) Praktische Obungen im Bonitiren, Der- 
selbe, Frpilags von 4—6. — 6) Besonderer Acker- und Pflanzenbau, Akademischer Guta- 
administrator Rhode, Mittwochs und Sonnabends von 6->8. — 7) Wiesenbau, Derselbe, 
Sonnabends von 2— 3. — 8) Praktische landwirthschaflliche Demonstrationeo zu 6) und 7}, 
Derselbe, Freitags von 4—6. — 9) Obstbaomzucht und landwirthschaftliche Verscbönerungs- 
kunst, akademischer Gfirtner Jöhlke, Montags von 2—4.— 10) Allgemeine Viehzucht, Prof. 
Dr. Haubner, Donnerstags von 6—8. 

UL FoTMhoirtktchaftlich^ 11) Forstschutz und Lehre von der Behandlung der W«Idser- 
vititfei akademischer Forstmeister Schultz-Völker, Mittwochs von 2—4. — 12) Forstliche 
Ezcursionen, Derselbe, in zu bestimmenden Stunden. 

/F. Au$ der TkUrheähamde. 13) Die Süssem Krankheiten der Hausthtere nnd Lehre vom 
Hafbeschlag, Prof. Dr. Haubner, Montags and Dienstags von 6^8. — 14) Gesundhoitspfleg» 
der landwirthschafUichen Hausthiere, Derselbe, Freitags von 6—8. 

F. NtUurwissrnsehaflUehe. 15) Organische Chemie, Dr. Trommer, Mittwochs und Don- 
nerstags von 9—11. — Physik, insbeirondere Lehre von der Wärme, deiii Lirhie, der Elek- 
irioiiift, dem Magnetismos, Klimatologie und Meteorologie, Derselbe, Freitags von 2—4. — 
17) Analytische Chemie mit Obungen im chemischen Laboratorium, Derselbe, Mittwochs von 
2 Uhr an. — 18) Bodenkunde, Derselbe, Montags von 9—11. — 19) Systematiacfae Bota- 
nik, Dr. Jessen, Dienstags von 9—11 und Mittwochs von 4—6. — 20) Anatomie n. Phy- 
siologie der Pflanzen, Derselbe, Freitags und Sonnabends von 9—11. — 81) BotanisciM 
Eacuffsionen, Derselbe, Sonnabends Nachmittags. 

VI. Aus der BoMkumL 22) Über Construclion u. Einrichtung landwirrhsehani. G«b«Mln 
nebst Demonstrationen und Obungen im Bauzeichnen, Prof. Dr. Mensol, Montags und Frei- 
tags von 2-4. 

VIL Maihemaiiiche. 23) Feldmessen und Nivelliren mit fortwShrondnn prakt Übnngon 
Prof. Dr. Grün ort, Montags und Donnerstags von 4—6. 

VIU. ReehiiMnateHschafÜidm. 24) Landwirthschaftsrecht, Prof. Dr. Boseler» Dienstags 
v«i4^6. 



UniTersität Zflricli. 

Verzeichniss der Torlesangen an der Universitdt Zärich im Soniner- 

Semester 1852. 
(Anfang am 19. April, Schluss am 25. September, Sommerferien vom 19. Juli bis 9. August.) 
Nach den Docenten geordnet 
Ä. Tkeologkdi4 Faemlm. Prof. ord. Dr. J. P. Lange ,' Decan: 1) Philos. Dogmatik, 
3 St. 3) Goseh. d. apostol. Zeitalters mit Beziebnng anf d. Apostelgesch., 3 St. 8) DogoiMi- 
gesch., 4 St. 4) Homiletische Obungen, 2 St. — Prof. ord. Dr. F. Hitzig: 1) UebrttsqlM 
Syntax,* 3 St. 2) ErkL des Buches Jesaja, Cap. I— XXXIX, 6 St. 3) Cursor. Auslegung 

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d. Boches Josua, 2 St. 4) Hebr. Interpretir-ObaDgen, 2 St. —Prof ord. Dr. A. Schwelt er: 
1) Christliche Mdrai, 4 St 2) Geseh. d. Pridestioationslehre in d. reformirten Kirche, 2 St. 
8) Theorie d. Eirchenref im., 2 St. — Prof. ord. Dr. 0. F. Fritcsohe: 1) Ktrchengesch., I.Th., 
6 St. 2) ErhUfDDg d. Korintheiv-Briefe, 4 St. 3) Geschichte d. theol. Literatur d. achtzehnten a. 
neancehnten Jahrb., 2 St. — Prof. exttaord. JH. U I r i c h : 1) ErklSrnng d. E^aogel. d. Johannes, 
5SI. 2)£rklSrung d. Pastoral-Briefe, 2St. ~ Prof. extraord. A. E. Biedermann: 1) Theol. 
Eacyklopfidie u. Meihodoiogie, 3 St. 2} Vergl. Erklirnng d. 3 ersten Frangelien; 3 St. ^ 
Privatdoc. J. C. Usteri: 1) Patristik, 1 St. 2) Erklirung d. Briefes an die Römer, 2 St. 
3) Christi. AlteHhümer, 2 St. «— A. Koch, Theol Lic: 1) Geschichte der apokrfpbischen 
Evangelien des Neuen Testamentes, 2 St. 2) Erklärung der beiden Briefe Pauli an die 
Kortnther, 4 St. 3) BrkUrung des Buches der 12 kleinen Propheten, 5 St. 

B. StaeUsidsiensehafUicke Facultdt, Prof. ord. Dr. Ed. Osenbrflggen, Rector : 1 ) Cri- 
minslrecht, 6 St. 2) Gem. deutscher Civilprocess, 6 St. — Prof. ord. Dr. Br. Hildebrand, 
Derao: 1) Einleitung in das Studium d. Staatswissenschaften, 2 St. 2) Allgemeines Staats- 
recht, 5 St. 8) Ober Geld- und Bankwesen, 2 St. 4) Staatswirthschaftliche Übungen, 
2 St. — Prof. ord. Dr. A. Erxleben: 1) Institutionen u. Geschichte des röm. Privatrechts, 
10 St. 2) Erklärung von Ulpians Fragmenten, 2 St. — Prof. ord. Dr. Tb. Mommsen: 

1) Institutionen, 10 St. 2) Kurze Übersicht der römischen Verfassungsgesch, 2 St. — Prof. 
extreord. ff. Escher: 1) EncyklopSdte und Literatur der Staatswissenschaflen , 4 St. 

2) Handelsrecht niit Einschluss des ^'echselrechts, 4 St. 3) Über das rechtliche Verhfiltniss 
des Staates zur Kirche, 2 St., publice. — Prof. extraord. Dr. Fr. v. Wyss: I) Zürcherische 
Civilrecht, zweiter Theil, 3 St. 2) Gem. deutsches Privatrecht, erste HilAe, 4 St. — Prof. 
extraord Dr.J Hill ehr and: 1) Deutsche Staats - u. Rechtsgeschichte, 5 St. 2) Historisch- 
iLritiscbe Übersicht bedeutender Staatsverfassungen, 2 St. 3) Erklärung des Sachsenpiegels, 
2 St. ~ Prof. extraord. Dr. H. F ick: 1] Pandekten, 12 St. 2) Conversatorium u. Repetitorium 
Qber Pandektenrecht, 4 St. 3) Handelsrecht, zweiter u. dritter Theil, 2 St. — Privatdoc. 
Dr. J. S c h a u b e r g: 1) Civilprocessprakticum mit besonderer Rücksicht auf d. Zürcherischen 
Civilprocess, 4 St. 2) Lehre von den Handelsgesellschaften , 2 St. ^ Privatdoc. H. Mar« 
schall v. Bieberstein: 1) Staatsrecht d. Eidgenossenschaft, 3 St. 2) Staatswirthscbafts« 
lehre und Finanzwissenschaft, 5 St. 3) Vergleichende Statistik,. 2 St. — Privatdoc. J. J. 
Hotz: Substitut d. Staatsanwalts: Zürcherisches Cnminalr.,*4 St. 

C. Medicmische Facultät. Prof. extraord. Dr. Spdndli, Dec: 1) Theoret. GeburUbüIfe, 
4 St. 2) Geburtshülfl. Klinik, 3 St. -> Prof. ord. Dr. Locher-Zwingli: 1) Chirurgie, 4 St. 
2; OperatiOnscursus , an geeigneten Tagen von 4 — 5 Uhr. 3) Chirurg. Klinik, 6 St. — Prof. 
ord. Dr. Hasse: 1) Spec. Pathologie u. Therapie, 8 St. 2) Med. Klinik, 7 St — Prof. ord. 
Dr. Ludwig: 1) Physiologie, 1. Theil, 4 St. 2) Physiologie, 2. Theil, 6 St. 3) Physiolog. 
Gesellschaft, 2 St. — Prof ord. Dr. H. Frey: 1) Anthropologie für Zuhörer aus allen Facultfiteui 
2 St. 2) Vergl. Anatomie nach d. Organen, mit Rücksicht auf Physiologie u. Eotwicklungagesch., 
5 St. 3) Zoologie, erste Hfilfte (wirbellose Thiere), 5 St. — Prof. extraord. Dr. Locher- 
Balber: 1) AUgem. Therapie u. erster Theil d. Arzneimittellehre mit Vorweisungen, 5 St. 
2)Semiotik, I St., publice. 3) Propädeutik zum Studium d. Medicin, 2 St. 4) Poliklinik, SSt.— 
Prof. extraord. Dr. Mayer: 1) Topographische Anatomie, 3 St. 2) Pathol. Anatomie, 7 St. 

3) AUgem. Pathologie, 5 St. — Privatdoc. Dr. Giesker: 1) Allgem. Chirurgie, 2 St., publice. 
2) Augen- u. Ohrenheilkunde, 4 St. 3) Ophtha imiatrische klin. Übungen, 2 St. — Privatdoc. 
Dr. Hs. Locher: AUgem. Pathologie, 4 St. 2) Gesch. d. Medicin u. der Volkskrankbeiten 
von d. ältesten bis auf d. neueste Zeit, 2 St. 3) Gerichtl. Medicin für Juristen, als forrtlaufen- 
der firzll. Commentar zur Zürcher. Gesetzgebung, 3 St 4) Repetitorium d. Chirurgie u. Geburta- 
külfe , mit Übungen im Receptschreiben u.. einem Curse üb. d. Mineralwasser, 2 St. — Dr. 
H. Spöndli: 1) AUgem. Pathologie, 4 St. 2) Repetitorium üb. Geburtshülfe, 1 St. 3) Pro- 
pädeutik d. med. Wissenschaft, 2 St. 4) Sociale Krankheiten für Zuhörer aus allen Facultfiten, 
1 St., publice. — Prosector Dr. Fick: 1) Osteologie u. Syndesmologie, 3 St., von 8—9 Uhr. 
2) Repetitorium d. Anatomie. , 

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fi»4 

D. PhüofophisQhe Ftunmt, Prof. ord. Dr. R. K«chly; Dec.: f) GHech.GMdi^ mit bei. 
Berücksicbtigunn^ von Staatsverfassung n. Kriegswesen, von* den Jkesten Zeiten bis 146 vor 
Chr., 4 St. 2} Vortrag u. kurze Erliuterong aqserles. Musterstücke d griech. NaUonaUiteratur 
in deutscher Obersetzung, 1 St. 3} Demosthenes' Rede vom Kranze, 2 St. 4) Ovids Kunst 
zu lieben u. Mittel gegen d. Liebe, mit bes. RöcksiCht auf Sitten u. Leben des damaligen Roms, 
3 St. 5) Übungen d. philol. Gesellschaft (Erklärung von Plautus' railes glortotns), 2 St. (uneni- 
geltl.). — Prof. ord. Dr. E. Bobrik: 1} Logik u. Rhetorik, mit möndl. u. scbrifll. Übungen, 

3 St, 2) Gesch. d. Philosophie des Alterthums, 3 St. 3) Pädagogik, «2 St. 4) Repetitoiiom 
d. phiL Wissenschaften, 2 St. 5] Humboldts Kosmos vdrgUchen mit d. kozmolog. Systmen der 
Griechen u. Orientalen, 2 St. — Prof. ord. Dr; A. Mflller: 1) Geometrie, mit Einsehluss der 
ebenen u. sphSr. Trigonometrie^ 3 St. 2) Analysis, mit Einsehluss d. Theorie der Gleichungen 
u. deren Auflösung durch Anwendung d. Curven höherer Ordnung, 3 St. 3) Anwendung d. 
Differential- u. Integralrechnung auf Geometrie u. Mechanik, 2 St. 4) Astronomie, 4 St. — 
Prof. ord. Dr. J. J. H ottin ger: 1) Schweizergesch. von Umbildung der Eidgenossenschaft 
der 13 Orte in eine helvet. Republik bis zum Jahr 1830, 3 St. 2) Literatur d. Schweizergesch., 
ä St. — Prof. ord. Dr. J. C. Löwig: 1} Unorganische Experimentalcbemie, 6 St. 2) Organische 
Chemie, 4 St. 3) Prakt. Arbeiten im Laboratorium, wie gewöbni. -.- Prof. ord. Dr. A. Schmidt: 
1) Allgem. Gesch. von d. Völkerwanderung bis zur Reformation, 4 St. 2) AUgem. Erdkunde 
nackd. Ritter'schen System u. mit Rucksicht auf Culturgesch., 3 St. 3) Kants religiöse, polit. 
<]. geschicbtsphilos. Ansichten u. ihr Einfluss a. d. Geist d. 19. Jahrb., ISt. 4) Forts, d. kistor. 
Übungen, 1 St. 5) Erkl. griech. Papirusurkund., 3 St. — Prof. ord. Dr. 0. U ee r : 1} Spec. Botanik m. 
bes. BerQcksicht. d.' officinellen Pflanzen, verbünd, m. wöchentl. Excursionen, 6 St. 2) Anleit. z. Be- 
stimmen d. Pflanzen, 1 St. 3) Üb. d. Arznei- u. Giftpflanzen Deutschlands u. d. Schweiz, 1 St. — 
Prof. extraord. Dr. H. Seh in z: Naturgesch. d. Wirbelthiere, 4 St. -- Prof. extraord. Dr. A. 
Mousson: 1) Spec. Physik, Magnetismus, Elektricitat, Galvanisrous, 4 St. 2) Repetitorium üb. 
Physik, 2 St. — Prof. extraord. Dr. J. Raabe: 1) Elemente d. Diflerenlial- u. Iniegralrecha., 

4 St. 2) Elemente d. Algebra, 2 St. — Prof. Extraord. Dr. H. Schweizer: 1) Tacitus 
Germania, 3 St. 2) Fortsetzung d. Sanskrit-Gramm, u. d. damit verbünd. Interpretirubungen, 
2 St. — t'rof. extraord. Dr. C. Nägel i: 1) Mikrpskop. Di^moostrat, üb. d. Bau u. d. Ver- 
riebt, d. Pflanzen, 2 St 2) Mikroskop. Übungen, 4 halbe Ttfge, privatiss. — Prof. extraord. 
Dr. J. Frei: I) Cicero's Rede f. Cacina, m Erlfiut. d. rechtl. Verhäitn., 3 St. 2) Aristopha- 
nes Wolken, 3 St. 3) Gesch. d. griech. Sophislik, 1 St. — Prof. extraord- Dr. Kym: I] Dar- 
MeW. u. Kritik d. Philos. v. Cartesius bis u. mit Kant, 3 St. 2) Übungen d. philos. Gesellsch. 
in. Ziigrundeleg. d. 5. Buches d. nikomachischen Ethik d. Aristoteles, 1 St. 3) Antike Philos., 

5 St. — Privatdoc. Sal. Vögelin: 1) Aeschylus Sieben, 2 St. 2) Terenlii Adelphi, 2 St. 
3) lloratti epistolae, 2 St. — Privatdoc. Dr. H. Vögeli: Gesch. Englands unt. d. Hause Stuart, 
2 St. — Privatdoc. Dr. Eichelberg: t) Mineralogie, 4 St. 2) Angew. Naturgesch. , 5 St. 
8) Methodol. d. Nalurw., 1 St. — Privatdoc. F. Gidoni: Des constitutions dans i'avenir, 2 St 
Prof. Dr. F legi er: Gesch. d. byzantin. Reichs v. d. Thronbesteig. Leo^s <f. Isauriers bis z. 
Cründ. d. latein. Kaiserth., m. besond. Bezieh, auf -d. angrenz. Staaten, 2 St ^ Privatdoc. Dr. 
i. Scherr: Gesch. d. deutsch. Literat s. Lessing bis auf d. Gegen w., 2 St — Privatdoc. Dr. 
Fehr: I) Ästhetik od Philos. d. Schönen, 3 St. 2) Rechtsphilos. (Naturr.), 3 St. 3) Psychol., 
dSt 4) Gesch. d. bildend. Kunst, m. Benutz, hiesig. Kunstsamml., 2 St. — Privatdoc 6. v. Wyss: 
Gesch. d. Schweiz b. z. Reformation.— Privatdoc. Dr. H. Behn-Eschenburg: 1) Shakes- 
peare's Richard III. u. As you like it, 3 St 2) Engl. Gramm., 2 St. — Privatdoc. Dr. 0. 
Volger: 1) Allg. Naturgesch. d. drei Reichenach sein. Lehrbuche „Methodolog. Schulet!. Ifatur- 
gesch.^*, 6 St. 2) Geologie, 4 St 3) Cours de mineralogie pour des etudiants franpais, 4 St 

Über den Fleiss und die Auilahrung der Studirenden können Eltern und Vorm&nder 
Auskunft vom Rectorat erhalten. Dr. OsenbrttggeD, d. Z. Rector. 



Draek tob F. £. The in in Würxbarg. 



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iKiiDnci iMmmiFT. 

(Deutsche Üniversittts-Zeitioig.) 



Die Uilversftät von FraDknidi. 

Es ist allgemein bekannt, dass der Begriff der französischen Universilit 

ein ganz andrer ist als jener, den wir in Deutschland mit diesem Ausdruck 

verbinden. Frankreich hat keine Universitäten im deutschen Sinne des Wot-^ 

tes, sondern lediglich Specialschulen unter dem Namen FaeulU, für Theo* 

logie, Rechtswissenschaft, Medicin, mathematische und Naturwissenschafteil 

ifaeulU des seiences) und schöne Wissenschaften (fa€ulU des leittes')* 

Die meisten Facultäten sind in einzelnen Städten isolirt und es ist reiii Zufall, 

wenn verscbiedne Facultäten in derselben Stadt sich befinden. Doch stehe* 

sie auch alsdann in keiner Verbindung unter einander, haben keinen gemein^ 

schafUichen Rector, sondern jede Facultät steht unter ihrem Decan (Boyeit^y 

hat ihr eignes Gebfiude, ihre ohne alle Rücksicht auf eine neben ihr in der» 

selben Stadt befindliche andre FacuItat eingerichtete Studienordnung, so dass 

mehrere in demselben Orl|r~'befindRcheii Facultäten nicht selten durch gegen« 

seitige Rücksichtslosigkeit ihrer Programme ihren Angehörigen selbst gegen-* 

seitig möglichst Hindernisse einer allseitigen Bildung bereiten. Der Decan 

als solcher ist nicht ein gewählter, sondern ein aus der Zahl der Professoren 

ernannter Administrativbeamter, der die Verwaltung leitet und die Beobach«^ 

tung der Reglements überwacht, die Verwaltungs- und Dienstbeamten der 

Faeullat ernennt, die budgetmassigen Ausgaben decretirt, die Facultatssitzungen 

beruft und prftsidirt, an welchen alle wirklichen Professoren Theil nehmen. 

Ganz Frankreich hat acht Facultäten der Theologie, sechs katholische: in 

Paris, Lyon, Bordeaux, Toulouse, Ronen und Aix, eine lutherische 

in Strasburg und eine reformirte in Montauban (ursprünglich Genf). 

Frankreich hat neun Rechtsfacultfiten : in Paris, Toulouse, Strasburg, 

Bennos, Poitiers, Grenoble, Dijon, Caen und Aix. Medicinische 

Facultäten giebt es in ganz Frankreich nur drei: in Paris, Montpellier 

und Strasburg. Paris hat sämmtHche Facultäten; in Strasburg sind 

fünf Facultäten neben einander, während in den meisten Städten nur die eiue. 

oder die andre sich befindet, z. B. in Ronen nur eine theologische, in 

Poitiers nur eine factUM de droit und des lettres^ in Besannen, in 

Renn es nur eine facuUö des lettres und des scietices. 

▲kaden. MonaUachrift. Mai 18&9. S9 



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226 Die UniveriiMt von Frankreicli. 

Wihfeikl deimiftch die erste wahre grosse Universität im Hfittelalter in 
Paris entstanden ist, ist jetzt in Frankreich die Zersplitterung der Wissen- 
schaft in Specialschulen zu Hause. Diese Zersplitterung ist lediglich die 
Folge des principiellen Despotismus. Wo dieser zur Herrschaft kommt, da 
erzeugt er den Wunsch, der Form der Universität ganz überhoben zu sein. 
Auf den Gymnasialunterricht folgen dann sogleich die Specialhochschulen für 
die verschiedenen Pftcher des Staatsdienstes und indem man den Werth der 
höchsten Bildung für den Staat verkennt, zieht man es vor, Maschinen fär 
seinen Dienst heranzuziehen. Das handwerksmässige Wesen und die klagliche 
Beschranktheit in allen Fächern, welche der französische öiTentliche Dienst 
zur Schau trägt, ist lediglich die Folge der Unterdrückung der höchsten 
freiesten Bildung und des echt wissenschaftlichen Geistes, der nicht der Geist 
der Isolirung, sondern der Verbindung des Zusammengehörigen ist. 

Die jetzige französische Universität ist vorzugsweise das Werk eines 
Chemikers, des Professors und Akademikers Antoine Fran^ois Four- 
croy, der zuerst die Centralschule der öffentlichen Arbeiten, aus welcher 
Bacbher die polytechnische Schule entstanden ist, organisirt, die drei Special- 
schulen der Medicin gegründet und bei der Einrichtung der Normalschulen 
mitgewirkt hatte. Nach dem 18. Brumaire wurde ör Staatsrath und entwarf 
den Plan für den öffentlichen Unferrichl, a«s welchem die kaiserliche Univer- 
sität hervorgegangen ist, wie sie das Gesetz vom 17. März 1808 organisirt 
hat. Nur schwer verwand es der eitle Chemiker, aus dessen Hirii die Monstre- 
Universität entsprungen ist, dass nicht er, sondern Louis, Marquis von 
Fontanes, jener bekannte Parade- und Lobredner Napoleons, der erste 
Grossmeister der Universität geworden ist. Fourcroy musste sich mit dem 
Titel eines Reichsgrafen begnügen und starb den 16, Dec. 1809. 

Das Gesetz vom IT.Mirz 1806 führt aus, was das Edict vom 'Vso* Mai 
1606 verheissen hatte: yll sera form^y som le fwm (TwitversUS impMale^ 
un Corps charg^ exclusivement de PefisHgttemefU et de Cdducation 
publies dans tout VempireJ"' Nur hatte dieses Edict die Organisation in 
Form eines dem gesetzgebenden Körper vorzulegenden Gesetzes fdr die 
Session von 1810 verheissen. Diese Form war nach den Principien der 
damals geltenden Verfassung um so noth wendiger , als es sich um- Stiftung 
einer Corporation handelte. Gleichwohl wurde die verfassungsmässige Form 
nicht eingehalten. Was dem Kaiser dabei vorschwebte, war eine absolute 
Secuiarisation des gesammten Unterrichtswesens, das in Frankreich von Ent* 
stehung der Pariser Universität im Mittelalter an einen kirchlichen Charakter 
gehabt hatte. . Wie er im Gesetz von 1808 den Begriff der Universum de 
France bestimmt, ist sie die Cfesammtorganisation alles öfltentiidien Unter- 
richts in Frankreich von der niedersten Elementarschule bis hinauf zu den 
höchsten Anstalten (Art. 2: „Aucune ^cole, aucun etablissement quelconque 
d*instruction , ne peut ötre formö hors de Tuniversite imperiale , et sans 
Pautorisation de son chef}. Aber nicht bloss die Organisation des Unterrichts 



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Die Qiiiv«i*iUli Tmi ^nnkrekki tN 

ist die UflifarsiUll, sondern sie begreift aoch die gtnge Adminlftmlion. Mit 
einem Worte: die Universität ist der Inbegriff des -ganzen für den Uoterrichl 
in Frankreich thAligen Personals, des administrirenden und lehrenden. AUe 
Personen, die durch Lehre oder Administration mit dem öffentlichen Unter- 
richt und der öffentlichen Erziehung in Relation stehen, bilden die Universität. 
Die Idee derselben ist eine urspränglich ganz exciusive; keine Schule kann beste* 
hen, kein Unterricht soll ertheilt werden ausser der Universität. Finden sich 
auch von diesem Grundsatze Ausnahmen, so sind sie doch nicht im Stande, den 
ursprünglichen Begriffeines j^corps chargä exclusivemeut de PeiisHgiie'^ 
mttU et de tiducation public» datis tout Pemplre" zu alteriren. Dieses 
Corps ist in der strengsten hierarchischen Stufenfolge gegliedert An de? 
Spitze dieser Hierarchie steht der Grossmeister; dieser ist der ^gentlicbo 
Vorsteher des gesammten Unterrichtswesens in Frankreidi, urspränglich bei- 
nahe ganz unabhängig, unmittelbar vom Kaiser ernannt «ad jmr formetl zum 
Ministerittm des Innern ressortirenA Spater wurde diese Stelle mit dem 
Unterrichteministerium verii>unden, jedoch 1824 fär kurze Zeit in der Person 
des Almoseniers Ludwigs XYIIL, Abbe Frayssinous, Bischofs von Hermo- 
polis, wieder hergestellt. Unter dem Präsidium des Grossmeisters steht der 
Universitätsrath QcomeÜ de PuniversU^)^ der seit 1820 in einen obersten 
Unterrichtsrath (coiiseil stipMeur de tifhgtructton publique} umgetauft ist« 
Diese höchste Centralbehörde hat den Unterricht von ganz Frankreich unter 
sich. Ihre Mitglieder werden urspränglich vom Kaiser ernannt; an die Stelle 
der directen Ernennung ist zum Theil die Wahl geträten. Seit 1850 besteht 
der oberste Unterrichtsrath aus sechzehn gewählten und eilf ernannten Hit- 
gliedern. Die Wahl geschieht durch die betreffenden Corporatiooen auf sechs 
Jahre und zwar werden gewählt drei Mitglieder des Instituts, dreiRäthe des 
Cassationshofs, drei Staatsrathe, vier BisehöCe, zwei protestantische Geistliche 
und ein israelitischer. Ernannt werden vom Präsidenten der Republik acht 
Mitglieder auf Lebenszeit und drei Ersatzmanner auf sechs Jahre. Bis zum 
Jahre 1850 war Frankreich zum Zweck des Unterrichts in 27 Provinzen 
getheilt. Jede Provinz bildet eine Acad^mte^ an deren Spitze ein Rector 
mit einem akademischen Rath steht. Jede Akademie solUe ursprunglich, 
d. h. na<A dem Gesetz von 1808, eine factUtä des sdetices und eine faculU 
des letires enthalten; doch ist diese Aiwrdnung nie zur Ausführung gelangt. 
Bei dem Eintritt der Restauration gab es acht, beim Anfang der Juliregierung 
nur sechs Faoultiten der Literatur. Jetzt sind es deren zwölf: in Paris, 
Aix, Besannen, Bordeaux, Caen, Dijon^ Lyon, Montpellier, 
Poitiers, Rennes, Strasburg, Toulouse. FacuUSs des sdences 
giebt es eilf: in Paris, Besannen, Bordeaux, Caen, Dijon, Gre- 
noble, Lyon, Montpellier, Rennes, Strasburg und Toulouse. 
Das cmiseil acadimique ist nach Analogie des obersten Unterrichtsraths 
zusammengesetzt. Ihm sind alle in dem Sprengel befindlicfaen Unterrichts- 
anstallea untergeordnet. Eine wesentliche Beeintcichtigung ihres Aasehena 



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Hft . y Die UiiiT»«titit Ton FrMDfcreioh. 

iBrlitten die Akademieen dadurch, dass ihre Zahl im Jahr 1850 attf 86 erhöht 
Ist, um sie mit der Zahl tler Departements auszugleichen. In Folge dessen 
giebt es jetzt Rectaren, die nur Elementar* und einige Mittelschulen unter 
sich haben. 

Was nun die Unterriohtsanstalten selbst betriffit, so stehen oben an 
1) die Faoultäten; auf diese folgen 2) die Lyceen, welche den deutschen 
Obergyronasien entsprechen. Dann kommen 3) die Colleges commtmattXy 
d. h. ein Analogen unsrer Lateinschulen, Unter* oder Progymnasien. Neben 
diesen giebt es 4) histih^tionn ^ d. h. Privatanstalten, welche den Colleges 
analog, aber der Universität unterworfen sind. 5) Peiisionatg^ ebenfalls der 
Universität untergebene niedere Schulen fär gelehrte Bildung. Endlich machen 
den. Bescbluss 6> le» petUes äcolesj Primarschulen und zwar sowohl öffent- 
liehe als Privatsdiulen« 

Die Aufgabe der Facultäten isl im Ganzen eine gedoppelte : der Unter- 
richt und die Prüfung. Mit letztrer hängt die Ertheihing der gelehrten 
Grade zusammen, welche vom Staat für gewisse Ämter verlangt werden. In 
jeder Facultät giebt es aber drei Grade : le bacealatiräat, la licaice, le doetorat 
Diese Grade machen nicht zum Mitglied der Universitöt, aber sie sind fQr 
die Mitgliedschaft unumgänglich nothwendig. Was die Ernennung der ver- 
schiednen Classen von Lehrern betrifft, so geschieht sie in den Facultäten 
nach dem Gesetz von 1608 ausschliesslich in Folge eines Concurses, zu dem 
die Doctoren der betreffenden Facultäten zugelassen werden. Das Lehr- 
personal in den Facultäten besteht aus Professoren, Suppleanten und Aggre- 
girten. Letztre kennt in den Facultäten das Gesetz von 1808 nicht. So 
wie eine Professur oder Suppleantenstelle vacant ist, soll der Minister an 
irgend einer beliebigen Facultät derselben Art den Concurs ankündigen; nur 
ffir die Suppleanten muss er an. der betreffenden Anstalt selbst stattfinden. 
Indessen sind nur in den theologischen Facultäten die Suppleanten geblieben; 
in allen übrigen Facultäten siad an ihre Stelle die Aggregirten getreten. An 
jeder Facultät befindet sich eine Anzahl von Aggregirten, welche auf je «cht 
oder zehn Jahre an dieselbe gebunden sind Qagr^g4$enexercice') und unter 
welchen die Professoren, die an der Ausübung ihrer Amtsfunctionen verhin- 
dert sind, ihre Stellvertreter wählen. Nach Verlauf jener Zeit bleiben sie 
unabhängige Aggregirte und behalten alle Rechte auf den Concurs um die 
etwa vacant werdenden Professuren. Weder die Suppleanten noch die Aggre« 
girten haben an und für sieh ein Recht^ an der Facultät zu lehren, sie erhal- 
ten es nur als Vertreter eines Professors. Wie sie nun diese Exspectanz 
durch den Concurs erlangen mussten, so müssen sie auch noch einmal dem 
Concurs sich unterwerfen, um eine vacante Professur erhalten zu kpnnen. Sojst 
es wenigstens in den medicinischen und juristischen Facultäten bis zur neue- 
sten Zeit geblieben. — Für die übrigen öffentlichen Lehranstalten ernennen 
die Verwaltungsbehörden. Bei den Privatschulen handelt es sich begreiflich 
nicht um Ernennung, sondern um Concessionirung. In der Normalschide m 



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Di« OairmMt tm FrMkrddb. IM 

Paris (^cole normale) werden die Lehrer der schönen Wissenschaften 
(tettres), eben so jene der mathematischen und Naturwissenschaften (scieficeif') 
herangebildet Es ist diese Normalschule ein Pensionat mit Repetitionen, 
wahrend der eigentliche Unterricht in den Vorlesungen des Collage de France 
erlangt wird. In den Departements befinden sich Scoles normales primalres, 
die den Charakter von niedern Seminarien haben. 

Die Aufsicht -über den Unterricht fuhren Inspectoren', welche theils 
Generalinspectoren der Universität, theils ' Inspectoren der Akademieen sind. 
Jene inspiciren im ganzen Lande in Folge erhaltenen Specialmandats; ihre 
Zahl war urspröngüch auf 20^30 bestimmt. Die Inspectoren der Akademieen 
visitiren die untern Schulen ihres Akademiebezirkes. 

Das Corps chargä exclusivement de l^etiseignement et de PädncaHon 
publies zerfallt nach neunzehn Rangclassen, versteht sich mit entsprechenden 
Uniformen, in vier Ablheilungen. Die erste bilden les tUulaires de PuiHr- 
t>ersUä^ nämlich le Graftd^maUre ^ le Chancelier^ le Tr^sorier de Pnnl'' 
versUä und die auf Lebenszeit ernannten Mitglieder des conseÜ supMeur 
(les conseillers ä vie). Die zweite bilden les ofßders de PuniversttS^ 
d. h. die nicht in die erste Classe gehörenden Mitglieder des conseil sup^ 
rieur (les conseillers ordinaires), die Generalinspectoren, die Rectoren^ die 
Inspectoren der Akademieen, die Decane und die Professoren der Pacultäten, 
woraus sich ergiebt, dass. die Professoren in der Universitatshierarchie die 
zehnte Stufe einnehmen. Die dritte Classe bilden les oßciers des aca-- 
dömieSj d. h. die obem Beamten (les proviseurs, les censeurs) und die Pro- 
fessoren der Lyceen (welchen jedoch auch der Personalrang der oßciers de 
tttniversiU verliehen werden kann), die übrigen Lehrer der Lyceen und 
die Vorsteher derCollöges gehören, wenn ihnen nicht der Rang von officiers 
des acad&mies persönlich verliehen ist, in die vierte Classe, welche alle 
sonstigen Atembres de PnniversU^ umiasst (les piincipaiix des colUges^ 
les agrigäSj les r^gens des colUges^ les chefs d^instUution^ les maUres 
de pefiHoiiy les maUres d^hides'J* 

In dieser ganzen Einrichtung der Universität von Frankreich ist der 
Bureaukratismus vorherrschend, er ist in der That in ein System gebracht« 
Die Professoren sind nicht bloss administrativ, sondern selbst in Beziehung 
auf die Wissenschaft abhängig von ihren Obern. Nur zwei Momente gewäh- 
ren ihnen Schutz gegen absolute Willkühr: die Art ihrer Ernennung und 
ihre Inamovibilität. In jener liegt ein Damm gegen Erschleichung von Pro- 
fessuren, diese giebt eine Garantie für die Festhaltung der persönlichen 
Wurde. Selbst Disciplinarstrafen können nur in Folge eines Administrativ- 
erkenntnisses verhängt werden. 

Wir haben oben erwähnt, dass ausnahmsweise in Frankreich auch ein 
Unterricht ausser der Universität existire. Doch sind diese Ausnahmen zum 
grössten Theil nur scheinbare. Eine wirkliche und wahrhafte Aus- 
nahme bildet nur der theologische Unterricht in den bischöflichen Semina- 



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9M Pia UpMTeriUH r9m FrtnJireicli. 

rien. Zwar gehören auch die polytechnische, die Artillerie- und Chemie- 
Schule, die äcoles de mtfieH^ forestUre$^ de marifie, vätäritudreit nicht zur 
Uaiversität; allein das System ist auf sie vollständig ausgedehnt. Am wich- 
tigsten sind unter den zur Universität nicht ressortirenden Schulen das Col^ 
l^ge de France^ die äcole de chartes (die Archivar- und Kbliothekarschule), 
die ^cole centrale d'arts et de moiiufactHreSj und unter diesen steht durch seinen 
umfassenden Zweck sowohl als durch die Bewahrung der Würde und Frei- 
heit der Wissenschaft oben an das College de France. Franz L, der den 
Qrund zu der Bibliothek von Paris legte, hat auch das College de France 
gestiftet; es entspricht weder der Faculte des lettres noch jener dea seien- 
ces, sondern am ersten noch einer philosophischen Facultat. Seine Bestim- 
mung ist, die wissenschaftliche Forschung unabhängig von allen Schranken, 
welche in' den Facultdten die besondre Rücksicht auf Grad und Prüfungen 
vorzeichnet oder vorzeichnen sollte, zu befördern. Die daselbst angestell- 
ten Gelehrten stehen nur unter der Auctorität des Ministers; sie bilden selbst 
c|en Verwaltungsrath, welcher unter dem aus ihnen gewählten Verwalter über 
alle Angelegenheiten der Anstalt selbstständig entscheidet und der Minister 
hat nur die Wahl zwischen Bestätigung oder Verwerfung der Beschlüsse, 
aber kein selbstständiges Eingreifen. An diesem College lehrten Cousin, 
der Bekenner des äclectUme impartiat appliqu^ aux faits de comdence^ 
der die Verfassung der deutschen Universitäten für die Einrichtung der höhern 
Unterrichtsanstalten in Frankreich dem französischen Ministerium als Muster 
empfohlen hat, Guizot, das Haupt der Doctrinaires, Villemain, der schon 
in seinem 19. Jahre Professor der Beredtsamkeit am College war, Rossi, 
der von Genf als Professor der Nationalökonomie berufen wurde, Michel 
Chevalier, den soeben Ludwig Bonaparte zum Generallnspector der Uni- 
versität ernannt hat, E d g a r Q u i n e t für meridionalische Literatur, M i c h e 1 e t 
für Geschichte und Moral. Durch diese Männer und ihre freiere Richtung 
erhielt der Üniversitätsbureaukratismus ein Gegengewicht, das die Wissen- 
schaft in Frankreich vor ihrem gänzlichen Verfall bewahrte. 

Fragen wir nun, wie sich die gegenwärtige Regierung Frankreichs zu 
dessen Universität gestellt ha))e, so müssen wir folgende Tbatsachen hervor- 
heben : 

1. Schon vor dem Schlüsse des vorigen Jahres wurde durch eine Ver- 
fügung des Unterrichtsministers Giraud der philosophische Unterricht in 
den Lycojen abgeschafft. Da nun die äcole normale den Zweck hat, die 
Lehrer für die lettres und sciences heranzubilden, ist jenen Zöglingen der- 
selben, die sich die Philoisophie zum Beruf gewählt hatten, bedeutet worden, 
sich entweder für den Unterricht, in den alten Sprachen oder für den in der 
Geschichte und Literatur vorzubereiten! Der Moniteur vom 11. April d. J. 
bringt ein neues wichtiges Decret über das hqhere Unterrichtswesen, dessen 
Hauptzuge folgende sind: In den Lyceen wird der classische und der Real- 
unterridit frah;seitig und vollständig getrennt. Die Lyceen erhallen zu dem 



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Die Uoirefsitit von Frunlcfeich. 231 

Zweck folgnende Binrichtiing. Ausser einer Elementarabtheihing, die bloss 
die Vorbereitung^ zum Gymnasialonterrieht betreibt, bestehen zwei Hanpf- 
abtheilungen, deren eine, die niedere oder dMston de grammaire^ die drei 
antem Classen bef refft tind sich, auf die französische, lateinische und grie-- 
chische Grammatik, sowie auf di« Geschichte Frankreichs beschränkt (Arilh-^ 
metik wird nur eine Stunde wöchentlich und zwar nur in der obersten äet 
drei Classen geliehrt), und deren zweite oder bdhere abermals in zwei Ab* 
theilnnfen zerflllt, in denen der Unterricht in speciell classischen und reafenl 
auseinandergeht. Die erste dieser AbtheiluAgen hat den Unterricht in den 
alten Sprachen und in der Geschichte zum Hauptgegensland und bereitet zd 
den FacuUatsstudieit der schonen Wissenschaften und des Rechts vor; die 
zweite den in den mathemalischen und Naturwissenschaften und bereitet ztf 
den verschiednen Professionen des Handels und der Industrie, zu den Spe« 
cialschuleu und zum Studium der Medicin und realen Wissenschaften vor. In 
allen drei Classen bei beiden Unterabtheilungen werden die lebenden Spra- 
chen,, in der obersten die praktische Logik als „Kunst zu denken" gemein- 
schaftlich gelehrt. In allen Abtheilungen' werden unter Leitung der Geist- 
lichkeit Lehrstunden aber Religion und Moral gehalten. — In der Normal- 
schule wird der philosophische Unterricht ebenfalls zwar beibehalten, aber 
nicht minder als blosse Unterweisung in einer „Methode des Untersuchens, 
deren sich der menschliche Geist in den Wissenschaften urid der Literatur 
bedient", definirt. Im Übrigen wird auch hier die Trennung in classische 
und reale Studien streng festgehalten und besonder» auf die Ausbildung der 
Zöglinge zu praktischen Lehrern Rücksicht genommen. Auch bis in den 
Facultfttsunterricht hinein ist die Trennung der classischen und realen Stu- 
dien verfolgt, indem z. B. in Zukunft die Studenten der Medicin ausser dem 
Baccalaureatsdiplom der Wissenschaften nicht noch das der Literatqr nachzu- 
weisen haben u. s. w. Das Decret enthält ferner einige andre Änderungen 
in Bezug auf die Examina und Diplome des höhern Unterrichtswesens, sowie 
in Bezug auf den f Besuch der Facultäts Vorlesungen Seitens der Studirenden, 
der in Zukunft unter der Controle der Professoren stehen wird. Andre 
Änderungen, u. A. die Festsetzung eines gewissen Alters, vor derii Niemand 
zur Bewerbung um das Baccalaureatsdiplom zugelassen werden soll, sind im 
einleitenden Bericht des Unterrichtsministers bloss angedeutet und sollen 
ihrer Wichtigkeit halber der Entscheidung des gesetzgebenden Körpers vor- 
behalten bleiben. — Mit vollem Rechte macht das Journal des Debats dem 
neuen Studienplan den Vorwurf, dass er die realistischen Studien auf Kosten 
der philologischen begünstige, da doch der classische^ Unterricht eigentlich 
es sei, der den Menschen bildd, nicht in dem Sinnö, dass^ wenn man die 
Schüler zum Verstandniss von Cicero und Demosthenes bringt, man sich 
einbilde, lauter Redner aus ihnen zu machen, wohl aber insofern, als zwi- 
schen den Gesetzen der Intelligenz und den Gesetzen der Sprache das tiefste 
und innigste Verhaltniss obwalte, dermassen, dass eine wohlgeformte Spräche' 



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232 ^ Die UniTersitill Ton Frankreich. 

lehren so viel sei, als denken lehren. Das dem mathematischen Unterricht 
gegebene Übergewicht wird nach jenem Journal den yorgesetzten Zweck, 
die Gesellschaft vor den sie bedrohenden Gefahren zu bewahren, geradezu 
verfehlen; denn es lasst sich nachweisen, dass aus jenen mehr Socialisten 
und Communisten hervorgegangen seien, als aus dem Studium des Griedii-- 
sehen und Lateinischen. Lieber hätte man die alten Sprachen ganz beseiti- 
gen sollen, als den Unterricht derselben auf diese Stufe der Unbedeutenheit 
herabdrücken. Was die Art, wie künftig die Philosophfe behandelt werden 
soll, betriiR, so verbiete man, um dem Baume der Erkenntniss die Schma- 
rotzerzweige abzuschneiden, die historische und philosophische Discüsaion; 
die Lectionen sollen sich auf die Logik beschranken, bloss dogmatisch und 
elementar sein. Statt die Jugend ein Jahr lang mit Syllogismen, Enthymemen 
und Dilemmen zu plagen, nvärde man besser daran thun, die- Philosophie 
schlechtweg aus dem neuen Schulplan zu streichen. Wenn endlich den Stu- 
direnden der Hedicin und der hohem Pbarmacie die Bedingung des JSaoca- 
laureats der Literatur, d. h, die philologische Befähigung erlassen werdjB, so 
vermöge man nicht zu begreifen, wie die Ärzte denjenigen Theil des Unter- 
richts, der die Grundlage jeder liberalen Erziehung sei, sollten entbehren 
können I 

2. Von den Hitgliedern des CcthseU siup^rieur de rUufructUni jnAHque 
waren ursprünglich zehn, seit. 1850 acht lebenslängliche, wirkliche Räthe 
Ccotiseillers titulaires'). Die Tendenz dieser Unterscheidung in lebensläng- 
liche und jährlich zu ernennende Räthe war eine conservative und den Fort- 
schritt begünstigende zugleich. Der Kaiser wollte das Conseil, welches alle 
Rechte der Universität zu vertheidigen , alle guten Traditionen zu wahren 
bestimmt war, zahlreich und kräftig wissen; ein Kern der erprobtesten und 
erleuchtetsten Schulmänner sollte immer darin bleiben. Um aber der Gefahr 
des Stillstandes vorzubeugen, sollte jenem Kern jährlich eine Anzahl neuge- 
wählter Kräfte beigegeben werden, welche insbesondre den Vortheil gewahr- 
ten, dass sie in ihrer anderweitigen Stellung als Rectoren, Provisoren, Inspec- 
toren und Professoren die zu berathenden Reglements in täglicher Amts- 
anwendung von ihrer praktischen Seite zu kennen Gelegenheit hätten. Das 
neueste Decret bat die Sectlon permanente aufgehoben! Somit sind 
nun alle Mitglieder des Conseil nur auf ein Jahr ernannt. Und wie sie nun 
alle nur nebenher Räthe sind, so verschwindet das Woblthätige des con- 
servativen Elements der höchsten Behörde. Die wenigstens durch Erfahrung 
in längerer Mitgliedschaft zu erlangende Kenntniss des gesammten Unler- 
richtswesens, das höhere Interesse der Section permanente an der Wurde 
und dem Gedeihen des ganzen Instituts, der Esprit de corps, der unbilligen 
und ungegründeten Forderungen, namentlich von Oben her, entgegentrat, die ' 
Verantwortlichkeit der öiTentlichen Meinung gegenüber — Alles diess ver- 
schwindet durch das neueste Decret, in dessen Folge das Conseil nothwen- 
digerweise sehr bald eine reine Null sein wird. 



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t^ie Untrenitft tob Frankreich. 233 

3. Wie der Präsident schlechthin zum cotisell stipärteur de Phi^tructUni 
publique ernennt und jede Ernennung nur für ein Jahr wirkt, so ist es 
nunmehr nach dem neuen Decret auch mit der Ernennung der Professoren. 
In der That hat der Unterrichtsminister bereits eine Verfugung erlasseo, 
wonach die CoocnrebewOTiningen in Wtesensobtßm , Ltleratur, Grammatik 
lind Geschidite für dieses Jahr ausgesetzt sind. Der Conears wiro am 
20. April 2a eröffnen gewesen. Hierin weichl das Decret Ton dem durch 
das organische kaiserliche Gesetz vom 17. März 1806 begr&ndeten und 
bis in die neueste Zeit wenigstens tbeilweise festgehaltenen Gang in d^ 
Ernennung ganz wesentlich ab. Der Art. 7 des organischen Gesetzes sagt: 
„Apris la premiire formation les places de professeurs vacautes dan» 
ces fcmdUs seront daiinies mi concofurs'^ Es ist liicht zu läugnen, dass 
die ganze Concurseinrichtung ihre sehr schwachen Seiten hat und Niemand, 
der Cousins Kritik derselben gelesen,, kann sich darüber Illusionen ffiachea 
Allein diese Concurseinrichtung ist immerhin eine der populärsten Institu«- 
tionen Frankreichs, sie hat einen liberalen Anstrich und was in Deutschland 
nur mit dem grössten Widerwillen aufgenommen werden dürfte, das hat in 
Frankreich dem hohem Lehramt eine gewisse Würde und Unabhängigkeit gerettet, 
die nunmehr, wo schwerlich unabhängige Mfinner jemals zu diesen Stellen gelangen 
werden, zu Grunde gehen muss. Diess ist um so mehr zu fürchten, als 

4. durch das Decret der Präsident die Befugniss bekommt, Professoren 
nach Willkühr abzusetzen, eine Bestimmung, die nothwendig demoralisirend 
wirken muss. Ton einer Untersuchung, die der Absetzung vorausgehen 
müsste, ist nirgend im Decret die Rede. Damit ist der Art. 47 des organi- 
schen Gesetzes vom 17. März 1808 stillschweigend beseitigt, der eine gra- 
duelle Disciplinirung der Professoren festsetzt. Ohne diese DiscipHnirung 
waren die Professoren unabsetzbar, und im College de France waren selbst 
Absetzungen im Wege des Disciplinarverfahrens nicht vorgesehen, da diese 
Anstalt ausser dem Bereiche der Universität war. Jetzt können auch die 
Professoren des College de France nach Belieben des Präsidenten abgesetzt, 
ja die Lehrer der mittlem und niedern Anstalten können sogar durch ein- 
fache Ministerialverfugung removirt werden. (Die praktische Anwendung des 
Decrets ist denn auch soeben in der That gemacht worden, indem Edgar 
Quinet, Hichelet und Adam Mickiewicz, die bekannte Trias des Col- 
lege de France, ihrer Ämter enthoben worden sind.) 

Diese Bestimmungen charakterisiren den Geist, aus dem das neue Decret 
geflossen ist. Würde es das Monopol der Universität vernicfiten oder ver- 
mindern, so läge in demselben sogar ein Fortschritt. Diess ist aber nicht 
im Mindesten der Fall. Das Decret legt nur den Unterricht und das unter- 
richtende Personal in Fesseln und verhindert sogar jenen Fortschritt, der 
bisher durch die Bureaukratie noch frei gelassen war. Die Wissenschaft ist 
damit dem unbedingtesten Despotismus wehrlos in die Hände gegeben. 



Akadem. MoaatHehrift. Mai 18&S. SO 

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9V 

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98i österreicbitche Verordvaag flbw die RechlMkadeiiiiecfn in Ungarn. 

11- 

ösferreicbfsche Verordnon^en über die böbern Stadien*). 

> 



fTömil die mit Atkirhdchster Entschliessun^ vom 39. September 1850 genebiBigta provisoruchft 
Vorsebrift ober die Reobtsakadenieeii in Ungarn kundgeviiebt wink 

Seifte Majestät haben über Antrag des Hinisters des Cultus und Unter- 
lichts mit Allerhöchster EntSchliessung vom 29. September 1850 folgende 
provisorische Vorschrift über die R^chtsakademieen in Ungarn zu geaehmi* 
gen geruht: 

Prmlsfirisehe Torschrift über die Rfcbtsakadfmieen in Dngani. 

§. 1. Bei dem gesteigerten Bedarfe tüchtiger mit den Fortschritten der 
Wissenschaft und der positiven Gesetzgebung vertrauter Staatsbeamten und 
Advocaten werden zunächst die k. Rechtsakademieen m Pressburg, Kaschatt 
und Cfrosswardein einer Reorganisation unterzogen. Die Rechtsakaderaie zu 
Raab bleibt bis auf weitere Verfügung geschlossen. 

$. 2. Die durch die StaatsverwfiUung neu organisirten Akademieen füh- 
ren in Zukunft die Benennung „k. k. Rechtsakademieen*^ und erhalten, soweit 
tbr0 eigenthömliehen und gestifteten Fonds zur Bestreitung ihrer Aui^gen 
nicht hinreiehea, DotBiionen aus dem Staatsschätze. 

S- 3. Wer zum Zwecke den Eintrittes ii| d^n Staatsdienst, in di^ Advo- 
catie oder das Notariat, oder zur Erwerbung des juridischen Doctor^rrades 
die rechts- und staatswissenschaftlichen Studien zu absolviren beabsichtigt, 
kann an den Rechtsakademieen in der Regel nur zwei Jahre mit der Wir- 
kung zubringen, dass ihm dieselben in die für obige Zwecke vom Gesetze 
geforderte Studienzeit eingerechnet werden. Je nachdem die Gesetze diese 
letzterwähnte Zeit auf drei oder vier Jahre festsetzen, wird der Candidat 
$ohin seine an diesen Instituten vorgenommenen Studien durch den ein- 
oder zweijährigen Besuch einer österreichischen Universität vervollständigen 
müssen. 

$. 4. Nur diejenigen, welche im Studienjahre 1849—50 schon den zwei- 
ten Jahrgang ibr^r rechts- und staatswissenschaftlichen Studien am einer 
dieser Akademieen vollständig ab^olvirt, und darüber gen^gende Prlfungs- 
oder Frequentations- Zeugnisse erhalten haben, können sohin auch noch in 
dem Studienjahre 1850—51 an denselben ihre Studien mit der Wirkung fort- 
setzen, dass ihnen alle drei an ihnen zugebrachte Jahre in die vom Gesetze 
geforderte Studienzeit eingerechnet, und sie zu einem Universitätsbesuch« 
nicht verpflichtet werden, so lange in Ungnrn eino dreijährige SCudienzeit 
tberbj|upt geuügei^ wir4> iini zur theoretischen $ltaal^prufui\g zqgelasAan zu 
werden. Es wird jedoch hiebei vorausgesetzt, da^ der Studirende in dem 
Jalirgange 1850 — 51 Collegien, die er noch gar nicht öder doch nicht in 
gleicher Ausdehnung schon gehört, in einem Semester wenigstens durch 
täglich zwei, in dem andern durch täglich drei Stunden besuche und sieh 
den vorgeschrtebeaeii Prüfungen unterziehe. 

*) Vergleiche October- und Novemberhefl der A. M. S. vom Jahrgang 1851 
S, 457—490. 



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(blMn^tk<A« TMiniMig Aber di6 ReMiituHlMrfeM ta tfüpftn: M 

$. 5. Tfindrhalb der in den 9$. 3—4 engfezei^fen Grätiten hihen dio M 
diesen Akademieen vorschriflsmdssigf zugebrachten Studienjahre bezüglich des 
Eintriltes in den ^ffenllichen Dienst, in die Advocatie oder das Notariat, und 
bezGglieh der Erwerbung des Doctorgrades fdr den Umfang der ganzen 
Monarchie dieselbe Wirksamkeit, als waren sie an einer österreichischen 
Universität zugebracht worden. 

$. 6. Die bischöflichen und evangelischen Lehranstalten, an welchen 
Rechts-» lind Staatswissenscbaflen gelehrt werden, bleiben in ihrem Fort« 
bestände als Privatlehranstallen innerhalb der allgemeinen Gesetze, und ins- 
besondere des provisorischen Gesetzes vom 27. Juni 1850*) über de« Privat- 



*} Die hierher zu beziehenden Bestimmungen des angeführten Gesetzes sind: 
„§. 2. Jede solche Lehranstalt muss einen Vorstand haben , welcher die unmittelbare 
Leitung derselben besorgt und den Regierungsbehörden gegeiitlber die Verantwort- 
lichkeit fUr den Zustand der Anstalt trägt. $. 3. Der Vorstand muss 1) österrei- 
chischer Staatsbürger, 2) in moralischer und politischer Beziehung unbescholten sein 
und 3^ in wissenschaftlicher Beziehung diejenige Befähigung nachweisen, welche von 
einem Lehrer an einer gleichartigen Staatsschule gefordert wird. Die Lehrer müssen 
ebenfalls Österreichische Staatsbürger und in moralischer und politischer Beziehung 
unbescholten sein. Von der Bedingung der österreichischen Staatsbürgerschaft kann 
in besonders rücksichtswürdigen Fällen die Landesschulbehörde dispensireii. §.12. Alle 
Privatlehranstalten stehen unter der Oberaufsicht der Regierung; sie sind daher ver- 
pflichtet, die voa dieser geförderten Auskünfte über ihren Zustand zu geben, und die 
Regierung ist berechtigt , in der ihr geeignet scheinenden Weise sich von diesem 
Zustande genaue Kenntniss zu verschafTen. §. 13. Verweigert eine Anstalt den 
Regierungsbehörden die in Anspruch genommene Einsicht, so kann sie geschlossen 
werden; dasselbe kann zu jeder Zeit geschehen, wenn sie einen in moralischer oder 
politischer Beziehung schädlichen Charakter annimmt. §. 14. Keine Privatlehranstalt 
als solche, mag sie den Namen eines Gymnasiums oder einer Realscffule zu führen 
berechtigt worden "sein oder nicht, kann ihren Schülern staatsgültige, d. i. solche 
Zeugnisse ausstellen, denen der Staat Gültigkeit zuerkennt, wenn es sich für die Schü- 
ler derselben um den Eintritt in Slaatsschulen , in den Staatsdienst, oder um andre 
vom Staate zu machende Zugeständnisse handelt, deren Erlangung die Gymnasial- 
oder Realsclialbildung voraussetzt. Zur Erlangung staatsgültiger Zeugnisse haben die 
Schaler der Privatanstalten sich der Prüfung an einer öfTeutlichen entsprechenden 
Lehranstalt zu unterziehen. §. 15. Es können jedoch Privatlehranstalten vom Mini- 
sterium in den Rang öffentlicher Gymnasien oder Realschulen erhoben werden, wenn 
ihre Einrichtung die für den beabsichtigten Erfolg des Unterrichtes nöthigen Bürg- 
sebefiea darbietet; in diesem Falle erhalten sie das Recht, staatsgültige Zeugnisse aus- 
zustellen. %. 16. Wer häuslichen Unterricht in den Lehrgegenstäuden der Gymnasien 
uad Realschulen zu ertheilen wünscht, bedarf dazu keiner besondern Bewilligung der 
Behörden. Es ist daher künftig, wenn Schüler, welche häuslichen Unterricht gemes- 
sen, an öffentlichen Lehranstalten als Privatschüler oder zu einer Prüfung an einem 
Gymnasium oder an einer Realschule sich melden, die Vorweisung eines Lehrfähigkeits- 
zeugnisses ihfier Hauslehrer nipht jnebr im fördern. §. :17. Privatanstalten, welche, 
einen Unterricht .beabsiohti^en '^ der in* dem Systeme^ der Staatsschnlen seinem Wesen 
nach nur an ' Anstalten «rtheiit wird, die den Unterricht 'der Gymdasien oder Real-* 
schulen selfon voraussetzen,, können .nur mit' besondrer Bewilligun|f der Regierung 
errichtet werden. Die -Errichtung und der Fortbestand setzt voraus: 1} dass keiV 
Lehrer bestellt werde, welcher nicht mit Rücksicht auf seine wissenschaftliche Befllhi- 
gung nnd auf seia moralisches und politisches Betragen von der Regierung als 



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296 ötlTr^hwcha Vtrotda— y iber to Be cht i afc i d t m ieta in üfwi* 

HQterricht ia ihrer Autonomie unbcrfihrt, und es werden euch die an flinen 
den rechts- und Staats wissenschaftlichen Stadien bis inclusive 1849 — 50 
gewidmeten Jahre nach $. 52 des provisorischen Gesetzes vom 30. Juli 1850*) 
über die theoretische Staatsprüfung den Candidaten des öfrenilicbcrn Dienstes 
oder des juridischen Doctorates in ihre auszuweisende Studienzeit eingerech- 
net. — Vom Studienjahre 1850—51 aber wird die fernere Wirksamkeit die- 
ser Einrechnung und die Staatsgültigkeit ihrer Zeugnisse über die an den- 
selben zurückgelegten rechts- und staatswissenschaftlichen Studien speciellen 
Verhandlungen vorbehalten, deren Resultat von Fall zu Fall kundgemacht 
werden wiid. Sie wird an folgende Bedingungen geknüpft sein: 1) dass die 
Candidaten vor dem Eintritte in die rechts- und Staats wissenschaftlichen 
Studien sich der für den Eintritt an eine Universität öder k. k. Rechtsaka- 
demie vorgeschriebenen Maturitätsprüfung unterzogen haben; 2) dass die- 
selben die Vorlesungen an diesen Lehranstalten als öffentlich Studirende 
besucht und sich den Prüfungen mit gutem Erfolge unterzogen haben; 3) dass 
die Studien an diesen Anstalten im Wesentlichen nach den hier für die L k. 
Akademieen vorgezeichneten Normen eingerichtet, und in der Regel alle im 
S. 16 vorgezeicbneten Lehrgegenstände in der dort vörgezeichneten Ausdeh- 
nung durch wenigstens vier angestellte Lehrer vorgetragen werden; endlich 
A) dnss die an denselben lehrenden Professoren nach einem für ihre wissen- 
schaftliche Befähigung die genugenden Garantieen darbietenden Vorgange 
ernannt und dieselben, sowie die Vorsteher der Anstalt der Bestätigung der 
Staatsverwaltung unterzogen werden. Die Lehranstalten, welche diese Be- 
dingungen erfüllen, werden sohin als „öffentliche Recbtsakademieen^' bezeich- 
net, und ihren Zeugnissen dieselben Wirkungen und in derselben Dauer wie 
den k. k. Rechtsakademieen beigelegt werden. Denjenigen Privatakademieen, 
welche diesen Bedingungen zu unterziehen sich bereit erklären, wird zu ihrer 
Reorganisation die Frist eines ganzen Jahres zugestanden. Die während 
dieses Jahres an denselben sludirenden Jünglinge werden dieses Jahr in ihre 
Studienzeit einrechnen können, wenn sie an denselben durch wenigstens 15 
Stunden wöchentlich die öffentlichen Collegien über im $. 16 bezeichnete 
Gegenstände besucht, und sich über dieselben am Sctilusse des Studien- 
jahres 1850—51 Prüfungen an einer der k. k. Rechtsakademieen mit gutem 
Erfolge unterziehen. 

S. 7. Die an den k. k. Rechtsakademieen angestellten Professoren sind 
als Staatsbeamte anzusehen, geniessen bestimmte für die ordentlichen Pro- 
fessoren von 10 zu 10 Jahren ($. 19) steigendo Besoldungen, stehen in der 
VU. Diätenclasse , und haben den Anspruch, bei Besetzung von erledigten 
Lehrkanzeln ihrer Fächer an Universitäten vorzugsweise berücksichtigt zu 
werden, wenn sie sich durch literarische Leistungen und durch eifrige Ver- 
wendung im Lehrfache besonders ausgezeichnet haben. 



beflAigt anerkannt worden ist ; 2) dass die Subsistenzmittel der Anstalt fttr eine Reihe 
von Jahren wenigstens mit einem hohen Grade voA Wahrscheinlichkeit gedeckt sind. 
S. IB. Die Bestimmungen, der $$. 2, 3, 1 2-^1 6\geften* auch von dieser Art von 
Frivatlefaranstalten^ doch kann eine Zulassung der Schüler dieser Anstalten zn Staats- 
prlifangen oder zu Prttfangen an öffentlichen Anstalten, um staatsgültige Zeugnisse su 
erwerben, nur in 'so fern beansprucht werden, als Erwerbung solcher Zeugnisse nicht 
gesetzlich von dem Besuche Öffentlicher Lehranstalten abhangig gemacht ist. 
*;) S. A. M. S. Jahrg. 1851 Oetober- a. Novemherheft & 476. 



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9« 8. Sie werdeil Aber Antrag des Ministers ieu öffentlichen UMerrioIrti 
entweder auf dem Wege der Berufung, oder einer ausgeschriebenen Con« 
currenz, oder in Folge abgehaltener Concursprufungen von Seiner Mqestfit 
dem Kaiser und zwar in der Regel zunächst auf drei Jahre provisorisch 
ernannt. Diese drei Jahre werden, ihnen aber, wenn sie während derselben 
ihre Tauglichkeit bewähren, und in Folge dessen die definitive Bestätigung 
erlangen, in jeder Beziehung so angerechnet, als ob sie dieselben in defim** 
tiver Dienstleistung zugebracht hätten. 

S. 9. Die k. k. Recbtsakademieen stehen unter der unmittelbaren Leitung 
eines Directors, wozu auch einer der ordentlichen Professoren der Akademie 
widerruflich ernannt werden kann. Ihm ist das übrige Lehrpersonale, die 
Professoren, die Supplenten, der Adjunct, die Sprachlehrer und die Diener- 
schaft der Akademie untergeordnet.' Im Verhinderungsfälle vertritt den 
Director der seiner Dienstzeit nach älteste ordentliche Professor. 

f. 10.. Der Director erhält für die Besorgung der Directoralsgeschiffcs 
eine Jährliche Remuneration von 300 Gulden und ein Pauschale von 100 
Gulden für die Besorgung der Schreibgeschäfte und Beischaffnng der Schreib» 
saateriaUen. 

S. 11. Der Director leitet die Studien an diesen Instituten, und ist sowohl 
für ihre wissenschaftliche als politische Haltung, sowie für ihren materiellen 
Zustand verantwortlich. —r Er besorgt- die Aufnahme der Studirenden, bestimmt 
nach gepflogenem Einvernehmen mit den Professoren die Eintheiinng der 
Yorlesungsstunden, überwacht die Abhaltung der Prüfungen, vidirt die Pru-» 
fongszeugnissc, controlirt die Mitglieder des Lehrpersonals inErfullung ihrer 
LehrpQichten, handhabt die Disciplin, und erstattet Berichte und Vorschlage 
durch den Himsterialcommissär (in Zukunft durch den k. k. Districls-Ober* 
gespan) an das Unterrichtsministerium. 

$. 12. Die wichtigern Studiendisciplinar- und materiellen Angelegen- 
heiten behandelt der Director in ordentlichen und ausserordentlichen Sitzungen, 
bei welchen alle an der Akademie fungirenden Hitglieder des Lehrpersonals 
der Akademie zu erscheinen, und auch, jedoch mit Ausnahme der Sprach- 
lehrer und Adjuncten Stimmrecht haben. Der Director ist jedoch an den 
Beschluss der Mehrheit dann nicht gebunden, wenn die Ausführung des 
Beschlusses ihm mit der Verantwortlichkeit, welche zunächst ihm für den 
Zustand der Lehranstalt obliegt, nicht vereinbar scheint. 

S. 13. Die Berathungsprotokolle über diese Sitzungen sind binnen acht 
Tagen im Wege des Ministerialcommissars (in Zukunft des Districts- Ober- 
gespans) des betrefi^enden Districtes im Originale an das Unterrichtsministe- 
rium zur Einsicht einzusenden. 

S. 14. Die k. k. Recbtsakademieen stehen in der Art unter dem bevoll- 
mächtigten Civilcommissar , oder politischen Landeschef (in Zukunft dem 
Statthalter), dass Beschwerden gegen Entscheidungen und Verfügungen des 
Directors oder Lehrkörpers zunächst von ihm zu entscheiden sind, wichtigere 
Verfügungen aber er nur provisorisch, und gegen einzuholende Genehmigung 
des Unterrichtsministeriums treffen 'kafnn.* 

S. 15. Längstens binnen vierzehn tagen nach dem Schlüsse eines jeden 
Stildienjahres hat der Director einen Hauptbericht über den Personalstand 
der Akademie, über die wissenschaftlichen und lebrSmtlichen Leistungen des- 
selben, über den wissenschaftlichen, politischen und materiellen Zustand. der 
Anstalt, und ein Duplicat seines Hauptkataloges über die öfl'entlicb und privat 
Studirenden der Akademie mit den üblichen Rubriken und insbesondere über. 



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tm ötItrrtIciMoltt V«#oriMaf ibw» di» 

ien ErArfg der vofgpeaoinmeflen Prüfungen an 6m EMerriclilstniiiisferiain 
ekausetideii. 

S. 16. Diejeniiren Lebrgegenstande, wdche an diesen Akademieen gelehrt 
werden, sind: 13 Rechtsphilosophie nebst einer encyklopadischen Einleitung 
m das rechts* und slaatswissenschafth'che. Studium. 2) Das bisher geltende 
Privatrecht samnit dem Bergrechte. 3) Die Theorie der Statiistik und die 
europäische Statistik, die österreichische Statistik niit specieller Beleurlilong 
der österreichischen Staatsverfassung und des Verwaltungsorganismus. 4) Das 
dsterreicbisclie Strafrecht bind der Strafprocess. 5) Das österreichische bür- 
gerliche Recht. 6) Das Handels- und Wechselrecht« 7) Die Theorie des 
Civilprocesses mit den über das gerichtliche Verfahren in Ungarn neu kund-- 
gemachten Gesetzen. 8) Die Darstellung der für Ungarn erflossenen finan- 
ziellen und administrativen Gesetze. 

S. 17. So weit es wünschenswerth erscheint, ausgezeichnete Doüenten 
andrer als der hier genannten Fächer den Akademieen zu erfialten^ kdnnen 
auch Vorlesungen über andre sonst in der Regel dem UniverSitätsaUuKam 
¥«qrbelnilteflc Gegesstande gehalten werden. 

S. 18. Als ordentliche Professoren dieser Anstalt werden in der ^egel 
nur diejenigen angesehen, und nach diesem Normale angestellt^, welche in 
Folge des ihnen anvertrauten Lehramtes verpflichtet werden, aber einen oder 
mehrere der im §. 16 angeführten Gegenstände wöchentlich wenigstens durch 
zehn Stunden zu lesen. Ausserordentliche Professoren sind in der Regel 
diejenigen, ^'elche ausnahmsweise für andre als die dort genannten Gegen-«^ 
Stande angestellt werden, oder welche mit ihrer Anstellung nur die Ver- 
pflichtung einer geringem als der eben erwähnten Stundenzahl! von Vor- 
lesungen übernehmen. Ob ein Professor in Zukunft als ordentlicher oder 
ausserordentlicher anzusehen komme, hab^n die bei dieser Reorganisirung 
neu auszustellenden Anstellungsdecrete zu enthalten. Nebst den Prafessoren 
sind nach Hassgabe, als sich hierzu taugliche Individuen finden, und sich 
darnach ein Bedörfniss herausstellt, Adjuncten und Sprachlehrer mit besond- 
rer Berücksichtigung der landesfiblichen Sprachen anzustellen. 

$. 19. Die Gehalte der ordentlichen Professoren betragen 1000 Gulden 
mit dem Rechte der Vorrückung in 1200 Gulden und 1400 Gulden vorf zehn 
zu zehn Jahren , gerechnet, von dem Tage der Ernennung zum ordentlichen 
Professor an einer dieser Akademieen. Die ausserordentlichen Professoren 
erhalten eine fixe Besoldung von 600 — 900 Gulden; die Sprachlehrer von 
300—600 Gulden und die Adjuiiclen von 400 Gulden, alle diese ohne Vor- 
rückungsrecht. Ausserdem beziehen die Professoren einen jahrlichen Pau- 
schalbetrag des Unterrichtsgeldes, welcher mit Rücksicht auf den Ertrag 
desselben von Zeit zu Zeit' von dem Unterrichtsministerium im Einvern^men. 
mft dem Finanzministerium bestimmt wird. — Vorläufig werden diese Pau- 
schalien fir jeden ordentlichen Professor auf jährliche 100 Gulden Con^ven- 
ttons-Mönze, für die ansserordentlichen auf 50 Gulden Conventions -Münze 
besUmml, und in* zwei Raten am 1. März und am 1. August decursir ange^ 
wiesen und ausgezahlt. *- Wird einem* ordentlichen 4^ofess*0(,* nebeii* den 
LehrfächoBn, für welche er angestellt isty dauernd noch eiii zweit^s^oder 
dritito .Lehr foch übertragen, so wird ihm,. je naelideta'die Zahl seiner tagli- 
chen' Vorlesestunden auf diese Weise auf tagliche zwe^a^f drei oder vi^r 
Stunden gesteigert wird, ndien Sioinem ordentlichen Gehalte eine, übrigens 
siete durch diese ausaerordentliche und wirkliche Verwendnng bedi^te^ 
Rsmnnerati»» Ton jihfliohen 200-400 Gulden angewiesen. — Tritt die 



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ÖtlcrrtiaUsch« ITcroMlaiiDg fibw dw RochkaakadtniMB in Usffink 909 

Nothwendigkdl einer Suppliraog einer systemisirten Lelirkaazel ein, so hat 
der Sflpplent die nach seiner sonstigen lehrtotlichen Stelkmg zu bemeaaende 
SabstitulieiisgeMhr anzusprechen. 

S. 20. Der nach Umstanden den k. k. Rechtsakademieen beizugebend« 
Adjunkt ist dazu besiimnl, unentgeltliche öffentliehe Cerrepetitiotten über das 
eine oder andre Lehrfach aileafaUs in einer andern Landessprache, als in 
ireieher ein ordentlicher Professor liest, zu haltea, bei kurzen Unterbrechungen 
der Lehrvor^üge eines Professors ihn zu snppliren, den Director bei Fährung 
der Directoratsgeschdfte durch Conceptsarbeiten und Obersetzimgen zu untar«* 
stiizen , und sich auf die Professur des einen oder mdern Lehrfachas vor** 
zubereiten. Hiefür bezieht er das $. 19 erwähnte Adjutum. Seine Anstelr^ 
lung ist eine jederzeit widerrufliche. 

§. 21. Diejenigen Professoren, welche gegenwärtig an einer dieser 
Rechtsakademieen angestellt sind, bei der Reorganisirung aber früher oder 
später ausser Verwendung treten, sind bei Anstellungen im anderweitifen 
^aeisdienste nach Massgabe ihrer Kenntnisse besonders zu berücksiehtigen, 
und geniessen bei ihrer Quiesciruag das sogenannte Begüastigungsjahr in 
der Art, dass ihnen ihr bisheriger Gehalt, wenn sie nicht froher eine andr# 
Anstellung erhalten, noch ein ganzes Jahr fortbezablt, und ihnen dieses Jite 
im Falle ihrer Wiederanstelkmg bezüglich ihrer Pensionshehandlung auch 
ohne Dienstleistung so ang^echnet wird, als ob ihre staatsdienstlicfae Lauf^ 
bahn keine Unterbrechung erfohren hätte. 

§• 23. Die Studirenden einer k. k. Rechtsakademie sind entweder offene 
Ucbe oder Privatstudirende. Ihre Aufnahme ist dadurch bedingt, dass sie 
sich den Vorbereitungsstudien durch die gesetzliche Zeit mit Erfolg gewid« 
met, und vom Studienjahre 1851 — 52 an ihre Reife für <fie höhern Studien 
durch eine an der Pesther Universität, an einer dieser Akademieeo, Oder an 
ein^m öffentlichen Obergymnasium abgelegte Maturitätsprüfung dargetban 
haben, oder an dieselben von einer Univer-sität oder einer k. k. oder öffenU 
licheu ($. 6) Rechtsakademie übertreten. — Über die Vornahme dieser Prü- 
fungen an der Pesiher Universität und an den Akademieen werden besoii-» 
dre Bestimmungen erfolgen. — Die Aufnahme wird ven dem Directer 
besorgt. 

$. 23. Das Privatstudiam ist zwar vorläuGg an diesen Akademieen Tioch 
mit den Wirkungen des öffentlichen Studiums ausnahmsweise zulässig, jedodi 
nur für die Landesangeh&rigen Ungarns, Groatiens und Slavoniens, Sieben- 
bürgens und der Woiwodina sammt dem Temeser Bannte; die allfällige Auf<" 
bebung desselben wird wenigstens Ein Jahr vorher bekannt au geben sein« 

S* 24. Um zum Privatstudium an dieser Akademie zugelassen zu werden, 
ist die Bewüligung des Landeschefs (Statthalters) erforderlich. Diese ist nur 
Studirenden zu ertheilen, welche durch besondre Verhältnisse gehindert sind, 
die öffentlichen Vorlesungen zu besuchen. Der Studirende hat dieselbe vor 
Beginn des Studienjahres anzusuchen^ und in dem Gesuche :,a) die Verhält- 
nisse darzulegen, welche ihm den Besuch der Vorlesungen zur Unmöglichkeit 
machen; b) seinen ordentHchen Wohnsitz nachzuweisen. — Nach Bewilligung 
dieses Gesuches hat der Candidat dafür Sorge zu tragen, dass er sogleich 
in den Hauptkatalog der Akademie und in die Specialkataloge derjenigen 
Professoren, aus deren Fächern er seiner Zeit geprüft werden will, einge^ 
Uragen werde. Ohne eine von dem Landeschef (Statthalter) erhaltene Bewil- 
ligung und die vorausgegangene gehörige Einschreibusg in die Kataloge isl 
der Privatstudirende nicht zu den Prüfungen zuzulassen. 



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3ilO Öaterreichisdie VerordnuDg Ober die RechtMkademieeo in Ungani. 

: §. 25. Die Attfiiahme sowohl der öffentlich als privat Studirenden geschieht 
in der Reget nur nach Jahrgängen, somit fiar ein Winter- und das daranf* 
folgende Sommersemester. Nur aus besondern rücksichtswätdigen Gründen 
ist die Aufnahme für das Sommerseroester oder der Übertritt eines Studi- 
renden an eine Universität nach Ablauf eines Wintersemesters sulfissig. 

$. 26. Die ordentliche Frist zur Aufnahme der öffentlich Stndirenden 
sind acht Tage vor und acht Tage nach dem gesetslichen Anfange eines 
jeden Semesters» Nur aus besonders rucksicbtswfirdigen Gründen kann 4&t 
Lehrkörper in einzelnen Fallen diese Frist um weitere acht Tage verlängern. — 
Der Director fertigt dep öffentlich Studirenden einen Aufhahmsschein aas, 
trägt ihr Nationale in den Hauptkatalog ein, und sie haben sich sohin per- 
sönlich bei den betreffenden Professoren zur Aufnahme und Eintragung in 
die Speeialkataloge zu melden. 

S. 27. Der Director hält sämmtliche Studirende der Akademie in einem 
Hauplkataloge in Evidenz, welcher für jeden Jahrgang abgesondert zu führen 
ist, und folgende Rubriken enthält: 1) Vor- und Zuname und Alter des 
Studirenden; 2) Geburtsort und Land; 3) Wohnung desselben; 4) Vor- und 
Zunune und Stand des Vaters, oder wenn derselbe nicht mehr am Leben ist, 
des Vormundes; 5) ob er Stipendist, oder vom Unterrichtsgelde befreit isl, 
oder dasselbe zahlt; 6) Angabe der Coilegien, für welche der Studirende 
eingösehrieben ist; V) wie viele Stunden wöchentlich jedes derselben ans«* 
füllt; 8) Fleiss im Besuche derselben; 9) Fortgangsdasse bei der angestdl- 
len Semestral- oder Annualprufung; 10) Anmerkung. Zuerst sind die öffent- 
Itdi, dann die privat Studirenden abgesondert in alphab^iscber Ordnung 
anzuführen. Unter der Rubrik Anmerkung sind insbesondre einzutragen: 

a) Bemerkungen über das akademische Betragen, soweit dasselbe den Gesetzen 
nicht angemessen war, und die allenfalls verhängte disciplinäre Behandlung; 

b) bei Privatisten die Bewilligung des Landeschefs zum Privatstudium; c}'von 
welcher Lehranstalt der Studirende an die Akademie, eingetreten. 

§. 28. Die Studirenden dieser Akademieen geniessen nur in soferne die 
Lernfreiheit, als ihnen kein bestimmter Studienplan vorgezeichnet, sondern 
es ihrem Ermessen überlassen wird, sich die lleihenfolge der Lehrfächer 
und wenn an einer Akademie über denselben Gegenstand mehrere Profes- 
soren lehren sollten, sich den Professor selbst zu wählen, bei wachem sie 
sich einschreiben lassen. 

S. 29. Soll jedoch einem Studirenden in Zukunft die an einer k. fc* 
Reditsakademie zugebrachte Studienzeit in jene Anzahl von Studienjahren 
eingerechnet werden, welche er bei Zulassung zur Staatsprüfung auszuweisen 
haben wird, so muss er sieb in so viele CoUegien einschreiben lassen, und 
nach den Bestimmungen der folgenden Paragraphe Prüfungen über dieselben 
ablegen, dass durch dieselben mit Ausnahme der Ferialtage wöchentlich 
wenigstens 15 Stunden im Vortrage ausgefüllt werden. Wenn jedoch ein 
Studirender statt 2 Jahren, 3 Jahre an der Akademie zubringt« so ist er 
mir zu einem wöchentlichen Collegiumbesuche von mindestens 10 Stunde» 
verpflichtet, doch werden ihm diese 3 Jahre nur als 2 Jahrgänge seiner 
gesetzlichen Studienzeit angerechnet. In die wöchentliche Stundenzahl von 
10 oder 15 Stunden dürfen jedoch die Correpetiiionsstunden des Adjuncten 
und die Unterrichtsstunden der Sprachlehrer nicht eingerechnet werden* 

§. 30. Der Obertritt von einer Rechtsakademie an eine andre , oder an 
die Universität oder umgekehrt, steht jedem Studirenden in der Regel nur 
nach Ablauf eines ganzen Jahrganges frei. 



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Öslerrelchisclie Verordnung Aber die Rechtsakademieen in Ungarn. 241 

S. 31. Diejenigen Studirenden dieser Akademieen, welche beabsichtigen, 
in den öiFentlichen Dienst, in die Advocatie, in das Notariat einzutreten, oder 
einen gelehrten Grad zu erwerben, und zu diesem Behufe nach der Ver- 
ordnung über die theoretischen Staatsprüfungen vom 30. Juli 1850 verpflich- 
tet sind, eine Studienzeit von 3 oder 4 Jaliren auszuweisen, haben sich über 
diejenigen Gegenstände, für welche sie inscribirt sind, Prüfungen in der in 
den folgenden Paragraphen bezeichneten Zeit und Art zu unterziehen, widri- 
gens ihnen die nicht durch genügende Prüfungszeugnisse ausgewiesenen 
Semester nicht in ihre Studienzeit eingerechnet werden, sie mögen öifentliche 
oder Privatstudirende sein. 

§. 32. Diese Prüfungen sowohl für die öffentlich als privat Studirencjpn 
sind schriftlich und mundlich, und die letztern öffentlich abzuhalten, die 
Classification wird öffentlich vorgenommen. Es ist den Professoren streng- 
stens untersagt, irgend eine Prüfung unter was immer für einem Vorwande 
bei sich zu Hause vorzunehmen. Die schriftlichen Prüfungen sind 2 bis 3 
Wochen vor Ausgang des Semesters vorzunehmen, und die Prüfungsarbeiten 
sind von 2 Professoren zu censuriren. Das Resultat ihrer Beurtheilung ist 
auf der Ausarbeitung selbst mit kurzen Worten zu bemerken, und die Beur- 
theilung mit der Unterschrift des Beurtheilers zu versehen. — Diese Beur- 
theilung ist bei dem Calcul des Fortgangs in Anschlag zu bringen. Die 
Elaborate sind von dem Director durch 1 Jahr aufzubewahren, und auf Ver- 
langen den vorgesetzten Behörden zur Einsicht vorzulegen. Bestechlichkeit 
oder Unterschleife bei Prüfungen oder Ausstellung von Zeugnissen ziehen 
unnachsichtlich die Cassation nach sich. 

§« 33. Der Vornahme der Prüfungen hat der Director oder ein zweiter 
von. ihm bezeichneter ordentlicher Professor beizuwohnen. Die Abstufungen 
der Classification sind: Vorzugsciasse, erste und zweite Classe. Diese Clas- 
sen sind jedoch nach der absoluten, nicht nach der relativen Befähigung des 
Studirenden, und Vorzugsclassen denjenigen zu ertheilen, welche durch eine 
treffende Beantwortung aller ihnen vorgelegten Fragen einen ausgezeichneten 
Fleiss und ein vollkommen entsprechendes Wissen an den Tag gelegt haben. 

§. 34. Die Zeugnisse sind von dem Director zu contrasigniren , und 
haben ausser dem Namen des Studirenden, seinem Geburtsorte und der 
Bezeichnung des Jahrgangs und Semesters noch, zu enthalten: a) ob der 
Studirende Stipendist, oder vom Unterrichtsgelde befreit oder zahlungspflichtig 
ist; b) die Bezeichnung des Gegenstandes und der Sprache, in welcher über 
denselben vorgetragen wurde; c) die tägliche oder wöchentliche Stundenzahl 
der darüber gehaltenen Vorlesungen; d) ob der Studirende die Collegien 
besucht, oder die Prüfung als Privatist abgelegt hat, in welchem Falle das 
Datum der erhaltenen Bewilligung zum Privatstudium zu bemerken ist; e) die 
erhaltene Fortgangsciasse; f) bei öffentlich Studirenden das Urtheil über seinen 
Fleiss im Collegienbesuche und sein akademisches Betragen. 

§. 35. Der allgemeine ordentliche Termin zur Vornahme der Prüfungen 
sind die letzten 8—14 Tage vor Ablauf eines jeden Semesters. — Nachträg- 
liche Prüfungen oder Wiederholungsprüfungen zur Verbesserung einer erhal- 
tenen zweiten Classe können nur innerhalb des ersten Monats des nächsten 
Semesters vorgenommen werden. Dass eine Prüfung eine wiederholte war, 
ist im Zeugnisse zu bemerken. Einem Studirenden, der eine erhaltene zweite 
Classe in wiederholter Prüfung nicht verbessert hat, wird das betreffende 
Semester oder bei einem ganzjährigen Gegenstande der ganze Jahrgang in 
seine Studienzeit nicht eingerechnet. 

Akadem. Monatsschrift. Mai 1852. 31 



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^42 Osten eiiiiist'he V(M*-ordiuiiig Aber die Reclitsakademieen in Ungarn. 

$. 36. Die Prüfungen werden halb- oder ganzjährig vorgenommen , je 
nachdem der betreffende Lehrgegenstand in einem Semester abgeschlossen 
oder in 2 Semestern fortlaufend vorgetragen wird. Nur dann, wenn aus- 
nahmsweise ein Studirender die Bewilligung des k. k. Ministerial-Commissärs 
(Districts-Obergespans) oder des Landeschefs (Statthalters) erhält, nach dem 
ersten Semester an eine andre Akademie oder an die Universität überzu- 
treten, muss rücksichtlich des ganzjährigen Gegenstandes mit ihm vor dem 
Übertritte eine Prüfung über den in dem betroffenden Semester vorgetrage- 
nen Theil des Gegenstandes vorgenommen werden. 

§. 37. Über jede Prüfung aus einem Gegenstande ist ein besondres 
Zc^gniss auszustellen. — Prüfungstaxen dürfen unt^r keinem Verwände, sei 
es von öffentlich oder privat Studirenden, gegeben oder angenommen wer- 
den. Ausser diesen §. 36 erwähnten öffentlichen Prüfungen haben keine 
andern (Tentamina oder öffentliche Defensionen) an den Akademieen statt- 
zufinden. 

§. 38. Die für Studirende an österreichischen Universitäten gellenden 
Disciplinarvorschriften haben im Allgemeinen auch Anwendung auf die Stu- 
direnden der Akademieen. Wegen beharrlichen Unfleisses im Besuche der 
Collegien, ärgerlichen Excessen, wegen Störungen der akademischen Ordnung 
oder Verletzung- der schuldigen Achtung vor dem Director oder den Pro- 
fessoren kann ein Studirender von dem Lehrkörper von der Akademie weg- 
gewiesen oder ihm die Zulassung zu den Prüfungen verweigert werden. — 
Geringere akademische Vergehen sind durch Warnung oder durch Verweis 
vor dem versammelten Lehrkörper zu ahnden. — Alle Disciplinar-Erkenntnisse 
sind in einem eignen Protokoll und in dem Hauptkatalog vorzumerken 
und in das Absolutorium des Studirenden dem wesentlichen Inhalte nach 
aufzunehmen. — - Ergeht ein Disciplinarurtheil auf gänzliche Ausschliessung 
von allen Studien an einer österreichischen Universität oder an einer Rechts- 
akademie, so ist dasselbe dem Unterrichtsministerium zur Bestätigung vorzu- 
legen, und wenn diese erfolgt, sämmtlichen österreichischen Universitäten' 
und k. k* und öffentlichen Rechtsakademieen mitzutheilen. 

§. 39. Für die Benutzung der k. k. Rechtsakademieen ist von {edem 
öilenllich und privat Studirenden ein Unterrichtsgeld von 8 fl. CM. pr. Seme- 
ster für Rechnung des Studienfonds zu bezahlen. — Am Schlüsse jedes Jahr- 
gangs hat der Director der Anstalt im Einvernehmen mit dem Professoren- 
coliegium einen Ausweis über den Personalstand und den Ertrag des Unter- 
richtsgeldes dem Landeschef (Statthalter) vorzulegen. ~- Wo bisher besondre 
Beiträge zum akademischen Bibliotheksfond u. s. w. üblich waren , werden 
dieselben in der Art und in dem Betrage ihrer bisherigen Entrichtung bei- 
behalten. 

S. 40. Studirende, deren Eltern, und welche selbst mittellos sind, und 
diess durch vollen Glauben verdienende Belege darthun, können von der 
Entrichtung des Unterrichtsgeldes befreit werden; diess gilt auch von Stift- 
ungen und Stipendisten. Doch werden solche Befreiungen nur auf Ein Jahr 
. ertheilt, nach dessen Verlauf die Befreiten um Erneuerung der Befreiung 
einkommen können, wenn ihr Benehmen tadellos ist und sie ihren Studien 
mit gutem Erfolge obgelegen sind, -r- Alle Befreiungsgesuche sind bei dem 
Lehrkörper einzureichen und von diesem gutachtlich dem Ministerialcommissär 
(Ülstricts-Obergespan) , welchem die Entscheidung zusteht, vorzulegen. — 
Auch der Fortgenuss eines Stipendiums ist von dem Nachweise eines tadel- 
losen Benehmens und einer fleissigeii Verwendung in den Studien abhängig.— 



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Österreichische Verordnung über die Reeht^akHde^liern in lii^irnrn. 243 

Kein Studirender darf unter Dafurhaflung der Professoren zu einer Prüfung 
zugelassen werden, bevor er sich über das bezahlte Unterrichtsgeld oder 
über die erhaltene Befreiung bei dem betreffenden Professor ausgewiesen 
hat. — Die Professoren haben bei Vornahme der Prüfungen, der Director 
aber bei Einhändigung der Zeugnisse an die Sludirenden die Nummer und 
das Datum der Quittungen über das bezahlte Unterrichtsgeld in ihren Kata- 
logen vorzumerken. 

§. 41. Bei dem Abgange eines Studirenden von der Akademie ist ihm 
von dem Director ein Absolutorium über die daselbst zurückgelegten Studien 
in analoger Anwendung des Minislerialerlasses vom 29. März 1850 (Reichs- 
Gesetzblalt, Stück XL VII., Nr. 144) über die Univeri^itälszeugnisse auszustellen. 

$.42. Aus diesem Absolutorium muss zu entnehmen sein, welchen Stu* 
dien der Studirende in jedem Semester insbesondre obgelegen, mit welchem 
Erfolge er den Prüfungen sich unterzogen, und wie viele Semester er an 
der Akademie mit der Wirkung zugebracht, dass ihm dieselben in seine Stu* 
dienzeit eingerechnet werden können. — Am Schlüsse sind die Bemerkungen 
über sein akademisches Verhalten beizufügen. 

S, 43. Die Prüfungszeugnisse und Absolutorien, die letzlem nach den 
mit obigem Minislerialerlasse hinausgegebenen Formulare für Universitdts* 
Zeugnisse, sind in lateinischer Sprache auszustellen. 

§. 44. Das Studienjahr beginnt an den k. k. Rcchtsakademieen in Zukunft 
mit dem 1. October und dauert bis letzten, Juli eines jeden Jahres. Das 
erste Semester dauert bis Ende Februar, das zweite Semester beginnt mit 
dem 8. März. — Als wöchdnllicher Ferialtag wird der Donnerstag erklart, 
ßücksichtlich der kirchlichen Ferialtage ist sich an die bestehenden Gesetze 
oder bis auf weitere Anordnungen an die bisherige Übung zu halten. 

Thun m. p. 

Bemerkung. ' Ein Ministerialerlass von demselben Datum verkündet 
ein im Wesentlichen mit den vorstehenden Vorisiehriflen gleichlautendes 
„provisorisches Gesetz über die Reciitsakademie zu A g r a m.*^ Im §. 1 
wird bei letzterm nur beigefügt, dass die Reorganisation in so lange bei- 
behalten werde, „bis es möglich sein wird, die Rechtsakademie zu einem 
förmlichen mit der akademischen Lehr- und Lernfreiheit auszustattenden 
Facultätsstudium umzugestalten.'^ Die §§. 3 — 6 der vorstehenden Vorschrif- 
ten sind in dem provisorischen Gesetz weggelassen. Der S. 3 desselben 
sagt abweichend von dein obigen §. 3: „Sie (die Rechtsakademie zu Agram} 
wird so eingerichtet, dass jeder, der in den Staatsdienst, in die Advocatie 
oder das Notariat einzutreten beabsichtigt, an derselben die von dem Gesetze 
geforderte Studienzeit, zunächst -von drei, späterhin von vier Jahren absol- 
viren kann. Nur die Candidaten des juridischen Doctorgrades werden bis 
zur Umgestaltung dieser Akademie in ^ine förmliche Facultat gehalten sein, 
von dem hiezu erforderlichen Quadriennium jedenfalls mindestens zwei 
Semester an einer österreichischen oder an einer auswärtigen Universität, 
an welcher Lehr- und Lernfreiheit besteht, zuzubringen/' 



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244 J .iteralur : M i c h c I e t , Vor8ch liif^e. 

III. 

Literatur. 

Vorschläge zur Umges.taUung der deutschen Universitäten. Ihren Vertretern 
gewidmet von C. L. Mi che! et. Berlin 1850. Bei F. Schneider u. 
Comp. 43. S. 8. 

Die Anzeige vorliegenden Schriftchens hat sich durch Zufall verspätet 
und so können wir durch sie allerdings nicht mehr dasselbe bei unsern 
Lesern einfuhren, da es wohl den meisten bereits bekannt geworden ist. 
Gleichwohl darf es in der A. M. S. nicht unbesprochen bleiben. Die Vor- 
schläge des Verf. knüpfen sich theils an die der preussischen Conferenz 
vorangegangenen ministeriellen Aufforderungen und die darauf gefolgte mini- 
sterielle Zusammenstellung der eingegangenen Gutachten, theils an den wissen- 
schaftlichen Congress zur Gründung einer freien akademischen Universität 
und die ihm vorausgegangene „Denkschrift^^, theils an die Jenaer Universitäts- 
versammlung, theils endlich an die Berliner Conferenz an. Der Verf. fasst 
seine Vorschlage unter neun Oberschriften zusammen: 

i. Vertretung der Staatsbehörde bei den Universitäten. 
Unter dieser Rubrik entscheidet er sich gegen jede Zwischenbehörde zwischen 
Universität und Ministerium, heisse sie Kanzler, Curator, Regierungsbevoll- 
mächtigter. Unsre hierin übereinstimmende Ansicht ist ausgesprochen in 
dieser Zeitschrift Jahrg. 1849 S. 137. Wir werden das dort Gesagte nicht 
wiederholen. Die Corporations-Eigenschaft der Universität einer- und das 
Princip der Lehrfreiheit andrerseits sind die Ausgangspunkte des Verf. Die 
Annahme, dass die Universität Staatsanstalt sei, hält er als im Widerspruch 
stehend mit der Corporations- Eigenschaft. Auch hierüber haben wir unsre 
Ansicht und zwar abweichend vom Verf. in dieser Zeitschrift ausgesprochen. 
Der Verf. steigert das Seifgovernement der Universität bis zu dem Grade, 
dass er dem Staat nur ein Veto lässt, sofern die Corporation den allgemein- 
sten Staatsangelegenheiten hindernd entgegen treten wollte. Hiebei geht der 
Verf. in das Gebiet der Administrativpolilik über, in deren Detail wir ihm 
nicht zu folgen gesonnen sind. Er denkt sieh neben dem Unterrichtsniinister 
einen Unterrichtsrath für den niedern, mittlem und höchsten Unterricht, wel- 
cher in Betreff der Universitäten die entscheidende Behörde bei streitigen 
Verwaltungssachen , innerhalb einer jeden Hochschule, oder im Verhältniss 
mehrerer. Universitäten zu einander, ferner die Behörde wäre, an welche 
alle Anträge über Gehaltsänderuhgen, Creirurtgen neuer Professuren, Bauten, 
Ankauf von Sammlungen u. s.* w. gelangen nHissten, um sie dem Minister 
zur Entscheidung oder Vorlegung an die gesetzgebende Gewalt vorzuberei- 
ten, wenn dazu die bisherigen Mittel der Hochschule nicht ausreichen. Bei 
Neubesetzung schon bestehender Professuren hätte der Unterrichtsrath nur 
dann die'Jetzte..E|ilscheidu.ng', wenn zwischen Senat, Facultät und General- 
concil eine Meinungsversciiiedenfieit obwaltete. Dieser Unterrichtsrath, eine 
Abtheilung des StaatsrathsT, .sbll aus der Wahl der einzelnen Anstalten und 
unlex'göordneten Unterjichtsräthe hervorgehen u. s. f. Wir müssen gestehen, 
'dass -uh's'die^e Froposition^n unklar und unpraktisch erscheinen, und wo 
bleibt ^die Consequenz, wenn der Verf., der doch den Corporationen eine so 
unabhängige Stellung geben will, den Verkehr zwischen den verschiednen 



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Literatur: Michel et, VorscbUfgc. 245 

Universitäten, oder der Universität mit den andern Lehranstalten auch durch 
die Hände des Unterrichtsraths gehen lassen will? Dem Verf. schwebt oJDTen'^ 
bar etwas von der französischen Universität mit ihrem Conseil de Finstruc«- 
tion publique vor, aber er scheint dabei den obersten Grundsatz der fran- 
zösischen Einrichtung, wonach die Gesammtuniversität lediglich Staatsanstalt 
ist, ausser Acht gelassen zu haben. 

2. Akademische Gerichtsbarkeit. Der Verf. spricht sich gegen 
jeden besondern Gerichtsstand der akademischen Bürger aus. Nur auf Dis- 
ciplinarstrafen soll sich die akademische Gerichtsbarkeit beschränken. Wir 
verweisen hierüber auf frühere Ausführungen in dieser Zeitschrift Jahrg. 1849 
S. 153 ff. 

3. Ernennungen und Berufungen. Der Verf. nennt „drei grosse 
Principien, über welche hier fast alle Vorschläge einig sind: 1) ein Normal- 
Etat für die Professuren; 2) Eröffnung des Concurses bei eintretenden 
Vacanzen; 3) Beschränkung des Ernennungsrechts des Ministers, indem das- 
selbe vornehmlich in die Hände der Corporation selbst gelegt wird/^ Ad 1) 
macht er den Vorschlag, „dass das der gesetzgebenden Gewalt vorzulegende 
Unterrichtsgesetz zugleich die Fundirung des Etats der Universitäten als einer 
Staatsrente oder dergleichen beantrage, dass also der Corporation ein förm- 
liches Eigenthumsrecht zustehe/^ Wir sehen hierin nur das Bestreben des 
Verf., die Universitäten gegen dieWillkühr der Gesetzgebung sicher zu stel- 
len; die Art der Sicherstellung bleibt indessen vollkommen im Unklaren. 
Beinah scheint es, es werde hier der Begriff eines Normaletat für die Pro- 
fessuren mit einem feststehenden Etat für die Universität verwechselt. Dass 
Normalgehalte übrigens für die Professuren, soweit damit nur das Minimum 
fixirt wird, ohne immerhin nothwendig werdende Personalzulagen abzuschnei- 
den, für die Universität eine Wohlthat sind, ist auch unsre Oberzeugung. 
Ad 2} will der Verf., dass der Weg der Bewerbung als Regel ausgesprochen 
werde, und dass die Meldungen durch Vermittlung des Rectors an die betref- 
fenden Facultäten gelangen sollen. Jedoch soll nicht eine öffentliche Auffor- 
derung zu Bewerbungen erfolgen, sondern es genügt, eine Hittheilung ein- 
getretener Vacanzen an alle Universitäten und eine Frist von vier Wochen 
für die Anmeldungen, bevor die Facultäten ihr Gutachten über die Besetzung 
der erledigten Stellen zu erstatten haben. Wir gestehen offen, dass uns das 
ganze lästitut des Concurses principiell zuwider ist, wollen jedoch hier nicht 
auf die Grunde näher eingehen; aber das können wir nicht verschweigen, 
^dass, was der Verf. billigt, uns höchst unpraktisch erscheint. Sind denn die 
^Lehrkräfte für Universitäten nur an Universitäten zu finden? Und wie, wenn 

das Land nur eine Universität hat, was doch vor der Hand, ehe des Verf. 
Phantasie über Bundesuniversitäten ;Bur Wirklichkeit wird, immerhin noch der 
Fall sein kann ? Ad 3) muss „der Weg d,er Ernennung einerseits der Wille 
und das eigne Kraftgefühl der Aspiranten, andrerseits das gestattete Petitions- 
recht der Studirenden, endlich und hauptsächlich die Wahl der Arbeits- 
genossen sein.^^ Am Ersten ist in der Regel nicht zu zweifeln; wie man 
aber das Petiti9^n6recht ^eh Studirenden *zvge&tehen. könne, während die aka- 
demische^ Behörde ^*bei allen juristfsch^Ti Handlungen der Studirenden, insofern 
sie das Universitätsleben betreffen, <lie Stelle des Vaters oder. Vormunds in 
deren Auftrag einzunehmen hätte (S. 14), diess^ist uns nicht klar geworden. 
Der Verf. spricht dem. Staat die Ernennung der Lehrer ab; „die freien Cor- 
porations - Mitglieder können nur durch die Corporation selbst berufen und 
ihrer Stellung für unwürdig erklärt werden.^' X^iess wird bis zur letzten 

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244) ^ Literatur : IN i c h e I e t , Verschlage. 

Consequenz durchgeführt, so dass dem Unterrichtsiiiinister nur ein Veto 
bleibt. Uns däucht, die Corporationseigenschaft der Universität wäre immer 
noch hinreichend gewahrt durch den Grundsatz, dass ihr kein Mitglied soll 
zugeschoben werden dürfen, gegen welches sie erhebliche Einwendungen zu 
machen haben würde, welcher Grundsatz in dieser Zeitschrift (Jahrg. 1849 
S. 125) gerechtfertigt ist. 

4. Stiallung der Extraordinarien zu den akademischen 
Behörden. Der Verf. lässt nicht undeutlich durchblicken, dass er es für 
das^Consequenteste halte, allen Unterschied zwischen Ordinarien und Extra* 
Ordinarien aufzuheben. Da er diess wohl selbst nicht für durchfuhrbar halt, 
so begnügt er sich, allen Lehrern die Theilnahme an dem Generalconcii 
zu bewilligen, von welchem der Rector und die Verwaltungscommissionen 
gewählt werden, dagegen in letztre eine kleine Anzahl Extraordinarien durch 
Wahl kommen zu lassen. Dagegen bei der Bildung der Facultaten will er 
alle Docenten zu gleichen Hälften betheiligen, indem die Ordinarien einer- 
seits, die Extraordinarien und Privatdocenten andrerseits eine gleiche Anzahl 
Vertreter in die Facultaten senden sollen und von Allen der Decan aus den 
Ordinarien der Facultät zu wählen sei. Der in dieser Zeitschrift (Jahrg^l849 
S. 130) gemachte Vorschlag einer weitern und engern FacuItat mit seinen 
«Modalitäten scheint uns auch heute noch der passlichere. Die Unterscheidung 

von Ordinarien und Extraordinarien hat gerade nur in Beziehung auf die 
Facultät ihren guten historischen Sinn; denn letztre sind jene, welche extra 
ordinem (Theologorum, Jure consultorum &c.) Professoren sind. Dass „die 
Wissenschaft auf Universitäten so stationär" sei , weil die Facultät nur aus 
sämmtiichen Ordinarien, bestehe, wäre im Resultat und im Grunde doch wohl 
eben erst zu beweisen. Wir kennen sehr junge Ordinarien und alte Extra- 
ordinarien; das Alter und die Jugend macht es daher gewiss nicht! Dass es 
in Freiburg keine Extraordinarien gebe, ist thatsächlich unrichtig (vgl. März- 
heft des laufenden Jahrg. S. 41, Märzheft des Jahrg. 1850 S. 133). 

5. Innere Organisation der Universitäten. Der Verf. huldigt 
den in Jena gefassten Beschlüssen und ihren Consequenzen. Er unterscheidet 
drei Glieder: 1) das Generalconcii (Corpus academicum) nrit der gesetz- 
gebenden Gewalt für die allgemeinen Angelegenheiten der Universität;. 2) diq 
verwaltenden Behörden: Senat, juristisch ökonomische Commission (Verwal- 
tungsrath), Facultaten; 3) Rector mit der ausübenden Gewalt, der Repräsen- 
tation der Universität nach Aussen und dem Vorsitz im Generalconcii und 
Senat. Was nach dieser Gliederung die Geschäfte betrifft, so soll das 
Generalconcii nach den Vorschlägen des Verf. alle gesetzgebenden Acte, 
die Revision des Normal-Etats (d. h. wohl des Universitätsbudgets), Antheil 
an der Besetzung vacanter und an der Creirung neuer Stellen, die Wahl des 
Rectors, des Senats und des Verwaltungsraths , die aufsehende Gewalt, das 
Recht mit Umgehung des Senats Anträge an den Unterrichtsrath und Minister 
zu stellen, überhaupt Petitionen und Adressen zu erlassen in ausserordent- 
lichen von wenigstens 10 Mitgliedern verlangten Versammlungen, erhalten. 
D9r Senat habe die Disciplinargewalt über die Studirenden, die Besorgung 
«der lauf€^nden Geschäfte,' die Verwaltung des Vermögens und de» Bauwesens, 
mit Einschluss der Etatsangelegenheiten, die Verleihung der Beneficien, die 
Wahl und Anstellung der Universitätsbeamten, Concurrenz mit dem General- 
concii und den Facultaten bei Besetzung der Professuren, Concurrenz mit 
den Institutsvorstehern und Facultaten bei den Angelegenheiten der Institute, 
die Vollziehung der Beschlüsse des Generalconcils. Der Verwal tungsrath 



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I.ileratnr: Mi dielet, Vorsctiläge. 247 

habe die Etats-Vorarbeiten, die Vorarbeiten für alle Bau- und andre Finanz- 
sachen, nebst der Ausführung der Senatsbeschlüsse, die bisherigen Geschäfte 
des Syndicus oder Universitätsrichters. . Die Beneficien- und Bibliothek- 
Commission wähle der Senat aus seiner Mitte (wohl der einzige unzweck- 
mässige Vorschlag!), die Wittwencassen-Commission wähle das Generalconcil 
ans seiner Mitte, eben so die Honorarien- und Stundungscommission. Den 
Facul taten verbleibe ihr bisheriger Wirkungskreis, also 1) die Aufsicht 
über die Lehre (daher Theilnahme derselben an der Aufstellung ihres Etats 
und an der Ernennung der Professoren) ; 2) wissenschaftliche Aufsicht über 
die .Studirenden , daher Ertheilung der Beneficien und Prämien, Antrag auf 
Disciplinarstrafen beim Senat (statt dessen würden wir vorschlagen , die ^ 
betreffende Facultat vor Verhängung einer Disciplinarstrafe zu hören); 3) die 
Ertheilung der akademischen Würden und die Habilitation der Privatdocenten 
und Professoren. Der Rector, unter dem die übrigen Beamten der Uni- 
versität stehen, soll nur die Beschlüsse des Generalconcils und Senats aas- 
zufuhren haben und ohne den Senat nicht handeln können. Ausnahmen, in 
welchen der Rector auch ohne den Senat handeln könne , giebt der Yerf. 
zu. — Bei dieser Ressort vertheilung hat der Verf. Manches unerwähnt 
gelassen, was auf einen Mangel an praktischer Erfahrung schliessen lasst. 
So vermissen wir die Immatriculation und Exmatriculation, die Hauspolizei,' 
ein Strafrecht des Rectors u. s. w. 

Was die Personen betriOl, so hält sich der Verf. hinsichtlich des 
Generalconcils lediglich an den Jenaer Beschluss. Ober den Senat wurde 
in Jena kein Beschluss gefasst. Nach dem Verf. soll er bestehen aus dem 
Rector, Prorector, sämmtlicheii Decanen und sechs Senatoren, von welchen 
drei ausserordentliche Professoren sein sollen. Wir gestehen, dass wir nicht 
einsehen können, warum die Decane als solche im Senat sitzen müssten; sie 
bringen in denselben ein unstätes Element, da die Decane überall jährlich 
oder gar halbjährlich wechseln, sie machen das CoUegium zu gross und was 
uns die Hauptsache ist, geben der Decanatswahl eine Nebetirücksicht auf 
senatorische Befähigung, die von der Befähigung, Vorstand der Facultat zu 
sein, sehr verschieden sein kann. Dass auch Extraordinarien im Senat sitzen 
sollen, ist eine Abweichung vom Jenaischen Beschlüsse und wohl an sich 
nicht zweckmässig. Dagegen billigen wir, dass der Verf. keine Integral- 
erneuerung des Senats will , sondern nur je zwei Senatoren alle zwei Jahre 
ausscheiden lässt. Der Verwaltungsrath soll drei Mitglieder, unter die- 
sen einen Extraordinarius haben. Letzteres ist nicht dem in Jena gefassten 
Beschlüsse gemäss^ und wenn die Universität reich an eignem Vermögen ist, 
so ist die Arbeitslast für drei Mitglieder zu gross. Ganz unzweckmassig 
scheint uns der Vorschlag des Verf., dass drei Senatoren den Verwaltungs-« 
rath bilden sollen. Man sieht hieran, dass der Verf. diese Geschäfte nocl^ 
nicht selbst geführt hat. Über die Composition der Facul täten sagt der 
Verf. viel Gutes, aber auch einiges Wunderliche. Dass die philosophische 
Facultat drei Decane erhalte, einen für die mathematisch-physikalische, einen 
für die historisch-cameralistische, einen für die ästhetisch-philosophische Section, 
scheint uns nicht unangemessen, so wenig als Alles was daraus folgt. Dass 
aber der Verf. eine gemeinschaftliche Facultat für die katholische und pro- 
testantische Theologie creiren will, ist uns, die wir an unsrer Universität 
dieses Project schon einmal zur Ausführung gekommen sahen, höchst aben- 
teuerlich. Was die Berechtigung der Extraordinarien und Privatdocentea in 
der Facultat betrifft, so haben wir uns hierüber schon früher in dieser Zeit-^ 



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248 Literatur: Miclielet, Vor«chlSge. 



t 



Schrift (Jahrg. 1849 S. 129) und zwar in einem von den Vorschlagen des 
Verf., die allen Unterschied unter den Docenten aufheben, abweichenden 
Sinne ausgesprochc^n. Ebendaselbst haben wir aber auch bereits die Ansicht 
ausgesprochen, welche die Berliner Conferenz, mit der auch^ der. Verf. über- 
einstimmt, später geltend machte, dass die Facultät gegenüber vomäeneral- 
concil eine völlig unabhahgige Stellung einzunehmen habe, woraus von selbst 
das Wegfallen der rohen Befehlsform in der Correspondenz folgt. — Com-* 
petenzconflicte zwischen den verschiednen Behörden weist der Verf. cön- 
sequent an den Unterrichtsrath. 

6. Disciplin über die Professoren. Der Verf. kämpft hier für 
die Freiheit der Wissenschaft, — ein ehrenwerther Kampf, da eine abhängige 
Wissenschaft jast eben so viel oder so wenig werth ist, als eine abhängige 
Justiz. „Universitätslehrer müssen, versteht sich in Amtssachen, durch Uni* 
versitätslehrer gerichtet werden.^' Seine Vorschläge sind: „In wissen- 
schaftlicher Hinsicht sind die Facultäten für ihre Mitglieder, in Bezug auf 
Standesehre der Senat für alle Docenten das competente Ehrengericht, 
welches Warnungen, Verweise und Geldstrafen aussprechen darf; letztere 
(warum nur Geldstrafen?) lassen den Recurs an das Generalconcil zu. Bei 
Suspensionen und Absetzungen ist das Generalconcil die erste Instanz, Kläger 
mag der Senat oder die Facultät, oder welche andre Behörde es wolle, sein. 
Die Verurtheilung geschieht nach Mehrheit der Stimmen; doch muss die 
Mehrheit der wirklichen Mitglieder der Corporation dafür gestimmt haben. 
Die Gründe der Entfernung aus der Corporation müssen genau im Gesetze 
angegeben sein (ist diess auch möglich?). Im Fall einer Verurtheilung kann 
der Angeklagte Recurs beim Unterrichtsrath einreichen, welcher dann das 
Generalconcil einer andern Universität zum Richter ernennt (wie aber, wenn 
das Land nur eine Universität hat?), um nach den Acten ohne mündliche 
Verhandlung eine zweite Entscheidung zu treffen.^^ Wir bekennen, dass wir 
gegen die Ausführbarkeit dieser Vorschläge bedeutende Zweifel haben. Nir- 
gendwo werden die Regierungen darauf verzichten, „aus administrativen 
Erwägüngen^^ einen Lehrer zu entfernen, und wir müssen gestehen, dass wir 
ein solches Gesetz, wie es sich der Verf. denkt, für unmöglich halten. Auf 
seine politischen Erwägungen einzugehen, halten wir hier nicht am Ort, da 
sie nicht sich auf die Universität beschränken. Nur das scheint uns überall 
überseherv, dass Universitätslehrer in ihrer allgemeinen politischen Stellung 
zu doppelter Vorsicht bewogen sein sollten, da sie eine leicht erregbare 
Jugend hinter sich haben. Gerade hier zeigt sich die Lücke im System des 
Verf., die dadurch entsteht, dass er der Universität den Charakter der Staats- 
enstalt bestreiten zu müssen glaubt.— Einverstanden sind wir mit dem Verf., 
dass eine Anwendung der sonst für Beamten geltenden Pensionsnormen auf 
Professoren eine gewisse Unbilligkeit enthalte, da das Nichtlesen dem Pro- 
fessor schon eine beträchtliche Einkommenseinbusse bewirkt. 

7. Besoldungsverhältnisse. Hier werden die Fragen, ob es 
Normalbesoldungen, ob eine Ascendenz bestehen, ob Anciennetät gelten, ob 
sie von einer an die andre Universität wirken, wie Zukgen und Gratificatio- 
nen verliehen werden sollen, ob ein Maximum und Minimum des Honorars 
ifestzusetzen sei, erörtert. Wir haben uns über diese Gegenstände theilweise 
^hon ausgesprochen (Jahrg. 1849. S. 139), theilweise behalten wir uns vor, 
in einer selbstständigen Ausführung darauf zurückzukommen. Dass das Mini- 
srerium gar keine Zulagen solle ertheilen können, halten wir theils für 
unzweckmässig, theils für unausführbar. 



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Correspondens. 249 

S. Privatdocenten. Der Verf. unterscheidet zwei Arten von Privat- 
docenlen, solche, welche in der Corporation sind, und denen er eine mit 
den Extraordinarien ziemlich gleiche Stellung anweist, und solche, welche 
weder mit der Hochschule noch mit einer andern Corporation zusammen- 
hangen — ganz freie Docenten. Auch aus den erstem will der Verf. keine 
Staatsdiener machen, weil — auch die Professorm nicht Staatsdiener sein 
sollen« Wir haben hierüber so wie über die Habilitation für bestimmte 
Fächer, übeT die Concurrenz der Docenten mit den Professoren, über Freizügig- 
keit* u. s. w. unsre Ansichten bereits in dieser - Zeitschrift niedergelegt 
CJahrg. 1849. S- 122. 126. 130. 259. 269. 270. Jahrg. 1851. S. 269. ff. 
353. ff.). 

9. Verhältniss der Studirenden. Der Verf. spricht hier von den 
Bedingungen der Immatriculation, der Controle desFIeisses, der Betheiligung 
der Studirenden an der Verwaltung der Universität. In der ersten Beziehung 
stimmt er mit dem Resultat der Bertiner Conferenz überein, in der zweiten 
und dritten weicht er theilweise von dei? Beschlüssen des Jenaer Congresses 
ab, von dem er glaubt, dass er zu weit gegangen sei. Es lasst sich, über 
diese Punkte allerdings rechten. Doch versparen wir diess auf eine andre 
Gelegenheit. Nur das Eine wollen wir in Betreff der Gleichgültigkeit gegen 
die wissenschaftliche Reife der zu Immatriculirenden bemerken, dass der 
Verf. an den Nachtheil nicht gedacht zu haben scheint, den es für die Vor- 
träge auf der Universität haben dürfte, -wenn der Lehrer, um verstanden zu 
werden jCUnd das will doch Jeder), sich einer unwissenschaftlichen Popularität 
befleissigen müsste. 



IV. 



V. Leipzig, Ende März. (.ÜberbUek der iai Sommerhalbjahr zu erwartenden VorleaangeaO 

Wir sind bereits seit zwei Wochen in den Ferien und ich kann Ihnen daher 
billig nichts von dem gegenwärtigen Leben der Universität, ich könnte Ihnen 
höchstens von deren Schlaf berichten. Da liegt es nahe, auf die baldige 
Erstehung aus diesem Schlafe, wie sie uns der jüngst ausgegebene Lections- 
katalog für das Sommersemester in Aussicht stellt, den BUck zu lenken. Es 
ist eine reiche Auswahl an Vorlesungen, es sind gehaltreiche Namen, die 
wir hier finden. Aber wir wollen uns neben so vielem Licht die Schalten- 
partieen nicht verhehlen. In der theologischen Facultät ist leider einer der 
thätigsten Lehrer, Prof. Theile, durch anhaltendes Augenleiden zu sehr 
beschränkter Wirksamkeit genöthigt. Trotzdem finden wir immer noch 
4 alt- und 5 neutestamentliche Exegetica, die einleitenden Vorträge unge- 
rechnet, und daneben, wie gewöhnlich^ 7 exegetische Übungs-Collegien. 
Auffallender könnte die numerisch geringe Betheiligung im Fache der Kirchen- 
geschichte sein, das nur durch Kahnis vertreten ist, neben welchem Bruno 
Litidner Dogmengeschichte liest ^ genügender ist dieDogmatik und die prak,- 
tische Theologie vertreten. Immerhin haben wir in Winer, Tuch, Anger 
treffliche Exegeten, neben denen der jüngere Tischendorf sich Tiels^itigen 
Namen zu verschaffen gewusst hat; die Dogmatik wird von Winer, Liebaer, 
Theile von verschiednen Standpunkten aus vertreten, und Krehl und Gross-« 
mann wirken geist- und erfolgreich auf dem Felde der Homiletik. — . Noch 

Akadem. Monatsschrift. Mai I9'i2. SS 



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^50 Correfipondcaz. 

um Vieles ungleicher aber ist das Gebiet der juristischen Varlesungen repra- 
sentirt: im römischen Recht zwar — wo jetzt der neu berufene Prof. MuHer 
mitwirkt, sowie ein jüngst habilitirter Privatdocenl, Kuntze, — vollständige 
und Von den geachtetsten Namen: Hdrezoll (Institutionen), flanei (Pandekten), 
Schilling (Exegese), sodann Müller (Institutionen und römischeD Civilprocess>, 
Bruno Schilling (Examinatorium), Kuntze (Obligätionenrecht). Dagegen stehen 
die germanistischen Studien schmerzlich im Schatten; kein deutsches Privat- 
recht, keine deutsche Rechtsgeschichto, nur Bergrecht (Weiske) und — 
Lehnsfolge (Br. Schilling). Und von Sächsischem Rechte, auf der Sächsischen 
Landesuniversität, nichts als — Sächsisches Landwirthschaftsrecht (Steinacker), 
weder Sächsisches Privat- noch Sächsisches Staatsrecht. Weiter über Crimi* 
nairecht nur ein einziges, ein Gesammtcollegium vonMarezoll; keine Special- 
vorlesung daneben, ja nicht einmal irgend ein Cöllegium über Criminälprocess. 
Es liegen diese auffallenden Lücken keineswegs am Mangel an Lehrkräften^ 
obwohl sie theilweise wenigstens sich aus dem Umstände erklären und ent- 
schuldigen lassen, dass Prof. Schletter, der einige jener diessmal ausfallenden 
Vorlesungen wenigstens früher zu halten pflegte, auch in diesem Halbjahr 
noch beurlaubt ist; der liefer liegende Hauptgrund ist vielmehr die in Betreff 
der Examina und des Collegienbesuchs zur Zeit, bestehende Einrichtung, 
wovon ich Ihnen schon früher sprach. Zahlreich und dem praktischen Bedürf- 
niss entsprechend sind dagegen die Vorlesungen über Civilprocess ( Osterlob) 
und die praktischen Übungen (hiei: namentlich Steinacker), Ferner liest 
Albrecht deutsches Staatsrecht und Kirchenrecht (letzteres auch Br. Schilling), 
Günther Concurs- und Wechscirecht, und somit sind auch diese Brancben 
auf das Trefflichste vertreten. — Am mannichfaltigsten, wie billig, aber auch 
von vielen trefflichen Docenten repräsentirt sind die medicinischen Wissen- 
schaften. Ich nenne Ihnen aus der grossen Zahl nur die Anatomen und 
Physiologen Gebrüder Weber und Bock, den Pathologen Wunderlich, den 
Chirurgen Günther, den Lehrer der Pharmacie und Pharmaceutik Kühn, den 
Lehrer der Geburtshülfe Jörg, den Augenarzt Ritterich, mit denen vereint 
noch viele andre vorzügliche Kräfte wirken. Ist auf der einen Seite zu 
bedauern, dass mehrere ältero und bedeutende Lehrer mit zunehmenden 
Jahren und steigender Körperschwache sich mehr, und mehr zurückziehen 
müssen (so Glarus und Cerutti), so wächst dagegen auch die Zahl der. jungem 
Männer, die sich als Docenten der Facultät anschliessen , fortwährend. — 
Dieselbe Ungleichheit, wie in den drei ,,obera'^ Facultäten, tritt auch bei 
den allgemeinen Studien hervor. Die philosophischen Wissenschaften werden 
von Männern, wie Drobisch und Hartenstein (bekanntlich beide der Herbart- 
sehen Schule angehörig), Weisse und Fechner, glänzend vertreten; daneben 
fehlt es auch nicht an secundären Vorträgen, wie z. B. Ästhetik von Flathe. 
Aber im Geleite der Sprachwissenschaften finden wir dafür eine desto bedeu- 
tendere Lücke. Die altclassischen Sprachen zwar lehren Klotz und Wester- 
mann, unterstützt von zwei Extraordinarien, den bekannten Herausgebern 
des Cicero und Plato, Nobbe und Stallbaum, und von des grossen Hermann 
Sohn Conrad H., der sich neuerlich habilitirte, und man wird hier Vielseitig- 
keit und Gründlichkeit nicht zu vermissen haben, am wenigsten vielleicht die 
Berücksichtigung der Griechen, die man mit Hermann ausgestorben zu sehen 
einst fürchtete. Auch für die morge^nländischen Sprachen sind Brockhaus 
und Fleischer weitbewährte Lehrer, obwohl wir hier das Studium der 
hebräischen Sprache mit besonderm Hinblick auf das Bedürfniss der The(^ogen 
nur ungenügend durch ein Obungscollegium vertreten finden. Desto schmerz- 



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Correspondcnz. 251 

lieber aber iist der völlige Mangel irgend welcher Vorlosungen über deulsehe 
«oder ober irgend eine neuere Sprache und Literatur. Hoffen wir recht bal- 
dige Ergänzung dieser starken I^ücke, die Treilich mehr als eine Berufung 
nölhig machen würde! Auf dem Felde der historischen Wissenschanen wir- 
ken BaMreicbe, darunter einige sehr bedeutende Kräfte, in erfreulichem 
Vereine: Vi^acbsmuth, Wuttke, Flathe, auch Biedermann, endlich der Docenl 
Brandes; über Allerthumskunde und Mythologie lesen Westermann, Weisse 
«nd Seyffarth, der bekannte Hieroglyphenkenner. Gering sind hinwiederum 
der Zahl nach die Vorlesungen im Gebiete der Staatswissenschaften : so 
tfichtige Kenner und Lehrer ihres Faches auch Bulau und Röscher sind, so 
reichen ihre Kräfte, denen sich die des Prof. Jacobi und des Docenten Kerndt * 
betgeseUen, doch für ein so weites Feld nicht aus; die beiden letztgenannten 
wirken daneben, im Vereine mit Marbach, vorzugsweise auf dem der eigent- 
liehen Cameralwissenschaften. Desto reichlicher sind die mathematischen und 
naturwissenschaftlichen Studien ausgestattet: jene durch Männer, wieDrobisch, 
Mdbiiis, d'Arrest vertreten, diese durch die Physiker Hankel und Marbach, 
die Chemiker Erdmann, Kühn, Lehmann (drei weithin ehrenvoll bekannte 
Namen)<, und defi Docenten Hirzel, den Mineralogen Naumann, die Botaniker 
Sehwagrichen *), Petermann und die neu habilitirten Docenten Willkomm, 
endlich den Zoologen und bekannten Reisenden Pöppig. — Zu den Vorge- 
nannten wird übrigens noch im Gebiete der historischen Wissenschaften der 
kurz vor Sehluss des Halbjahrs habilitirte Dr. Woldemar Wenck treten, der 
seioMi schon durch eine frühere Schrift begründeten Ruf als tüchtiger For- 
scher auch in seiner Habilitationsschrift „die Erhebung Arnulfs und der Zer- 
fall des Karolingischen Reichs^^ bewahrt. 

O. Berlin. 4. April. O'fieil^velser Krsatz für Lacliinann. Falialtung seine» A.adenkeHa.) 

Hit dem 26. März sind die letzten Vorlesungen des verwichenen Halbjahrs 
geschlossen und am 19. April beginnt das Sommersemester. Der Katalog 
zeigt im Ganzen die hergebrachten Vorlesungen. Die einzige wichtige Ände- 
rung in den Lehrkräften ist durch den Hinzutritt des Director Meineke vom 
Joacfaimsthalschen Gymnasium entstanden, der als Mitglied der Akademie der 
Wissenschaften zum erstenmale von seinem Rechte Gebrauch gemacht hat, 
Vorlesungen anzukündigen. Er wird die Oden und Epoden des Horaz inter- 
pretiren. Bei der anerkannten Heisterschaft des Herrn M. auf dem Gebiete 
der Exegese und der Kritik, wie bei seiner langjährigen Beschäftigung mit 
dem Dichter, ist man auf diese Vorträge sehr gespannt. Dass Herr M. 
zugleich das philologische Hitglied der wissenschaftlichen Prüfungscommission 
ist und den Examinanden von ihm eine horazische Probelection aufgegeben 
zu werden pflegt, kommt hinzu, um eine starke Frequenz seines Hörsaals 
if(i Voraus gesichert erscheinen zu lassen. So ist wenigstens einigermassen 
ein Ersatz %r Lachmanns Verlust geboten. Freilich nicht ausreichend: denn 
weder die altdeutsche Philologie ist in M. repräsentirt, noch ist sein Ver- 
haltniss zur Universität mehr als ein freiwilliges , jeden Augenblick von ihm 
zu lösendes. — An Lachmanns Andenken hat sich übrigens an seinem Todes- 



*j Als ich Vorstehen ies eben niedergeschrieben, erfuhr ich, dass der hochver- 
diente Sehwagrichen wegen vorgerückten Alters um seine Entlassung nuchgeSucht 
und 'mit dieser zugleich das Ritterkreuz des Sächsischen Verdienstordens erhalten hat. 
Es wird nun desto dringenderes Bedürfniss, die durch Kunze's Tod erledigte Profes- 
sur der Botanilf zu besetzen. 



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252 Correspondene. 

tage ein obscurer Mensch durch Herausgabe eines elenden Pamphlets ver- 
sündigt, das kaum eine Abfertigung durch Jacob Grimm, die ihm in hiesigen 
Zeitungen zu Theil geworden, verdient hätte. Auf andrer Seite wird des 
Edlen Gedäcbtniss aber gebührend in Ehren gehalten: zu Errichtung eines 
würdigen Denkmals werden, zunächst in engern Kreisen, Beiträge gesammelt, 
deren reichliches Eingehen einen günstigen Erfolg in Aussicht stellt und 
»auch, dass seine Freunde, Schüler und Verehrer seine Züge im lebendigen 
Gedächtnisse behalten, wird jetzt durch ein so eben erschienenes Portrait, 
nach einem Biow'schen Lichtbilde von Teichel in Kupfer gestochen, erreicht. 
Es ist diess (Verlag von W. Hertz, Besser'sche Buchhandlung hier) eine um 
so willkommnere Erscheinung, als bis dahin kein Bild des hochverdienten 
Mannes existirte und als das nun dargebotene, sowohl was die Ähnlichkeit 
als was die künstlerische Ausführung betrifft, ein in jeder Beziehung gelungen- 
nes genannt werden muss. Auch der Preis ist verhältnissmässig billig aaf 
IV2 Rthlr. (für Abdrücke auf chinesischem Papier 2 Rthlr.) gestellt und so 
ist nur zu wünschen, dass der treue Eifer des Künstlers und des Verlegers 
durch reichlichen Absatz des trefflichen Blattes belohnt werden möge. 

e. München, im April. (Akademie. Berufnngen. Ehren gerieht.3 Den 27. MärZ 

I. Js. feierte die kgl. Akademie der Wissenschaften ihren 93. Stiftungstag 
durch eine öffentliche Sitzung. Der Vorstand der Akademie, Herr Hofrath 
Dr. Thiersch, hielt eine ausgezeichnete Rede über die wissenschaftliche Seite 
rem praktischer Thätigkeit. Er gedachte dabei v. Reichenbachs und v. Frauen- 
bofers, welche so glänzende Beispiele von der Verbindung praktischer und 
wissenschaftlicher Thätigkeit gegeben haben. Daran knüpfte er eine kurze 
Biographie dieser beiden berühmten und um die Wissenschaft hoch verdienten 
Männer, deren Bildnisse zum erstenmale den Versammlungssaal schmückten. 
Hierauf theilte er der Versammlung mit, dass Se. Majestät eine naturwissen- 
schaftlich-technische Commission bei der Akademie einzusetzen und mit jähr- 
lich 5000 fl. aus der Cabinetscasse auszustatten geruhten. Zu Mitgliedern 
-dieser Commission sind die Akademiker Fuchs, Lamont, v. Herrmann, 
y. Kobell, Schafhäutl, Ohm, Buchner jun., Pettenkofer und Seidl ernannt 
worden. Der Redner schloss mit einigen Worten zum Gedäcbtniss des erst 
im Laufe des letzten Jahres verstorbenen Hitgliedes der Akademie, v. Roth, 
ehemaligen Präsidenten des protestantischen Oberconsistoriums. Dieser Rede 
folgte noch ein Vortrag des Professors Dr. Pranll über die gegenwärtige 
Aufgabe der Philosophie. — Wie Sie bereits aus öffentlichen Blättern werden 
erfahren haben, ist unsre Universität durch die Berufung Geibels und Pfeuf- 
fers mit neuen Notabilitäten bereichert worden. Beide werden jedoch erst 
im nächsten Studienjahre ihre Vorlesungen beginnen. — Wie ich höre, hat 
der Studenten-Ausschuss Anträge gegen das Duell und auf Errichtung eines 
akademischen Ehrengerichtes an den Senat gebracht. Es wäre zu wünschen, 
dass von Seiten der Studentenschaft selbst diesem neuerdings wieder sehr 
überhandnehmenden Unfuge entgegengearbeitet würde. — Die Studenten- 
verbindung Cheruscia hat sich aufgelöst; dafür hat sich eine neue Verbindung 
unter dem Namen „Ocnania" gebildet. 



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Allgemeine Corrcspondenz. 253 



Allgemeine Gorrcspondeiiz. 

Die Universität Tübingen bleibt bei ihrem guten Herkommen, vor dem 
Anfang des Semesters in den öffentlichen Blättern eine Belehrung über die 
Förmlichkeiten des Inscriptionsgeschäfts bekannt zu machen, wodurch vorzugs- 
weise bewirkt wird, dass die Eröffnung der Vorlesungen nicht so weit hinaus- 
gezogen wird, wie an manchen andern Universitäten; denn die in der Bekannt- 
machung bestimmten Fristen werden mit Strenge festgehalten. , Folgende 
Punkte sind in der Bekantmachung hervorgehoben: 1) Jeder neu ankommende 
Sludirende, so wie diejenigen, welche früher hier studirten und nach einer 
halbjährigen oder noch längern Unterbrechung hieher zurückkehren, sind 
verbunden, sich innerhalb der ersten zwei Tage nach ihrer Ankunft bei der 
unterzeichneten Gommission zur Inscription zu melden. 2) Die einer- väter- 
lichen oder vormundschaftlichen Gewalt unterworfenen Studirenden haben 
ein obrigkeitlich beglaubigtes Zeugniss der Eltern oder Vormunder darüber 
beizubringen, dass sie Von den Letztern auf die Universität Tübingen gesen- 
det seien. 3} Von Studirenden, welche früher andre Universitäten besticht 
haben, sind zugleich ihre dortigen Abgangs- (Studien- und Sitten-) Zeugnisse 
zu übergeben. 4) Wer die akademischen Studien eine Zeit lang unterbrochen 
hat, muss sich durch ein Zeugniss der Obrigkeit des Ortes, wo er sich 
während dieser Zeit aufgehalten hat, über sein Betragen und seine Beschäf- 
tigung ausweisen. 5) Von solchen Inländern, welche die studienräthliche 
Erlaubniss zum Studiren. schon bei einer früh era Prüfung erlangt, sich aber 
inzwischen noch in Kanzleien, Apotheken u. dgl. auf das akademische Studium 
weiter vorbereitet haben, werden glaubwürdige Zeugnisse über ihre Beschäf- 
tigung und Aufführung während dieser Zwischenzeit verlangt. 6) Ausländer 
und solche Inländer, welche ohne erstandene Vorprüfung die Hochschule 
beziehen, haben besondre Zeugnisse sowohl über ihre wissenschaftliche Vor- 
bereitung zum akademischen Studium, als auch über ihr sittliches Betragen 
nöthig, und 7) eine weitere Bedingung ihrer Zulassung auf hiesiger Univer- 
sität bildet die Beibringung eines vorschriftsmässig ausgefertigten Cautions-. 
Scheines, wozu jederzeit auf Verlangen gedruckte Formulare im Universitäts- 
hause abgegeben werden. 8) Es wird kein Schüler eines inländischen Gym- 
nasiums, Lyceums oder der polytechnischen Schule auf der Universität 
zugelassen, wenn er nicht ein von dem Vorstand der Lehranstalt, welche 
er bis dahin besucht hat, ausgestelltes Abgangszeugniss vorzuweisen vermag. 
Der Anfang der Vorlesungen ist auf den 15. April festgesetzt. Acht Tage 
später darf, ohne besondern und sofort bescheinigten Entschuldigungsgrund, 
keine neue Meldung angenommen werden. Es wird erwartet, dass jeder znr 
Inscription sich meldende Studirende die nach Vorstehendem nöthigen Urkun- 
den sogleich vollständig vorlege, widrigenfalls er die aus der Versäumniss 
für ihn entspringenden nachtheiligen Folgen sich selbst beizumessen hätte.^— 
Unter den neu berufenen Professoren hat besonders Vicekanzler Gerber 
eine sehr grosse ZuhörerzahL, so dass er ans dem anfänglich gewählten 
Hörsaal in den grossen Pandektensaal übersiedeln musste. Professor Fein, 
erst kürzlich aus Jena eingetroffen, liest Institutionen; hätte er Pandekten 
gelesen , so würde sein Auditorium viel grösser geworden sein. Der Pro- 
fessor der Physik, Keusch, der schon seit Neujahr einem kleinern Kreise 



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254 Allgemeine Corre»poiideiic. 

Vorträge gehalten hat, wird wohl der grossen Menge seiner Zuhörer wegen 
genöthigt sein, dieselben in zwei Curse zu theilen. Für die Professur der 
HaUiematik und Astronomie, welche früher mit der Physik verbunden war, 
nennt man wieder den frühem Privatdocenten Dr. Zech, jetzt Professor am 
Gymnasium in Stuttgart, als den zu Berufenden. Das Ephorat des evangeli- 
schen Seminars ist noch nicht besetzt; Walz in Tübingen und Oehler in 
Breslau nennt man als diejenigen, zwischen denen die Wahl schwanke. Als 
Nachfolger des Theologen von Schmi.d nennt man Decan Palmer, Schwei- 
zer in Zürich und Schenkel in Heidelberg. 

Aus 6i essen erfahren wir, dass v. Lieb ig trotz der glänzenden 
Anerbietungen, die ihm von München aus gemacht sind, den Ruf dahin abzu- 
lehnen gesonnen sei. 

Aus Marburg hören wir, dass Privatdocent Dr. E. Zimmermann 
ffrüher Obergerichtsrath in Hanau) einen Ruf an die Universität Basel für 
den Lehrstuhl des römischen Rechts erhalten und angenommen habe. Er 
hatte sich erst im vorigen Herbst habilitirt; man bedauert seinen Abgang 
um so mehr, als er in der kurzen Zeit ein ausgezeichnetes Lehrtalent bewie-!- 
sen hat. Auch Prof. Bergk hat eine neue Vocation an Feuerbachs Stelle 
nach Freiburg erhalten. Man glaubt aber, da er erst unlängst einen Ruf 
nach Jena abgelehnt hat, um so weniger, dass er dieser neuen Vocation 
folgen werde. 

Prof. K. Simrock in Bonn hat einen Ruf nach München erhalten. Er 
befindet sich gegenwärtig in Berlin, und, wie wir vernehmen, würde er gern 
in Bonn verbleiben, falls ihm von der preussischen Regierung eine günstigere 
Stellung geboten würde; derselbe ist noch ausserordentlicher Professor. — 
Der Privatdocent Dr. Hoppe hat einen Ruf als Professor der Medicin an 
die Universität Basel erhalten und angenommen. 

In Kiel scheint die Universität unter den Zeitverhältnissen immer mehr 
leiden zu sollen; nicht bloss haben bedeutende Notabilitäten dieselbe ver* 
lassen , jetzt tritt auch die Reaction mit ihrer Einwirkung auf. Die von der 
dänischen Presse mit so vielem Eifer verlangte Epuration der Universität hat 
ihren Anfang genommen. Bereits sind entlassen die Professoren S am wer 
und v. Liliencron, sodann derLector der französischen Sprache Seh wob* 
Dolle. Schon unter dem 2. April ist dem Director dßs statisüschen Bureau^ 
Prof. Ravit, eröffnet worden, dass das mittelst Verfügung vom 25. Februar 
1850 ins Leben gerufene statistische Bureau vom 1. d. M. an aufgehoben 
worden sei. Prof.Ravit war seinerzeit ein sehr thätiges Mitglied der Grenz» 
regulirungscommission. In der Nacht vom 23. auf den 24. April bat die 
Universität ihren berühmten Chemiker und Pharmakologen, den Conferenzrath 
Pfaff, durch den Tod verloren. Andrerseits wird es der Universität schwer, 
neue Berufungen zu realisiren, so dass es Prof. A. Schmidt, der an 
Iherings Stelle für römisches Recht berufen war, vorzieht, in FreiJ*urg zu 
bleiben. 

Von Gott Ingen aus wird das gesetzmässige Verhalten der Studirenden 
im abgelaufenen Wintersemester gerühmt. . Bs sei im Ganz^ musterhaft, 
gewesen. »Von rpl^er Ausgelassenheit sei nicht .ein Fall vöfgc^oihmen. Rei- 
bungen unter« de^ beiden Hauptparteien, Corps Mnd.:s.^ g. ProgrcBsisten; 
massenhafte Versuche .zur Herbeiführung unwürdiger, IConflicte oder- wenig- ' 
stens üi^erlicher« Auftritte hStteni gai* nicht stattgefunden. Es hätten viel- 
mehr an studentischen Festlichkeiten', zu welchen ' mehrmals Gelegenbeit 
gegeben war,, beide Parteien nach dem Grundsatze der Gleicbberechtigang 



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Angemeinc Correspondenz. 255 

in durcbaos geziemender Weise Theil genommen. Es gebühre desshalb bei- 
den Parteien gleiches Lob. Es sei allerdings auch von Seiten der Behörden 
aller Ernst aufgeboten und namentlich seit der im Winter IS^/^^ vorgekom- 
menen Misshandlang eines Studirenden die thnnlichste Verstärkung der Nacht- 
patrouillen angeordnet worden, u:n solchen Excessen vorzubeugen. Immer- 
hin aber bleibe es anerkennenswerth , dass dieser Absicht kein Widerstand 
entgegengesetzt worden. Auch von den früher nicht seltenen muthwilligcn 
Beschädigungen fremden Eigenthums, öffentlicher Brunnen u. dgl. sei in die- 
sem Semester nur ein, und zwar unbedeutender, Fall vorgekommen. Die 
Gesammtzahl der Straffälle betrage nur 38, worunter 24 ganz unbedeutende 
(Oberschreitung der Polizeistunde und dergleichen). — Prof. Ruete hat 
unter glänzenden Bedingungen einen wiederholten. Ruf nach Leipzig erhalten. 

Nach Weimar kommt als Oberhofprediger und Consistorialrath Prof. 
Dittenberger aus Heidelberg. Er wird mit dem Schlüsse des Sommer- 
semesters Heidelberg verlassen, wo er zugleich Pfarrer an der Gemeinde 
zum hl. Geist war. 

In Halle wird die Rückkehr des Prof. Burmeister erwartet, der 
seine wissenschaftliche Reise nach Brasilien glücklich ausgeführt hat. 

In Berlin ist von dem Grafen Cieszkowski und 14 andern Mitglie- 
dern der polnischen Partei in der zweiten Kammer der schon früher wieder- 
holt angebrachte Antrag auf Errichtung einer akademischen Lehr- 
anstalt in Posen erneuert worden. Es wird beantragt: der Regierung 
die Erwägung anheim zu gehen, auf welche Weise und in welchem Umfange 
dem lang gehegten Wunsche der polnischen Bevölkerung und dem dringen- 
den Bedürfnisse nach einer akademischen Lehranstalt in Posen baldmöglichst 
genügt werden kann, und in dieser Hinsicht die nachtheilige Ausnahmestel- 
lung, welche das Grossherzogthum Posen allen Provinzen des preusisisdien 
Staates gegenüber einnimmt, einigermassen zu heben. Der Antrag war im 
vorigen JsJir von der Unterrichtscommission der zweiten Kammer abgelehnt 
worden. Der Antragsteller entwickelt nun in den mehr als 30 Quartseiten 
umfassenden Gründen, diass dieser Beschluss der Commission nicht gerecht- 
fertigt war. In der Kritik dieses Beschlusses wird das Nationalverhältniss 
als der Standpunkt bezeichnet ^ von welchem aus der Antrag beurtheilt zu 
werden wünscht; die von der Commission empfohlene Errichtung polnischer 
Lehrstühle an geeigneten Universitäten, wie etwa Berlin und Breslau, ent- 
spreche weder dem Wunsche der polnischen Bevölkerung, noch dem gegrün- 
deten Rechte derselben, also ebensowenig dem Bedürfnisse als der Pflicht 
des Staats. Die Erörterung geht dann auf die Betrachtung der historischen, 
finanziellen und mehr privatrechtlichen Verhältnisse ein, und bringt ausser 
einem sehr interessanten Material zur Geschichte des polnischen Schulwesens 
noch bemerkenswerthe Zahlenangaben über die Beträge des sogenannten 
Educationsfonds bei, welche an den preussischen Staat durch Übernahme 
des Grossherzogthums aus dem Vermögen des noch zu Zeiten der Selbst- 
ständigkeit Polens aufgehobenen Jesuitenordens gelangt sind. In gleicher 
Art wird der Säcularisationsfond, aus dem Vermögen aufgehobener Klöster 
gebildet, herangezogen und die Verwendung dieser und ähnlicher Fonds für 
Unterrichtiszwecke im national- polnischen Sinne anempfohlen. Der vom Cultus-* 
minister v. Raumer neulich hervorgehobene Umstand, dass es der polnischen 
Nation an geeigneten Individuen zur eventuellen Besetzung der Lehrämter 
fehle, wird durch den Einwand widerlegt, dass selbst innerhalb der Grenzen 
der Provinz ausreichende Lehrkräfte vorhanden seien. Nach Berliner Blät« 



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356 AllgemeiDe Correspondenf. 

tern sollen sich . für das beginnende Sommersemester nicht weniger ab 
13 -Ärzte in der medicinischen Facultät als Privatdooenten zu habilitiren 
beabsichtigen. Es soll jedoch nur die Habilitirung von fünf zugelassen wor- 
den sein. — Die Ernennung des ausserordentlichen Professors Dieterici 
zum Dragoman oder Gehülfen der Gesandtschaft in Konstantinopel habe, sagt 
eine Correspondenz der A. Z., hier und dort manche Bemerkung zu ertragen. 
,, Viele fragen sich, ob eine durch den neuen Beruf des Herrn Dieterici 
bedingte Thätigiceit alle Erwartungen erschöpft, die seine akademische Lauf- 
bahn begleiteten und die durch die besondre Gunst d^r Regierung verbärgt 
schienen. Die stille Clause des Gelehrtenfleisses und der damit hoffnungs- 
und glanzvoll verbundene Lehrstuhl der Berliner Universität gegen das 
bewegtere und geschäftigere Leben in Pera zu vertauschen , mag Sache 
persönlicher Neigung bleiben, aber ein solcher Wirkungskreis findet seine 
Erfüllung eher in einem Manne, der mit dem Tone und der Sprache der 
türkischen Hauptstadt, wie mit romanischen Sprachen vertraut ist, während 
kathedermässige Philologie höchstens eine Zierde ist. Auf der hie;sigen Uni- 
versität ruht übrigens in Betreff des Lehrstuhls der arabischen Sprachkunde 
ein wahrer Fluch : Benary ist zur Theologie, Rückert nach Thüringen, Wetz- 
stein zur Diplomatie übergegangen, endlich glaubte man, Hr. Dieterici werde 
den Bann dieses auf kleinern preussischen Universitäten durch Männer wie 
Frey tag, Kosegarten, Rödiger dcc. so glänzend besetzten Lehrstuhles lösen, 
und nun verlässt er auch den Posten." ■— Die tabellarische Übersicht der 
Lehrer und Studirenden bei den preussischen Universitäten weist eine nicht 
unbeträchtliche Vermehrung der Studirenden gegen die Vorjahre nach. Es 
befanden sich von Ostern 1850 bis Michaelis 1851 durchschnittlich 4600 Stu- 
direndo auf den preussischen Universitäten, während es seit der Hälfte der 
dreissiger Jahre sonst durchschnittlich nicht mehr als 4300 — 4500 gewesen 
sind. Die Vermehrung trifft die inländischen Studirenden; die Zahl der Aus- 
länder hat noch immer nicht die Höhe vor 1848 erreicht. In den letzten 
10 bis 15 Semestern vor 1848 machten die Ausländer 20 bis 25 Procent 
aus; im Jahr 1849 sank die Zahl derselben bis auf 14 Procent. Im Herbst 
1851 macht sie 16 Procent aus. Eine Correspondenz der A. Z. meint, die 
preiswürdige Sorgfalt, womit andre deutsche Regierungen die gute Besetzung 
der Lehrstellen auf ihren Universitäten sich seit den letzten Jahren angelegen 
sein lassen, wogegen- in Preussen in dieser Beziehung eher ein Rückschritt 
als ein Fortschritt bemerklich sei, möge das. Meiste dazu beigetragen haben. 
Übrigens ist die Zunahme der Studirenden bei allen preussischen Universitä- 
ten in den drei Semestern von Ostern 1850 bis Michaelis 1851 gleichmässig, 
mit Ausnahme, von Halle,' wo eine Abnahme um 20 stattgefunden hat. Die 
Zahl der ordentlichen und ausserordentlichen Professoren hat durchschnittlich 
eine unbedeutende Verminderung erfahren, die der Privatdooenten dagegen 
eine Erhöhung, in den philosophischen Facultäten um 10. Wir geben im 
Folgenden nach den uns zu Gebot stehenden statistischen Hülfsmitteln eine 
Vergleichung der Frequenz der preussischen Universitäten im Sommersemester 
1837, im Sommersemester 1851 und im Wintersemester 18^752. ^^ Sommer 
1837 war die Gesammtzahl aller ImmatricuUrten an den preussischen 
Universitäten (incl. Münster) 4429, im Sommer 1851 war sie 4616, im Win- 
ter 18^752 4822. Die Gesammtzahl der ImmatricuUrten und Nicht- 
immatriculirten im Sommersemester 1837 war 5075, im Sommersemesler 
1851 war sie 5565, im Wintersemester IS^Vgj 5725. Die Gesammtzahl der 
A'Uislähder im Sommersemester 1837 war 719, im Sommersemester 1851 



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AttgemeiiM Oorrcwp^iidMii. MV 

war sie 67Ö, im Wiilterseiftester tÖ^Vöa 700. Aaf die ^acultiten irertheileA 
sich diese ZAMen in folgender Weise: Für die katholische Theologie 
waren im Sommersemester 1837 immatri6ulirt 405 Inländer und 36 Ausländer, 
itn Sommersemester 1851 waren es 584 Inländer und 39 Aasländer, im 
Wintersemester IS^Ygg 609 Inländer und 42 Ausländer. Fär die evange-* 
liscbe Theologie waren im Sommersemester 1837 immatriculirt 1018 
Inländer und 196 Ausländer, im Sommersemester 1851 waren es 594 Inlän- 
der und 131 Ausländer, im Wintersemester 18^752 ^^3 Inländer und 132 
Ausländer. Für Jurisprudenz waren im Sommersemester 1837 immatri'« 
culirt 803 Inländer und 148 Ausländer, im Sommersemester 1851 waren es 
1342 Inländer und 208 Ausländer, im Wintersemester IS^Vgs ^^^^ Inländer 
und 208 Ausländer. Für Medicin waren im Sommersemester 1837 imma- 
triculirt 740 Inländer und 176 Ausländer, im Sommersemester 1851 waren 
es 551 Inländer und 95 Ausländer, im Wintersemester i8^Vg2 587 IntandeF^ 
101 Ausländer. Für die philosophische Facultät waren im Sanmier-* 
Semester 1837 immatriculirt 744 Inlädder und 163 Ausländer, im Sommer«' 
Semester 1851 waren es 875 Inländer und 197 Ausländer, im Wintersemeslee 
l'B^Vsa ^2 Inländer und 217 Ausländer. 

Die A. Z. schreibt unterm 26. April aus Berlin: „Die hellen, von allen 
Seiten freien Räume unsres stattlichen Universitätsgebäudes waren heute 
Zeugen ehrender Anerkennung, die einem langjährigen und würdigen Ver- 
treter der hiesigen Universität au Theil wurde. Es war das funfzigjährfjgcr 
Doctorjubiläum des geheimen Medicinalraths und Directors des zoologiscÜefi 
Museums, Heinrich Lichtenstein, und der Tag wurde dazu auserseheft, 
die Büste des Gefeierten in dem Museum, das recht eigentlich sein Werfc M. 
feierlich aufzustellen. Der Jubilar, dem Niemand ansieht, dass er schon n 
Jahre hinter sich hat, war durch eine Reise nachTriesI den ihn erwartenden 
Festlichkeiten aus dem Wege gegangen. Vor der Büste, die ein tüfchfiges 
Werk des talentvollen Bildhauers Albert Wolf ist, hielt Humboldt, limgeben^ 
von einem kleinen, meist der Akademie angehörenden Kreise von Zuhdrevnf 
die Festrede, worin in klarer runder Weise^ wie man sie von dem AltmeiMef 
der Wissenschaft gewohnt ist, die Leistungen Lichtensteins hervorgehoben 
wurden. Es war tief ergreifend, als dem Redner, wie er auf die schweren^ 
Schläge des Schicksals zu sprechen kam, von denen Lichtenstein in der letz^ 
ten Zeit betroffen wurde, die Stimme versagte und das Auge sich mit Thrä^ 
Ren netzte, ein ehrender Beweis, wie warm und theilnebmend das Herz de»' 
edlen Greises für, seine Freunde schlägt. Lichtenstein promovirte in dem 
denkwürdigen Jahr 1802, in welchem Humholdt die umfassenden Untersuchungen 
ies schönen Hochthaies von Quito und der Kette von gewaltigen Vuleanen, 
die dasselbe umgeben, anstellte, und den Chimborasso bestieg. Gegen Ende 
desselben Jahrs langte Lichtenstein auf dem Cap der guten Hoiftiung an, 
wohin er den hottändischen General Janssen, der zum Gouverneur der Cap-' 
colonie ernannt war, als Erzieher seines Sohnes und Hausarzt begleilele. 
Es wi»rd ihm namentlich beim Ausbruch des Kriegs mit England reichliche^ 
Gelegenheit zu Theil, die innern Gegenden der Colonie kennen zu lernen, 
und einmal wurde er sogar als Regierungscommissär zu dem wenig gekann- 
ten Völkerstamm der Beetjuanen gesandt Nach der Eroberung der Colonie 
durch die Engländer kehrte er nach Deutschland zurück, wo er abwechselnd 
in ßraönschweig, Helmstedt, Göttingen und Jena lebte und seine Sammlungen 
und landsobrifllichen Materialien ordnete. Gleich nach Stiftung der Berliner 
Uüivenuiät hielt er an derselben Vorlesungen, und wurde sefaoo im folgenden 

Akadem. Monatsschrift. Mai 1852. 33 

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258 Attgemeuie Correfpondens. 

Jahr 1811 zum ordentlichen Professor der Zoologie ernsniit. linier seiner 
Leitung und durch seinen rastlosen Eifer ist das zoologische Museum Berlins 
eines der grössten des Continents geworden, in wissenschaftlicher Hinsicht 
aber nhnmt dasselbe, was Humboldt bezeugte, den ersten Rang ein. Auch 
den zoologischen Garten, in welchem gleichfalls seine Büste aufgestellt wurde, 
hat Lichtenstein mit verhältnissmässig geringen Mitteln vor etwa 10 Jahren 
gegründet und wirklich grossartige Resultate erzielt. Der Secrelar der Aka- 
demie, Professor Encke, theilte die zahlreichen Gratulationsschreiben mit, die 
an den Jubilar eingegangen. Seine Vaterstadt Hamburg zeichnete sich dabei 
besonders aus. Die Universität Göttingen, welche die Erbschaft der Univer- 
sität Helmstedt, wo Lichtenstein promovirte, antrat, schickte ein neues 
Doctordiplom." 

In Königsberg hat die Zahl der Studirenden im verflossenen Winter- 
semester im Yerhältniss zum vorhergehenden Sommersemester um 11 abge- 
nommen. Von Ostern bis Michaelis 1851 war die Gesammtzahl 358, davon 
sind abgegangen 60. Es sind demnach geblieben 298, dazu sind im Winter- 
semester gekommen 49. Die Gesammtzahl der immatriculirten Studirenden 
betrug daher 347, darunter 4 Ausländer. Die theologische Facultät zählte 39, 
die juristische 165, die medicinische 72 (darunter 3 Ausländer), die philo- 
sophische 71 (darunter 1 Ausländer). 

In München wurde das Sommersemester am 19. April, wie üblich, mit 
dem Heiliggeistamt eröffnet, welchem der Rector und die meisten Professo- 
ren beiwohnten. Es sind in München .für das Sommersemester von 98 Dö- 
centen 199 Vorlesungen angekündigt, wovon 23 auf die theologische, 29 auf 
die juristische, 14 auf die staatswirthschaftliche, 62 auf die medicinische und 
71 auf die philosophische Facultät treffen.. Die Zahl der ordentlichen Pro- 
fessoren ist 50, der ausserordentlichen 18, der Honorarprofessoren 10 und 
der Privatdocenten 20. — Sehr interessant ist die von Thiersch in der öffent- 
lichen zur 93. Stiftungsfeier der Akademie gehaltenen Sitzung vorgetragene 
Erinnerung an den Präsidenten des protestantischen Oberconsistoriums F. R.' 
v. Roth, welche die A. Z. in der Beilage zu Nro. 111 vom 20. April d. J. 
mittheilt. K. Johann Friedrich v. Roth ist am 20. Juni 1780 zu Vaihingen 
an der Ens geboren, wo sein Vater Vorsteher der lateinischen Schule war. 
Mit 17 Jahren bezog er die Universität Tübingen, wo er von 1797 — 1800 
Jurisprudenz studirte. Seine Studien waren vorzüglich auf Quellenerforschung 
gerichtet, wozu ihn seine classische Vorbildung in hoheni Grade befähigte. 
Im Jahre 1800 vertheidigte er seine Schrift „rft? re municipali Romaiwrum" 
zur Erlangung der Doctorwürde. Z^ei Jahre darauf wurde er als Consulent 
des grossen Raths nach Nürnberg berufen, wo er 1806 mit der Stadt von 
Bayern übernommen wurde. 1810 kam er als Oberfinanzrath nach München; 
1808 hatte er seine ^^Commentarii de hello Bomssico" herausgegeben. In 
München fand er im Hause des Präsidenten der Akademie Jacobi liebevolle 
Aufnahme und die seinem Geist und der Richtung seiner Studien entsprechende 
Genossenschaft bedeutender Männer. Seinen Eintritt in die Akademie bezeich- 
nete er 1811 durch die vortreffliche Lobschrift auf Johann v« Müller; 
1828 wurde er zum Präsidenten des protestantischen Oberconsistoriums 
ernannt und als solcher in die Kammer der Reichsräthe eingeführt. Seine 
schriftstellerische Thätigkeit zeigte sich sei( seinem Eintritt in die Akademie 
zumeist in Vorträgen, die er in öffentlichen Sitzungen* gehalten und ein Jahr 
vor seinem Tod gesammelt hat, und in mehrern Lobschriften auf Verstorbene. 
Dazu kam neben der Hauptredaction der gelehrten Anzeigen , die von ihm 

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Ailgenroiiie Correspondenz. 259 

äusserst sohfltzbiire Beitrage enthalten, die Besorgung der drei letzten Bande 
der Ausgabe von Jacobi's Werken und dessen auserlesener Briefwechsel in 
zwei Bänden, ebenso im Jahre 1816 unter dem Titel „die Weisheit Dr. Mar- 
tin Luthers^^ ein Auszug aus den Schriften des Reformators, und seit 1821 
mit Hülfe Jacobi's die äusserst verdienstliche Sammlung, Erläuterung und Aus- 
gabe der Schriften von Hamann in sieben Bänden. Auf seine historischen 
Studien ist er theils in der Abhandlung über die Schriften des M. Cornelius 
Fronto und über das Zeitalter der Antonine, theils in dem Fragment einer 
deutschen Geschichte: „Hermann und Marbod'S Stuttgart 1817, desgleichen 
in der Schrift über den bürgerlichen Zustand Galliens um die Zeit der frän- 
kischen HerrschafL und'^über den Einfluss der Geistlichkeit unter den Mero- 
vingern zurückgekommen. Ein umfassendes Werk über die Geschichte der 
Hohenstaufen ist in der Anlage vorhanden, aber durch Erscheinung andrer 
Werke über diesen Gegenstand unterbrochen worden. Nur einige Partieen 
sind ausgearbeitet unter seinen Papieren gefunden worden. Unmittelbar vor 
seinem Tod erschien noch eine Auswahl seiner mündlichen und schriftlichen 
Äusserungen in der ersten Kammer der bayerischen Ständeversammlung von 
1821 — 1842 als eine politische Rechtfertigung. Die Bewegung des Jahres 
1848 endete seine kirchliche und seine politische Thätigkeit. Er lebte seitdem 
in der Zurückgezogenheit bald in München, bald auf seinem Landsitz bei 
Fürth, und starb nach kurzem und leichtem Krankenlager am 21. Januar d.J. 
an plötzlich eingetretenem Nachlass der Kräfte und Schwäche des Alters. 

In Würz bürg hat die Immatriculation mit dem gesetzlichen Termin 
begonnen ; sie hat einen raschen Fortgang, besonders in der juristischen und 
medicinischen Facultät. Die erstere hat in der Ernennung ihres Privatdocen- 
ten Dr. Wirsing zum ausserordentlichen Professor den einstimmigen Wunsch 
ihrer Mitglieder erfüllt erhalten. Ist ihr dadurch eine rüstige jüngere Lehr- 
kraft gesichert, so darf von dem in nächster Zukunft zu erwartenden Eintritt 
des ausgezeichneten Codisten Weis in diese Facultät die Ausfüllung einer 
bedeutenden Lücke erwartet werden, da bisher die Angehörigen der Gebiete 
des französischen Rechts, um dieses zu studiren, Würzburg verlassen muss- 
ten, während sie es jetzt neben den vollständigst besetzten übrigen Fächern 
der Jurisprudenz in Wurzburg bei einem Manne hören können, dessen ganze 
Vergangenheit eine sichere Anwartschaft auf eine ausgezeichnete akademische 
Laufbahn gewährt. Die Facultät ist auch über diese Acquisition eines in der 
gelehrten wie in der praktischen französischen Jurisprudenz gleichmässig 
bekannt gewordnen Mannes höchst erfreut und hat es kürzlich durch die 
Zusendung des Ehrendiploms eines Doctors der Rechte an denselben bethätigt. 
Möge der baldige Schluss des Landtags, da er als zweiter Präsident der 
Kammer ,der Abgeordneten bis zu demselben in München verweilen muss, 
den neuen Lehrer bald in die Mitte seiner Collegen führen. Er wird jeden-* 
falls im Sommersemester bayerisches Staatsrecht und französisches Recht 
lesen. Die Facultät besteht jetzt aus sechs Ordinarien und einem Extraordi«- 
narius; alle Fächer können doppelt vertreten werdep. Die neuen Hörsäle« 
werden in diesem Semester zum erstenmal vollständig dem Gebrauch über- 
geben. Sie sind, was nian von den alten nicht rühmen konnte, sehr zweck- 
mässig gelegen, von Strassenlärm ganz getrennt, hell und geräumig. 

Die A.Z. schreibt aus Munster unterm 25. April: „Der hier gebürtige 
Dr. Picker, Privatdocent an der rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität 
zu Bonn, hat einen Ruf als Professor der Geschichte an der österreichischen 
Universität zu Innsbruck erhalten und angenommen. Wenn man den Abgang 

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ißs jflngen atrebenden Gelehrteo aus dem ^eogen Vtfterland nwch btdaiiett^ 
so freut man sich doch hier darüber, dass. ntm der zweite GAekriß aus 
unsrer Stadt (Grauert erhielt zuerst von hier einen Ruf sacb Wien) eiiiea 
Bttf an eine österreichische Hochschule erhalten hat. Die Wahl des öster- 
reichischen Ministers ist diessoial eine sehr gluchliche gewesen. Dr. Ficker, 
welcher umfangreiche geschichtliche Quelleftötudiea gemacht, durch seinen 
Hermann von Dassel und seine Herausgabe der Münster'schen Chroniken 
seine historische Befähigung bewährt hat, wird vor dem Antritt seines neuen 
Amtes eine aus sorgfältigen Studien hervorgegangene Schrift über Engelbert 
von Köln veröfientlichen.'^ 

Nach Prag ist der Privatdocent der Staatswirthschaft in Freiburg, 
Dr. Mischler, an die Universität und zu einer praktischen Tbätigkeit geru- 
fen. — Der Prager akademische Leseverein findet immer mehr Anklang, 
wovon die reichlichen Bücherschenkungen das besste Zeugniss liefern. Auch 
unter den Studirenden findet dieser Verein grosse Theilnahme. 

Es bestätigt sich, dass nach Pesth als ordentlicher Professor der alt* 
dassischen Literatur Dr. Halder in München berufen worden ist. Derselbe, 
ein gewandter und tüchtiger Philolog, ist aus Voralberg gebürtig und weilte 
in den letzten Jahren als Privatlehrer in München , wo er auch den Söhnen 
des Herzogs Max Unterricht gab. 

Aus der Schweiz erfahrt man neuerlich Einiges über die Berathungen 
der Mtionalräthlicben Hochschulcomnrission, welche vollzählig mit Ausnahme 
des Dr. Steiger von Luzern versammelt gewesen sei. Nach dem „Bund^^ ist 
die Mehrheit der Commission dem Project einer eidgenössischen Universität 
eatsohieden günstig; nur ein Mitglied ist für Vertagung auf unbestimmte Zeit 
und eines spricht sich entschieden gegen das Project aus« Doch wird die 
C(H»mission üire Antrage zurückhalten, bis dib Eisenbahnfrage in der Bundes- 
versammlung definitiv entschieden ist. Die Universität soll in die deutsche, 
das Polytechnicum in die französische Schweiz verlegt werden. DieClesammt- 
kosten Aer Universität sind auf 337,000 Fr. berechnet, wovon der Bond 
367,000, die Universitätsstadt 70,000 Fr. beitragen soll. Die katholischen 
Mitglieder der Commission sind einstimmig der Ansicht, die Verlegung der 
katholisch-theologischen Facultät in eine protestantische Stadt und die Erricfa^ 
tung beider theologischen Facultäten neben einander biete keinef erheblichen 
Schwierigkeiten dar. Im Ganzen sind die Grundlagen des Projects, wie es 
von der Expertencomniission aufgestellt und theilweise vom Bundesrath modi- 
ficirt worden ist, von der nationalräthlichen Commission beibehalten worden. 
Für den Sitz der Universität wird fortwährend Zürich genannt, während die 
polytechnische Schule nach Genf kommen soll. Im Übrigen spreehen sich 
die Stimmen über die eidgenössische Universität aus der Schweiz selbst noch 
immer in sehr entgegengesetztem Sinne aus. So verkündet eben eine Basler 
Correspondeez im Sehw. M.: „Das Schicksal der Universitätsfrage ist voraus- 
zusehen; einmal ist die ganze Westschweiz gegen die Errichtung einer 
schweizerischen Universität, dann enthält der betrefiende Gesetzentwurf Zu- 
stimmungen, die den Anforderungen der modernen Wissenschaft durchaus 
nicht mehr gemäss siml, und endlich ist nicht abzusehen, was für eine baby- 
lonische Verwirrung entstehen sollte, wenn die Universitätsdisciptinen in den 
drei Landessprachen der Schweiz ertheilt werden sollten. Die ganze Frage 
wird jedenfalls auf die lange Bank geschoben, wenn nicht gar fär ioomer 
I^eseitigt.'^ 



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AllgenMiM Com«pOtt<leiii. ttf 

.Dem eli«iiiiiHgen Prof. Agtissii! von Neueifborg ist von der franedirt- 
sehen Akademie dep Wissenschaften ,der erste Cuvier'scbe Preis, der Jaul 
Stiftung nach dem Tode dieses berühmten Gelehrten jährlich für Werke der 
Zoologie oder Geologie vertheilt werden soll , zugefallen. Das gekrönte 
Werk ist eine Abhendiung Über die fossilen Fische. — In Paris findet die 
Unterrichlsfrage viele Besprechung und wird von den verschiedensten Seiten 
aus rein wissenschaftlichen Gründen angegriffen. Die Geringschätzung allge- 
meiner, humanistischer Bildung will durchaus nicht gefallen. Die Absetzung 
der drei Professoren des College de France, Edgar Ouinet, Michelet und 
Mickiewicz, hat, obschon dieselben schon seit einiger Zeit suspendirt waren 
und die Massregel durch das Decret über die Disciplin des Unterricfatswesens 
deutlich hindurchschimmerte, dennoch einiges Aufsehen erregt, was jedoch 
in der Presse nur wenig Wiederhall findet und finden darf. Den conservati- 
ven Blättern ist sie zu erwünscht, als dass sie trotz theilweiser Sympathieen 
fiöT die üfliversitälsvorrechle etwas dagegen einwenden möchten, und nur 
die Begierungsorgane sagen effun, dass die drei Hauptprediger der Revolu- 
tion nichts als die verdiente Strafe für die seit zwanzig Jahren ausgesäeie 
Verderbniss erhalten haben. Von den liberalen Oppositionsorganen wagt 
nur das eine, der Si^cle, seineTi Gesinnungen einen flüchtigen Ausdruck zu 
geben, indem es ihnen eine Art von Nekrolog in den schmeichelhaftesten 
Formen nachschickt. Das. andre, die Presse, ist bis jetzt still. Dafür ver- 
öfientlicht aber der Charivari eine Anzahl ironischer Offerte und Anstellungs- 
gesuche brodlos gewordner Professoren. Indess werden sich, wie verlautet, 
Michelet und Ouinet nach New-York begeben , um dort Vorlesungen über 
Geschichte und Philosophie^ zu geben. Ein Theil ihrer Anhänger wird sie 
begleiten, mit welchem sie eine grosse literarische Gesellschaft bilden wollen. — 
Am 3. April hat die Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften 
ihre öffentliche Jahresfeier gehalten. Hr. v. Tocqueville, als Präsident dieser 
Abtheilung des Instituts, erstattete den Bericht über die für 1851 ausge- 
schriebenen Preisaufgaben. Nur eine Abhandlung über das Thema: Rechercher 
rorigiue de Tordre judiciaire en France, en retracer l'histoire et mettre en 
lumiere les principes de son Organisation actuelle, wurde gekrönt. Dr. Bodin, 
Advoeat am Appellhof zu Paris, ist der Verfasser. Die Akademie hatte noch 
zwei «udre Aufgaben gestellt : 1) Comparer la philosophie morale et politique 
de Piaton et d'Aristote avcc les doctrines des plus grands philosophes 
modernes sur les memes matieres. Apprecier ce qQ'il y a de temporaire 
et de faux, et ce qu'il y a de vrai et d'immortel dans ces differens syst^mes. 
2) Quelles sont, au point de vue jiuridkiue et au point de vue philosophique, 
les reformes dont notre procedure civile est susceptible? Im Ganzen waren 
zehn Preisschriften eingelaufen, aber nur drei wurden einer Belobung wür- 
dig erachtet, und selbst die gekrönte Preisschrifl erhielt das Zeugniss, dass 
sie besser im historischen als im philosophischen Theil ausgeführt sei. Die 
beiden letzten Aufgaben sind daher für das nächste Jahr wiederholt. Dazu 
kommen drei neue: die erste betrifft die Erscheinungen des Schlafs und des 
Somnambulismus (Ou*est-ce que le sommeil? Quelle difference essentielle 
y a-t-il entre röver et penser? Le somnambulisme artificiel, qui n'esl pour 
ainsi dire Xpxe le perfectionnement du reve, le rßve utUise, existe-t-il? Quel 
est cet